Nachlassende Bremskraft: Überhitzen/Entlüften/was tun?

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Ciao a tutti,
Mal ein kleines Coming-Out: ich bin kein Schrauber, und alles Technische am Velo interessiert mich eigentlich nicht besonders. Ich fahre einfach gerne irgendwo hoch und dann irgendwo wieder runter, am liebsten verbunden mit ein bisschen Wandern. Inzwischen kann ich einen Platten flicken und die Beläge der Scheibenbremse wechseln, und damit hat es sich.

Nun habe ich bei meinem Salsa Cutthroat ein Problem mit den hydraulischen Sram Rival-Bremsen: ich fahre hier im Wallis sehr viel sehr steil runter, z.T. auch auf Schotter und leichten Trails, und entsprechend sind meine Scheiben eigentlich chronisch überhitzt. Erstaunlicherweise führt das kaum zu verbogenen Scheiben, aber der Druckpunkt der Bremsen wird ziemlich schnell ziemlich schlecht: diesen Februar habe ich einen Service machen lassen, danach war der Druckpunkt tipptopp. Jetzt ist es bereist wieder so, dass bei der Hinterbremse der Bremshebel am Lenker ankommt und ich entsprechend kaum noch bremsen kann. Wie mir scheint wir die Situation immer schlimmer (= Intervalle zwischen nötigen Services werden kleiner), aber vielleicht fahre ich auch einfach mehr 😊

An der Bremstechnik arbeite ich (weniger oft dafür stärker; mal hinten, mal vorne), auf den befahrenen Pisten aber teils schwierig umzusetzen… 180er Scheiben sind montiert; 203er sind gemäss Salsa nicht empfohlen. Und längere Abkühlpausen in der Abfahrt sind nicht so mein Ding… Was kann ich sonst noch tun?
  • Mein Problem ist Luft im System aufgrund der Hitze, oder nicht? Entsprechend müsste ich entlüften, korrekt? Sieht aber recht schwierig aus für mich Nicht-Schrauber, für den STI primär Busbetrieb Steffisburg-Thun-Interlaken heisst und der bei Flatmount an flache Berge denkt… Und vor allem brauche ich da nebst dem Entlüftungskit einen Velohalter, oder geht das auch ohne?
  • Auf mechanische Scheibenbremsen wechseln? Tönt aber noch mehr nach Schrauben wenn ich ein bisschen rumlese…
  • Sonstiger Systemwechsel, z.B. auf Shimano? In Kürze muss ich eh die Gänge machen lassen, vielleicht bietet es sich da an auch beim Bremssystem was zu ändern?
  • Sonstige Tipps?
Noch eine generelle Frage: hätte ich dieses Problem z.B. bei einem MTB-Fully nicht so ausgeprägt, da ich dort wahrscheinlich schneller abfahren könnte und entsprechend weniger Bremsen müsste? Da ich eigentlich immer von zu Hause aus starte und entsprechend typischerweise einen hohen Teeranteil habe, kommt für mich ein MTB aber nicht wirklich in Frage…

So, ich hoffe ihr lacht mich da mal nicht zu fest aus und geniesst stattdessen die Walliser Bilder im Der "ich war heute mit dem Gravelbike unterwegs" Thread nebenan ;) - und liefert natürlich den einen oder anderen tollen Tipp :D

Einen schönen Abend wünscht
dr'Walliser
 

maatik

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Mein Problem ist Luft im System aufgrund der Hitze, oder nicht? Entsprechend müsste ich entlüften, korrekt?
Spontan würde ich sagen, das Luft in den Bremssätteln bei Erhitzung dazu führt, das sie sich ausdehnt und damit den Druckpunkt nach außen wandern lässt, also weg vom Lenker. Kenne ich von meinen Mounties.

Ein an den Lenker wandernder Druckunkt bei Überhitzung spricht eigentlich dafür das das System leicht Öl verliert (kannst du ja durch Abwischen mit einem weißen Tuch prüfen) oder sich sonst ein Gefäß ausdehnt, das kann auch der Bremsschlauch sein.
Bleibt denn der wandernde Druckpunkt erhalten, also geht nach paar Minuten nicht wieder weg?
Ist es irgendwo leicht ölig am Bremssystem?
 

Robert-Ammersee

Ich will doch nur radeln!
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@drWalliser Du brauchst mehr Masse an den Scheiben. Entweder grösserer Durchmesser oder dicker (Trickstuff z.B.). Optimal wäre natürlich beides (grössere Trickstuff-Scheiben).
 
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Und das bleibt dann so bis dein Fahrradkalle wieder entlüftet bzw. was macht?
Genau. Velomech stellt Druckpunkt perfekt ein, dann verschiebt sich der Druckpunkt der Hinterbremse innerhalb von ein paar nach Wochen zum Lenker hin, bis ich dann nach 2 Monaten nicht mehr bremsen kann.
Leichtes hitzespezifisches Fading kommt noch hinzu, d.h. in langen Abfahrten rutscht der Druckpunkt bei Vorder- und Hinterbremse auch zum Lenker hin.
 

crashtest212

wer tippfehler findet darf sie behhalten
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grade mitm arsch vorm PC
du hängst bei der karre bergab eben voll aufm lenker um an die bremshebel zu kommen,
ausserdem hast sogar deinen griffpunkt vor der vorderradnabe
da is klar dass du mehr die HR bremse nutzt und die dann rumzickt
wenig dot, minischeibe
das is eben nix für deine gegend und fahrweise
aber falls die orginal schlappen montiert sind ---
wie kommst auf de idee du würdest mit nem mtb auf asphalt nicht klar kommen?
klar hast nen besseren krafteintrag
aber das lässt sich auch mit anderen rädern stark annähernd herstellen

bei nem ordentlichen kompromiss sind ja alle am ende unglücklich aber :

vielleicht bist du ein kandidat für etwas das deine ansprüche vereint und am ende kommt vll dann sowas raus-

https://www.mtb-news.de/forum/t/die-cc-ht-starrgabel-galerie-nur-bilder.537419/page-28
 

nightwolf

Surlyversteher (soweit moeglich)
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au-dela de Grand Est
(...) für den STI primär Busbetrieb Steffisburg-Thun-Interlaken heisst (...)
Ah noch eine neue Interpretation. Ich kannte bisher vor allem die aus dem Gesundheitswesen.
Aber alles besser als das Glumpp von Shitmano 🤣

Ja, bei meinen Disc-Bremsen ist es eigentlich ausnahmslos immer so gewesen, dass bremst nicht mehr gut = neue Belaege bedeutet hat. Und dann war auch alles wieder in Ordnung.
Bei den mechanischen halt auch mal nachstellen, Hydraulik sollte das ja von selber tun.
Ich hab aber nur mechanisch / Seilzug und hydraulisch mit Oel. Keine mit DOT.
 
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Ich bewege meine Räder auch lieber im Freien, als dass ich ständig an ihnen herumschraube.
Dennoch würde ich mir an Deiner Stelle überlegen, ein Entlüftungs-Set zu kaufen. Mit Hilfe der Tutorials ist das Entlüften wirklich eine leichte und schnelle Übung. Gut wäre, wenn ein erfahrener Schrauber am Anfang etwas Starthilfe gibt, oder das Ergebnis kontrolliert.

Wahrscheinlich führt eine Undichtigkeit im Bremssystem bei Dir dazu, dass öfter als normal entlüftet werden muss. Klar kann man versuchen den Schwachpunkt zu finden, doch als Nichtschrauber ist das eine sehr knifflige Angelegenheit. Vielleicht kennst Du jemanden, der die Bremse mal auseinander nimmt und zb. auf Unversehrtheit der Dichtungen an den Kolben prüft. Eine andere Möglichkeit ist, einfach die Bremssättel auszutauschen; diese Aktion sollte sich preislich noch einigermaßen im Rahmen bewegen.
Wenn Öl am Hebel oder am Bremssattel austritt, dann muss eh repariert oder getauscht werden.

Was ich nicht hoffe ist, dass die Sram Rivals konstruktionsbedingt ein ähnliches Problem mit wanderndem Druckpunkt haben, wie die Shimanobremsen vor wenigen Jahren - bin damals deswegen mit meinen MTBs auf Formula umgestiegen.

Auf jeden Fall sollten 180er Scheiben auch steile und lange Abfahrten mit dem Gravelbike mitmachen, ohne dass die Bremsleistung abstürzt, zumal Du vermutlich eher Bergradlerstatur bzw. -gewicht hast.
 
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Danke für all die Feedbacks und Vorschläge!
Ich habe mal die Beläge gewechselt: vorne (wo es immer recht gut gebremst hat) waren sie total hinüber, hinten (wo das Problem ist) waren sie weit davon entfernt verbraucht zu sein. Öl habe ich keins gesehen oder gespürt...
Ich habe auch noch kurz beim Velomech vorbeigeschaut; er hat gemeint, dass ein wandernder Druckpunkt bei Sram vorkommen kann und das vielleicht ein Wechsel auf Shimano helfen könnte. Mal gucken, vielleicht gibt es auch noch eine andere Lösung (DOT wechseln? Dichtigkeit überprüfen? Entlüften lernen?).
 

Robert-Ammersee

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vielleicht bist du ein kandidat für etwas das deine ansprüche vereint und am ende kommt vll dann sowas raus-
https://www.mtb-news.de/forum/t/die-cc-ht-starrgabel-galerie-nur-bilder.537419/page-28
Ich finde den Dropbar für mich eine gute Sache. Mit dem Cutthroat kann ich 12h oder mehr im Sattel sitzen und steige abends ohne die leisesten haltungsbedingten Probleme vom Sattel... Ich weiss, dass ein Flatbar im Gelände besser geeignet wäre und ich mehr Technisches fahren könnte. Aber ich hab's ehrlich gesagt zwischendurch ganz gern ein bisschen zu schieben oder zu tragen, da kann ich mich besser auf die Landschaft und die Blumen achten (wie's meine Signatur antönt: ich bin eigentlich eher ein Wanderer denn ein Velofahrer 😇).
Auf jeden Fall sollten 180er Scheiben auch steile und lange Abfahrten mit dem Gravelbike mitmachen, ohne dass die Bremsleistung abstürzt, zumal Du vermutlich eher Bergradlerstatur bzw. -gewicht hast.
Leider nein, >90 kg... Und die Bremsleistung stürzt nicht ab, sie lässt einfach über die Wochen hin stark nach😭

Ach ja, noch was Lustig-Trauriges: beim Beläge wechseln konnte ich den Ibus bei der vorderen Steckachse nicht so recht reinstecken - was war das Problem? Wildbienen hatten darin ein Nest für ihren Nachwuchs gebaut!
 
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Leider nein, >90 kg... Und die Bremsleistung stürzt nicht ab, sie lässt einfach über die Wochen hin stark nach😭
Ja, ist klar. Hatte das auf den Fall bezogen, dass die Bremse unterdimensioniert ist, bei langen, steilen Abfahrten überhitzt und sich infolgedessen unten am Sattel Gasblasen entwickeln. Die Bremsleistung geht dann relativ schnell in den Keller. Kann richtig kritisch werden. Hatte den Fall mal auf'm MTB mit vorne Scheibe und hinten V-Brake. Nach dem Wechsel hinten auf Magura HS33 (hydraulische Felgenbremse) ist das dann nicht mehr vorgekommen.
90 ist natürlich nicht die Liga von Pantani, Bernal und so, denke aber das 180er Scheiben das packen sollten. Da der Druckpunkt langsam zum Lenker hinwandert (also über Tage und Wochen) und das auch schon beim Start der Fall ist ist das Überhitzen der Bremse eher nicht ausschlaggebend, vermute ich ohne da Experte zu sein.
Wenn Du Deine Bremse selber entlüftest, dann wirst Du sehr wahrscheinlich viele Gasblasen sehen, welche sich beim rausdrücken des Öls im Schlauch zeigen werden.
 
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Robert-Ammersee

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...
Wenn Du Deine Bremse selber entlüftest, dann wirst Du sehr wahrscheinlich viele Gasblasen sehen, welche sich beim rausdrücken des Öls im Schlauch zeigen werden.
Bei Öl ggf. ja, bei DOT nicht. Hier steigen die vorhandenen Blasen beim Bremsen nach oben...wobei mir jetzt einfällt, dass man bei einem so geringen AGB-Volumen das DOT auf alle Fälle vor'm Einbau gut entgasen sollte.

Der TE sollte sich mMn schleunigst eine Werkstatt suchen die sich auskennt.
Wäre doch schade, wenn am Ende der Abfahrt noch ganz viel Tempo übrig ist...
 

Robert-Ammersee

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Habe ja auch nicht geschrieben, dass die Blasen zwingend unten rauskommen :)
Ob die Luftblasen beim Entlüften oben oder unten rauskommen hatte nix mit meiner Aussage zu tun.

Blasen steigen beim Bremsen im DOT leichter auf da DOT dünnflüssiger ist ('alter' Trick: Bremshebel über Nacht gezogen fixieren. Beim Lösen sieht man dann schön, wie die Bläschen in den AGB blubbern).
Funktioniert bei Öl nicht. Blasen im Öl bleiben (meist) in der Leitung. Speziell in den dünnen Bremsleitungen beim Rad.
 
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Beim Lösen sieht man dann schön, wie die Bläschen in den AGB blubbern)
Das verstehe ich leider nicht. Wie kann man sehen was ggf. in den AGB blubbert, der ist doch geschlossen? So einen wesentlichen Unterschied zwischen DOT- (Avid Code) und Mineralölsystemen (z.B. Shimano oder Formula Cura) habe ich ausserdem noch nicht bemerkt. In beiden Fällen kriege ich die Bremsen entlüftet indem ich das Öl hin- und herschiebe, etwas an die Leitung klopfe, damit sich die Blöschen lösen, die Hebel etwas betätige, und im Falle der Hinterradbremse das Rad möglichst senkrecht im Ständer befestige, damit die Bläschen leichter aufsteigen können.
 
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