Kurventechnik, warum das Bike in die Kurve neigen?

harryhallers

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Hallo zusammen,

ich habe zahlreiche Videos mir angeschaut,die Beschreiben, dass mal als MTBler im Gegensatz zum Rennrad das Rad in die Kurve neigen soll, nicht so stark den Körper.

Kann mir jmd. den physikalischen Grund dafür nennen?

Grüße Harry.
 
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Mehr Grip, weil sich der Körperschwerpunkt dann über dem Tretlager befindet.
Was hat das tretlager damit zu tun? Nichts! Die gewichtskraft des systems geht senkrecht auf die horizontale ebene (~wasseroberfläche see). Die Fliehkraft des systems geht waagerecht radial nach außen aus der kurve. Die Kraftdiagonale, die aus den beiden gebildet wird, gibt die orte an, an denen sich der schwerpunkt befinden kann. Ob da ein tretlager in der nähe ist, ist ohne bedeutung.
Ich sehe eigentlich nur den vorteil im sturzverhalten. Man kann noch ein bein rausstellen und eventuell kann man das bike halbwegs geordnet verlassen. Im anderen fall liegt man i.a. sehr schnell nur flach.
 
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Der Hauptgrund ist die Agilität des Gesamtsystems zu erhöhen. Man hat einfach mehr Kontrolle und mehr Möglichkeiten auf Unvorhergesehenes zu reagieren und dann abzufangen, wenn man nicht das gesamte Systemgewicht aus der Schräglage wuchten muss. Deshalb legt man das leichtere "Einzelsystem" stärker in die Kurve. Beim Motorrad ist das der Fahrer und beim MTB eben das Bike. Anders als manche hier behaupten ist die resultierende Normalkraft auf den Untergrund größer, wenn man sich mit dem Rad neigt. Aber bei losem Untergrund ist oft nicht der Grip des Reifens auf die erste Schicht das einzig Wichtige (wie beim Rennrad) sondern die Verzahnung der Bodenschichten ineinander. Darauf hat man keinen Einfluss und zuviel Druck im falschen Boden, lässt einen iwann doch wegschmieren. Und das wird natürlich schmerzhafter wenn du dich komplett in die Kurve gelegt hast.
 

Schildbürger

Einfach natürlich!
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... Man kann noch ein bein rausstellen und eventuell kann man das bike halbweg geordent verlassen. Im anderen fall liegt man i.a. sehr schnell nur flach.

Vorsicht! Dabei haben sich schon genug Leute die Haxen gebrochen.
Oder "nur" umgeknickt.

Macht das bitte nicht, lasst die Füße auf den Pedalen. Die können besser Bremsen.
Kommt ihr zu stark in die Schräglage lasst euch auf die hintere Seite fallen. Das gibt eventl. ein paar blaue Flecke.
Das geht auch recht langsam, das Fallen, meine ich.
Nicht auf den Arm / Schulter etc. Auch nicht "abstützen" wollen ...
Das halten die Knochen nicht aus.

Ihr könnt mal einen Versuch machen.
Beim geradeaus fahren, auf den Pedalen hinstellen.
Dann das Rad, mit dem Lenker, zur Seite drücken.
Dann merkt ihr wie sich das Rad wieder aufrichten will. Das stabilisiert.
Und erhöht in den Kurven den Druck auf die Seitenstollen.
 
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Der Hauptgrund ist die Agilität des Gesamtsystems zu erhöhen. Man hat einfach mehr Kontrolle und mehr Möglichkeiten auf Unvorhergesehenes zu reagieren und dann abzufangen, wenn man nicht das gesamte Systemgewicht aus der Schräglage wuchten muss.
Das ist gefühlt zutreffend. Man kann wohl schneller wirksam reagieren, ohne das gleich ein unkontrollierter zustand entsteht.* Aber insgesamt bin ich da eher laie, weil ich nicht oft schnell in kurven fahre. :rolleyes:
Deshalb legt man das leichtere "Einzelsystem" stärker in die Kurve. Beim Motorrad ist das der Fahrer und beim MTB eben das Bike. Anders als manche hier behaupten ist die resultierende Normalkraft auf den Untergrund größer, wenn man sich mit dem Rad neigt.
Sorry, das ist und bleibt falsch. Die normalkraft ist allein durch das gesamtgewicht gegeben. Man kann lediglich die verteilung auf vorderrad und hinterrad verändern. Möglicherweise kann man in dieser fahrhaltung das vorderrad kontrollierter belasten. Gibt es da gefühlte wahrheiten?
Aber bei losem Untergrund ist oft nicht der Grip des Reifens auf die erste Schicht das einzig Wichtige (wie beim Rennrad) sondern die Verzahnung der Bodenschichten ineinander. Darauf hat man keinen Einfluss und zuviel Druck im falschen Boden, lässt einen iwann doch wegschmieren. Und das wird natürlich schmerzhafter wenn du dich komplett in die Kurve gelegt hast.
Das sagt folgender post auch:
Vorsicht! Dabei haben sich schon genug Leute die Haxen gebrochen.
Oder "nur" umgeknickt.

Macht das bitte nicht, lasst die Füße auf den Pedalen. Die können besser Bremsen.
Kommt ihr zu stark in die Schräglage lasst euch auf die hintere Seite fallen. Das gibt eventl. ein paar blaue Flecke.
Das geht auch recht langsam, das Fallen, meine ich.
Nicht auf den Arm / Schulter etc. Auch nicht "abstützen" wollen ...
Das halten die Knochen nicht aus.
Alles richtig, vermute ich. Aber bei kurzem anrutschen in engen kehren, kann der fuss hilfreich sein. Wie gesagt, in dem bereich bin ich kaum unterwegs.

*Ich hab grad training in Fort William angeschaut. Es ist wie du sagst. Das leichtere teil, hier das bike kann man schneller durch einfaches lenken in die gleichgewichtsposition nach außen bringen, während der schwere mensch in etwa die ideallinie es schwerpunktes beibehalten kann Vor allem in wechselkurven wird das offensichtlich.
 
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Hier eine weitere Erklärung:

Ein Rad rollt ohne weiteren Krafteinfluss (ungefähr) um den Punkt an dem die verlängerte Achse auf den Boden treffen würde. Umgekehrt: wenn ich ein Rad in eine Kurve zwinge, bei der es nicht in diesem Winkel geneigt ist, schiebt das Rad quer zur Achse und verliert dadurch Traktion. Diese ideale Neigung des Fahrrades ist also nur vom Kurvenradius abhängig und wird mit kleinerem Radius immer größer.

Gleichzeitig muss aber das Gesamtsystem Fahrer/Fahrrad geneigt werden, damit die Zentrifugalkraft ausgeglichen wird und der dynamische Schwerpunkt über dem Rad bleibt. Die Zentrifugalkraft geht aber mit der Geschwindigkeit hoch. Deshalb muss wiederum das Gesamtsystem bei höheren Kurvengeschwindigkeiten stärker geneigt werden.

Beim MTB haben wir oft niedrige Geschwindigkeiten mit kleinen Radien: Das Rad muss stark geneigt werden, dass Gesamtsystem - und damit der Fahrer - allerdings nicht.

Beim Motorradrennen ist das genau andersherum: Der Radius ist größer und genauso die Geschwindigkeit: Hier hängt sich der Fahrer in die Innenkurve und das Motorrad ist steiler.

Und beim Rennrad sind wir wohl irgendwo in der Mitte...
 
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Wenn ich jetzt wüsste, was ein dynamischer schwerpunkt ist und ob und wie der unter das rad kommen kann, könnte ich dir folgen. :ka:

Sorry, da habe ich wohl zu kurz über die Formulierung nachgedacht :rolleyes:

Also nehm ich Wikipedia zu Hilfe:

Je schneller die Fahrt und je enger die Kurve, desto größer muss der einzunehmende Neigungswinkel sein. Dieser ist eindeutig bestimmbar: Die Verbindungslinie zwischen Schwerpunkt und Unterstützungsfläche muss nämlich in Richtung der Resultierenden von Fliehkraft und Anziehungskraft verlaufen. Für den Neigungswinkel alpha zwischen der Resultierenden und der Senkrechten gilt daher: tan alpha = v^2/rg

Ich hoffe, das erklärt's.
 

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sun is shinning
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Allgäu
kleiner Hinweis: die würden auch greifen, wenn man den Körper zusammen mit dem Bike in die Kurve legt!!!
Dann läuft man aber Gefahr das man weggrutscht. Die Gewichtsverteilung ist doch völlig anders.
Das kannst du in all den vielen videos "biken in perfektion" bewundern. Und was da rumgerutscht wird!
Es wird allerhand Zeugs gemacht auf der Welt. Das bedeutet aber noch lange nicht das es gut und richtig ist. Soweit solltest du als alleswissender, unfehlbarer Professor schon denken können.
 
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Dann läuft man aber Gefahr das man weggrutscht. Die Gewichtsverteilung ist doch völlig anders.
Und was heißt das nun für den grip?

Es wird allerhand Zeugs gemacht auf der Welt. Das bedeutet aber noch lange nicht das es gut und richtig ist.
Davon steht auch kein wort geschrieben oder?
Soweit solltest du als alleswissender, unfehlbarer Professor schon denken können.
Du scheinst meine posts aber nicht wirklich zu lesen. Schade.
 
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Zufällig habe ich ein video gefunden, auf dem man gut die rolle von vorderrad (grip muss sein), hinterrad (schleppkurve) gewichtsverteilung (zum vorderrad) und radneigung (viel) gegen körperneigung (kaum), sowie fußausstellen beobachten kann.
nach 2:20 und nach 4:40. Es geht dabei nicht um rennmäßiges fahren, sondern um gaudi und ist deswegen umso ausgeprägter. Das haben wir früher mit der rücktrittbremse mit wonne gemacht.
Wegen des ebenen untergrundes sind die verhaltensweisen deutlich ausgeprägter als auf trails, bei denen immer noch zusatzeinflüsse wirksam sind.
 
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jammerlappen

human Ford killah & Panoramadabbler
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Hallo zusammen,

ich habe zahlreiche Videos mir angeschaut,die Beschreiben, dass mal als MTBler im Gegensatz zum Rennrad das Rad in die Kurve neigen soll, nicht so stark den Körper.

Kann mir jmd. den physikalischen Grund dafür nennen?

Grüße Harry.

Der einzige physikalische Grund, der mir einfällt (abgesehen von der schieren Fallhöhe, wenn es zu Sturz kommt), ist dass man am Kurveneingang (idealerweise flach) quasi aussen am Rad steht, wenn es geneigt ist (Gewicht auf dem äusseren Pedal). Dadurch hat man die Möglichkeit, sich quasi ins Kurveninnere abzudrücken und somit das System Biker + Rad stärker in den Boden zu pressen, als es die reine Masse tun würde. Dadurch kann man auch Unterschiede in der Bodenbeschaffenheit (Wurzelanlieger) besser (und) punktuell nutzen.
Lehnt man den Körper stärker als das Rad, kann man eigentlich nur noch Druck rausnehmen.
 
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Der einzige physikalische Grund, der mir einfällt (abgesehen von der schieren Fallhöhe, wenn es zu Sturz kommt), ist dass man am Kurveneingang (idealerweise flach) quasi aussen am Rad steht, wenn es geneigt ist (Gewicht auf dem äusseren Pedal). Dadurch hat man die Möglichkeit, sich quasi ins Kurveninnere abzudrücken und somit das System Biker + Rad stärker in den Boden zu pressen, als es die reine Masse tun würde. Dadurch kann man auch Unterschiede in der Bodenbeschaffenheit (Wurzelanlieger) besser (und) punktuell nutzen.
Lehnt man den Körper stärker als das Rad, kann man eigentlich nur noch Druck rausnehmen.
Man sollte sich in der diskussion vielleicht einigen, von welchen kurven man redet. Sonst redet der eine von äpfeln und der andere versucht das in birnen zu verstehen.
@--- , der sich so schön versteckt, darf das jetzt erklären.
 
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Die Kurve an sich ist egal, wenn man sie in Vektoren zerlegt. Dann kommt die Kurventechnik ganz automatisch.
Wenn etwas automatisch kommt, braucht du nichts zu zerlegen. Meine erfahrung. Auf der anderen seite gibt es intuitive handlungen, die sich als fehler erweisen. Bestes beispiel ist die fokussierung des blicks auf das objekt der angst. Aber wozu diskutieren wir eigentlich, wenn sich alles angeblich von selbst ergibt?
 
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