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Je länger ich den Lensescape Foto-Workshop mit erlebe, desto mehr frage ich mich: Warum gab es so etwas bisher nicht? Denn bei diesem Konzept gibt es eigentlich nur Gewinner. Zwar sind Formate wie beispielsweise die Scandinavien Foto-Challenge für Regionen, Fotographen, Fahrer und Sponsoren ähnlich attraktiv, doch Lensescape fügt dem Ganzen noch eine entscheidende Komponente hinzu: Zu einer einmaligen Region (Graubünden ist für mich nach wie vor der schönste Kanton der Schweiz, Lenzerheide bietet in Sommer und Winter alles, was das Herz begehrt), einer sensationellen Location (Angenehmer als im Hotel Kurhaus kann man kaum empfangen werden, eine solche Freundlichkeit gegenüber Bikern habe ich lange nicht erlebt), erstklassigen Fahrern und Fotographen kommt auch noch die Nachwuchsförderung hinzu. Dabei geht es wohl kaum um das Heranzüchten von billigen Jungfotographen, sondern eher um nachhaltige Vielfalt – sonst würden die Verträge wohl wahrlich anders aussehen: Die Fotographen behalten die vollen Rechte an Ihren Werken, einzig die Sponsoren des Events dürfen – natürlich unter Nennung und damit Promotion der Künstler – die Bilder für sich nutzen. Warum es etwas derartiges dann bisher nicht gab? Tobias Woggons pragmatische Antwort: „Weil ich die letzten 2 Jahre keine Zeit hatte…“

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Was brachte der heutige Tag?

Prinzipiell verlief alles wie gestern: In vertauschten Gruppen ging es vom Hotel in Richtung Lenzerheider Rothornbahn – diese stand jedoch aufgrund von anhaltenden Schneefällen still, dicke Flocken und grauer Himmel bestimmten die Atmosphäre. Immer mehr Schnee blieb auch im Tal liegen, sodass die Suche nach fahrbaren Spots nicht ganz einfach wurde. Dank bewundernswertem Fahrkönnen stimmte die Action aber auch heute. Während die Blitzer den Vormittag im Skillparcour verbrachten, machte sich der ALO-Trupp um Hoshi an der Liftstation und am See auf die Suche nach Spots. Klasse dabei: Die Gruppe harmoniert und funktioniert inzwischen. Aus der fixen Idee, ein Foto an der eingeschneiten Leitplanke zu machen, wird dank Herrn Woggon und einer Bierbank in kurzer Zeit ein konkretes Motiv. Ein paar Tipps von Hoshi dazu und raus kommen klasse Perspektiven. Noch größere Fortschritte ließen sich unter Experten-Anleitung beim sogenannten „pannen“ machen, mitgezogenen Bildern also. Wie muss man sich dafür zum Fahrer stellen? Wie lang belichten?

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Im Skillparcour drehten Schumax und DangerDan derweil richtig auf – sie legten sich für die Fotographen richtig ins Zeug – und in den Schnee. Ehrlich gesagt hätte ich solch steile, verschneite Wallrides für unfahrbar gehalten, doch ich wurde erneut eines Besseren belehrt. In Kombination mit den dicken Priolite Studioblitzen entstanden im inzwischen tief eingeschneiten Wald Bilder, die mehr an Freeski- oder Snowboard-Action erinnern, als an Bike-Fotographie.

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Gestern erlebten Max, Julia und ich das beste Licht des Tages erst nach Liftschluss – als die Kameras mitsamt den Fotographen bereits in einem fensterlosen Raum im Tal mit der Postproduction beschäftigt waren. Immer wieder hielten wir staunend an und ließen den tosenden Wasserfall, eingezuckerte Bäume, blauen Himmel und sonnenbeleuchtete Bergspitzen auf uns wirken – und ärgerten uns gleichzeitig über die fehlenden Kameras. Diesen Fehler wollten wir heute nicht wieder machen, weshalb wir trotz Temperaturen unter Null und anhaltendem Schneefall (Die Bedingungen hatten bis dahin schon drei Kameras ausgeknockt) unter dem Lift grillten. BMC-Eventpräsident Hape hatte dafür zusammen mit Julia ein dickes Feuer geschürt, Kartoffelsalat, Würstchen und Windschutz organisiert. Gut gestärkt ging es dann an vertauschten Locations wieder an die Arbeit – Max Schumann konnte sich für einen amtlichen Powder-Drop begeistern, während Herr Schäfer die Rolltreppe in der Liftstation gappte. Im Wald galt es ohne Blitz das nötige Licht für scharfe Momente einzufangen – Blende auf und akkurat mitbewegen! Props an dieser Stelle an Niklas: Er hat sich beim MDC den Knöchel zerstört und all seine Foto-Locations auf Krücken erreichen müssen. Bei 20cm Schnee und ohne „Winterreifen“ eine echte Herausforderung. Die Sonne zeigte sich heute leider nicht mehr, weshalb wir um halb vier gen Hotel aufbrachen…

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Eine besonders bleibende Erinnerung an Priolite Blitze werden Ben, Chris und Olli mit nach Hause nehmen: Sie saßen zu dritt im kleinen Anhänger, als Philip die Blitzfernbedienung im vorausfahrenden Bus entdeckte – und für die drei die Dunkelheit mit voller Power zerriss. Die anschließende Verfolgungsjagd durch die verschiedenen Frequenzen und Blitzleistungen sorgte in Bus und Anhänger für heitere Stimmung, der anschließende Kommentar aus dem Anhänger: „Wem hier darf ich den Mittelfinger zeigen?“ War dank Sonnenbrillen humorvoll zu verstehen – auch das ist Lensescape.

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Sichtlich erschöpft, aber auch begeistert machte sich die Gang dann im Cinema Club an die Nachbearbeitung – heute schon mit erheblich mehr verwertbaren Bildern und mehr Ideen für den Kollegen Photoshop – die Lernkurve ist bemerkenswert. Wenn ich links und rechts neben mir auf die Laptops schaue, komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Und wenn ich links und rechts neben mir auf die Gesichter hinter den Laptops schaue, habe ich ernste Zweifel, ob die Oldies-Night-Party irgendwen von der Bildbearbeitung weg locken kann.

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Tipps des Tages:

Philip:

„Irgendwo im Internet kursiert das Gerücht, dass man nur auf 1/250s blitzen kann. In der Theorie stimmt das zwar, da bei heutigen DSLR-Kameras der Verschluss bei Belichtungszeiten kürzer als 1/250s nicht mehr komplett geöffnet ist, die Vorhänge bilden dann nur noch einen Streifen, was in Kombination mit Blitz zu schwarzen Rändern führt. In der Praxis liegt das angeblitzte Motiv jedoch in der Regel nicht im obersten Viertel, weshalb es trotz theoretisch zu kurzer Belichtungszeit noch voll getroffen wird. Der „schwarze Streifen“ (also der nicht angeblitzte Bereich) liegt dann auf einem Bereich, der ohnehin nicht vom Blitz getroffen würde – damit könnt ihr auf die 1/250s getrost pfeifen und euch mit kürzerer Belichtungszeit über scharfe Bilder freuen!“

Hoshi:

„Pan-Shots gehören mit zu den schwierigsten Herausforderungen für einen Fotographen. Beim Spiel mit dem Feuer sind 80% Ausschuss durchaus nicht ungewöhnlich. Damit Ihr trotzdem Erfolgserlebnisse habt, macht euch folgendes klar: Beim Mitziehen fangt Ihr eine fast geradlinige Bewegung durch eine Kreisbahn mit der Fokuslänge als Radius ein. Im Grunde liegt der Fahrer also nur ein oder zwei Mal im Fokus, je nachdem, ob ihr ihn tangential erwischt oder einmal während er minimal auf euch zu kommt und einmal, während er sich von euch entfernt. Im Laufe der Zeit werdet Ihr rausfinden, wie weit ihr vom Fahrer entfernt stehen könnt und wo Objekte zwischen euch und Fahrer sein dürfen, damit sie schön unscharf werden. Das tolle am Pannen: 1/10s ist gerade noch freihand machbar, und in 1/10s fällt selbst an dunklen Tagen richtig viel Licht auf den Sensor. Fangt am besten mit 1/30s an und tastet euch, nach oben oder unten, Blende entsprechend.“

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Photoshop:

Hier hilft in erster Linie viel Übung – ein paar kleine Anregungen zum Nachmachen und Ausprobieren:

1.) Macht zwei RAW-Konvertierungen und maskiert anschließend selektiv aus.
2.) Eine einfache Tonwertkorrektur gibt es über „Neue Füllebene – Schwarz/Weiß“. Anschließend den Bildstil auf „Weiches Licht“ und per Deckkraft Härte nach Geschmack rausnehmen.
3.) Neue Ebene mit „Farbton / Sättigung“ – das ganze auch wieder für jeden Teil des Bildes selektiv anwenden und per Ebenenmaske zusammenfügen.
4.) Aufräumen: Mit Kopierstempel und Ausbesserwerkzeug (CS5) kleine Ästchen und Bildfehler glätten, wirkt sauberer und professioneller.
5.) Blendeneffekte können Sonne simulieren, darauf achten, dass es realistisch bleibt! Eine leichte Vignette unterstützt die Optik, Bewegungsunschärfe kann Regen, Körnung Schnee erzeugen… die Möglichkeiten sind endlos!

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Statements:

„Traue keinem Foto, dass Du nicht selbst gefakt hast!“
„Heute kein einziges scharfes Foto geschossen. Außer dem Mitzieher.“
„Vordergrund macht Bild gesund!“
„Sonne lacht, Blende acht!“
„Unterm Knie schneide nie!“

Und wer hat das Foto des Tages geschossen?

1. Platz: Marius Bock – sein Bild wird nächste Woche Foto der Woche sein und in der Digital Foto veröffentlicht – damit er das auch mitkriegt, gibt’s das Jahresabo gleich dazu.
2. Platz: Ben Heim
3. Platz Neal Cheeseman

Video des Tages:


Lensescape Tag 3 von nuts auf MTB-News.de

Jetzt aber: Bilder. Noch einmal wird bis Sonntag, 23:59 im Album abgestimmt: Der Fotograph mit den meisten „Gefällt mir!“ im Fotoalbum wird erneut prämiert!

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Das Sonnenaufgangs-Shooting heute früh fällt wohl leider ins (gefrorene) Wasser – aber keine Sorge: Wir werden euch anders mit Bildern versorgen… die Ergebnisse des heutigen Tages auf einen Blick




Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

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  2. benutzerbild

    anulu

    dabei seit 05/2005

    Schöne Bilder! und was für ein Hammer Wetter ihr dort habt :D genial!

    Viel Spaß euch allen noch.
  3. benutzerbild

    numinisflo

    dabei seit 09/2004

    Wirklich richtig gute Bilder. Macht Spaß das ganze zu verfolgen.
  4. benutzerbild

    svennox

    dabei seit 02/2010

    .."scheen..die Schnee Fotos" :D
    rass
    Top Fotos aber auch genial was die da auf dem Bike anstellen, besonders bei dem Wetter! :daumen:
    ..wirkl. KLASSE..!
  5. benutzerbild

    nochi

    dabei seit 06/2009

    wo bekommt man denn so stylische socken her? such scho ne ganze weile .. find aber nix gescheites ..

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