Erlebnisbericht eines Samstags

Rookie de Lux

Mitglied
Dabei seit
7. Juni 2003
Punkte Reaktionen
2
Ort
Nähe Heidelberg
Samstag der 1.5. - kein Tag wie jeder andere in meinem Leben. Vor einigen Jahren durfte ich eines der best gehüteten Geheimnisse der Menschheit erleben und so bemühe ich mich in jedem Jahr diesem Tag zu ehren etwas Besonderes zu erleben.

Einerseits stand der jockelsche Lockruf in diesem mir liebgewonnenen Forum, um einen seiner Gefährten zu verabschieden. Andererseits empfand ich es als meine Pflicht diesem Tag eine persönliche Note zu geben, anstatt, wie bereits gelesen, dem El aus der hinteren Reihe die Moral zu stärken.
Angesteckt mit Neugier – dank einer hier nicht genannten Landgazette und den Erzählungen J.’s - auf Erhebungen im südlichen Umland Berlins richtete ich diesmal mein Augenmerk auf die 180° Marke meines Richtungsweisers.
Nach einem feierlich begangenen 9 Uhr Frühstück und der schulähnlichen Vorbereitung auf anstehende Hausaufgaben-Karten wurden zwischen Tür und Angel ausgedruckt-ging es flux mit der Sonne im Zenit über eine historisch ausgestaltete Anhöhe(ehemals Windmühlenberg) meiner Heimat. Auf dieser Anhöhe findet man heute noch eines der letzten Zeugnisse deutscher Rundfunkgeschichte.

Anschließend brauste ich über Landstraßen, um der Zivilisation zu entkommen, zielgerichtet auf den nächsten in Pätz beheimateten Wegpunkt: Sauberg zu. An dieser Stelle werter Leser muss ich mich nun outen-ich war nicht allein im Sand unterwegs. Begleitet, geführt, versorgt und angetrieben wurde ich von meiner besseren Hälfte :love: , welche mit dem anfangs erwähnten Ereignis ebenso in Verbindung steht wie ich.

Ohne sie wäre ich sicher mehrmals um den Sauberg herumgeirrt, aber so geleitete sie mich auf unvergleichbar angenehm sandigen Wegen geschmückt mit Hinweisen:“Vorsicht Grube!“ zur Meerenge des Hölzernern und Klein Köriser Meeres.

Gestrandet auf der Bundesstraße 179 tingelten wir teilweise durch unangenehmen Sand nahe dem Stintgraben auf Hammer zu. Hinter dem Truppenübungsplatz verließen wir jedoch ganz befestigte Wege und folgten den vom Forst gezogenen Spuren mit weiterem Wegpunkt Märkisch Buchholz. Da auch diese Wälder immer neue Überraschungen wie nadelgetarnten tiefen Sand, plötzlich endende Forstwege offenbarten, steuerten wir irrtümlicherweise auf den Oderiner See zu und schwenkten sofort wieder gen Osten, um das strategische Ziel Wehlaturm zu erklimmen.

In Köthen endlich angelangt fanden wir eine ungewohnte Beschilderung der Brandenburger Wege vor, welche die vielen Routen zum Turm auf einen für uns reduzierten. Den Aufstieg wagten wir von der Westseite her, welcher als Wanderpfad ausgewiesen war. Oben angekommen-jetzt in ca. 145 Metern ging es im Sturm die letzten 20 Höhenmeter rauf, um die Aussicht auf das herrliche Umland zu genießen.
PICT0535.jpg
Und bei all dem Sand unterwegs konnte man von hier oben nicht die kleinste Sandbank erkennen. Besonders erwähnenswert ist die fantastische Aussicht auf Tropical Island, welche wie eine Bastion in diesem Meer aus Sand stehen wird-sofern die Investoren durchhalten. Tropical Island verpackt in das derzeit Größte was der Maschinenbau an frei tragenden Hallen zu bieten hat, soll hier der Streusandbüchse und dem konsumschwachen Brandenburg trotzen.
PICT0503.jpg
Ich persönlich glaube ja: die Wüste ist stärker und lässt auch diese Investition im Sand untergehen. Da es hier aber um die Erlebnisse eines Radausfluges geht, werde ich geneigter Leser mich wieder aufs Wesentliche konzentrieren.
Mit einer Brotzeit im Magen führte uns der Weg nun zum sekundären Ziel, der Ex-Cargolifter-Halle entgegen. Die vom Turm ca. 9 km entfernte und den Wald imposant überragende Halle sollte sich leichter zu verfehlen erweisen als angenommen. Nachdem wir also den Wald wieder verließen, wurden wir ihrer Anwesenheit erneut gewahr und steuerten nun direkt drauf zu. Zu unserer Verwunderung trafen wir auf einen groben Querschnitt der gesamten Brandenburger Bevölkerung, welcher anlässlich der letzten öffentlichen Begehung der Ex-Cargolifter-Halle picknickend auf dem Gelände herumlungerte.

Ohne auch nur einen Eurocent abzudrücken radelten wir über einen Nebeneingang direkt in den größten Fahrradschuppen der Welt hinein ,bestaunten die irre Konstruktion und beobachteten noch das Schließen der Westtore bei einer weiteren Brotzeit.

Mittlerweile zog aus südöstlicher Richtung eine Schlechtwetterfront auf und in Ermangelung genügender Truppenstärke zur Eroberung der Halle für die gesamte IBC verließen wir Brand über die Asphaltbänder mit dem Regen und der Dunkelheit im Rücken mit flottem Tempo gen Heimat. Hier spulten wir die restlichen 40 km unserer Tour über Teurow, Oderin, Halbe, Klein Köris und Königs Wusterhausen ab, wobei abschließend noch kleine Sandeinlagen bei Halbe den heutigen Rest an Fernweh vernichteten.

Kurzum: 106km, 480 Hm, 4.8h

An dieser Stelle möchte ich auch el alles Gute im Beruflich, Privaten und auch beim Aufbau einer neuen ESKaderenklave wünschen!!! Jockels Tour wird hoffentlich bald Sehnsüchte in Dir wecken, die nur ein liebliches Brennen in den Waden beim Durchrollen heimischer Sandpassagen mit den Kumpels befriedigen kann!

PS: ...weitere Bilder findet ihr >hier!<
 

Ackebua

Im Winter gibt es Schnee.
Dabei seit
18. Juni 2002
Punkte Reaktionen
5
Ort
Berlin-Pankow
Vorzüglicher Bericht, Meister Lux, wie ich anmerken darf. Angesichts der Tatsache, daß die ehrenwerte Gattin mit von der Partie war, scheint mir der gefahrene Schnitt recht sportlich. :daumen:
 

jockel

Cpt.Ahab
Dabei seit
12. August 2001
Punkte Reaktionen
0
Sehr geehrter Herr Rookie de Lux,
wenn ich ehrlich bin, war ich extrem angepi**t, dass Ihr am Samstag nicht am Ostbahnhof erschienen seid, um den Fahrpreis zu drücken. Nein keine Angst, war nur Spass ;) .
Wie Du mir ja bereits mitteiltest, hatte der "Zeuthener Landbote" aus der Inbetriebnahme des Aussichtsturmes auf dem Mt. Wehla eine Titelstory gemacht. Deine Ausführungen diesbezüglich ließen keinen Zweifel daran, dass es Euch ernst sei, zum engen Kreis der Erstbesteiger zu gehören. Wie man weiter oben unschwer erkennen kann, hat es sich aber nicht nur für Euch gelohnt, sondern auch für uns, können wir doch mit dem, noch dazu schön bebilderten und verlinkten, Text, ein weiteres, hochwertiges Helden-Epos im "Berlin und Umgebung" feiern.

Danke!

Als Rikman noch Rad fuhr, und 1 Stiege Pilsbier die Woche weniger trank, konnte ich mich glücklich schätzen, in seiner Seilschaft bei der Erstürmung dieses Schicksalsberges beteiligt zu sein. Mit klarem Blick wurde der hoch aus der wüsten Ebene aufragende Gigant aus Richtung Osten in Angriff genommen.
Damals gab es noch keinen Turm dort oben. Es ist nicht ganz auszuschließen, dass man diesen hernach errichtete, um an die Heldentaten des ESK zu gemahnen, die der Zivilisation in diesem entlegenen Landstrich entscheidende Impulse gab.


Ackebua schrieb:
Angesichts der Tatsache, daß die ehrenwerte Gattin mit von der Partie war, scheint mir der gefahrene Schnitt recht sportlich.
Zwei kurze Anmerkungen zu dieser Bemerkung:
1. An Ackebua:
Wie man unschwer erkennen kann, kennst Du sie nicht. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass sie den Schnitt diktiert hat
2. An Rookie:
ALARM!!! ALARM!!! Der große weiße Jäger hat die Spur aufgenommen!
 

Rookie de Lux

Mitglied
Dabei seit
7. Juni 2003
Punkte Reaktionen
2
Ort
Nähe Heidelberg
Vielen Dank für das nette Lob!

Ackebau: Okay Du kennst "die Gattin" nicht. Mal abgesehen von Ihrer Liebenswürdigkeit straft sie die von Ihr genannte "Rakete" mit ca. 70 km täglich - im Monatsschnitt gesehen. Und da ich mit meinem Extrem-Gelände-Rad(extrem bequem) unterwegs war, gelang es mir nur in besonders sandigen Abschnitten und im freien Gelände unser Pelleton klar zu führen.

Jockel: Es fiel mir auch wirklich nicht leicht Deinem Angebot zu widerstehen, da ich nur erahnen kann wie reizvoll und erschreckend tief die Sandwege sein mögen, durch welche Du den Kameraden el in der Heimat halten wolltest. Wie heißt es doch so schön:

...
Ein Weg, sie zu knechten, sie alle zu finden,
In den Sand zu treiben und ewig zu binden,
Im Lande Brandenburgs, wo die Schatten drohn.
...


Der Turm auf dem Wehlaberg ist wahrlich liebevoll angelegt, jedoch fragte ich mich, wem die auf der Westseite jung angepflanzten Dornenbüschen gelten sollen?
Als ein kleiner geschichtlicher Nachtrag: Dort oben stand schon früher ein Turm, doch dieser wurde zurückgebaut, um den Einblick in das ehemalige Cargolifter-Gelände zu verwehren, wo Allianzen unserer Altvorderen gemeinsame Sache mit den Nazgul trieben und dort die Drachen(vom Westen gefürchtete!!!)-auch kurz Migs genannt in hobbitähnlichen Behausungen versteckten.


Grüße Rookie !
 
Dabei seit
27. Juli 2001
Punkte Reaktionen
29
Ort
Berlin
Rookie de Lux schrieb:
Ohne auch nur einen Eurocent abzudrücken radelten wir über einen Nebeneingang direkt in den größten Fahrradschuppen der Welt hinein ,bestaunten die irre Konstruktion und beobachteten noch das Schließen der Westtore bei einer weiteren Brotzeit.[/SIZE]
NEID!!!! Jockel warum hast du uns das vorenthalten! Stattdessen zeigst du uns die Reste eines ehmaligen Plattenbaus.... ;)

Rookie, herzlichen Glückwunsch zu dieser Tour und dem sehr interessanten Bericht. Ein Glück, dass du die Kamera dabei hattest, ich hätte dir sonst die Ohren lang gezogen.

Ritzelflitzer
 

jockel

Cpt.Ahab
Dabei seit
12. August 2001
Punkte Reaktionen
0
ritzelflitzer schrieb:
NEID!!!! Jockel warum hast du uns das vorenthalten!
Weil ich befürchten musste, dass Dein Saalsportlerleiden wieder aufbricht, wo es doch inzwischen schon fast abgeheilt ist.
Außerdem wäre es gut möglich gewesen, dass El da nicht mehr rausfindet und somit nicht nur den pünktlichen Arbeitsbeginn bei seinem neuen Herren versäumt, nein er würde darüber hinaus, gleich dem fliegenden Holländer, auf ewig sein Unwesen in unendlichen Weite der Halle treiben und künftigen Besuchern kalte Schauer über den Rücken jagen. Und das kann doch wirklich niemand wollen.
Du siehst, es geschieht alles nur zu Eurem Besten.
 
Dabei seit
27. Juli 2001
Punkte Reaktionen
29
Ort
Berlin
:eek: :lol:
jockel schrieb:
Weil ich befürchten musste, dass Dein Saalsportlerleiden wieder aufbricht, ....
Wie wahr, wie wahr. Ist mir doch glatt (zur Warnung) am Montag der Badmintonschläger beim Spiel angerissen.
Ritzelflitzer
PS: (danke für die XTR-Info, Jockel)
 

rkersten

#rigidracer
Dabei seit
25. Januar 2003
Punkte Reaktionen
13
Ort
Kehrigk bei Storkow
Renn.Schnecke schrieb:
@Ackebua: Bloß weil ich weiblich bin, muss ich doch nich langsam sein, oder?!

@Ackebua: Ganz im Gegenteil, nehmt euch in acht! Wenn wir unterwegs sind ist meist ist ein Schnitt zwischen 27 und 30 drin ... Beim Spreewald-Marathon sind wir beide 110km mit einem Schnitt von 31,5 gefahren.
 

eL

AufbauWestPreußenHilft
Dabei seit
17. März 2002
Punkte Reaktionen
12
Ort
PreußischUganda
Schöne Tour rookie :daumen:
und vor der rennschnecke werdet ihr euch alle noch in acht nehmen müssen... Ich hab sie mit dem rookie tandem fahren sehen ;)
SIEsaß Vorne :eek:

eL

p.s. kann ma jemand den bauern wieder an die kurze leine legen bevor schlimmeres passiert??
 
Oben