Capreo 8-fach MegaRange

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Bitte was?!
Eine Kassette mit 8 Ritzeln, wobei das kleinste 9 Zähne hat und zwischen dem größten und dem zweitgrößten Ritzel ein fetter Gangsprung lauert.

Warum in Gottes Namen sollte man denn nur 8 Gänge ... auf einer Capreo ... ?!
Kurze Antwort: Weil es geht!
Lange Antwort: Puh, das hat viele Gründe. Ich habe in diesem Projekt versucht gleich drei alte Ideen auf einmal zu verwursten – einen Leichtbau-Antrieb auf Capreo-Basis, die Reduktion von 9 auf 8 Gänge und eine breitere Übersetzung als das mit Capreo oder XTR 8-/ 9-fach je erhältlich war. Ich hoffe den vergessenen 8-fach-Schaltungen auf diese Weise noch etwas Leben einhauchen zu können. Ihr Schattendasein haben sie nicht verdient.

1. Warum 8-fach?
Das ist noch am schnellsten erklärt: Shimano XTR 951 ist einfach die ergonomisch beste und schnellste Schaltung, die ich je kennengelernt habe. Präziser Shifter, inverses Schaltwerk – so und nicht anders, bitte. Alle meine Bikes wurden mit ihr ausgestattet. Und damit alle Radsätze untereinander kompatibel bleiben, sollte der Capreo-Radsatz eben auch 8-fach sein. Zum Hintergrund der tollen 951 schreibe ich irgendwann noch mal ein paar mehr Zeilen.
Und noch einen Grund gab’s: Es genügt einfach. Ohne Quatsch, tote Zwischengänge braucht kein Mensch. Alle unnötigen Gänge fliegen hier raus, damit man nicht so oft darüber hinweg schalten muss. Das macht es auf der anderen Seite ja auch einfacher zu treffen.
Vor einigen Jahren wäre ich schon einmal fast so weit gewesen alle meine Kisten auf 9-fach umzurüsten. Als ich mir die Übersetzungen dann mal ausgerechnet habe fiel mir zum Glück noch auf, dass ich vorwiegend eine feinere Abstufung bei den mitteleren Ritzeln erreicht hätte. Aus Erfahrung kann ich sagen, das ist das letzte, was ich brauche. Ich benötige auf der Straße eine enge Abstufung und an Steigungen eine breite. Die Gänge dazwischen kenne ich vorwiegend vom Drüberschalten. Klar, da müssen welche sein, aber nicht so viele. 9-fach war für mich ein absoluter Holzweg. Wurde abgeblasen, heute bin ich happy.

2. Was ist MegaRange?
Shimano hat das mit den groben Gangsprüngen früher einmal selbst so gesehen, wie ich. Deshalb war das größte Ritzel häufig ein richtiger Rettungsanker. MegaRange nannten sie das, und der Name war Programm. Das waren teilweise über 30% Gangsprung. Heute würden sie da wohl zwei bis drei Gänge draus machen. Alle fünf Jahre ein Gang mehr auf der Kassette war ja auch über Jahrzehnte ein gutes Verkaufsargument. Das treibt heute wilde Stilblüten.

Mancher braucht seine feinen Berggänge vielleicht, ich an dieser Schaltung jedenfalls nicht. Ich habe die großen Sprünge 18 – 23 – 30 Zähne natürlich vorher getestet.

3. Warum Capreo?
... und nicht SRAM? Nun, die X-Dome-Kassetten sind geil leicht, aber SRAM hat weder 9-Zähne-Ritzel noch 8-fach als leichte Monoblocks im Programm. Damit war das Thema schon durch.
Von der anderen Seite der Preisskala kommend ist die Capreo hier im Forum in den letzten Jahren ja immer bekannter geworden, und das obwohl die Produktion schon vor 15 Jahren eingedampft wurde. Die mögliche Übersetzungs-Bandbreite ist einfach ein riesiger Vorteil, das hat sich rumgesprochen. Aber es gibt auch Nachteile, die mich lange Zeit vom Aufbau abgehalten haben: Die Ritzel sind nur auf dem Fertigungsniveau der Deore. Obendrein sind Shimanos Naben viel zu schwer für meine Leichtbau-Ambitionen.
Für das letzte Argument habe ich nun aber Abhilfe aufgetrieben. Es gibt neben der Shimano-Nabe noch ein paar sehr unbekannte Hersteller aus Taiwan, die wohl irgendwie vergessen haben diesen alten Naben-Standard aus ihrem Programm zu streichen:
  • Shimano Capreo FH-F700: 390 g
  • Chosen (auch Disk-Version): ca. 310 g
  • Joeseph Kouzac: ca. 310 g
  • Hubsmith R013R: ca. 195 g
  • Ridea (aus Korea, auch Disc-Version)
Na und jetzt könnt ihr euch bestimmt vorstellen, welche Nabe ich geordert habe. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber ich konnte Kelvin von Hubsmith überreden mir eine Nabe nach Europa zu exportieren. Das Aufspüren war mal wieder 50% der Arbeit. Der Rest war Ritzelabstände ausrechnen und Kleinteile beschaffen.
Übrigens: Ich habe bis heute keine einzige originale Capreo-Kassette in der Hand gehalten. Wer gründlich googelt findet alle notwendigen Einzelteile in Deutschland als Ersatzteile. Damit kann man sich ganz wunderbar seine persönliche Traum-Übersetzung aufbauen.

Hubsmith HS-R013R Capreo 135 mm.jpg


So, und wie geht’s?
Klaro, man berechnet sich, was man haben möchte und beschafft sich dann die Teile im Internet. Zuerst steht also immer der Bedarf. In meinem Fall heißt das:
  • Anfahren bei etwa 4,0 „Meter Wegstrecke pro Kurbelumdrehung“
  • Dauergeschwindigkeit bei knapp 6,5 m/U
  • Dazwischen zwei Gänge zum Beschleunigen (okay-okay, da gibt es noch Einsparungspotential)
  • Höchster Gang bei mindestens 7,5 m/U
  • Niedrigster Gang so klein wie möglich
Hab’ ich mir alles bei meinen anderen Radsätzen so abgeschaut. Der Radsatz wird an einem Bike überwiegend auf Reisen und in der Stadt eingesetzt, also meist in der Ebene. Darum ist er tatsächlich nur als 1x8 aufgebaut. Extrem reduziert. Für die Ritzel heißt das: 9/10/11/13/15/18/23/30 Zähne. Das Kettenblatt hat 34 Zähne, Radumfang ist 2,07 m.

Die Kombination 9/10/11Z ist Capreo-eigen und nicht veränderlich. Die Ritzel besorgt man sich zum Beispiel bei Kurbelix oder bicikli. Verschlussring und Montage-Schlüssel nicht vergessen.

Alle anderen Ritzel entnimmt man einzeln am besten aus den HG41-Kassetten von Shimano. Diese sind leicht und mit 14 € auch sehr billig. Auf 8-fach-Version achten. In meinem Fall mussten die beiden Kassetten 11 bis 30Z und 11 bis 32Z dran glauben.
So und jetzt kommt der tricky Teil. Weil die Abstände zwischen den drei kleinen Capreo-Ritzeln ja zu klein (9-fach) und unveränderlich sind (greifen ineinander) sollte man die Abstände der restlichen Ritzel etwas erweitern. Dann tut sich der 8-fach-Shifter nicht so schwer die Ritzel zu treffen. Nach Berechnung sollte jeder Ritzelabstand ca. 3,2 mm groß werden. In der Praxis zeigt sich, dass ich noch ein paar Zehntel mehr am größten Ritzel benötige. Da kommt bald Version 1.1.

Die rechnerische Abweichung der Ritzelposition von den fixen Gangstufen der 8-fach Shifter beträgt in diesem Fall maximal 0,3 mm, also nix!
Die breiteren Distanzringe für die Ritzel findet man an fast jeder Shimano 7-fach-Kassette. Hier reicht natürlich eine ausgelutschte von eBay.
An all diesen Kassetten sind die größten Ritzel mittels Schrauben oder sogar Nieten untereinander verbunden. Die tragen zu Steifigkeit oder Drehmoment nichts bei (dafür ist das viel zu klapperig), sondern sind eine reine Montagehilfe. Also ran an den Dremel/ Bohrer/ Inbus-Schlüssel und ab mit den Köpfen.

Ritzel verschraubt.JPG


Am Ende musste ich noch einen 1,6 mm Distanzring auf den Freilauf schieben, damit die Kassettenbreite zu meiner Nabe passt. Ist nun halt kein 9-fach mehr. Das Ergebnis ist 241 g schwer und hat 333% Übersetzungsbreite. Wenn ich noch Zeit und Muse habe, dann arbeite ich noch am Gewicht. Ist ja noch viel Luft nach oben.

Shimano Capreo 9 bis 30-8 Gewicht.jpg


Zusammen mit 28 Sapim D-Light und einer ZTR355 wiegt das gesamte Hinterrad mit Kassette atemberaubende 928 g. Das ist schon auf Augenhöhe mit Tune. (Okay, die Felge haut’s mit 342 g extrem raus.)

Hinterrad Hubsmith Capreo 9 bis 30-8.JPG


Fairerweise sollte ich auch einmal die Nachteile dieser Bastelei erwähnen. Es werden zwei Kassetten plus Kleinteile verbraucht, die Haltbarkeit ist vermutlich gering und das Gesamtpaket ist niemals so Drehmoment-fest wie zum Beispiel eine XTR. Vor allem das große Ritzel könnte bei maximalem Antritt beginnen zu flattern und Kerben in den Alu-Freilauf der Nabe schneiden. Das ist bei Einzel-Ritzeln nun mal konstruktiv so. Außerdem ist das eine Rennrad-Nabe, vom Hersteller umgemodelt für winzige Klapprad-Laufräder und anschließend von mir missbräuchlich in ein Mountainbike geklemmt. Dieser Sache sollte man sich eh bewusst sein.

Hinterrad Capreo Mountainbike.JPG


Beim ersten Fahrtest gab es keine Probleme. Vielleicht spanne ich das Laufrad demnächst mal in einen 3x8-Antrieb und belaste es mit Maximalkraft und 22er Kettenblatt. Mehr Drehmoment geht dann nicht.
Die Gangabstufungen fühlen sich echt harmonisch an. Darum grüble ich derzeit schon über 9 bis 34 Zähne nach. ;)

Wenn euch irgendwelche Details interessieren, schreibt einen Post und ich versuche zu antworten.

Fröhliches Schrauben und viele Grüße,
Frank
 

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Hilfreichster Beitrag geschrieben von ArSt

Hilfreich
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Ach, dafür hast Du die Ersatzfelgen von Extralite gebraucht. ;)
Probier doch noch eine leichte 11fach-Kette von KMC: https://www.bike24.de/p119204.html
Die läuft auf einer 8fach-Kassette wunderbar, wiegt um die 50g weniger und kommt mit dem Schräglauf eines 1x Antriebes besser klar als eine 8fach-Kette.
Liebe Grüße,
Armin.
 
Hilfreichster Beitrag geschrieben von ArSt

Hilfreich
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Sieh mal genau hin, Armin. Es ist genau diese X11-SL, gemäß deinem Tipp.

Die wurde allerdings nicht originär für die Capreo beschafft. Ich hab’ noch andere Pfeile im Köcher. 🤫
 
Version 2.0 ist da!
Version 1.1 bekam, wie geplant, 0,5 mm mehr Distanzring zwischen dem größten und dem zweitgrößten Ritzel. Das funktionierte sauber.
Version 2.0 bietet nun noch mehr Bandbreite und spart nochmals einen Zwischengang ein:
9/10/11/13/16/20/26/34Z.
Es ergibt sich bei 2,07 mm Radumfang und 38er Kettenblatt:
  • Anfahrgang: 3,9 m/U
  • Dauergang: 6,1 m/U
  • Dazwischen nur noch ein Gang zum Beschleunigen
  • Höchster Gang: 8,7 m/U
  • Niedrigster Gang: 2,3 m/U
Das sind 378% Übersetzung! Für die Ebene reicht das dicke, bei Anstiegen ist bei etwa 12% Steigung der (Dauer-)Spaß zuende.

Shimano Capreo 9 bis 34-8.jpg

(In der Mitte war hier noch ein 15er statt dem 16er Ritzel montiert.)

Wer braucht sowas?
Nun, der ursprüngliche Plan war, die Capreo an ein Reiserad zu bauen. Das wurde inzwischen bei einem Freund verwirklicht, allerdings lieber als 9-fach. Hier war Kompatibilität zu den anderen Bikes im Fuhrpark einfach wichtiger.

Die 8-fach mit 9 bis 34Z glänzt jetzt im Touren-Fully meiner Freundin. Da passt sie auch perfekt hin: Kein Gang zu viel, schön leicht, kompatibel mit dem geliebten XTR 951-Shifter. Und dort muss die Übersetzung nicht für 20% Steigung reichen, weil das Rad sowas anstrengendes eh nie länger als 10 Sekunden ertragen muss. Die aufgeräumte Cockpit-Ansicht ohne zweiten Shifter wird übrigens auch sehr geschätzt.
Selbstverständlich geht’s mit der Capreo auch ins Gelände, gerne sogar, aber eher auf so kurvige Wald-Trails.

Was kann man noch verbessern? Na zunächst kommt noch ein farblich passendes Vorderrad dazu. Und dann kann man natürlich noch Gewicht sparen. Gewicht sparen geht ja eigentlich immer. :o
Da überleg‘ ich mir noch was.
 
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Was du immer bastelst! ;)
Faszinierend diese Capreo/Hubsmith-Nabe. Ich finde das einfach hoch interessant, obwohl ich dafür keinen Bedarf habe.
Bitte weiter so! :daumen:
 
Wie wahrscheinlich die meisten haben ich mich auch erst über den Titel des Threads etwas gewundert und haben dann eher mit leichten Kopfschütteln die ersten Zeilen hier durchgelesen.

Hat sich gelohnt, das Ergebniss finde ich wirklich gut gelungen, weil auch meiner Erfahrung nach eine möglichst weite Spreizung auch mit wenigen Gängen bei brauchbarer Abstufung für die meisten Einsatzsituationen und einen Großteil der Biker oft sinnvoller ist als zig Gänge zur Verfügung zu haben, diese aber mit komplizierten Überlegungen und großen Überlappungen durch die 3xX Kombinationen verbunden sind.

Lässt man einfach den Umwerfer weg, nutzt aber Standard-Komponenten, fehlt einen entweder der passende Berggang. Es gibt z.B. von Sunrace 8fach 11-42 Kassetten, aber nur sehr neue Schaltwerke schaffen diese, oder es fehlt bei kleinerer Kassette hinten dafür kleineren Kettenblatt vorne insbesondere bei 26" Bikes dann die Möglichkeit bei etwas Übermut oder auch im Gefälle im mittlerern oder gar höheren Geschwindigkeitsbereich noch einen Zahn zulegen zu können.
Da ist das 9er bei Deiner Lösung schon wirklich cool.

2019 hatte die kleine Firma Box Components mal günstige Gruppen mit ordentlich begrenzt Gängen aber riesen Bandbreite vorgestellt. Entweder 9fach mit 11-50 oder 8fach mit 11-42:
https://www.mtb-news.de/news/eurobike-2019-box-components/Fand ich von der Idee ganz nett, von der Bedienbarkeit und Qualität aber scheinbar nicht besonders ausgereift.

Ach übrigens noch die Anregung, der auffällige Megarange Aufkleber der billigen Shimano-Kassetten lässt sich recht einfach abziehen 😉
 
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2019 hatte die kleine Firma Box Components mal günstige Gruppen mit ordentlich begrenzt Gängen aber riesen Bandbreite vorgestellt. Entweder 9fach mit 11-50 oder 8fach mit 11-42:
Genauso wie die Microshift Avent mit 1x9 und 11-42:
https://www.bike24.de/p1334685.htmlWas ich gelesen habe, soll die Advent sogar recht gut sein, speziell Graveler verbauen sie gerne.
Mir wäre die Bandbreite aber entschieden zu klein.
 
Danke für die Blumen und für eure informativen Beiträge. Sehe ich mir gerne mal näher an, vielleicht kann man ja noch was lernen.
Für mich kommt wegen des XTR 951-Schaltwerks aber maximal ein 34 Zähne-Ritzel in Frage. Optisch sind kleine Kassetten sowieso viel schöner, darüber gibt es unter Youngtimer-Fahrern ja gar keine Diskussion.

Wer allerdings plant so ein 9 Zähne-Ritzel als Dauergang einzusetzen, der sollte mal prüfen, ob ihn der Poligon-Effekt stört. Ich teste da nämlich noch.
Ach übrigens noch die Anregung, der auffällige Megarange Aufkleber der billigen Shimano-Kassetten lässt sich recht einfach abziehen 😉
Na das glaube ich! Da in diesem Fall MegaRange etwas ganz besonderes und irgendwie ja auch systemimmanent ist werde ich (oder meine Süße) den Aufkleber natürlich mit Stolz und Erhabenheit jederzeit vorzeigbar durch die Lande bewegen. So sind wir MegaRange-Fahrer - nobel und standesbewusst. ;)

Wie macht man den wohl haltbar?
 
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Und fertig ist auch das Vorderrad!

Da Armin mir mal einen Tipp gegeben hatte und XXLight seit ein paar Monaten wieder am Start ist habe ich gleich mal eine 52 g-Nabe zum Schleuderpreis geordert. Passende Farbe und ähnliche Festigkeitsklasse wie das Hinterrad (nämlich „Flyweight“). Der Radsatz wiegt - festhalten! - 1.227 g, sieht drahtig und irgendwie auch edel aus. Ziemlich rennradmäßig.

IMG_1435.jpg

IMG_1446.jpg


Damit ist jetzt auch klar, wie es mit der Kassette weiter geht: Die Grammse müssen purzeln. Zum Beispiel fahren derzeit 112 g Werkzeugstahl allein am 34er Ritzel spazieren! Das ist der Hubsmith-Nabe nicht wirklich würdig. Version 2.1 ruft.
 
Maßnahme Nummer 1: Operation MatWech.

Die Steigwand am großen Ritzel, an der sich die Kette hochzieht (und an der Shimano den prestige-trächtigen MegaRange-Schriftzug aufgeklebt hat), habe ich mal lieber unangetastet gelassen. Sonst klappt das mit dem Schalten vielleicht nicht mehr reibungslos, dachte ich.
Aber auf der Rückseite war noch was zu holen. 16 g spart diese Einsenkung.

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Bei der Restwandstärke war ich mutig, nur noch 0,5 mm stehen an der dünnsten Stelle.

Ob’s im Wiegetritt wabbelt wird gerade getestet. Ich hoffe auch, dass die Senke nicht rostet, das glänzt irgendwie so komisch. Nicht, dass die Oberfläche korrosionsgeschützt war.
Sollte aber eigentlich kein Problem sein. So eine Kette in Mountainbike-Umgebung macht auch recht fiese Kratzer in die Oberfläche - und es rostet trotzdem nicht sofort unterm Hintern weg.

Also, der dickste Hund ist nun … äh, abgerichtet. Geht da noch was?
 
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Ob’s im Wiegetritt wabbelt wird gerade getestet.
Die Materialabnahme so weit außen geht schon in Ordnung. Schlimmer wäre es an den 6 Stegen etwas abzunehmen. Die dünnsten Stellen entstehen ja durch die vorderseitigen Schaltweichen, und die sind nur partiell. Also wirst du im Breich der Einsenkung meistens noch um die 1mm Ritzeldicke haben. Und das ist dann ähnlich wie ein 3mm dickes Aluritzel, was den großen SRAM-Aluritzeln in diesem Bereich entspricht.
Nicht das die Oberfläche korrosionsgeschützt war.
Das war sie, die Ritzel sind verzinkt. Du könntest die Nut rot lackieren oder einfach mit Autowachs versiegeln.
 
Maßnahme Nummer 2: Operation MatTausch

Den Distanzring aus Stahl musste ich unbedingt loswerden, auch wenn er nur wenig Einfluss hat. Sein Kollege aus Alu spart 3 g und hält die Kassette genauso gut auf 1,6 mm Abstand.

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Die einfachen Tuningmöglichkeiten sind damit aber schon erschöpft, fürchte ich. Nun wiegt die Kassette 268 g plus 3,3 g abgefeilter Abschlussring plus 1,6 g Distanzring.

Kommt mir viel vor, aber ich bin ja auch verwöhnt. 273 g sind objektiv betrachtet schon respektabel. Oder gibt es 34er-Kassetten, die leichter sind (Titan und Alu mal außen vor)? Und es handelt sich ja um einzeln tauschbare Ritzel, das ist auf jeden Fall noch ein dicker Pluspunkt.

Was gibt es noch für Tuning-Möglichkeiten? Löcher in den Freilaufkörper bohren?

p.s. Armin, die Ritzel sind vernickelt, nicht verzinkt, oder? Zink-Spray hätte ich ja noch gehabt, aber beim Vernickeln wird‘s komplizierter, vermute ich. Ich bleib‘ bei deinem Wachs-Tipp. Das reicht bestimmt bis ans Lebensende dieses Ritzels.
 
Schöner Lesestoff hier! Da 9-fach ja nicht in frage kommt, bis du mit ca 270gr ja schon ziemlich gut unterwegs, das ist ja bereits teil-titan kassetten Territorium.

Lustig wie unterschiedlich Optimierungsgelüste sind - ich ging die genau umgekehrte Route mit alles was geht auf 9-fach umrüsten, aber so konsequent wie Du war ich lange nicht, Respekt!
 
Danke-danke.
Aus Sicht der Teileversorgung spricht auch absolut alles für 9-fach. Es gab irre viele Teile, von Titan (Nino und Boone) über Alu (Recon), enge (Dura Ace) und weite Abstufungen (XTR), Shifter in allen Formen und Farben. Und selbst heute werden noch nagelneue 9-fach-Kassetten produziert und verkauft.

Der Aha-Effekt kam bei mir erst, als ich nach Jahren XTR 951-Nutzung mal einen 952-Shifter verbaut habe. Der völlig andere Grip der Daumentaster hat das ganze Kartenhaus zum Einsturz gebracht. Denn auch XT, LX und Deore 9-fach sind ja aus dem gleichen Kunststoff, mit der gleichen Kontur und dem gleichen Mehrgewicht. Shimano hat damals nicht nur in Sachen Grip einen großen Schritt rückwärts gemacht, finde ich.

Also habe ich minutiös Übersetzungen durchgerechnet und hin- und her-überlegt, was genau ich an welchem Bike wirklich brauche. Und als heraus kam, dass es alles (mit Tricks) auch in 8-fach gibt, habe ich den riesigen Tanker kurz vorm Ziel angehalten und noch mal gewendet.

Freunden, die nicht meinen 951-Fimmel haben, würde ich daher auch immer zu 9-fach raten. Dafür kann man auch in 10 Jahren noch im Radladen um die Ecke Ersatzteile bekommen.
Aber ich habe mir vorgenommen die 951er zu beackern. Die hat noch viel Potential, da eben damals nicht alles ab Werk Osaka angeboten wurde.

Da kommt noch was. :)
 
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8 - fach Monoblock aus dem Titan-3D Drucker....ich traue es dir irgendwie nach allem gelesenen zu....
 
Armin, die Ritzel sind vernickelt, nicht verzinkt, oder?
Nach deinen Bildern der Vorderseiten würde ich sagen "glanzverzinkt". Auf dem letzten Bild der Rückseite sieht es aber tatsächlich nach vernickelt aus. Das Bild in #4 zeigt drei hellere kleine Ritzel, die sind bestimmt verzinkt und die anderen, größeren könnten vernickelt sein.
Wobei ich nicht weiß, ob Shimano nicht auch unterschiedliche Verfärbungen in eine Verzinkung einbringen kann: Vernickeln macht man eigentlich aus Preisgründen seit ca. 30 Jahren nicht mehr.
Ah, dort wird das bestätigt: https://hattler.de/verfahren-dienstleistungen/metallabscheidungen/verfahren-glanzverzinkung
 
Hallo zusammen,

ein kleines Tuningpotential habe ich noch entdeckt: Operation MatHer
Dafür brauche ich unbedingt Hilfe von der Crowd.

Und zwar rollt die Kassette nun schon die ganze Zeit mit einem 15Z- statt einem 16Z-Ritzel in der Mitte rum. Zwar hatte ich zu Testzwecken schon mal ein 16Z drauf (geklaut aus meiner CS-M950 12 bis 32), aber das brauchte ich wieder zurück. In einer CS-M739 11 bis 28 ist auch ein 16Z enthalten, hab' ich auch hier, ist aber schwerer.

15Z aus der HG41: 19 g
16Z aus der XTR (M950): 19 g
16Z aus der XT (M739): 22 g

Ich müsste theoretisch das XT-Ritzel einbauen - dann wird die Kassette also noch mal 3 g schwerer. Oder es gelingt mir ein XTR-Ritzel aufzutreiben, dann mach ich einen Bogen um den "XT-Specki".:D
XTR-Kassetten kosten blöderweise gerne mal über 100 €. Das erscheint selbst mir etwas viel Aufwand für 3 Gramm Gewichtsersparnis, @Stahlbetrieb. Ich bin bisher ja mehr so bei den 14 €-Kassetten unterwegs gewesen.

Ich frag' deshalb mal wahnsinnigzuversichtich in die Runde: hat das Ritzel jemand dankenswerterweise günstig abzugeben? Ich könnte auch ein 1A XT-Ritzel dafür anbieten. Das ist viel, äh ... robuster.:)
Das gleiche gilt für das 13Z. Hier wären noch 2 g mit XTR-Equipment zu holen.
Ich würde vor Dankbarkeit den edlen Spender vor jeder Abfahrt laut loben und preisen.

Ansonsten läuft der Antrieb ganz passabel. Die Ritzelabstände passen, das 34er flext nicht merklich, das 9er "vibriert" im Wiegetritt nur moderat. Als Dauergang kann ich das aber nicht guten Gewissens empfehlen, nervt sicherlich irgendwann.
Ich habe außerdem festgestellt, dass ich das Schaltwerk am 9er noch stärker begrenzen muss. Es neigt zum Überschalten.

Die Tests gehen weiter.
 

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Ich habe außerdem festgestellt, dass ich das Schaltwerk am 9er noch stärker begrenzen muss. Es neigt zum Überschalten.
Wie ist denn eigentlich der Abstand vom Schaltwerk zum 9er?
Das könnte etwas dazu beitragen dass die Schaltvorgänge eben zum 9er halt unpräziser sind...
Ich hatte mal ne 11-42 Kassette mit alten Schaltwerken, tiefergelegt per Goatlink Adapter für den nötigen Abstand zum 42er probiert. Das lies sich schalten aber je weiter rechts desto schwammiger, meiner Meinung eindeutig dem dann zu großen Abstand der Schaltwerk Leitrolle zu den kleinen Ritzeln geschuldet.

In Deinem Fall ist das ja evtl. nur geringfügig größer als normal und eben nur beim 9er, wo sich in der Tat die Seitenführung per Schraube recht gut begrenzen lässt.
 
Testbedingungen: RD-M951 im Rumpelzustand am Testrad. Nix angepasst oder eingestellt, einfach nur XTR-Laufrad raus, Capreo rein.

Umschließung passt schon, würde ich sagen (ist halt ein Kompromiss aus Abstand am kleinstem und größtem Ritzel). Liegt wohl wirklich nur an der Begrenzung, oder? Ich probiere es nachher aus.

Das ist auch nicht überraschend. Ich hatte im Eröffnungs-Post mal geschrieben, dass die Abweichung zu den Shifter-Stufen nur 0,3 mm beträgt, also nix. Das gilt aber nur für die sechs inneren Ritzel. Die beiden äußeren weichen 0,3 beziehungsweise 0,6 mm ab. Der Plan war von Anfang an, das über die Begrenzer-Schrauben auszugleichen.

Auf dem ersten Foto sieht man übrigens einen zerbröselten Zug-Anschlag, der genau zwischen Umlenkrolle und Zug geraten ist. Ich kümmere mich gleich mal drum. Ist eben ein echtes Pendel-Bike, das muss viel leiden.

Morgen wird noch einmal am Ziel-Fahrrad getestet, dann natürlich mit Feineinstellung.
 

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Umschließung passt schon, würde ich sagen (ist halt ein Kompromiss aus Abstand am kleinstem und größtem Ritzel).
Eine Änderung der Umschlingung über die B-Schraube wirkt sich hauptsächlich auf das größte Ritzel aus (ist auch nur dort nötig), was dann an den kleineren Ritzeln passiert, ergibt sich einfach und ist bestenfalls über die Kettenlänge beeinflussbar.
So wie das bei dir hier aussieht, passt das schon.
Mich würde mal interessieren wie sich die Einstellerei der Endanschläge und das Schaltverhalten bei Verwendung eines nicht inversen, also normalen Schaltwerks, darstellt. Ob das dann auch so gut (oder schlecht) wie hier laufen wüde?
Hat das Ritzel jemand dankenswerterweise günstig abzugeben?
Die Langlöcher länger feilen und ein paar der runden Löcher größer bohren ist keine Option?
Oder sehen, ob du nicht eine alte STX 7fach-Kassette schießen kannst: Diese Kassetten hatten damals die mit Abstand leichtesten Stahlritzel die es gab. Hier sieht man schön warum:
STX 11-28 7fach.jpg

Mist, die verlinkte CS-IG60-7ag, 11-28 hatte kein 16er-Ritzel: 11 13 15 18 21 24 28
Die CS-IG60-7am, 11-30 scheinbar auch nicht: 11 13 15 18 21 24 30
 
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Für leichte Ritzel lohnt es sich vielleicht auch mal bei den Rennrädern zu suchen.
Das hier ist glaube ich 105er 9-fach. Das könntest Du haben:

IMG_2778-f.jpg


Sieht leicht aus und meine bilige mechanische Briefwaage sagt 15g.
Hat schon einiges mitgemacht aber ich habe die verschlissenen Zähne schon überarbeitet.
Müßte eigendlich mit neuer Kette laufen.
 

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Operation MatHer war wohl ein Blitzkrieg! Schon vorbei.
IMG_1777.JPG

XTR-Ritzel, 16 und 13 Zähne. Ich habe im Ersatzteillager gewühlt ... und da waren sie. Keine Ahnung warum, keine Ahnung woher. Müssen in den Nebenprojekten mal übrig geblieben sein. Alzheimer verschafft einem ja oft tolle Glücksmomente.

Und das Resultat ist sogar noch einen Hauch leichter als prognostiziert:
Capreo 9 bis 34.JPG

Hinzu kommen die bekannten 3,3 g Verschlussring und 1,6 g Distanzring. Wir sind also final bei 268 g.
Ick freu' mir.

Und wie fährt's? Ja gut, obenrum breit gespreizt, in der Mitte harmonisch, unten eng abgestuft. Alles wie erwartet. Allerdings fahre ich hier mit dem falschen Kettenblatt rum.
Das Überschalten ist durch die Begrenzungsschraube zuverlässig eliminiert, kam gar nicht mehr vor. Doch man schaltet schon leicht gegen einen Endanschlag, das kann man im Shifter fühlen.

Mehr Feinschliff macht derzeit keinen Sinn, ist ja nur das Test-Bike. Weiter geht's dann am "Fitti" (Centurion LRS Fit) meiner Freundin.

Besten Dank für eure Tipps. Ich muss hier mal ein dickes Lob für die Vorschläge aussprechen. Ich wollte natürlich am liebsten 8-fach-Ritzel verwenden, deshalb habe ich mit der jetzigen Lösung das Optimum erreicht, denke ich. Und das Gewicht ist mittlerweile auch mehr als vorzeigbar.
Aber sowohl Armins CS-IG60 als auch Thomas' Rennrad-Ritzel hatte ich jetzt nicht auf dem Schirm. Das wären vermutlich wirklich gute Alternativen gewesen. Da lese ich mich gerne weiter ein.
Liebe Crowd, ihr habt den Test bestanden!:daumen:

Mich würde mal interessieren wie sich die Einstellerei der Endanschläge und das Schaltverhalten bei Verwendung eines nicht inversen, also normalen Schaltwerks, darstellt. Ob das dann auch so gut (oder schlecht) wie hier laufen wüde?
Ähm, warum denn nicht? Das müsste doch so ziemlich das gleiche sein.
Ich fahre leider nur noch invers, kann die These nicht überprüfen. Wenn ich mal die Gelegenheit habe, schreibe ich dir gerne, Armin.
Oder ging's dir darum einen Tausch-Laufradsatz mit Capreo zu bauen und dann plug'n'play zu wechseln? Also ohne jegliche Justage am Schaltwerk? Das könnte funktionieren. Aber ich müsste dazu die Capreo-Einstellung als Referenz festlegen und die XTR-Kassette am zweiten Radsatz ca. 0,5 mm weiter nach außen spacern, damit die exakt dazu passt. Mache ich vielleicht später mal, aus reinem Perfektionismus.

Die Langlöcher länger feilen und ein paar der runden Löcher größer bohren ist keine Option?
Nee, das spare ich mir mal besser. Das ist japanischer Werkzeugstahl, der macht aus meinem Werkzeug Pulver.

Hier noch einmal die Einbausituation im finalen Test-Zustand. (Ja, ich hab' den Anschlag noch immer nicht abgeknipst. Geht gleich los.)
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Horrido!
 
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