Solo AX 2( von Mailand zum Bodensee, also Süd nach Nord)

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Servus Leute,

Letztes Jahr habt ihr mich dankenswerterweiße schon arg unterstützt bei meiner Streckenplanung, damals noch klassisch von Garmisch zum Gardasee.

Dieses Jahr hatte ich eigentlich nicht vor, über die Alpen zu radln, da ich viel anderes um die Ohren hatte und ziemlich untrainiert bin. Die längste Tour war bei mir zuhause im Steigerwald und die war auch eher lasch. Jetzt hat es sich aber so ergeben, dass ich am 31. August am Bodensee sein "muss" und da hab ich mir gedacht: Mensch, da fährstde halt mal andersrum über die Alpen, also von Süd nach Nord!
Dann hab ich mich an den PC geklemmt und nach ner Strecke für Weicheier gesucht und rausgekommen an Tour ist jetzt folgendes :D

Zu mir: Ich fahre nach wie vor ein CUBE AMS (125), lieber längere Touren als die brutalen Strecken. Maximal bin ich bislang 1.900 HM am Tag gefahren. Ich kann meinen Dämpfer hinten nicht richtig einstellen, drum geht bergauf halt ordentlich Energie in den Dämpfer ;) Von der Schwierigkeit am liebsten Flowtrails, bzw. bis S2, alles darüber fühle ich mich nicht mehr so wohl bzw. würde lieber absteigen. Vor allem da ich meist alleine fahre.

Tag 1: Gaaanz gemütlich einradln von Mailand nach Colico am Comer See: 65 km Strecke und quasi keine Höhenmeter, dafür immer die Alpen im Blick.
Tag 2: Colico nach Campodolcino über Via Spluga am Splügenpass: Auch dieser Tag sehr ruhig mit nur 1.000 HM und 45 km Strecke. Es gibt östlich am Lago di Mezzola den "Tracciolino". Das ist wohl eine Alte Lohre/Bahnschniene/Bergwerksweg, mit vielen in den Fels gehauenen Tunneln. Sieht spitze aus und ich würde dort gerne fahren, aber ich befürchte das wird mir dann zu viel, da ich für den Trail erstmal 600 HM überwinden müsste. Ist den jemand von euch schon gefahren?
Tag 3: Campodolcino über Via Spluga nach Thusis. Immerhin 1.400 HM und 45 km Strecke.
Tag 4: Thusis über den Kunkelspass nach Bad Ragaz. Dabei möchte ich bis Bonaduz den Präzer Höhi, also nicht unten im Hinterrheintal fahren. Dann kurz runter ins Tal und rauf auf den Kunkelspass. Ca. 55 km und 1.700 HM. Mal schauen wie das so klappt...
Tag 5: Bad Ragaz übers Mattajoch nach Frastanz. Den ersten Teil der Strecke bis Triesen bleibe ich im Rheintal, dann gehts rauf übers Mattajoch. 45 km und 1.500 HM. Die Alternative wäre das Schweizer Tor weiter im Süden, dann hats aber wieder 300 HM mehr und ne längere Strecke. Schaun wir mal wie fit ich bin.
Tag 6: Frastanz über Emser Hütte und Ebis nach Bregenz und von dort die Fähre nach Friedrichshafen, wo ich am Freitag Abend sein "muss". 85 km und 1.600 HM

Insgesamt also ca. 350 km Strecke und 7.600 HM in 6 Tagen.

Allgemeine Fragen, die ich hätte:
  • Lohnt sich der "Tracciolino", also die alten Bergwerksstrecken? Kann man da evtl. mit nem Bus hochfahren?
  • Splügenpass, Hoch- und runterfahren auf dem Wanderweg, geht das? Oder wie wäre es am besten? Speziell die Abfahrt runter nach Splügen. Wie gesagt, mehr als S2 brauche ich nicht, aber kurze Tragestellen sind für mich o.k. sollte dann aber wirklich nicht all zuviel sein.
  • Der Bergrücken vor Bad Ragaz, also der Präzer Höhi, der Anstieg von Süden bzw. von Osten würde ja über die Straße sein, wie ist die Abfahrt (in meinem Fall nach Norden) so?
  • Schweizer Tor als Übergang von der Schweiz nach Österreich ist wohl etwas anspruchsvoller aber laut meinem Kenntnisstand auch deutlich schöner, sehr ihr das auch so?

Danke euch schonmal!
Ich freue mich schon! Muss nur das Wetter mitspielen!!!!!
Grüße, Ötsch
 
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zum Tracciolino kann ich dir folgendes sagen: wenn du Zeit hast, lohnt sich die Befahrung auf alle Fälle, weil die Strecke schon ziemlich einmalig ist. Die Tour ist etwa eine Tagestour, obwohl nur ca. 35 km und 1.000 hm. Insofern kein Problem, die 600 hm hoch von Verceia bis wo der tracciolino abgeht. Bus gibts da keinen- steile Piste (halb Teer, halb Schotter).Fahre nicht am Wochenende- immer viel Betrieb.
Es gibt folgende Möglichkeiten: tracciolino fahren, also Bergwerksstraße und dann in Codera Mittagspause machen. Dieses Dorf ist nur zu Fuß oder bike zu erreichen. Ich finde es super schön dort. Den Wanderweg schiebst du runter + rauf etwa 30-40 min.

Die meisten fahren danach denselben Weg wieder zurück. Man kann die Auffahrtspiste schnell runter oder einen trail- der ist aber recht schwer, steil und geröllig- ausser du hast ein Enduro.

Du kannst auch von Codera weiter das Tal hoch, ca. 400 hm, steile Piste. In dem wunderschönen Hochtal sind 2 Hütten. Dann ist aber endgültig Schluss mit dem bike und du musst wieder zurück.

Will man nicht den tracciolino zurück, könnte man von Codera noch eine "mulattiera" wieder zurück nach Verceia. Ist aber der Großteil zu schieben, ca. 1h- 1.5 h. Habe ich jetzt nur so in Erinnerung.

Ich hoffe, ich konnte dir zumindest ein wenig helfen.

SG
 
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Via Spluga am Splügenpass kenne ich nur das Stück vom Splügensee runter zu einer Alm. Ist zwar wunderschön, aber größtenteils nicht fahrbar. Aufwärts somit auch nicht anders. Wie es runter nach Splügen aussieht, weiß ich nicht.
Das Thema hatten wir schon mal, weil ich das als Alternative zum Straßenpass bei unserer Tessin 2 Tour auch machen wollte. Ist also ein zeitintensives Unterfangen.

SG
 
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Okay danke dir @p100473! Scheinbar überquert der Wanderweg mehrmals die Straße oder verläuft zumindest nahe dran. Da kann ich ja mal ein Abstecher rüber machen und schauen wie unfahrbar das ist.

Übrigens ist mein altes Radl leider letzte Woche einem Totalschaden erlegen, ich habe jetzt kurzerhand ein CUBE Stereo gekauft, das bin ich aber bislang kaum gefahren. Ich bin gespannt wie ich damit zurecht komme ;)

Wetter schaut super aus für die nächste Woche, ich freu mich schon :love:
 
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Servus Leute!

Auch diesmal bin ich gut durchgekommen, hatte einen Tag schweinekalt und viel Regen, aber sonst tiptop!! 8-)
Ich musste ja kurz vor dem Start noch ein neues bike kaufen, da es das alte wirklich hinter sich hatte :p

Nach einem relaxten Tag in Mailand bin ich dann am Folgetag ganz gemächlich in Richtung Comer See geradelt (Lecco) und von dort das letzte Stück mim Zug nach Colico. Die italienische Bahn ist übrigens deutlich entspannter als die Deutsche Bahn...

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Am nächsten Morgen gings dann frühs weiter entlang des Comer Sees, also noch ca. 25 Kilometer flach, um dann ab Chiavenna den Aufstieg des Splügenpasses zu beginnen. Meine Frage, ob man die Via Spluga auch bergauf fahren kann, hatte sich dann relativ schnell erledigt... geht nicht :hüpf: Also es gab immer wieder Abschnitte, die man fahren konnte, aber ich würde den Weg meist als S3 einstufen....gibt es irgendjemanden der so etwas bergauf (Ohne "e") fahren kann?? Und wenn, dann vielleicht mal 20 Höhenmeter, aber sicher nicht stundenlang.
Naja, ich hab dann auf die Straße gewechselt, die war auch nicht besonders stark befahren und habe mich dort hochgearbeitet. Steigung war ideal, so dass ich die 1000 Höhenmeter bis Campodolcino nach nur 1,5 Stunden Fahrzeit schon absolviert hatte. Eigentlich wollte ich dort ja schon aufhören, ich war dann aber noch so fit, dass ich auf jeden Fall noch bis Madesimo weiter wollt, also nochmal 500 hm. Nach einer guten Stärkung Mittags in Campodolcino und der Frage bei der Tourinstinfo nach Schlafmöglichkeiten bin ich dann also weiter hochwärts. Die Straße selber war total abgefahren mit irre vielen Tunnels und Gallerien. War echt geil!! Bin dann weiter oben nochmals auf einen sehr verlockend aussehenden Weg abgebogen, der sich dann aber als 30 Minuten Tragepassage herausgestellt hat, auch weil es brutal matschig war.
Dann in Madesimo angekommen hatte ich immer noch nicht genug - vor allem wollte ich irgendwo mit Aussicht schlafen - so dass ich noch bis zu einem Refugio auf der Hochebene westlich von Madesimo auf 1.800 mNN hoch bin. Dort wurde es dann seeehr steil und ich hatte mir meinen ersten Platten gefahren. Den letzten Kilometer zur Refugio musste ich dann schieben, wo ich mein Rad dann repariert habe. Insgesamt ein wunderschöner Tag mit einem krönenden Abschluss auf dem Rifugio Mai Tardi. Super nette Leute da, super essen, sehr hilfsbereit. Kann ich nur empfehlen!

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Am nächsten Tag stand dann an, einen Expresso in Spluga zu trinken und versuchen die Via Spluga bergab zu fahren, so weit wie es geht, um dann in Thusis Endstation für den Tag zu machen. Bis Splügen hats super Spaß gemacht, danach gabs nur nen asphaltierten Radweg für die nächsten Kilometer zu fahren, mal im Wechsel mit Bundesstraßen, mal im Wechsel mit dem alten Wanderweg, der aber direkt an der Straße gebaut war. Wenn es steiler war, leider (für mich) zu viele hohe Stufen und Hindernisse. Insgesamt hatte ich gehofft, mehr Trails fahren zu können, vor allem Andeer bis Thusis.

Habe dann dafür bei der Viamala Schlucht noch mal nen Stop eingelegt und mir die beeindruckenden Spuren des Hinterrheins angeschaut und wie tief er sich schon durch die Schlucht gefressen hat.

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Von Thusis aus habe ich mich dann nochmals links den Berg hoch nach "Präz" gefahren, auf einer hässlich Steilen Rampe, da in Thusis kein Zimmer mehr frei war... Den letzten Teil der Fahrt hätte man sich sparen können, das war nix ;)


Am nächsten Tag gings dann den sogenanten "Heinzenberggrat" hinauf, vorbei an Milchkuhweiden und richtig geile S1 trails wieder runter nach Tamins, also den Ort, wo Vorder- und Hinterrhein zusammenfließen. Das waren mit die geilsten Abfahrten, die ich bislang gemacht habe! Dafür war der Kunkelspass bergauf gleich nochmal gefühlt dreimal so steil als die Plagerei am Vortag, so dass ich hier, ohne zu übertreiben, sicher 2 Stunden am Stück den dämlichen Pass hochgeschoben habe. Steigungen >15% waren das teilweise. Oben am Kunkelspass dann mit Hüttenspeck gestärkt und plötzlich macht die Welt wieder Spaß! Es ging auf herrlichen Flowtrails entlang von kleinen Bächen und Flüssen immer weiter bergab bis zur Thaminaschlucht. Die ist eigentlich für Radler gesperrt (für Busse aber nicht!), aber so ein Schild kann man schnell mal übersehen, und so hatte ich noch das Vergnügen diese wunderschöne Schlucht als Ausklang meines Tages bis nach Bad Ragaz zu genießen! Genauer gesagt Maienfeld, also da, wo Heidi herkommt. Das wusste ich davor auch nicht

Hier die Bilder:



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Am nächsten Tag hatte mir das Wetter wohl aufs Gemüt geschlagen und zu dem Regenwetter hatte ich extrem schwere Beine, aber habs dann irgendwie doch alles geschafft und bin an diesem Tag durch Liechtenstein und übers Matterjoch gefahren, nach Frastanz im Vorarlberg. Teilweise noch krassere Steigungen als am Vortag


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An meinem letzen Tag gings dann von Frastanz auf den "Schönen Mann", den Hausberg vor Dornbirn am Bodensee, die Strecken waren viel auf Schotter und Asphalt, aber auch das allermeiste fahrbar. Belohnt wurde ich mit herrlicher Sicht vom "Breitenberg" (kleiner Bruder unterhalb des Schönen Mann) auf den Bodensee und auf einige schweizer Berge. Hierbei hatte ich noch Glück, da einige Wanderwege offiziell gesperrt waren (auch durch Schranken und Zäune) aufgrund von Felssturzgefahr. Ich weiß nicht wie gefährlich es war dort langzufahren, aber es ging schon ordentlich steil seitlich runter :D Und wäre der Weg unterwegs gesperrt gewesen, hätte ich die komplette Strecke wieder zurück gemusst.
Aber hat ja alles geklappt, das Wetter war wieder super, die Laune auch und so war es auch in Ordnung ab Bregenz dann "nur" noch entlang des Bodensee-Radwegs zu fahren. Dieser letzte Tag hatte auch insgesamt 90 Kilometer, und dementsprechend lange war ich dann auch unterwegs.

Schee wars!


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Viele Grüße aus Unterfranken und hoffentlich mit nem neuen Tourbericht 2020 :)
 

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