Rechtslage in Bayern - Diskussionsthread

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Naja, es wird halt mal wieder der Spin aus Sicht der Jagd- und Landwirtschaftslobby und ihrer politischen Vertreter wiedergekäut. Sicher steigt der Nutzungsdruck, aber eben auch von Seiten dieser Lobby. Gestern wurde hier mit Traktoren die auch immer größer werden bis spät in die Nacht Mais gehäkselt. Das hat man kilometerweit gehört. Ein paar Tage davor wird ne Maisjagd veranstaltet, weil die Wildschweine natürlich in den Mais gehen. Dazu unzählige Fahrten ebendieser Nutzergruppen mit PKW oder schweren Maschinen, zum Teil wirklich querfeldein, wo man die Spuren dann noch jahrelang bewundern kann. Ob das die Tiere nicht stört?

Vermutlich ist der erste Mountainbiker dort einer Schlepperspur vom Holzrücken nachgefahren. [...]
Muss man denn die Natur konsumieren statt sie zu genießen?", fragt Martin Wieseckel sich.

Gute Frage! ^^

Das sind genau die Leute die es fertig bringen über die Bodenkrume zu jammern und dann ein paar Meter weiter mit ihrem tonnenschweren Gefährt ebenjene aufzureißen und ihre Volksvertreter betonieren daneben alles zu.
 
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Man hat aber schon wieder den Eindruck, dass es insbesondere gegen Montainbikes geht.
Und die im Artikel wiedergegebenen Meinungen zum Betretungs-und Befahrungsrecht werden halt einfach abgedruckt, ohne diese Aussagen auf rechtliche Konformität zu prüfen.

Das Bild mit dem „Mountainbiker“ ist im übrigen auch voll daneben.
1. sehe ich da nur einen Fußgänger, welcher ein Fahrrad schiebt, was im gesamten Wald erlaubt ist.
2. befindet sich der Fußgänger ganz offensichtlich auf einem Weg, weswegen er da auch Fahrrad fahren dürfte.
3. stelle ich mir die Frage wie diese Aufnahme zustande gekommen ist. Wenn durch eine Wildkamera, hätte die Aufnahme gelöscht werden müssen.
 
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Naja, es wird halt mal wieder der Spin aus Sicht der Jagd- und Landwirtschaftslobby und ihrer politischen Vertreter wiedergekäut. Sicher steigt der Nutzungsdruck, aber eben auch von Seiten dieser Lobby. Gestern wurde hier mit Traktoren die auch immer größer werden bis spät in die Nacht Mais gehäkselt. Das hat man kilometerweit gehört. Ein paar Tage davor wird ne Maisjagd veranstaltet, weil die Wildschweine natürlich in den Mais gehen. Dazu unzählige Fahrten ebendieser Nutzergruppen mit PKW oder schweren Maschinen, zum Teil wirklich querfeldein, wo man die Spuren dann noch jahrelang bewundern kann. Ob das die Tiere nicht stört?



Gute Frage! ^^

Das sind genau die Leute die es fertig bringen über die Bodenkrume zu jammern und dann ein paar Meter weiter mit ihrem tonnenschweren Gefährt ebenjene aufzureißen und ihre Volksvertreter betonieren daneben alles zu.
Das alles wird wahrscheinlich mit Zustimmung des Grundstückbesitzers geschehen.
Außerdem bringt es nichts mit "ja, aber die anderen" zu antworten.

Ich bin auch für ein freies Betretungsrecht,
aber langsam sind mir unsere Reaktionen auf solche Artikel etwas zu dünnhäutig und berechtigte Kriktik wird nicht mehr angenommen.
Daran ist aber wahrscheinlich auch unser "Gegenüber" schuld, weil es zu oft pauschale Angriffe auf uns gibt.
 
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Das alles wird wahrscheinlich mit Zustimmung des Grundstückbesitzers geschehen.
Das macht seine Argumentation aber nicht weniger scheinheilig. Wie kann ich mit dem Traktor und Motorsägen durch ein Waldstück pflügen und im Anschluss wegen der Bodenkrume Tränen vergießen? Das ist doch gaga. Zufällig bekomme ich da gute Einblicke und abgesehen von derartigen Zeitungsartikeln scheren sich die meisten Landwirte nicht allzuviel um Nachhaltigkeit. Da wird überall geackert und gefahren, Schweineställe an den Waldrand gebaut und bis spät in die Nacht gelärmt. Wenn sich Wild in diesen immer weiter ausfransenden Agrarwirtschaftszirkus 'verirrt' wird schnell nach dem Jäger gerufen der es unter großem Getöse mit zig Fahrzeugen, Hunden und Leuten dann abknallt. Und am nächsten Tag gibt man sich dann im Lokalbaltt untröstlich wenn der Radler auf einem schmalen Weg im Wald einen Kratzer an der Wurzel macht? Ich kann solche Leute nicht ernst nehmen.
 
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pib

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Wir werden halt mehr.... In der Nachbarschaft kommen jetzt >400 neue Wohneinheiten hin. Will heißen: es geht nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme in Zukunft.

halde.JPG

 
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pib

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Doch. Weltbevölkerung wächst. Ballungszentren werden voller. Freie Flächen werden weniger. Da wo keiner wohnt, gibt es auch keine Probleme.
 

mw.dd

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So böse finde ich den Artikel nicht. Es wird der Zustand beschrieben.
Es wird nicht einseitig einer Gruppe die Schuld zugeschrieben oder verlangt eine Gruppe pauschal auszusperren.
Ich finde den Artikel schon böse, weil er legales und berechtigtes Erholungsverhalten mit illegalem in einen Topf wirft. Das diesmal nicht nur die Mountainbiker, sondern auch andere Erholungssuchende dran sind, zeigt aber sehr schön die eigentliche Stoßrichtung.
 
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Doch. Weltbevölkerung wächst. Ballungszentren werden voller. Freie Flächen werden weniger. Da wo keiner wohnt, gibt es auch keine Probleme.
Die Weltbevölkerung spielt ja wohl in dem von dir genannten Zusammenhang keine Rolle.
Fakt ist die Einwohnerzahl Deutschlands ist zwischen 2001 und 2010 sogar gesunken.

Warum alle nach mehr Wohnraum schreien, begreife ich schon lange nicht. Wenn wir doch nicht mehr werden. Die Kommunen tun so als wenn jedes Jahr 10 Millionen mehr dazu kommen.
 
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Geil "Natur kommt nicht mehr zur Ruhe" und dann ein Bild einer toten Fichten Monokultur. Dort war auch vorher keine "Natur".

...und dann ein Landwirt der wahrscheinlich auch gerne und oft mit dem Trecker durch die Wälder fährt um von Weide zu Weide zu kommen. Gerade Landwirte sollten sich nicht als Naturschützer aufspielen.
 
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Die Weltbevölkerung spielt ja wohl in dem von dir genannten Zusammenhang keine Rolle.
Fakt ist die Einwohnerzahl Deutschlands ist zwischen 2001 und 2010 sogar gesunken.

Warum alle nach mehr Wohnraum schreien, begreife ich schon lange nicht. Wenn wir doch nicht mehr werden. Die Kommunen tun so als wenn jedes Jahr 10 Millionen mehr dazu kommen.
Aber ist sie in den letzten Jahren denn nicht gestiegen? Und es geht ja nicht nur um die Einwohnerzahl, sondern um darum dass Deutschland schon vorher sehr dicht besiedelt war. Dazu kommt halt dann auch ausufernder Konsum wie zb immer mehr und größere Autos, Outdoor-Trend, Gigantomanie in der Landwirtschaft, Zersiedelung, Mobilitätssteigerung. Und dann noch immer dieses gejammer dass wir zu wenig und zu schlecht ausgebaute Straßen hätten, deren Ausbau dann natürlich wiederum zu mehr Verkehr führt.
 

McDreck

Cyclist for Justice
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Aber ist sie in den letzten Jahren denn nicht gestiegen?
Die letzten 10 Jahre ist sie leicht gestiegen. Die Gesamtbevölkerungszahl ist aber sicher nicht das Problem sondern die Ballung zum Einen sowie die ständig steigenden Bedürfnisse zum Anderen. Erst pferchen sich die Leute in möglichst dicht besiedelte Städte, wo sie dann Drang in die Natur entwickeln, und das auch noch zur selben Zeit wie alle anderen. Die "Natur" ist schon lange keine mehr sondern intensiv bewirtschaftete Kulturlandschaft. Das hält man als Gesellschaft nur mit billigen Auslandsflügen aus...
 
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Auf dem Land um die Ballungsgebieten herum ist der Flächenfraß aber auch nicht von schlechten Eltern. Hier wachsen ständig neue Gewerbe- und Wohngebiet aus dem Boden. Dazu noch Kiesgruben, Ställe, Windräder und natürlich Straßen. Und der Verkehr hat im Vergleich zu früher auch brutal zugenommen. Ich hab das Gefühl dass die Leute auch ihre Freizeit immer mehr mit Aktivitäten zuballern.
Hier muss ich aber auch sagen ob man da wirklich einen Lift braucht angesichts der Tatsache dass in ein paar Jahren eh jeder mit Motor fährt. Es gibt schon viel zu viele Lifte die verfallen oder mangels Schnee in Mittelgebirgen nicht mehr genutzt werden.
 

pib

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Warum alle nach mehr Wohnraum schreien, begreife ich schon lange nicht. Wenn wir doch nicht mehr werden. Die Kommunen tun so als wenn jedes Jahr 10 Millionen mehr dazu kommen.

Ist nicht so schwer. Mit steigenden Wohlstand ist auch der Wohnraum pro Kopf größer geworden. Dazu kommen immer mehr Autos die Flächen fressen und jeder will Eigentum mit großen Grundstück und am besten noch ne Zweitwohnung in Oberstdorf die dann 300 Tage im Jahr leer steht.

und: die Alten belegen die großen günstigen Wohnungen. Beispiel: Schwiegereltern haben zu zweit 100qm in Konstanz. Die ziehen da die letzten 30 Jahre ihres Lebens auch nicht mehr aus, weil die Wohnung mega günstig ist.
Meine Mudda wohnt auf 1000qm Grundstück. Das Haus bietet 250qm Wohnfläche. Früher haben dort 8-10 Menschen gewohnt. Aktuell 3 Personen.

edit: in den großen Städten ist airbnb ein riesen Problem.
 
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Ich finde den Artikel schon böse, weil er legales und berechtigtes Erholungsverhalten mit illegalem in einen Topf wirft.
Auch legales Erholungsverhalten ist mittlerweile wegen der Massen ein Problem.
Das macht seine Argumentation aber nicht weniger scheinheilig.
Da steckt der gleiche Gedankengang dahinter wie bei dem MTBlern. Was ich mache ist weniger schlimm als das was der andere macht.
...Ich kann solche Leute nicht ernst nehmen.
Darum machst du es ihnen nach und scherst dich auch nicht um die Umwelt.

Wenn dann jemand einem den Spiegel vorhält, wird allergisch reagiert, statt mal in sich zu gehen und sein Verhalten zu reflektieren. Keiner ist mehr bereit sich von sich aus zurückzunehmen. Was erlaubt ist wird gemacht. Was nicht erlaubt ist, wird trotzdem gemacht, weil es der andere auch macht. Da ist es kein Wunder, wenn es immer mehr Probleme und im Anschluss mehr Regelungen und Verbote gibt.
 
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Teilweise hast du schon recht, was du schreibst.

Aber andererseits können wir dann unser Hobby quasi gleich komplett aufgeben, wenn wir nicht bei bestimmten Personen auf unser gesetzliches Recht auch bestehen. Diese Personen wissen, dass es ziemlich unrelevant ist, ob wir mit dem Rad irgendwo fahren oder nicht. Denen können wir es auch niemals recht machen, weil wir immer stören. Wenn wir weg sind, kommen dann die anderen Erholungssuchende dran.
Wo genau werden die Massen ein Problem? Überall in den Wäldern? Nur bei Städten? Nur am Wochenende bei schönem Wetter? Diese Aussage ist mir zu pauschal.

Von dem her sollte man wie im Prinzip überall mit etwas Verstand rangehen und immer mal wieder das eigene Handeln hinterfragen und ggf. auch korrigieren. Aber man muss nicht immer gleich kuschen und als Bittsteller auf die Knie gehen, wenn die Anschuldigungen überhaupt nicht angemessen sind.

Sätze in dem Artikel wie "Ihm kam eine Frau mit einem freilaufenden Schäferhund auf einem gesperrten Waldweg entgegen" oder vor allem auch "Eine Ursache, warum so viele Menschen die öffentlichen Wege verlassen, sieht Wieseckel auch in digitalen Karten, wie sie beispielsweise von Google Maps angeboten werden. Dort sind vielfach private Waldwege als Fahrwege ausgewiesen." ist eben wie Öl ins Feuer. Hier wird doch ganz bewusst das geltende Gesetz/Recht falsch dargestellt und alle Erholungssuchende, die sich auch völlig regelkonform und vorbildlich verhalten ins schlechte Licht gerückt.

"Vermutlich ist der erste Mountainbiker dort einer Schlepperspur vom Holzrücken nachgefahren. Heute ist der steile Abhang mit magerem Föhrenbestand in Meterabständen von Reifenspuren durchzogen. "Und das mitten im privaten Wald""
Das bei solchen Aussagen manche die Hutschnur hochgeht, ist halt auch irgendwie nachvollziehbar. Eine Schlepperspur ist ok, mit dem Rad wird es dann kritisch? Nein, da tu ich mich ehrlich gesagt auch schwer, dies ernst zu nehmen. Und das hat nichts damit zu tun, dass einem die Umwelt egal sei.
 
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"Vermutlich ist der erste Mountainbiker dort einer Schlepperspur vom Holzrücken nachgefahren. Heute ist der steile Abhang mit magerem Föhrenbestand in Meterabständen von Reifenspuren durchzogen. "Und das mitten im privaten Wald""
Das bei solchen Aussagen manche die Hutschnur hochgeht, ist halt auch irgendwie nachvollziehbar. Eine Schlepperspur ist ok, mit dem Rad wird es dann kritisch? Nein, da tu ich mich ehrlich gesagt auch schwer, dies ernst zu nehmen. Und das hat nichts damit zu tun, dass einem die Umwelt egal sei.
Vor allem alles ins Extreme überzogen. "Meterabstände"
...und dann noch absolute Unwissenheit. Google Maps ist die Karte mit den wenigsten Wegen überhaupt.
 
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Die aktuelle Situation ist halt sehr komplex und entsprechend wichtig ist daher, dass wir Mountainbiker umfassend informiert sind und alle berechtigten Interessen im Blick haben, um unsere Rechte wahrzunehmen aber auch unserer Verantwortung gerecht zu werden.

Genau heute vor einem Jahr hatte ich meine am 31.07.2020 angekündigte und am 01.08.2020 gestartete Beitragsserie mit nachfolgendem Schlusswort beendet und es ist leider immer noch aktuell:

6.5 Schlusswort

Auf die Frage, ob es seiner Ansicht nach eine besondere bayerische Mentalität gäbe antwortete der damalige Botschafter Bayerns in Ungarn, Gabriel A. Brennauer im Interview der Süddeutschen Zeitung vom 28. April 2009:

Ja. "Leben und leben lassen", verbunden mit "Mir san mir - und wea ko dea ko".

Genau diese Bayerische Mentalität findet sich für alle Erholungsuchenden im Teil 6 des Bayerischen Naturschutzgesetzes wieder und berücksichtigt dabei auch die berechtigten Interessen der Grundstückseigentümer und der Natur. Das bayerische Grundrecht auf Erholung in der freien Natur aus Art. 141 Abs. 3 BV findet seine Grenzen im Respekt gegenüber der Natur, den Eigentümern und den anderen Erholungsuchenden und evtl. noch im eigenen Können. Dies konkretisiert das Bayerische Naturschutzgesetz.

Der Ausspruch „Wer ko, der ko!“ geht auf Franz Xaver Krenkl zurück. Krenkl hatte es gewagt im Englischen Garten die Kutsche des Kronprinzen und späteren König Ludwig I. mit einem eigenen Gespann zu überholen. Dies war jedoch bei Strafe verboten, da niemand bessere Pferde haben durfte als der Herrscher. Krenkl, der erfolgreiche Pferdehändler und 14-fache Rennmeister des Oktoberfestrennens in München, sah dies jedoch nicht ein. Auf den Zuruf des Prinzen, ob er denn nicht wisse, dass das Überholen verboten sei, antworte Krenkl nur schneidig: „Majestät, wer ko, der ko!“

In Deutschland wurde ein Recht zum Betreten des Waldes durch die Allgemeinheit erstmals in einem Gesetz zur Erhaltung des Baumbestandes und Freigabe von Uferwegen im Interesse der Volksgesundheit aufgenommen, das 1922 in Preußen erlassen, aber nur im Bereich der Stadt Berlin und im Gebiet des Ruhrkohlensiedlungsverbandes Bedeutung erlangte. Bayern verankerte ein Betretungsrecht in seiner Verfassung von 1946. Allerdings war das Betreten fremden Waldes vielfach schon seit langem - besonders im südlichen Teil von Deutschland - als Gewohnheitsrecht ausgeübt und von allen Waldbesitzkategorien toleriert worden. In Bayern haben die Eigentümer aller Waldeigentumskategorien zumindest seit dem
19. Jahrhundert darauf verzichtet, die Bevölkerung vom Betreten des Waldes auszuschließen.1

Man kann daher festhalten, dass sich die bayerischen Waldeigentümer immer schon der Sozialbindung ihres Eigentums bewusst waren und dieser ungeachtet der rechtlichen Rahmenbedingungen nachgekommen sind.

Der historisch herausragende Verdienst, den die bayerischen Waldbesitzer für das Allgemeinwohl durch die Öffnung der Wälder für die erholungsuchende Bevölkerung geleistet haben, wird besonders im Vergleich zum Nachbarland Österreich deutlich und bewusst, wo das Reichsforstgesetz von 1852 das Betreten des Waldes abseits öffentlicher Wege, sowie das Sammeln von Beeren, Pilzen und Klaubholz etc., als Waldfrevel definierte und es unter Strafe stellte. Das Forstpersonal war sogar verpflichtet, die Menschen aus dem Wald zu weisen. Dieses Gesetz war bis zu seiner Reform 1975 gültig.2

Insoweit ist die mit dem Begriff des „geeigneten Weges“ verbundene feudale Verbotskultur, die auf das gegenständliche Urteil vom 17.01.1983 zurückgeht, dem Bayern wesensfremd und lag den historischen bayerischen Verfassungs- und Gesetzgebern fern, so dass diese Arbeit insbesondere Wilhelm Hoegner, der als „Vater der Bayerischen Verfassung“ gilt, gewidmet ist.

Letztlich wird man sich wohl noch solange mit Eigenschaften von Wegen beschäftigen müssen, bis der tatsächliche Regelungsgehalt der Vorschriften des Bayerischen Naturschutzgesetzes wieder zum Vorschein kommt und die ihnen innewohnende Rechtsklarheit wieder zu Rechtssicherheit und Rechtsfrieden führt.


1 Kommission der Europäischen Gemeinschaften, MITTEILUNGEN ÜBER LANDWIRTSCHAFT Forstwirtschaftliche Probleme und deren Auswirkungen auf die Umwelt in den Mitgliedstaaten der EG II. ÖFFNUNG DES WALDES FÜR DIE ALLGEMEINHEIT UND SEINE NUTZUNG ALS ERHOLUNGSRAUM, Nr. 31. Mai 1977
2 http://www.martinballuch.com/der-kampf-um-die-wegefreiheit-in-osterreich/



P.S.: Eigentlich sollte sich ganz Bayern für die großartige Errungenschaft des garantierten Betretungsrechts aus Art. 141 Abs. 3 der Bayerischen Verfassung für das Land, die Bevölkerung und letztlich auch der Wirtschaft feiern. Dass man sich hier in der Natur, im Wald oder einfach nur draußen meist frei bewegen kann, ist der weisen Voraussicht des Verfassungsgebers und von dessen Geist beseelten Landtagsplenum zu verdanken, das mit dem Bayerischen Naturschutzgesetz den von der Verfassung vorgegebenen Rahmen einfachrechtlich umsetzte.

Inzwischen geht leider nicht nur, wie dargestellt, der tatsächliche Regelungsgehalt des Bayerischen Naturschutzgesetzes und mit ihm auch die Rechtssicherheit und der Rechtsfrieden immer mehr verloren, sondern auch der dem Grundrecht zugrunde liegende Geist. Es wäre daher an der Zeit diesen Geist zu erneuern, Erholungsuchende, aber auch Eigentümer und den Staat an ihre Verantwortung zu erinnern die jeweiligen Rechte das anderen zu respektieren und nicht nur auf dessen vermeintliche Pflichten hinzuweisen. An einer umfassenden Information und Aufklärung über die Rechtslage und natur- und sozialverträglichem Verhalten sollte daher im Sinne des Gemeinwohls (Art. 3 Abs. 1 Satz 2, Art. 103 Abs. 2 und Art. 151 Abs. 1 BV sowie Art. 141 BV) allen gelegen sein.
 
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