Anleitung: Klemmenden RockShox Motion Control Lockout reparieren

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Vorwort und Fehlerbeschreibung
Der Lockout meiner RockShox Reba RL (Modell 2013) begann kurz nach dem Kauf zu klemmen, so dass die Gabel nach lösen des Lockouts nicht mehr in die offenen Stellung zurücksprang. Anfangs ließ sich das noch manuell zurückdrehen, wurde aber immer schwergängiger bis es irgendwann nur noch mit dem Inbus an der Lockoutkappe möglich war.
Als ich das Rad einen Monat nach Kauf wieder zum Händler brachte und das Problem zeigte wurde mir erklärt, dass es normal sei, dass das schwergängig ist, man könne mir aber eine hochwertigere Gabel verkaufen (ganz starke Leistung vom ZEG Händler >:(). Da das damals mein erstes Mtb war wusste ich es nicht besser und wollte auch lieber fahren als ewig zu diskutieren, habe es also erstmal so akzeptiert und den Lockout nicht mehr verwendet. Ist bei 100 mm Federweg ja auch nicht so dramatisch.

Zu Problemen mit klemmender Motion Control gibt es in diesen beiden Threads (1, 2) schon viele Diskussionen. Keiner der Lösungsvorschläge dort hat bei mir aber dauerhaft geholfen.

Etwas später habe ich die Motion Control Einheit dann doch mal ausgebaut und die Laufflächen die ich unten noch beschreiben werde mit Silikonöl eingesprüht (dort über der Dichtung kommt kein Dämpferöl hin). Außerdem habe ich wie in einem der oberen Threads beschrieben den Pin auf die andere Seite durchgedrückt um die Vorspannung der Rückstellfeder zu erhöhen. Das hat vorübergehend geholfen, nach ein paar Wochen klemmte es aber wieder, vermutlich da das Silikonöl von der Fläche verdrängt wurde.

Nachdem ich seit diesem Jahr wieder sehr regelmäßig biken gehen habe ich endlich mal den großen Service der Gabel gemacht und das Problem in Zuge dessen endgültig behoben und dokumentiere das im folgenden Abschnitt falls es noch andere Betroffene gibt.

Anleitung zur Reparatur
  1. Motion Control ausbauen (Wartungsanleitung gibt es auf der RockShox / SRAM Seite)
  2. Motion Control öffnen, dazu das untere lange Kunststoffteil mit einem Lappen o. ä. gut festhalten und die Metallkappe mit der das ganze auch in der Gabel verschraubt war mit einer 24er Nuss aufschrauben (Linksgewinde!)
  3. Das mittlere Teil herausziehen (im ersten Bild schon ein Stück herausgezogen). Das ist der Schaft der das Lockoutrad oben an der Gabel mit den Öldurchlassöffnungen unten an der Motion Control Einheit verbindet. Über eine Drehung von diesem können diese geschlossen und somit die Gabel gesperrt werden. Verliert nicht die Feder die auf dem Metallschaft aufgesteckt ist.
  4. An dem entfernten Teil hat die Fläche die in der Metallkappe läuft im unteren Bereich einen zu großen Durchmesser wodurch dieses Teil klemmt und sich kaum drehen lässt. Diese Fläche wollen wir jetzt also etwas abschleifen. Dazu habe ich 600er Schleifpapier verwendet und eng um meinen Messschieber gewickelt (jede exakt rechtwinklige Kante funktioniert).
  5. Den Durchmesser oben genannter Lauffläche gleichmäßig abtragen. Ich habe dazu den Metallschaft im Akkuschrauber festgespannt. Damit geht das sehr einfach und kontrolliert. Achtung: Es geht hier nur um sehr geringe Toleranzen. Ich musste nur 0,1 mm abtragen damit die Teile wieder sauber ineinander liefen (immer wieder kurz ausprobieren!). Undicht wird die Gabel zwar nicht wenn man zu viel abtragen würde, da die Dichtungen unterhalb dieses Teils sitzen, allerdings könnte dann von oben Schmutz eindringen wenn sich zwischen der Metallkappe und dem Kunststoffteil ein Spalt bildet.
  6. Schleifflächen gut reinigen. Ich nehme Isopropylalkohol da der Kunststoffteile nicht angreift
  7. Optional: Ich habe noch etwas Teflonspray auf die Reibflächen gesprüht. Braucht es wahrscheinlich nicht, aber schadet sicher auch nicht.
  8. Feder wieder auf den Schaft stecken und am Pin einhängen. Schaft wieder in das Motion Control Gehäuse stecken. Dabei muss zum einen die Nut unten im Schaft am Gegenstück in der Motion Control platziert werden (einfach unten am blauen Teil mit den Öldurchlassöffnungen drehen bis es passt). Zum anderen muss der untere Pin der Feder wieder in das zugehörige Loch. Jetzt das ganze noch um eine Umdrehung drehen um die Feder zu spannen (mehr geht auch gar nicht ohne Gewalt) und die letzten zwei Millimeter reindrücken.
  9. Metallkappe wieder aufsetzen und zudrehen (immer noch Linksgewinde ;)).
  10. Motion Control wieder einbauen (siehe Wartungsanleitung) und über leichtgängigen Lockout freuen.
1.jpg 2.jpg

Fazit
Die Gabel und der Lockout funktionieren jetzt seit über 5000 Höhenmetern auf den Trails um Freiburg problemlos, falls sich das noch ändert werde ich das hier rein schreiben.
 
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Hilfreichster Beitrag geschrieben von tobiasBa

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Hi, habe gerade das selber hinter mir an meiner Reba 2014. Zusätzlich musste ich allerdings (habe ein PushLoc System) den Mechanismus etwas vorspannen und dann den Seilzug fixieren. Ungespannt hat der Mechanismus bei mir nicht vollständig die Löcher unten freigegeben. Habe die MC im ausgebauten Zustand einmal an den PushLoc Knopf angeschlossen und mir es angesehen. Könntest du die Stelle nochmal genau kennzeichnen, die du nun angeschliffen hast? Die von mir rot markierte? Bei meiner A4 war im übrigen die blau markierte Dichtung defekt, habe sie pfuscherhaft mit einer überflüssigen aus dem Full Service Kit ersetzt - funktioniert bis jetzt.

Grüße Christian
 

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Hilfreichster Beitrag geschrieben von tobiasBa

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Zusätzlich musste ich allerdings (habe ein PushLoc System) den Mechanismus etwas vorspannen und dann den Seilzug fixieren.
Ja, habe ich ähnlich gemacht. Zum Fixieren des Zuges stelle ich den Lenkerhebel auf offen, setze den Zug unter Spannung, drehe das blaue Lockoutrad ganz auf offen (also so dass die Feder gespannt ist), dann die schätzungsweise 2 Millimeter zurück die man den Hebel noch reindrücken könnte und schraube dann die Zugklemmung zu.

Könntest du die Stelle nochmal genau kennzeichnen, die du nun angeschliffen hast? Die von mir rot markierte?
Ja, genau die von dir markierte Stelle habe ich geschliffen (logischerweise ringsherum).
Die blau markierte Dichtung war bei mir zum Glück noch gut.
 

MucPaul

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Ich hatte heute das gleiche Problem wie Du, jedoch noch mit der roten Motion Control der Reba SL.
Ich habe den Dichtungsring (blau eingezeichnet) und die grauen Plastikteile oberhalb der Dichtung (bei Dir schwarz) mit Federgabelfett eingeschmiert und danach mehrmals den Lockout gedreht um das Fett zu verteilen. Jetzt ist sowenig Reibung da, daß ich die innere Spannfeder nur 1x anstatt vorher 2x spannen musste. Das mit dem Abschleifen habe ich mir so (bisher) erspart. Alternativ kann man die Spannfeder 2 Umdrehungen aufspannen, damit genug Spannung auf dem Lockout Seil ist.

IMG_20210204_204737448 (Klein).jpg
 
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