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Rund um die Südlichen Cordillera Blanca

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  1. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Nach unserer ersten Peru-Reise letztes Jahr um die nördlichen Cordillera Blanca sollte es auch dieses Jahr wieder in diese Region gehen. Die Route soll südlich um und durch die Cordillera Blanca führen und auch eine Schleife durch das kaum beschriebene Conchucos bis hin zum Rio Maranon abdecken. Erstmalig werde ich versuchen, unsere Tour mit einem Life-Bericht zu begleiten; wir werden sehen, wie gut das funktioniert.

    Die Idee, dort mit dem Mountainbike den Urlaub zu verbringen, entsprang ganz klar dem "Andix" von Stefan Stuntz aus dem Jahr 2014. Wir verfolgen allerdings ein leicht anderes Konzept: Wie von unseren Transalps gewöhnt fahren wir mit möglichst leichtem Gepäck von Übernachtung zu Übernachtung. Das erfordert deutlich mehr Vorplanung und schränkt die Spontanität bei der Etappenplanung etwas ein, hat aber erhebliche Gewichtsvorteile. Ziel ist es für uns auch, bergab möglichst viele (gut fahrbare) Bergpfade zu erwischen. Wie das letzte Jahr zeigte, gelingt das in Peru mit guter Vorplanung sehr gut.

    Nun zum aktuellen Stand unserer Reise. Wir sind am Montag in München gestartet und mit der Airfrance über Paris nach Lima geflogen. Von dort ging es per Übernachtbus mit der Cruz del Sur (http://www.cruzdelsur.com.pe/) nach Huaraz (3100 m). Dort haben wir uns wieder im "Olaza's B&B" (http://www.olazas.com/olazas/) einquartiert.

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    Wir werden hier für drei Nächte bleiben, Akklimatisation betreiben und dann unsere Tour in Richtung Süden starten.

    Im gleichen Haus residiert die MTB-Werkstatt von Julio Olaza (http://www.chakinaniperu.com/), der sein Geld als MTB-Tourenführer verdient. Er war einige Jahre in den USA und spricht daher sehr gut Englisch. Mit Tipps für Touren ist er eher etwas zögerlich, da er von diesem Know-How lebt, als Diskussionspartner für eigene Ideen und ggf. zum Ausleihen von Werkzeug steht er aber immer gerne bereit.

    Nach der Ankunft gestern in der Früh um 6 Uhr haben wir uns erstmal ein Frühstück auf der Sonnenterrasse unser Bleibe gegönnt.

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    Man hat von hier einen netten Blick Richtung Stadtzentrum bis hin zu den Cordillera Negra. Von einer Ecke der Terrasse sieht man sogar den Doppelgipfel des Huascaran.

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    Gestern Vormittag sind wir dann erstmal in die Stadt. Der täglich stattfindende Markt ist ein für Europäer ungewohnt buntes Getümmel mit vielen neuen Eindrücken und immer einen Besucht wert. Nach einem Mittagessen (zwei Gänge mit Getränk 5 Soles; Wechselkurs: 1 EUR ~= 3,7 PEN) in einen kleinen Lokal sind wir zurück zum Hotel und dann ging es an das Zusammenbauen der Räder.

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    Kurz nach vier war ich damit fertig, leider zu spät, um noch eine nennenswerte Tour zu starten.

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    Wir haben aber in Zivil noch eine kleine Schleife Richtung Berge gedreht, um die Funktion der Räder zu testen.

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    Für heute ist eine erste Akklimationstour geplant, die uns über Pisten bergauf bis nach Pitec (3900 m) und von dort über Pfade bergab zurück nach Huaraz führen wird.

    Soweit erstmal ein kleiner Einstieg. Bilder werden noch nachgeliefert. Jetzt müssen wir erstmal raus in den Sonnenschein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Dezember 2017
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  3. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Huaraz (02.08.2017)

    Nach den eher mäßigen Schlaferlebnissen der letzten Tage bin ich gestern hundemüde ins Bett gefallen. Aber heute wecken mich noch vor Sonnenaufgang die krähenden Hähne. Unglaublich, wieviele es davon hier in der Stadt gibt. Ab sieben gibt es bei uns Frühstück, wir lassen aber keine Hektik aufkommen und sind nicht die ersten im Frühstücksraum. Zwei junge deutsche Frauen sitzen schon dort, sie wollen heute eine Wandertrour zur Laguna Wilcacocha unternehmen, bevor es dann Morgen auf eine Sieben-Tage-Trecking-Tour geht. Abends werden wir sie im Innenhof unseres Hotels mit ihrem Treckingführer beim Anprobieren der Steigeisen antreffen.

    Zum Frühstück habe ich mir heute die Tastatur mitgenommen, damit der Life-Bericht endlich starten kann. Den Text schreibe ich am Smartphone schon mal mit einem Texteditor vor, die Bilder müssen erstmal warten. Der fertige Text ist dann schnell in die Forensoftware einkopiert, aber vor den Bildern graut mir jetzt schon.

    Wir frühstücken heute drinnen, denn bis die Sonne die Terrasse aufgewärmt hat dauert es etwas und das Lesen auf dem Smartphone ist ohne direktes Sonnenlicht auch deutlich leichter.

    In unserem Gasthaus übernachten noch zwei Holländer, die die letzten drei Wochen hier mit ihren 28" Rädern unterwegs waren. Die haben auch den Cordillera Blanca Führer von den Pikes (http://blancahuayhuash.com/) und sind fast das komplette Radtourenangebot des Buches abgeradelt. In der Zeit hat es nicht geregnet, was für unseren Aufenthalt dann hoffentlich auch gilt.

    Gegen zehn brechen wir dann endlich auf. Zunächst laufen wir noch Läden in der Nähe an, um uns mit Verpflegung einzudecken. Wir kaufen Brot in Form flacher, sehr schmackhafter Brötchen "por un Sol"; das sind in diesem Fall sieben Stück, ein Bündel kleiner Bananen (Platanos) für 3 Soles und noch ein paar Scheiben Käse, den es erstaunlicherweise in einer von Europa gewohnten Plastikverpackung gibt. Mandarinen und Möhren haben wir noch von gestern, dass sollte dann neben einer 2,5 L Flasche Wasser ausreichen.

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    Dann geht es nach Westen aus der Stadt hinaus in die ländliche Zone. Die Straße ist nur anfangs im steileren Bereich mit Betonplatten belegt, danach geht es auf einer Piste weiter, vorbei an Häusern in Lehmziegelbauweise.

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    Obwohl die Siedlungsdichte das nicht gerade widerspiegelt, gibt es hier alle paar hundert Meter ein kleines Geschäft, in dem man sich mit Getränken und sonstigen Nahrungsmitteln versorgen kann.

    Für heute stehen offenbar diverse Festivitäten an, innerhalb der ersten halben Stunde passieren wir vier Blaskapellen, bevor wir schließlich das Dorf Coyllur erreichen. Hier werden gerade Verpflegungsstände aufgebaut.

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    Wir folgen weiter der meist angenehm ansteigenden Straße parallel zum rauschenden Quebrada Quilcayhuanca. Am Straßenrand treffen wir immer wieder auf nette Haustiere, die zur besseren Nutzung des Straßenbegleitgrüns angepflockt sind.

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    So gewinnen wir allmählich Höhe und damit auch eine bessere Aussicht auf die eisbedecken Berge, die Nevados, vor uns.

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    Auf 3700 m gibt es eine kurze Pause mit einem zweiten Frühstück. Das Bündel Platanos muss verbraucht werden, damit mein Rucksack leichter wird. Weiter oben passieren wir doch die beiden Weiler Jancu und Janco in denen die Häuser aber nur noch sehr verstreut am Hang stehen.

    Ab 3800 m merke ich die dünne Luft deutlich, wenn die Straße steiler ansteigt. Zum Glück ist das hinter Janco kaum der Fall, da man hier eine Art Plateau erreicht, über das sich der Fahrweg feldwegartig noch eine Weile fortsetzt.

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    Mit ca. 3930 m erreichen wir den höchsten Punkt für heute und damit den Start für die Traverse nach Pitec hinüber.

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    Zuletzt bearbeitet: 25. Oktober 2017
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  4. Super Schreibweise! Hier hänge ich mich gerne an! Viel Spaß und keine Verletzungen :)
     
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  5. Mugh

    Mugh

    Dabei seit
    09/2008
    Abonniert. :cool: Wünsche euch für die Tour nur das Beste. :)
     
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  6. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Huaraz (02.08.2017)

    Schön, dass sich schon ein kleines Publikum gefunden hat. Vielen Dank auch für die guten Wünsche. Zurück zur Reise, ich muss mich beeilen, ich bin schon 1,5 Tage zurück.


    Rein rechnerisch sollte die Höhe nun ausreichen, um einfach nach Pitec rüber zu rollen. So einfach ist das natürlich nicht. Der Fahrweg geht allmählich in einen Pfad über, der irgendwo zwischen S0 und S1 liegt. Leicht bergab rollen wir über braune Erde einer kleinen Brücke entgegen.

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    Hier queren wir den Bach, man könnte auch "kleinen Fluss" sagen, denn er trägt eine ganze Menge Gletscherwasser ins Tal hinunter. Auch dahinter bleibt der durch markante Felsbrocken führende Weg gut fahrbar, wird aber zwischendurch etwas technischer.

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    Wir kommen durch ein Hochalmgelände in dem verteilt einige Rundhütten stehen. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass dort jemand wohnt, aber das unmittelbare Umfeld sieht irgendwie "benutzt" aus.

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    Über einen trockenen Grasbelag, der mit zahllosen gelben, stengellosen Blüten bespickt ist geht es immer noch leicht bergab.

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    Zur nächsten Bachquerung müssen wir dann aber die Räder hinuntertragen, zu verblockt ist die Pfadspur.

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    Dahinter geht es dann schiebend bergauf; nicht weit, aber hier zeigt sich, dass wir auf 3800 m sind und wir noch nicht an die Höhe angepasst. Wir kommen ganz schön ins Schnaufen, also nur keine Hektik aufkommen lassen.

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    Bald ist aber auch das geschafft und wir stehen direkt neben dem Parkpatz von Pitec. Vier oder fünf Taxis warten hier auf ihre Kundschaft. Die Bergsteiger nutzten die von hier startende Tour zur Laguna Churup (ca. 4450 m) zur Akklimatisation, entsprechen belebt ist es und es gibt sogar Infrastruktur, wie z.B. ein Toilettenhäuschen mit Pflegepersonal.

    Wir wenden uns jetzt der Abfahrt zu. Rechts an einem Buckel vorbei geht standardmäßig der Wanderweg runter, den kennen wir aber schon vom letzten Jahr. Bei Wikiloc (http://www.wikiloc.com/) hatte ich während der Vorbereitung eine Variante entdeckt die wir heute testen wollen. Diese geht links um den Buckel herum und mündet dann wieder in die normale Abfahrt.

    Wir erkennen auch eine schmale etwa handtuchbreite Pfadspur, die sich nach Passage einer kleinen Bewässerungsrinne im Buschwerk des Hanges verliert. Wir folgen dem Weg ein Stück, ich bin mir aber nicht sicher, ob wir hier richtig sind. Der Weg sieht kaum benutzt aus, die Lupinen ragen von beiden Seiten rein, so dass man den Weg nur wenige Meter weit sehen kann. Meine Frau meint, das wird schon noch besser! Ich frage mich, woher sie ausgerechnet jetzt diese Zuversicht nimmt. Normalerweise weiß sie, dass meine Touren eher harmlos anfangen und dann schlimmer werden. Warum sollte das hier andersherum sein?

    Jedenfalls streifen wir weiter durchs Gebüsch und müssen dabei den ein oder anderen Kratzer an Beinen und Unterarmen in Kauf nehmen, denn es wachsen neben den Lupinen noch gröbere Sträucher. Tatsächlich behält meine Frau aber Recht, der Weg wird allmählich besser, die Sträucher treten etwas zurück. Von links kommen gelegentlich Zustiege in den Weg, die die Gebrauchsfrequenz offenbar erhöhen. Sehr angenehm ist das Gefälle, wir müssen nicht treten, sondern können mit der Bremse einfach die Geschwindigkeit kontrollieren.

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    Bei einem Fotostopp ruft meine Frau plötzlich "Vorsicht, da kommen Kühe gelaufen!". Und richtig von links sehe ich zwei schwarze Viecher mit mittellangen Hörnern auf uns zu laufen. Wir packen schnell die Räder und kraxeln den Hang zwei Schritte rauf um den Weg frei zu geben. Erst jetzt sehen wir hinter den Tieren einen Jungen, der diese vor sich her treibt. Unmittelbar vor uns bleiben die Tiere verwirrt stehen und müssen durch Antreiben wieder in Bewegung gesetzt werden. Wir Grüßen den Jungen mit einen freundlich erstaunten "Hola!" und schauen der Gruppe beim Verschwinden nach rechts hinterher.

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    Wieder auf dem Weg zurück folgen wir mit etwas Abstand, aber kaum geht es um die nächste Kurve, kommen mir die Tiere wieder entgegen, der Junge ist wieder dahinter. Ich frage mich, wie er das wohl geschafft hat und wohin er eigentlich will. Dieses Mal steht uns eine kleine Ausweichstelle zur Verfügung, an der uns die Tiere zögerlich passieren.

    Jetzt beeilen wir uns aber weiter zu kommen, wer weiß was sonst hier noch alles rum läuft. Wir queren noch ein Feld mit Lupinen, dann ist der normale Weg bald erreicht. Fazit: Abenteuerlicher als gedacht.

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    Die normale Abfahrt ist eine kernige Mischung von S0 bis S2; besonders bei den stufigen S2-Passagen muss man etwas aufpassen; manchmal fließt auch noch Wasser den Weg lang und erhöht die Rutschigkeit der teilweise schon abgelaufenen Felsen.

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    Im unteren Teil gibt es Passagen, die idyllisch wie eine Gartendurchfahrt wirken.

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    Zum Schluss kommen wir noch in den Genuss der unverwechselbaren Peruanischen Blasmusik (wer sie nicht kennt, sollte sich mal Proben auf Youtube anhören). Die zwei Feste auf der anderen Talseite sind im vollen Gange und werden zusätzlich mit Böllerschüssen dekoriert.

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    Zur besseren Orientierung hier noch die Karte mit der gefahrenen Tour.

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    Zuletzt bearbeitet: 29. August 2017
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  7. Ich sehe OruxMaps :) Welche Version benutzt ihr? Noch die alte oder bereits die neue?
     
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  8. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Ich habe hier die 7.0.17
    Gruß
    Guido
     
  9. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Huaraz (03.08.2017)

    Die nächste Akklimatisationstour führt uns zur Laguna Wilcacocha. Diese liegt in den Cordillera Negra auf ca. 3700 m; die MTB-Runde führt dahinter über Pfade noch bis auf rund 3900 m hoch. 2014 hat Stuntzi diese auch als Tagesausflug genutzt allerdings ist die dort, wenn ich mich recht erinnere, nur unter "ferner liefen" abgehandelt worden. Für Fußgänger ist dieser kleine Bergsee ebenfalls ein beliebtes Akklimatisationsziel, wenn man im Internet ein wenig nach dem Namen sucht, sieht man auch gleich warum: Der Blick von dort auf die Cordillera Blanca Kette gegenüber ist einfach phantastisch.

    Die Vorbereitung der Verpflegung geht heute schnell von der Hand, mittlerweile wissen wir, wo wir die notwendigen Nahrungsmittel bekommen können. Unbewusst kauft Karin heute eine andere Sorte Bananen; eine mit blass orangener Färbung. Diese lassen sich deutlich schlechter schälen und können sehr mehlig sein. Es wird sich aber später herausstellen, dass wir nochmal Glück gehabt haben: Mehlig sind sie nicht und die Schale können wir nach leichtem Kampf knacken.

    Zum Start des GPX-Tracks lassen wir uns per Garmin navigieren, gute 10 km sind es die Hauptstraße nach Süden entlang. Ich mag diese Aspaltstraße mit ihrem Abgasmief nicht, aber heute ist nicht allzuviel Verkehr und sie verläuft schön flach dahin.

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    Wir kommen in einen Gewerbebereich, in dem eigentümliche, rechteckige Lehmziegelbauten herumstehen. Diese entpuppen sich von Nahem als Ziegelbrennöfen. Auf der rechten Straßenseite ist gerade einer in Betrieb; an den beiden Feueröffnungen legt ein Bediener Holzscheite nach, während oben bläulich rauchend flirrende Brandgase austreten.

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    Das Navi schwenkt ein paar mal ab von der Hauptstraße über Nebenstraßen durch Wohnbebauung. Über Condorpampa kürzen wir eine Schleife links hoch bergauf ab. Die Wohnstraße mündet in einen Fahrweg, der schließlich zum Pfad wird. An einer Brücke verlassen wir den nach rechts unten auf die Straße, der Weg am Hang würde über einen gedeckten Bewässerungsgraben weiter führen, das erscheint mir jetzt zu experimentell.

    Auf der rechten Straßenseite geht es bald hoch zum See; die Straße hat die übliche Pistenqualität und steigt nicht zu steil in der prallen Sonne an. Die Landbevölkerung ist hier auf den Feldern bei der Getreideernte. Esel werden im Kreis über das gesammelte Getreide getrieben und das Stroh beiseite sortiert. Die zweite Gruppe ist recht nah an der Straße und Karin bekommt auf Nachfrage sogar die Erlaubnis, Fotos von den Leuten zu machen. Letztes Jahr bekamen wir da schon mal "Foto cuesta!" (Foto kostet!) als Antwort.

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    Wir passieren ein kleines Dorf, dahinter wird die Steigung allmählich knackiger.

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    Auf der anderen Talseite erscheinen nun zunehmend mehr Schneegipfel, die auf das Panorama am See neugierig machen. Ich kämpfe mich durch, aber Karin bekommt Gelegenheit zum Schieben. Schließlich ist es dann geschafft, der kleine See liegt vor uns, dahinter breitet sich die Kette der Nevados aus. Die Luft ist heute nochmal trockener als gestern, nur ein winziges Wolkenfitzelchen läßt sich ausmachen.

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    Wir umrunden den See, um an die Hangseite zu kommen. Je tiefer wir uns an der Wasseroberfläche entlang bewegen, um so schöner werden die Spiegelungen.

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    Eine Einheimische weiß das (geringe) Touristenaufkommen zu nutzen und verkauft bei ihren Schafen sitzend selbst gestricke Sachen. Karin bekommt gegen Zahlung eines Soles eine Fotografiererlaubnis, für das dekorative Alpaka im Hintergrund wird noch ein weiter Sol fällig.

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    Am Hang mit freiem Blick ins Tal des Río Santa lassen wir uns für eine Brotzeitpause nieder.

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    Neben uns und knapp ein Dutzend anderer Touristen hat sich hier eine kleine Population an Hunden niedergelassen. Sie gesellen sich zu den Menschen und schauen, ob nicht was Fressbares für sie abfällt. Allzu aufdringlich sind sie dabei glücklicherweise nicht.

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    Schließlich gehen wir die Weiterfahrt an, der Pfad führt einen Bewesserungsgraben entlang noch leicht fahrbar bergauf. Am Ende des Grabens blicke ich mich um, sehe aber keine Karin hinter mir. Ich denke mir schon, dass sie wieder ein Motiv entdeckt hat, und das hat natürlich Vorrang. Nach einiger Zeit sehe ich sie unten außer Rufweite die Straße entlang fahren, leider in der falschen Richtung. Mit Pfiffen kann ich aber aufmerksam auf mich machen.

    Der weitere Verlauf der noch fehlenden 200 Höhenmeter wird dann eher zum Schiebeerlebnis. Der Weg ist doch eher als Viehtriebstrecke in Gebrauch, von den Fußgängern am See begibt sich keiner hier entlang.

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    Es gibt zwar auch kurze Fahrabschnitte, bergauf werden die in der dünnen Luft zwischen Steinen hin und her balancierend schnell zu anstrengend.

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    An einem Hochspannungsmast ist der höchste Punkt erreicht. Genau hier gibt es noch eine (Pre-)Inka-Sehenswürdigkeit, Huacapunta, ein einsamer Monolith steht an der Hangkante. Welchem Zweck er mal gedient haben mag, bleibt uns verborgen.

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    Nach Westen hin fällt nun unsere Wegspur wieder gut fahrbar über kleinkörnigen schwarzen Schotter bergab in eine Grasebene.

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    Der Pfad ist in dem recht hohen, goldgelben Gras kaum auszumachen. Der GPX-Track passt aber genau. An einem baufälligen Holzsteg queren wir einen Bach und halten uns vorbei an weidenden Schafen, Eseln und kläffenden Hunden leicht dahin rollend weiter bergab.

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    Es folgt ein eher technischer Abschnitt, in dem der gerademal handtuchbreite Weg eng am Hang neben einer Wasserrinne verläuft.

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    Weiter unten kommen wir an einer verlassen wirkenden Kirche vorbei, die in ihrem blauen Anstrich aber dennoch attraktiv wirkt.

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    Von hier folgen wir einem holprigen Fahrweg ein gutes Stück bergab. Unvermutet zweigt dann aber doch nochmal ein Pfad rechts ab, der sich flüssig fahrbar am Hang entlang schlängelt.

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    Hier wachsen hübsche, dünnblättrige Sukkulenten am Felsen, die teilweise in Blüte stehen.

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    Der Pfad mündet wieder auf den Fahrweg und nach längerem bergab landen wir bei einer beeindruckenden Aussicht, über das nun schon abendliche Huaraz.

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    Von hier ist es nicht mehr weit durch die Randbebauung bis über den Río Santa in das Stadtzentrum.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Dezember 2017
    • gefällt mir gefällt mir x 7
  10. CC.

    CC. +size matters

    Dabei seit
    12/2011
    Schöner Bericht. Da bin ich dabei.
    Viel Spaß und eine gute Akklimatisation...
     
  11. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Huaraz - Catac (04.08.2017)

    Heute starten wir unsere Rundreise und verlassen Huaraz und damit unser schönes und komfortables Hotel, um uns bis nach Catac vor zu arbeiten. Das sind nur rund 37 km der PE3N nach Süden entlang. Die kleine Stadt liegt auf 3500 m, also ist der Höhengewinn auch nicht dramatisch. Julio, der Mountainbikeführer aus unserer Unterkunft, beschreibt Catac als sehr kalt. Wir können das nicht so recht nachvollziehen, sollten die paar hundert Höhenmeter wirklich soviel ausmachen? Unser Zimmer muss bis 11 Uhr geräumt sein, aber so lange wollen wir nun auch nicht bleiben.

    Schon gestern Früh hat sich ein Luftproblem an meinem Hinterrad bemerkbar gemacht. Es war nur noch ein sehr geringer Druck im Reifen; äußerlich konnte ich allerdings nichts finden. Wir fahren mit Dichtmilch, von daher hatte ich eigentlich auf deren Selbstheilungskräfte gesetzt. Im Laufe des gestrigen Tages musste ich aber mehrfach nachpumpen, das wurde dann schon läßtig. Vor dem Frühstück habe ich das Rad dann mal ausgebaut und im Waschbecken unter Wasser gesetzt, aber auch dabei war nichts zu finden. Der Druck war über Nacht aber auch nicht so dramatisch eingebrochen. Ich habe zwei Schläuche dabei, die ich aber nicht unnötig und auch nicht so früh einsetzen möchte. Also gilt es erstmal noch abzuwarten, wie der Tag sich entwickelt.

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    Beim Frühstück lernen wir Jim Bartle kennen, er ist ein etwas älterer US-Amerikaner und nachdem, was wir so hören, einer der Ersten, die einen Treckingführer für die Cordillera Blanca geschrieben hat. Ein Bildband von ihm liegt in unserem Gasthaus aus. Entsprechend gut kennt er sich aus; er steck voller Tipps und Empfehlungen, was man von wo am besten sieht, und wo man unbedingt hin muss. Wir können allerdings kaum etwas davon für unser Projekt umsetzen, an dem er sehr interessiert ist. Ich zeige ihm kurz, was Openstreetmap ist, und was die Karte hier in der Region schon alles zeigt; er kann kaum glauben, was alles darin steckt (Zitat: "Ich fühle mich abgehängt").

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    Wir machen uns schließlich reisefertig; die Verpackungsmaterialien der Räder haben wir in Einkaufstaschen gefüllt, diese kommen in den Gepäckabstellraum, damit wir sie in rund drei Wochen wieder in Empfang nehmen können. Das Bezahlen per Kreditkarte ist heute nicht möglich, da das Gerät keine Internetanbindung bekommt. Wir sollen einfach bezahlen, wenn wir wieder zurück sind. Wenn wir so kreditwürdig sind, mir soll's recht sein.

    Wir schlagen die gleiche Route wie gestern über die PE3N ein, der Torbogen wünscht uns noch freundlich "Tschüss".

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    In Condorpampa testen wir heute den Weg über den Wasserkanal, dieser ist glatt, wie Beton besser nicht sein kann und fährt sich ohne merkliches Gefälle.

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    Irgendwann spüre ich jedoch, dass mein Hinterrad schon wieder Luft verliert. Ich pumpe dieses Mal extra etwas kräftiger auf, damit die Gummipartikel endlich das Loch verstopfen. Der Kanalweg endet schließlich an der Straße nach Macashca; wir biegen rechts ab zur PE3N.

    Wir kommen aber nicht weit, da wird mein Reifen schon wieder schwach, schneller als vorher. Diese Phänomen hatte ich schon mal an einer anderen Felge. Die hatte dann ein Felgenbettriss. Das kann ich jetzt nicht gebrauchen. Es stellt sich aber raus, dass das Felgenband nicht mehr gleichmäßig anliegt und scheinbar Luft in Richtung Speichenlöcher durchläßt. Also Milch raus und Schlauch rein. Weiter gehts.

    Nachdem wir gestern sehen konnten, wie Ziegeln gebrannt werden, kommen wir heute an einem abgekühlten Ofen vorbei, der gerade entleert wird; vom Ofen direkt auf den LkW, sehr einfache Logistik.

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    Unsere Hauptstraße liegt direkt neben dem Río Santa, auf diesen kann man öfter mal beim Entlangradeln hinunter sehen. Das Wasser ist eine trübe grünliche Brühe, die ziemlich unappetitlich wirkt.

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    Scheinbar trägt er viel Eisen mit sich, zumindest ist der Teil der Steine im Fluß, die mit dem Wasser in Kontakt kommen, rostbraun gefärbt. In der Höhe von Olleros stellt sich dann heraus, dass der dortige Zufluß die Rostfarbe mitbringt. Oberhalb sieht das Wasser des Río Santa aber dennoch nicht besser aus.

    Vor Recuay öffnet sich das Tal und auch das Flussbett wird erheblich breiter.

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    In Recuay selbst machen wir eine kurze Pause an der Plazuela Burgos. Der Ort selbst ist einer der wenigen, die bei dem schweren Erdbeben 1970 nicht zerstört wurde, es gibt daher noch einen größeren Altbaubestand. Dennoch findet man an dem ein oder anderen Gebäude markante Aufdrucke politischer Werbung.

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    Hinter Recuay folgt bald Ticapampa, das wir nutzen, um den Abgaswolken zu entfliehen. Quasi in der zweiten Reihe rollen wir ein längeres Stück parallel zur Hauptstraße durch das Wohngebiet.

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    Für Catac hatte ich mir von den Holländern das Hostal Yadir empfehlen lassen. Nette Wirtsleute, ordentliche Zimmer, Platz für die Räder im Innenhof und freies WLAN sollte es geben.

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    Es war auch schnell gefunden, als Zimmer bekommen wir eines mit vier Betten und zwei großen Fenstern im zweiten Stock. Diese sind mit Papier verklebt, vermutlich schaut man sich das Dahinterliegende besser nicht an.

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    Aber das Badezimmer hat Blick über das Stadtzentrum bis zum Huascaran.

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    Die Hauptstraße im Ort wirkt irgendwie überdimensioniert, vierspurig mit abgesetztem Mittelstreifen, dabei haben die Häuser im Ort zum größten Teil nur ein Geschoss, unser Hostal ist neben der Municipalidad mit das höchste.

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    Im Hof des Hostals steht übrigens noch ein Rad. Es ist von einem Kanadier, Marc. Er klopft abends bei uns an die Tür und stellt sich vor. Er ist mittlerweile seit sieben Jahren in Südamerika unterwegs, spricht sehr gut Spanisch und ist sehr an unserer Reise interessiert. Er reist mit Zelt und einem eher einfachen Rad, normale Straßen nutzend. Er will morgen nach Chavin und weiter den Pikes-Routen folgen. Vielleicht treffen wir ja nochmal auf ihn, denn wir wollen ja in die gleiche Region.


    Hier noch die Karte zur heutigen Tour.

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    Zuletzt bearbeitet: 5. Dezember 2017
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  12. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Catac - Hatun Machay (05.08.2017)

    Heute machen wir einen Tagesausflug zu dem speziellen Ort "Hatun Machay" oder bei den Einheimischen scheinbar besser unter den Namen "Bosque de Piedras" bekannt. Es handelt sich dabei um eine stark erodierte Felsformation vulkanischen Ursprungs, die auch zum Klettern genutzt wird. Bei Youtube war mir bei der Vorbereitung ein Video begegnet, in dem Mountainbiker in Downhillmontur dort herum fuhren; für uns war das aber nicht der Anziehungspunkt.

    Der Morgen fängt recht frisch an, ich lege meinen Kilometerzähler draußen auf das Fensterbrett und kann beobachten, dass er bis auf 3 °C runter fällt. Entsprechend sind übrigens auch unsere Betten ausgestattet. Da der Raum nicht geheizt ist, gibt es gleich drei Wolldecken.

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    Der Panoramablick Richtung Huascaran zeigt ein ungewohntes Bild: Sehr starke Zirren, die werden uns den Tag über noch begleiten und die Temperaturen unten halten.

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    Zum Frühstück gehen wir in das Restaurant des Hauses. Die Tische sind schon gut von Arbeitern belegt, die ebenfalls hier übernachten. Die Tür nach außen steht weit auf und die 3 °C sind auch hier zu spüren. Wir schließen uns dem allgemeinen Trend hier an und bestellen je eine Rinderbrühe sowie zwei Kaffee. Damit können wir die Umgebungstemperaturen etwas kompensieren.

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    Der Weg zu unserem Ziel führt erstmal über eine rund 35 km lange Anfahrt der PE3N nach, dann habe ich mir eine Schleife überlegt, die über eine Piste zu einem Pass auf 4450 m hinunter zum Bosque de Piedras führt, die auch immerhin auf 4200 m liegen. Unsere Akklimatisation können wir damit "locker" fortsetzen.

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    Kaum sind wir 5 km aus dem Ort, fällt Karin auf, dass sie ihre Trinkflaschen im Zimmer stehen gelassen hat. Kein Problem, an der Straße gibt es gelegentlich Restaurants oder Bars, wo wir einfach Wasser nachkaufen.

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    Wir passieren auf der meist leicht ansteigenden Straße eine Mautstation, Radfahrer werden aber einfach durchgewunken.

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    Der Verkehr ist überschaubar, die Dieselabgase der LKW haben aber dennoch eine eher unangenahme Qualität.

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    Rechts und links der Straße breitet sich eine Steppenlandschaft aus, etwas idealisiert sieht die linker Hand so aus:

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    und rechter Hand so:

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    Nach einiger Zeit erreichen wir auf ca. 3900 m die Abzweigung zu der Pistenschleife. Bei der Planung war ich mir noch nicht schlüssig, ob wir die im Uhrzeigersinn oder anders herum fahren sollen. Um dem Verkehr zu entkommen, entscheiden wir, jetzt einzubiegen. Die Straße ist in einem guten Zustand mit einem glatten kompaktierten Belag. Die Steigung ist auch meist angenehm und so sammeln wir unsere Höhenmeter. Jeden Hunderter machen wir eine kurze Pause, Karin kämpft stärker mit der dünnen Luft oder auch mit der fehlenden Kondition, so dass für mich die Pausen etwas länger sind.

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    Der Ausblick wird zunehmen spektakulärer, sogar die Cordillera Huayhuash sind gut sichtbar, allerdings trüben die dicken Zirren etwas die Lichtstimmung.

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    Unsere Auffahrt ist auch meist abgeschattet. Rechts und links des Weges lohnt sich ein Blick in die Vegetation, hier wachsen interessante Kakteen.

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    Gegen zwei Uhr haben wir endlich den Pass erreicht und können zu den berühmten Felsen hinabfahren.

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    Vor Ort gibt es ein kleines Camp-Areal, wo auch einige Kletterer ihre Zelte aufgestellt haben. Das gemauerte Refugio daneben ist z.Z. wegen Streitigkeiten wegen der Pachtbedingungen nicht in Betrieb.

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    Von hier führt ein gut fahrbarer mit weißen Steinen markierter Pfad (S0 - S1) direkt zu den Felsen rüber, die wirklich spektakulär aussehen.

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    Das Areal belegt einige Quadatkilometer und wird im vorderen Teil noch von Einheimischen als Wohn- und Stallungsbereich genutzt.

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    Im Inneren ist es problemlos großflächig begeh- bzw. mit dem Rad auch befahrbar. Es gibt neben den markanten Felsblöcken weite, griffige Felsflächen mit kleinen Rinnen, Senken und Stufen in beliebiger Größe.

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    Ein idealer MTB-Spielplatz, möchte ich meinen. Wir haben leider nur eine Stunde Zeit, da wir vor Sonnenuntergang wieder im Hotel sein wollen. Man könnte hier locker einen ganzen Tag mit der Erkundung verbringen. Das Gelände fällt nach Westen leicht ab, und wir müssen uns irgendwann einbremsen und umdehen. Beim Wiederhochfahren merken wir, dass wir hier immer noch auf 4200 m sind.

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    Im vorderen Bereich der Felsen gibt es Höhlen, die zu (Pre-)Inkazeiten als Kultstätten gedient haben sollen.

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    Man kann jetzt noch gut einige Felsrisszeichnungen und diverse eingeschlagene Vertiefungen erkennen.

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    Beim Rückweg treffen wir am Campgelände auf eine Peruanerin, die wohl die neue Pächterin sein wird. Sie fragt uns, wie es uns gefallen hat und erzählt dass speziell für Mountainbiker drei Routen eingerichtet werden sollen, die man dann ins Tal hinab fahren kann. Dazu waren heute drei Mountainbiker da (die luden bei unserer Ankunft ihre Räder gerade wieder ein), die das Ausarbeiten übernehmen.

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    Jetzt wird es aber Zeit für uns für die Rückfahrt. Es sind noch gut zwei Stunden bis zum Sonnenuntergang um 18:00 Uhr. Wir fahren das Stück zur Kreuzung wieder hoch und dort dann rechts ab den kürzeren Weg zur PE3N hinunter.

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    Dank der fortgeschrittenen Zeit ist die Lichtstimmung sehr fotogen. Die Zirren haben sich zum größeren Teil nach Süden verzogen und die Sonne scheint in voller Pracht.

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    Vom Abfahrtsweg hat man eine tolle Sicht über die Hochebene. Leider sind die Cordillera Huayhuash immer noch abgeschattet aber auch das südliche Ende der Cordillera Blanca sieht klasse aus.

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    Wieder auf der Asphaltstraße angelangt, lassen wir es bergab rollen.

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    Die nun zunehmend tiefer stehende Sonne taucht die Landschaft in ein goldenes Licht. Gut, dass wir noch so spät unterwegs sind.

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    Kurz vor Sonnenuntergang sind wir dann tatsächlich am Hotel, wo sich beim Ausrollen zwei Hunde auf unsere Räder stürzen. Karin hat tatsächlich das Pech und wird von einem ins Bein gebissen. Die Wunde blutet zwar nicht, sieht aber auch nicht besonders gut aus.

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    So endet der Tag leider etwas zweischneidig.

    Hier noch die Karte zur heutigen Tour.

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    Zuletzt bearbeitet: 25. Oktober 2017
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  14. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Catac (06.08.2017)

    Der Blick aus dem Fenster zeigt heute wieder normales Wetter, also keine Wolke sichtbar.

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    Damit sollten die Temperaturen im Hochland schon mal angenehmer ausfallen als gestern. Auf dem Programm für heute steht das Besichtigen der Puya Raimondii Pflanzen, die nur in bestimmten Zonen um 4000 m wachsen. Von Catac aus ist ein solcher Bereich mit dem Rad erreichbar, wenn man Richtung Pastoruri-Gletscher fährt.

    Eigentlich würde es sich dafür anbieten, so früh wie möglich los zu fahren; aber nach den Leistungsforderungen gestern ist die Motivation nicht all zu hoch. Zudem möchte ich endlich den Tag Verspätung bei meinem Bericht aufholen; günstig dafür wären heute Früh ein paar Computerstunden.

    Wir gehen erstmal zum Früchstücken runter, müssen aber feststellen, dass unser Hostal-Restaurant geschlossen ist. Ist heute was besonderes? Ach ja, es ist Sonntag. Offenbar öffnet da unser Restaurant nicht. In der Straße finden wir aber leicht Ersatz; in einem sauberen Straßencafe gibt es Mate de Coca und Brötchen mit Marmelade, letztere werden sogar fertig geschmiert gereicht. Wir müssen aber quasi im Freien sitzen, was bei ca. 3 °C doch recht frisch ist, zumindest bis die Sonne raus kommt, dann wird es schnell warm.

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    Beim Frühstück lade ich die Fotos von der Kamera herunter und benenne sie schon mal um; das Hochladen erledige ich später im Hostal mit dem dortigen WLAN.

    Auf der anderen Straßenseite wird unterdes ein Auto repariert; der Abgasstrahl hüllt die halbe Straße ein.

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    Nach dem Frühstück wechseln wir ins Hostal und ich stelle dort den Artikel für gestern fertig. Das zieht sich ganz schön hin. Als wir dann runter gehen, um unsere Tour zu starten, treffen wir noch auf Marc. Er ist gestern doch nicht mehr los gefahren (Zeit spielt keine Rolle) und rüstet gerade sein Rad auf.

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    Als wir endlich los kommen, ist es schon viertel vor zwölf. Ob das noch bis zu den Puya Raimondii reicht? Ich bin skeptisch. Der Einstieg in die Piste ist schnell erreicht.

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    Auf der dortigen Hinweistafel lesen wir, dass Einlaß in den Park nur bis 11:00 Uhr ist.

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    Na das schaffen wir so gerade eben nicht mehr, zumal der Eingang in 12 km Entfernung auf ca. 4200 m liegt. Wir fahren dennoch los und wenn es nur bis zum Parkeingang langt.

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    Die Piste ist zwar breit und steigt nicht steil an, der Belag ist aber recht grob, man muss sich mit dem Rad eine ordentlich laufende Spur suchen. Das fördert nicht das Fortkommen. Obwohl die Straße eigentlich flach aussieht, schaffe ich nicht mehr als 8 - 10 km/h, bei Karin ist es noch deutlich weniger. Weit kommen wir mit diesem Schnitt nicht, das steht jetzt schon fest, zumal Pausen auch noch dazu kommen.

    Zum Glück gibt es kaum Fahrzeugverkehr, die weitsichtig planenden Leute sind wahrscheinlich auch schon alle oben.

    Das langgezogene Tal hat den von gestern schon bekannten steppenartigen Charme, der mit seinem Minimalismus durchaus ansprechend sein kann. Wir dürfen dann auch feststellen, dass vor dem Parkeingang schon ein paar Puya Raimondii neben dem Weg stehen, so dass dieses Pflichtprogramm prinzipiell abgehandelt ist.

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    Weiter hinten im Tal stehen diese mächtigen Pflanzen allerdings zu hunderten an den Berghängen.

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    Bis gegen 16:00 Uhr schaffen wir es bis zur Parkgrenze und machen dort eine Pause.

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    Jetzt strömen auch langsam die Besucherbusse zurück. Die Staubfahnen werden uns auf dem Rückweg begleiten.

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    Für den Parkbesuch überlegen wir uns für morgen noch eine Lösung. Dazu werden wir noch einen Tag in Catac dranhängen. Ganz anders als die Auffahrt, ist die Abfahrt schnell erledigt, in knapp einer Stunde sind wir wieder im Ort.

    Beim Abendessen lernen wir einen weiteren Reisenden kennen. Bernd ist mit dem Wohnmobil seit 20 Monaten in Südamerika unterwegs und zielt den Norden von Peru an. Er kommt gerade aus Chavin und möchte sich morgen den Pastoruri-Gletscher ansehen. Wir kommen so in einen ausgedehnten Gesprächsabend, der noch im Wohnmobil fortgesetzt wird. Er ist übrigens auch Oruxmaps-Benutzer, und damit ist er bei mir natürlich an der richtigen Adresse.

    Hier noch die Karte zur heutigen Tour.

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    Zuletzt bearbeitet: 5. Dezember 2017
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  15. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Hallo zusammen,
    der Rückstand ist endlich aufgeholt, jetzt sind wir in Echtzeit dabei. Nach längerer Diskussion über das heutige Programm fällt die Entscheidung leicht, denn Karin geht es nicht so gut. Sie bleibt heute im Ort. Ich werde mich nochmal Richtung Pastoruri aufmachen und sehen, wie weit ich komme.

    Das Wetter ist heute wieder wolkenlos, da fehlt also nichts. Wir sitzen gerade noch leicht frierend beim Frühstück, anschließend werde ich aufbrechen.

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    Wenn ihr Fragen oder Kommentare zu unserer Reise habt, nur los.

    Gruß
    Guido
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. August 2017
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  16. bMerry

    bMerry

    Dabei seit
    12/2012
    Hallo Guido, hallo Karin,

    welch beeindruckender Bericht aus einem Gebiet, das mir zumindest bisher im Detail völlig unbekannt war. Beeindruckende Fauna und die Geländeformationen lassen sich kaum beschreiben. Klasse! Bei dem vorhandenen Sauerstoff ist sicher jeder Höhenmeter hart erkämpft.

    Was habt Ihr denn im Vorfeld bzgl Training und Akklimatisation unternommen?

    Danke fürs Mitnehmen!
     
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  17. basti321

    basti321 Schnellste Maus von Mechico

    Dabei seit
    10/2010
    Hallo Guido,

    lese auch täglich mit hier mit. Hoffe, deiner Frau geht es wieder besser nach dem Hundebiss. Wie ist das allgemein mit den Hunden dort? Eher mit Vorsicht zu genießen oder war derjenige eine Ausnahme, der zuge(zwickt)bissen hat?

    lg basti321
     
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  18. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Wir haben kein spezielles Höhentraining gemacht. Viele km in den Beinen vor der Tour hilft viel.
     
  19. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Hallo Basti,
    das mit den Hundebissen will ich nicht dramatisieren, allerdings hat es Karin letztes Jahr auch schon mal erwischt. Nach dem Motto "jedem seinen Hundebiss" habe ich jetzt auch einen.

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    Den habe ich gestern abend beim Gang zum Restaurant auf dem Bürgersteig bekomnen, ohne dass ich den Hund bedroht hätte. Ich bin nur nah an ihm vorbei gangen und zack war es passiert. Ich werde jetzt einen größeren Abstand halten.

    Das Problem hier in Peru ist die schiere Masse an Hunden, die freilaufend unterwegs sind. Die bekabbeln sich auch ständig gegenseitig. Wenn man über Land so unterwegs ist, dann sind ca. 80 % der Hunde gar nicht an einem interessiert oder flüchten gar. Ca. 15 % fangen an zu kläffen und der Rest läuft mehr oder weniger agressiv auf einen zu. Ich habe schon zweien fahrend einen Tritt verpasst, wenn sie mir zu nahe gekommen sind. Das ist fahrtechnisch aber schon nicht einfach. Mittlerweile maule ich sie lautstark an (Gehst du wohl weg! o.ä.), da verstehen auch peruanische Hunde Deutsch.

    Gruß
    Guido
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. August 2017
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  20. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Catac - Pastoruri (07.08.2017)

    Kurz nach halb neun starte ich zur heutigen Solotour. Ziel ist ein noch nicht näher definierter Wendepunkt im Tal zum Pastoruri. Bernd wollte sein Wohnmobil an der großen Tankstelle vor dem Ort abstellen; das ist nicht mehr dort, also wird er schon Richtung Pastoruri unterwegs sein. Als ich an dem Restaurant vorbei komme, in dem wir vorgestern die Getränke nachgekauft haben, steht davor ein gelber Combi, der gerade von einem jungen Mann gewaschen wird.

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    Ich überlege kurz, biege rechts ein und frage den Herrn, ob das ein Taxi ist und was es kostet, wenn er mich mit dem Rad nach Carpa (PNH-Eingang) fährt. 30 Soles ist seine Antwort und ob ich nicht lieber bis zum Pastoruri für 150 Soles fahren möchte? Er schmückt sein Angebot sehr wortreich aus, allerdings verstehe ich nur einen Bruchteil, dafür ist mein Spanisch einfach zu schlecht.

    Ich winke wegen des Preises ab. Er fährt noch mit der Pflege des Wagens fort, füllt irgendwelche Flüssigkeiten im Motorraum nach und verschwindet dann noch kurz ins Haus. Als er wieder raus kommt, macht er mir noch "ein letztes Angebot", Pastoruri für 130 Soles. Ich komme ins Überlegen, das wäre schon nicht schlecht, den Gletscher jetzt noch abhaken zu können. Also gut, ich willige ein.

    Neben dem Rad, das unzerlegt in den Kofferaum kommt, steigen später noch seine Frau und die ca. dreijährige Tochter ein. Letztere hat den Gletscher noch nicht gesehen, und das ist jetzt die Gelegenheit für einen Familienausflug. Na meinetwegen. Dann gehts los, die schon bekannte Piste hoch fährt sich im Auto nicht weniger holprig als mit dem Rad, nur schaffen wir ca. 40 km/h.

    Mein Fahrer ist auf eine angenehme Weise sehr bemüht, touristische Informationen weiter zugeben. Es gibt ja im Park auf der Strecke vor uns einige Attraktivitäten zu besichtigen und er bemüht sich redlich als Reiseführer. Ich erzähle ihm, was wir hier in Peru schon gemacht haben, und das alles mit dem Rad. Allgemein stößt das bei den Peruanern immer auf ungläubiges Staunen. Am Preis meines Rades ist er auch interessiert, 2000 EUR schwindle ich im vor. "Dollares?" Fragt er. Si.

    Am Parkeingang halten wir, damit ich mich drinnen registrieren und die 10 Soles Eintritt bezahlen kann. Auf dem Papierbogen bin ich der zweite Besucher heute. Der erste ist Bernd, der vorhin mit seinem Wohnmobil in den Park eingefahren ist, als wir ankamen. Wir überholen ihn nach ein paar hundert Metern, als er rechts parkt. Mein Fahrer fragt noch, ob er halten soll, aber ich winke ab, denn oben am Gletscher sollten wir uns 'eh treffen.

    Die erste Attraktion ist eine Wasserquelle, aus der CO2 sprudelt. Damit sind wir schnell fertig.

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    Die nächste ist die Laguna Siete Colores; ich stehe etwas ungläubig vor dem Aussichtsbauwerk, vor dem sich ein sumpfiges Gelände mit kleinen Wasserflächen ausbreitet. Aber nein, die Wasserfläche direkt vor dem Bauwerk ist tatsächlich ungewöhnlich tief. Trotz der nur ca. 50 qm Fläche sieht man den Grund in dem blau/grünen Wasser nicht. Mein Fahrer wirft ein paar Steine hinein, denen man beim Verschwinden hinterher schauen kann.

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    Die dritte Attraktion sind die Puya Raimondii, von der hier hunderte am Hang stehen. Wir waren ja gestern schon mal nah dran. Die Pflanzen sind wirklich sehr beeindruckend. Leider gibt es keine, die frisch blüht.

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    Die vierte Attraktion sind alte Felszeichnungen an einem überhängenen Felsen. Sie werden auf ca. 200 bis 500 a.d. datiert. Es sind nicht viele, aber immerhin.

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    Jetzt folgt noch die Auffahrt bis zum Gletscherparkplatz durch eine echte Hochgebirgslandschaft vorbei an Weidebereichen mit den schon bekannten grasgedeckten Rundhütten und Viehgattern aus Steinmauern. Links und rechts tauchen auch Nevados auf, der unmittelbar neben dem Pastoruri heißt überigens Tuco, der ist bei OSM noch nicht erfasst, der auf der linken Straßenseite heißt Huarapasca, gibt es in OSM auch noch nicht.

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    Der auf ca. 4850 m liegende Parkplatz ist noch weitgehend frei. Links unterhalb sieht man viele Pferde, mit denen werden die Besucher bedarfsweise zum Gletscher geschafft. Mein Fahrer bietet mir noch an, mich wieder mit runter zu nehmen, aber ich lehne ab. Regnen wird es heute ja nicht. Er weist mich noch ein, wo die Fahrstraße hoch geht und dann verabschieden wir uns.

    Der Fahrweg steigt leicht an, ich lasse es betont langsam angehen, jetzt außer Puste zu geraten wäre zu unangenehm. Der Weg mündet in den betonierten Fußweg und dieser verläuft parallel zur Pferdespur in leichten Wellen bergauf. Bis auf eine steile Stelle fahre ich alles. Ich halte mich oben rechts, wie von meinem Taxifahrer empfohlen und komme dem Eis langsam näher. Anfassen kann man es aber leider nicht, da es mit Seilen in rund 10 m Abstand überall abgesperrt ist.

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    Auf meinem Höhenmesser sehe ich immer noch keine 5 als erste Ziffer. Ich schaue mich um, wo es die wohl geben könnte. Eine etwas zurückliegende Aussichtsplattform scheint mir vielversprechend. Aber auch dort fehlen noch ein paar Meter bis zur 5000er Grenze.
    Ein kleiner Hügel nochmal ca. 20 m zurück sollte dann aber passen, sonst wird es hier im freigegebenen Besucherbereich schwierig. Und tatsächlich, das entsprechende Dokufoto gelingt; kleiner Schönheitsfehler, das Rad habe ich nicht mit rauf geschleppt.

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    Irgenwie fehlt jetzt noch etwas Nettes zum Fotografieren. Am Ende des kleinen Gletschersees sehe ich am Ufer entlang einen Wanderpfad und im See davor schwimmen ein paar Eisbrocken. Das könnte was werden. Also zurück zu der Pfadabzweigung. Jetzt kommen aber schon die Touristenströme von unten den Fußweg herauf, auf dem Parkplatz steigt die Belegung zusehens. Ich hatte gehofft, heute am Montag ist weniger los als gestern.

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    Nichts Böses ahnend biege ich nach links Richtung See ab, werde aber sofort von einem Führer in bestem Englisch zurückgepfiffen. Das wäre nicht der richtige Weg, muss ich mir sagen lassen. Gut dann nicht. Ich fädele mich statt dessen durch die Fußgänger zurück zum Parkplatz hinunter, und ärgere mich, nicht gleich zu Anfang dorthin gefahren zu sein, denn da war ich fast der Einzige dort oben. Ich versuche auch Bernd zu entdecken, dessen Wohnmobil ich auf dem Parkplatz ausmachen kann, sehe ihn aber nicht.

    Der Fußweg endet bzw. beginnt in einem Einkaufsbereich, in dem die Besucher dezent auf die dargebotenen Speisen aufmerksam gemacht werden. Na ja, was heißt dezent, jede einzelne Peruanerin spricht mich an, ich solle doch von ihrem Chocho und was sonst noch probieren. Ich muss aber meinen Rucksack noch leichter machen, also setze ich mich auf Stufen in der Sonne und beobachte beim Essen den Besucherstrom.

    Eigentlich bin ich mit dem Besuch jetzt schon fertig, und es ist erst halb eins. Ich beschließe, mir die Straße nach Yanashallash noch ein wenig anzusehen. Sowohl die Holländer als auch Marc hatten von ihr geschwärmt. Auf dem Weg bergab zur Abzweigung nutze ich die schmalen Pferdepfade rechts neben der Straße. Sie sind nicht so geröllig und haben einen schönen Schwung.

    Nach einer leichten Bergaufpassage erreiche ich einen Pass (4800 m), der den Blick in ein weites Hochtal freigibt. Hier kann man ins Schwärmen geraten; das ist echtes Peruanisches Hochland, wie aus dem Bilderbuch. Die Straße folgt dem linken Hang leicht abwärts und ich kann nicht widerstehen, ihr noch ein Stück weit zu folgen. Zu gerne würde ich hier jetzt weiter rollen, das leichte Gefälle wirkt auch nicht gerade hemmend.

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    Auf dem Weg zurück zum Pass hoch erlaube ich mir noch einen Abstecher in einen Mooskissen-Feuchtbereich. Hier schieße ich noch ein paar Fotos. Das Wasser zwischen den Kissen ist teilweise noch gefroren.

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    Bergab lasse ich es dann ordentlich rollen. 30 bis 40 km/h lassen sich leicht erreichen, mit dem groben Schotter muss ich etwas aufpassen, einen Durchschlag brauche ich jetzt nicht.

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    Zwischendurch halte ich noch ein paar Hochgebirgsviehgatter fest. Mir gefällt deren grafische Wirkung.

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    Nach gut einer Stunde bin ich am Parkausgang und nach einer weiteren schon wieder in Catac.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Dezember 2017
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  21. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Heute wollen wir nach Chavin de Huantar wechseln und damit unsere Rundreise fortsetzen. Dazu müssen wir über einen Pass auf knapp 4500 m, dort liegt der Tunnel de Karhuish. Eigentlich sind das nur 1000 m bergauf auf Asphalt, aber Karin ist immer noch nicht ganz fit. Gestern hatte sie leichtes Fieber und sie doktort immer noch an leichten Darmproblemen herum, die sie sich schon in Huaraz zugezogen hat.

    Chavin liegt auf 3100 m und ist damit auch deutlich wärmer als Catac. Das sollte beim Genesen helfen.

    Gruß
    Guido
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Oktober 2017
  22. Freerider1504

    Freerider1504 Rocket Bikes Team Rider

    Dabei seit
    08/2009
    Sehr interessant hier, ABO :daumen:
     
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  23. imun

    imun Fahrradfahrer

    Dabei seit
    11/2009
    Da lese ich doch mal mit :daumen:
     
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  24. aare07

    aare07

    Dabei seit
    01/2016
    Spannende Gegend schöne Bilder.
    Gute Besserung an Karin, dir Gratulation für die 5'000er Grenze und weiterhin eine wunderbare Reise.
    Wenn ich OT für eine Oruxfrage nutzen darf:
    - welche Schrauben muss ich drehen damit ich realistischere Bewegungszeit Angaben erhalte?
    - Ich habe keine wirkliche POI Behandlung gefunden, jetzt versuche ich POI wie z.B. Biketips mit Import/Export von Waypoints zu lösen und permanent auf Karte anzuzeigen (wie Locus anbietet), bin aber nicht erfolgreich
    Ein Kurztipp (damit es den schönen Thread nicht versaut)?
    Gruss, Aare
     
  25. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Hallo Aare,
    besten Dank für die guten Wünsche.

    Bezüglich Oruxmaps kann ich dir leider nicht weiter helfen, denn diese Art von Anwendung nutze ich dort nicht. Wenn du magst, kann ich dir aber per PM mal die Adresse von dem Bernd weiter leiten, der hatte auf seinem Oruxmaps einen Haufen Tipps aus "ioverlander" (http://ioverlander.com/) gespeichert.

    Gruß
    Guido
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Oktober 2017
  26. gscholz

    gscholz Linuxender OSMler

    Dabei seit
    07/2011
    Catac - Chavin (08.08.2017)

    Angesicht des noch leicht ledierten Gesundheitszustands von Karin haben wir gestern abend ihren Transfer per Bus nach Chavin diskutiert. Der Bus selbst fährt um 8 Uhr direkt vor dem Hostal ab. Von der Idee war sie allerdings nicht gerade begeistert.
    Heute Früh fühlt sie sich deutlich besser und wieder fahrbereit. Wir packen alles zusammen, bezahlt habe ich schon gestern abend (4 * 45 Soles) und gehen gegenüber in den kleinen Imbiss, in dem man zum Frühstück in der Sonne sitzen kann. Die Besitzerin begrüßt uns (als fast schon Stammgäste) freundlich und fragt, nachdem sie unsere Räder sieht, wohin die Reise geht.
    Wir bestellen wieder Mate de Coca und Marmeladenbrötchen. Als wir so da sitzen und genüsslich die wärmende Sonne genießen, dreht Bernd mit seinem Wohnmobil eine Kurve vor dem Restaurant. Winken alleine reicht nicht, ich muss ihm mit dem Fahrrad hinterher, um ihn einzufangen. Er ist gerade auf der Suche nach einer graden Standfläche, um vernünftig duschen zu können, kommt aber noch eben zu uns rüber.

    Zum Tunnel de Karhuish müssen wir nur der zentralen Straße stadtauswärts folgen.

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    Apropos Hunde, am Ortsende rennt mir oder besser meinen Füßen einer hinterher, der nicht auf lautes Zurufen hören mag. Ein Tritt auf die Nase überzeugt ihn, dass ich nicht von ihm gebissen werden möchte. Eigentlich mag ich ja Hunde, aber so gehts natürlich nicht.
    Die erste Strecke ist von wenig ansehnlichen Minentätigkeiten geprägt, dann kommen wir aber schnell in eine leicht ansteigende Steppenebene. Die Asphaltstraße folgt dieser in leichten Windungen, zunächst ist es auch noch windstill und wir kommen gut voran.

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    Als es thermisch wird, bekommen wir zur Steigung noch Gegenwind dazu.

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    Die Straße mündet in ein Tal, dem wir weiter bis zur Laguna Querococha folgen. Hier sind wir gerade zur rechten Zeit (ca. 12:00 Uhr) als einige Touristenbusse eintreffen.

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    Es entsteht ein regelrechter Rummel.

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    Es gibt einige peruanische Kinder, die Lämmer in den Armen tragen und diese dann den Touristen gegen Geld zum Fotografieren anbieten. Drei Jungs sind an meinem Fahrrad sehr interessiert, einer möchte es unbedingt mal fahren. Mit einem etwas mulmigem Gefühl senke ich den Sattel ab und kontrolliere, dass er die Finger richtig an der Bremse hat. Nach ein paar Metern hat er aber genug, mit der Rahmengröße kommt er natürlich nicht vernünftig zurecht.

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    Es gibt noch einen Bewirtungsbereich, in dem verschiedene Leckereien angeboten werden. Wir probieren die Käsebrötchen "pan con queso" (1,5 Soles/Stück), die schmecken zusammen mit dem Kräutertee "té de siete hierbas" wirklich ausgezeichnet.
    Jetzt müssen wir uns aber langsam ranhalten. Oberhalb vom See, auf dem man jetzt locker Windsurfen könnte, zweigt die Straße in ein flaches Hochtal ab.

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    Hier nehme ich Karin an die Leine, damit wir schneller vorwärts kommen. Das Konzept halten wir bis vor den Tunnel durch, ziemlich anstrengend für mich, aber wir können so einiges an Zeit einsparen.

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    Ich komme mit der dünnen Luft gut zurecht, die Beine schmerzen mehr als die Lunge. Karin klagt, sie würde mit steigender Höhe eher zunehmend müde. Was sie dann mit einem Gähnen bestätigt.

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    Am Tunnelportal ist eine Baustelle eingerichtet, die den Verkehr nur nach festen Zeiten erlaubt. Viermal am Tag ist die Durchfahrt bis zu drei Stunden komplett gesperrt. Eine handvoll Fahrzeuge stauen sich schon vor dem Tunnel.

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    Es ist gerade viertel nach zwei und die Sperrzeit würde der Tafel nach noch bis 16:30 Uhr dauern. Ich fahre vor und frage den beaufsichtigenden Arbeiter, ob wir mit den Fahrrädern durch dürften. Selbstverständlich! Puh, Glück gehabt.
    Der Tunnel ist nicht beleuchtet, aber man kann gerade durch ihn hindurch schauen. Ich quere ihn ohne Licht und inklusive Sonnenbrille; man muss sich nur auf die Lichtspiegelungen am Boden konzentrieren.
    Auf der anderen Seite begrüßt die Besucher des Conchucos eine weiße Christusstatue. Der Platz, von dem sie am Besten fotografiert wird, ist auch markiert. Das nutzen wir sofort.

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    Die Abfahrt ist abwechselnd in Asphalt und in Schotter gehalten, die Kurven bevorzugt in letzterem. Unterhalb von Tambillos ist es nur noch Schotter, der unglaublich staubt. Wenn drei Fahrzeuge hintereinander hoch oder runter an uns vorbei fahren, müssen wir sicherheitshalber anhalten. Bald können wir am Gegenhang das hier so typische Muster für die kleinparzellige Flächennutzung erkennen.

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    Für die Abfahrt in das Tal bei Machac hatte ich mir Pfad-Varianten zurecht gelegt, damit wir nicht den ganzen Tag nur auf der Straße unterwegs sind. Die erste in einer Serpentine direkt unterhalb von Tambillos scheitert, da der Weg ansteigend am Hang verläuft. Aus Zeitgründen ist mir die Idee zu riskant, obwohl sich die ersten hundert Meter vielversprechend fahren und ein junger Mann, den ich frage, ob der Weg nach Chavin führt (Jircahuayi wäre als Fragestellung besser gewesen) das mehrfach bejaht.
    Die zweite Variante ist etwas tiefer bei Jircahuayi. In der zweiten Kehre geht ein Weg ab, der nach links am Hang durch die dörfliche Bebauung führt.

    Aus den OSM-Luftbildern war nicht ersichtlich, ob man da vielleicht nach Yanacancha rüber kommt. Das testen wir jetzt einfach.

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    Der ein bis eineinhalb Meter breite Weg führt winkelig vorbei an Häusern und kleinen Gärten.

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    Bald kommen uns Kinder entgegen, die Schafe und Esel vor sich her treiben. Als sie uns mit den Rädern kommen sehen, bleiben sie mit großen Augen eben so starr wie ihre Tiere stehen und wissen gar nicht, wie ihnen geschieht. Ich denke immer noch zu großräumig und frage ob der Weg nach Chavin führt. Die Kinder können damit gar nichts anfangen.

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    Wir lassen sie erstmal mit ihren Tieren vorbei und verfolgen den Weg weiter, der über eine Wiese zu einer Kirche führt. Die Wegsuche führt hier nicht zu einer Lösung am Hang entlang, ich finde nur einen Ausgang den Berg steil nach oben. Also drehen wir um. Ich schaue auf dem Smartphone nochmal nach, wohin denn ein Weg mit geringer Reichweite vernünftiger Weise führen könnte. Das wäre dann Yanacancha.

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    Drei Mädchen kommen uns entgegen, die wir nochmal nach einem möglichen Weg fragen, die verneinen aber, dass es dorthin einen gibt. Sie fragen uns, ob wir aus den USA sind, aber mit "Alemania" scheinen sie nicht so recht etwas anfangen zu können.

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    Wir kehren also um und probieren es weiter vorne noch mal links ab den Berg hinunter.

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    Zunächst sieht der Weg auch noch gut aus (S0 - S1), wird dann aber immer steiler und endet schließlich in einem schmalen Pfad, der sich steil den Hang hinunter arbeitet. Die Räder müssen wir zum größeren Teil tragen, mache Passagen sind recht trickreich zu überwinden.

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    Wir sind froh, als wir unten auf die normale Fahrstraße treffen. Das Experiment war also nur ein Teilerfolg, aber das Eintauchen in diese andere Welt der Einheimischen hinterlässt bleibende Erinnerungen.

    Der Talstraße folgen wir dann auch weiter durch einfache Dörfer, in denen ich mehrfach mit "Gringo!" begrüßt werde, bis nach Chavin. Vor dem Ortseingang kommen wir direkt an der Ruinenanlage vorbei, für die der Ort so berühmt ist und die wir uns morgen ansehen wollen.

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    Der kleine Ort ist durch die antiken Anlagen etwas touristischer und verfügt über mehrere Hotels. Über Internetbeschreibungen hatte ich mir eine Prioritätenliste erstellt, die wir komplett abarbeiten müssen. Das bevorzugte Hotel war nicht mehr in Betrieb. Die zweite Wahl war belegt, scheinbar durch Bauarbeiter. Wir haben uns dann im Hotel Inka für 70 Soles per Nacht einquartiert. Gleich im Hof der nicht ungemütlich aber auch nicht besonders gepflegt wirkenden Anlage trafen wir auf das unverwechselbare Rad von Marc. Der hatte hier also auch eine Bleibe gefunden.

    Hier noch die heutige Route.

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    Gruß
    Guido
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Dezember 2017
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  27. zweiheimischer

    zweiheimischer gib dir die kugel

    Dabei seit
    05/2011
    danke für die erleichterung des büroalltages :)
    tolle unternehmung, ich hadere schon seit jahren, mal mit bike peru abzugrasen.

    du meine güte, ists doch schon 15 bzw 17 jahre her, dass ich als student jeweils volle 3 monate in peru war zum bergsteigen und wandern. damals sind wir stundenlang durch die städte gelatscht, um die billigste absteige und günstigste fressbude zu finden. tja, zeit hatten wir, aber geld keines. wennst drei monate zeit hast sind auch unpässlichkeiten wie sch*erei egal.

    was mich am meisten fasziniert hat, waren nicht die hohen berge, die uns gelungen sind, es waren vielmehr die absolut einsamen nächte zu zweit im zelt bei unseren vom mainstream abweichenden trekkingtouren.

    zum biken: ich hätte (wenn ich mich so zurückerinnere) vorm zwar meist nur marginal, aber doch vorhandenen verkehr angst, vor allem wenn ich sehe wieviel mittlerweile asphaltiert ist... und vor den hunden, ich würd schienbeinprotektoren verkehrt rum rauftun :D.
    drei jahre versuch ich nun schon, frau und kumpels und auch mich selber von peru zu überzeugen, patrizia war ja auch mit damals und mag zwar land, aber leute nicht so sehr, die kumpels sind auch nicht leicht zu überrreden und auch ich hab so meine zweifel (zu wenig zeit, weil 5 wochen brauchst schon für die gröberen sachen wegen akkli und ansch*; logistik; fladerantentum etc).
    uns würden ja eher die bergwege zu den basecamps und vielleicht noch etwas drüber (hehe, da hätt ich schon ideen) reizen; zb der zustieg zum lager unterm nevado copa müsst ein traumtrail sein; oder vielleicht gar den (nicht hierhergehörigen) salcantaytrek mit verlängerung bis quillabamba, und und und... - ein jahr würd nicht reichen, malefiz!

    zu den hunden: tollwut seids eh geimpft, nehm ich an. ich hab seinerzeit sicher zwei tollwütige gesehen, einen in cabanoconde (colca canyon, ja, dort runterstechen und das bike vom esel rauftragen lassen!), der schäumend, zitternd und röchelnd in einer ecke seine letzten stunden abspulte. und sepsis würd ich auch in betracht ziehen...

    also, euch beiden noch viele schöne erlebnisse, xund bleiben/werden und ich freu mich auf weitere beiträge!
     
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