Votec VE160 Elite im Test: Als wir von der Eurobike berichteten, dass Votec mit dem VE160 ein nagelneues 26“-Bike vorgestellt hat, war die Begeisterung groß – obwohl nagelneu es nicht ganz trifft: Wer schon etwas länger dabei ist, wird die bewährte Kinematik mit schwimmend gelagertem Dämpfer erkennen, die Votec bereits vor einigen Jahren im Programm gehabt hatte. Wir hatten das Topmodell der Serie im Test – lest selbst, wie uns das wiederauferstandene 26“-Bike gefallen hat.

Silber und Schwarz trägt das Topmodell - die günstigeren Bikes kommen knalliger daher

Aus dem Karton

Zunächst einmal: Haben wir uns da nicht ein jahrealtes Bike unterjubeln lassen? Tatsächlich wurde die Lage der Drehpunkte vom Vorgänger übernommen – ansonsten blieb aber kein Stein auf dem anderen, oder eher: Kein Rohr am anderen. Nicht nur die Rahmenschnittstellen wurden überarbeitet, sondern auch die Schmiedeteile und Teile der Geometrie. So verfügt der Rahmen jetzt über eine aktuelle 12X142mm Steckachse, eine Bremsaufnahme nach Postmount-Standard, und kann mit Teleskopstützen mit innenverlegten Zügen aufgebaut werden. Geometrietechnisch wurde der Lenkwinkel abgeflacht, und um die Haltbarkeit zu erhöhen, zahlreiche neue Schmiedeteile entworfen. Um das Vertrauen in die Haltbarkeit zu vermitteln, hat man den Rahmen beim renommierten Prüfinstitut Zedler testen lassen und gewährt 10  Jahre Garantie – Respekt.

Das Farbkonzept ist konsequent durchgezogen: Was nicht weiß, schwarz oder silber war, durfte scheinbar nicht ans Rad
# Das Farbkonzept ist konsequent durchgezogen: Was nicht weiß, schwarz oder silber war, durfte scheinbar nicht ans Votec VE160 Elite

Unser Topmodell Votec VE160 Elite wechselt für 3199€ den Besitzer. Dafür kriegt man bei Votec ein solide und recht sinnig aufgebautes Bike. Anstatt auf Eyecatcher wie teure Schaltwerke zu setzen, die dann leider schnell demoliert werden, wurde ein anderer Weg gewählt: Ein Sram X9 Type 2 Schaltwerk tut es doch auch, und dieses wird dafür mit hochwertigen X0-Shiftern kombiniert. Eine ungewöhnliche Entscheidung, aber wir lassen uns mal darauf ein. Eine Truvativ-Kurbel mit 2-fach Kettenblatt-Garnitur komplettiert den Antrieb.

"Statt Blendern eine sinnvolle Ausstattung" könnte das Motto gewesen sein. Leider schlagen Gabel, Kurbel und Rahmen dabei doch etwas auf die Waage
# “Statt Blendern eine sinnvolle Ausstattung” könnte das Motto gewesen sein. Leider schlagen Gabel, Kurbel und Rahmen dabei doch etwas auf die Waage: 13,8kg zeigt sie an

Ein Rock Shox-Fahrwerk bestehend aus Lyrik 2-Step Air mit einstellbarer Zug- und Druckstufe sowie ein Monarch RT3 Federbein kontrollieren die Räder. Bei diesen handelt es sich um Mavic Crossmax Systemlaufräder mit ordentlich breiten Schwalbe Hans Dampf-Reifen. Der Fahrerkontakt wird durch hochwertige Syntace-Teile und eine Rock Shox Reverb-Stütze samt Fizik-Sattel gewährleistet.

125 mm langes Steuerrohr mit schickem Firmenemblem darauf
# 125 mm langes Steuerrohr mit schickem Firmenemblem darauf

Ein schönes Detail: Die Aheadkappe erlaubt es, einen Kronkorken nach Wahl anzubringen und das Rad so ein wenig zu individualisieren. Stichwort individuell: Das günstigere Modell kommt nicht in schlichtem Silber-Schwarz daher, sondern im lebensbejahendem Orange-Schwarz-Mix. An diesem Rad muss aber der sehr konsequente Schwarz-Silber-Weiß-Mix gelobt werden. Vom Drehgriff bis zum Sattel, da hat sich jemand Gedanken gemacht.

Da scheiden sich die Geister: Srams Gripshift stellt je nach Handgröße eine Herausforderung# Da scheiden sich die Geister: Srams Gripshift stellt je nach Handgröße eine Herausforderung dar, wenn es darum geht, gleichzeitig zu bremsen und zu schalten.

Insgesamt ist das Enduro-Topmodell vernünftig aufgebaut: Rundum bewährte Teile, dennoch wurde auf das Gewicht geachtet. Als die Waage dann bei 13,8kg stehen bleibt, sind wir deshalb doch etwas überrascht, sehen dann aber auch: So eine absenkbare Lyrik wiegt eben 2250g, und der als Floatlink konstruierte Rahmen ist mit fast 3400g ohne Dämpfer kein Leichtgewicht.

Der Hinterbau ist bewährt, wurde aber komplett neu konstruiert und soll ordentlich was aushalten
# Der Hinterbau des Votec VE160 Elite ist bewährt, wurde aber komplett neu konstruiert und soll ordentlich was aushalten – was etwas aufs Gewicht schlägt: Er wiegt fast 3,4kg mit Dämpfer.

Aber Gewicht ist ja bekanntlich nicht alles, und so machen wir das Rad fahrbereit: Bremshebel in die richtige Position, Pedale dran, Luft in die Reifen und die Federelemente. Das Ablesen des Sags stellt eine kleine Herausforderung dar, immerhin wird der Dämpfer fast vollständig von Rahmen umschlungen. Ein schon vor der ersten Ausfahrt sinnig wirkendes Detail: Das einclipbare Schutzblech, welches den Dämpfer vor Dreck und Steinen schützen soll. Ohne läge nämlich der Monarch ganz schön exponiert über dem Yoke – schauen wir mal, ob das Schutzblech seinem Namen gerecht wird.

Individualisierbar: Aheadkappe mit Kronkorken-Halterung # Individualisierbar: Aheadkappe mit Kronkorken-Halterung.

Bei 177 cm Größe sitzt es sich auf dem Testrad in Größe M sehr bequem und aufrecht. Grund dafür ist die hohe Front: Eine 170 mm Gabel und das 125 mm lange Steuerrohr machen sich bemerkbar. Dank der Absenkung lässt sich die Front aber niveauregulieren, dank Reverb der Sattel ausfahren, und so machen wir uns auf den Weg in Richtung Uphill.

Votec VE160 Elite – Auf dem Trail

Uphill

Wir hatten es dank 1X11 schon fast vergessen, aber es stimmt: Für einen Hinterbau gibt es wenig besseres als ein 2X10-Setup. Der Grund: Durch die tiefere Krafteinwirkung auf dem kleinen Kettenblatt sorgt der Kettenzug dafür, dass das Heck hoch kommt und stabilisiert wird, anstatt zu wippen. Auf dem großen Kettenblatt dagegen sorgt die große Kettenumschlingung dafür, dass die Kette perfekt auf- und abgewickelt wird.

Man kann durchaus immer noch gut für 2X10 Setups argumentieren: Mit Entfaltung und optimalem Kettenzug zum Beispiel
# Man kann durchaus immer noch gut für 2X10 Setups argumentieren: Mit Entfaltung und optimalem Kettenzug zum Beispiel.

Lange Rede, kurzer Sinn: Der Viergelenk-Hinterbau geht äußerst effizient zu Werk, die Dämpferplattform kann getrost ausbleiben. Es ist wirklich faszinierend zu sehen, wie Antriebskräfte und Schläge komplett entkoppelt sind: Während die einen den Hinterbau “Null komma Null” beeindrucken können, werden die anderen von der Federung geschluckt; saubere Arbeit. Dank der kompletten Nadellagerung läuft die Kinematik auch schön geschmeidig. Das nicht zu tiefe Tretlager ermöglicht es zusammen mit dem bequemen Heck so, dass man fast alles im Sitzen hochfahren kann.

Braucht es die Absenkung an der Gabel? Mit der 170er schon, in Serie wird aber eine 160er Gabel verbaut - und die hätte gerne auf Dual Position Air verzichten können.
# Braucht es die Absenkung an der Gabel? Mit der 170er schon, in Serie wird aber eine 160er Gabel verbaut – und die hätte gerne auf Dual Position Air verzichten können.

So erklimmt man sitzend auch steile Anstiege, und zwar in recht entspannter Manier – es sei denn, man hat es eilig. Denn schnell mag das Votec VE160 Elite gar nicht so gern. Dafür sitzt man zu kompakt und kämpft dann auch mit mehr als 14 kg, sobald die Pedale montiert sind. Der Laufradsatz mag leicht sein, aber mit den verbauten Reifen und Schläuchen sowie der kurzen Geometrie gewinnt man die Bergwertung eher nicht. Aber darum geht es ja vielleicht auch gar nicht – also lassen wir die Gabel mal frei und gönnen uns einen etwas flacheren Trail.

Flowtrails

Auf dem flacheren Trail angekommen ist erstmal Hochschalten gefragt. Der Daumen drückt ins Leere, die Umgewöhnung auf Gripshift dauert doch ein wenig. Musste man jetzt vorwärts oder rückwärts drehen? Während auf der einen Seite die Motorrad-Logik (nach hinten für mehr Geschwindigkeit) greift, ist auf der anderen Seite umdenken gefragt. Das ist bei konventionellen Schalthebeln zwar auch so, aber eben seit Jahren schon antrainiert. Nachdem ich dann meine durchschnittlich großen Hände auch noch nach innen rutschen lassen muss, um überhaupt am Drehgriff anpacken zu können, rastet der Gang präzise ein und wir nehmen Fahrt auf.

Die recht kurze, verspielte Geometrie macht ordentlich Laune
# Die recht kurze, verspielte Geometrie macht ordentlich Laune.

Das Bike fährt sich in flachem Gelände mit ausgefahrener Gabel entspannt, erneut eher Lounge als Fitnessstudio. Mit abgesenkter Gabel dagegen etwas unkomfortabel – hier wäre tatsächlich eine Zwischenhöhe das Beste, vielleicht die vielerorts verbreiteten 160 mm? Davon abgesehen fährt sich das Bike schön agil und direkt. Der Hinterbau ist voll auf der Höhe, und die Möglichkeit, vor einem plötzlichen Gegenanstieg die Gänge durchzureißen, hat auch was. Das Cockpit ist mit seinem 760 mm Lenker und 50 mm Vorbau (je nach Größe) super für ein Rad dieser Art ausgelegt.

Grau - so kann man unseren Fototag wohl am besten bezeichnen...
# Grau – so kann man unseren Fototag wohl am besten bezeichnen…

Abfahrt

Jetzt sollte die Stunde des VE160 schlagen: Die fette Lyrik, die dicken Pneus, die starken Bremsen… auf geht’s. So lange der Trail mäßig steil bergab geht, geht es nicht auf, es geht gut ab. Dank des antriebsneutralen Hinterbau kann man gut Gas geben, insgesamt fühlt sich das Rad kürzer an, als es die 66° Lenkwinkel und 435 mm Kettenstreben des Datenblattes vermuten lassen. Das liegt an dem eher hohen Innenlager, und daran, dass der Dämpfer nicht sehr viel Sag freigibt.

Die Hinterbaukinematik gewährleistet brems- und antriebsneutrales Federn
# Die Hinterbaukinematik gewährleistet eine brems- und antriebsneutrale Federung.

Die eher straffere Charakteristik lässt auch ohne Absprung ein wenig Airtime zu
# Die eher straffere Charakteristik lässt auch ohne Absprung ein wenig Airtime zu.

Unterm Strich macht die Lyrik einen soliden Eindruck und hängt den Monarch-Dämpfer bergab ab. Passender zur Lyrik und zum Einsatzbereich wäre da schon ein Monarch+ – doch der lässt sich im engen Rahmen leider nicht unterbringen. Die XO-Trail Bremsen machen einen sehr soliden Eindruck, der einzige Haken: Sobald man sie in gewohnter Position anpackt, wird die Sache mit dem Schalten schwierig. Und selbst wenn der richtige Gang eingelegt ist: Sobald man richtig kesselt wird man auch an einen Haken von 2X10 erinnert. Trotz gedämpftem Schaltwerk fiel die Kette häufiger als erwünscht aufs kleine Kettenblatt, der nächste Antritt ist für die Katz.

Solange es bergab geht, muss man das Votec ja nicht selbst beschleunigen - und kann sich darauf konzentrieren, ihm ordentlich Hackengas zu geben.
# Solange es bergab geht, muss man das Votec ja nicht selbst beschleunigen – und kann sich darauf konzentrieren, ihm ordentlich Hackengas zu geben.

Wer bergab nicht unbedingt viel treten will, kann darauf verzichten und stattdessen eine souveräne Abfahrt hinlegen. Denn Geometrie, Ausstattung und Fahrwerk ermöglichen genau das: Unaufgeregtes, sicheres Fahren, egal was kommt. Dazu passen die großen Bremsscheiben, die hohe Front und die Reifen mit einem gut vorhersehbaren Grenzbereich.

Um es bergab aber richtig krachen zu lassen, wäre die Option auf einen dickeren Dämpfer schön (leider nicht möglich) und ein Aufbau mit einem Kettenblatt sinnvoll.
# Um es bergab aber richtig krachen zu lassen, wäre die Option auf einen dickeren Dämpfer schön (leider nicht möglich) und ein Aufbau mit einem Kettenblatt sinnvoll.

Das würde auch besser zur fetten Gabel passen. So wirkt der Aufbau etwas unstimmig, kostet bergauf Kraft und bietet bergab doch nicht das volle Potential
# Das würde auch besser zur fetten Gabel passen. So wirkt der Aufbau etwas unstimmig, kostet bergauf Kraft und bietet bergab doch nicht das volle Potential

Fazit zum Votec VE160 Elite

Ein solides Bike, das Votec VE160. Allerdings erscheint uns die von uns gefahrene Ausstattung nicht als optimal: Die Gabel zu lang und zu schwer, die Drehgriffe für die meisten von uns bergab Spaßbremsen, und der Dämpfer nicht auf Augenhöhe mit der Gabel, dazu ohne Kettenführung – irgendwie passt das nicht zusammen. Die gute Nachricht: Für 2699€ kriegt man eine 160er Fox 34 CTD Fit, einen Float CTD Dämpfer, Elixir 7 Bremsen und eine XT-Ausstattung, was für uns insgesamt nach dem besseren Angebot klingt (der Sun Laufradsatz ist weniger hochwertig, aber das Teil ist auch 500€ billiger).

Der Rahmen ist aber der gleiche, und dieser kann durchaus was. Einen dermaßen antriebsneutralen Viergelenker kann man nur mögen, die Geometrie taugt für alles außer die Jagd nach Sekunden, und 10 Jahre Garantie geben ein gutes Gefühl. Kritik verdienen allerdings die hohe Front und die Inkompatibilität mit Dämpfern mit Ausgleichsbehälter, die dem Rahmen und seinem möglichen Einsatzzweck durchaus gut stehen würden.

Nachtrag: Die Gewichtsangabe für den Rahmen war falsch – er wiegt 3,36 kg mit Dämpfer, nicht ohne – Sorry!

Nach dem guten Test mit dem bekannten Konzept von VOTEC sind wir schon auf einen Test des neu entwickelten VM160 gespannt. Zumindest deutlich leichter soll das sein: 12,7 kg bei 160 mm Federweg klingen schon mal nicht schlecht – schon bald wird das Bike in der Redaktion erwartet.

  1. benutzerbild

    PietAM

    dabei seit 01/1970

    Da das vorgestellte VOTEC VE 160 relativ Jung auf dem Markt ist und deshalb hier vorwiegend Beiträge gepostet wurden, welche sich auf das Analysieren der nackten Zahlen, technischen Daten und einem ersten Praxistest beschränken, möchte ich den Thread etwas auffrischen. Habe mir den Rahmen in orange geordert und aus meinen vorhandenen Parts ein Enduro zusammengebaut: http://fotos.mtb-news.de/s/71539. Ich muss sagen, das die Geo meinen Vorlieben voll entspricht. Das Bike lässt sich leichtfüßig bewegen, liegt trotzdem satt auf dem Trail und beim Trailtanz kann man mit dem Bike spielen. Hier ein Bunny Hop, da eine Wasserrinne auf dem Hinterrad queren, über Wurzeln kurz das Vorderrad lupfen, kleinere Sprünge und ab und an einen ausgedehnten Wheelie. That's it, so muss ein Bike für mich funktionieren! Die entspannte, aufrechte Sitzposition macht Bock aufs Biken. Bei mir stehen allerdings auch nicht das Bikegewicht oder die Stoppuhr im Vordergrund. Vielmehr fahre ich gerne technische Touren, genieße die Natur und Feile permanent an meiner Fahrtechnik. Dazu muss das Bike vor allem stabil sein. Passt alles. Aktuelle technische Standards, wie tapered Steuerrohr, ISCG03 Kettenführung, X-12 142mm Steckachse, Schaltauge und Gewindeinsert, 7" Postmount Bremsaufnahme, kombiniert mit den guten, alten 26" Laufrädern sowie 10 Jahre Garantie auf den Rahmen, Runden das Paket ab. Ich persönlich bin absolut zufrieden.
    Ride on!
    Peter
  2. benutzerbild

    PietAM

    dabei seit 01/1970

  3. Anzeige

  4. benutzerbild

    speedy_j

    dabei seit 04/2004

    anhand deiner sattelstellung könnte man aber vermuten, dass dir das oberrohr ein wenig zu kurz ist. pass auf, dass dir der sattel nicht mal abknickt. wäre nicht das erste mal ohne verlängerte untere sattelaufnahme.
  5. benutzerbild

    Backwoods

    dabei seit 06/2001

    Schönes Bike :daumen:
    Was wiegt es so wie es da steht?

    Sieht von der Geometrie aus wie mein Fusion Freak 2010.

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