MTB Rahmen aus hochfestem Luftfahrtaluminium

bastl-axel

aktiver Rentner
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Ei, hast ja recht. Habe da mehr auf die, ins Auge fallende, fixierte Sattelaufnahme geachtet und weniger auf die MTB-Gabel und fixierte Sattelaufnahmen sieht man halt eigentlich nur bei Rennrädern.
 
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Optisch ist der Rahmen jetzt nicht so meins.
Handwerklich und von der Idee aber ganz großes Kino. Mir würde die Geduld, Zeit und das handwerkliche Können fehlen.

Darf ich fragen, was für einen Konstruktionskleber Du verwendest?

Bin sehr gespannt wie das fertige Rad aussieht.
 
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Gude

Optisch ist der Rahmen jetzt nicht so meins.
Das geht schon in Ordnung, denn ich besteche auch nicht gerade durch Optik und wie würde ich da auf einem formschönen Fahrrad daher kommen? 😊
Frei nach dem Motto: "Ist ja irgendwie freaky, sieht aber scheiße aus". Ich glaube das Fahrrad passt zu mir. ;)

Aber mal Spaß beiseite, ich möchte dazu was schreiben.

Dieser Fahrradrahmen folgt keinen Trends, greift nichts Bekanntes auf und unterwirft sich auch keinen Erwartungen. Jede Linienführung, jeder Formschwung, jeder Querschnitt und jede Geometrie erwächst aus Parametern, die eine ergonomische, gewichtsoptimierte Struktur aus hochfestem Aluminium nun mal vorgibt. Die Erscheinung ist somit puristisch, minimalistisch und kompromisslos funktionsorientiert.
Das Teil muss zwangsläufig so aussehen und daher existiert so etwas wie „Optik“ eigentlich gar nicht, es darf nicht existieren. Auf dieser Grundlage entsteht meine Auffassung von Ästhetik.

Mich begeistert das Prinzip "form follows function" und ich möchte behaupten, sollten sich die Hintergründe und die konstruktiven Aspekte einem Betrachter erschließen, dann vermag jedes „Unding“ in einem anderen Licht erscheinen. Darf ich an dieser Stelle meinen Flugzeugbau-Meister zitieren?: „Was gut ist, sieht auch gut aus, nicht umgekehrt“. Ob es gut ist, wird sich zeigen, in jedem Falle behält mein Meister recht.

Nun, diese Ansicht teilt diese Welt nicht uneingeschränkt. Wenn ich mich umschaue finde ich kaum einen Gegenstand, der nicht irgendeinem gestalterischen Konzept oder einem Stil folgt. Von der Thermoskanne über die Türklinke bis zum Klobürstenhalter ist heute alles durchgestylt und der Name des zumeist italienischen Designers verdrängt sämtliche übrigen Aspekte, er rückt sogar in der Vordergrund.
Wenn die Automobilindustrie ihre neuen Modeljahre präsentiert, achten die Kunden auf Dinge wie die Form der Rückspiegel, der Rückleuchten oder auf den zyklisch wiederkehrenden Schwung in einem belanglosen Plastikteil. Hier definieren sich ganze Märkte, aber mich haut das nicht vom Hocker.

Auf dem Fahrrad möchte ich mich von allen diesen Dingen befreien, sie hinter mir lassen. Ich reduziere mich dort auf die Natur, ihre Gesetze und ihre Schönheit. Mir genügt es vollkommen, ausschließlich damit konfrontiert zu sein. Schnörkel, Lack und Farbe sind überflüssig, ich lehne sie ab.
Da bin ich im Fluss und brauche keine fließenden Übergänge. Die Linie, die ich in die Landschaft ziehe, ist die einzige die mich interessiert. Meine Räder sind kreisrund, eine einfache, schlichte, zeitlose, ideale Geometrie. Da gibt es keinen Vorgänger, keinen Nachfolger und keine Philosophie.
Überflüssiges habe ich nicht dabei und nicht weniges davon vorher sogar mit Begeisterung per Feile entfernt. Ich schulde niemandem eine optische Referenz und solange ich durch mein Erscheinen niemanden verärgere, sehe ich es extrem zweitrangig.
Aber mit eigener Muskelkraft auf einem unverfälschten, perfektionierten Gegenstand über möglichst große Distanzen durch das bergige Terrain zu rollen, das macht mich total an.

Wie gesagt, ich mache hier keine Designstudie und ich spiele nicht mit Formen. Ich glaube schlicht an diese Bauweise mit all ihren Eigenschaften. Wenn alles klappt, dann wird das Rad durch die Verwendung der hochfesten Aluminiumlegierungen leicht und steif. Vielleicht etwas mehr als bislang von Metallrahmen gekannt. Hier ist und bleibt der einzige Ansatz.

Aber um in naturwissenschaftlicher Manier auf die Frage zurückzukommen:

Ich verwende diverse Kleber und Dichtstoffe. Bei dem Strukturkleber handelt es sich um Körapur 666, ja das Zeug heißt echt so. Es ist ein Zweikomponenten Aluminium Spezialkleber.

Die „schwarze“ Masse ist Sikkaflex 521. Das ist schön zu verarbeiten, eignet sich aber nicht für Flächenklebungen, weil es mit der Luftfeuchtigkeit aushärtet.

Die Herausforderung besteht darin möglichst wenig zu verwenden. Es mag ja eine geringere Dichte haben als das Aluminium, aber da ist auch schnell mal der eine oder andere Millimeter aufgetragen und das geht aufs Gewicht.

Kunststoff ist leider auch nicht wirklich leicht. Ein gutes Beispiel sind die Erleichterungsbohrungen. Die sparen offensichtlich Aluminium aber wenn ich die mit auch noch so dünnen Kunststoff-Karosseriestopfen verschließen würde, wäre die Bilanz stehts negativ

Aber weiter geht es natürlich auch.


Fastfertig (1).jpeg

Hier ist mir eines morgens eingefallen, wie ich noch ein Gramm herunterdrehen kann.
Das macht vielleicht den Bock nicht fett aber ne Menge Spaß. Hier kommt die Hinterachse rein.


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Hier ist mir wieder ein kleiner Gau passiert. Im Gegenlicht stellte ich eine kleine Beule fest, die beim Vernieten des Tretlagerbeschlages entstanden ist. Ich bin offensichtlich mit dem Niethammer etwas abgerutscht. Das kommt vor und das ist auch kein Problem. Ich begann damit, die Beule mit dem Kontereisen und einem kleinen Hammer herauszuarbeiten. Das klappte auch ganz gut und war auch kaum sichtbar. es ließ mir aber keine Ruhe und so dokterte ich da weiter herum, nicht weil es doof aussah, sondern weil es nicht perfekt war und ich nicht daran erinnert werden wollte. Irgendwann hatte ich die Sache so weit getrieben, dass ein sogenannter Frosch entstanden ist. Das Blech ploppte hin und her. Nun das lässt sich nur mit einer weiteren Verformung lösen. Ich entschied mich kurzerhand für eine weitere Erleichterungsbohrung und fertigte auch ein passendes Tiefziehwerkzeug an. Damit war die Beule raus, der Frosch verschwunden und wieder 1 Gramm gespart. Jetzt erinnert mich nichts mehr daran...
Das Loch wird selbstverständlich geschlossen, und zwar folgendermaßen.


Fastfertig (9).jpg

Auf diese Idee brachte mich die NASA. Die hat bei der Entwicklung des LEM (Das ist die Mondlandefähre) Gewicht sparen müssen, da dort jedes Pfund zählt. Also tauschte man die Aluminiumverkleidung des Unterbaus durch Goldfolie. Ich werde meine Löcher mit runden Aufklebern schließen. Das ist an der Stelle gar nicht so empfindlich und klappt prima. Hier hatte ich noch zufällig einen runden Sticker übrig, der genau passte. „Sugar“ macht übrigens gute Laufräder.

Fastfertig (6).jpeg

Auch dieser Brocken sieht ein wenig nach Raumfahrt aus und könnte auch von der ISS abgefallen sein.

Fastfertig (4).jpeg

Sonderwerkzeug im Einsatz

Fastfertig (5).jpeg

Die fertig vernieteten Kettenstreben mit dem Aussteifungsblech. Die Niete sind eingeschliffen, weil da immer ne Menge Dreck hängt. Morgen badet das Stück in Owatrol, das verhindert die Fingerabdrücke beim Anfassen. Außerdem wird das Wetter nicht so toll und da ruft wieder die Werkstatt.

Gruß

Thomas
 
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Soo, jetzt geb ich auch mal meinen Senf dazu ab.
Ich lese seit einiger Zeit mit und freue mich immer auf neue Beiträge von dir.
Ich finde die Optik im ersten Moment auch etwas gewöhnungsbedürftig.
Aber wenn man sich etwa einliest, merkt man, dass die Form einfach alleinig technisch bedingt ist.
Und das finde ich nur der Hammer.

Ich sehe das wie du, mittlerweile muss sich viel zu oft die Technik dem Design unterwerfen und dann isses technisch scheisse. Sieht man ja bei den tollen neuen Autos, die zwar super Infotainment bieten, nach 7500km aber n neues Getriebe und nach einem Jahr n neues Infotainment brauchen weils alte Schrott is.

Die Bauweise ist mal ganz was anderes und ich glaube auch, dass das Endergebnis hinterher technisch super ist.
Leider wäre so n Rahmen im Verkauf unbezahlbar😅
 
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Abend
Leider wäre so n Rahmen im Verkauf unbezahlbar
Das stimmt, meine Stunden in der Werkstatt zähle ich besser nicht zusammen.
Aber ich mach das ja auch weil es mir viel Freude bereitet und manchmal nehme ich mir für ganz einfache Arbeiten lange Zeit um sie zu zelebrieren.
Ich möchte auch niemandem auf die Füße treten, den Rahmen darf man selbstverständlich auch nicht schön finden.
Nur was mich dabei umtreibt und was hinter der Konstruktion steckt, das wollte ich mal erwähnen.

Grüße

Thomas
 
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Schönen Sonntag

In der Tat habe ich keine Ahnung ob es 200 waren und ich könnte noch nicht mal sagen, ob ich mich über mehr oder weniger freuen würde. Ich vermute aber es sind weit mehr. Manchmal stehe ich nach einem produktiven Nachmittag noch ne Stunde in der Werkstatt, schaue mir das Werk an und träume vor mich hin. Ich muss ja keinen Zeitplan treffen und ich muss auch nicht effektiv sein. So ist Arbeit etwas sehr schönes. Am Ende habe ich all die Zeit und Energie ja auch nicht investiert um einen Fahrradrahmen zu besitzen. Ich glaub den hätte ich mir allein schon von dem Geld kaufen können, welches ich während der Bauzeit in Bier versoffen habe. :D
Der Kampf findet auf einem anderen Parkett statt. Dieses Projekt hat ganz andere Hindernisse. Ich habe da eine Familie mit kleinen Kindern am laufen, einen Vollzeitjob, einen Renovierungsrückstand und der Sport ist schließlich auch noch da. Somit ist die Zeit knapp und ich sehe da eher das Jahr, welches ich an übriger Freizeit in den Rahmen investiert habe. Auf diesem Pfad gibt es nun mal keine Abkürzung. Trotzdem finde ich es sehr befriedigend die eigene Kreativität so erschaffend einzusetzen. Zu sehen, wie alles so nach und nach zusammen findet. Das klingt jetzt vielleicht abgehoben, ist es aber nicht und das machen schließlich viele aus den selben Beweggründen.

20220116-DSCF5677-Bearbeitet.jpg

Außerdem ist nicht alles Gold was glänzt. ;)

Das Bild war ein kleines Gemeinschaftsprojekt mit meiner Frau. Sie war hier allerdings federführend, denn sowas kann ich nicht. Ich befolge dann Anweisungen, schaue beim Bearbeiten schön zu und staune was alles geht.

Heute habe ich insgesamt nur 21 Niete geschafft, denn die waren echt nicht einfach. Es geht darum, die Sattelstütze and die Knotenbleche zu nieten. Dazu gibt es noch die Verbindung des hinteren Sattelstützen-Profils. Der einzige Zugang bleibt dabei durch die großen Erleichterungsbohrungen. Einmal muss das Kontereisen da durchpassen, aber man muss es eben auch noch halten und führen. Das ist echt doof und hier möchte ich mal ohne Bescheidenheit behaupten, das geht nicht so leicht von der Hand. Meine Lösung war eine Maurerschnur. Damit kann ich das Eisen im Vorfeld positionieren und es kann zudem nicht in die Struktur fallen und eine neue Beule machen.

16012022 (3).jpeg

So baumelt es am Seil...

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Oben gesichert ist es möglich die Feineinstellung vorzunehmen.

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Das Eisen befindet sich im Inneren, genau an der richtigen Stelle. Jetzt kann ich es mit dem Finger führen. Es bleibt fummelig und Aufgrund des höchst eingeschränkten Zugangs ist es eine Arbeit für Fortgeschrittene.

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Für die unteren Niete bedarf es eines weiteren Hilfsmittels.

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Es ist gut geworden, keine Delle, keine Beule und alle Niete sitzen.


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Wieder einen Schritt weiter, obwohl der Arsch noch "ab" ist. Die Sattelstreben und die Kettenstreben trocknen noch. Owatrol braucht ein paar Tage bis es gut berührbar ist. Und so langsam geht es auch in Richtung fertig.

Gruß

Thomas
 
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@Flugzeugradler Darf ich mal fragen was für eine Ausbildung du hast bzw. wie dein beruflicher Werdegang aussieht?

Ansonsten, einfach klasse! Schön dass du dennoch neben allem anderen Zeit für das Hobby findest. Solche Arbeiten müssen auch sein, gerade beim Renovieren ist das sicher ein sehr befriedigender Ausgleich aus dem man neue Energie schöpfen kann. So ähnliche Probleme kenne ich auch…
 
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Schönes Wochenende

Ist eben viel los und viel zu tun, daher kann es schon zu einigen Zwangspausen kommen. Die Endmontage erfordert eben viel Umgang mit dem Niethammer und da möchte ich mich gut konzentrieren können. Nach einem langen Tag voller Meetings und Kinder durch die Gegend organisieren hatte ich jetzt nicht die Fitness übrig, die ich mir selber für die Werkstatt wünsche. Da ist eben schnell Dünnblech verpfuscht und ich möchte es ja auch noch ein wenig genießen. Bei allem Streben bedeutet jede Fertigstellung auch immer Abschied und das soll bei aller Euphorie auf das Endprodukt "angemessen" von statten gehen.
Vorab möchte ich noch auf die Frage nach meinem beruflichen Werdegang eingehen.
Ich habe mal Elektrotechnik studiert und arbeite in der Elektronikentwicklung für Kfz-Instrumente.
Mein Herz schlägt aber für den Maschinenbau und hier liegt auch meine Leidenschaft. Das "Hobby zum Beruf machen" war nie mein Ding. Ich will nämlich mein Hobby behalten und wendete mich beruflich Dingen zu, die ich seinerzeit nicht so gut verstand oder leiden mochte. Die Entscheidung bereute ich seither nicht und außerdem sind alle Naturwissenschaften irgendwie verwandt.
Meine Maschinenbauleidenschaft habe ich allerdings mit mehreren größeren Projekten ausgelebt und dabei stetig weiter gelernt.
Na und inzwischen hat mich das Fahrradfieber gepackt, wie ihr vielleicht mitbekommen habt ;)

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Die Kettenstreben und die Sattelstreben sind fertig für die dicken Niete.
Da ist so viel Dampf im Spiel, dass die Heftnadeln schon mal herausvibrieren und dann wie Nerf-Pfeile durch die Werkstatt zischen. Daher sicherte ich jede Verbindung zusätzlich mit Bolzen, die natürlich genau die Stärke der Niete besitzen. Das erhöht auch die Präzision, denn das Hinterteil soll schon gerade werden. Nebenbei geht das mit dieser Bauweise hervorragend. Verzug, wie beim Schweißen, gibt es gar nicht.

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Aber das Werkzeug des Niethammers musste ich ein wenig modifizieren.

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Sonst wäre ich nicht an die Köpfe der Niete herangekommen.

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Schön gleichmäßig plattgeklopft und alle Setzköpfe haben auch den gleichen Durchmesser.
Dafür muss man peinlich die Nietlänge anpassen, denn die Stärke des Verbundes, also die Klemmlänge, ist ja immer anders.

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Hier und da noch Material herausgefeilt...

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und Stück für Stück in einer sinnvollen Reihenfolge vernietet.

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Immer wenn ich keine Beule und keinen "Smiley" reingehauen habe freue ich mich. Leider bin ich hier einmal kurz abgerutscht und eine kleine Delle kam dabei raus. Wer findet die? Nebenbei ist das aber nur ein kleines kosmetisches Problem und ich habe mich gegen die Reparatur entschieden. Da ist der "Verschlimmbesserungsfaktor" einfach zu hoch. Außerdem wird der Rahmen im Betrieb noch einige Blessuren bekommen.

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Tretlagerrohr-Abdeckungsblech eindichten und Vernieten.

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Zum Glück geht das mit der Zange.

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Sieht schwer aus, isses aber nicht :)

Gruß

Thomas
 
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Schönes Wochenende

Ist eben viel los und viel zu tun, daher kann es schon zu einigen Zwangspausen kommen. Die Endmontage erfordert eben viel Umgang mit dem Niethammer und da möchte ich mich gut konzentrieren können. Nach einem langen Tag voller Meetings und Kinder durch die Gegend organisieren hatte ich jetzt nicht die Fitness übrig, die ich mir selber für die Werkstatt wünsche. Da ist eben schnell Dünnblech verpfuscht und ich möchte es ja auch noch ein wenig genießen. Bei allem Streben bedeutet jede Fertigstellung auch immer Abschied und das soll bei aller Euphorie auf das Endprodukt "angemessen" von statten gehen.
Vorab möchte ich noch auf die Frage nach meinem beruflichen Werdegang eingehen.
Ich habe mal Elektrotechnik studiert und arbeite in der Elektronikentwicklung für Kfz-Instrumente.
Mein Herz schlägt aber für den Maschinenbau und hier liegt auch meine Leidenschaft. Das "Hobby zum Beruf machen" war nie mein Ding. Ich will nämlich mein Hobby behalten und wendete mich beruflich Dingen zu, die ich seinerzeit nicht so gut verstand oder leiden mochte. Die Entscheidung bereute ich seither nicht und außerdem sind alle Naturwissenschaften irgendwie verwandt.
Meine Maschinenbauleidenschaft habe ich allerdings mit mehreren größeren Projekten ausgelebt und dabei stetig weiter gelernt.
Na und inzwischen hat mich das Fahrradfieber gepackt, wie ihr vielleicht mitbekommen habt ;)

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Die Kettenstreben und die Sattelstreben sind fertig für die dicken Niete.
Da ist so viel Dampf im Spiel, dass die Heftnadeln schon mal herausvibrieren und dann wie Nerf-Pfeile durch die Werkstatt zischen. Daher sicherte ich jede Verbindung zusätzlich mit Bolzen, die natürlich genau die Stärke der Niete besitzen. Das erhöht auch die Präzision, denn das Hinterteil soll schon gerade werden. Nebenbei geht das mit dieser Bauweise hervorragend. Verzug, wie beim Schweißen, gibt es gar nicht.

Anhang anzeigen 1410888
Aber das Werkzeug des Niethammers musste ich ein wenig modifizieren.

Anhang anzeigen 1410889
Sonst wäre ich nicht an die Köpfe der Niete herangekommen.

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Schön gleichmäßig plattgeklopft und alle Setzköpfe haben auch den gleichen Durchmesser.
Dafür muss man peinlich die Nietlänge anpassen, denn die Stärke des Verbundes, also die Klemmlänge, ist ja immer anders.

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Hier und da noch Material herausgefeilt...

Anhang anzeigen 1410891
und Stück für Stück in einer sinnvollen Reihenfolge vernietet.

Anhang anzeigen 1410892
Immer wenn ich keine Beule und keinen "Smiley" reingehauen habe freue ich mich. Leider bin ich hier einmal kurz abgerutscht und eine kleine Delle kam dabei raus. Wer findet die? Nebenbei ist das aber nur ein kleines kosmetisches Problem und ich habe mich gegen die Reparatur entschieden. Da ist der "Verschlimmbesserungsfaktor" einfach zu hoch. Außerdem wird der Rahmen im Betrieb noch einige Blessuren bekommen.

Anhang anzeigen 1410893
Tretlagerrohr-Abdeckungsblech eindichten und Vernieten.

Anhang anzeigen 1410894
Zum Glück geht das mit der Zange.

Anhang anzeigen 1410895
Sieht schwer aus, isses aber nicht :)

Gruß

Thomas
Warum verwendest du eigentlich keine Blindnieten?
 
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Hallo Manta Hai
Warum verwendest du eigentlich keine Blindnieten?
Blindniete, "Becherniete" bzw. "Popniete", die mit einem Abreißstift gesetzt werden, halten deutlich weniger. Sie haben bei gleichem Durchmesser nur einen Bruchteil der Scherfestigkeit eines Vollnietes.
Selbst bei sehr hochwertigen Produkten erreichen die Blindniete nicht ganz das Niveau der Luftfahrt-Vollniete.

Hier gibt es sehr gute Blindniete:
https://www.cherryaerospace.com/product/blindrivets

Dazu kommt dann natürlich das Gewicht pro Stück, auch wenn man akribisch jeden Metall-Abreisstift mit dem Durchschlag herausholen würde. Das geht bei einigen Produkten nicht.
Die verwendeten, hochfesten Bleche können einiges an Kräften übertragen und aus Gewichtsgründen möchte ich die natürlich ausnützen. Dann bekäme ich ein Platzproblem, da rund die dreifache Anzahl Niete nötig wäre.
Bei dem Vorgänger-Rahmen verwendete ich jedoch eine kleine Anzahl Cherry-Rivets, weil der Zugang einfach nicht da war. Das wollte ich diesmal umgehen.

Gruß

Thomas
 
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Was lange währt, wird endlich gut, doch zieht es sich nicht aus dem Hut
Nächtelang im Lampenschein, haute man hier mächtig rein
Metall geschmolzen und gebogen, platt geklopft und lang gezogen
Niete, Klammen, Bleche, Bänder, blank poliert bis an die Ränder,
schafften schließlich das Konstrukt, was hier aus dem Felsen guckt

Einzigartig und historisch, sagenhaft und hoch euphorisch
wurde schließlich das Gerät, feierlich Realität
Mit diesem Schwerte in den Händen, kann eine ganze Ära enden
Nun geht Metall auch Federleicht, auch wenn's Karbon nicht ganz erreicht
Doch Zähigkeit und Kampfes-Härte, sind auch nicht wirklich schlechte Werte

Wo andre über Risse heulen, wird sich das Ding halt etwas beulen
Wo Fasern manchmal offen liegen, kann es sich geschmeidig biegen
Und Steine, die an Rohre schlagen, wird es spielend leicht ertragen
Stürze sind nicht wirklich wild und prallen müde an das Schild
Bei Pferdehaar im Honigtopf, schlägt's leider durch bis auf den Kopf

Ist das Ding nun Zauberei, welcher Trick ist da dabei
Was macht denn dieser Pausenclown, was sich andere nicht ganz trau'n
Ist womöglich etwas viel, Überheblichkeit im Spiel
Warum kann das Wunderdingen, hier die Konkurrenz bezwingen
Oder hat der nur gelogen, und im Keller Schrott verbogen

Hier besticht Material, mit kleiner Dichte, fest wie Stahl
Dieses ist, das will was heißen, leider nicht sehr gut zu schweißen
Die Möglichkeit sich hier nicht bietet, daher wird es auch vernietet
Das kostet Zeit, das kostet Schmerz, das ist nichts für den Kommerz
Selbst im fernen weiten Osten, würde das noch zu viel kosten

Aber hier der kleine Mann, mit seinem Fleiß gewinnen kann
Im Keller und mit kleinen Waffen, wurde hier etwas geschaffen
Nach langer Zeit und nicht für Geld, erblickt der Rahmen diese Welt
Mit Krone und im Kettenhemd, wird er aus dem Stein gestemmt
und hoffentlich er sich dann fährt, wie das berühmte Zauberschwert

Excalibur_klein.jpg
 
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Hallo,

der Rahmenbau ist nun offiziell beendet und jetzt kommt die Bauphase, auf die ich mich seit ein paar Monaten freue, der Aufbau.
Der komplette Aufbau eines Fahrrades macht immer Spaß und ich ertappe mich in letzter Zeit häufig beim Anschauen von "Build-Videos" auf Youtube.
Ach, den ganzen gehorteten Edelkram endlich dran zu schrauben, ist doch einfach was Feines. Ich denke die Rahmenbauer unter uns werden mir zustimmen, dass es nochmal spannender ist, wenn es sich um einen Eigenbau handelt.
Daher wollten wir vorher den Rahmen nochmal ordentlich ablichten.

Rahmen_fertig_klein.jpg


Jetzt kann es losgehen...
Die Komponenten habe ich nun beinahe alle zusammen, was in diesen Zeiten nicht einfach ist.

Grüße

Thomas
 
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Abend,
Finales Rahmengewicht?
darum habe ich ja die ganze Zeit gekämpft...:)
Nun ist es aber nicht ganz einfach zu beantworten, denn hier gibt es ja keine zusätzliche Sattelstütze bzw. Klemme. Also existiert hier ein Vergleichsgewicht.

Demnach wiegt der Rahmen 1455 Gramm.
Aber so wie er auf dem Bild zu sehen ist, sind es 1635 Gramm, mit kompletter Sattelstütze.

Zu Beginn dieses Threads wurde das schonmal diskutiert und seinerzeit, vor etwa 2 Jahren, schätzte ich ein mögliches Gewicht um 1,5 kg. Nun, das habe ich zwar erreicht, aber so ganz zufrieden bin ich mit dem Ergebnis nicht, wie könnt ich auch ;).
Ich hatte gehofft unter 1400 Gramm zu bleiben. Aber hier und da habe ich mich nun mal verschätzt, da nicht alles so genau planbar ist. Das Gewicht der Niete und der Kleber fiel deutlich höher aus, als zunächst angenommen.
Ein weiters Problem ist, man lernt unheimlich viel beim Bauen und das erweitert nun mal den Ideen-Horizont. Natürlich habe ich einige Lösungen im Kopf, die nochmal das Gewicht drücken würden, aber lassen wir das. Jetzt wird aufgebaut und gefahren.

Grüße

Thomas
 
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Mahlzeit,

Los geht es mit dem Einpressen des Steuersatzes. Es handelt sich da um einen Canecreek "Hellbender". Den Namen fand ich einfach cool, als ich im Netz darüber gestolpert bin. Das rockt irgendwie und ist Heavymetal und evil. Gab es da nicht auch mal so einen schlechten Horrorfilm "Hellraiser" oder so?
Schwer ist der Steuersatz nicht und er hilft mir hier mit einem einfachen Stahl-Rohrhalbzeug als Steuerrohr ins Rennen zu gehen. Dazu brauche ich nur noch zwei Reduzierringe aus Aluminium, die ebenfalls in den Stahl gepresst werden. Die wollte ich zuerst auch schwarz eloxieren lassen, aber so sieht man die Bauteilgrenzen etwas besser. Immerhin gibt es hier ein Wechsel des Rahmenmaterials und das möchte ich nicht verstecken. Hier entsteht vermutlich das leichteste MTB der Welt mit Stahl-Steuerrohr.
"Steel is real", daran besteht jedenfalls kein Zweifel.

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Schön mit weichem Holz als Schonbacke und mit ordentlich Langzeitfett geht das im Schraubstock langsam zusammen. Wenn nur noch das Holz nachgibt, dann ist es gut.

Auch so ein Arbeitsschritt, der recht endgültig ist und bei dem kein Fehler passieren darf, das Kürzen des Gabelschaftes. Da geht es immerhin um meine schöne Rock-Shox SID in 27,5 Zoll. Sowas schönes gibt es inzwischen gar nicht mehr weil die Fahrradwelt irgendwie beschlossen hat, dass XC,"IKS-ZEEH", also Crosscountry (CC?) 29 Zoll hat, und das besser ist. Vermutlich kommen die da drauf, weil alle die international erfolgreich sind, auch so umeinander rollen. Nun vielleicht liegt mein Festhalten an 650b-Federgabeln auch an meiner internationalen Erfolglosigkeit. :)

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Die ersten teuren Brocken haben das "Unpackingerlebnis" hinter sich. Ich fand das bisweilen auch albern und verachtete sogar diese Einstellung, bei der es offensichtlich mehr um das Konsumerlebnis als um den tatsächlichen Nutzen geht.
Aber wenn man monatelang so schöne Glitzerbrocken im Nachtkästchen hat, und nun jeden Tag eins auspacken und verschrauben darf, dann ist das einfach geil. Hat was von "Adventskalender".
Der Extralite-Vorbau ist verdammt leicht und kostete mehr als das ganze Fahrrad, welches ich 1984 zur Erstkommunion bekommen habe. Aber ich habe ja solchen Spaß daran. An meinem BMX-Rad, am Vorbau und natürlich an der Erstkommunion. :D

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Das Anzeichnen des Gabelschaftes. Nein, es gibt keine Spacer und ich behalte mir hier auch nichts vor. Das Rad wird so wie es nun mal gehört, ohne Rückweg und ohne die Möglichkeit das hinterher unter Umständen nochmal zu ändern. Die Geometrie passt, ist vollständig und endgültig.

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Einen geraden Schnitt kriege ich hin und als Klemmung des empfindlichen Karbon-Gabelschaftes verwende ich schlicht einen alten Vorbau. So sieht man auch schön den runden Schnitt selber. Nach all den Metallprojekten, die ich in den letzten Jahren anging kam mir dieser höchst seltsam vor. Wer es erlebt hat, wie sich jedes Metall gegen Zerspanung und gegen Abrasion wehrt, der kann es kaum fassen, wie leicht die Säge durch das dicke Kunststoff-Laminat gleitet. Das fühlte sich so an, als ob ich mit einem Stahllineal einen Marmorkuchen schneiden würde. Nach fünf Sägehüben war die Sache schon ab. Ich bin sicher kein Karbongegner oder sowas und dieses Bike wird auch einige mit Karbonfasern verstärkte Plastikteile bekommen, aber das finde ich als Metall-head dann doch etwas...nun ja...ernüchternd. Gut, dass dieses Laminat-Rohr gut geschützt im Steuerrohr ruht. Die reinen Kräfte wird es vermutlich aushalten. In jedem Fall verstehe ich jetzt diese dicken Schützer für die Kettenstreben auf Karbonrahmen.

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Das hätte ich meinem 3-jährigen Sohn nicht zum Spielen überlassen. Der hätte das vermutlich in der Zahnphase Ruck-Zuck zerbissen und ich hätte in der Windel dann regelmäßig Kohlestaub gefunden.
"Darf nicht in die Hände von kleinen Kindern gelangen"
Mist, das gilt dann auch für den Lenker, die Tretkurbel, die Felgen und den Sattel. :eek:
Ich habe als Kind die Holzlatte an meinem Kinderbettchen wie ein Bieber durchgenagt...

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Kohlefaser-Laminat schleife ich lieber nass, dann fliegen nicht so viele kurzbrechende, lungengängige Partikel durch die Gegend. Alle Kanten werden leicht gebrochen.

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Passt, genau 3 Millimeter bis Oberkannte Unterlippe. Nein das ist keine Beule da im Vorbau, das ist nur sehr aufwendig bearbeitet. :love:

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Der Original Rock-Shox Klemmkörper ist mir etwas zu schwer. Ich fand es interessant, dass hinterher mehr Gewicht dran kommt als abgeschnitten wird. Da bieten mehrere Ausstatter leichtere Alternativen an.
Aber auch hier gilt die Regel "1 Gramm kostet 1 Euro". Die Pimp-Brocken haben nun mal ihren Preis, aber ich will die trotzdem haben. So ein Projekt lässt einen echt komplett zum Nerd werden. :spinner:
Ich feile doch da nicht nächtelang herum um 10 Gramm zu sparen und lade mir so mir nichts dir nichts 34 Gramm drauf.

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Also eine rote Ahead-Kappe würde sich hier gar nicht so schlecht machen.
Dieses Kralle wiegt nur 5 Gramm.

Grüße

Thomas
 
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Hallo Zusammen

Ziel bleibt es natürlich das Rad zu Ostern fertig zu bekommen, so wie beim letzten Mal. Ja, aber das Leben und die Welt laufen halt nicht immer alle 60 Minuten eine Stunde weiter und da gibt es nun mal erzwungene und erforderliche Baupausen. Die Beschaffung meiner Komponenten ist dabei eines der Themen. Daher gibt es zu meinem letzten "Vorkriegsbeitrag" auf eine gewisse Lücke.

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Weiter im Text: Hier ist nun die richtige Ahead-Kappe zu sehen, natürlich hatte ich zunächst die falsche Größe bestellt. Ich finde das ja schon wenig freaky, die Farbe und das Emblem.

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Die Gabel erhält selbstverständlich noch einen entsprechend angemessenen Schriftzug. Es handelt sich um eine 2020er Rock-Shocks SID World Cub in 27,5 Zoll. Ich finde die klasse und fahre den Vorgänger seid beinahe 15.000km. Nur bewegt sich die Cross-Country Welt eben davon weg und so schöne leichte Gabeln gibt es in dieser Größe inzwischen nicht mehr. Daher hatte ich beim Entfernen des Originalaufklebers auch kein schlechtes Gewissen.
Endlich traf eine lang ersehnte Lieferung von Extralite eine und so konnte die Lenkstange drauf. Auch hier habe ich meinen eigenen Stil den ich praktisch den ganzen Winter lang in meiner Gravelgruppe verteidigen musste. Ich fahre nun mal gerne einen relativ schmalen, geraden Lenker. Für mich ist das der beste Kompromiss aus MTB-XC und Gravel. Aber zu lang war er trotzdem...

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Zur schonenden Klemmung (hier ist Vorsicht geboten) umwickelte ich das empfindliche Carbon-Teil mit Panzertape und klemmte es gaaaaanz sachte in einen alten Vorbau. Dieser kam mit Gewalt in den Schraubstock. Die Schnittstelle schön nass gemacht und los geht es.

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Nach drei Jucklern ist der Arsch hier ab. Das Laminat ist (ganz klar) erheblich dünner als der Gabelschaft. Ich fand das gruselig, das war wie das Heraustrennen der Plastikteile bei meinen Revell-Modellbau-Flugzeugen, die ich in den 80er Jahren so gerne baute. Der Lenker selber fühlt sich trotzdem sehr steif an und ich habe keinen Zweifel an dessen Haltbarkeit, es bleibt aber das komische Gefühl. Also startete ich eine Mini-Versuchsreihe mit den Restücken.

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Hier habe ich viel Erfahrung mit Stahl, Alu, Kupfer, Messing, PVC, Gusseisen.
Mir ging es auch nicht darum es kaputt zu machen, das wäre nichts neues. Ich wollte sehen uns spüren wie das Material versagt, bei Metall weiß ich das ganz genau.
Das Rohrstück verformte sich, aber die üblichen "Knrzgerüsche", die überlastetes Faserverbundmaterial ankündigen bleiben aus. Das begann es zu knirschen, das bedeutet, die ersten Fasern reißen, das sind meistens die äußeren. Interessant ist, das "Knirschen" hört irgendwann auf und selbst wenn man den Schraubstock wieder auf ein kleines Stück auf dreht, knirscht es wieder. Die Fasern sind so Richtungsempfindlich, das sie selbst bei dem Rückgang der Lasten reißen, weil sie diese letzte Verformung eben nicht mehr abkönnen. Schließlich folgte ein lautes "Knack", dann war Schluss.

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Mir ein wenig dynamischen Einsatz gelang mir das mit dem anderen Abschnitt auch ohne Schraubstock.
Es knackte aber vollständig zusammenquetschen konnte ich es so nicht. Das ist ja auch keine typische Belastung für den Lenker, von daher muss man das "Rest-Mittelstück" nüchtern betrachten.
Hier fährt also fortan ein empfindliches Teil mit. Ich werde peinlich auf die Drehmomente aller Klemmungen achten. Das kann man auch schon schön mit alten Kinderfahrrad-Bremshebeln üben.

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Und überhaupt ist das ein schönes Verfahren um den Schnitt absolut rechtwinklig nachzubearbeiten. Einfach so ein olles, altes Ding draufschrauben und dann mit 300er Schleifpapier nass im Eimer alle Ungereimtheiten entfernen. Die Klemme führt dann den Schleifklotz. So geht das ohne Sonderwerkzeug. Ich habe da auch schon Leute mit Rohrschneidern am Carbon gesehen. Das mach ich nicht.

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Das ist die Sahneseite der Medaille und das Ergebnis kann sich sehen lassen . 86 Gramm sind natürlich auch ein Wort und selbst wenn der Lenker mir beim Bergab-Brettern mal um die Ohren fliegen sollte, dann schreib ich auf meinen Grabstein "Er hatte den bergauf KOM“

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Ganz in schwarz am Karfreitag, es wird, es wird, Osterhase leg mal einen Zahn zu...

Gruß

Thomas
 
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Hallo Zusammen
Mit dem ellenlangen Vorkriegsvorbau sich heutzutage blicken zu lassen, da rümpft doch der ganze Wald die Nase und schreit "unfarrbarr".. :lol:

Also wenn ich im Wald Biker treffe, haben die meistens keine Luft zum schreien und meinen Vorbau kriegen die gar nicht zu sehen...:D.
Trends sind sowieso nicht so mein Ding.
Ebenso "exotisch" dürfte vielleicht auch die Wahl des Kettenblattes für die 1x12 Schaltung ausfallen. Nach 15.000km mit dem ersten Prototypen war klar, das 38er kommt an seine Grenzen und ist manchmal nicht schnell genug. Der erste Gang hat stets gereicht und es gab nur ganz wenige Gelegenheiten wo mir die 50 Zähne hinten knapp wurden. Auch erwarte ich mir da eine gewisse Schonung der Kassette, denn da war der 11. und der 12. Gang immer relativ schnell futsch. Mit dem großen Kettenblatt verschiebt sich hoffentlich auch der Verschleiß in Richtung 9. bzw. 10. Gang, und da hat es schon mehr Zähne.

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Orischinol liefern die ein 34er Kettenblatt aus, dieses wird durch ein 40er ersetzt.
Das dumme ist dabei die Kettenlinie. Bei vielen Anbietern der Originalhersteller kann man den Offset wählen, das ist bei den Übergrößen im Aftermarket nicht mehr der Fall. Da haben sich sogar die einzelnen Hersteller abgestimmt und je nach Größe, gibt es eben die entsprechenden Offsets. Ich wusste, das wird knapp und theoretisch sollten es auf 1 mm Spalt zwischen Kettenstrebe und Kettenblatt herauslaufen.
Ich hatte keinen digitalen Zeichensatz und in dieser Hinsicht ist der Rahmen auch nicht so genau gefertigt. Hier bestand noch ein Risiko.

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Der tatsächliche Spalt war dann etwas zu klein. 2 Zehntel sind mir hier zu wenig.

Als Lösung bleibt nur das verschieben der ganzen Achse in Richtung Kettenblatt. Dafür gibt es zu dem Dub-Pressfit Lager auch diese Abstands-Ringe. In der Packung befindet sich ein 2mm Ring und ein 4,5mm Ring. Der 2er reichte nicht, wie gezeigt, und der große 4,5er war zu breit. Schließlich muss auf die andere Seite ja noch dieser Plastik-Spielfrei Mechanismus reinpassen.

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Der muss das Spiel eliminieren und eine ganz leichte Vorspannung zu erzeugen. Dazu braucht der etwas Platz. Zum Glück gibt es die Abstandsringe auch in Sondergrößen, die sich separat bestellen lassen. Also orderte ich den sogenannten Spacer-Kit. Da sind dann auch Zwischengrößen mit dabei.

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Mit einem 3mm Abstandsring kam es perfekt hin, genug Spalt am Kettenblatt (1,2 mm) und ein klitzekleines Spiel auf der anderen Seite, welches nach einer Viertelumdrehung der Stellmutter verschwunden war.

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Das Schmieren dient nur der Montage, da hier keine Relativbewegungen stattfinden,
aber diese rote Pampe ist einfach irgendwie cool. Und die Kurbel ist echt schön leicht.

Gruß

Thomas
 
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