Unser Mann vor Ort: Tommy Umbreit hat einen interessanten Rennbericht von der tschechischen Specialized Enduroserie mitgebracht. Auf feinsten Naturtrails rund um Zadov hatten 124 Fahrer und 7 Fahrerinnen ihren Spaß. Leider fiel die letzte Stage des Rennens buchstäblich ins Wasser. Viel Spaß beim Bericht von Tommy Umbreit.

Vergangenes Wochenende ging es zu unseren östlichen Nachbarn nach Tschechien zum 3. Rennen der tschechischen Specialized Enduroserie. In Zadov, im zu dieser Jahreszeit sehr schönen Böhmerwald, erwartete uns dieses wie auch schon letztes Jahr bestes Racing. Was geboten wurde? Feinstes Enduro mit besten Naturtrails ganz ohne Bikepark und Liftunterstützung! Auch die ersten deutschsprachigen Mitstreiter folgten dem Aufruf meines letztjährigen Artikels und genossen die aufwändig angelegte, durchdachte und in allen Belangen fordernde Strecke.

Von Nürnberg aus knapp 300 km südöstlich auf der Landkarte zu finden machte ich mich also auf nach Zadov. Für einen in Mittelfranken ansässigen Bundesbürger in guten 3 Stunden zu erreichen und absolut wert, diese Reise anzutreten. Auch Markus und Brigitte aus dem österreichischen Böhmerwald und die beiden LAST Girls Bettina Lysko und Stefanie Rickfelder fanden den Weg hierher. Nicht nur, dass wir das gleiche Rennen bestritten, nein, mehrere Umstände übernachtungstechnischer Hinsicht waren letztendlich auch dafür verantwortlich, dass wir am Samstag Abend nach dem Training alle an einem Tisch in der gleichen Pension saßen und uns über die tollen Trails vom Training und vielerlei anderer Bikethemen austauschten.

Steinsprung auf Stage 1
# Steinsprung auf Stage 1

Neben der Entwicklung der Starterzahlen von 97 Männern und 5 Frauen im letzten Jahr hinzu zu 124 Männern und 7 Frauen in diesem Jahr nahm auch die Entwicklung der Organisation und der Streckenführung seinen Lauf.

Neben ausführlichen Beschreibungen zum Rennablauf auf der Facebookseite gab es eine detaillierte Streckenbeschreibung, die einlaminiert auf der einen Seite eine farbige, gut erkennbare Karte inkl. der eingezeichneten Stages und auf der anderen Seite für jede Stage eine Beschreibung inkl. der zu absolvierenden Höhenmeter parat hielt. Die Transfers zu den Stages wurden dabei hauptsächlich durch gut fahrbare Forst- und Asphaltwege absolviert. Weiterhin gab es einen großen Verpflegungsstand im Start-Zielbereich, der nach jeder zweiten der fünf Stages wieder durchquert wurde. Außerdem hielten unterwegs freundliche Streckenposten kleine Snacks bereit.

Holzhindernisse beim Prolog
# Holzhindernisse beim Prolog

Ein weiteres nettes Feature war die Siegerehrung für die Besten des Prologs, welches meiner Erfahrung nach bisher einzigartig unter allen internationalen Endurorennserien ist. Wenn man etwas an der sonst sehr gut organisierten Veranstaltung kritisieren möchte, ist es einzig und allein die Internetseite, welche in einer englischen Version für andere Nationalitäten einfacher zugänglich wäre.

Was die Streckenführung angeht, bewiesen die Organisatoren einmal mehr den Hang zur kontinuierlichen Verbesserung ihres Wettbewerbs. Keine Stage, welche dem letzten Jahr komplett glich. Dabei waren 2 Stages komplett neu und 3 Stages voll und ganz auf  Enduro optimiert. Im Gegensatz zum letzten Jahr wuchs die Anzahl der Stages somit von 4 auf 5 und boten neben dem oben angesprochenen Prolog eine Menge Spaß. Die Wertungsprüfungen waren außerordentlich abwechslungsreich und mit Stagezeiten von bis zu 5 Minuten auf jeden Fall endurotauglich. 3 der 5 Stages begannen mit langen Tretpassagen, bevor es in technisches Gelände bestehend aus Steilhängen, Wurzeln und Steinen ging. Die Streckenführung ließ dabei immer wieder schöne Shortcuts zu, die sich bei genauem Hinsehen im Training ergaben.

Zwischendrin war immer wieder frischer, weicher und loser Waldboden mit hohen Geschwindigkeiten zu durchfahren, der viel Platz für Spielereien im Sinne von Bikebeherrschung zum Umzirkeln der vielen Bäume hatte und letztendlich oft und abrupt im nächsten Busstop (kurze Haken in der Streckenführung, um Geschwindigkeit der Sicherheit halber herauszunehmen), Steilhang oder einem kleinen Sprung endete.

Laut Organisatoren war eine mehrköpfige Crew eine Woche lang damit beschäftigt, alle Stages anzulegen und abzubandeln. Enorm viele Switchbacks, Busstops, Steilstücke, Wiesenquerungen, Wiesenmähungen und leichte Erdbewegungen wurden dabei integriert und unternommen, um ein geiles „Naturenduro“ bieten zu können. Ich erinnere an dieser Stelle immer wieder gerne an die Startgelder und das Preisleistungsverhältnis, womit man es hier zu tun hat. 13 € denke ich, ist ein absolut fairer Kurs, um mit toller Natur, relativ kurzer Anfahrt, günstigen Unterhaltskosten und letztendlich super präparierten Renntrails, welche physisch und technisch auf europäischer Ebene mithalten können, belohnt zu werden.

Sieger im Prolog bei den Herren wurde TEJCHMAN Přemek (commencal team) vor ČEP Pavel (BRT Olomouc) und VANER Jan (Gigantic Racing Team). Gerade die beiden Erstplatzierten hier aus dem Prolog dürfen spätestens seit dem Kronplatzrennen der EES bekannt sein, wo sie mit einem 8. (TEJCHMAN) und 14. (ČEP) Platz auf sich aufmerksam machen konnten. Bei den Damen konnte PECHOUTOVÁ Ivana (SRAM ENDURO TEAM) vor DRENGUBÁKOVÁ Andrea (GIANT cycling team) und PIRZKALLOVÁ Zuzana (GT bicycles opportunity) gewinnen.

Während dem Rennen fing es an zu regnen
# Während dem Rennen fing es an zu regnen

Im anschließenden Rennen nach dem Prolog wurde die letzte Stage aufgrund eines sintflutartigen Gewitters mit massenweise Regen, Hagelkörnern, Blitz, Donner und dem Anraten der Sicherheitskräfte wegen einer zu sehr aufgeweichten Strecke gestrichen. Somit siegte bei den Männern wiederum TEJCHMAN Přemek (commencal team) vor dem letztjährigen Seriengewinner FIKEJZ Jiří (AGang- Enduroteam.cz) und ZELENÝ Ondřej (SRAM ENDURO TEAM). Bei den Frauen gewann DRENGUBÁKOVÁ Andrea (GIANT cycling team) vor PECHOUTOVÁ Ivana (SRAM ENDURO TEAM) und LYSKO Bettina (LAST NATIONAL TEAM). Auch Steffi RICKFELDER schaffte es mit einem 5. Platz auf das Podium. Mädels, es war mir eine Ehre, euch kennen zu lernen :).

Regen, Hagelkörnern, Blitz, Donner - das Rennen musste vor Stage 5 abgebrochen werden
# Regen, Hagelkörnern, Blitz, Donner - das Rennen musste vor Stage 5 abgebrochen werden

Insgesamt war es ein tolles Rennen mit massig Trailvergnügen. Aufgrund von Platten konnte ich meine beiden 7. Plätze von Stage 1 und 2 nicht nach Hause bringen und musste mich zusätzlich dem Unwetter geschlagen geben. Nichtsdestotrotz wird dieses Rennen wie auch schon letztes Jahr wieder ganz fest in meinem Rennkalender drin stehen. Nun gibt es 2 Wochenenden Pause bis zum nächsten Rennen am Reschenpass. Ein Rennen, welches ebenfalls durch originalen Charakter besticht und hoffentlich genauso viel Trailspaß wie letztes Jahr garantiert.

Die vollständigen Ergebnislisten zum Rennen in Zadov findet ihr hier.

beste grüße
[w]ride_it
tommy

Podium
# Podium
  1. benutzerbild

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