MTB Rahmen aus hochfestem Luftfahrtaluminium

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auch ich finde das bike sehr ungewöhnlich und absolut klasse wie unkonventionell du rangegangen bist ! um eventuelles knarzen zu vermeiden könnten man die bleche nicht zusätzlich zum nieten noch kleben ?
du bist eh infiziert - das bleibt nicht der letzte rahmen :bier:

viele grüße !!
 
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Hi,

Aus diesem Grund habe ich teilweise zusätzlich mit Kleber gearbeitet, sprich den "nassen" Kleber mit vernietet.
Natürlich bin ich auch infiziert und habe haufenweise Ideen im Kopf, wie man Details noch geschickter lösen könnte.
Aber ich werde mich hüten jetzt einen Nachfolger anzukündigen, gleichwohl ich davon träume und die Bauweise auch gerne mal ausreizen würde und es auch konkrete Pläne gibt.
Im Moment macht mir aber das Fahren so viel Spaß, dass ich nicht zum Bauen / Konstruieren kommen werde. Ich kann mich dabei den Ausführungen von Stefan und Mr. T nur anschließen. Es ist großartig sein lange in der Werkstatt "gestreicheltes" Gefährt endlich ins Sonnenlicht zu schieben. Hier herrscht akute Grinsekrampfgefahr und auch die Beinchen leiden. Mein Muskelkater war noch nie so schlimm, weil ich von dem Ding einfach nicht mehr runterkomme.

Gruß

Thomas
 
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Mir ist wieder eingefallen wie das genietete Bike aus den 90gern hieß. Das war der "Kamikaze Aluminator"
 

JokerT

Tim
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Hallo Thomas!

Wirklich tolles Projekt und tolle Arbeit! :anbet:

Was mich dabei brennend interessiert:
Was für Blechstärken hast du da verwendet und was wiegt der Rahmen im endeffekt?

VG Tim
 
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Morgen Tim

Ich habe außen für die Seiten Bleche von 0,6 mm Stärke verwendet. Den Kräften nach hätte man auch noch weniger nehmen können, nur dann wird das Ding irgendwann zur Coladose. Ganz so schlimm ist es nicht, denn die Profile oben und unten sind deutlich stärker. Das Luftfahrblech ist da auch fester und kaltverhärtet nochmal durch die Biegungen. Dadurch wird das ganze schon sehr berührstabil. Ich habe Carbonrahmen in der Hand gehabt, bei denen man das Unterrohr mit bloßen Handkräften knacken konnte, das geht hier nicht.
Auch manche Alurohrahmen kann man mit der Hand eindellen. Auch hier geht das nicht, weil das gerade Blech nachgibt und wieder zurück federt und man nur in der Mitte drücken kann.
Das Rahmengewicht würde so viel nicht aussagen weil man im gleichen Atemzug erwähnen müsste, dass der Rahmen von der Festigkeit deutlich über einen vergleichbaren Rahmen liegt und auch nicht jeder Stahlsteuerrohr und Stahltretlager braucht.

Ich halte mich da ein wenig zurück, bitte sieh mir das nach. Ich werde sehr oft nach dem Rahmengwicht gefragt und mir kommt es immer so vor, als ob dies die eine zentrale Größe ist. Wenn das Ding also nicht leichter ist alles was man so kennt, dann war das Konzept nix. Mir ging es aber um so viel mehr und das möchte ich schon rüberbringen.

Vielleicht hilft Dir diese Antwort:

Mit dieser Bauweise und in dieser Rahmengröße sind 1,5 kg realistisch. So ein Rahmen wäre trotzdem noch deutlich ermüdungsresistenter und steifer als ein herkömmlicher Alurahmen. Nur die Festigkeit würde dann etwa gleichauf liegen und Tretlager und Steuerrohr wären aus Alu.

Gr0ß

Thomas
 
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Sie hat eine Grundästhetik die sich auf einer rein funktionalen Gestaltung basiert. Die Schönheit eines Fahrrades entsteht durch Schlichtheit, durch eine sinnvolle, ja möglichst ideale, pur technisch orientierte Formgebung.
Du sprichst mir aus dem Herzen.

Kudos zur Umsetzung deines Draht... ääääh Blechesels. Ganz grosses Kino.
 
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Hi Leute,

Die erste Saison ist vorbei und bis auf einige Winterfahrten möchte ich eine erste Bilanz ziehen und über den Stand der Erprobung berichten. Das Rad hat nun 2500 km hinter sich. Das Einsatzprofil war wie gedacht, viel Gravel, lange Distanzen und einige Cross-Country Touren.
Alle größeren und im Geo-Naturpark Bergstraße ausgewiesenen Strecken kenne ich mittlerweile auch.
Ich habe an mehreren organisierten CX-Events teilgenommen und auch zwei MTB-Tagestouren um die 200km bewältigt. Das Bike rennt in der Ebene wie die Wucht und ich kann mit meinen Kollegen, die reinrassige Gravelbikes bzw. Cyclo-Cross Räder haben, bestens mithalten. Mitunter lege ich mich auf den Rückfahrten durch die Täler auch mit den Rennradkollegen an. Die gucken dann immer, wenn ich nach einer Stunde immer noch da bin. Auf den Trails passt die Geometrie auch noch ganz gut aber sobald es rau wird oder ordentlich holperig bergab geht, gehen die meisten anderen Bikes vorbei. Je mehr Federweg und je tiefer die Sitzposition, desto besser.
Ich fand es spannend genau diese Eigenschaften des Fahrrades gehen die Eigenschaften der anderen Räder aufzuwiegen. Auf den Events sah man das ganz deutlich. Geradeaus und bergauf war ich vorne, aber sobald es irgendwie bergab ging, fuhr praktisch jeder an mir vorbei. So fand ich mich in einem stetigen hin und her was tierisch Spaß gemacht hat. Ich mutmaße auf den meisten CX-Strecken bleibe ich so leicht im Vorteil. Ein leichtes CX-Fully wäre vermutlich für viele CX-Wettbewerbe trotzdem die bessere Wahl, aber die Ebene, also 40km Gravel-Anfahrt, entscheide ich für mich.

Der Rahmen verhält sich ruhig, knarzt nicht und hat auch noch keinen Schaden genommen.
Einmal knarzte doch etwas und ich dachte schon "Mist, jetzt geht das los". Es stellte sich heraus, dass die Züge in der Plastikklemmung der Rahmendurchführung Geräusche machen. Ein Tropfen Silikonspray und es war wieder Ruhe.
Was etwas nervt sind die Schweißtropfen, die beim Putzen etwas hartnäckig sind. Aber auch da blieb bisher nichts zurück, da ich das rohe Alu stets mit einer Metallpolitur behandle.

Die Kettenstrebe hat allerdings schon ordentlich gelitten...

Kettenstrebe.jpeg


Auch das Unterrohr ist praktisch Steingestrahlt...

Unterrohr.jpeg


Das ist kein Dreck, das sind tatsächlich Krater. Beides halte ich aus Struktursicht jedoch für unbedenklich, da eingeschlagene Oberflächen die Ermüdungsresistenz von Alu sogar erhöhen. Sollte es Kratzer oder Risse geben, sieht das anders aus aber selbst unter der Lupe geht das klar.
Die Kettenstrebe ist zudem redundant, im inneren befindet sich ein aufgedoppelter Streifen.
Ich möchte keine "Guards" aufkleben. Die stören mein ehrliches Verhältnis zum Material, welches Patina kriegen soll und eben mit dieser auch weiter existieren darf.
Das ist so ein wenig wie bei Star Wars. Die Sturmtruppen des Imperiums laufen die ganze Zeit mit ihren glatten, glänzenden polierten Plastik-Glanzhelmen herum, währen die Rebellen immer so ein Veranztes-Schranz-Outfit haben. Ich bin eben mehr Rebel...und wie aus dem Ei gepellt sehe ich auch nicht mehr aus.

Eine Sache ist jedoch nervig und ärgert mich. Die Stans Crest Felge des Hinterrades ist schon im Eimer. Das ist keineswegs das Resultat eines harten Hindernisses, sondern das ist Ermüdung. Ja, es gibt sie wirklich, die Ermüdung bei Alu. Jedes 3-5 Speichenloch ist betroffen. Zuerst dachte ich nur an die Antriebsspeichen, aber es ist durch die Bank kaputt. Alle Ermüdungsrisse sind unter Umständen auch nicht immer sichtbar und ich gehe von einem umfassenden Schaden aus. Die Speichenspannung der Crest ist ja recht niedrig, aber die hat nach meinem Dafürhalten immer gestimmt. Die Räder liefen super rund und ich habe nie nachstellen müssen. Die Bremse ist nur eine 140er, also die kleinste, die es überhaupt gibt.

Felgenschaden.jpeg


Auf der anderen Seite ist das für mich auch der Nachweis, dass der Rahmen definitiv länger hält als die Felge.
So ganz verkehrt sind meine Annahmen in Richtung Ermüdung also nicht.

Grüße

Thomas
 
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ONE78

Stahlfanboy
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Dickes B
welchen druck fährst du in den reifen und wie schwer bist du?
ich will mir auch gerade wieder einen LRS mit den crest mk3 aufbauen, wenn ich das so sehe, komm ich ins überlegen?
 

tsujoshi

Shreddy Krüger jr.
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Die aktuellen Crest sind Schrott, das ist bekannt. Nur mit Unterlegscheiben unter den Nippeln und am besten nur für leichte Fahrer
Dito. Geht durch die gesamten Modellreihen. Reißen überall die Speichenlöcher aus. Würde ich mir keine großen Gedanken machen und eine Felge von einem anderen Hersteller besorgen.
 
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Hallo,

Tatsächlich mag der Reifendruck eine Rolle gespielt haben und wirklich leicht bin ich auch nicht.
Ich wiege 87 kg und bin auch manchmal mit 3,5 bar unterwegs gewesen. Meistens jedoch um die 3 bar.
Es gab aber auch Strecken, die bin ich durchweg mit 1,8 gefahren.
Ja, die Crests dürfen nur 2,7 mit den Reifen, ist mir klar.

Inzwischen habe ich auch gesurft und sogar ein Service-Bulletin gefunden, nachdem Stans das Thermische Verfahren zur Nachhärtung angepasst hat.
Nach meinem Dafürhalten kommt hier einiges zusammen. Die Crests sind nun mal leicht und leicht bedeutet halt auch "es fehlt Material". Des Weiteren sind die Löcher nicht wirklich entgratet und die Oberflächenhärtung durch das Eloxieren begünstigt die Ermüdung zusätzlich.
Strukturtechnisch ist das Mist, weil die Oberfläche hart ist und bei Verformung gibt das eine kleine aber hässliche Spannungsspitze, an der der Riss beginnt. Außerdem ist die Legierung nicht die Beste, nur die beste "schweißbare".
Ich glaube ich muss meine Felgen auch in 2024-T3 bauen....:)
Dazu stellt die Crest auch höhere Ansprüche an den Radbauer, weil die max. Speichenspannung geringer ausfällt.

Gruß

Thomas
 
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Hier könnt ihr die Probleme mit den No Tubes Felgen gesammelt nachlesen:

 
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Hallo Bastl-Axel

Es ging mir darum, Alu-Schweißverbindungen strikt zu meiden. Bei Stahl fallen die Kompromisse hier deutlich geringer aus als bei Alu.
Aber eine vernünftige Konstruktion aus Alu ist mir da nicht eingefallen. Vielleicht hätte man das ganze Teil aus einem Stück 7075-T6 spanen können, aber das erschien mir zu kompliziert. Stahl hat bei einem Steuerrohr den Vorteil, dass es auch viel härter ist als die Einsätze, die eingepresst werden sollen.

Außerdem ist Stahl als Leichtbauwerkstoff keineswegs schwerer als schweißbares Aluminium. Wenn man eine ermüdungsanfällige Baugruppe betrachtet, ist es sogar leichter. Das ist keine Frage der Dichte, sondern eine Frage der Druck- bzw. Zugfestigkeit pro Dichte.
Aber die Frage ist natürlich berechtigt. Sollte ich einen zweiten Prototypen bauen, dann ist das Ziel ein Steuerrohr aus 2024-T3 .
Ich habe da schon ein paar Überlegungen und Rechnungen gemacht. Eine gute Lösung ist mir noch nicht eingefallen.
Das Problem bleibt die Krafteinleitung von Oberrohr und Unterrohr.

Gruß

Thomas
 
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