Differenzierung teures vs. sehr teures Gravelbike

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Hallo zusammen,

seit einiger Zeit gehe ich schwanger mit dem Gedanken, mir ein Gravelbike als Sportgerät anzuschaffen. Hierbei möchte ich mir etwas vernünftiges holen, was gut passt, technisch ausgereift ist und lange hält.
Nun recherchiere ich seit einigen Wochen, lese hier mit und sammele Infos.

Ich hoffe, ich breche damit keine Grundsatzdiskussion von Zaun: Wie differenziert sich ein teures Gravel, wie z.B ein Backroad in der Topvariante für ca. 5,3K, zu (zB.) einen BMC BMC UnReStricted 01 One zu knapp 9K? Ist das der Aufpreis der Schweiz? Sind irgendwo so signifikant teurere Komponenten verbaut, dass die Differenz gerechtfertigt wird?

Es geht mir nicht um besser oder schlechter, auch habe ich (noch) keine Ambitionen, so dermaßen viel Kohle dafür auszugeben.

Vielen Dank vorab für Eure Hilfe
 
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Man muß sich überlegen, ob man wie bei Spezialized mehr für das Fahrrad bezahlt, weil man damit auch den "besseren" Service mitbezahlt, im Vergleich zu einem online Händler / Versender wie Rose. Spezi Händler gibt es überall im D. Ebenso wie BMC Händler.

Ein Versender wie Rose bekommt aufgrund der verkauften Stückzahlen einen größeren Rabatt bei SRAM / Shimano/usw. als BMC. Auch das schlägt sich im Preis nieder. Dann vergleiche mal das Design eines Rose mit dem vom BMC. Auch hier wird bei BMC mehr investiert.

Das alles und noch vieles mehr macht sich am Ende des Tages im Gesamtpreis bemerkbar.

Ob BMC dadurch besser ist. -> eine mittelklasse Shimano XT funktioniert genauso gut wie eine highend XTR. Funktionen sind gleich. Aber durch anderes Material ist die XTR leichter. Bist Du bereit den Preis zu bezahlen nur um Gewicht zu sparen ? Das gilt auch für andere Komponenten wie Laufräder usw.

Fazit: Teure Räder sind nicht besser. Sie sind meist leichter weil die highend Teile leichter sind. Oder es gibt elektronische features die ebenfalls mehr kosten. Aber das Fahrrad ist dadurch nicht nachhaltiger oder stabiler oder besser. Auch ein Gravel für 2-3K ist ein sehr gutes Fahrrad. Dafür sind die Ersatzteile bei einem Sturz/Verschleiß deutlich günstiger.

Ein Worldcup Rennfahrer ist auf einem 2K Gravel auch "besser" und schneller unterwegs als wir Hobbyfahrer mit einem 10K Gravel.
 

2RadBanause

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Ich hoffe, ich breche damit keine Grundsatzdiskussion von Zaun: Wie differenziert sich ein teures Gravel, wie z.B ein Backroad in der Topvariante für ca. 5,3K, zu (zB.) einen BMC BMC UnReStricted 01 One zu knapp 9K? Ist das der Aufpreis der Schweiz? Sind irgendwo so signifikant teurere Komponenten verbaut, dass die Differenz gerechtfertigt wird?
In meinen Augen gibt es viele Käufer, die vom Marketing "gecatched" werden über die Frage: "Mit was kann ich mich eigentlich sehen lassen? Was muss man eigentlich haben? Was wird gefahren?" Dann gibt es andere Käufer, die sich ein hochwertiges Rad gönnen, um sich selbst zu belohnen und zu motivieren.

Zur Frage: Wieviel muss man ausgeben?
Antworten:
Die beiden Notwendigkeiten an einem guten Rad sind:
1.) Der Pilot findet gesundheitlich verträglich bis gesundheitlich förderlich Platz auf dem Rad.
2.) Der Pilot benutzt es häufig, also gern.

Erste Notwendigkeit ist schwierig herauszufinden. Zweite Notwendigkeit ist höchst individuell (Farbe, Geruch, irgendein Anfassgefühl, Glück einen halbwegs passgerechten Billigsattel mitgekauft zu haben, Glück selbst seine Schaltung und Bremsen warten zu können.)

Das hat doch nichts mit dem Preis zu tun?
Stimmt. Ich finde, der Preis ist vom Grundsatz vollkommen unerheblich.
Früher gab es hier im Forum so Phrasen, die zur Komponentenqualität ganz oft genannt wurden: "Bei der Schaltung liefert Shimano mit der Deore/Tiagra schon gute Qualität." Das hat sich für mich, im Nachhinein betrachtet, mehr als bestätigt. Für hydraulische Scheibenbremsen gilt heute (und seit Jahren) das Gleiche.
Aber unschön an diesen plakativen Pauschalaussagen sind
a) die Vernachlässigung anderer Hersteller (mit teils besseren Lösungen) und
b) der Missbrauch durch sehr viele Anbieter, die ein Schaltwerk von Shimano verbauen, das 2 Gruppenstufen hochwertiger angesiedelt ist, um dann mit einer XXX-Schaltung werben zu können.

Wo liegt der Mehrwert hochwertiger Räder?
Der Mehrwert liegt an Vielem und das ist eigentlich vom Marketing mehr als deutlich dokumentiert.
Die Frage ist, ob die/der/das KäuferIn das auch (schon) spürt?
Wer noch nicht viel fährt, sollte gucken, dass sie/er/es
1.) ein zuverlässiges Rad bekommt, das grunsätzlich passen sollte/kann/wird,
2.) herausfinden, wie sie/er/es zuverlässig gewartet bekommt (selbst/FreundIn/MontaurIn),
3.) nicht müde werden, die Schleife Fahren->Selbstbeobachtung->Problemanalyse->Optimierung->Testung regelmäßig zu durchlaufen,
4.) Weiterbilden, solange die eigene Motivation reicht - Fahrräder sind richtig tolle Maschinen.

Warum nicht gleich was "Rightiges"?
Wer einen nicht zu leichten/zerbrechlichen Rahmen mit einer Deore* oder Tiagra*/GRX400* Gruppe besitzt, aus das sie/er/es auch passt, kann damit allerhöchstwahrscheinlich >97% seiner/ihrer/seiner Leistung. Es gibt 'ne Menge fragwürdiger Youtube-Videos dazu.
Wer ein Rad aus einem passenden Rahmen mit brauchbaren, gut eingestellten und angemessen gewarteten Komponenten besitzt, hat meiner fragwürdig qualifizierten Meinung nach voll gewonnnen, denn sie/er/es kann trainieren und Erfahrungen sammeln. Das ist das Status Quo, den eine/ein/ein RadkäuferIn erreichen sollte. Danach trennen sich die individuellen Wege, aber alle Voraussetzung für jede Richtung sind ebestens erfüllt. Was will sie/er/es denn mehr? Ehrlich: Es werden nicht viele sein. Zuwenige für die deutsche Bike-Branche bis 2019. ;)

Ganz kurze Antwort: Wenn Du fragst, warum es teure Räder gibt, oder wofür die gekauft werden, kauf was VERNÜNFTIGES, basta. Wenn Dir (noch) nicht transparent ist, wozu es Gravelräder für >4000Euro bis >8000 Euro gibt, mach Dich schlau. Aber für Dich ist das nichts: Entweder ist das überteuerter Mist, oder Du bist noch nicht bereit dafür. Beides sieht gleich aus. ;) Ich würde dieses Jahr sicher (noch) kein Bike (ohne E-Antrieb) für mehr als 3000 Euro kaufen**. Aber manchmal schiele ich zu Liegerädern, und die sind einfach alle in einem höheren Preissegment.

* Es gibt auch SRAM Apex, SRAM Rival, Campagnolo Potenza, Campagnolo H11: Die sind auch alle genauso gut: In mancher Beziehung besser, in mancher Beziehung schlechter.
** Ich baue seit über 10 Jahren meine Räder selbst zusammen. Das ist ein wesentlicher Teil meines "Rad"-Hobbys. Also ich würde 2021 am Ende eher 3500Euro für ein Rahmenset mit den final verbauten Komponenten ausgegeben haben, wahrscheinlich. Auf dem Weg dahin hätte ich aber 20 verschiedene Teile aus meinem Bestand verbaut/getestet/für gut befunden/ersetzt und mir mein Rad nach meinen (aktuellen) persönlichen Bedürfnissen zusammen-gebaut/-gekauft.
 
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Fahr beide Probe und mach dir dein eigenes Bild. Ich habe zB ein €3500 Cube Rennrad und ein €6500 Trek Rennrad. Ich habe lange überlegt (bevor ich überhaupt gefahren bin) ob ich das überhaupt brauche usw... Nach der Probefahrt waren alle Zweifel verflogen. Im Handling, Antritt, Steifigkeit usw liegen Welten dazwischen. Ob es das Geld wert ist muss, wie gesagt, jeder für sich selbst entscheiden. Mir war es das Geld wert.
 
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Wenn Dir (noch) nicht transparent ist, wozu es Gravelräder für >4000Euro bis >8000 Euro gibt, mach Dich schlau.
Mir scheint, genau das versucht @skuuta zu tun. Jetzt hast du zwar viel geschrieben, aber keine Antwort auf diese Frage...

"signifikant teurere Komponenten?" Beim Laufradsatz sind über 2000€ Unterschied, ansonsten macht das Image wohl viel aus.

Gerechtfertigt? Aus Herstellersicht ja, solange er mit Gewinn 'raus geht. Aus Kundensicht ebenfalls wenn ich eben genau das Rad haben will und bereit bin "jeden Preis" dafür zu zahlen.

Der Preis steigt nicht linear mit dem Mehrwert, bereits das 5300€ Backroad ist nicht ansatzweise dreimal so gut wie das Modell für 1700€. Die Grenze fürs optimale Preis-/Leistungs-verhältnis muss jeder selbst ziehen (für mich z.B. wären die "Welten" zwischen dem 3500€ Cube und dem 6500€ Trek zu klein, bzw. die 3500€ fürs Cube bereits zu viel). Mitunter gibt es sogar Fälle, dass das Komplettrad teurer ist, als Rahmen und Teile einzeln zu kaufen (und das obwohl die Preise im Endkundenmarkt höher sind).

Edit:
etwas vernünftiges holen, was gut passt, technisch ausgereift ist und lange hält.
Sollte im Bereich 1000€ - 2000€ problemlos möglich sein (mit Ausreißern nach unten und oben).
 
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Guten Morgen, danke für Eure Antworten. Ich habe mittlerweile gesehen, dass u.a. bei den Laufrädern ein großer Unterschied besteht. Darüber kann ich mir schon mal etwa 2K Differenz erklären.

Es stimmt aber wie ihr sagt, im Endeffekt ist das für einen selbst richtig, was man bereit ist für sein Hobby auszugeben. Analogie zum Motorradfahren: Ein richtiger Könner fährt mit einer 15 Jahre alten Kiste kreise um mich, auch wenn ich auf besserem Material sitze.

Zum Design: Das muss dann halt in echt gefallen (oder auch nicht) Da ich beide Bikes im Kölner Umfeld problemlos besichtigen kann, werde ich genau das als nächstes tun.

Andere Überlegung (da könnt ihr mir aber nicht bei helfen) Mit einem gebrauchten Gravel beginnen um zu erFAHREN, ob es was für mich ist und dann (später) weiter steigern.

Viele Grüße
 

2RadBanause

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Andere Überlegung (da könnt ihr mir aber nicht bei helfen) Mit einem gebrauchten Gravel beginnen um zu erFAHREN, ob es was für mich ist und dann (später) weiter steigern.
Du brauchst vor allem ein Fahrrad, auf dem Du richtig (verträglich/ergonomisch) Platz findest. Dafür muss es Dir körperlich sehr gut passen. So wie Du schreibst, hast Du nicht viel Zeit auf einem Rad verbracht in den letzten Jahren. Wenn das so ist, musst Du sehr viele Dinge für Dich herausfinden: Welche Lenkerform und -breite brauchst Du (ganz persönlich), welchen Sattel benötigt Dein Allerwertester, welche Übersetzung brauchst Du, welche Reifen machen Dir Spaß. Das sind Dinge, die man nur mit einem Rad mitkauft, damit man damit irgendwie fahren kann. Die Geschichte fängt erst an, wenn Du einen Bock hast, auf dem Du das herausfinden kannst.
Insofern hate ich es für nicht vernünftig, gleich ein edles/teures Rad zu kaufen. Kauf lieber ein vernünftiges (günstiges im besten Sinn des Wortes) und finde darauf Deine Sitzposition und behebe Deine Probleme damit. Wenn Du nach ein paar Monaten (eher Jahren) selbst erfahren hast, wie Du auf dem Rad positioniert werden musst/willst, kannst Du Dich eigentlich erst für einen edleren Rahmen entscheiden.
Verschiedene Rahmen und Geometrien kannst Du bei www.bikegeocalc.com anlegen und Dir abspeichern ([Import|Export]/[Export, import or edit measurements]/[Save]) analog dazu auch wieder laden. ;)
Es geht wirklich nicht darum, ob Dein Rad eine Sram Apex/Rival Schaltung oder eine Shimano GRX400/GRX600 Schaltung hat*. Die funktionieren alle schon perfekt, wenn sie gut eingestellt sind. Ob Du noch hochwertigere Komponenten "brauchst", entscheidest Du am besten selbst und holst Dir sowas, wenn Du Erfahrung hast und einfach unstillbaren Bock darauf hast, genau das zu probieren. Mit "Vernunft" haben teure Räder nicht so viel zu tun.

*Das sind die 4 gebräuchlichsten Mittelklasseausstattungen.
 

Eisbein

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Man muß sich überlegen, ob man wie bei Spezialized mehr für das Fahrrad bezahlt, weil man damit auch den "besseren" Service mitbezahlt, im Vergleich zu einem online Händler / Versender wie Rose. Spezi Händler gibt es überall im D. Ebenso wie BMC Händler.

Ein Versender wie Rose bekommt aufgrund der verkauften Stückzahlen einen größeren Rabatt bei SRAM / Shimano/usw. als BMC. Auch das schlägt sich im Preis nieder. Dann vergleiche mal das Design eines Rose mit dem vom BMC. Auch hier wird bei BMC mehr investiert.

Das alles und noch vieles mehr macht sich am Ende des Tages im Gesamtpreis bemerkbar.

Ob BMC dadurch besser ist. -> eine mittelklasse Shimano XT funktioniert genauso gut wie eine highend XTR. Funktionen sind gleich. Aber durch anderes Material ist die XTR leichter. Bist Du bereit den Preis zu bezahlen nur um Gewicht zu sparen ? Das gilt auch für andere Komponenten wie Laufräder usw.

Fazit: Teure Räder sind nicht besser. Sie sind meist leichter weil die highend Teile leichter sind. Oder es gibt elektronische features die ebenfalls mehr kosten. Aber das Fahrrad ist dadurch nicht nachhaltiger oder stabiler oder besser. Auch ein Gravel für 2-3K ist ein sehr gutes Fahrrad. Dafür sind die Ersatzteile bei einem Sturz/Verschleiß deutlich günstiger.

Ein Worldcup Rennfahrer ist auf einem 2K Gravel auch "besser" und schneller unterwegs als wir Hobbyfahrer mit einem 10K Gravel
Dann hast du wirklich Glück mit deinem Händler. Ich hab hier schon viele Läden durch und es war immer maximal okay. Meistens frustrierend.
Mein Enduro ist von einem Händler, was mich leider in einigen Angelegenheiten dazu verpflichtet mit dem zusammenzuarbeiten. Aber da bekomme ich nur schwer jemanden erreicht, arbeitsaufträge werden ignoriert oder bestenfalls seeehr langsam bearbeitet. Und ich muss dem dann hinterher laufen.

Kann persönliches Pech sein. In jedem Fall wollte ich damit nur Aussagen, dass dieses Argument nicht zu hoch zu bewerten ist. Außer man möchte und kann sich um nichts selber kümmern.
 

2RadBanause

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Wichtigstes Bike-Zubehör in bewährter Bauform und brauchbarer Qualität (Mittelklasse): Montageständer von Pro :daumen:
Ich finde, dass jeder der Rad fährt, mit einer gut eingestellten Schaltung/Bremse unterwegs sein sollte. Dazu gehört auch eine geschmierte Kette (zumindest bei der Kettenschaltung). Aber nach 200-300Km muss jede Kette oberflächlich gereinigt und auch nachgeschmiert werden. Im gleichen Zug prüft man die Schaltung und stellt sie ggf. nach (in den ersten 1000km nach dem Einbau verstellt sich oft was). Das dauert natürlich anfangs sehr lange, bis man endlich gerafft hat, wie das funktioniert.
Man kann doch nicht alle 200-300Km zur Werkstatt... :oops: Du musst das Fahrrad auch komplett reinigen, bevor Du es in die Werkstatt gibst. Das ist doch viel zu aufwendig. Wer das Glück hat, in einer Großstadt zu wohnen und sich unsicher ist, sollte sich Fahrradwartung (und Stück für Stück mehr) in einer Selbsthilfewerkstatt zeigen lassen, ernsthaft.
 
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