Passend zum bevorstehenden Sommer dürfen wir euch den Fahrbericht eines interessanten Spaßgeräts präsentieren. Das Onooka Ronic platziert sich im Bereich der Dirt- und Pumptrack-Bikes und möchte mit einem Preis von unter 900 Euro überzeugen. Wir haben das günstige Mittelklasse-Dirt Bike mit der Unterstützung des Dirt- und Pumptrack-Experten Sebi Meindl einem IBC-Fahrbericht unterzogen.


# Onooka Ronic Dirt-Hardtail im Fahrbericht

Die Augsburger Dirt- und Pumptrack-Szene konnte ihren guten Ruf auch nach dem Ende der legendären Jim-Knopf-Trails beibehalten und sorgt immer wieder deutschlandweit für Aufsehen. So wundert es nicht, dass dieser Szene schon manch namhafte Marke entsprungen ist. Zu den bereits bekannten Namen wie Leaf oder Cope gesellt sich nun auch die noch junge Firma Onooka Industries. Als Direktversender möchte Onooka den meist jungen Dirt- und Pumptrack-Fahrern hochwertige Produkte zum erschwinglichen Preis bieten.

Im konkreten Fall des hier getesteten Hardtails Ronic bedeutet das, dass Onooka-Inhaber Frank Heinrich bei der Zusammenstellung des Ronic auf Komponenten der sonst üblichen großen Dirt-/Street-Marken verzichtete und auf Teile aus eigenem Hause setzte. So finden sich am Onooka überwiegend Komponenten der Schwesterfirma Kartell Components. Besonders stolz zeigt sich Heinrich über den Ronic-Rahmen, welcher dank aufwendiger FEM-Berechnung besonders stabil und dennoch leicht sein soll. Mit seinen 2,2 kg liegt der schlichte Alu-Rahmen voll im Soll, das Komplettbike bringt für den Preis sehr leichte 11,9kg auf die Waage. Ob das Bike dafür dicke Action besonders gut wegsteckt, soll unser Praxis-Check zeigen.


# Der Rahmen des Onooka Ronic

Im Stand

Das Ronic macht auf den ersten Blick einen recht unauffälligen Eindruck. Der weiß gepulverte Alu-Rahmen ähnelt in seiner Formgebung einem schlichten Stahlrahmen: keine unnötigen Extras, kein knalliges Design. Das Bike wirkt lang und flach, wie ein echtes Pumptrack-Bike eben, doch soll das Onooka vor allem eins sein, ein Dirt Jump Bike für große Jungs, die Spaß an dicker Action haben. Anders als bei einem Pumptrack-Bike fällt die Front daher recht hoch aus, und das trotz der tief bauenden Gabel mit nur 80 mm Federweg. Der 38 mm hohe Lenker soll verhindern, dass man bei unsanften Landungen auf dem Vorderrad einen Abgang über den Lenker hinlegt. Wer sich mit dem Ronic jedoch wirklich auf großen Sprüngen austoben möchte, der sollte über eine Gabel mit etwas mehr Federweg nachdenken.

Aufgrund des langen Rahmens und des verhältnismäßig flachen Lenkwinkels, was in Kombination Sicherheit auf großen Sprüngen vermitteln soll, wurde der Hinterbau auf 393 mm gekürzt. Der kurze Hinterbau soll das Bike in der Luft wendig machen und auf dem Pumptrack einen ausbalancierten “Manual-Point” vorweisen. Um die Kettenlänge des Single-Speed-Antriebs unkompliziert einstellen zu können, bietet das Onooka einen praktischen Kettenspanner, der sich über zwei Rändelmuttern in den horizontalen Ausfallenden gleichmäßig einstellen lässt.

Auch wenn das Bike aus Sicherheitsgründen mit einer Vorder- und Hinterradbremse ausgeliefert wird, demontieren wir die Vorderradbremse und belassen es bei der ausreichend starken Avid Elixir 1 Hinterradbremse mit 160-mm-Scheibe. Das 11,9 kg leichte Ronic steht auf Maxxis DTH-Reifen, welche auf Kartell-Laufrädern aufgezogen sind. In der Gesamtheit macht das Ronic einen hochwertigen Eindruck, auch wenn einzelne Teile diesem nicht gerecht werden.


# Onooka Ronic: 11,85 kg für 899 Euro

In der Praxis

In der Praxis merkt man dem Bike schnell an, dass sein Erfinder Frank Heinrich leidenschaftlicher Pumptrack-Fahrer ist. Das Bike macht einen sehr steifen Eindruck und man bekommt sofort das Gefühl, als würde jede Bewegung auf dem Pumptrack in Schubenergie umgewandelt. Vor allem bei schnellen Manuals macht sich der kurze und steife Hinterbau bemerkbar, dank dem sich das Bike kraftvoll durch die Wellen drücken lässt. Auch die Geometrie eignet sich bestens für schnelle Pumptrack-Runden, auch wenn der Lenker für aggressive Kurvenfahrten oft ein wenig zu hoch baut.

Auch auf der Dirt Jump-Line bemerkt man als erstes das Heck des Ronic, denn auch hier kann man dank der oben beschriebenen Eigenschaften viel Schwung durch die Kompressionen zwischen Landungen und Absprüngen mitnehmen, um sich am nächsten Absprung kraftvoll in die Höhe zu kicken. In der Luft liegt das Onooka ruhig und lässt sich ohne böse Überraschung von einer Seite auf die andere drehen. Dem flachen Lenkwinkel sei Dank, wirken sich verpatzte Landungen über das Vorderrad weniger schlimm aus als bei vielen anderen Dirt Jump-Bikes.


# Mit dem Onooka auf der Dirt Line

Die Laufräder sind zwar ebenfalls keine Leichtgewichte, stellen dafür aber ihre Stabilität unter Beweis. Unsaubere Landungen, fehlgeschlagene 360°-Versuche und andere Dinge können weder der Speichenspannung noch der Felge etwas anhaben. Nicht so erfreut sind wir hingegen über die Gabel: Auch wenn die Suntour Duro eine gute Performance abliefert, so scheint sie massive Probleme mit der Schmierung zu haben. Nach nur wenigen Fahrten lässt sich an den Standrohren starker Dichtungsabrieb erkennen. Ein kurzer Blick ins Casting der Gabel verrät uns, dass die Gabel komplett ohne Schmieröl montiert wurde.

Um das Bike seinem Einsatzzweck entsprechend richtig in die Mangel zu nehmen, übergaben wir es in die fähigen Hände von Dirt Jump-Fachmann und Carver Bikes Team-Fahrer Sebastian Meindl.


# Unser Mann für Dirt: Uvex & Carver Bikes Team-Fahrer Sebastian Meindl 

Fazit von Tester Sebastian Meindl

Ich komme ursprünglich vom Race-BMX, tobe mich aber schon seit einigen Jahren mit dem Mountainbike auf Dirt Jump- und Pumptrack-Spots aus. Besonders beim Pumptrack-Fahren braucht ein gutes Dirt-Bike ähnliche Eigenschaften wie ein Race-BMX. Es muss steif sein, sodass jede Bewegung als Schubenergie vom Rad auf den Track kommt. Außerdem sollte das Bike der Handlichkeit halber möglichst leicht sein, das ist auch beim Springen wichtig. Umso leichter das Bike, desto einfacher lässt es sich in der Luft bewegen. Ein leichtes Bike macht sich besonders bei Tricks oder technischen Dirt Jump-Lines positiv bemerkbar.

Das Onooka ist mit seinen 12 kg nicht das leichteste, aber noch voll im Rahmen und siedelt sich mit seinem Gewicht in dieser Preisklasse ganz weit vorne an. Die Ausstattung ist solide und durchdacht. Mir persönlich gefiel das breite und hohe Cockpit sehr gut, auch wenn mir der starke “Backsweep” des Lenkers überhaupt nicht zusagen wollte. Stahlkurbeln an einem Aluminium-Rahmen treffen ebenfalls nicht ganz meinen Geschmack, sind aber solide und verkraften es auch, wenn man das Bike bei einem verpatzten Trick mal in der Luft wegschmeißen muss.

Auf großen Sprüngen fühlte ich mich mit dem Onooka dank des langen Hauptrahmens und des flachen Lenkwinkels pudelwohl. Besonders bei großen Absprüngen und steilen Landungen lernt man einen flachen Lenkwinkel am Dirt-Bike schnell zu schätzen. Obwohl sich das Onooka preislich eher im Einsteigerbereich ansiedelt, ist das Bike in meinen Augen weitaus mehr. Die Ausstattung stellt eine solide Plattform für jede Könnensstufe dar, bietet in Kombination mit dem Rahmen aber auch beste Voraussetzungen um damit richtig steil zu gehen.


# Onooka Ronic: Unser Test-Fahrer Sebi lässt es ordentlich krachen

Fazit

Für einen Preis von 899 Euro reiht sich das Onooka in die Riege der günstigen Mittelklasse-Dirt Bikes ein und wird dieser Klassifizierung mehr als gerecht. Dass man bei einem Preis von unter 900 Euro mit einer Ausstattung vorlieb nehmen muss, die sich nicht von den namhaften Herstellern der Szene zusammensetzt, kann am Ronic durchaus in Kauf nehmen. Einzig die Probleme mit dem Abrieb der Gabel sind ein kleiner Wermutstropfen. Das Ronic ist mehr als nur ein Einsteiger-Bike und lässt sich mit kleinen Modifikationen bedenkenlos als Dirt Jump-Contest Bike einsetzen. Bei der Ausstattung beschränkt sich Onooka auf das Wesentliche und bietet eine gelungene Mischung aus Haltbarkeit und Gewicht. In der Praxis kann das Gesamtpaket durch seine Allround-Fähigkeiten überzeugen: sowohl auf dem Pumptrack wie auch dem Dirt Jump-Spot macht das Bike eine tolle Figur. Wer mit dem Onooka auf fette Tricks über große Sprünge abzielt, sollte gegebenenfalls eine Gabel mit mehr Federweg einbauen.

Pro:

  • langer Hauptrahmen [gut für große Sprünge]
  • kurzes Heck [wendig]
  • sehr gute Preis-Leistung
  • sinnvolle Ausstattung

Contra:

  • Reifenfreiheit [sobald Dreck am Reifen schleift der am Hinterbau]
  • Dichtungsabrieb an Federgabelstandrohren
  • Lenkerbiegung [zu viel Backsweep]


# Sebi to Wall

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Ausstattung und technische Infos

Besonderheiten: 

  • Rahmen-Konstruktion: AL 7005, dreifach konifiziertes Unterrohr, FEM-berechnet
  • 10×135-mm-Ausfallenden, horizontal mit integrierten Kettenspannern
  • semi-integrierter 1 1/8″ Steuersatz
  • Rahmengewicht: 2,2 kg

Ausstattung:

  • Rahmen: Onooka Industries Ronic E1
  • Gabel: SR Suntour SF12 Duro DJ – RC 20QLC Air [AL-Steurrohr]
  • Lenker: Kartell Backyard Mid
  • Vorbau: Kartell Sector Stem Pro
  • Griffe: Kartell Onion Griffe
  • Steuersatz: Kartell Empire Semi integriert
  • VR-Bremse: Tektro Novela mechanisch [an Test-Bike demontiert]
  • HR-Bremse: Avid Elixir 1 hydraulisch, 160-mm-Bremsscheibe
  • Sattel: Kartell Mid Seat – Pivotal System
  • Sattelstütze: Kartell Piv post – Pivotal System
  • Kurbel: Kartell Vector Kurbel 3-teilig
  • Innenlager: Kartell Euro BB
  • Kettenblatt: Kartell Essential Kettenblatt 25Z
  • Kette: KMC Z401
  • Pedale: Kartell Cosmos Pedale
  • VR-Nabe: Kartell Bonfire FR mit Scheibenbremsaufnahme, 20mm Steckachse
  • HR-Nabe: Kartell Bonfire Dirt, 11Zähne Driver System
  • Felgen: Kartell Santana Dirt Felge
  • Reifen: Maxxis DTH 26″x2.3
  • Gewicht: ca. 11,85 (inkl. Pedale)
  • Preis: 899 Euro

Geometrie: 

  • Oberrohrlänge: 574mm
  • Reach: 417mm
  • Kettenstrebenlänge: 393mm
  • Sitzwinkel: 72.5°
  • Lenkwinkel: 69.5°
  • Sitzrohrlänge: 310mm
  • Tretlagerhöhe: -17mm unter der Achslinie
  • Radstand: 1049mm
  • Geometrieangaben basieren auf einer Gabeleinbaulänge von 463 mm [ca. 80-mm-Fw.]
  • für Federgabel mit 80 – 100mm Federweg empfohlen

Der Test in Bildern

Onooka Ronic in der Seitenansicht
# Onooka Ronic in der Seitenansicht

BMX-Stahlkurbeln am Ronic
# BMX-Stahlkurbeln am Ronic

Singel Speed mit Kartell-Naben am Ronic
#Single Speed mit Kartell-Naben am Ronic

Dichtungsabrieb an der SR Suntour Duro Gabel
# Dichtungsabrieb an der SR Suntour Duro Gabel

IBC Dirt Bike-Tester Sebi mit einem schönen Tuc-No-Hand
# IBC Dirt Bike-Tester Sebi mit einem schönen Tuck-No-Hand

Big Air - Big Whip
# Big Air – Big Whip

Stylen mit dem Onooka Ronic
# Stylen mit dem Onooka Ronic

Onooka Ronic Fahrbericht-12
# Onooka Ronic in der Augsburger Dirt-Halle

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  • Redaktion: Maxi Dickerhoff
  • Test-Fahrer: Sebastian Meindl & Maxi Dickerhoff
  • Bilder: Maxi Dickerhoff
  • MTB-News.de

Weitere Infos zu Onooka Industries findet ihr hier: onooka.com/

Informationen zum Onooka-Vertriebsweg gibt es hier: holyspoke.de/

  1. benutzerbild

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  2. benutzerbild

    dirtrider90

    dabei seit 04/2011

    sehr schönes rad und tolle ausstattung (vor allem die gabel) fürs geld. auch ein schöner test ist das geworden.
    ich möcht nur anmerken: 393mm als minimale kettenstrebenlänge ist heutzutage eher lang als kurz. die meisten rahmen liegen bei 380mm, einzelne sogar bei rund 370...
    vor allem auf dem pumptrack bin ich persönlich immer wieder froh, dass ich einen 375er hinterbau fahre, umso technischer und kleiner der pumptrack, umso mehr!
    nichts desto trotz glaube ich, dass das onooka - vor allem für einsteiger oder leute mit schmalem geldbeutel - ne richtig tolle sache ist, wo man drauf aufbauen kann, zumal mir der alurahmen sehr gefällt!
    gabel eben mit etwas schmieröl füttern ist ja auch kein problem, die suntour ist kinderleicht aufgebaut!
    etwas ärgerlich die reifenfreiheit: ein 2,1-2,2" reifen reicht hinten aber im regelfall aus..

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