Ich möchte kein E kaufen! 6 gute Gründe gegen E-Bikes

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Ohmchen

Hamsterwheelie everyday!
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Seit einer gewissen Weile denke ich darüber nach, ob Fahrräder mit Elektromotor wirklich sinnvoll sind. Was mich umtreibt ist vorallem Verwunderung, denn ich liebe das Radfahren. Ich liebe vor allem Anderen die Bewegungsfreiheit, die mir das Fahrrad bietet, seine Unabhängigkeit ist ein echtes Geschenk. Wozu also diese Unabhängigkeit aufgeben?

1. Unabhängigkeit

Das Fahrrad ist der Inbegriff für die Unanhängigkeit in Sachen Mobilität —auch weil es so unabhängig von Ressourcen ist. Immer wenn die Ressourcen knapp wurden, schlug die Stunde des Fahrrads. Das war während und direkt nach den großen Weltkriegen so und auch während der Ölkrise in den Siebziger Jahren. Auch die Geburts-stunde des Velocipeds fiel in eine Krisenzeit in der die Futtermittel für Pferdegespanne so knapp wurden, dass sich ein gewisser Tüftler Gedanken darüber machte wie man größere Strecken mit einem „Pferdeersatz“ zurück legen könnte. Weil das das Fahrrad die investierte Energie so effizient in Fort-bewegung umwandelt, galt es lange als „die perfekte Maschine“. Ein Radrennen wie die Tour de France führt uns sehr anschaulich vor Augen, wie groß das Potenzial des moderenen Fahrrads wirklich ist. 250 Kilometer in sechs Stunden Fahrzeit —Schon das Fahrrad ohne Motor ist ein Siebenmeilenstiefel mit Rädern!

2. Einfachheit

Die gesteigerte technische Komplexität des E-Bikes sorgt dafür, dass das, was einmal selbsterklärend war und als letzte Bastion des Analogen den Kontakt zu
mechanischer Technik aufrecht erhielt, nun in einer Art Blackbox verschwindet, die genau-genommen nicht einmal mehr vom Fachhändler repariert werden darf. Appropos: Was ist eigentlich, wenn ein E-Bike seine prognostizierte Lebensdauer von 8-10 Jahren erreicht hat und eventuell garnicht mehr repariert werden kann?
Das Fraunhofer Institut hat schon vor ein paar Jahren eine Studie zur Recycling-Fähigkeit von E-Bikes durchgeführt. Mit dem Fazit, dass es bis jetzt überhaupt keine Entsorgungskonzepte gibt.

3. Bequ-E-mlichkeit

Klar! Seit Menschengedenken ist Komfort der Motor des Fortschritts. Das Versprechen weniger Anstrengung für etwas aufbringen zu müssen ist immer noch verlockend und wahrscheinlich die Basis unserer Industriekultur. Deren Nebenwirkungen sind allerdings ebenso bekannt. In Zeiten der vernetzten Informationen kann wirklich niemand noch sagen: Davon habe ich nichts gewußt! Wir alle wissen ganz genau welchen Preis Bequemlichkeit hat. Meiner Beobachtung nach, wird die Anschaffung eines E-Bikes eher selten mit Vernunft abgewogen. Vielmehr scheint der Kauf eines mororisierten Fahrrads eher von Vergleichsdenken angetrieben zu sein. Mein Nachbar hat eins, jetzt brauche ich das auch. Ziemlich genau so, wie zu einem unbestimmten Zeitpunkt entschieden wurde, dass ein Fernseher mit weniger als einem Meter Bildschirmdiagonale einfach nicht mehr standesgemäß ist. Weil ich eine Zeit lang in einem Fahrradladen gejobbt habe, weiß ich wie sich das Käuferklintel zusammensetzt. Bis jetzt sind nur etwa 5% der E-Bike-Käufer, wenn überhaupt, Schönwetterpendler.

4. Bescheidenheit

Die Fortbewegung mit einem unmotorisiertem Fahrzeug hat daher hierzulade eine deutliche Symbolwirkung. Sie bedeutet schlicht: »Es ist mir nicht egal, was mit dem Rest der Welt los ist.« Aber auch: »Ich bin nicht abgehoben, mir reicht das Einfache.« Auch die Bewegung mit einem E-Bike hat eine Symbolwirkung. Man kann sie direkt übersetzen mit: »Ich kann es mir leisten meinen Körper weniger zu spüren.« (Obwohl ich genau das Gegenteil brauche: mehr Körpererfahrung.) Ist die Begeisterung für das Aufkommen des E-Bikes eventuell nur ein deutliches Zeichen für die Übersättigung unserer Konsumkultur? Wie weit muss sich eine Gesellschaft entwickeln, um eine der praktikabelsten Erfindungen als nicht mehr ausreichend für die Fortbewegung zu empfinden? Ist das nicht mit weiteren Widersprüchen verknüpft? Müsste nicht jeder Kilometer im Sattel eines herkömmlichen Fahrrads ein willkommener Workout sein, in einer Gesellschaft die kollektiv über Bewegungsmangel klagt? Sehr wahrscheinlich existiert aber auch dieses Szenario: Mit dem E-Bike zum Fitnesscenter und dann ab zum Spinning oder eine Runde auf dem Ergometer.

5. Wahrnehmung

Genau wie die anderen technischen Dinge, die für unersetzlich geworden sind, wie etwa das omnipräsente Smartphone, verändert auch das E-Bike unsere Wahrnehmung. Nicht nur die Körperwahrnehmung verändert sich, sondern auch die Art wie wir uns gegenseitig wahrnehmen.
Jede Form der Fortbewegung hat eine psychologische Komponente. Das Radfahren ist stark verknüpft mit der Selbsterfahrung und dem Freiheitsempfinden. Ausserdem kann man sagen, dass das Radfahren mit einem konventionellem Fahrrad eine Form von Fortbewegung darstellt, die nicht wirklich geeignet ist um damit ein Überlegen-heitsgefühl auszudrücken. Das liegt schon darin begründet, dass man das Fahrrad selbst antreibt und dadurch auch selbst das Maß für die Antriebskraft ist. Dieser wichtige Maßstab der Körperkraft geht verloren sobald man auf einem E-Bike sitzt. Es stellt sich mit der neuen Rolle als sogenannter „bewegter Beweger“ (im Gegensatz zum bewegenden Beweger beim Fahrrad ohne Motor), der seine Körperkraft verfielfätigt, eine neue Selbstempfindung ein. Das Gefühl nicht nur Herr oder Frau über die Maschine zu sein, sondern auch im Vorteil gegenüber anderen, ist ein guter Nährboden für eine Hybris.
Leider kann ich diese theoretischen Ansätze durch meine alltäglichen Erfahrungen bestätigen. Ja, tatsächlich: Ich habe den Eindruck, dass die Entspanntheit auf den heimischen Radwegen etwas abgenommen hat, weil offensichtlich das Gasfußgeprotze, das man vom Auto kennt, direkt auf das E-Bike adaptiert wird. Was ich ausserdem beobachte, ist das die Blicke sich auffallend oft in Richtung des Tretlagers senken,zur Überprüfung, welcher Motor dort für die Fortbewegung sorgt. Synonym für die abnehmende Wertschätzung anderer Verkehrsteilnehmer ist übrigens der Begriff „Bio-Biker“, der hier im Forum gelegentlich als abfällige Bezeichnung für Radfahrer ohne Motorunterstützung benutzt wird.

6. Ganzheitlichkeit

Ich hätte diese Zeilen wohl kaum geschrieben, wenn ich nicht auf ein paar Informationen gestoßen wäre, die die Umweltfreundlichkeit der E-Bikerei komplett nivellieren. Die Ergebnisse einer halben Stunde Online-Recherche sehen wie folgt aus:

Jeder, der plant sich ein E-Bike anzuschaffen, sollte kurz darüber nachdenken, ob er oder sie wirklich 50 Smartphones auf einen Schlag braucht. —Denn das ist ungefähr das, was im Motor und 2,5kg Akku steckt. Im Motor eines E-Bikes befinden sich etwa 200 Gramm Magnete, grob ein Zehntel der Masse entfällt auf seltene Erden (Neodym). Das Smartphone zum Vergleich, besitzt einen 40-50 Gramm schweren Akku, in der Elektronik befinden sich ca. 0,4 Gramm seltene Erden. Wohlgemerkt: Es gibt bereits eine Menge Menschen, die vor der Neuanschaffung eines einzelnen Smartphones mit den damit verbundenen Menschen- und Umweltfeindlichen Aspekten hadern. Aber gleich fünfzig davon auf einmal kaufen, ohne mit der Wimper zu zucken, ist das wirklich vertretbar?

Es kommt aber noch besser:
Für die Herstellung eines Rahmens mit 5 Kilogramm Masse aus Primär-Aluminium (Hochfeste Legierungen), werden mindestens 75KWh Strom benötigt. Für die Herstellung des Akkus ist nochmal der gleiche Betrag fällig. Mit den aufgewendeten 150KWh kann ein E-Bike 20.000 Kilometer weit fahren. Genauer: Soweit müsste es eigentlich fahren, um klimaneutral zu werden. Dann hat der Akku im Regelfall aber schon 200-500 Ladezyklen hinter sich und damit fast das Ende seiner Lebensdauer erreicht.

Fahrt mehr Rad!

Hier sind die Quellen meiner Recherche: Ich möchte euch einladen alles nochmal zu überprüfen, vielleicht habe ich irgendetwas falsch verstanden, was ja eigentlich zu hoffen wäre...







 
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Shonzo

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Der nächste Hate Thread entsteht...

Wird dieser ebenfalls über 1000 Seiten lang werden?
Wo kann man Wetten abschließen?

Wenn wir alle Server abschalten würden, wären eine Menge Probleme gelöst. Interessiert jedoch auch keinen. Genauso wenig wie das hier einen eBiker bekehren wird.
 

Darth Happy

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Der Vergleich mit den Smartphones hinkt vielleicht etwas. Das Telefön "braucht" man meistens wirklich, die Nutzungsdauer wird hier allerdings eher künstlich per Software beschränkt wenn man ehrlich ist. Was beim E-Bike hoffentlich eher nicht so ist und nicht sein wird :wut:
Wenn es jemand - aus Gründen :D - also wirklich braucht, z.B. weil damit wirklich mal ein paar Autofahrten eingespart werden können, dann sehe ich das weniger kritisch. Aber bei der Mehrheit kann man das wahrscheinlich leider nicht sagen, z.B. wenn man Halbwüchsige auf den Radwegen damit rumeiern sieht.
 
D

Deleted 217350

Guest
Was alldieweil noch mehr nervt als diese Kack-eBiker sind diese Kack-eBike-Threads wie dieser in welchem zum drölfhunderttausendsten Mal die ewiggleichen, hinlänglich bekannten “Argumente“ pro und contra durchexerziert werden...
...und zu Beginn des Threads haben alle recht und wenn @scylla dann endlich dicht macht haben immer noch alle recht keiner hat sich in irgendeine Richtung bewegt :rolleyes: .

Wo ist eigentlich @Anto ?
 

skaster

Alter Fätter DIMBo
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.....Ein Radrennen wie die Tour de France führt uns sehr anschaulich vor Augen, wie groß das Potenzial des moderenen Fahrrads wirklich ist. 250 Kilometer in sechs Stunden Fahrzeit....
Aber dafür braucht man doch Unmengen von illegalem Doping Zeuchs, und außerdem müssen doch für jeden EPObiker mindestens ein Arzt und zwei Betreuer dabei sein, die wiederum mit Verbrennungsmotor betriebenen Maschinen, die niemals eine Zukunft haben (so hieß es doch im 19.Jahrhundert), begleitet werden.
Also gerade solche Veranstaltungen als Vergleich heranzuziehen, noch viel lernen du musst.
 

null-2wo

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