Nachdem wir letztes Mal mit dem Fotografen Ronny Kiaulehn einen langjährigen Profi im Interview hatten, steht uns heute einer der vielversprechendsten Nachwuchstalente im Bewegtbildbereich Rede und Antwort: Lukas Tielke. Der 23-jährige aus dem Hochsauerland wohnt gerade mal 5 Minuten von Winterberg entfernt und ist erst seit 2009 intensiv hinter der Kamera tätig. Hier gibt er uns interessante Einblicke in seinen Werdegang und seine Arbeit – viel Spaß mit unserem umfangreichen Interview.

Wie alt bist du?

23 Jahre.

Wo kommst du her?

Aus dem schönen Hallenberg, 5 Minuten von Winterberg entfernt.

Was machst du aktuell? Arbeitest du, studierst du?

Bis 2009 habe ich 6 Semester Umwelttechnik studiert, aber schon da hab ich gemerkt wie sehr mich das Filmen fasziniert. Seit 2010 arbeite ich an verschiedenen Filmprojekten, unter anderem Imagefilme, Eventfilme und natürlich meine eigenen Projekte.

Fährst du selber aktiv Mountainbike, wenn ja was fährst du am liebsten?

Aktiv fahre ich zur Zeit selber nicht, leider fehlt mir dazu auch manchmal die Zeit. Bei dem Dreh für Action Heroes habe ich auch wieder gemerkt, dass Filmen und selber fahren einfach nicht funktioniert. Um hochqualitative Aufnahmen zu erstellen, muss der Fokus einfach voll auf dem Filmen liegen, sonst ist die Versuchung, mal eben selber zu fahren, einfach viel zu groß. Falls doch mal eine freie Minute zu finden ist, liebe ich es, gemütlich durch einen Pumptrack zu pushen.

Wie bist du zum Filmen gekommen und wann?

Das Filmen ist rein aus dem Hobby entstanden. 2009 habe ich einen alten MiniDV Camcorder aus dem Keller gekramt. Zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht bewusst, wie sehr sich meine Projekte einmal für die Zukunft entwickeln.
Erst haben wir uns ein bisschen beim Snowboarden gefilmt und kleine Clips fürs Internet zusammen gebastelt. Im Sommer hat mich dann die große Langeweile gepackt und durch ein paar Kumpels bin ich zum Mountainbiken gekommen. Schnell hab ich das Potential erkannt und einfach Marius Hoppensack, Felix Rosendahl, Mike Plümacher oder auch Patrick Schweika angequatscht, so kamen noch 2-3 weitere Fahrer hinzu und im Sommer 2009 entstand Dirty Dreams (siehe Video am Ende des Interviews, Anm. d. Red.). Es war schon schwer ein paar Fahrer von dem Projekt zu überzeugen weil ich absolut keine Referenzen hatte und mein Equipment war sehr bescheiden, auch konnten sie sich nicht wirklich vorstellen was ich überhaupt vor hatte, was ich selber übrigens auch nicht wusste :D

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Mit was für einer Kamera hast du angefangen zu filmen?

Mit einer Panasonic DVX 100EG, die ungefähr 10-12 Jahre alt war. Die Köpfe waren so verschmutzt das ich Dauer-Artefakte hatte, die Linse war verkratzt und alle 1-2 Stunden ging sie einfach aus, weil sie einen Kurzen hatte. Das Schönste an der Kamera war aber das sie mir schnell gezeigt hat, wie oberflächlich und teils arrogant doch die ganze Fotografen- und Filmergemeinschaft sein kann. Ich will das nicht verallgemeinern, weil ich größtenteils nette und hilfsbereite Menschen in dem Jahr getroffen hab. Leider wurde mir durch die Kamera aber oftmals kein Blick geschenkt und die Antworten auf interessierte Fragen eines Filmanfängers wurden eher abwertend beantwortet. Herrlich!
Für ein gutes Produkt kommt es einfach nicht auf das Equipment an.

Du filmst in erster Linie mit einer 7D von Canon – warum bist du vor einiger Zeit auf reine DSLR-Kameras zum Filmen umgestiegen?

Genau, ich filme ausschließlich mit der 7D. DSLR-Kameras haben für mich einige Vorteile, die ein normaler Camcorder nicht hat. Für Hochzeiten, Pressetermine oder Events ist ein Camcorder schon von Vorteil, keine Frage. Ich kann nicht zu dem Brautpaar sagen: “Küsst euch nochmal, ich hab die Schärfe falsch gezogen”. Richtiges DSLR-Filmen braucht schon ein bisschen Vorerfahrung und viel Arbeit. Das Ergebnis überzeugt aber, ich hab einen vergleichbaren Look wie bei einer Kinokamera und das für wenig Geld.
Auch kann ich die Objektive wechseln, der Body ist sehr klein und passt gut auf Kräne oder Seilkameras, auch mein gesamtes Steadycamsystem ist viel leichter. Aber der sicherlich größte Vorteil ist das Preis/Leistungs-Verhältnis. Vor einem Jahr war ein Camcorder mit Wechselobjektiven unter 15.000 – 20.000 Euro nicht zu haben. Meiner Meinung nach wird jetzt mit der Panasonic AF101 oder der Sony F3 ( welche immer noch recht teuer ist) eine neue Ära beginnen, von der wir alle nur profitieren können.

Mit thinkBIG Production hast du deine eigene kleine Produktionsfirma. Was für ein Konzept verfolgst du mit thinkBIG? Was planst du für die Zukunft?

thinkBIG Production steht für kreative Filme mit viel Atmosphäre. Das Internet ist voll von vielen guten Filmen, immer mehr Filme sind frei im Netz und stehen den großen Produktionen in nichts nach. Ich denke, das was uns von anderen Produktionen unterscheidet ist einfach die Leidenschaft und Atmosphäre, die wir rüberbringen. Jeder Filmemacher hat halt seinen eigenen Stil und das ist auch gut so. Für die Zukunft plane ich viele weitere eigene Projekte, aber ich möchte auch mehr im Bereich Werbefilme machen, damit einfach die Kasse auch ein bisschen voller wird. Auch möchte ich mich ein bisschen in anderen Bereichen verbessern, wie beispielsweise in Dokumentarfilmen…das ist ziemliches Neuland für mich. Schon in Action Heroes habe ich versucht mehr O-Töne zu verwenden, wer weiß –  vielleicht gibt es ja bald eine thinkBIG Tierdoku. An dieser Stelle darf natürlich nicht Manuel Rueda vergessen werden, ohne ihn wäre vieles bei thinkBIG nicht möglich, grade im grafischen Bereich unterstützt er mich wo es nur geht – und ich möchte auch bei weiteren Projekten mit ihm zusammen arbeiten.

Deine Produktionen werden eher mit kleinem Budget erstellt, wirken aber sehr hochwertig und werden sowohl hier im Videobereich als auch auf Videoportalen wie Pinkbike und vimeo extrem positiv aufgenommen. Auf was legst du Wert, wenn du filmst? Was ist dir wichtig?

Ich lege viel Wert auf eine gute Atmosphäre, saubere Kameraführung und durchdachte Szenenwahl. Es gibt so viele kreative Möglichkeiten an einem Spot, viele entstehen auch erst durch Zufall. Mir ist einfach wichtig, dass der Zuschauer hautnah mit dabei ist und selber Lust aufs Fahrradfahren bekommt.

Es gibt diverse Behind-the-scenes-Videos, in denen man dich mit aufwändigen Kamerakränen und CableCams experimentieren sieht. Was für Equipment nutzt du und was ist für Action Heroes neu dazugekommen?

Action Heroes ist das erste große Projekte was ich mit DSLR filme, so ist mein Kamera-Rig, ein Slider, eine Steadycam und die Cablecam neu dazu gekommen. Den Kamerakran habe ich mir geliehen, plane ihn aber als nächste Anschaffung. Das Rig mit Followfocus und Mattebox habe ich mit dem Vater von meiner Freundin, welcher CNC Fräser ist, selber konstruiert und gebaut. Wer hat schon mal eben 800 euro für ein Winkelgetriebe mit Plastikzahnrad?

Mir persönlich gefallen neben den Fahrsequenzen auch deine aufwändigen Intros immer sehr gut. Welche Programme nutzt du für Schnitt und Spezialeffekte? Hast du dir alles selbst beigebracht?

Ich arbeite mit einem Mac und benutze Adobe. Mit Premiere hat alles angefangen und ich fühle mich mit der Software sehr wohl, grade wo CS5 64-bit unterstützend ist. In After Effects und Premiere habe ich mich selber reingearbeitet, dank des Internets und tausenden Tutorials ist der Kreativität freien Lauf gelassen worden. Allerdings arbeite ich täglich mit den Programmen und es hat viele Stunden gedauert, bis ich auf dem Level war wo ich jetzt bin – gerade wenn man bei 0 anfängt. Leider geht es nur über learning by doing.

Mittlerweile gibt es dank günstigem Equipment unzählige Mountainbike-Videos und Clips von Amateur-Filmern. Was ist ein absolutes No-Go? Auf was sollte man als Einsteiger beim Filmen achten?

Ja ich finde es super, wieviel Kids mir schreiben und mich nach Kameratips fragen. Und ich freue mich echt jedem zu antworten, besonders wenn ich sehe wie manche sich unglaublich gut verbessern. Bis jetzt sind die Amis immer noch weitgehend führend im Extremsportbereich, deshalb brauchen wir einfach guten Nachwuchs. Oft sehe ich typische Anfängerfehler wie eine wackelige Kameraführung, ungünstige Kamerapositionen, sehr lange Schnitte, hin- und her-Gezoome und Belichtungsveränderungen während der Aufnahme.
Man muss einfach einen Stil finden, dem man auch treu bleibt. Letztlich lebt ein guter Film ja von Kreativität und die bekommt man nur durch Herumgespiele mit Einstellungen und Positionen.

Neben Mountainbike-Clips und -Filmen filmst du viel mit Snowboardern und Skifahrern. Was macht den Reiz von beiden Sportarten aus? Siehst du beim Filmen Gemeinsamkeiten?

Ja, ich sehe viele Gemeinsamkeiten. Ich selber komme aus dem Wintersportbereich und bin leidenschaftlicher Snowboarder. Snowboard- und Ski-Produktionen stecken so voller Kreativität und Spaß, was ich oftmals im Bikebereich einfach komplett vermisse.
Aber insgesamt ist es doch der gleiche Lifestyle, deshalb gibt es auch viele Parallelen. Ich versuche schon in manchen Passagen meiner Filme diesen Snowboard-Jib-Style mit einzubinden.

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Wie wichtig sind GoPro-Kameras für dich? Spielen POV-Shots eine große Rolle in deinen Filmen?

GoPro ist eine Hammer-Erfindung. Tausende neue Positionen eine Kamera zu befestigen und der Zuschauer fühlt sich einfach mittendrin, deshalb verwende ich sie auch so gerne. Ich finde aber dass eine GoPro Aufnahme, wenn möglich, immer mit einer Totalen ergänzt werden sollte. Erst dann kommen auch Höhe und Weite richtig zur Geltung.

“Dirty Dreams” war dein erster großer Film – was wird in “Action Heroes” anders?

Weiter, höher, schneller, kreativer, abwechslungreicher, gemütlicher, freundschaftlicher, amüsanter, schmerzhafter… das wars.

Du schaffst es immer wieder, nahezu alle besten deutschen Fahrer für deine Produktionen zu gewinnen. Wieso haben immer alle Bock, bei dir mitzumachen?

Ganz einfach, weil ich auch einfach nur der Junge von nebenan bin, der einen Fahrradfilm macht. Wir lachen viel, haben immer Spaß beim Filmen und genießen einfach die Zeit. Klar ist auch manchmal viel Stress dabei und ich sag auch mal, was ich mir genau vorstelle und das jetzt mal alle bei der Sache bleiben sollen. Es soll halt auch etwas Produktives bei rauskommen. Natürlich profitieren auch die Fahrer von dem Feedback.

Die Release-Tour von “Action Heroes” führt u. a. durchs Ruhrgebiet, Berlin, München, die Alpenländer – und Portland/Oregon, USA. Was hat es damit auf sich?

Eigentlich waren nur drei Premieren geplant. Nach und nach kamen aber immer mehr Anfragen aus verschiedenen Städten bezüglich Premieren, so auch aus Portland. An der Stelle möchte ich mich auch bei allen bedanken die mir bei der Organisation der Premieren geholfen haben, alleine wäre das nicht möglich.

Die Release-Parties kosten natürlich ein bisschen Eintritt, “Action Heroes” ist danach allerdings kostenlos im Netz verfügbar. Viele würden sich den Film sicher auch kaufen – wieso gibt es deine Filme für lau?

Diese Frage darf natürlich nicht fehlen. Ich möchte einfach das meine Filme für jeden zugänglich sind und einfach Lust aufs Fahrradfahren machen. Letztlich landet der Film so oder so im Netz – und meiner Meinung nach stehen die Kosten für die Produktion der DVD einfach nicht in Verhältnis dazu.

Wieso sollte man sich “Action Heroes” unbedingt angucken?

Junge Menschen mit einer Leidenschaft für Kreativität und Fahrrad fahren machen einen Film über 8 Monate, der nachher nur für euch frei im Internet ist! Ich glaube, da muss ich nicht mehr viel zu sagen. Freut euch auf 36 Minuten voller Spaß, Action, Freunden, Ideen und Tricks die ihr noch nie von deutschen Fahrern gesehen habt. Over and Out!

Danke für das Interview!

Mehr über Lukas gibt es unter www.thinkbig-production.com – dort sind im Videobereich u.a. auch die Filme “Dirty Dreams” und die nicht minder guten Produktionen “Stay Inside” und “Back in my Yard” zu sehen.

Die Release-Termine von “Action Heroes”:

02.04. Schmallenberg, Deutschland (Lichtwerk)
06.04. Portland, Oregon (USA) (Hol…lywood Theatre)
08.04. Wuppertal, Deutschland (U-Club)
16.04. Berlin, deutschland (Calabash Club)
23.04. München, Deutschland (to be announced)
29.04. Witten, Deutschland (Werk°Stadt)
06.05. Solothurn, schweiz (Bikedays)
14.05. Graz, Österreich (to be announced)

(Fotos von: Jan Fassbender, Johannes Herden, Nils Wilbert)

  1. benutzerbild

    michek.1

    dabei seit 01/2011

    ein super interview. bitte mehr interviews mit fotografen und filmemachern! :daumen:
  2. benutzerbild

    dark-berlin

    dabei seit 08/2009

    Tja heute ist nun der 16.4 und eigentlich wollten wir uns heute den Film zu Gemüte führen... nur wann geht's los?
    Was sagt denn die Website des Produzenten: nicht mehr als Datum und Ort, nicht mal einen direkten Link zu dem Club hat man hinterlassen.
    Schauen wir doch mal auf die Seite des Clubs, Google sei dank, stellt das ja auch kein Problem da.
    Oh die Termine hat man zu myspace ausgelagert, wäre ja auch kein Problem, wenn man im März nicht aufgehört hätte die Seite mit neuen, aktuellen Inhalten zu pflegen.
    Also zurück zu der originalen Seite, die wer weiß wie lange schon im Aufbau scheint, oh: 2 Telefonnummern. Beide bringen leider keinen Erfolg, bzw. irgendeine Information.

    Tja, wenn man man seine (potentiellen) Gäste derart zuvorkommen behandelt, dann kann das ja bloß ein grosser Erfolg werden.


    Wer dafür verantwortlich ist ist mir vollkommen egal, aber der Filmer will seine Film wohl nicht all zu vielen Leuten zeigen und der Club hat es wohl nicht nötig Gäste zu haben...
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  4. benutzerbild

    525Rainer

    dabei seit 09/2004

    was mich mal interessieren würde, wieviel kosten eigentlich so musikrechte für filme? hab mir grade das summershredvideo reingezogen und mich gefragt was so ein roxette song legalisiert kostet.
  5. benutzerbild

    elmono

    dabei seit 01/1970

    525Rainer
    was mich mal interessieren würde, wieviel kosten eigentlich so musikrechte für filme? hab mir grade das summershredvideo reingezogen und mich gefragt was so ein roxette song legalisiert kostet.
    Das ist komplett individuell, und stark abhängig von Bekanntheit der Band/des Sängers, Größe der Produktion, anvisierte Verkäufe, usw.
    Bekannte Songs = locker mal mittlere fünfstellige Beträge, zumindest bei Kino und Werbeproduktionen.
    Ist die Band noch unbekannt, und das Label nimmt die Promotion gerne mit, kann es weitaus günstiger werden.

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