Fahren. Schieben. Tragen. Und noch mal vorn. Das neue Video von “Filme von Draussen” nimmt uns mit auf die “Insel der Dornen” – Korsika und ist wie immer zu einem unerwarteten, sehenswerten Abenteuer geworden. Wir haben uns mit dem Filmemacher und IBC-Mitglied Tom Malecha aka teecee über den Film unterhalten – aber zunächst: Film ab!

Island of Thorns von teeceeMehr Mountainbike-Videos

MTB-News: Hi Tom – wie immer schön, etwas Neues von dir zu sehen! Erzähl uns ein bisschen über den Film.

Tom Malecha: Wir wollten eine Trip-Doku machen, im Stil unseres 2013er-Films Haute Route [hier zum Film]. Damit das Ganze spannend wird, haben wir uns etwas ausgesucht, von dem wir wussten, dass es uns an unsere Grenzen bringt. Und Korsika hatte ich schon länger auf der Liste.

Camping-Urlaub.
# Camping-Urlaub. - Der Vorteil, wenn man sein Zuhause auf dem Rücken trägt: Man bleibt einfach dort, wo es einem gefällt.

Welche Route habt ihr genommen?

Wir sind dem Mare-a-Mare Nord, einem Fernwanderweg, von Ost nach West gefolgt und hinterher auf den Mare-e-Monti Richtung Porto abgebogen. Wir hatten zwar von verschiedenen Seiten gehört, dass das zum Biken eher weniger geeignet sei, aber hochmütig wie wir sind, haben wir gesagt, die können alle nicht fahren oder haben zu wenig Federweg.

Und? Haben sie recht behalten?

Es ist ein ständiges Auf und Ab und die Trails sind oft extrem verblockt. Mir ist dort erst mal klar geworden, wie aufgeräumt und gepflegt die Wanderwege in den Alpen sind. In den Uphills haben wir fast nur geschoben und getragen. Und da wir zusätzlich zum Bike noch Zelte, Schlafsäcke, Nahrung und Kameraausrüstung dabei hatten, habe ich zwischenzeitlich sicherlich um die 30 Kilo über die Insel gewuchtet. Das hat dann schlussendlich vermutlich auch dazu geführt, dass ich bei der Abfahrt Richtung Spelunca über den Lenker gegangen bin.

Buckeln.
# Buckeln. - Sieht auf dem Foto nicht so aus, war aber so: Die Uphills waren steil und böse verblockt.
Endlich geht es vorwärts.
# Endlich geht es vorwärts. - Wir freuen uns eigentlich selten, auf einen Feldweg zu kommen. Aber auf Korsika bedeutet das, endlich mal ein paar Kilometer machen zu können.

Was Ernstes passiert?

Zum Glück nicht, nur ein geprellter Oberschenkel. Da mich eine ähnliche Verletzung in der Vergangenheit schon mal fast mein Bein gekostet hätte, bin ich bei so etwas immer recht schnell panisch, wie man in dem Film vielleicht auch sieht. War letzten Endes kein großes Ding, aber Radfahren ging danach nicht mehr oder hat zumindest keinen Spass mehr gemacht.

Abfahrt vom Col de Verghio
# Abfahrt vom Col de Verghio - Für einen kurzen Augenblick blitzt so etwas wie Flow auf. Wenig später haben wir schon wieder im Unterholz verzweifelt nach Wegmarkierungen gesucht.

Kannst du Korsika als Bike-Destination empfehlen?

Schwierig, zumindest die Route, die wir genommen haben, ist eher was für Masochisten mit ausgeprägten Trial-Fähigkeiten. Ich wette aber, die Insel hat noch viel mehr zu bieten, aber auf der Tour war Fahrfluss ein rares Vergnügen. Aber als Gesamterlebnis gesehen ist Korsika der Hammer. Im Inland hat man das Gefühl, weit weg zu sein, man trifft kaum eine Menschenseele. Und die Küste ist auch wunderschön.

Natürlicher Anlieger.
# Natürlicher Anlieger. - Im oberen Teil der Spelunca-Schlucht gibt sich der Trail noch versöhnlich. Und dann fletscht er die steinigen Zähne.

Magst du noch was zum Filmerischen erzählen?

Klar. Ich hatte bei dem Trip eine Panasonic GH4 dabei, die ich leider erst 24 Stunden vor dem Trip erhalten habe. Man hätte von den Settings noch mehr rausholen können, aber ich hab die Kamera auf der Tour eigentlich erst kennengelernt. Im Gepäck war ausserdem ein Panasonic 14-140mm Objektiv sowie das 20mm-Pancake, dazu eine Gopro 3+, ein Gitzo-Stativ und ein Mikrofon. Im Auto hatten wir ausserdem eine DJI Phantom 2-Drohne, mit der wir nach der Tour noch ein paar Aufnahmen gemacht haben, um den Film noch ein bisschen zu würzen.

Abendsonne über Calacuccia
# Abendsonne über Calacuccia - Der schönste Teil des Trips: Unser Camp hoch über dem See von Calacuccia.
Fotos & Video: Tom Malecha




Über den Autor

Hannes

Johannes Herden, 1986 geboren, ist das Nordlicht des Teams und wohnt am obersten Rand von NRW nahe des Teutoburger Waldes. Studierter Sportwissenschaftler und bei MTB-News als Redaktionsleiter tätig - außerdem kümmert er sich um Tests, Interviews, News und Fotos jeglicher Art. Mountainbike-technisch am liebsten auf flowigen bis technischen Trails unterwegs, aber auch Dirtbike, Downhillrad und Rennrad werden rege genutzt. Website: johannesherden.de

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Telem

    dabei seit 01/2011

    Freesoul
    Genau an den Trailer musste ich auch denken :D
    made my day
  2. benutzerbild

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  3. benutzerbild

    DaveRiot

    dabei seit 02/2015

    @teecee falls du mal einen Film über die Überquerung der Lägern planst, mit Drohne und so. Lass mich doch bitte auch schnell durchs Bild flitzen(also flitzen mit Fahrrad und nicht ohne Bekleidung). ich hatte meine 15min Ruhm noch nicht! ;-)

    top Film, gefällt mir sehr gut.
  4. benutzerbild

    woswoasiwos

    dabei seit 02/2013

    @teecee
    Nochmal - wirklich sehr guter Film.:love:
    Solche Filme sehe ich viel lieber als immer nur das Geballere, supercoole Abklatschen danach usw.
    Deshalb finde ich das Gesprochene nicht immer optimal.

    Der Trailer ist ein Hammer :daumen::daumen::daumen:
  5. benutzerbild

    olev

    dabei seit 07/2008

    versteh mich nicht falsch, ich find den Film gut abgesehen vom mir zu pathetischen Gerdede. Vielleicht bin ich zu einfach gestrickt. Ich komm nie über:
    teecee
    "Ey, Biken ist voll geil"
    hinaus, und habe darum meistens durchaus Mühe, von meinen zahlreichen Biketouren zu berichten, weil das dann etwa so aussieht:
    [​IMG]
  6. benutzerbild

    OldShatterhand81

    dabei seit 10/2008

    Toller Film, vielen Dank für die Mühen.

    Ich sehe solche Filme 100 mal lieber wie irgendwelche krassen Stunts (als ob es beim MTB fahren nur um das "irgendwo runterballern" geht) oder die 100ste lahme Abfahrt mit ner GoPro am Helm, letztere braucht kein Mensch.

    Ich habe schon so oft zu meiner Frau gesagt, dass ich es nicht verstehen kann, warum Menschen meinen sich bei jedem langweiligen Unsinn filmen zu müssen und das dann auch noch ins Netz zu stellen.

    Dank solcher Filme wie dem von euch sieht man, dass es auch anders geht und man wenn man das Filmmaterial ordentlich schneidet und vertont, auch tolle Sachen dabei rumkommen.

    Daumen hoch und Kompliment.

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