Zugegebenermaßen: Ein bisschen nervös war ich schon, als ich mich in Finale Ligure auf das Fahrrad gesetzt habe, in dem die Federgabel von Foren-User Bommelmaster steckte. Ich kenne Bommelmaster flüchtig schon seit einigen Jahren: Maschinenbau-Student, Bastler, Fahrrad-Freak. Hoffentlich hat er sich bei der Konstruktion nicht verrechnet. Carsten, dem er auch eine Testfahrt angeboten hatte, hatte das Angebot abgelehnt: “Ich fahre keine Komponenten, die keine Erprobung und Absicherung hinter sich haben.”

Kaum zu glauben
# Kaum zu glauben - Diese Federgabel hat unser User Bommelmaster entwickelt und konstruiert. Und was macht ihr so in eurer Freizeit?

Aus diesem Grund habe ich auch dem wesentlich schwereren Bommelmaster, der im echten Leben Cornelius heißt, auch den Vortritt gelassen. Nachdem die Gabel bei ihm bereits vor meinen Augen 900 hm Abfahrt überstanden hatte, war ich optimistisch, dass sie bei mir nicht unvermittelt aufgeben würde. Sicher sein kann man natürlich trotzdem nie.

Der Entwickler und seine Gabel
# Der Entwickler und seine Gabel - Cornelius testet seine eigene Konstruktion. Inzwischen ist er seit einem halben Jahr damit unterwegs und sehr zufrieden.

Dem Angebot einer Testfahrt konnte ich natürlich nicht widerstehen. Seit ich die in blauem Eloxal und Sichtcarbon gehaltene Upside-Down Singlecrown Federgabel auf der Eurobike gesehen hatte, wollte ich wissen: Was kann das Teil? Aber auch: Was kann der Cornelius?

Genau wie mein Bruder und ich hatte auch er vor einigen Jahren mal Carbon-Kettenführungen für den Eigenbedarf und andere Foren-User gebaut. Es folgten ein immer noch andauerndes Maschinenbau-Studium in Wien, ein Praktikum bei Canyon, mittlerweile eine Kooperation mit Trick!stuff, die die neueste Evolution seiner Kettenführungen anbieten. Jedenfalls hat er ein Faible für Upside-Down-Gabeln: Konstruktiv überlegen seien sie. Die Argumente: Die Konstruktion (dünnere Rohre unten, dickere oben) ist besser geeignet, um die auftretenden Biegemomente beim Bremsen aufzunehmen, dadurch kann die Gabel leichter gebaut werden. Das Öl in der Gabel steht dauerhaft auf den Dichtungen, die Schmierung ist besser. Der große Haken an der Sache: Die fehlende Gabelbrücke stellt eine schwächere Verbindung der beiden Gabelseiten dar. Deshalb kann die Gabel Lenkmomente etwas schlechter ab, muss ihre Steifigkeit anders generieren – und wird dadurch meist schwerer.

Ungewöhnlicher Anblick
# Ungewöhnlicher Anblick - Die Gabelkrone fehlt, die Reifenfreiheit ist schier unbegrenzt

Soviel zum allgemeinen Vergleich von Upside-Down- und konventionellen Federgabeln. Aber diese Gabel ist ganz und gar nicht allgemein. Sie bietet 160 mm Federweg, wiegt wenig mehr als eine aktuelle Pike und soll dennoch ausreichend steif sein. Dazu hat Cornelius die 20 mm Steckachse wieder geholt, sie aus Stahl (etwa 30 % steifer als konventionelle Alu-Achsen) ausgeführt und solide geklemmt. Fette, blau eloxierte Standrohre sorgen weiter oben für Steifigkeit. Doch nicht nur das Chassis hat Cornelius selbst entwickelt und fertigen lassen, auch das Innere – die Luftfederung und die Dämpfung – entspringen seinen Ideen.

Bremsaufnahme
# Bremsaufnahme - Im Dorado-Stil. Funktionierte problemlos!

Genug der Theorie, ab auf den Trail. Ich konnte nur zwei Trails, also recht wenig Zeit, auf dem Bike verbringen. Der häufigste Kritikpunkt – mangelnde Lenksteifigkeit – und das häufigste Argument – erhöhte Längssteifigkeit – lassen sich jedoch schnell erleben. Wie es der Zufall will, beginnt meine Testfahrt auf dem hierfür perfekten Trail. Wie eine Achterbahn schießt uns der Trail durch Rinnen und Mulden, immer wieder warten heftige Kompressionen, sind abrupte Bremsungen nötig und fordern Bäume zu spontanen Lenkmanövern. Tatsächlich lässt sich die Längssteifigkeit bei heftigen Bremsmanövern spüren, wie eine Wand steht die Gabel und biegt sich so gut wie nicht nach hinten. Das lässt sich deshalb deutlich spüren, weil eine Längsbiegung der Gabel zu einer Änderung des Radstands und des Vorlaufs führt. Hier überzeugt der Prototyp eindeutig. Doch wie sieht es mit der Lenkpräzision aus? Hier fehlt dem Eigenbau nichts; die Lenkpräzision stimmt. Ein objektiver Vergleich könnte nur auf dem Prüfstand erfolgen, aber die Gabel fühlte sich absolut ausreichend an.

Eindeutig zu fühlen
# Eindeutig zu fühlen - Die Längssteifigkeit ist klasse, die Lenksteifigkeit ebenfalls nicht zu bemängeln.

Der nächste Trail fordert nun eher die Dämpfung: Scharfkantige Steine, Spitzkehren, wechselndes Tempo. Hier konnte die Gabel nicht ganz so schnell dem Untergrund folgen, wie es die besten aktuellen Produkte vermögen. Gefühlt würde ich dies auf eine höhere Reibung der Gabel schieben, was verständlich wäre – schließlich sind in dieser Gabel alles Einzelteile, für die nur eingeschränkte Fertigungsmöglichkeiten zur Verfügung standen. Dennoch macht Cornelius Federgabel insgesamt einen sehr guten Eindruck, sackt nicht durch und bleibt stets kontrolliert. Auch bei ordentlichen Schlägen verhärtete die Gabel nicht, so soll es sein. Den Federweg nutzte ich bis auf etwa 10 mm aus, was für den kurzen Einsatz und das schnelle Setup ein guter Wert sein dürfte. So bot die Gabel noch Reserven, fühlte sich aber nie bockig an. Hut ab, User Bommelmaster.

Dass die Gabel während der Fahrt etwas Luft verlor und sich dadurch der Federweg verringerte lag an der Rauigkeit im Inneren der Rohre. Die führt nicht nur zu einem erhöhten Losbrechmoment, sondern eben auch zu gelegentlichem Absacken. Grund dafür: Die Rohre wurden innen hohl gedreht und nicht gehont, auf gut Deutsch: Sie sind einfach nicht glatt und deshalb nicht ganz luftdicht. Das alles ist in Anbetracht der hier in Freizeit erbrachten Leistung aber absolut nebensächlich. Ein Student hat hier eine Gabel konstruiert und gebaut, wie sie derzeit kein Hersteller anbietet. Nach der kurzen Probefahrt steht für mich fest: Upside-Down-Gabeln sind nicht tot – auch nicht als Single-Crown-Gabeln.

Zugegeben: Die Gabel folgt dem Untergrund nicht ganz so feinfühlig wie die besten aktuellen Angebote
# Zugegeben: Die Gabel folgt dem Untergrund nicht ganz so feinfühlig wie die besten aktuellen Angebote - Das würde ich jedoch auch auf die eingeschränkten Fertigungsmöglichkeiten und Oberflächenqualitäten schieben. Wir sind schon gespannt auf V2, die Bommelmaster bereits in der Mache hat...

Wie geht es weiter? Cornelius hat die zweite Version bereits konstruiert und sie ist in der Fertigung. Die Eckdaten: Nochmal leichter (1850 g mit Schonern, Adapter und allem drum und dran), nochmal steifer durch größere Durchmesser. Seien wir gespannt, was noch alles aus dieser Gabel wird!

  1. benutzerbild

    Mr_Ned_Lebowski

    dabei seit 10/2011

    Ohoooo, weißt du was die bei ihm kosten soll?
  2. benutzerbild

    san_andreas

    dabei seit 02/2007

    Ich weiß es, aber schreib' ihn einfach an.
  3. Anzeige

  4. benutzerbild

    -N0bodY-

    dabei seit 04/2010

    Also meine Bommelmaster Gabel ist gestern bei mir eingetroffen.

    Einfach ein Traum, gut durchdacht konstruiert. Optisch und von der Verarbeitung einfach Top.

    Mangels Rahmen und ein paar anderer Kleinigkeiten wird das mit der Beurteilung der Performance aber noch ein Weilchen Dauern.

    Aber was man so schon liest hört sich sehr gut an.
    Ich bin gespannt wie es das erste mal ist sich aufs Rad zu setzten und die Bommelmaster Gabel zu "erfahren"

  5. benutzerbild

    mcsonnenschein

    dabei seit 04/2003

    @BommelMaster : Schön zu hören das deine Gabel zu klasse laufen. MEGA

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