Extreme Draco. Das Rad das es eigentlich nicht gibt.

oppaunke

militanter Sandalist
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Aloha!
Seit langem mal wieder ein Aufbau-, Umbau-, Restaurationsthread von mir, passend zum Rad aus dem Contest.
Seit ca. 10 (?!) Jahren war ich auf der Suche nach einem Extreme Draco.
Angefixt durch meinen Punisher hatte ich den Plan, noch ein ECS Modell dazu zu suchen.
Mir war von vorneherein klar, dass diese Suche etwas länger dauern könnte…
Eigentlich hatte ja noch niemand überhaupt mal eins gesehen.
Ein rotes im Germans Katalog, ein weißes wurde mal auf Facebook gepostet, ein Schwarzes war mal auf einer Extreme Zeitungsanzeige zu sehen und es gibt ein Foto direkt aus der Extreme Werkstatt, wo grad ein Rahmen zusammengeschweißt wird.
Als ich die Suche gestartet habe, waren nur das von Germans und das aus der Anzeige bekannt.
Irgendwann wurde mal in Japan eins in purple versteigert, die Info kam aber zu spät bei mir an und wäre letztlich auch nicht im finanziellen Rahmen gewesen…
(Vermutlich wärs mir egal gewesen und ich hätte die Kreditkarte ausgereizt…🙈)
Egal, das hatte nicht geklappt und so gingen die Jahre ins Land.
Mittlerweile haben wir ein Haus gekauft und komplett umgebaut, wofür Traktor, Käfer und tatsächlich auch der Punisher verkauft werden mussten und die Suche nach alten Bikes trat etwas in den Hintergrund.
So begab es sich, dass ich mit einem Bekannten am 1.6.21 in unserem neuen Wohnzimmer an einer Online-Weinprobe teilnahm und schon ordentlich einen im Socken hatte, als mich eine WhatsApp Nachricht eines geschätzten Forumsmitglieds erreichte:
Draco auf E-bay mit Sofortkaufoption,suchst du nicht so eins?

Ich, voll des guten Weines leicht bis mäßig verpeilt, dreimal falsch bei EBay eingeloggt, shice, angerufen, Blindkauf veranlasst und abgewartet…
Eine unendliche halbe Stunde später kam die Nachricht:
Kauf geglückt und direkt per Pay Pal gelöhnt.
Was ich nicht wusste…nur Abholung in Bad Honnef…🙈Oha.
Aber,
Ich war jetzt stolzer Draco Besitzer.
Wer kann das schon von sich behaupten?

Für den Kaufzustand bzw. die Fotos des gekauften Bikes hatte ich erst am Tag danach eine scharfe Pupille.
Fürs erste recht ernüchternd.
Der Verkäufer hatte versucht, sich das Rad passend zu gestalten.
Eigentlich ein üblicher Rentnerumbau.
Sehr schade ist das Fehlen der Originalgabel.
So sah das Rad beim Verkauf aus:

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Das sind die originalen Fotos aus der Ebay Anzeige.

Einen Tag später rief mich der Verkäufer an und wir konnten einen Abholungstermin vereinbaren.
Und drei Tage später war es dann soweit.
Morgens um 5 Uhr die Hühner gesattelt und ab ins Rheinland.
Am späteren Vormittag lag es dann endlich im Kofferraum und kurz danach befanden wir und auf dem Weg zurück ins Weserbergland.

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Fortsetzung folgt…
Gruß,
 
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euphras

Mittelklassebiker
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Da ist ja einiges bei Dir passiert, Christian! Ich bin gespannt auf den Aufbau!

Beste Grüße,
Patrick
 
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Also bei den Kaufbildern dachte ich mir: oh mein Gott, was ist das für ne Möhre 🙈... Und ich bin da doch schon einiges gewöhnt, das wurde mir bei meinem Koga Ridge Runner und anderen Käufen auch schon gesagt, bis man sah was draus wird...

Aber wenn ich jetzt die Fotos im Teilnehmerfeld sehe: hammergeil :daumen:
 

oppaunke

militanter Sandalist
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Und weiter geht’s…
Zuhause angekommen hab ich das Rad erstmal in den Montageständer gepackt und zwei Tage lang angekuckt um herauszufinden was denn nun wohl die Ausgangsbasis für den Neuaufbau sein wird.
Mit einem groben Plan im Kopf ging es dann am darauffolgenden Wochenende ans behutsame demontieren, bis letztlich nur noch der nackte Rahmen im Montageständer hing.
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2,675kg kunststoffbeschichtete Aircraft-Hydraulic-Tubes
(Ugs auch Wasserrohr genannt)
Ohne Gabel wohlgemerkt!☝️
Jetzt kam das bei Californischen Bikes übliche unangenehme Gesuche nach Rostschäden.
Mal kurz das Sitzrohr ausgekippt…

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Das ließ nichts gutes erahnen…
Das Klingeln in allen Tonleiter Noten bestätigte diesen Verdacht bei der obligatorischen „Schüttelprobe“.
Wie beim Yeti Ultimate auch, sind die neuralgischen Punkte nicht mehr nur ums Tretlager zu suchen, sondern ebenfalls im etwas höher gelegenen Knotenbereich Unterrohr / Sitzrohr / Kettenstreben.
Durch die flaschenhaltergewinde dringt Wasser ein, kann aber nicht wieder ausdünsten…juhuu.
Also erstmal versucht den Mock aus den Ösen wieder herauszuschütteln.
Diese Methode brachte allerdings nicht den gewünschten Erfolg.Auch mit aufgesetztem Staubsauger brachte ich nicht genug gebröselt aus den Rohren heraus.
Also Ging ich über zu Plan C.
Ab zu Würth und einen Kugelfräser besorgt…
Jetzt ging’s ans Eingemachte.
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Zuerst habe ich mich von der Tretlagerhülse in das kleine Unterrohr durchgefressen, dann nach oben ins Sitzrohr.
Danach nahm ich mir das Steuerrohr vor und brachte Öffnungen ins Ober- und Unterrohr ein.
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Und nu wieder schütteln…als nichts mehr kam habe ich nochmal mit Pressluft nachgeholfen, was mir kurzfristig einen Teint wie Winnetou einbrachte…
Die Erfolgsquote war allerdings beachtlich:
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Feinster Edelrost in Mengen.
Aber trotz allem keine Durchrostung gefunden.
Jetzt habe ich den Rahmen mit fluidfilm geflutet und erstmal über Nacht in Ruhe gelassen.
Am nächsten Tag dann geputzt und gewienert und den Rahmen auch von außen gefluidfilmt.es fehlt schon an einigen Stellen Pulver, da habe ich die blanken Stellen erstmal schön gesäubert und dann mit dem Wollfett ordentlich eingeschmiert und stehen gelassen.
Mal sehen ob sich da was tut.
Was mir aber unter den Nägeln brannte, war das Freilegen der Rahmennummer…
Also das Tretlager besonders gut unter die Lupe genommen…
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trotz Streiflicht in allen Variationen, so richtig zufrieden bin ich mit meiner optischen Ausbeute nicht.
Das D 17 für Draco 17“ ist recht deutlich zu erkennen, die Seriennummer leider nicht wirklich.
Das könnte ein S oder eine 5 sein mit einem W dahinter, was aber keinen rechten Sinn ergeben würde.
Die angelötete Rinne für den Umwerferzug deutet allerdings auf ein recht frühes Draco hin.
Ich denke es müsste von 1990 sein.Die Späteren hatten statt der Rinne 2 Gegenhalter für eine Schaltzughülle um das Innenlager zu umschiffen.
Der Zug am Unterrohr wird elegant durch ein Röhrchen umgeleitet.
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oppaunke

militanter Sandalist
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Der Hinterbau hat eine Einbaubreite von 130mm und die typischen massiven Extreme Ausfaller.
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Ebenso massiv fallen die Gussets seitlich am Übergang Unterrohr/ Kettenstreben aus…
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Die alte Sitzstrebenform mit Gegenhalterpimmel.
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Und die aufgelötete Stützenklemme:
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Bestätigen für mich 1990 als Baujahr.

Um die Steifigkeit im Tretlagerbereich zu erhöhen, haben die Jungs bei Extreme einfach ein zweites Rohr über das Sitzrohr geschoben und somit quasi das Sitzrohr unterhalb der Kettenstreben „oversized“ ausgeführt.
Da bekommt der Begriff „Double butted“ doch gleich eine ganz andere Bedeutung!?☝️
Schrulliger Nebeneffekt:
Es gab nu keinen Standardumwerfer mehr für den Rohrdurchmesser von 32,5mm…
Also hat irgendwer (Extreme? German Möhren?) einen XT 735 Schellenumwerfer mit einem eigenen Band aus verzinktem Blech bestückt und funktional montiert.
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aufgrund dessen gehe ich auch davon aus, das ursprünglich eine 735er XT Gruppe verbaut war.weil schlicht kein anderer Umwerfer gepasst hätte.🤷‍♂️:D

Fortsetzung folgt…
Gruß,
Oppa
 
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Schönes Ding, Oppa. :daumen: Hat recht abgefahrene Details, der verschrobene Sonderling... Den würde ich mir gern mal in natura ansehen.
 
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Als hätten sie ein Rad extra für den Oppa gebaut.
Ja, irgendwie hast Du Recht. Das Rad ist auf gewisse Weise die Baustahl gewordene Entsprechung von Oppa: es rieselt ein wenig im Inneren, sieht seltsam aus, hat einen leicht schrägen Charakter, ist aber auf merkwürdige Art sehr liebenswert - fast wie Karl Dall 🤔😁🥰
 
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