Garmin eTrex 30 Kritik

sub-xero

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Hallo zusammen,

ich poste mal einen Kommentar von [ame="http://www.amazon.de/product-reviews/B00542NVS2/ref=cm_cr_dp_see_all_btm?ie=UTF8&showViewpoints=1&sortBy=bySubmissionDateAscending"]Amazon[/ame], in dem das Garmin eTrex 30 recht interessant kritisiert wurde. Ich finde das lesenswert. Es gibt einen sehr genauen Überblick über die "Vorzüge" des Gerätes.

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Ein GPS-Empfänger ist ein ganz besonderes Stück Technik: Er markiert einen Quantensprung in der Entwicklung von so etwas archaischem, elementaren und epochalem wie der Uhr an sich in ebenso epochaler Weise; GPS erweitert die Messung der Zeit zur Messung des Raums unter Einbeziehung von Einstein's relativistischem Raumzeit-Konzept und mit nichts anderem als 32 extrem präzisen "Mutteruhren" im All, die Ihnen mit unübertrefflicher Präzision anzeigen wann Sie Ihr Auto mit Ihrem neuzeitlichen Superzeiteisen in den Bach navigiert haben und in welchen. Da ist es irgendwie ärgerlich wenn das Meisterstück von Weltruf gelegentlich rumzickt wie ein 5€-Wecker aus Hongkong.

Nach einigen Tagen mit dem eTrex 30 und einigem auf und ab bin ich zwiegespalten. Ich habe es für die Navigation auf dem Rad gekauft, was wegen der kompakten Bauform und der guten Fahrradhalterung (als Zubehör erhältlich), OSM-Karten-Fähigkeit, dem Kompass+Höhenmesser und dem ANT+ -Empfänger sinnvoll erschien. Leider habe ich hier daneben gegriffen. Hier der Bericht:

GPS/GLONASS-Empfang
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- Zunächst möchte ich mal ein kleines Loch in die Werbetrommel machen und "GLONASS als Verkaufsargument" betrachten. Es wird suggeriert/so verstanden, das GLONASS die Funktion von GPS verbessern würde. Das ist so wohl (hoffentlich noch) nicht ganz richtig, GLONASS ist eine berüchtigt unzuverlässige Altlast aus der Sovietunion die um die Jahrtausendwende vor dem Zusammenbruch stand. Das inwischen aufgerüstete System unterliegt wohl immer noch - sagen wir mal "Fluktuation" und hat erst einen Teil seiner geplanten Leistungsfähigkeit erreicht. Auf Beschwerden über schlechtere Genauigkeit gegenüber den eTrex-Vorgängermodellen antwortet Garmin dann auch mit dem Hinweis, das GLONASS die Genauigkeit bei gutem GPS-Empfang verschlechtern kann und abgeschaltet werden sollte. Von Vorteil ist es bisher höchstens wenn die GPS-Satelliten mal für 10 Minuten eine schlechte Konstellation haben, sonst scheint es für viele Benutzer die Genauigkeit zu mindern und kostet extra Batteriestrom. Warum es dann überhaupt als Voreinstellung eingeschaltet ist leuchtet mir nicht ganz ein. Allerdings hat Garmin auch nirgends behauptet das es die *Ortung* verbessern würde, lediglich die Geschwindigkeit mit der ein erster Fix erfolgt soll besser werden. Das wiederum ist nur dann von Vorteil wenn man seinen Navi länger nicht benutzt. In aller Fairness muss ich auch erwähnen das ich vorhin festgestellt habe, dass ~5 zusätzliche GLONASS-Satelliten (10 "gute" GPS) über dem Horizont die GPS-Höhenmessung zeitweise auf 5m Genauigkeit verbesserte und die Position nach Empfang der Ephemeriden-Daten zumindest wieder mit der vorherigen 3m-Präzision bestimmt wurde. "Your mileage may vary."

Übrigens müssen GPS-Hersteller in Russland neuerdings einen 25% Einfuhrzoll für Geräte entrichten die nur GPS empfangen können, was wohl der eigentliche Grund für dieses Feature war.

Leider kommt aber auch die Kernfunktion des eTrex 30 mit Problemen:

- GPS-Empfang ist erwartungsgemäss gut, dafür kommt aber öfter mal buchstäblich aus heiterem Himmel die Meldung dass das "Signal verloren" wurde. Das Gerät ist lt. Signalpegelanzeige auch auffällig anfällig gegen "Abschattung" der Antenne mit der Hand (Kapazität?), Effekte die bei meinem Smartphone mit seinem Witz von einer GPS-Antenne nicht festzustellen sind.

- 1h im Stillstand (Fahrrad steht still) ergeben gelegentlich mal ~10km auf dem Odometer, ich hätte erwartet das ein dedizierter GPS-Empfänger vom Marktführer hier besser als ein Smartphone für 1/3 des Preises ist und keine "Wegpunktwolken" zählt, wenn es diese denn schon erzeugen muss. Eine Umschaltung der Modi/Profile scheint keine Verbesserung durch Umschaltung des "Static Navigation"-Verhaltens zu bringen, also müssen sich Geocacher und Strassennavigatoren wohl die gleiche "Static Navigation"-Einstellung teilen. Nach Beschwerden der Geocacher über "klebende" Positionen bei zu langsamer Bewegung hat Garmin das evtl. zurückgefahren so dass Mobilisten jetzt an der Reihe sind, sich an Nonsens-Entfernungsmessungen und im Stand zappelnde Positionsangaben zu erfreuen. One size fits all.

Davon abgesehen ist die Präzision unter freiem Himmel praktisch identisch mit den anderen Geräten der Serie und sehr gut, wie auch Vergleichsplots in den einschlägigen Foren zeigen. Die gesamte Geräteklasse ist dabei aber auch nur noch einen Hauch besser als gute Smartphones. Wenn die Bedingungen schlechter werden, machen die besseren Antennen der Spezialisten das Rennen.

Edit: Nach den diversen Resets wegen den anderen "Besonderheiten" scheint sich das Gezappel etwas beruhigt zu haben. Da es wohl ohnehin keinen ANT- Geschwindigkeitssensor auswerten kann (die wollen ja auch noch ein paar "Edge" Radcomputer verkaufen) und 2. die Kartenanzeige für mich das interessantere Geschehen an dem Apparat ist, kann ich mich notfalls damit abfinden das es als Tachoersatz/Kilometerzähler nicht besonders taugt.

Display
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- Der Bildschirm in der stromsparenden Grösse einer Sonderbriefmarke liegt mit 176x220 Pixel an der untersten Schmerzgrenze um überhaupt irgendeine brauchbare Kartendarstellung liefern zu können. Wer ein halbwegs aktuelles Smartphone der letzten Jahre hat und deren Darstellung von Google Maps etc. kennt, wird wahrscheinlich erst einmal ziemlich entsetzt sein. In der Praxis macht es aber eine gute Figur, wenn es z.B. tagsüber ohne Backlight läuft (was Handys normalerweise nicht können) und dabei seine höher auflösende Touchscreen-GPS-Verwandschaft bei Bewölkung alt aussehen lässt.
Solange man nicht gegen die Sonne fährt heisst das, wobei ich nicht ganz verstehe warum die Geräte mit spiegelnden Displayoberfächen kommen. trotzdem, der etwas antiquiert wirkende Pixelsalat des Displays bringt die nötigen Informationen im "Navi"-Modus (Abbiegehinweise und Markierung der Route) gut ablesbar rüber.

Für eine "Moving Map"-Anzeige ohne Routing/Track ist der Kartenausschnitt evtl. zu schlecht lesbar, mit der Auflösung eines frühen Heimcomputers (VC-20: 176x184) auf der Fläche einer Streichholzschachtel kann einfach nicht viel Information dargestellt werden und die, die man gerade haben will ist beim benötigten Zoomlevel immer grad nicht dabei, weswegen man scrollen muss, was auf dem Gerät lange dauert und deshalb nervt.

- Hier lauerte ein Bug in der Helligkeitsregelung auf mich, den ein Reset nach dem 2.5. Firmware-Update wirklich behebt, im Netz sind auch andere Berichte über Probleme nach dem Update zu finden, die scheinbar manchmal erst nach mehreren Resets weggehen.

Weil das Display so grenzwertig klein ist, kann das ganze Gerät eine relativ unaufdringliche Erscheinung "im Cockpit" haben und lässt einen nicht wie ein Möchtegern-Weltumradler aussehen, sondern nur wie jemanden mit einem zu großen Tacho. :)

Routing (speziell für Radfahrer)
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Der kostenlose 1:100000 "Topo-Light"-Kartenschnipsel ist als solcher fast brauchbar und sogar routingfähig - im "Fahrrad"-Modus wird man allerdings trotzdem auf Bundesstrassen ohne Radweg oder Benutzungsgenehmigung geroutet, die Karte ist also auch in der Vollversion für Pedaleure recht wertlos. Allerdings gibt es z.B. Velomap und OpenMTBmap (Donationware), die speziell für Garmin-Geräte OSM-basierte Radkarten für Deutschland anbieten. Die sind sogar routingfähig und berücksichtigen dabei die Radfahrerbedürfnisse offenbar schon recht gut. Aber leider...

- Beim Berechnen von Routen mit den Karten (OpenMTBmap/Velomap) z.B. zu POIs bleibt das Gerät oft hängen und nach einiger Zeit gibt es einen Crash und das Gerät geht aus. Es versucht dann nach Wiedereinschalten die Route neu zu berechnen -> Crash/Gerät aus... Ob das nub an Gerät oder an den Karten liegt, es schränkt die internen Routingmöglichkeiten dann doch wieder stark ein. Aber auch wenn die Route extern z.B. auf bbbike.com (recht empfehlenswert für Stadtbewohner!) erstellt wurde, kann sich das Gerät beim Abfahren der Route aufhängen und geht dann wie üblich aus. Immerhin führte mich das Gerät nach dem Neustart weiter aber ich habe keine Ahnung ob das immer so sein wird. Jedenfalls verpasst das der Routenplanungs-Euphorie einen gehörigen Dämpfer und fühlt sich einfach nicht gut an.

Edit: Siehe 'Edit:' ganz unten für eine interessante Erklärung eines Teils der Abstürze.

- Schaltet man das eTrex z.B. während einer Rast aus, behauptet es beim Wiedereinschalten dass die Route nicht zu der verwendeten Karte passen würde. Ich nehme an das die längere Ladezeit von der SD-Karte hier nicht zum Timing der startenden Firmware passt, die diesen Fall wohl einfach nicht berücksichtigt.

- Es gibt auch noch ein Problem mit den Karten und Profilen: Beim Umschalten zwischen Profilen werden die im vorigen Profil verwendeten Karten nicht abgeschaltet, sondern nur die im geladenen Profil gespeicherte Karte zu den vorhandenen hinzugefügt. Ausserdem schaltet sich der Garmin-Topokartenschnipsel jedesmal wieder dazu.

Ohne die ganzen ärgerlichen Macken würde mir der kleine Apparillo richtig Spass machen, er führte mich heute Dank "bbbike"-Route auf mir völlig unbekannten und angenehmen Schleichwegen fern des Verkehrs tlw. durch den Wald zum Ziel, den Rückweg habe ich dann einfach vom Garmin auf der "Velomap" berechnen lassen, was mich entlang einer "Veloroute" tatsächlich auf kürzestem Weg nach Hause leitete. Wenn man sich verfährt berechnet das eTrex die Route "on the fly" neu, was auch gut funktioniert. Da scheint mit ein bischen Planung und Dank der OSM-Karten schon einiges zu gehen. "Mein Fahrrad kennt den Weg."

Wegpunkte-Defekt
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- [Wie das meiste hier vom Verfasser editiert...] Wer Probleme mit dem Löschen/Erstellen von Wegpunkten hat, sollte noch ein paar "Hard Reset" Fingerübungen machen und dann hoffen das sie wegbleiben.
Soweit war meine "Customer Experience" kein fröhliches Einschalten eines neuen Gerätes, es hatte mehr etwas von einer Wiederbelebung aus dem Koma, dem Patienten geht nach einigem Husten und Röcheln inzwischen den Umständen entsprechend.

Kompass
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- Der Kompass dekalibriert sich ständig einfach nur so durch Betriebsdauer (ca. 10°/h und mehr). Ich teste seit einem halben Jahr auch Navigation auf einem Android-Phone und musste dessen Kompass noch nie kalibrieren, sogar wenn das Gerät den ganzen Tag zwischen ablenkenden Geräte-Magnetfeldern auf dem Tisch lag. Im Gegensatz dazu zeigt der eTrek-Kompass spätestens nach ein paar Stunden abwechselnd in alle Himmelsrichtungen. Man muss also vor Antritt jeder Tour und auch mittendrin immer wieder mal erst den Menüpunkt finden+aufrufen, dann das Gerät aus der Halterung nehmen und um alle 3 Achsen rotieren. Bei meinem Smartphone würde es ausreichen das Gerät einfach nur so, ohne Menü um alle Achsen zu rotieren - wenn es denn nötig würde.

Edit: Inzwischen habe ich das auf vorgenanntem Tisch mit den Störfeldern mal getestet: Der EMF-Sensor scheint alle Anzeichen einer starken Anfälligkeit für Eigenmagnetisierung zu haben, schon einige Minuten in geringen MF-Störungen reichen für Desorientierung +/- 90°, was sich auch erst Minuten nach der Entfernung aus der MF-Störung wieder weitgehend behebt, wobei auf das Gehäuse klopfen den Vorgang beschleunigt.

Das man den Kompass vor der Fahrt kalibrieren soll wusste ich, das es so intensiv werden kann habe ich allerdings nicht erwartet. Der maue Kompass ist dann wohl auch der Grund warum man ihn nur auf "Aus" und "Auto" stellen kann: Im Fahrbetrieb schaltet das eTrex zum Glück automatisch auf GPS-Heading um, so kann das magnetische Schätzeisen nicht dafür sorgen dass sich ihre Route in 2 Stunden nur noch mit schiefem Hals korrekt ablesen lässt. Nur wenn Sie stehen wird das Ding wohl aktiv und dann darf man's erstmal wieder kalibrieren und dann erst haben Sie einen Kompass. So eine Sorte Kompass hatte ich schon öfter als Schlüsselanhänger. Das ärgerte mich ziemlich zusammen mit dem...

Höhenmesser
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Auch das hier musste ich nach der Recherche umschreiben:

Der Höhenmesser ist nicht so leicht zu verstehen - keinesfalls funktioniert er so simpel wie man es z.B. von einem Flugzeughöhenmesser erwarten würde. Mein Problem war:

- Auch wenn ich die automatische Kalibrierung abschalte und den aktuellen Luftdruck manuell eingebe, driftet der eingestellte Luftdruckwert über wenige Stunden vom Sollwert (ich bin dabei stationär und bewege mich nicht!) und muss dann wieder manuell auf den vorher eingestellten und immer noch aktuellen Wert zurückgestellt werden. Schalte ich die Autokalibrierung ein fährt das Ding erst so richtig Fahrstuhl.

Soweit ich inzwischen verstanden habe sind gleicht die Autokalibrierung den Höhenmesser im "Variable Elevation"-Modus mit der GPS-Höhe ab und passt die Luftdruckanzeige an, das Barometer wird praktisch nur zur Dämpfung der GPS-Werte verwendet. Der Vorgang kann wohl relativ lange dauern nachdem man den Höhenmesser zum ersten Mal manuell kalibriert hat (was man wohl trotz Autokalibrierung am Anfang einmal tun sollte). Im Ergebnis hat man dann eine ungenauere Anzeige als mit dem Barometer alleine, die aber nicht mehr so schnell auf Schwankungen im Sat-Empfang reagiert.

Warum die Anzeigen nun wandern wenn man die Autokalibrierung abschaltet und sich die Umgebungsbedingungen gar nicht ändern ist mir ein Rätsel und aus den 30 verschiedenen Erklärungen zur Funktionsweise der Garmin-Höhenmesser die ich im Netz so finden konnte konnte werde ich bisher nur schwer schlau.

Also, GLONASS, Kompass und Höhenmesser sind was eTrex 20 und 30 unterscheiden. Die letzten beiden Features sind der Grund warum ich mich für das teurere Modell mit dem etwas dunkleren Display (das eTrex 20 im Laden machte mehr Licht) entschieden habe. Deswegen schrieb ich oben "daneben gegriffen". Grummel.

"Annoystick", Bedienung und Prozessor
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Mit der simplen Icon->Point->Click Menüsteuerung bin ich bei allen vorrätigen Garmin-Geräten auf Anhieb schon im Laden zurecht gekommen. In der Praxis erwiesen sich die Seitentasten heute als etwas schwergängig und mit Handschuhen wird's doch etwas fummelig. Was die Bedienung hier aber auch ohne Handschuhe fummelig macht:

- Die Knopf-Funktion des Joysticks funktioniert nur unzuverlässig, man drückt oft mit deutlich hör- und fühlbarem taktilen Feedback auf das Ding, nix passiert und man wundert sich ob nur der Prozessor wieder eine Denkpause macht oder der Knopf nichts registriert hat. Das ist weder besonders funktionell noch fühlt es sich wertig an. Inzwischen hatte ich mehrfach, dass der Menüpunktaufruf sogar mit Quittungston bestätigt wurde, ich mit dem Stick aber immer noch im Menü navigieren konnte, das Gerät also auch nicht "hing". Die "Steuerkreuz"-Funktionen fühlen sich ähnlich schwammig an. Ich hoffe dass das Bauteil unter dem Gummi besser ist als es sich anfühlt.

Eben dieser Joystick ist während der Fahrt auch ein etwas anderes Tier als zuhause im Sessel, mal eben auf den Tripcomputer-Bildschirm umschalten ohne anzuhalten kann evtl. ganz schön Konzentration kosten.

- Die Geschwindigkeit, mit der der Joystick den Cursor über den Screen schiebt, lässt den Wunsch nach einer Einstellmöglichkeit aufkommen, denn...

- durch den etwas zähen Kartenaufbau beim Scrollen/Zoomen sorgt die ausgesprochen langsame CPU für ein nicht mehr ganz zeitgemässes Retro-Computer-Feeling bei der Suche nach dem Ende des gegenwärtigen Wegs. Dafür spart der Prozessor wahrscheinlich Strom. Das sollte aber nicht dazu führen, das man dem Prozessor mit dem Fahrrad "davonfahren" kann: Mit dem passenden Zoom-Level und etwas Beinmuskelarbeit ist es gelegentlich nicht weiter schwer aus dem Kartenausschnitt zu fahren, ohne das die Karte rechtzeitig nachgeladen werden kann.

USB 1.1:
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Was soll ich sagen, ein Glück das man Karten notfalls auch mit einem Cardreader auf die Speicherkarte bringen kann und das auch nicht übermäßig oft machen muß - Ende 2011 ein Gerät mit SD-Card-Slot und USB-Technik aus dem letzten Jahrtausend...tut das denn not? Das ist sicher "Wehklagen auf hohem Niveau" alias "Luxusbeschwerden" aber auch das findet man heute sozusagen an jeder Kaffeemaschine.

Radhalterung:
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Ein Highlight, das leider nicht zum Lieferumfang gehört: So sollte ein GPS-Gerät auf dem Vorbau sitzen. Da könnte sich vor allem Falk eine Scheibe von abschneiden, deren "Ibex 30"-Navigator ich nur wegen seiner bekannt untauglichen Halterung nicht kaufen wollte. Die Rohrseite ist allerdings eher für dickere MTB-Rohre/Vorbauten/Lenkerrohre ausgeformt und wenn man keinen günstigen Platz dafür findet, ist die Befestigung mit Kabelbindern evtl. nicht so befriedigend.

Edit: Ein paar 100km und 15 Einsätze später erweist sich die Halterung ebenfalls als Luftnummer: Es klappert inzwischen erheblich, das Gerät sitzt nur noch relativ locker in der Halterung und wird vermutlich in 2 Monaten die gleichen Eigenschaften haben wie bei einem Kollegen, bei dem an MTB-Einsatz mit seinem Dakota und dieser Halterung gar nicht mehr zu denken ist. Es fliegt bei der kleinsten Unebenheit vom Lenker. Trauen Sie keiner Rezension, die 3h bis 3 Tage nach dem Kauf verfasst wurde. :/

Support:
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Ich habe voreilig mit meinem frischen "myGarmin"-Account dem englischen Supportformular den Helligkeitseinstellungs-Bug mitgeteilt, danach bekam ich erstmal eine Abweisungsmail, ich möge mich mit Garmin Deutschland in Verbindung setzen, dann hat Garmin EU aber doch eine Standard-"Reset"-Mail geschickt, vielen Dank (nein echt, ich habe bis dahin immer die falsche Sorte Reset durchgeführt). Der deutsche Support (dem ich das meiste von dem Sermon hier geschickt habe) hat heute geantwortet. Ich habe eine RMA-Nummer bekommen und kann das Gerät zurückschicken. Ich habe mir allerdings gedacht, ich fühle dem Ding noch ein bischen auf den Zahn.

Fazit:
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Was der ganzen Geräteklasse im Zeitalter von Smartphones noch eine Daseinsberechtigung verleiht ist die Eignung für die Benutzung am Vorbau/Lenker und anderen potentiell rauhen und nassen Orten, wo ein Smartphone Hüllen/Taschen/etc. benötigt und trotzdem nicht ganz trocken bleiben würde. Nur die "kleinen" Garmins ohne Touchscreen haben noch den Vorteil einer immer ausreichenden Batterielaufzeit, der bei den grösseren Geräten dann fast wieder in entsprechende Smartphone-Regionen abrutscht, wobei die Touchscreen-Geräte wohl selbst bei Tageslicht oft das Backlight brauchen und die Hersteller-Laufzeitangaben ad absurdum führen. Da erscheint das eTrex ziemlich attraktiv, alles andere scheint ein Smartphone genauso gut und besser bewerkstelligen zu können.

Die Mehrausstattung gegenüber dem eTrex 10/20 mit 3D-Kompass und Höhenmesser lohnt sich wegen der umständlichen Funktion dieser Teile aber leider nicht besonders, ich hatte in 24h mehr Probleme damit gehabt als an 2 HTC-Smartphones (die auch nicht für Mackenfreiheit berühmt sind) in Monaten, von denen ein paar erst nach mehrfachen Resets nach dem FW-Update weggingen. Ich bin inzwischen darüber informiert daß Garmin oft "Bananaware" auf den Markt wirft. Wenn sie denn wirklich reift ist das ja nicht per se eine schlechte Sache, nur sollte man seine Neukunden wissen lassen das hier Alpha+Beta-Testing und QA in Heimarbeit zu leisten sind und das alles gut wird.

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Edit:

Ein Teil der Aufhänger/Abstürze/Abschaltungen habe ich inzwischen aufklären können:

Ich passiere auf den meisten meiner Wege eine bestimmte Stelle - fahre ich mit dem Rad dort vorbei, bleibt das Gerät gelegentlich hängen oder schaltet sich ab. Ich habe das für ein Problem mit der Navigation gehalten, bis ich mehrfach zu Fuß an der Stelle vorbeiging und dabei das Gerät dabei *jedesmal* zuverlässig abschaltete, unabhängig von der verwendeten Karte.

Des Rätsels Lösung kam mir deshalb nicht sofort: In der Nähe dieses Punktes steht ein Mobilfunkmast, der von Bauart und Standort den etwas kräftigeren Anlagen auf dem Lande entspricht. Da ich ein alter "Radiohead" bin, wurde mir der Zusammenhang bald klar: Das eTrex 30 hat entweder ein Problem mit starken "Offband"-Signalen und eine schlechte Grossignalfestigkeit und sendet Datenmüll an die Datenelektronik oder aber die Datenelektronik wird direkt von der RFI beeinträchtigt. Die Positionen an denen das Gerät den Signalen nicht standhalten kann bestätigen meine Theorie: Direkt unter dem Mast passiert wenig, nur wenn man langsam genug in den Kegel der Richtantennen auf dem Mast gerät, kriegt das eTrex 30 zuverlässig die Krise. Fahre ich mit dem Rad daran vorbei bleiben Tripcomputer/Kartenanzeige nur hängen, bis ich den Bereich verlassen habe. Etliche Track-Plotz bestätigen die Situation deutlich.

Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass tausende von Autos mit Navigation an diesem Punkt (nahe einer Bundesstraße) vorbeifahren und ich schon hunderte Male mit aktivem Handy-GPS an dieser Stelle vorbeigelaufen bin, ohne der Mast irgendetwas dabei beeinträchtigt hätte. Das ein spezialisierter GPS-Empfänger eine bescheidenere Eingangsstufe als mein Handy hat oder aber bedeutend weniger störsignalfest ist ist einfach inakzeptabel und wohl auch niemals durch Firmware zu beheben, sowas ist ein Design/Konstruktionsmangel par excellence.

Wofür habe ich da bitteschön knapp 250€ ausgegeben? Unter diesen Umständen kann man kaum glauben, das diese Firma sonst ausgerechnet Avioniksysteme für Flugzeuge baut. Ich glaube ich werde vor jedem zukünftigen Flug vorher anfragen, ob irgendetwas von Garmin im Cockpit das Erreichen des Ziels oder gar mein Leben gefährden könnte. Grrr.
 
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also....
In den meisten Punkten muss ich recht geben. Habe das ding jetzt ein halbes Jahr und alle FW versionen durch...
Viele der beschriebenen Probleme hatte ich aber noch nicht. Und ich habe es echt schon viel benutzt.

Reset mache ich immer einmal wenn ich eine neue FW drauf hab.
Kompass: ich denke das der Sensor einfach zu eng an den Akkus ist. habe festgestellt das man den verstellen kann indem man die akkus dreht...

Thema Glonass: alles föllig richtig erklärt. Liegt an Russland steuer. Habe aber in engen Bergtälern schon position gehabt wo ohne glonass gar keine mehr zu stande kam.

Smartphone - und genau das sehe ich anders. klar haben smartphones bessere Displays. Die ziehen aber bei voller helligkeit dermaßen Srom. Wie lange hält der Akku bei einem SP wenn man GPS nutzt und das Display dauernd an ist? 2h ? eben und mein etrex hält mit akkus 24h. Was zum nächsten Punkt bringt. JEtzt ist Sommer ok - und wenn ich mein SP im Winter bei Minus Graden an lenker mach? genau entweder gar nix oder paar minuten. Das ist halt der Vroteil von NiMH Eneloops...

Achja das Problem mit static navigation. Ja das wurde seit FW 2.73 runtergedreht aber nicht sehr stark. Ich gehe auch cachen und da ist das im Grunde immer noch zu viel. Punktewolken produziert meins aber gegen 0. (habe loggen auf 1/s ).

Gut ich wusste worauf ich mich bei Garmin einlasse - und brin im Grunde ganz zufrieden mit dem gerät. am lenker oder zum cachen, bzw zu fuß in den Bergen macht es was es soll.

Für manch andere anwendung nehm ich lieber das Tablet mit 10" display :)
 

gscholz

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Ja, netter Erfahrungsbericht. Nicht so gut kommt die Beschreibung von "Softwarefeatures" ohne den konkreten Bezug auf die verwendete Version zu erwähnen. Da hat sich seit Erscheinen des Geräts doch eine Menge getan.

Die Labilität der Fahrradhalterung kann ich übrigens nicht bestätigen. Ich habe davon zwei Stück an verschiedenen Rädern und mittlerweile mehr als 7000 km z.T. auf derben Rüttelpfaden zurückgelegt, ohne das sich das Gerät gelockert hätte oder wackeln würde. Die Halterung von meinen HCx verhält sich da ganz anders, mal abgesehen davon, dass ich dort schon die dritte Klemmung am Gerät im Einsatz habe.
Gruß
Guido
 
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ich habe eine schnur unten dran mit der ich über eine schlaufe am lenker sichere - gebraucht hats die noch nie. Also selbst im groben gelände und sprüngen ist das ding noch nie rausgeflogen.
Was ich bemängeln würde ist das garmin da 10€ für ein stück plastik verlangt. andere Herstellern leifern das mit
 
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Das es bessere SP als das iphone gibt ist unbestritten.
Aber beim etrex sehe ich wenigstens etwas auch wenn die beleuchtung aus ist. beim SP nicht.

Ich will da jetzt auch nicht rumstreiten. Es gibt halt keine Perfekte Lösung. Es gibt dinge die SM oder Tablet deutlich besser können, aber halt auch anwendungen für outdoor GPS geräte.

SP / Tablet:
+ besseres größeres Display mit mehr pixeln.
+ schnellerer Kartenaufbau dank besserem Prozessor
+/- Es gibt Wasserdichte

Outdoor gerät:
+ viel viel Längere Akkulaufzeit
+ oft hellerers Display für Sonnentage
+ in schlechten Empfangsituationen bessere (oder überhaupt) Position
+ gehen auch im Winter bei -10°C noch (jaja SP geht da auch - aber sicher keine 5h)
+ Wasserdicht, schwimmfähig (manche), stossfest. (schmeiß mal so einen Apple dreck runter...)
 
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Quatsch, dass hat doch mit Streit nichts zu tun ;) Ich denke Du siehst das schon ganz objektiv und ich stimme Dir da weitestgehend zu.

Zwischen den 2h eines Iphones und den 8h eines Defy (wohlgemerkt mit Display durchgehend "on") liegt halt genau der Bereich, der das Phone für viele Anwender interessant macht.

+ in schlechten Empfangsituationen bessere (oder überhaupt) Position
....
+ Wasserdicht, schwimmfähig (manche), stossfest. (schmeiß mal so einen Apple dreck runter...)

Ersteres würde ich so nicht behaupten. Ich hab selbst schon mein Dakota und das Defy parallel Gassi geführt. Die Unterschiede sind marginal. Das Sony Xperia Active unterstützt z.B. darüber hinaus nicht nur GPS sondern auch Glonass.

Die Robustheit von Defy, Xperia und Co sind schon sehr gut, da dürften sie sich mit den meisten GPS Geräten nicht viel nehmen.

Enttäuscht bin ich immer wieder, wenn ich sehe, dass so ein Defy oder Xperia Active inkl. dem ganzen IP-67 irgendwas Brimbamborium die Navigation "mal eben so dabei" hat - und dabei noch billiger ist als ein extrex 30 - aber das steht wieder auf einem ganzen anderen Blatt.

Gruß
Peter
 
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Interessanter Bericht. Ich besitze zwar das Etrex 20, aber bis auf den Höhenmesser und Kompass ist dies ja identisch zum 30er.
Ich bin mit dem 20er eigentlich sehr zufrieden. Ich brauche keine unnötigen Extras und daher finde ich die neuen Etrexs einfach perfekt.
Für mich wichtig:
- sehr gute Akkulaufzeit
- sehr helles Display, auch unbeleuchtet lesbar
- kein Touchscreen!

Für jemanden der seine Touren loggen will oder einfach nur navigiert werden möchte, ist die Reihe perfekt.

Das ist meine Meinung dazu.

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Enttäuscht bin ich immer wieder, wenn ich sehe, dass so ein Defy oder Xperia Active inkl. dem ganzen IP-67 irgendwas Brimbamborium die Navigation "mal eben so dabei" hat - und dabei noch billiger ist als ein extrex 30 - aber das steht wieder auf einem ganzen anderen Blatt.

wohl wahr.
Glonass ist eben genau da praktisch wo man mal keinen gps empfang hat. Diese Situation hatte ich jetzt schon 2mal. Sonst macht glonass das Ergebnis oft sogar schlechter. Dazu gibts genug infos in anderen Foren.

Es wird eben nicht das perfekte geben. Manche werden mit einem speziellen GPS gerät glücklich, andere mit dem SP. Andee gar nicht.

Aber vielleicht kommt so ein gerät ja noch. Manche Anforderungen sind halt nicht so leicht zu vereinen. Oder widersprechen sich.

Ich hätte gerne einen kleinen günstigen 2 Frequenz GPS Empfänger.
 
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