MTB Rahmen aus hochfestem Luftfahrtaluminium

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Frohe Ostern

Aufbau, Aufbau, Aufbau...

Die Formula R1 Bremse gefiel mir schon immer und jetzt nach dem Einbau hat mich das Ding echt angefixt. Es geht sehr gut zusammen und auseinander, Die ganzen Entlüftungsschrauben sind gut platziert.

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Erstes Öffnen der Bremse

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Alles wieder in der richtigen Reihenfolge draufschieben.

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Entsprechend aufgespannt bekommt man nach und nach alle Luft raus. Zudem tauschte ich die alte Bremsflüssigkeit, die da vermutlich einige Jahre drin verbracht hatte.

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Ablängen der Hiterradbremse...

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Klapperschutz kommt auch rein.

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Hinten geht das auch, die Schlaufe bleibt so.

Nun zu einem Thema, was beim Fahrradbau nicht unerheblich ist, der Laufradsatz. Eigentlich hatte ich ja schon einen schönen in 28er mit 50er G-One Speed Reifen der ganz hervorragen lief.
Nachdem ich aber beim Rahmen schon die 1400g überschritten hatte, würde ich die nächste Bastion "Die sieben vorne" beim kompletten Fahrrad nicht so leicht preisgeben. Mit dem vorhandenen Laufradsatz wäre das nicht ganz hingekommen.
Also rief ich wieder beim Müller in Alzenau an und erkundigte mich nach einem möglichst leichten Laufradsatz. "Ich will an die 1000g heran und ich hab mir da auch schon was überlegt..." plapperte ich drauflos. Natürlich hatte ich mir auch die typische EXCEL-Liste gebaut und den ganzen Superleicht-Edelkrempel im Netz abgesurft. Leider spielte da die Verfügbarkeit eine Rolle und die Extralite Naben waren mit 28 Löchern nicht zu haben.
"Die Extralite sind für Dich sowieso nicht ganz ideal" bestätigten mir die Laufradbauer. Tatsächlich gefiel mir der Dreiklinken-Alufreilauf nicht so wirklich.
Die Produkte von Carbon-Ti, die nur wenig schwerer waren, hatten einen schönen Titanfreilauf der zudem noch hammermäßig klingt. Da kam ich als Chris-King Fan echt ins straucheln und in meiner Wunschfarbe "rot" (hach, es ist so ein geiles dunkelrot) gab es die auch.
Also entschied ich mich angesichts dieser drei Vorzüge für die anderen Italiener.
Aber damit war die Sache noch nicht erledigt, denn die Beschaffung der Felgen und der Speichen entpuppte sich in diesen Zeiten als schwierig.
Bei Radsporttechnik Müller waren die sicher genervt von dem komischen Typen, der irgend so ein Blechfahrrad baute, und zwei mal am Tag anrief.
Schließlich hielt ich den lange erwarteten Anruf: "Deine Räder sind fertig". Sofort packte ich Bremsscheiben, Achsen Reifen und den Rahmen ein und fuhr nach Alzenau.
"Wir hängen das fertige Ding dann bei Dir auf die Waage und wehe da steht keine 7 vorne" drohte ich im Spaß, als ich meinen Besuch ankündigte. Andreas war da für jeden Spaß zu haben.

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Vorderrad mit Band und Ventil

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Hinterrad mit Band und Ventil

Also 1130g sind für einen MTB-Laufradsatz schon ein ganz guter Wert, finde ich.
Scharf sind doch auch die schönen runden Zahlen, die hier rauskamen. Die sind echt, Hand drauf.
Die Teile selber sahen fabelhaft aus. Von dem Freilaufgeräusch bekomme ich Gänsehaut, einfach geil.
"Jetzt hol mal Deinen Bock aus dem Auto und wir machen den fertig" bestimmte der Laufradbauer.

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Ja und hier kommt das Osterei. Bei aller Euphorie, wir haben das Ding nur mit einigem Schweiß und viel Teamwork zusammenbekommen. Die Reifen wollten sich einfach nicht aufpumpen lassen und "ploppten" schlicht nicht in die Felge. Ich hatte die Mäntel schon länger im Keller und da waren die eben etwas widerspenstig. Also Ventil ausbauen und erstmal mit viel Dampf auf die Nuss, dann klappte das.
Die 7835g hat das Fahrrad mit 2,25er Thunder Burts, ohne Dichtmilch. Mal schauen ob das am Ende langt.

Grüße

Thomas
 
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Abend,

Es war zwar Ostern aber „Auferstehung“ ist eben nicht gleich „Auferstehung“. Statt einem vor Emotionen nur so über sprudelnden Jungfernflugbericht, gibt es nun eine gewisse Ernüchterung. Das mag jetzt etwas enttäuschend rüber kommen und ich versichere, bis zu einem gewissen Punkt ist es das auch.
Nun die Fakten; der Hinterbau ist nicht steif genug. Im Wiegetritt und bei einigem „Engagement“ verformt sich die Schose im Bereich des Kettenblattes um etwa 1mm. Mitunter zeigt sich dies durch leichten Kontakt des Zahnrades mit dem Rahmen. Nun, der Vorgänger hat hier auch nur 1mm Spalt und den konnte ich nie so weit verbiegen, ganz egal wie ich strampelte.
Folglich habe ich mich hier aus der Robustheit ein wenig zu weit in Richtung Leichtbau bewegt. Aber so ist das, man kann sich dem Ideal immer von zwei Seiten nähern. So funktioniert nun mal „Entwicklung“ und mit einer stetigen Reise ins Nirvana hat das eben nichts zu tun.
Darin besteht euch ein Unterschied zwischen einem fertigen Industrieprodukt und eben einem solchen Selbstbau, der in vieler Hinsicht Neuland betritt. Wie gesagt, mir geht es nicht darum ein Fahrrad zu besitzen und solche Rückschläge gehören halt auch dazu.
Nun, jetzt wird es die eine oder andere Gedanke von wegen „Das sah sowieso immer fipsig aus“, oder „was macht der da auch für Sachen“ hochkommen.
Auch ich empfand die Auslegung, besonders die der Kettenstreben hinsichtlich Torsion, gelinde gesagt „grenzwertig“. Aber Leichtbau ist immer grenzwertig, wer hier anderes behauptet, der irrt.
Die eine oder andere Nacht habe ich diesem Umstand schon gewidmet und so ganz überraschend kommt das, wie gesagt, nicht und ich hatte die Aussteifung im Prinzip schon um Kopf. Sogar das Material war vorhanden und die grobe Berechnung stand. Also musste ich nur einen Samstag investieren und die Aussteifung „nun doch“ dran bauen.

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Dieses Blech wird die beschriebene Bewegung des Hinterbaus verhindern. Oben gibt es zwar schon eines, aber dies erhält eine Verbindung zum Tretlager-Rohr. Dabei ist leider ein Pressfit Lagersatz drauf gegangen.

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Finales Anpassen mit montiertem Hinterrad.

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Der fertig vernietete Beschlag, ich denke, die 28g sind gut investiert.
Gefühlt hat sich die Steifigkeit des Hinterbaus vervielfacht, so hätte das von Anfang an sein sollen.
Sollte die weitere Erprobung zeigen, dass es immer noch nicht reicht, dann hätte ich auch noch ein paar Ideen. Da gehört auch die Neukonstruktion der Baugruppe dazu.

Mal schauen…

Aber eine ganz ähnliche Angelegenheit ließ mich ebenfalls nicht los. Die Bremslasten konnte der Hinterbau zwar ab und die Verformung hielt sich im Rahmen, aber auch hier möchte ich nachbessern. Zum Glück geht das mit der Nietbauweise ganz problemlos. Ein Niet ist schließlich keine permanente Verbindung. Für meinen Geschmack bog es sich einfach etwas zu viel. Das war noch kein Millimeter bei voll gezogener Bremse, aber es war sichtbar. Es war gar nicht so leicht dieses Moment überhaupt auf das Rad zu bringen. Jetzt mag es ja nur die Hinterrad-Bremse sein und es das maximal mögliche Bremsmoment, welches ich in meinem kleinen Test aufbrachte, wird vermutlich nie dort anliegen.
Trotzdem wird auch hier nachgebessert. Zuerst müssen die alten Niete raus. Dabei darf das vorhandene Loch nicht vergrößert werden. Die seitenwände sind absolut tabu.

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Niet mit 5 Zehntel Untermaß hohl bohren und dann mit dem Vollmaß bis kurz bis vor das Blech bohren. Anschließend nimmt man den Bohrer selbst um den Kopf des Niets abzubrechen.

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Den Rest bekommt man auch noch raus.

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Es ist nicht ganz einfach, aber machbar. Alles gut gegangen...


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Fixierung mit dem bekannten Schraub-Bolzen

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Verbohren der Verstärkung und Fixierung mit Heftnadeln.

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So viel wiegt das Teil.

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Sieht auch gleich viel besser aus. ein Test zeigte, die Kettenstrebe verbiegt sich immer noch, aber eben deutlich geringer. Ich würde schätzen, wenn die Bremse alles gibt, sind das etwa 5 Zehntel.

Aber auch das war noch nicht die letzte Hürde, die Steckachsen von Extralite passten auch nicht so richtig. Das entsprechende Leichtbau-Teil ist hier zu sehen. Ich finde das eigentlich gut und mit 30g ist es auch leichter als die 44 der "Maxle". Die große Achse mit dem Schnellspanner, die ich zum Bauen auf der Helling verwendete, wiegt sogar 75g.

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Die Extralite hat ihre Schlüsselweite für den 6er Inbus auf der Gewindeseite. Daher hat sie auch so eine Beilag-Scheibe unter dem Kopf. Auf diese Weise erfährt sie Achse keine Belastung, die Zug und Torsion kombiniert. Ich mag solche Ansätze, auch wenn das Handling dann ungewohnt ist. Auch das Anziehen mit dem Drehmomentschlüssel ist dann mit Vorsicht zu machen, weil man links herum drehen muss. Viele "Knackschlüssel" können das nicht. Dummerweise beginnt das Gewinde hier 2mm zu früh, die ich mit einer weiteren Scheibe (Drehteil) ausgleichen musste.

Mannoman, was für ein Kampf, ist halt kein Heldenepos bei dem einer nur abgefahrene, coole Sachen macht. Manchmal gibt es eben auch noch Frust, wenn der erfolgreiche Abschluss zum greifen nahe erscheint.

Gruß

Thomas
 
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Jetzt aber,

Das Rad war nach dieser Ehrenrunde soweit fertig, aber natürlich kam die umgehend getätigte Bestellung des neuen Pressfit-Tretlagers nicht rechtzeitig.
Ich war so durch, dass ich mich montags in der Homeoffice Mittagspause ins Auto hockte, und trotz angekündigter Lieferung ein solches Lager in unserem lokalen Fahrradladen kaufte.
Natürlich presste ich es auch sofort ein, schraubte die Kurbel wieder an, installiere das Schaltwerk und machte die Kiste fertig. Ich konnte es einfach nicht abwarten und als ich eigentlich im Job hätte weiterarbeiten müssen, schwang ich mich stattdessen für eine kurze Probefahrt auf das Bike.
Aber die Enttäuschung blieb wieder mal nicht aus. Das Zahnradproblem war durch das Knotenblech zwar vollständig gelöst und das Rad fühlte sich nun viel steifer an. Trotzdem gab es bei vollem Einsatz und im Wiegetritt weiter Reibgeräusche, diesmal vom Hinterreifen.
Wie sich herausstellte, trat der Kontakt aber bei dem oberen Knotenblech auf. Ich packte das Bike also wieder auf den Montageständer und schaute mir das genauer an.
Inzwischen hatte ich mich vom Homeoffice abgemeldet und den Rest des Tages frei genommen. Ich war außerstande jetzt meinem Broterwerb weiter nach zu gehen, E-Mail zu kämmen und irgendwelche Daten in Tools zu hämmern. Ich wollte mein Projekt abschließen, und zwar das Fahrradprojekt.

Der Spalt zwischen Reifen und Knotenblech fiel auf einer Seite mit rund 2mm etwas knapp aus. Auf der gegenüber liegenden Seite waren es schon 4mm.
Ich erinnerte mich, dass ich den Ausschnitt des oberen Bleches damals mit einem anderen Laufradsatz machte. Ich zeichnete damals um den relativ glatten und sehr schön laufenden 50er G-One Speed herum. Die Thunder Burt Reifen laufen nicht ansatzweise so schön und vielleicht habe ich seinerzeit auch nicht so genau gearbeitet. „Da musst Du sowie so noch mal ran, wenn die richtigen Reifen drauf kommen“, dachte ich. In jedem Fall gab es Kontakt mit dem Reifen, der aber nach einer umlaufenden Aufweitung auf konstant 4 mm Spalt vollständig verschwand. In Wahrheit waren das aufgrund der
Reifentoleranz dann zwischen 6 mm und 2 mm Spalt. Die Felge lief bis zur Messtoleranz herunter absolut rund. Der Rahmen selbst zeigte sich vollkommen gerade.
Wieder auf den Sattel und den Buckel rauf. Aber was war das, im vollen Wiegetritt hörte ich manchmal immer noch ein ganz zartes Schaben. Natürlich könnte ich jetzt nochmal einen Millimeter herunternehmen, zögerte aber dann doch. Was sich da zeigte war nicht die Verformung des Rahmens, es war die Verformung des Laufrades. Dieser Umstand ist nicht so leicht zu erkennen, aber mit ein wenig Augenmaß konnte ich das doch sehen. Tatsächlich machte ich die Gegenprobe mit dem anderen Laufradsatz und siehe da, eine vollkommen unumstößliche Tatsche kam ans Licht. „Leichtbau hat in jeder Hinsicht seinen Preis“. Der alte Laufradsatz verformte sich eben etwas weniger als der neue.

Ja toll, natürlich ist das ein geiler Laufradsatz mit nur gut 1100g, aber er ist eben auch nicht ganz so steif, wie der 1350g Laufradsatz, den ich auf meinem „schweren“ Prototypen fahre. Der alte hat eine fette Chris-King Nabe und 32 normale Speichen, die auch noch ne Ecke dicker sind.
Hach, war das schön herauszufinden, dass andere auch nicht zaubern können und es auch Profis gibt, die Leichtbau bis an die sinnvolle Grenze heran betreiben.
Also feilte ich das Halbrund in dem Blech noch einen halben Millimeter größer, baute die leichten Räder wieder ein und strampelte mit richtig Druck bei uns den Haus-Buckel rauf.
Diesmal gab keine Geräusche mehr und ich ließ meiner Freude freien Lauf. Das Bike rannte wie die Wucht und wie vom Engel geschoben rollte ich kurz darauf oben über die Kante. „Ach Du Kacke, das Ding geht ja ab wie die Drecksau“, entfuhr es mir. Mit Tränen in den Augen fuhr ich um den Hügel außen herum und raste erneut auf den 400m Anstieg mit 10% Steigung zu, drückte auf meine Smartwatch (Ich hatte keinen Tacho dran) und wollte den nächsten Run mal messen. Ich kannte ja den Berg, weil ich ihn schon zigmal gefahren bin und ich wusste auch wie schnell ich da hochkam. Ich schlug meine Bestzeit um Längen.
Aber nun begann das Rad erst richtig zu rocken und ich trat in die Pedale. Ich hatte keine Dichtmilch in den Reifen, kein Smartphone einstecken, ja noch nicht einmal einen Hausschlüssel dabei. Die Kette zog, die Beine wurden warm und ich fuhr in immer größer werdenden Runden in der Gegend herum. Die tiefe Position passte perfekt, der glatte Sattel machte seine Sache gut und die Bremsen fingen auch langsam an zu ziehen. Der Reach ist vielleicht 2cm länger als bei meinem alten Bike, aber das merkte ich auch. Mein neuer Bock ballerte nur so vorwärts und auch in der Ebene erreichte ich für mich bislang unbekannte Geschwindigkeit. Ich probierte kleine Trails und erlebte ein bekanntes Handling. In dieser Hinsicht sind sich beide Prototypen ähnlich. Die Gabel könnte vielleicht noch etwas weicher, aber das mache ich dann Schritt für Schritt. Unter dem Strich betrachte ich das Konstrukt von nun als höchst tauglich und bestens fahrbar. Die Bezeichnung "Mountainbike" ist nun gerechtfertigt.
Da kommt noch was.

Grüße

Thomas
 
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Hallo,

ein Kollege aus meiner Radfahrgruppe bot mir spontan an von dem Fahrrad Fotos zu machen. Was soll ich sagen, was für eine Gelegenheit und welch ein Ergebnis. Vik hat echt was los und ich finde er hat den Bock hervorragend abgelichtet. Die Aktion hat großen Spaß gemacht und hochinteressant wars obendrein. Die Bilder hab ich bei "Bike der Woche" eingestellt.
Vielen Dank nochmal an Vik, den Fotografen.



Gruß

Thomas
 
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Google habe ich bemüht. Mittelformatkamera. Soweit verstanden. Aber noch nie wirklich was davon gehört. Interessant. Tatsächlich extrem.
 
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Da erscheint Leicas M-Serie als Sonderangebot🤩 Abgeblendet auf f/9 kommen die Bilder schon super rüber.
 
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