Ergon – der Name steht für unter ergonomischen Gesichtspunkten entwickelte Mountainbike-Produkte und der jüngste Zuwachs zum Ergon-Produktprogramm ist im Jahr 2011 die Ergon SM3 Pro Sattelserie gewesen. Nach einer ausführlichen Vorstellung auf der Eurobike (Link: Video und Artikel) haben wir den Sattel in den Dauereinsatz genommen und ihm in der Praxis auf den Zahn gefühlt. Die Ergebnisse dieser Praxiserprobung findet ihr in diesem Fahrbericht zum Ergon SM3 Pro Sattel.


# Der Ergon SM3 ist der erste Sattel von Ergon.


# Wir haben für euch das Modell Ergon SM3-S Pro getestet.

Technische Daten

    Hersteller: Ergon
    Modell: SM3 Pro
    Modelljahr: 2012
    Kategorie: Fahrradsattel
    Größen: S / M / L
    Sattellänge: 285mm
    Sattelbreite: 135mm / 145mm / 155mm
    Gewicht: 247g; Herstellerangaben:235g / 240g / 250g
    Gestell: TiNox
    Obermaterial: Futura-Microfaser, Diamantino am Heck
    Sitzschale: Carbon Fibre
    Farben: schwarz / weiß

    UVP: 139,95€


# Ergon SM3 Pro Sattel – Aufbau

Weitere Modelle

Übersicht: Ergon SM3, Ergon SM3 Monopink, Ergon SM3 Pro Carbon, Ergon SM3 Pro Carbon Monolink

Aufbau

Die Ergonomie und Eigenschaftsfestlegung eines Sattels beginnt nicht erst bei der Polsterung, sondern schon in Kern eines Sattels: Der Schale und den Streben. Auf dieser Grundlage bauen Polsterung und Bezug auf und aus dem Zusammenwirken der Bauteile resultieren die Eigenschaften des Sattels.


# Die Länge des Sattels und die Breite der Nase sind bei allen drei Größen des Ergon SM3 Pro Sattels identisch. Unterschiede gibt es bei der Breite der Sitzfläche.

Handgefertigt bei Selle Italia und mit viel Aufwand konstruiert – Ergon nimmt das Thema „Sattel“ ernst.

Bei Ergon hat man sich Zeit für die Entwicklung des SM3 Sattelprogramms gelassen, um einen ausgewogenen Sattel zu kreieren. Die Basis bildet ein konventioneller Strebenaufbau, der mit allen gängigen Sattelstützen kompatibel ist. Wahlweise bietet Ergon hier neben dem Standard-Gestell auch ein Monolink-Sitzrail an, das einen größeren Verstellbereich für die Sattelstütze bieten soll. Am Übergang der Streben zur Sitzschale verbaut Ergon in der Sattelnase einen Microdämpfer, der Schwingungen vom Sattel fernhalten und so für einen besseren Fahrkomfort sorgen soll. Die Sitzschale selbst ist beim Pro und Pro Carbon Modell aus Carbon gefertigt, beim günstigen SM3 besteht sie aus Verbundwerkstoff. Diese dünne und flex-optimierte Basis trägt einen mehrlagigen Sitzpolsteraufbau mit progressiver Dämpfungskennlinie, der je nach Sattelgröße unterschiedlich hart aufgebaut, ist um den verschiedenen Fahrergewichten gerecht zu werden.

Die Sitzfläche des SM3 Pro besteht aus Futura Microfaser und ist an der abgeflachten Rückseite mit Diamantino-Material verstärkt. An den Flanken der Sattelnase soll eine Silikonbeschichtung für minimale Reibung sorgen.


# Speziell ausgeformte und verstärkte Sitzschale für ein kontrolliertes Flexverhalten unter Last.


# Das Silikonmaterial an der Flanke der Sattelnase soll für minimale Reibung beim Treten sorgen.

Gefertigt werden die Ergon SM3 Sättel in der Sattel-Manufaktur von Selle Italia.

Eine Besonderheit bei Ergon ist die Anpassung der Sattelbreite an den Sitzknochenabstand des Fahrers. Damen haben richtig gelesen – der Ergon SM3 ist an die männliche Anatomie angepasst und somit nicht ideal für Frauen geeignet. Die Sättel der Ergon SM3 – Serie werden in den drei Breiten S, M und L angeboten, wobei Größe S bei Sitzknochenabständen von 9 – 11cm empfohlen wird, M zwischen 11 und 13cm und L von 13 – 15cm. Vor dem Kauf empfiehlt es sich also, z.B. mit einem Stück Wellpappe einen Abdruck der Sitzknochen zu nehmen und so die individuell passende Breite zu bestimmen. Unter folgendem Link bietet Ergon darüber hinaus weitere Informationen zur korrekten Sattelbreite an: Link.

Fahrkomfort

Das Ergebnis dieser Arbeit haben wir in der Praxis überprüft und dem Ergon SM3 Pro auf einem Pivot Mach 5.7 Carbon All-Mountain Bike die Sporen gegeben. Nach den ersten Aufsetzen ist klar, dass Ergon den Sattel straff ausgelegt hat – die Sitzknochen finden gute Unterstützung; der Dammbereich sinkt nicht ein und die lange Sattelnase hilft dabei, das Rad mit den Oberschenkeln zu steuern. Auf längeren Touren mit langen Anstiegen zeigt sich jedoch, dass der Komfort unter dieser Auslegung in keiner Weise leidet.

Persönlich bin ich ein Fan von harten Sätteln und der Ergon SM3 Pro sorgt auch ohne Radhose mit Polster für ein dauerhaft gutes Sitzgefühl ohne punktuelle Schmerzen oder Druckstellen. Der für unseren Test in Größe S georderte Sattel überzeugt so mit sehr gutem Komfort, auch wenn der erste Eindruck recht straff gewesen ist. Ein parallel getestetes Modell in Breite L hat hingegen aufgezeigt, wie wichtig die korrekte Anpassung des Sattels an die Biometrie ist: Die zu breite Sitzfläche bietet signifikant weniger Komfort, da die Sitzknochen nicht an den dafür vorgesehenen und von der Dämpfung her abgestimmten Punkten den Sattel berühren. Ist die Breite hingegen korrekt gewählt, geht das Konzept mit verschiedenen Dämpfungshärten und -dicken auf.


# Die Polsterung der Sitzfläche bietet einen ausgezeichneten Komfort trotz straffem Sitzgefühl.

Straff, aber auf langen Strecken sehr bequem – beim Komfort kann der Ergon SM3 Pro im Test überzeugen.

Positiv hervorzuheben ist auch, dass die Aussparung im Dammbereich nicht als Loch im Sattel ausgeführt ist, sondern als umschlossene Vertiefung. So bekommt der Fahrer mehr Freiheit bei der Positionierung auf dem Sattel und kann im Uphill davon profitieren, dass die Sitzfläche nach hinten leicht ansteigt. Auf diese Weise wird ein Abrutschen nach hinten vom Sattel hinunter verhindert und dennoch ist die Kante nicht im Weg, wenn die Hüfte von hinter dem Sattel nach vorne bewegt wird. Bei anderem Sätteln mit dieser Auslegung wie etwa dem bereits getesteten Tune Komm’vor kann es hier zu durchaus schmerzhaften Kollisionen kommen. Um diesen vorzubeugen hat Ergon den letzten Zentimeter des Sattels (der Bereich mit dem Logo) leicht abgeflacht. Als praktisch erweist sich auch die aus Diamantino gefertigte Rückseite des Sattels, die robust ist und vor Verletzungen des Bezugs schützt.

Wer bei seinem Sattel auf etwas mehr Polsterung und Weichheit setzt, der sollte den Sattel dringend vor dem Kauf probesitzen. Dies sei jedoch auch allen anderen Kunden empfohlen, die sich einen neuen Sattel kaufen. Nichts stört mehr als ein unpassender Sattel auf einer langen Tour.


# Abschließender Test des Ergon SM3 Pro Sattels in Finale Ligure.

Haltbarkeit

Sommer, Sonne, Staub, Schnee und Matsch – der Ergon SM3 Pro Sattel hat es während der Testphase bei uns nicht leicht gehabt. Umso spannender ist die Analyse, inwiefern der Sattel unter dem Einsatz gelitten hat.

Das Material der Satteldecke zeigt sich von der Praxis kaum beeindruckt und so ist als optischer Mangel nur die Abnutzung des kleinen Ergon-Wimpels am Sattelende zu nennen, der langsam durchscheuert. Ein weiteres Teil, das auf Dauer nicht fest sitzen wollte, ist die Gummiverkleidung unter der Sattelnase gewesen. Vorgesehen ist diese Platte, um beim Schultern des Bikes den Komfort zu steigern, gebraucht wird sie jedoch maßgeblich beim Anheben des Rades über den Sattel.

An unserem Testmodell hat diese Verkleidung leichtes Spiel bekommen und lockerte sich während der Fahrt, rutschte dann aber immer in Position zurück, sobald das Bike am Sattel hochgehoben wurde. Ein Tropfen Heißkleber unter die Platte und das Problem war dauerhaft gelöst.


# Nach mehr als einem Jahr Testzeit zeigt sich nur am Übergang von der Sattelnase zum breiten Hinterteil der Zahn der Zeit.


# Nicht mehr wie neu aber noch immer sehr gut in Schuss: Der Ergon SM3 Pro ist ein robuster Sattel

Abgesehen von diesen beiden Mängeln haben wir keine nennenswerten Abnutzungserscheinungen am Sattel feststellen kônnen – hier entspricht Ergon den hohen Erwartungen an einen Mountainbike-Sattel in dieser Preisklasse.

Fazit

Der Ergon SM3 Pro ist ein bequemer, robuster Sattel, der sich mit guter Haltbarkeit bei akzeptablem Gewicht für lange All-Mountain-Touren genau so empfiehlt wie für groben Einsatz. Besonders überzeugend ist der Fahrkomfort auf langen Strecken, bei dem das Ergonomie-Konzept voll aufzugehen scheint. Wer beim Gewicht sensibel ist, bekommt den Sattel in einer Carbon-Version.

Stärken

  • verschiedene Versionen zur Anpassung der Ergonomie auswählbar
  • sehr guter Fahrkomfort
  • gute Haltbarkeit

Schwächen

  • Gewicht relativ hoch
  • Preis

Weitere Informationen

Ergon Homepage
Text & Bilder: Tobias Stahl | MTB-News.de 2013

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Über den Autor

Tobias

Betriebswirt mit Hang zum Maschinenbau - nicht nur im Studium sondern auch für MTB-News.de. Seit 2002 auf dem Mountainbike unterwegs ist er ein begeisterter Bergsportler, der von XC bis Enduro Spaß an allem hat, was sich aus Muskelkraft auf zwei Rädern anstellen lässt.

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Fartzilla

    dabei seit 11/2011

    Guent
    Bei mir war er leider nicht the yellow of the egg...

    Bei Sitzknochenabstand von 13cm in L bestellt: Hatte Probleme mit den sehr harten Kanten beim sitzen neben den Sitzbeinhöckern...war unangenehm bis schmerzhaft auch nach ein paar Fahrten...nach Sqlab 610, XLC, Specialized Avatar und diversen Originalsätteln: die Suche geht weiter... :heul:
    Probiere mal den 66sick. Sehr bequemer Sattel
  2. benutzerbild

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  3. benutzerbild

    Guent

    dabei seit 06/2011

    Hab ich schon. Passt nicht...die Kanten...
    Auf dem HT passt der 611 active....fürs Dicke suche ich noch...
  4. benutzerbild

    zuki

    dabei seit 07/2008

    Guent
    Bei mir war er leider nicht the yellow of the egg...

    Bei Sitzknochenabstand von 13cm in L bestellt: Hatte Probleme mit den sehr harten Kanten beim sitzen neben den Sitzbeinhöckern.
    Ist zwar schon eine Weile her. Aber Du hättest den Sattel in S benötigt, bei 13cm...Falls es damals schon M gab, dann auch M. L ist meiner Meinung nach zu groß.
  5. benutzerbild

    raimi-27

    dabei seit 08/2010

    Hallo,

    Da mich dieser Sattel anspreich möchte ich diesen Thread wieder hochleben lassen.

    Ist der Unterschied da zwischen RR und ein 29" XC Bike wenn man hier unterschiedliche Sattel nimmt oder doch gleiche Modelle mit gleichen Maßen?

    Ich war heuer mit dem RR 9 Tage im Radurlaub (Alpen) und mit jeder Ausfahrt bekam ich Probleme. Zwar ich spürte keinen Druck im Darmbereich, sondern durch die langen Touren 5h+ pro Tag habe ich zwischen Hoden und Oberschenkel seitlich drinnen in der Mulde (drücke ich mal so aus) Pickeln bekommen. Diese Pickeln wurden Tag für Tag schmerzhafter beim sitzen. Hier habe ich dann noch dicker die Sitzcreme aufgetragen. Die ersten paar Stunden war alles ok, aber umso länger die Fahrt dauerte umso unerträglicher wurde es und musste schon zum Teil die Zähne zusammenbeißen und Wiegetritt abwechselnd fahren. Speziell war es im flachen. Sitzpolster ist nicht zu dick und nicht zu dünn.

    Mit dem BMC HT hatte ich diese Probleme noch nicht weil ich in dieser Saison mehr auf dem RR war wie auf dem Bike und auch keine längeren XCO. Für die nächste Saison möchte ich das ändern und darum hier auch diese Frage. Trainieren werde ich mehr auf XCO Strecken.

    Beim RR habe ich den Fizik Antares Sattel mit einer Breite von 142mm und bin eigentlich zufrieden. Dieses Problem mit dem Pickeln hatte ich zum ersten mal. Zuhause nie. Ich habe mir jetzt den Fizik Antares R1 geholt aber mit 152mm breite. Muss aber erst meinen Schlüsselbeinbruch ausheilen lassen und dann kann ich mal testen ob diese 10mm mehr mir gut tun. Sattelneigung habe ich -1° eingestellt.

    Ich wüsste einen neuen günstigen Ergon SM3-Pro Carbon Sattel in M in 145mm breite.
    Soll ja ein spezieller entwickelter MTB Sattel sein.

    Weiß jetzt nicht recht wie ich tun soll da dieser doch breiter ist wie schwerer auch.
    Diesen kaufen oder den Fizik mal testen und dann entscheiden da doch 7mm Unterschied ist in der Breite.

    Grüße
  6. benutzerbild

    Ergon_Bike

    dabei seit 09/2010

    raimi-27
    (...) Weiß jetzt nicht recht wie ich tun soll da dieser doch breiter ist wie schwerer auch.
    Diesen kaufen oder den Fizik mal testen und dann entscheiden da doch 7mm Unterschied ist in der Breite. (...)
    Das obliegt letztlich deiner Entscheidung. ;)


    Ich kann Dir in jedem Fall eine gute Zugsalbe empfehlen, denn die "Pickel", von denen Du sprichst, wirken auf mich eher wie Furunkel. Ichtolan ist eine gute Salbe dagegen. ;)

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