Vom „Mountainbiken“ im Baltikum und anderen Extremsportarten – Ein Urlaubsbericht

trillian

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Extrem war schon unsere Abreise. Am Vortag hatte Portugal im WM-Finale verloren. Vielleicht war das einer der Gründe, warum S. (mit 3/8 im Tee nicht gerade trefflich vorbereitet für eine lange Autotour) mich viel zu spät abholte. Räder, Zubehör, Campingzeug, Sack und Pack und SchnickSchnack zu verstauen dauerte Stunden - unsere 1.Etappe auch. Ich setzte mich also hinters Steuer und um S.`s Gestöhne und Gewimmer auszublenden, legte ich erst mal die Ärzte ein (RocknRollRealschule – genial). Unsere Urlaubsmusik! Wir hatten Spaß und wollten nach Pärnu!

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Pärnu ist in Estland und war am 17./ 18.Juli der Austragungsort der Gummistiefelweitwerfenweltmeisterschaft 2004 - unser Ziel! Sabine als aktives Mitglied im Verein „Gib Gummi 03“ wurde zusammen mit ihrem und anderen dt. Vereinen zur WM eingeladen. Und so machten wir uns auf den Weg. Ich als ihr Groupi.

12 Tage hatten wir für unsere Anreise Zeit. Unser Plan: 1 Tag Autofahren um vorwärts zu kommen, 1 Tag Radfahren um die Gegend zu erkunden. Mountainbiken im Baltikum können wir nur empfehlen. Ja, okay, ein Einwand an dieser Stelle ist euch gestattet. Estland ist zwar mit 384m der „bergigste“ der baltischen Staaten (Litauen: 214m, Lettland: 248m), aber eben auch nicht wirklich hoch zu nennen. Dennoch: Die Länder sind wunderschön. Es gibt Wälder, Felder, Wiesen ohne Ende, tolle Trails, saftige Hügel und sogar ein Skigebiet, das wir natürlich besuchten. Und das Beste: Es ist keiner weiter da. Von Tourismus kaum eine Spur. Wir sind immer aufgefallen. Es gab vielleicht zur gleichen Zeit noch 10 andere sportliche Radfahrer, aber die brausten meist mit Rennrad auf den einsamen Straßen lang.
Aber all das sahen wir ja erst später. . .

Erstmal ging es nach Polen. Waren wir vorher beide noch nie.
Vollgepackt mit abstrusen Vorurteilen, geschürt von unseren Eltern ( Frage: „Woran sieht man, dass die Polen im All waren?? Antwort: Der große und der kleine Wagen sind weg.“) , wollten wir das Auto mit all unsrem Hab und Gut nicht verlassen, um Diebeshänden nicht freie Bahn zu geben. Doch irgendwann ließ es sich nicht vermeiden und in Kolberg (Kołobrzeg) parkten wir in der belebtesten Einkaufspassage ein. Entspannen konnten wir uns nicht wirklich als wir unsere ersten Zlotis abholten und einen Blick entlang der Strandpromenade warfen. Zum Glück war der Ort nicht nach unserem Geschmack (dicke, fette Touris überall – wir waren noch zu nah hinter der dt. Grenze), also liefen wir mit beschleunigtem Tempo zum Auto zurück, atmeten tief durch, dass wir es wieder hatten und machten uns davon. In Darłowo (für eine perfekte Aussprache: “ł“ spricht sich wie das w in wimbledon – keine Ahnung wie das klingen soll...) machten wir Abendbrotstopp. Die Rügenwalder Teewurst kommt aus diesem Ort, aber wir entschieden uns für Fisch. Schließlich waren wir am Meer. Wir fanden ein schmuckes Restaurant, eins der schönsten am Platz und freuten uns auf das erste Essen im Ausland.


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Wir waren entsetzt! Fetttriefende Flunder auf Pappteller mit Plastebesteck. Doch es war ganz lecker...und billig. Ich habe erst hier verstanden, warum so viele Deutsche in Polen das Einkaufsmekka sehen. Wir rechneten 3mal nach, bevor wir glauben konnten, dass der Kellner sich nicht zu unsren Gunsten verrechnet hatte.

Nach 500km und gefühlten 20.000 h auf der Straße erreichten wir endlich unser 1.Etappenurlaubsziel, Łeba, im Slowinski-Nationalpark. Weite Dünenlandschaft, Wälder und Seen erwarteten uns. Aber erst mal sahen wir davon nix. Stattdessen Tausende von Markt- und Imbissbuden, umschwirrt von Millionen Touristen. Man spricht deutsch. Łeba hat 4000 Einwohner - im Sommer ist das 10-fache an Touristen vor Ort. Es gibt einen Kanal zum Meer, in dem viele schöne Restaurantboote liegen, dahinter fängt der alte Fischerhafen an und der ganze Ort ist gleich viel schöner. All das entdeckten wir auf der Suche nach einem gut gelegenem Campingplatz. Luftlinie 500m zum Meer fanden wir ihn. Der Name Marco Polo schien uns perfekt für unser 1. Nachtquartier. Mittlerweile war es 23 Uhr. Wir bauten schnell das Zelt auf, rollten die Schlafsäcke aus und kuschelten uns warm ein. Nicht bevor wir uns nochmals versichert hatten, das Auto von allen Seiten abgeschlossen zu haben. Man weiß ja nie...

1.Tagebucheintrag 6.7. Łeba

Kaffeeduft weckt mich. S. hat wie versprochen einen perfekten Café Latte gezaubert. Den soll ich den ganzen Urlaub über bekommen, wenn ich als Gegenleistung immer früh aufstehe. Es ist 9 Uhr. Mehr konnte ich nicht aushandeln. Die Sonne scheint. 3-Wetter-Taft haben wir zu Hause gelassen. Zum Frühstück gibt’s polnische Erdbeeren und Heidelbeeren. Neben Prostituierten werden sie alle paar Meter entlang der Landstraßen angeboten. Sehr preiswert. Die Beeren.

Wir schwangen uns auf die Räder (das Auto wurde nicht aufgebrochen, alles war noch da) und starteten unsere 1.Tour. Die Budenstraße führte uns raus aus dem Ort, die 1. Möglichkeit nutzten wir und tauchten ab in den Wald. Hügelpiste, saftiger Moosboden, Schlenker – Wurzel – Singletrail. Was für ein Anfang. Leider blieb es auch dabei, nach wenigen 100m waren wir schon wieder auf der Landstraße. 2km weiter der Eingang zum Park. Zu den Eingangseintrittskarten bekamen wir auch gleich den Wegeplan aufgeschwatzt. Das war gut! Zusammen mit Scharen von Ferienlagerkindern zu Fuß, per Rad oder auf Pferdekutschen machten wir uns auf den Weg zur Wanderdüne. Wir hatten uns einen Rundkurs durch den Park ausgesucht, aber mit diesen Massen von Menschen hatten wir nicht gerechnet. Also verließen wir schnell den Hauptpfad und hier begann schon das Elend. Zuckersand...
Der Waldweg war schnell nur noch ein Sandweg, wir waren bereits in den Dünen, der Weg führte direkt ans Meer. Die Alternative fiel aus, den Massenstrompfad wollten wir meiden. So fuhren wir am Strand lang und hatten einen Heidenspaß. Der Wind pfiff von vorne, wir traten ins Eisen und pflügten den aufgeweichten Sand. So hatten wir uns unsere 1. Tour nicht vorgestellt, aber es war ein schönes Erlebnis. 2km hielten wir durch, dann machten wir schlapp und benutzten wie allen anderen die Waldautobahn zur Düne.

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Mit 40m ist sie zweitgrößte Wanderdüne und unbedingt einen Besuch wert!!

Den Slowinski - Nationalpark haben wir dann erst mal verlassen, es war uns zu voll, aber ausgelastet waren wir auch noch nicht. Den Skarb-See, ganz in der Nähe, wollten wir noch umrunden. Schnell mal so. Halt noch ein wenig gemütlich fahren. Auf der Karte sah er ganz klein aus. Der Weg schien leicht zu finden zu sein.

Aber allein unsere Durchschnittsgeschwindigkeit spricht Bände: 13,49 km/h.
50 km brauchten wir für die Umrundung, über die Hälfte davon versuchten wir den Weg um den See bzw. einfach wieder nach Hause zu finden. Den auf der Karte eingezeichneten Pfad gab es in der Wirklichkeit nur zu Hälfte. Dort war er sogar perfekt beschriftet. Ein kleines weißes an Bäume gemaltes Fahrrad wies uns den Weg. Vorerst.
Der langgezogene Skarbsee liegt rechts vom Slowinski-Nationalpark, neben 2 weiteren Seen. Rundherum nur Wald und an der nördlichen Seite grenzt hinter den Dünen das Meer. Perfekt, dachten wir uns. Schöne Landschaft und keiner da! Wir fuhren los, Łeba ließen wir hinter uns. Einige Kilometer führte uns der weg direkt am Ufer lang. Breite Schilfgürtel mit Entenfamilien und Mücken säumten unseren Weg.Lediglich eine Familie auf Rad trafen bzw. überholten wir. Niemand sonst war hier weit und breit zu sehen. Schon kurze Zeit später sorgten wir uns um Mama, Papa, Kind und fragten uns, wie weit sie wohl noch kommen wollen. Der nächste Abzweig führte direkt in einen schmalen Pfad, mit Brennesseln gespickt, von Pferden zertrampelt. Wir rüttelten dahin. Die Familie sahen wir nie wieder. Wir rüttelten durchs Unterholz, über Feld und Wiese. Die Motivation war schon fast aus uns herausgeschüttelt als sich endlich ein großer, breiter Waldweg vor uns auftat und uns den weg zum Leuchtturm wies. Soweit die Karte. Den Leuchtturm, der auch die Hälfte der Tour kennzeichnete, fanden wir. Es galt nur noch einen knackigen Anstieg zu bewältigen, bei dem uns nicht nur zuschauende Wanderer nervten. Wurzeln und Sand brachten uns zum Kochen. Ein wunderschöner Ausblick entschädigte uns fürs erste. Unter uns lagen die Waldseen, die Dünen und soweit die Augen schauen konnten, glitzerte die grüne Ostsee. Nur einen Weg konnte man von oben nicht erkennen, von unten allerdings auch nicht. Die Karte ließ uns auch im Stich. Es gab diesen Rundweg nicht. So fuhren wir erst mal geradeaus weiter. Wir versuchten uns nach Bauch und Sonne zu richten und landeten prompt in den Dünen. Das Fahrradwegezeichen war natürlich nicht mehr zu finden. Alternative Wege auch nicht, also folgten wir vorerst der einzigen Möglichkeit. Wir quälten uns durch den Sand. Links von uns irgendwo der Sand, rechts von uns irgendwo das Meer – wir mittendrin im lieblichen Kiefernwäldchen mit weichen Dünensand! Jeder weiße Fleck auf dem Weg ließ uns aufstöhnen. „Schon wieder Zuckersand...“ Irgendwann war alles weiß. Wir strampelten, strauchelten und kämpften uns kilometerweit im kleinsten Gang vorwärts. Ab und zu fielen wir um. Einfach so. Plumps. Immer öfter waren wir kurz davor einfach liegenzubleiben. S-Punkt beschwerte sich darüber dass es hier so gar keine Belohnung gibt. In den Bergen kommt nach jedem Anstieg wenigstens eine Abfahrt. Aber hier rollte einfach nix! Gegenseitig machten wir uns Mut. Doch wir hatten absolut keine Lust mehr. Wir verfluchten den Sand, diese Tour und uns und unsere Idee hier, ausgerechnet hier Fahrradfahren zu wollen. Warum lagen alle und nur wir nicht am Strand???
Mittlerweile saß uns sogar die Zeit im Nacken, es wurde langsam Abend. Jede Weggabelung war ein Hoffnungsschimmer, ein Lichtblick, eine Chance auf Verbesserung unserer Situation. Doch es wurde nur noch schlimmer. Das bisschen verbliebener fahrbarer Weg war hier wieder von Pferden zertrampelt. Ich verfluchte nun auch diese. Auch führte uns der Weg wieder zurück. Der Leuchtturm lag wieder vor uns. Heul!! Also umgedreht, zurückgekeucht, nächster Versuch...
Von S-Punkt hörte ich schon lange nix mehr. Ihr Blick brachte mich zum Schweigen. Ich hielt also lieber meinen Mund, baute meinen Vorsprung aus und brachte mich somit in Sicherheit vor ihrem Zorn. Ab und zu sammelte ich sie aus einem der Sandlöcher auf.


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Die Schönheit und Ruhe der Natur um uns rum interessierte uns schon seit Stunden nicht mehr. Wir wollten nach Hause. Hatten Hunger und Durst. Riegel und Wasser waren schon lange aufgebraucht - unsere Kräfte auch...

Doch irgendwann war es geschafft. Es war 21 Uhr und wir hatten überlebt. Ein neuer Weg, ein guter Weg öffnete sich vor uns. Wir sahen ein kleines, weißes Fahrrad an den Baum gemalt und wenig später hörten wir Stimmen. Zivilisation - wir kommen! Wir zogen in Łeba ein. Der Anblick des Budenzaubers mit Millionen von Touristen machte uns glücklich. Wir stürzten im Affenzahn, mit den letzten mobilisierbar gemachten Kräften ins erstbeste Restaurant.
Fazit dieser Tour: „Kurz mal so“ und „einfach mal schnell“ ist nicht und Brandenburgs Zuckersand kann kommen – wir sind trainiert!!

In unserer 2. Nacht in Polen schlief ich besonders gut. S-Punkt auch. Nachti!

eure trilli
 
Z

ZZZZZorro

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Hehe, na ihr machts ja Sachen. Klasse Bericht und tolles Unternehmen! Bin schon auf weitere Kapitel aus euerm Reisetagebuch gespannt. Die "Gib Gummi 03" Sendungen hab auch ich im Radio verfolgt. Is ne dufte Sache. Obwohl mir der Name der Frankfurter Gummistiefelwerfer "Gustiweiwuff" besser gefiel. Aber das sei nur mal so angemerkt.

Grüßle aus Neubrandenburg
 

Rookie de Lux

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Hi Trilli!

Du setzt ja wieder Maßstäbe in der Reiseberichterstattung, dass man selber bei jedem zukünftigen geschriebenem Wort dreimal statt zweimal formulieren muß!!!!

Sehr schön! Ich bin gespannt auf die weiteren Zeilen!

Viele Grüße Rookie
 
M

Menis

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astrein!

schön zu hören, dass nicht nur wir brandenburger mit endlosen sandpisten gesegnet sind. der vorfreude der vorredner auf weitere reisedetails möchte ich mich gern anschliessen.

grüsst uns die heimat - immerhin liegen hustens und meine wurzeln in estland... menis
 
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In Anbetracht eurer Urlaubs-CD fällt mir da nur ein:
"Is ja irre" der Urlaub war bestimmt nicht
"Langweilig" und gen Osten zu fahren muß die
"Monsterparty" sein, aber
"Mit dem Schwert nach Polen, warum René?"
"Westerland" war wohl zu teuer? Also
"Bitte bitte" ich will mehr lesen!!!! :daumen:

"Der Graf" äh Ritzelflitzer
 

eL

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hallo trili und S.
schöner bericht von euren heldentaten im wilden Osten.Ich hoffe doch das ihr einen aussenposten am östlichsten zipfel den ihr bereist habt errichtet habt.
achja das mit dem umfallen.... einfachso... plums.... das ist garnicht so schlimm...... darann gewöhnt man sich... glaub mir ;)

grüße eL
 

S-Punkt

ESK
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Okay, bin so weit....

Wir hatten die die Masuren erreicht. Die Fahrt war mal wieder hoch spannend. Ich lernte polnische Vokabeln, wie z.B. Mrzyesch o.s.ä..., Trilli passte sich dem polnischen Fahrstil an und riskierte unser Leben bei spektakulärsten Überholmanövern. Wir legten "Die Ärzte" ein, sangen lauthals mit und zwischendurch ließen wir die gestrige Tour Revue passieren. Wie immer, waren wir im Nachhinein doch sehr begeistert. Die wunderschönen, dichten Kiefernwälder, mit Blaubeeren übersät, sind doch schon sehr beeindruckend. Trilli freute sich über die Birkenwäldchen, die sie an ihre russische Vergangenheit erinnerten.

2. Tagebucheintrag, 7.Juli, Wierzbiny in den Masuren

Die Landschaft der Masuren ist ein Traum. Dichte Wälder, endlose Felder und Wiesen: Kornblumen, Mohn, Raps, Kamille und viele andere Blumen, gespickt mit Getreide. Wir waren hin und weg. Und dann all die Seen... Ein See reiht sich an den anderen.

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Wir suchten unser Ziel für die Nacht aus und steuerten es an.
Gefunden! Der Ort heißt Wierzbiny, besteht aus ca. 15 Häusern und wir fanden einen kleinen Zeltplatz direkt am See. Wir wurden auch gleich mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang empfangen.

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Der Nachteil an diesem Zeltstandort waren einfach diese Mördermücken. Aber wir haben Autan erprobt und es für "sehr gut" empfunden.
Ein lecker Bierchen auf dem Steg, bißchen träumen, in den Himmel starren, die Milchstraße entdecken (Trilli hat mir das nicht geglaubt) und dann ab ins Zelt.
Am nächsten Morgen sollte es endlich mit dem Rad losgehen.

Endlich war es 8 Uhr und ich konnte aufspringen. Abwaschen, mich waschen, Cafe kochen, Trilli wecken, polnische Vokaben lernen, damit ich akzentfrei unser Frühstück besorgen konnte - es klappte hervoragend. (vor dem richtigen Aufstehen, konnten wir noch einen Sonnenaufgang bewundern, um 4 Uhr).

Nun sollte es losgehen, aber Trilli wollte noch ein wenig rumgammeln und ich hatte Probleme mit dem Stillsitzen. So schickte Sie mich alleine los(hmmm, wer wohl glücklicher war, ich - dass ich mich endlich bewegen konnte oder Trilli - dass Sie ENDLICH Ihre Ruhe hatte ???)

Es sollte mal wieder eine Seeumrundung werden, unser Zeltplatzsee lud geradezu dazu ein. Doch diese war in einer halben Stunde erledigt und ich war in keinster Weise ausgelastet, noch nicht mal warm gefahren ;-) , also ging es nochmal ins Feld. Die ersten Hindernisse kamen--Sackgassen, Gartenkolonien, Wiesen mit vielen Kühen drauf (ich wußte nicht, ob die Kühe rothaarige Mädels in roter Kleidung mögen und wollte es nicht ausprobieren)und Schilder, auf denen hingewiesen wurde, das es strengsten verboten ist, dieses Gebiet zu betreten, da Militärzone.
Endlich fand ich einen Weg, der mich Richtung Wald führte und der schilderlos war. Ich begegnete auch einigen einheimischen, wilden Tieren.

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Ich fuhr mit großer Freude weiter, doch langsam kam mir diese Gegend doch ein wenig komisch vor. Als ich dann vor einer Aussichtsplattform stand und Hinweisschilder für die Soldaten las, wußte ich: hier bin ich falsch. Ich drehte schnell um und wollte schnell wieder raus, doch das verlangte wieder großen Einsatz. Da ich nun auf Nummer sicher gehen wollte, nahm ich die großen Wege, doch diese waren von den Panzern so ausgefahren, das es nur Schlammlöcher gab. So ackerte ich mich da durch und der Schlamm spritzte nur so in die Höhe. Aber endlich kam ich wieder auf die Straße und eilte zum Zeltplatz. Trilli empfang mich mit Freude über meine Rückkehr und einem großen Lachen über mein Aussehen.

Jetzt hatte auch sie genug Ruhe gehabt und so starteten wir zusammen in die 2. Runde. Gleiches Spiel: Sackgassen - Militärzonen -- Frust. Wir kehrten um, erreichten einen größeren Weg und konnten endlich mal Gas geben. Natürlich gab es wieder diese Schlammlöcher. Wir ließen uns aber nicht von unserem Tempo abbringen, doch plötzlich hörte ich ein gequältes...." Saaabiiine".....Ich drehte mich um und sah Trilli in einer riesigen Schlammpfütze liegen. MITTENDRIN. Ich brach vor Lachen fast zusammen, mußte mich zusammennehmen und schnell hineilen. Sie war mit der Pedale hängen geblieben und das hatte leider zur Folge, das sie ein Schlammbad nahm...Von Kopf bis Fuß nass und in Schlamm gekleidet...
Doch sie war sooo tapfer, stieg wieder auf und wir fuhren weiter. Kein Jammern, kein Klagen, kein Heulen - trotz Verletzung am Arm - ein echtes Eisenschwein halt!

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Okay, sauber sehen wir beide nicht gerade aus

Wir fuhren ein wenig durch die Wälder, jagten Blaubeeren, die wir sofort verspeisten und gelangten in ein entzückendes, kleines Dorf. Dort mussten wir erst mal vor einem kleinen, bissigen und sehr hartnäckigen Hund fliehen...und der war ganz schön schnell und unser Puls trieb in die Höhe....Puuh, geschafft.
Wir fanden einen kleinen See, eroberten ein Privatgrundstück und hatten das Paradies für uns alleine. Kurzes Reinigen im See und ein kleines Sonnenbad, dann zurück durch kleine, hübsche Dörfer, an Kuhherden vorbei, die gerade zum Melken in die Ställe gebracht wurden. Stop an einem SKLEP ( das sind die landestypischen Tante-Emma-Läden), Einkauf für das Abendmahl und Trilli führte einen kurzen Smalltalk mit den einheimischen, biertrinkenden Männern über Camelbagtechnik - auf polnisch.

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Trilli reinigte die Räder, ich kochte, Trilli rette ihr Handtuch , dass in den See gefallen war (langsam genervt, da sie vorher Stunden damit beschäftigt war, ihre Sachen zu waschen und von dem Schlamm zu befreien). Endlich fertig, endlich entspannen. Der Nachbarcamper ging mit seinem Hund an uns vorbei und wollte fischen gehen, doch der Hund wollte lieber schiffen gehen und tat dieses zielstrebig an Trillis gerade aus dem See geretteten, frisch gewaschenen Handtuch. Ich glaube, sie fand es nicht mehr lustig. An diesem Tag war sie ein wenig vom Pech verfolgt. . . . . .

Doch wieder mal war es ein wundervoller Tag in unserem Urlaub mit kleinen schönen Abenteuern.
Diesen Abend gab es eine Gute Nacht Geschichte von Phillip Granny und Carla Gala Royal. Trilli schlief dabei tief und fest ein und träumte wahrscheinlich von Apfelkompott. Ich freute mich auf den nächsten Tag, denn der sollte uns nach Litauen führen....zur Kurischen Nehrung


Nachti. . . . .


P. S. Ich konnte Griechenland noch nie etwas abgewinnen ;-)
 

Ackebua

Im Winter gibt es Schnee.
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S-Punkt schrieb:
Mir fehlen die Worte ob Eurer, und ich gönne Euch von ganzem Herzen dieses einmalige Erlebnis herrlichster Natur. Mich berührt Euer Tagebuch umso mehr, da der eine Teil meiner ehrenwerten Familie vor geraumer Zeit in diesem von Euch beschriebenen Landstrich beheimatet war.

Mit einer Träne im Auge...
 

SirDogder

Herbstzeitlosensammler
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Frage??? Ist das eine Raupe oder der Schwanz von Eichhörnchen???

:D

Super Bericht!! Und cule Fotos!

Der Gatsch da oben soll sehr gesund sein, Andere müssen für die Moorpackungen noch bezahlen!!

:daumen:
 

Rookie de Lux

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SirDogder schrieb:
Der Gatsch da oben soll sehr gesund sein, Andere müssen für die Moorpackungen noch bezahlen!!

...jetzt erschließt sich mir einiges, warum die Kadermitglieder immer so jugendlich und frisch aussehen !!!
Mein Gott und das ein Bericht hier mit verteilten Schreiberrollen gedichtet wird-ich bin beeindruckt!
Vielleicht sollten mal jemand einführen Berichte in Form von Hörbüchern hier zu posten-also als MP3/AAC, welche dann zum nachfahren just-in-time gehört werden können. Natürlich nur mit einem Hörer, dass andere braucht man ja zum genießen der Natur!



Grüße RdL
 

trillian

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Urlaub und spontan sein ? zwei Dinge, die zusammengehören wie Jacke und Hose, Husten und Menis, Mann und Frau ? na ja, ihr wisst schon, was ich meine. Es ist ja auch nur so, dass wir uns am Morgen entschlossen NICHT zur Kurischen Nehrung zu fahren. Wir überlegten, dort auf dem Rückweg zu halten um mit der Fähre von Klaipeda aus nach Rügen zu dampfen. Sozusagen eine gemütliche Rückfahrt zu haben.

Es ist ein schönes Gefühl keine Nacht zu wissen, wo man die nächste schlafen wird. Gut, das geht auch in Berlin. Klar. Aber ich rede hier von Romantik, von Abenteuern und Lust am Entdecken. Kann das mal jemand kurz Acke erklären?!

Wir machten uns also nach gemütlichem Frühstück und kurzem Kartenstudio auf den Weg nach Paluse im Aukstaitija - Nationalpark, östlich in Litauen gelegen, der älteste Park in diesem Staat.
Ein kurzer Blick genügte bei uns jederzeit, denn wir hatten ADAC - Karten bei. In denen ist ungefähr jeder 20ste Ort nur eingetragen. Man braucht also nicht soviel zu gucken. Hat leider auch Nachteile.

Ich nahm noch schnell meine einigermaßen sauberen Sachen von der Leine, warf sie ins Auto, schmiss S-Punkt hinterher und die Ärzte obendrauf. Ab ging die Post.
Doch dann schälte ich mir erst mal eine Banane...

3. Tagebucheintrag 9.Juli 2004, Paluse

Den ganzen höllenheißen Tag haben wir im Auto gesessen. Eindrücke dieser Tour: Störche, Störche, Störche! Wir haben uns schon längst abgewöhnt noch groß nach ihnen zu gucken. Lässig zeigen wir mit dem Finger drauf und sagen gelangweilt: "Äöh, mmm, schon wieder eener. Brauchst nich gucken."
Anfangs war das natürlich ganz anders. Am ersten Tag vollbrachte ich ständig Vollbremsungen um dieses seltene Tier fotografisch festzuhalten. Storch in Nest auf Hochspannungsmast, Storch in Nest auf Hausgiebel, Storch in Nest auf Schornstein, Storch in Nest auf altem Baum...Da fragt man sich doch wirklich, warum einige Polen StorchinNestaufwasweißich - Attrappen als Werbeschild aufstellen.
2. Eindruck: auch in Litauen scheint niemand Interesse an unserem Auto zu haben. Es war trotz Abstellen auf unbewachtem Parkplatz bei unserer Rückkehr noch da. Soll das alles denn ein Vorurteil sein?? Klauen die im Ostblock doch nicht??
Fragen über Fragen.

Die Grenze haben wir gut überstanden. Die Polen sind eigentlich ganz nett. Die Litauer auch. Nun müssen wir uns wieder an eine neue Währung und eine neue Sprache gewöhnen. Unser Lieblingswort ist `sweiki`, was übersetzt `Hallo` heißt. Das Land ist platt, viel Wiese und Wald, wie überall hier. Die Autobahn teilen wir uns mit Pferdefuhrwerken, Radfahrern und Fußgängern gleichermaßen. Das man hier auch wenden kann, wundert uns nicht. Die Häuser, sagt S-Punkt, sehen aus wie in Skandinavien. Bunt angemalte Holzhütten mit romantisch, verwilderten Vorgärten. Ein Traum. Beschauliche, kleine Holzkirchen zwischendrin. Eine hat sogar Zwiebeltürmchen. Mit den Birkenwäldchen überall erinnert es mich an Russland. Jeder sieht, was er kennt.

Die Sonne knallt unbarmherzig. Ständig füllen wir unsere Wasserflaschen auf, die schon nach kurzem pupsigwarm sind. Das Leitungswasser schmeckt hier scheußlich. Es wird gechlort. Aber noch viel schlimmer ist das kaufbare Wasser. Natrium ohne Ende. Wozu soll das gut sein?? Und weder das eine noch das andere gewinnt an Geschmack, wenn es warm wird. Wir leiden. Der Schweißt läuft. Wir kleben und stinken und mit uns das ganze Auto. Unsere Klimaanlage, das Schiebedach, bringt`s nicht. Die Ärzte umso mehr. Sie halten unsere gute Laune oben. Weeeeeesterrrrrlaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaand! Ja, ein See wäre nicht schlecht.
Aber wie es sich für gute Touris gehört, machen wir Sightseeing und wollen unseren Fuß in Europas Mitte setzten. Mittenrein! Denn der geografische Mittelpunkt Europas soll hier sein - in Litauen.
Laut Reisefüher klingt das sogar richtig spannend. Denn ein Kreuz auf einem Hügel,
welches den Punkt kennzeichnet, ist angeblich gar nicht der richtige. Man muss den Hügel wieder runter, über 2 Stege und nen Bach und 100 m rein in den Wald und was weiß ich noch alles und dort findet sich ein Steinhaufen. Der soll nicht leicht zu finden sein, aber die wahre Mitte darstellen. Wir machen uns auf die Suche. Schon der Parkplatz macht uns stutzig. Ein paar Meter weiter tut sich ein Festplatz mit Stele, Gedenktafel, Appellplatz und Fahnenmasten und allem drum und dran vor uns auf. Der Platz wurde frisch zur EU-Erweiterung am 1.Mai eingeweiht. Daneben sehen wir den Hügel.

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Litauen weiß seinen Mittelpunkt zu behaupten.

Nach 500 km an diesem Tag, die hier im Baltikum doppelt zählen, kommen wir am Abend endlich in Palu?e an. Die letzten Kilometer dorthin waren noch mal ein Fest. Hoch und runter ging es auf schnurgeraden, breiten, autofreien Straßen. Hügellandschaft bis zum Horizont. Quer durch den Nationalpark.
Im Baltikum ist Wildcampen verbreitet, d.h. es gibt Plätze, die für Camper bestimmt sind. Mit Schutzhütten, Bänken und Tischen, Feuerstellen und Plumpsklos. So einen Platz suchten wir uns am See, am Rand des Ortes, im Herzen des Nationalparkes. Mit uns sind noch einige junge Litauer hier und eine Familie aus Potsdam. So müssen wir uns nicht gruseln. Wir springen in den kühlen See und waschen den Staub der Straße von unserer Haut. Mittlerweile ist es Abend geworden.
Auf der anderen Seite sehen wir einen Strand. Es wird erzählt, dass Männer sich von dort tunlichst fernhalten sollen, denn um Mitternacht kommen die Wassernixen heraus und kitzeln jeden zu Tode, den sie fassen bekommen.
Litauen hat viele dieser Geschichten.


4. Tagebucheintrag Paluse, Aukstaitija - Nationalpark

Nackig im See, Kacken im Wald, Käse aufs Brot, Sonne satt - das Leben ist herrlich.

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Wir werfen uns aufs Rad und freuen uns auf diese Tour, die uns durch den Park führen wird. Hier gibt es so viele Seen, dass man sie gar nicht zählen mag. Am Ufer des einen, zwischen den Bäumen, entdecken wir 10m hohe Holzskulpturen, die die Handwerke symbolisieren. Es gibt Wassermühlen, kleine Brücken über die Verbindungskanäle und ab und zu ein Dorf.

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Manche sind so klein, dass sie nur aus 3-4 Häusern bestehen und nicht mal einen Namen tragen. Jeder Einwohner betreibt seine eigene kleine Landwirtschaft, schlurft mit seinem alten Gaul über den Acker, bearbeitet das Stück Wiese neben dem Haus und wird bald das kleine Feld mähen. Im Garten wächst prächtiges Obst und Gemüse. Die Beete sind von bunten Blumen gesäumt. Heile Welt, stille Eintracht.

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Wir pirschen durch den Wald, die meiste Zeit treffen wir auf niemanden.

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Doch einmal liefern wir uns ein Rennen mit der einheimischen Jungsgang. Sie staunen über unsere Räder, wir staunen, wie schnell sie doch mit ihren russischen Singlespeedern sind. Die Meute lassen wir schnell zurück, aber einer hält sich wacker kurz hinter mir. Es macht irren Spaß. Wir pesen durch den Wald, die Abfahrt runter und hängen selbst Sabine ab. Der Junge ist total süß und mit Händen und Füßen erzählen wir irgendwas über uns. Zusammen fahren wir zurück nach Genusiai, dort sind wir im Geschwindigkeitsrausch vorbei gesaust. Seine Freunde stehen schon da und warten. Wir schultern unsere Räder, denn es geht hier 1000 Stufen quer durch den Wald nach oben. Dort stand früher eine Festung, von der heute nix mehr zu sehen ist. Aber ein Stück weiter gibt es einen saftigen Hügel von dem aus man einen atemberaubenden Blick auf die umliegenden Seen hat. Unter dem einzigen, schattenspendenden Baum machen wir uns breit. Pause. Pausenunterhaltung gibt es als ein Reisebus seine Ladung polnische Jugendliche ausschüttet und diese nach 100m Fußweg auf den Hügel erst mal ein Bier aus ihren Plastetüten zaubern. Es ist mittags. Das war uns dann doch zu früh. Flugs machten wir uns auf den Weg. Weiter gings. Im nächsten Dorf entdecken wir einen Brunnen. Ich öffnete den Schacht und ließ den Eimer runtersausen um uns frisches Wasser nach oben zu kurbeln. Doch wir verwöhnten Städter trauten dann der dörflichen Wasserqualität nicht über den Weg. Man muss ja nicht alles probieren. Aber unsere Camelbagwasservorräte gingen zur Neige. Hunger hatten wir auch.
Wir fanden einen kleinen Tante Emma-Laden mit Miniküche,

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parkten unsere Räder und machten uns über die kurze Zeit später servierte Suppe her. Wir mussten doch glatt für beide umgerechnet 1,20 € zahlen. Hier wird man echt arm. Den Rest der Strecke fuhren wir Straße und lieferten uns ein tolles Rennen. Menis Heimat haben wir auf dem Weg entdeckt. Der Wink mit dem Link war nicht zu übersehen.

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Abgehetzt und schon wieder hungrig beschlossen wir im Ort das Restaurant zu plündern. Übrigens soll Paluse der Haupttouristenort hier sein. Davon merkt man nix. Ich frag mich, was die dann hier Nebensaison nennen?? Es gibt hier nicht mal Postkarten. Dafür gute, traditionelle, einheimische Küche. Fetttriefend und ohne Wodka schwer verdaulich. Wir versuchten es mit einem Abendspaziergang. Jesus Christ - hilf uns!

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darkdesigner

***ESK***
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Krankfurt
Ein superschöner Urlaubsbericht von Euch beiden, hoffe meiner wird genauso schön bebildert und interessant sein.

In diesem Sinne sage ich dann mal "Iswikata!"
dd :bier:
 

Maratona

schwarze Äbtissin
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in Norwegen
:daumen: :daumen: Hallo Ihr Zwei
Schöner Bericht macht Spaß zu lesen und noch mehr Lust nachzuvollziehen das wäre doch mal eine ESK-Tour??? oder

Gruß die Große
 
M

Menis

Guest
ach wie schön! trilli - habe mich schon sehr auf die fortsetzung gefreut! ein toller bericht. schön auch, dass ihr linkmenys besucht habt - da scheint ja richtig das leben zu pulsieren... menis
 

SirDogder

Herbstzeitlosensammler
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25. November 2002
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Wolkersdorf
Ich persönlich finde es auch schön, dass ihr endlich in Linkmenys wart... habt ihr das Dromedarfleisch dort gekostet?? Es soll sehr schmackhaft sein, soll so ähnlich wie Regenwurmfleisch schmecken.....

:D

ABER: Was das geografische Zentrum Europas betrifft, da muss ich wiedersprechen: Es befindet sich nämlich in meinem Garten unter dem seligen Marillenbaum!! Gleich hinter dem Dimensionsloch...


Supa Berichte!! Weiter so, Mädels!!
 

S-Punkt

ESK
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Berlin
5. Tagebucheintrag

Jaja, die Spontanität. Schwuppdiwupp, wir änderten erneut unseren Plan und fuhren doch zur Kurischen Nehrung. Auf dem Weg machten wir einen Abstecher zum " Berg der Kreuze ".
Dieser Berg ist ein kleiner Hügel mitten in Litauen, 18 km von Siauliai, ringsherum nichts weiter als Wiese und Wald. Der Berg der Kreuze ist eines der wichtigsten nationalen Denkmäler von Litauen. Dort werden seit vielen Jahrzehnten Kreuze aufgestellt, ein Wallfahrtsort für so viele Menschen mit so vielen Schicksalen und Wünschen. Es hängen dort Millionen von Kreuzen, wirklich zählen kann sie schon lange keiner mehr. Sehr, sehr, sehr beeindruckend.


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Wir erreichten KLaipeda. Mit der Fähre ging es rüber auf die Kurische Nehrung, auf litauisch: Neringa. Wir hatten einen kurzen Smalltalk mit russischen Radwanderern und waren voller Vorfreude auf das Kommende. Unser Ziel war Nida. Schnell wurden die Räder zusammengebaut und los gings zur ersten kleinen Erkundungsfahrt. Wir fanden die ersten asphaltierten Wege die Dünen hoch, diskutierten wo Haff und wo Meer ist, stellten es aber mit dem Ausblick oben fest, waren nun beruhigt und konnten glücklich weiterfahren. Es dämmerte langsam, aber wir wollten unbedingt noch zum Meer und " Hallo " sagen. Es war ja schon weitem zu hören....und nun standen wir auf der Düne und schauten hinab und hinaus auf diese riesigen, großen Wellen !! Es war so laut, das wir uns gar nichts verstehen konnten...und der Blick aufs Meer weckte mal wieder dieses Fernweh.
Der Rückweg zum Zeltplatz ging durch den Wald, mittlerweile war es dunkel geworden und so hatten wir unseren 1. Night-Ride .

Unser eigentlich langersehnter Strand- und Gammeltag endete in einer wieder mal furchtbaren, aber doch sehr lustigen Radtour.
Es fing alles so schön an...

6. Tagebucheintrag Nida, Kurische Nehrung, Litauen

Durch die Zeitverschiebung konnten wir eine Stunde länger schlafen. Lecker Frühstück in der Sonne und Planung des Tages.
Es war sehr windig und wir konnten uns nicht vorstellen den ganzen Tag am Strand zu liegen, zu frieren und an Schnorcheln war ja nun gar nicht zu denken. So entschieden wir uns mit dem Rad loszufahren, Badesachen einzupacken und statt den ganzen Tag am Strand zu verbringen eine lange, ausgiebige Pause am Meer zu machen.

12.30 Uhr Abfahrt. Wir wussten, dass es hier 2 große Wanderdünen gibt. Die wollten wir natürlich erkunden. So lautete Tagesziel Eins: Findet die Dünen.


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Eine Karte für diese Tour hatten wir schnell gefunden.


Da die Kurische Nehrung ein beliebtes Ziel für Naturreisende geworden ist, gab es hier natürlich viele ausgebaute Fahrradwege.
Für uns viel zu normal und so stürzten wir uns schnell in den Wald Richtung Haff. Trilli war voller Elan und spielte Superman ! ( es ist zu einem Lieblingsspiel im Auto geworden. Überholen, Superman, geschafft, Strike ).


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Leider gab es gar nicht so viele fahrbare Nischen , so dass wir immer wieder auf dem Touriradweg landeten. Uns wurde langweilig, ja so langweilig.... Dann erblickten wir einen Berg mit einem steilen Weg nach oben. Jiipppieeeh. Das war unser und wir wurden endlich wieder gefordert. Es gab ein Hinweisschild, das dort Neringas Vater begraben sein sollte. Au fein, wieder eine Aufgabe für uns - findet das Grab ! ( Neringa ist diejenige, die die Kurische Nehrung erschaffen hat. Eine wunderschöne Geschichte, die wir lieber persönlich erzählen werden).
Wir ackerten den Berg hoch, übten Aufsteigen am Hang ( unser Urlaub beinhaltet ein selbst auferlegtes Fahrtechnikseminar ). Tja, leider haben wir es nicht ganz bis oben geschafft, wieder mussten wir das Rad schultern und Treppen hoch schleppen. Endlich oben, stellten wir fest, das uns unserer heißgeliebter Zuckersand wieder erwartete. Wir strahlten um die Wette.


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Trilli erzählte mir nebenbei, wenn uns hier, im Herzen des Nationalparks, die Naturschutzpolizei erwischt, sind wir unsere Urlaubskasse los....Mist, kein Escadakleid und keine Guccitasche(sprich Gugki), wir wollten doch noch shoppen gehen.

So kämpften wir uns schweigend durch den Zuckersand, versuchten nebenbei die Natur und den Ausblick wahr zunehmen und suchten einen Weg, der uns wieder bergab führte.


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Aber seltsamerweise gab es diesen nicht. Als wir das erstemal hielten und abstiegen, kam das große Grauen! Diese Düne wimmelte nur so vor Ameisen. Kaum war der Fuß auf dem Boden, saßen diese kleinen Dinger auf den Schuhen und krabbelten sofort an unseren sexy Beinen hoch ( waren wohl alles Männchen). Trillis Gesicht sah ein wenig angespannt aus, aber ich konnte es noch nicht richtig deuten.
Das hatte zur Folge, das wir ziemlich zügig unterwegs waren und versuchten, nicht abzusteigen. Gutes Training!

Trotz großer Eile, fanden wir das Grab von Neringas Vater. Da es eine Sage ist, überlegen wir noch heute, wer dort wohl liegt.


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Jepp, die erste Aufgabe hatten wir erfolgreich gelöst und zur Belohnung fanden wir auch den Weg hinab. Bei einer leichten entspannten Fahrt durch den Wald, entdeckten wir an unseren Waden eine neue Wölbung und nannten sie den Zuckersand-Muskel. Wir waren stolz wie Bolle !
Bei einem Pläuschchen im Wald, erzählte mir Trilli von dem Film " Hotel des Todes " , ein Öko-Katastrophenfilm , der von Killerameisen handelt. Aha, ich verstand schnell und konnte mir jetzt auch dieses angespannte Gesicht oben in den Dünen erklären, denn ich glaube, sie hat ein Trauma. Arme Trilli, ob sie es jemals wieder los wird ???

Wir fanden den offiziellen Radweg. Nach recht kurzer Zeit, wurde uns schon wieder langweilig, ja so richtig langweilig....Die nächste Schneise Richtung Haff gehörte wieder uns.
Wir erreichten das Wasser, hatten eine wunderbare Aussicht, schlossen eine neue Freundschaft mit einer "durchgeistigten" Frau aus der Schweiz und wollten dann am Wasser entlang weiter fahren.


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Doch plötzlich wurde Trilli unruhig. In unseren heißgeliebten Zuckersandwegen entdeckte sie wieder diese Millionen von Ameisen. Nun gab sie Vollgas, ihre ganze Muskelkraft wurde eingesetzt. Sie fluchte und strampelte um ihr Leben. Es ist unvorstellbar, das man im Zuckersand einen Geschwindigkeitsrausch bekommen kann. Ich hatte große Mühe hinterher zukommen. Und dann geschah das Übel. SIE STÜRZTE. Oh Gott, die Arme, was muss sie durchlitten haben. Ich glaube, jede Ameise um Sie herum, mutierte zu einem Monster. Ich konnte es mit bloßem Auge kaum verfolgen, in was für einem Tempo sie wieder auf dem Rad saß und davon eilte. Lichtgeschwindigkeit. Wuuusch....Schneller als Superman...

Diese Strecke war eine Qual für uns beide. Bei jedem Lacher hatte ich das Gefühl, dass die ganze Muskelkraft aus meinem Körper wich und sich in Lachen umwandelte. So konnte ich Trilli kaum folgen. Nachdem wir normalen Boden erreichten und sich ihr Puls wieder senkte, gab Sie endlich Ihre geheimsten Wünsche preis: Ein ganz normales Damen-Leihrad, ein Kopftuch auf, ein Körbchen mit Beeren am Lenker, Liedchen trällernd auf einem ganz normalen Radweg fahren, wie alle anderen auch.
Ich versuchte es mir bildlich vorzustellen und schon lag ich wieder auf dem Boden und kugelte mich vor Lachen.

Wir entschlossen uns, auf normalem Weg unsere Tour fortzusetzen. Keine Experimente mehr. So fuhren wir heimwärts und wir stellten ein weiteres mal fest, das wir die Kurische Nehrung furchtbar langweilig finden. Ein Ort für "durchgeistigte Schickie Mickies". Die meisten Frauen trugen lange Strickgewänder, hatten lange Seidenschals um und nette Häkelmützen auf dem Kopf und die
Männer trugen Ökösandalen und Bernsteinanhänger an Lederbändern um den Hals. Und sie philosophierten sehr gerne.
In Nida angelangt, stürzten wir ins nächste Cafe. Irgendwie erregten wir Aufmerksamkeit, denn alle Gesichter waren auf uns gerichtet. Wir bestellten Kuchen und Eis, doch man brachte uns Bier. Ein netter Mann hatte Mitleid mit uns und lud uns zu einer kleinen Stärkung ein. Er war schlau, denn er bestellte gleich große.


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Danach war alles vorbei. Wir gackerten nur noch. Wir erregten noch mehr Aufmerksamkeit, aber man warf uns immerhin nicht raus.
Doch wir hatten ja noch zu tun, unsre Aufgabe des Tages wartete auf uns: Findet die größte Wanderdüne von Europa.

Wir machten uns auf in Richtung unseres Campingplatzes, denn dort sollte sie sich befinden. Wir irrten wieder ein wenig im Wald umher, machten Übungen aus dem Fahrtechnikseminar und Trilli entdeckte ihr großes Talent im Springen. So hüpfte Sie durch den Wald. Nachdem wir wieder 1/2 Std. springend im Wald verbrachten und keine Lust mehr auf Suchen hatten, fast aufgaben, entdeckten wir doch noch ein " großes " Hinweisschild, welches den Weg zur Düne wies. Es ging Straße steil bergauf. Keusch, schnauf, prust...doch endlich standen wir oben und blickten über die weiten Dünenlandschaft der Kurischen Nehrung.


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Dieses Bild ist speziell für Acke und EL, die gern mit uns gekommen wären um diesen Ausblick zu erleben

Es war schon ein beeindruckender Moment. Auf der einen Seite Litauen und der Zipfel am Horizont ist bereits Russland. Ziemlich genau in der Mitte der Nehrung verläuft die Grenze. Rüber gehts nur mit Visum.
Jetzt war auch die zweite Aufgabe erfolgreich gelöst und wir konnten endlich heim zum Zelt. Das Schönste kam jetzt, die Abfahrt. Mit Vollgas rasten wir die Straße hinab und landeten direkt auf dem Zeltplatz.

Nach dem Essen und dem Fotos gucken , schlupften wir schnell in unsere Schlafsäcke und fielen in einen tiefen, traumreichen Schlaf.....morgen gehts nach Lettland....Riga....doch der Tagesbeginn sollte nicht so erfreulich sein....

Nachti Trilli....bis morgen !
 
Z

ZZZZZorro

Guest
trillian schrieb:
Manche sind so klein, dass sie nur aus 3-4 Häusern bestehen und nicht mal einen Namen tragen. Jeder Einwohner betreibt seine eigene kleine Landwirtschaft, schlurft mit seinem alten Gaul über den Acker, bearbeitet das Stück Wiese neben dem Haus und wird bald das kleine Feld mähen. Im Garten wächst prächtiges Obst und Gemüse. Die Beete sind von bunten Blumen gesäumt. Heile Welt, stille Eintracht.

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Wow, ich habe ja schon immer gewußt, daß das Heil im Osten liegt, aber das es von solch schlichter Schönheit ist, wagte ich mir kaum vorzustellen. Wie muß es erst im Winter sein, wenn die Landschaft in weißer Pracht liegt, sich die Familie abends am wärmenden Ofen versammelt und sich in dieser heimeligen Atmosphäre vom Tagwerk berichtet oder Schwänke erzählt. Hach ja... So nun schließe ich aber meine Träumereien und freu mich auf eure weiteren Schilderungen.

Grüßle
 

trillian

individ. Truppenbetreuung
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berlin-zentrum (fr.hain)
6. Tagebucheintrag, Kurische Nehrung, Litauen, 13. Juli - alles doof!

Liebes Tagebuch, was tut man uns an?? Heute früh um 7 Uhr fing es an zu regnen. Eigentlich stört mich das ja nicht, im Gegenteil. Es klingt doch irgendwie romantisch, wenn die Regentropfen zart auf die Zeltplane fallen und man sanft aus dem Schlaf getrommelt wird. Von zart und sanft konnte schon kurze Zeit später keine Rede mehr sein. Wir soffen ab! Ohne Erfolg hatte ich versucht den Regen zu ignorieren. Ich hatte mich auf unser Wennengelreisenglück verlassen wollen, aber es hörte nicht mehr auf. Tat es einfach nicht. Es platterte-splatatterte ohne Unterlass. Sabine saß zu diesem Zeitpunkt schon eine Stunde gefrustet im Auto und wartete darauf, dass ich endlich das Zelt verließ. Trübe Stimmung am Morgen.


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Nur einen Tag vorher entstand dieses Bild.​


Es half nix. Selbst bald klitschnass, packten wir unser triefendes, tropfendes Zeug zusammen. Das Zelt war ein einziger Dreckhaufen, in feinstem Kurische-Nehrung-Sand gewälzt, gespickt mit Tannennadeln.
Natürlich hörte es bald, nach dem wir mit unserer Luxuskarosse gestartet waren, auf zu regnen. Klaro! Die Fahrt verbrachten wir mit Vokabellektüre, Kartenstudium und Störche zählen. Und die Ärzte holten uns aus unsrem Depriwettertief. Wir waren auf dem Weg nach Riga, Lettlands Hauptstadt.

(der Tag bis dahin war schrecklich: der einzig überdachte Platz auf dem Campingplatz war gefüllt mit einer Busreisecampingtouristenladung, wir konnten also nur ins Auto flüchten (wie gesagt, es regnete stark), die Milch für den Kaffee war sauer, Sabines authentisches Am-Meer-Frühstück fiel auch aus, die Räucherforelle, gekauft beim Fischer um die Ecke, bestand nur aus Schuppen und Gräten. Ich fand das mehr als eklig und rächte mich mit Frühstücksfleisch, dass wie Katzenfutter roch. Da ich die Fahrerin war und wir während der Fahrt frühstückten, musste sie mir meine Stulle schmieren. Es war hart an der Grenze (für sie) und ich verzichtete großzügig auf einen Nachschlag.)


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Wir zählten also weiter Störche und rollten auf die litauische/ lettische Grenze zu.
Zwei nicht all zu sehr attraktive Lettinnen, in überdasknielangem Kostüm und fesch sitzendem Schiffchen auf dem Kopf, keine größer als 1,50 m, kontrollierten gewissenhaft unsere Papiere um dann mit starkem Arm die Schranke anzuheben und uns durchzuwinken. Wir waren sehr beeindruckt, möchten aber hier nicht den Eindruck entstehen lassen uns lustig zu machen. Sie waren beide sehr freundlich. Nur die Aktion mit der Schranke kam uns doch etwas übertrieben vor.

Die Situation, die jetzt folgte, kannten wir schon. Wir waren in einem neuen Land, hatten keine Landeswährung in der Tasche und bekamen uuuurplötzlich Hunger und Durst. Also steuerten wir schnellstmöglich die nächste Stadt an, Liepaja (Libau), am Meer gelegen, aber davon sahen wir nichts. Wir kauften nur ein wenig Brot und Wurst-Nachschub ein, denn wir wollten schnell weiter nach Riga.
Die Fahrt war unspektakulär. Olle Straße, eintöniger Wald- und Wiesenmix, bedeckter Himmel, Störche, Störche, Störche. Wir freuten uns auf die Stadt. In Riga angekommen nahmen wir ein Zimmer im Studentenwohnheim (6 ? die Nacht) und schon kurze Zeit später sah es dort sehr heimelig aus. Wir konnten uns endlich mal wieder richtig breit machen. War auch nötig, schließlich mussten wir ja all die nassen Sachen vom Morgen zum Trocknen aufhängen. Eigentlich wollten wir noch schwofen gehen (wir kamen spät in Riga an), aber um fit für unseren Shopping-Marathon am nächsten Tag zu sein, entschieden wir uns dann doch dagegen. S-Punkt war 5 Minuten später eingenickt, wesentlich länger brauchte ich auch nicht mehr. Wir waren in Riga und hatten bisher nur den aufregenden Abendverkehr in fremden Großstädten erlebt. Zu den FiFu kann man uns ehrlich gesagt nicht gerade zählen. War irgendwie schade, aber in dem Moment mehr als okay. Über Nightlife in Riga können wir nun nicht mitreden.


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Ausgeruht und frisch und munter begann dafür der nächste Tag.
(zumindest für S-Punkt: Sie denkt immer, ich kann ausschlafen, aber dazu komme ich nun wirklich nicht. Ihr Wecker klingelt um 8 Uhr, ich darf eine Stunde länger schlafen. Doch: ihr Wecker bimmelt und ich: versuche es auszublenden, sie springt auf und schlurft ins Bad, ich: nehme es wahr, sie schlurft zurück, hat wohl was vergessen, ich: kann es nicht länger ignorieren, sie kramt in ihren Sachen um die Küchenutensilien zu finden, und ich: bin wach. Milchtopf und Kaffeekanne klimpern, das Besteck klappert, die Tüten knistern, die Latschen schlurfen die ganze Zeit, die Tür schlägt hinter ihr zu. Endlich Ruhe. Es ist kurz vor 9.)

Doch die Sonne schien an diesem Tag, S-Punkts Kaffee war hervorragend wie eh und je und unser Müsli aßen wir heute mal mit Schmand. Das Joghurt auf lettisch Joghurt heißt, hatten wir noch nicht gelernt. Das ist auch so`ne Geschichte für sich. Also unter Schmand kann man Milch rühren wie man will, es wird nicht lecker. Kefir hatten wir auch schon probiert - schmeckt auch nicht. In Litauen gab`s nur Fruchtjoghurt (stehen wir beide nicht drauf). Gestern früh war die Milch sauer u.s.w.u.s.f. Aus unerfindlichen Gründen hatten wir den ganzen Urlaub über kein glückliches Händchen für einen guten Joghurtkauf.

Nachdem uns beiden schlecht vom Schmand war, trabten wir bald los und hatten nur noch Unsinn im Kopf.

7. Tagebucheintrag, 14. Juli, Riga, Lettlands Hauptstadt


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Der nette Wachsoldat, der sich das Grinsen auch nicht lange mehr verkneifen kann, steht vor dem Unanhängigkeitsdenkmal auf dem Platz der Republik. Ein paar Meter weiter beginnt die Altstadt. Mit Kamera, Stadtplan und Reiseführer bewaffnet erobern wir sie. Es gefällt uns beiden hervorragend. Trutzige Barocktürmchen, neben Backsteingotikkirchen, zwischen schmucken Jugendstilfassaden und mittelalterlichen Stadttorbogen, immer wieder ein bisschen Moderne und Russenschick - das ist Riga. Viele Buden mit Bernsteinschmuck, Lammstricksocken und Häkelmützen und so einigen wohltönenden Straßenmusikanten. Wir besichtigten alle Kirchen dank Sabine (die russisch-orthodoxen setzen dabei dem Prunk noch mal die Krone auf) bald brauchten wir dringend Stärkung in Form von Teilchen, wie wir die Vielzahl der angebotenen, leckeren kuchenstückchen nennen. Njamnjam...


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Klamottenshoppen hatten wir bald schon aufgegeben, zum Großteil entsprach das Angebotene HasiundMausiwühltischqualität. Es taugte also nix. Stattdessen entdeckten wir den Russenmarkt. In ehemaligen Zeppelinhallen, von den Deutschen damals gebaut, waren sämtliche Bedarfsgüter aufgebaut. Es gab Hallen nur mit Milchprodukten, Fischhallen, Fleischhallen, Plasteartikel aller coleur, Obst und Gemüse ohne Ende. Es war ein Paradies.


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Es wurden sogar Plastetüten verkauft. Wer wollte, erstand eine Designertüte. Paloma Picasso mit Gurken gefüllt. Wer also wollte, konnte sein Gemüse nobel und dekadent verpackt nach Hause tragen.


Nach all der Lauferei taten mir verständlicherweise irgendwann die Füße weh und so begann ich lauthals zu jammern. S-Punkt ist hart. Natürlich ließ sie sich nicht erweichen und marschierte unbeeindruckt weiter. Jetzt schlurfte ich. Immerhin konnte ich eine Pause rausschinden und wir gingen im Lido Soljanka essen. Für 1 ?. Die Preise kann ich immer noch nicht fassen.
Glücklicherweise fing auch Sabine bald an zu schwächeln, Rigas Shoppingmalls hatten uns immer noch nix zu bieten und so machten wir uns langsam auf den Weg zurück. Exakt 2 Fahrradgeschäfte haben wir gesehen, der Anzahl der Radfahrer auf der Straße entsprechend. Nicht mal ne Handvoll Biker sahen wir. 5 waren coole, junge BMXer, 2 Kuriere, 2 MTBler vielleicht noch und auf jeden Fall war eine Frau mit Cityrad da drunter. Alle waren auf dem Bürgersteig unterwegs. Diese Stadt hat Nachholbedarf. Ohne spießig klingen zu wollen, es war auffällig, wie sauber die Stadt ist. Alles ist ordentlich, ohne dabei clean wie Bayerns Städte zu wirken. Hat mir auch gut gefallen. Wie überhaupt der ganze Tag in dieser schönen Stadt.

Dank unserer kartografischen Kenntnisse fanden wir zwar direkt und schnell zum Auto zurück (dass es aufgebrochen sein könnte, glaubten wir hier schon lange nicht mehr - vielen Dank, liebe Eltern, Bekannte und Mitmenschen für all die geschürten Vorurteile), doch leider fuhren wir in die falsche Richtung aus der Stadt raus, brachten das Kunststück fertig im Kreis zu fahren, aber so sahen wir auch die Außenbezirke der Stadt, mit dreckigen, tristen und alten runtergekomnmenen Häusern, durch die wir uns dank rushhour mit Tempo 10 bewegten. Glücklicherweise waren wir irgendwann in Lettlands eintöniger Natur zurück und sahen abwechslungsreiche Störche. Willkommen im Baltikum.


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Eigentlich sollte an dieser Stelle eins unserer raren Storch Fotos sein, aber - ich kann sie nicht mehr sehen...

Gute Nacht in die Runde
 

S-Punkt

ESK
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Nachdem wir unseren ersten und letzten Großstadtaufenthalt in diesem Urlaub beendet hatten, fuhren wir wieder in die Natur. Ziel war der Gauja Nationalpark, auch die lettische Schweiz genannt, das Skigebiet schlechthin des Baltikums. Wir fanden einen Naturcampingplatz direkt an dem Fluss Gauja gelegen, kurz hinter dem Ort Sigulda. Von unserem Platz aus schauten wir auf eine Skipiste, die uns immer wieder anstrahlte. Da wollten wir runter.
Wir besorgten uns Infomaterial über den Nationalpark und der nette Campingplatzleiter, der auch den ansässigen Kanuverleih betreut, wollte uns auch gleich zum Rafting überreden. Nächstes mal bestimmt. Aber erst mal wollten wir aufs Rad.

8. Tagebucheintrag - Sigulda, Gauja-Nationalpark, Lettland


Bei unserem ersten Frühstück am Fluss ließen wir viel Zeit. Unser Müsli genossen wir diesmal ohne Schmand. Wir hatten endlich geschafft Joghurt zu finden. Allerdings machte uns mein Milchschäumer heute ein wenig Sorgen und Trilli fing gelangweilt an ihn zu zerlegen. Eigentlich eine ganz normale Sache, aber keine von uns beiden war in der Lage, ihn wieder funktionstüchtig zusammen bekommen. Wir schraubten und bastelten und schraubten erneut. Sie hatte ihn zerstört und machte sich nun große Sorgen, wie sie ohne in den nächsten Tagen ihren Wachwerdekaffee bekommen sollte. Wir verbrachten mit diesem kleinen Gerät unseren Vormittag und gaben genervt auf. Was sie nicht wusste – ich war perfekt ausgestattet.

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Wir widmeten uns nun wieder dem Reiseführer und der Tourenplanung. Wir mussten uns sputen, denn der Planer wurde voll. Es gab hier viele Burgen, Schlösser, Höhlen und Wälder zu erkunden.
Schnell wurden die Ponys gesattelt und ab in den Wald. Unser erstes Ziel sollte die Burganlage von Turaida sein. Immer am Fluss entlang führte uns der Weg stetig bergauf. Wir warteten trotzdem noch auf den heftigen Anstieg. Und plötzlich war er da. Da wir im ganzen Baltikum nur Ebene und kleine Hügel fuhren, war das hier die erste große Herausforderung für uns. Wir keuchten, schnauften und strampelten......und rauschten an unserem Ziel vorbei. Wir wunderten uns nur, warum wir denn diese Burg nicht sehen, wir müssten doch schon längst da sein. Wir waren glatt vorbeigeprescht und standen mal wieder in den Wiesen.

Wir drehten um, wollten zurück zum Zelt (denn der Akku der Kamera war leer – ohne Fotos wollten wir nicht weiter) um später die Tour noch mal von vorne starten. Wir entdeckten die Burg, aber das Anschauen im Vorbeifahren reichte uns jetzt. Nun ging es logischerweise bergab und wir rasten die Straße mit 50 kmh runter. Wuuuusch, an allen Autos vorbei, was für ein Spaß.
Als wir langsamer wurden, waren wir auch wieder in der Lage Schilder zu lesen. Hier an der Straße lag auch die Höhle der Maja, genannt „ Rose of Turaida „ , die hier ermordet wurde. Eine wunderschöne, tragische und herzzerreißende Liebesgeschichte. Wir bogen ab und fuhren zur Höhle.
Und weil es so schön war, Wald und Trails ein Traum, wollten wir noch zur großen Teufelshöhle. Angeblich hauste der Teufel höchstpersönlich hier.
Der erste Teil der Strecke führte uns durch eine große kindshohe Wiese. Es gab nur zwei Schneisen, die gerade mal 30 cm breit waren. Die Wiese wurde immer dichter und wir waren uns nicht mehr sicher, ob wir wirklich richtig waren. Doch dann tat sich ein Wald vor uns auf und der Pfad führte uns an einem verschlafenen Nebenarm der Gauja entlang.

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Der Wald wurde zu einem Dschungel und der Pfad zu einem Singletrail und es roch hier so gut nach frischer Natur.
Hier fanden wir auch die Höhlen, fuhren über schmalen Holzbrückchen über die Sümpfe, vorbei an Biberflüssen,

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Berge hoch und runter und über eine lange schmale Brücke erreichten wir wieder die andere Flussseite, auf der wir langsam und in Ruhe unseren Heimweg antreten wollten. Doch zu unserer großen Überraschung ging es hier so richtig los. Ein perfekter Singletrail. Dichter Wald, rechts, links, hoch, runter, rechts, links, über Holzbrücken, Kurve rechts, runter.....aaaahhhh...großes Schlammloch vor der Brücke....egal, gib Gummi und durch, ziiiieeeh....geschafft.

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Am Zelt angelangt, fielen wir vor Begeisterung um. Was für ein Spaß. Ich rannte schnell zur Baude und holte uns zwei Bier. 15 Uhr. Wir bekamen uns gar nicht mehr ein, fachsimpelten wie die Großen und beschlossen diesen Trail am nächsten Tag gleich nochmal zu fahren.

Der kleine Hunger meldete sich und so gingen wir zur Baude und aßen eine Soljanka und gönnten uns noch ein zweites Bier. Während wir unser Süppchen löffelten, schweifte unser Blick wieder mal die Skipiste hoch. Wir schauten uns an, die Mundwinkel formten sich zu einem Grinsen, kurzes Nicken, alles klar. Schwupp, war die Suppe ausgelöffelt und wir saßen mit unserem Bier auf dem Rad. Uups, wir fühlten uns wir Rick & Rob.

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Das Bier musste bis zur Straße hin geleert werden. Schluck, gluck, kämpf, geschafft.
Wir mussten leider die Straße hochfahren. Kein Problem, immer schön Tempo halten und außerdem soll es ja noch eine Belohnung geben.
Dann standen wir oben. Sattel runter, aufsitzen und los.....Jiippppiiieeeeehhhhhhh......wer bremst verliert.
Die Piste war reinster Schlamm, Pfützen, Wiese und Mulch. Unten angekommen, wollten wir am liebsten nochmal runter rasen, aber nochmal hochfahren ?????

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Die Faulheit und die Aussicht auf Dusche siegten.
Es ging noch in den Ort, wir aßen zum Abendbrot lettische Fettklöße (Spezialität des Landes: Kartoffelklöße mit Hackfleisch gefüllt in einer Sauce mit Speck und Zwiebeln – eigentlichg nicht schlecht, aber ohne Wodka nicht verdaubar). Zurück am Zeltplatz (mit 2 Bieren), sahen wir ein paar Downhiller auf dem Skihang. Wir erstmal hin und dann wurden wir so richtig neidisch. Der Lift war angeworfen und so ließen sie sich gemütlich nach oben ziehen und rasten ein ums andere mal die Piste runter.

Den Abend verbrachten wir vorm Zelt, töteten ein paar Mördermücken oder machten sie zumindestens flugunfähig, beobachteten unsere Zeltnachbarn, die uns einiges zum Lachen boten und fielen dann glücklich und zufrieden in den Schlafsack.

Nur noch einmal schlafen und dann geht es ab nach Estland, in 2 Tagen findet dort die Gummistiefelweltmeisterschaft statt...
 
Dabei seit
27. Juli 2001
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Berlin
S-Punkt schrieb:
.....aaaahhhh...großes Schlammloch vor der Brücke....egal, gib Gummi und durch, ziiiieeeh....Die Piste war reinster Schlamm, Pfützen, Wiese und Mulch. ..... lettische Fettklöße (Spezialität des Landes: Kartoffelklöße mit Hackfleisch gefüllt in einer Sauce mit Speck und Zwiebeln – eigentlichg nicht schlecht, aber ohne Wodka nicht verdaubar). .....

"I Want my Ekelpack.... Ich sage Eiter, Eiter, Ekelpack .... " Um Die Ärzte mal wieder ins Spiel zu bringen.

Ich bin schon tierisch gespannt auf den Gummistiefelbericht.

Ritzelflitzer
 
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