Hope Bremssattel überholen (Hope Original Mini)

Dabei seit
9. September 2004
Punkte Reaktionen
274
Hi,

es kommen immer wieder Fragen zum überholen eines Hope Bremssattels auf. Zu diesem Thema gibt es zwar schon viele Videos, ich wollte aber mal mit Bildern das überholen eines alten Bremssattels zeigen.
Dieser hat noch den verschraubten zweiteiligen Bremssattel, man kann daher vieles leichter sehen.
Des Weiteren ist dies ggf. ein spannendes Projekt für Hope-fans um sich eine alte Bremse für ein Stadtrad oder ähnliches herzurichten. Ich kaufe gern alte Hops auf ebay.co.uk (relativ) günstig ein. Der Zustand ist mir eher egal, denn an Hopebremsen ist i.A. alles zu reparieren und alle Ersatzteile zu bekommen.

Achtung: Wer an einer Bremse bastelt, sollte immer wissen was er tut. Wer sich also die folgenden Arbeiten nicht zutraut, lieber nicht machen. Alle Tipps und Hinweise sind nach bestem Wissen und Gewissen, ich übernehme aber keine Gewähr!

Schritt 01:
Demontage des Sattels und entfernen der Kolben.
Ich packe zuerst einen Imbus in den Schlitz des Bremssattels und pumpen nun beide Kolben soweit wie möglich hinaus. Durch den Imbus erzwinge ich, dass der weniger mobile auch bewegt wird. Wenn un beide Kolben "weit" hinaus schauen, entferne ich den Kolben und pumpe weiter. Dieses führt dazu, dass einer der Kolben "heraus fällt". Den anderen "überrede" ich anschließend mit Druckluft.
Bei den neueren Sätteln würde man den hinter der Kolbenbohrung liegenden blockieren und den gegenüber liegenden heraus pumpen. Anschließend kann der andere (die anderen) Kolben entfernt werden.
2020-05-05 16.33.54.jpg2020-05-05 16.35.42.jpg2020-05-05 16.40.22.jpg2020-05-05 16.40.36.jpg

Auf dem letzten Bild kann man sehen, was die Jahre an einem Bremssattel anrichten. Dieser äußere Dreck ist aber nicht weiter schlimm, der Bremssattel ist weiterhin benutzbar.

Schritt 02: Die Kolben.
Der Grund warum ich die Bremse überholen möchte, war das am der Rückseite der Bremsbeläge Bremsflüssigkeit zu finden war.
Dieses deutet i.A. auf eine defekte Kolbendichtung hin. Dieses kann durch Dreck, Alter und verschlissene Kolben geschehen.
Also als erstes, Kontrolle der Kolben:
2020-05-05 16.41.43.jpg2020-05-05 16.40.57.jpg2020-05-05 16.43.00.jpg

Achtung: Die Reparatur an den Kolben sollte mit absoluter Vorsicht während der Reparatur und der anschließenden Nutzung geschehen. Im Zweifel lieber einen neuen Kolben verwenden.
Ich führe diese Art der Reparatur nur an meinen eigenen Bremsen durch!

An den Kolben waren sowohl Dreckrückstände (das Bild mit dem roten Hintergrund) als auch Beschädigungen zu finden.
Den Dreck habe ich wegpoliert und den Kolben habe ich mit 1000er Nassschleifpapier (hoffentlich) wieder repariert bekommen.
Im Anschluss waren die Kolben wieder optisch in Ordnung. Eine "Fühlprobe" ergab, dass alle Kanten weg waren und einem Wiedernutzen nichts im Wege stehen sollte.

2020-05-05 16.44.09.jpg2020-05-05 16.50.32.jpg

Schritt 03: Die Dichtungen
Nun entferne ich die Dichtungen und setze neue aus dem Dichtungskit ein. Vorher bekommen diese noch ein klein wenig Silikonöl spendiert. Bei den zweiteiligen Sätteln ist das entfernen und wiedereinsetzen der Dichtungen relativ easy. Man sollte nur immer auf einen korrekten Sitz der Dichtungen achten.
Mir ist klar wie dreckig die Bremssättel sind. Das meiste ist aber korrodiert oder aber nicht mehr zu entfernen. Daher war das arbeiten am Sattel so okay. Jeglichen Schmutz innerhalb der Kolbenbohrung habe ich vor der Montage wieder entfernt und auch alle Spuren innerhalb wegpoliert. Ein neuerer Sattel wäre optisch sicher ansprechender gewesen, ich finde es aber auch spannend welche Nutzung die Bremsen überleben und was man alles wieder herstellen kann.
2020-05-05 16.53.32.jpg2020-05-05 16.57.09.jpg2020-05-05 16.56.15.jpg2020-05-05 16.57.28.jpg2020-05-05 16.58.25.jpg

Schritt 04: Einsetzen der Kolben und zusammenbau des Sattels
Nach dem Einbau der neuen Dichtungen (sehr wichtig, nicht den kleinen O-Ring zwischen den beiden Hälften vergessen, habe ich die Kolben wieder eingesetzt. Hierbei sollte man auch vorsichtig vorgehen um die neuen Dichtungen nicht zu beschädigen. Ich habe auch die Kolben ein wenig mit Silikonöl eingeschmiert, dann flutschen sie leichter rein.
Die Schrauben, die den Bremssattel verbinden, schmiere ich mit ein wenig Kupferpaste ein. Der Sattel kann schon recht warm werde, die Kupferpaste verhindert eine dauerhafte Verbindung zwischen Schrauben und Sattel.
Achtung: Ich kontrolliere die Verbindungsschrauben nach der ersten Ausfahrt und nach ein paar Wochen!
2020-05-05 17.03.54.jpg

Schritt 05: Entlüften der Bremse
Ich habe mir zum entlüften der Bremse einen kleinen Montageständer, bestehend aus einer alten Gabel, einem Vorbau und einem Lenker, gebaut. Dies erleichtert mir das arbeiten immens.
Wie entlüftet wird, wird in div. Videos ausführlich erklärt. Ich möchte daher nicht weiter drauf eingehen. Was ich aber im Laufe der Jahre gelernt habe, sind folgende Tipps/Hinweise:
  • Immer eine Schutzbrille tragen! Niemand möchte Bremsfküssigkeit im Auge.
  • Den Ausgleichsbehälters gerade ausrichten (klingt offensichtlich ist aber bei den Tech3-Hebeln nicht so einfach).
  • Früh genug Bremsflüssigkeit in den Ausgleichsbehälter kippen, es ist doof wenn man fast fertig ist und die Bremse von oben Luft zieht.
  • Die Kolben mit Holzkeilen oder ähnlichem blockieren
  • Den Hebel auf die maximale Stellung bringen (soweit vom Lenker weg wie möglich).
    Dies mache ich auch, wenn ich neue Beläge einsetze oder die Kolben neu ausrichte.
  • Ich nehme immer DOT 5.1 Bremsflüssigkeit aus dem KFZ-Bedarf. Lieber kleine Verpackungen, die wird vom rumstehen nicht besser. Qualitätsunterschiede habe ich bisher noch nicht bemerkt
  • Es hilft wenn man die Bremse über Nacht aufgehangen hat. Dabei Hebel oben, gerade Leitung, Sattel unten.
    Dieses läßt Luft aus der Leitung und dem Sattel nach oben steigen. Durch klopfen am Sattel und der Leitung mit einem Schraubenziehergriff o.ä. kann man dies unterstützen.
  • Niemals von unten nach oben per Spritze entlüften. Am Sattel ist ein ENTlüftungsnippel. Durch das reindrücken von Bremsflüsigkeit wird Luft per Unterdruck (ausgelöst durch das reindrücken der Flüssigkeit) mit in den Sattel gezogen.
  • Ausnahme: Bei einer komplett leeren Bremse befülle ich manchmal per Spritze die Bremse von unten mit Flüssigkeit. Dann lasse ich alles 24h ruhen (damit sich die Flüssigkeit beruhigt und die Luft nach oben steigt) und entlüfte dann klassisch.

2020-05-05 17.10.18.jpg2020-05-05 17.10.50.jpg2020-05-05 17.11.00.jpg2020-05-05 17.13.15.jpg
 

Anhänge

  • 2020-05-05 17.03.54.jpg
    2020-05-05 17.03.54.jpg
    331,3 KB · Aufrufe: 14
Zuletzt bearbeitet:
Dabei seit
9. September 2004
Punkte Reaktionen
274
Schritt 06: Einrollen der Membrane
Dies ist meiner Meinung nach der wichtigste Schritt. Wenn man hier alles richtig macht, hat man anschließend eine komplett luft- und problemfreie Bremse.
  • Den Ausgleichsbehälter "überfüllen". Es sollte ein leichter Berg zu sehen sein, der nur durch die Flüssigkeitsspannung gehalten wird
  • Die Membrane sorgfälting einrollen (im Hopevideos wird dies immer mit "rolling in the diaphragma" betitelt").
  • Die Membrane sollte ok sein, sprich nach dem einrollen nicht hochstehen oder ähnliches. Lieber eine neue benutzen
  • Ich habe lieber eine "ordentliche Sauerei" am Ausgleichsbehälter als Luft im System
  • Nach dem verschrauben des Deckels sollte am Ausgleichsbehälter außen auch Flüssigkeit sein. Dies bedeutet, dass das System eher Bremsflüssigkeit rausgedrückt als Luft eingeschlossen hat.
  • Ein Zuviel an Bremsflüssigkeit wird durch den Holzkeil zwischen den Kolben verhindert.
  • Bremsflüssigkeit ist wasserlöslich. Nach dem ich fertig bin, halte ich kurz den Bremssattel und den Hebel unter Wasser , alles ist dann sauber und bereit für die Montage am Fahrrad
  • Meine Bremsen sind anschließend Transport- und Gondelsicher. D.h. aufrechtes, seitliches oder lagern auf dem Kopf macht ihnen nichts aus. Ich muss NIEMALS einen Druckpunkt erpumpen.
    Sollte dies nötig sein, ist Luft im System!!!

2020-05-05 17.24.31.jpg2020-05-05 17.25.28.jpg2020-05-05 17.23.40.jpg2020-05-05 17.26.11.jpg2020-05-05 17.27.52.jpg2020-05-05 17.30.24.jpg


Schritt 06: TEST!!!
Ich habe die Bremse anschließend für 24h unter "Druck gesetzt". D.h. mit gezogenem Hebel 24h an meinem Montageständer gelassen und anschließen kontrolliert ob Bremsflüssigkeit an den Kolben austrat.
Erst danach habe ich eine Testfahrt gemacht.
Beides war erfolgreich und ich erfreue mich an der reparierten Bremse.

Bei Fragen => fragen und bei Anmerkungen => anmerken! ;-)
 
Zuletzt bearbeitet:
Dabei seit
14. Januar 2020
Punkte Reaktionen
133
Super Beitrag. Vielen Dank!

Wie ist denn deine Erfahrung mit der Bremsflüssigkeit bei Hope?
Wechselst Du ab und zu?

Ich selbst fahre seit 5 Jahren die Tech3 X2 ohne jegliche Wartung - kein Entlüften - kein Wechsel der Flüssigkeit...
 
Dabei seit
9. September 2004
Punkte Reaktionen
274
Hi,
das kann man auch gut machen, leider. ;-)
Ich habe mir angewöhnt so ca. alle 4 Jahre die Flüssigkeit zu wechseln. Einerseits zieht sie definitiv Wasser und es kommt auch "dunkle Brühe" raus.
Ich habe mir das Hope Entlüftungskit gekauft (wo man auf den Ausgleichsbehälter einen Behälter a'la Shimano schrauben kann) und damit ist das auswechseln der Flüssigkeit mehr als easy.
Siehe hier:
Hope Easy Brake Bleed Kit
 
Oben