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Der Alptraum jedes Hygienebeauftragten - kein Wunder, dass wir unser Essen des Öfteren verkehrt herum genießen durften
Der Alptraum jedes Hygienebeauftragten - kein Wunder, dass wir unser Essen des Öfteren verkehrt herum genießen durften
Wir genießen jeden Aufsstiegsmeter, der frei von Latschen und Gestrüpp ist
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Irgendwo im Nirgendwo. Noch sind wir guter Dinge, doch in der Nacht sollte ein heftiger Sturm unser Zelt in ein Segel verwandeln
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Gestrüpp, Geröll und Latschen. Häufig fragen wir uns, weshalb wir diesen Berg hinauftragen
Gestrüpp, Geröll und Latschen. Häufig fragen wir uns, weshalb wir diesen Berg hinauftragen
Von den Dächern Bischkeks erkennt man bereits die weißen Berggipfel des Ala-Artscha Nationalparks
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Voller Stolz präsentiert uns dieser ehemalig in Rostock stationierte Soldat sein DDR-Tattooo
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Eine Familie trifft sich mitten im Tian Shan zu Hühncheneintopf und Vodka. Wir müssen natürlich mittrinken...
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...denn "Don't drink and ride" nimmt man in Kirgistan nicht so streng.
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Die Kinder haben mindestens so viel Spaß an unseren Rädern wie wir. Teils müssen wir sie minutenlang jagen, um unsere Spielzeuge zurück zu bekommen
Die Kinder haben mindestens so viel Spaß an unseren Rädern wie wir. Teils müssen wir sie minutenlang jagen, um unsere Spielzeuge zurück zu bekommen
Nicht nur unsere Fahrräder üben eine Faszination aus, auch Sebastians Kameraausrüstung findet regen Anklang. Jeder möchte sich fotografieren lassen.
Nicht nur unsere Fahrräder üben eine Faszination aus, auch Sebastians Kameraausrüstung findet regen Anklang. Jeder möchte sich fotografieren lassen.
Zusatz 13
Zusatz 13
Wir wollen uns nur noch hinlegen und ausnüchtern
Wir wollen uns nur noch hinlegen und ausnüchtern
Ein idyllischer Platz, um seinen Rausch auszuschlafen
Ein idyllischer Platz, um seinen Rausch auszuschlafen
Mitten im wüstenartigen Gebiet um den Yssyköl-See finden wir dieses einsame Kind in einem Militärfahrzeug. Zu unserer Erleichterung kommt nach wenigen Minuten der Vater zurück
Mitten im wüstenartigen Gebiet um den Yssyköl-See finden wir dieses einsame Kind in einem Militärfahrzeug. Zu unserer Erleichterung kommt nach wenigen Minuten der Vater zurück
So wirklich weiterhelfen wollen uns die undetaillierten Karten nicht...
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...sie erinnern mich daran, als mir am Süphan Dagi in der Türkei eine Karte auf eine Serviette gezeichnet wurden
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Kaum zu glauben, aber das Türkis haben wir künstlich nachgearbeitet. Die reale Farbe war so grell, dass es sowieso niemand geglaubt hätte.
Kaum zu glauben, aber das Türkis haben wir künstlich nachgearbeitet. Die reale Farbe war so grell, dass es sowieso niemand geglaubt hätte.
Direkt am See schlagen wir unser Zelt auf und genießen die letzten Sonnenstrahlen
Direkt am See schlagen wir unser Zelt auf und genießen die letzten Sonnenstrahlen
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Im Hintergrund der Yssyköl-See
Im Hintergrund der Yssyköl-See
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Wie so häufig braut sich direkt vor unserer Nase ein ausgewachsener Sturm zusammen
Wie so häufig braut sich direkt vor unserer Nase ein ausgewachsener Sturm zusammen
Die Abfahrt vom Gipfel oberhalb des Alaköl-Sees. Noch ist es trocken, aber in etwa dreißig Sekunden sollte der Hagel losbrechen.
Die Abfahrt vom Gipfel oberhalb des Alaköl-Sees. Noch ist es trocken, aber in etwa dreißig Sekunden sollte der Hagel losbrechen.
Lose und rutschig zeigt sich die Abfahrt...
Lose und rutschig zeigt sich die Abfahrt...
...und dazu noch sehr, sehr steil
...und dazu noch sehr, sehr steil
Je weiter wir gen Tal kommen...
Je weiter wir gen Tal kommen...
...desto schneller wird der Weg. Man könnte meinen, dass alle Wurzeln und Steine händisch entfernt wurden
...desto schneller wird der Weg. Man könnte meinen, dass alle Wurzeln und Steine händisch entfernt wurden

Im vergangenen Jahr ging es in die Türkei und nach Georgien, für dieses Jahr stand für die Reisegruppe um Nikolai Holder Kirgistan auf dem Plan – und wieder gibt es für euch einen absolut lesenswerten Reisebericht. Das Wort hat Nikolai Holder.

Mit Sorge im Blick schauen Basti und ich auf Sebastian zurück. Lethargisch trabt er mit seinem Fahrrad auf dem Rücken gute zweihundert Meter hinter uns. Die ganze letzte Nacht hindurch erbrach er sich – das erste Mal in Ermangelung einer Alternative direkt in unseren einzigen Kochtopf, um Zelt und Schlafsäcke nicht zu versauen. Fraglich, ob er dabei die Prioritäten richtig gesetzt hat.

Vodka mit Ernst Thälmann – Trailer von StarkbierMehr Mountainbike-Videos

Der Alptraum jedes Hygienebeauftragten - kein Wunder, dass wir unser Essen des Öfteren verkehrt herum genießen durften
# Der Alptraum jedes Hygienebeauftragten - kein Wunder, dass wir unser Essen des Öfteren verkehrt herum genießen durften

Jedenfalls ist es wenig verwunderlich, dass uns am Morgen die Konsistenz von Porridge in ausgerechten diesem Topf nicht besonders zusagte. Außerdem verflüssigte ein heftiger Regenfall während des Aufstiegs am Vortag all unseren schlecht verpackten Zucker. Es gab also lediglich Wasser mit Haferflocken. Gelinde gesagt kein idealer Beginn für die bevorstehenden zweitausend Höhenmeter reine Tragestrecke. Aber ich habe mich ohnehin schon damit abgefunden, dass wir unser Vorhaben abbrechen werden müssen. Schließlich hat Sebastian am Morgen vielmehr Ähnlichkeit mit einer Leiche, als mit einem lebedingen Menschen. Ein weiterer Ruhetag war nicht denkbar, da der Flieger in die Heimat nicht warten würde. Aber er blieb ohnehin stur, zwang sich zwei Löffel “Porridge” in den Mund und versicherte, den Aufstieg wagen zu wollen.

Wir genießen jeden Aufsstiegsmeter, der frei von Latschen und Gestrüpp ist
# Wir genießen jeden Aufsstiegsmeter, der frei von Latschen und Gestrüpp ist
Irgendwo im Nirgendwo. Noch sind wir guter Dinge, doch in der Nacht sollte ein heftiger Sturm unser Zelt in ein Segel verwandeln
# Irgendwo im Nirgendwo. Noch sind wir guter Dinge, doch in der Nacht sollte ein heftiger Sturm unser Zelt in ein Segel verwandeln

Wir befinden uns in Kirgistan. Genauer gesagt südlich von Karakol, mitten im Terskej-Alatau Gebirge, wo wir einen beinahe viertausend Meter messenden Gipfel oberhalb des Alaköl-Sees besteigen wollen. Der Gipfel trägt scheinbar keinen Namen, weshalb wir hoffen, die Ersten zu sein. Ein steiler, teilweise nervtötend zugewachsener Pfad führt entlang eines Flusslaufes bergauf. Ständig verhakt sich irgendein Ast oder Strauch in den Rädern, was die ohnehin angespannte Stimmung nicht gerade hebt. Sebastian ist kreidebleich im Gesicht, weshalb mein schwacher Glaube daran, dass er diesen Aufstieg schafft, zunehmend schwindet. Immer wieder legt er sich flach auf den Boden, als wäre er bereit den Erschöpfungstod zu akzeptieren.

Gestrüpp, Geröll und Latschen. Häufig fragen wir uns, weshalb wir diesen Berg hinauftragen
# Gestrüpp, Geröll und Latschen. Häufig fragen wir uns, weshalb wir diesen Berg hinauftragen

Vier Tage wird die ganze Unternehmung benötigen, weshalb samt Essen, Ausrüstung und Fahrrädern jeweils in etwa dreißig Kilogramm auf unseren Schultern lasten. Das Ganze verpackt in dreißig Liter Rucksäcken und unhandlichen Gepäckrollen an unseren Lenkern sorgt nicht für idealen Tragekomfort. Mein Selbstmitleid schwindet jedoch etwas, als wir zwei Highliner aus Deutschland treffen, die samt Steinbohrer und Kletterequipment jeweils vierzig Kilo schleppen. Leichter wird es dadurch aber auch nicht.
Auf Grund des miserablen Frühstücks und der mangelnden Versorgung unterwegs, spüre ich zunehmend, dass ich auf meine Belastungsgrenze zusteuere. Je näher ich dieser allerdings komme, desto meditativer geht es voran. Immer weiter driften meine Gedanken vom eigentlichen Aufstiegsprozess ab. Wie ein Trommel spielender Sklaventreiber peitscht ein hoher Wasserfall auf riesige Felsen. Es entsteht ein dumpfer Takt, dem sich meine Schrittgeschwindigkeit unterbewusst anpasst. Meine Füße gleiten daher beinahe unbemerkt aneinander vorbei. Alles funktioniert automatisch, es schwirren ausschließlich die vergangenen vier Wochen durch meinen Kopf.

Von den Dächern Bischkeks erkennt man bereits die weißen Berggipfel des Ala-Artscha Nationalparks
# Von den Dächern Bischkeks erkennt man bereits die weißen Berggipfel des Ala-Artscha Nationalparks

Um sechs Uhr morgens kamen wir in Bischkek, der Hauptstadt Kirgistans, an. Entsprechend gerädert überforderte uns der hektische Großstadtrummel, weshalb wir noch am selben Tag das Weite suchten. Auch wenn in Kirgistan gerade einmal fünfeinhalb Millionen Menschen leben, scheinen in Bischkek mehr Autos zu verkehren als am Big Apple. Außerdem wird aggressiver gefahren und mehr gehupt. Verdutzt standen wir minutenlang an einer Kreuzung, ohne dass auch nur einmal die schrille Komposition aus verschiedenen Hupen verstummte.
Einige Stunden außerhalb der Stadt finden wir einen Schlafplatz an einem Flusslauf. Es ist ein ganz und gar traumhafter Schlafplatz, der nur von einem Wehrmutstropfen getrübt wurde – Müll. Einige Menschen hatten sich hier zum Essen versammelt und warfen ausnahmslos ihre Hinterlassenschaften in den Fluss. Von Plastiktüten, über Gasflaschen und Autoreifen war beinahe alles vorhanden. Einmal beobachten wir sogar, wie ein Kirgise seinen Pick-up am Ufer parkte, nur um die gesamte Ladefläche in einen Rutsch den Fluten zu übergeben. Mit einem kaufkraftbereinigten BIP pro Kopf von 2611 US-Dollar gehört Kirgistan zu den ärmlichen Ländern der Erde. Es reiht sich hinter krisengebeutelten Ländern wie Pakistan ein. Uns ist bewusst, dass erst das Fressen und dann die Moral kommt. Man kann es ihnen also nicht verübeln. Dennoch war es traurig mit anzusehen, wie diese unfassbare Natur derartig verschmutzt wird.

Trotzdem, oder womöglich genau deshalb, sind die Kirgisen ein unheimlich sympathisches und gastfreundliches Volk. Gerade gegenüber uns Deutschen sind sie extrem aufgeschlossen, da viele von ihnen als Soldaten in der DDR stationiert waren. So eilte uns einmal ein aufgeregter Mann entgegen, der uns vollkommen euphorisch sein DDR-Tattoo zeigte. Ständig wurden wir daher zum Vodkatrinken eingeladen.

Voller Stolz präsentiert uns dieser ehemalig in Rostock stationierte Soldat sein DDR-Tattooo
# Voller Stolz präsentiert uns dieser ehemalig in Rostock stationierte Soldat sein DDR-Tattooo
Eine Familie trifft sich mitten im Tian Shan zu Hühncheneintopf und Vodka. Wir müssen natürlich mittrinken...
# Eine Familie trifft sich mitten im Tian Shan zu Hühncheneintopf und Vodka. Wir müssen natürlich mittrinken...
...denn "Don't drink and ride" nimmt man in Kirgistan nicht so streng.
# ...denn "Don't drink and ride" nimmt man in Kirgistan nicht so streng.
Die Kinder haben mindestens so viel Spaß an unseren Rädern wie wir. Teils müssen wir sie minutenlang jagen, um unsere Spielzeuge zurück zu bekommen
# Die Kinder haben mindestens so viel Spaß an unseren Rädern wie wir. Teils müssen wir sie minutenlang jagen, um unsere Spielzeuge zurück zu bekommen

Um eine alternativlose Autobahnroute von Bischkek nach Karakol zu umgehen, fuhren wir eine kurze Strecke mit dem Zug. Schon nach der zweiten Haltestelle umzingelte uns eine riesige Großfamilie. Neugierig musterten uns mindestens zwanzig Kinderaugen, bevor sich die Familienoberhäupter in Form dreier Männer in Feinrippunterhemden zu uns setzten. Einer stellte sich als Ernst Thälmann vor, was mich wunderte. Schließlich handelt es sich dabei um einen ehemaligen KPD Vorsitzenden, der 1944 vermutlich auf direkten Befehl Adolf Hitlers erschossen wurde. So ganz verstanden wir nicht, was er damit sagen wollte, aber es ist ohnehin kein Thema mehr, als er von unserer Herkunft erfahren hatte. Lautstark rief der ganze männliche Teil der Familie Namen deutscher Fußballspieler, wobei ich mir bei der Hälfte nicht einmal selbst sicher war, ob sie tatsächlich für die Nationalelf spielen. Euphorie geschwängert werden Vodka- und Bierflaschen auf die Tische geknallt und der deutsche Fußball gelobt. Stilecht wird der Schnaps aus Sprudelgläser getrunken. Schwangere, Kinder, Männer, Frauen, Alle trinken sie mit. Die Kleinsten bekommen allerdings nur Bier. Ich sehne mich nach Wasser, da der der Zug durch die einfache Blechverkleidung im Inneren kocht. Aber zur Kühlung gibt es eben nur Bier, sodass wir völlig betrunken an unserer Station aussteigen. Im Gegensatz zum ursprünglichen Plan, heute noch einige Kilometer voran zu kommen, lassen wir den Tag am Strand des Yssykköls, dem zweitgrößten Bergsee der Erde, verstreichen.

Nicht nur unsere Fahrräder üben eine Faszination aus, auch Sebastians Kameraausrüstung findet regen Anklang. Jeder möchte sich fotografieren lassen.
# Nicht nur unsere Fahrräder üben eine Faszination aus, auch Sebastians Kameraausrüstung findet regen Anklang. Jeder möchte sich fotografieren lassen.
Zusatz 13
# Zusatz 13
Wir wollen uns nur noch hinlegen und ausnüchtern
# Wir wollen uns nur noch hinlegen und ausnüchtern
Ein idyllischer Platz, um seinen Rausch auszuschlafen
# Ein idyllischer Platz, um seinen Rausch auszuschlafen
Mitten im wüstenartigen Gebiet um den Yssyköl-See finden wir dieses einsame Kind in einem Militärfahrzeug. Zu unserer Erleichterung kommt nach wenigen Minuten der Vater zurück
# Mitten im wüstenartigen Gebiet um den Yssyköl-See finden wir dieses einsame Kind in einem Militärfahrzeug. Zu unserer Erleichterung kommt nach wenigen Minuten der Vater zurück

Bastis Hand auf meiner Schulter reißt mich unsanft aus den Gedanken. Sebastian liegt ein weiteres Mal starr auf den Wiesenboden. Immerhin liegt er bequem, denn selbst auf dreitausend Metern findet man immernoch grüne Flecken. Angenehm scheint uns die Sonne auf die Bäuche, was Sebastians Lebensgeistern gut zu tun scheint. Gegenteilig wirkt sich der Blick auf den Pass aus. Man kann ihn zwar bereits erkennen, aber steile Rampen und noch mehr Latschen und grobe Felsbrocken lassen mich zweifeln, ob der Anblick Freude oder Angst auslösen sollte. So langsam kommen in mir Zweifel auf, ob der Abstieg ins andere Tal überhaupt besser aussehen wird. Die Vorstellung, nach so viel Quälerei bergauf keinen fahrbaren Meter bergab zu finden drückt auf meine Stimmung. Google Earth und wenige Wanderberichte stellten unser einziges Informationsmaterial dar. Militärkarten der UdSSR brachten auch keinen sonderlichen Mehrwert. Bergführer in Karakol erklärten uns darüber hinaus für verrückt und versicherten uns, dass wir nicht fahrend den Berg hinunterkommen würden. Basti bleibt allerdings optimistisch und treibt uns weiter an.

So wirklich weiterhelfen wollen uns die undetaillierten Karten nicht...
# So wirklich weiterhelfen wollen uns die undetaillierten Karten nicht...
...sie erinnern mich daran, als mir am Süphan Dagi in der Türkei eine Karte auf eine Serviette gezeichnet wurden
# ...sie erinnern mich daran, als mir am Süphan Dagi in der Türkei eine Karte auf eine Serviette gezeichnet wurden

Nach neun Stunden erreichen wir auch tatsächlich den auf 3532 Metern gelegenen Alaköl-See. Es ist mir ein Rätsel, wie Sebastian in seinem Zustand diesen Aufstieg bewältigen konnte. Ich kann ihm daher auch nicht böse sein, als er in einem Moment der Unachtsamkeit die fast fertig gekochten Nudeln vom Kocher wirft. Heute schmecken sie jedoch auch vom Boden, nicht zuletzt, weil wir dabei den Sonnenuntergang hinter den über fünftausend Meter hohen Berggipfeln der Umgeben bestaunen können.

Kaum zu glauben, aber das Türkis haben wir künstlich nachgearbeitet. Die reale Farbe war so grell, dass es sowieso niemand geglaubt hätte.
# Kaum zu glauben, aber das Türkis haben wir künstlich nachgearbeitet. Die reale Farbe war so grell, dass es sowieso niemand geglaubt hätte.
Direkt am See schlagen wir unser Zelt auf und genießen die letzten Sonnenstrahlen
# Direkt am See schlagen wir unser Zelt auf und genießen die letzten Sonnenstrahlen

Schon am Yssykköl-See übertrafen sich die Sonnenuntergänge täglich, was besonders den rot schimmernden Lehmhügeln zu verdanken ist, die sein Ufer zieren. Immer wieder wichen wir von unserer Route ab, um einige dieser Hügel zu befahren. Angelegt wie eine Miniaturausgabe der Rampage, gehören diese Hügel mit zu dem Spaßigsten, das ich bisher befahren habe. Zumindest solange, bis Regenfälle den Lehm zu einer undurchdringlichen Masse verklebten.

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Im Hintergrund der Yssyköl-See
# Im Hintergrund der Yssyköl-See
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Generell hatten wir häufig Pech in Sachen Wetter. Doch für den Aufstieg zum Alaköl-See scheinen wir genau das richtige Fenster erwischt zu haben. Auch am nächsten Morgen werden wir von Sonnenstrahlen geweckt. Der restliche Weg zum Gipfel wird nochmal steiler und nochmal loser. Aber heute ist die Motivation so überschwänglich, dass wir nahezu hinauffliegen. Spätestens beim Anblick der letzten Rampe kommt der Drang zum Sprinten auf. Als wir dann endlich auf dem Gipfel die Räder von den Schultern heben, offenbart sich uns eine Aussicht, die alles übertrifft, was ich je sehen durfte. Während der Alaköl-See zu unseren Füßen in nahezu unrealistischem türkisblau schimmert, werden wir von gletscherüberzogenen Bergriesen umringt.

Wie so häufig braut sich direkt vor unserer Nase ein ausgewachsener Sturm zusammen
# Wie so häufig braut sich direkt vor unserer Nase ein ausgewachsener Sturm zusammen
Die Abfahrt vom Gipfel oberhalb des Alaköl-Sees. Noch ist es trocken, aber in etwa dreißig Sekunden sollte der Hagel losbrechen.
# Die Abfahrt vom Gipfel oberhalb des Alaköl-Sees. Noch ist es trocken, aber in etwa dreißig Sekunden sollte der Hagel losbrechen.
Lose und rutschig zeigt sich die Abfahrt...
# Lose und rutschig zeigt sich die Abfahrt...
...und dazu noch sehr, sehr steil
# ...und dazu noch sehr, sehr steil
Je weiter wir gen Tal kommen...
# Je weiter wir gen Tal kommen...
...desto schneller wird der Weg. Man könnte meinen, dass alle Wurzeln und Steine händisch entfernt wurden
# ...desto schneller wird der Weg. Man könnte meinen, dass alle Wurzeln und Steine händisch entfernt wurden

So viel Glück scheint uns jedoch nicht vergönnt, weshalb das Wetter binnen weniger Minuten komplett kippt. Dichte, schwarze Wolken ziehen auf und entleeren sich in einem schmerzhaften Hagelschauer. Aber wirklich getrübt wird unsere Stimmung nicht, denn der Blick ins Tal offenbart einen kilometerlangen Trail, der sich handtuchbreit ins Tal schlängelt. Meine Finger sind beinahe gefroren, doch der Pfad verlangt nach anfänglichen fahrtechnischen Schlüsselstellen zunehmend nach mehr Geschwindigkeit. Plötzlich hält Basti an, da er sich einen Plattfuß eingefangen hat. Mitten im Hagel wechselt er unter unserem schallendem Gelächter den Schlauch. Wir zittern erbärmlich, doch allen steht ein grenzdebiles Grinsen im Gesicht. Diese Abfahrt entschädigt für Alles. Zweitausend Höhenmeter Traumtrail, der sich augenblicklich zu einem meiner Lieblingswege gemausert hat, führt uns zurück in die Zivilisation, als wir die heißen Quellen von Altyn Arashan erreichen. Es ist das Highlight unserer fünfwöchigen Reise und gleichzeitig der Abschluss des Abenteuers, der besser nicht hätte sein können.


Weitere Informationen

Website: www.naturephile.de
Fahrer: Sebastian Marx, Sebastian Dörr, Nikolai Holder
Text & Redaktion:
 Nikolai Holder
Bilder und Video: Sebastian Marx und Sebastian Dörr | Text: Nikolai Holder

  1. benutzerbild

    zr0wrk

    dabei seit 05/2013

    Schöner Bericht, auch wenn ich nicht verstehe, warum man, wenn man sich für ein Land entscheidet, nicht noch mal checkt, wie es heißt. So, wie ihr es schreibt, hießen die Leute, die da leben, "Kirgen", sie heißen aber Kirgisen, weshalb das Land im Deutschen als Kirgisistan oder Kirgisien bezeichnet wird.

    Wie sind die Bilder aus der Ferne gemacht? Hattet ihr 'ne Drohne im Gepäck?
  2. benutzerbild

    Starkbier

    dabei seit 02/2009

    Danke an Alle für die lieben Worte! :)

    thomas.h
    Es gibt auch nicht viele Alternativen. Müllabfuhr gibt es nur in Bishkek, sonst wohl im ganzen Land nicht. Andererseits wird aber auch relativ wenig Müll erzeugt, wenig Verpackung, viel direkt mitgenommen... Aber schade ist es schon, insbesondere an den Ufern von schönen Gebirgsseen...
    Hast du vollkommen recht. Was aber gerne gemacht wird, ist den Einkauf in Plastiktüten zu stecken, den man in Plastiktüten steckt, die in Plastiktüten stecken...

    Yeti666
    Schöner Bericht, aber warum nur immer diese Nummer mit dem drecks Alk. Ein Grund warum ich da nicht durch wollte!
    Gehört eben zu ihrer Kultur, wenn man den Klischees glauben darf. Ist auch nicht so ganz mein Fall, an jeder Ecke Vodka zu trinken, aber das würde mich gewiss nicht von so einem spannenden Land abhalten. :)

    zr0wrk
    Schöner Bericht, auch wenn ich nicht verstehe, warum man, wenn man sich für ein Land entscheidet, nicht noch mal checkt, wie es heißt. So, wie ihr es schreibt, hießen die Leute, die da leben, "Kirgen", sie heißen aber Kirgisen, weshalb das Land im Deutschen als Kirgisistan oder Kirgisien bezeichnet wird.

    Wie sind die Bilder aus der Ferne gemacht? Hattet ihr 'ne Drohne im Gepäck?
    Danke für den Hinweis. Ohne sprachwissenschaftlichen Background bin ich mir allerdings unsicher, ob du recht hast. Wenn ich aus Bequemlichkeit kurz Wikipedia zitieren dürfte: "Im Deutschen herrschte seit dem 19. Jahrhundert der Name Kirgisien vor, dem russischen Киргизия/Kirgisijaentsprechend. In jüngster Zeit gewinnen demgegenüber die früher selteneren Bezeichnungen Kirgisistan und Kirgistan[9]an Boden [...]"

    Klingt für mich danach, dass Kirgistan eine vollkommen korrekte, meinetwegen aber nicht die gebräuchlichste Form des Landesnamens darstellt? Würde mich freuen, wenn du für Klarheit sorgen könntest! Wäre natürlich sehr peinlich, wenn wir da einen Fehler drin hätten :D :daumen:
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  4. benutzerbild

    zr0wrk

    dabei seit 05/2013

    Kirgistan ist eine verbreitete, aber zumindest ehemals nicht als korrekt angesehene Schreibweise der Transliteration des kirgisischen Кыргызстан. Transliteriert schreibt es sich Kyrgyzstan, wobei ein stimmhaftes s einem stimmlosen voransteht, wie es ja auch im Kirgisischen zu sein scheint (spreche ich nicht, kann aber zumindest die kyrillischen Zeichen lesen). Dieser Umstand, also zwei aufeinandertreffende Konsonanten an der Fuge zweier Wörter, führt dann im Deutschen oft (nicht immer) zu einem Fugenlaut (hier eben ein i), wie auch in Tadschik-i-stan (Land der Tadschiken), Usbek-i-stan (Land der Usbeken), Afghan-i-stan (Land der Afghanen), wobei in diesen Fällen auch schon in der muttersprachlichen Bezeichnungen Fugenlaute existieren (i oder e). Das Land (~stan) der Kirgisen heißt dann eben Kirgis-i-stan, weil wir die beiden verschiedenen s-Laute sonst nicht trennen könnten.

    Aber klar: Etwas, das zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Sprache als falsch gilt, sich aber umgangssprachlich durchsetzt, wird dann eben irgendwann auch als korrekt angesehen. Und inzwischen scheint auch Kirgistan akzeptiert zu sein, wie der Duden weiß. Wirklich falsch ist es also nicht, nur eben nicht die amtliche Bezeichnung des Landes.

    Aber wie war das jetzt mit den Fernaufnahmen? Drohne?
  5. benutzerbild

    Starkbier

    dabei seit 02/2009

    Alles klar, macht auf alle Fälle Sinn. Hatten uns für Kirgistan entschieden, da es in meinem Ohr deutlich runder klingt als Kirgisistan. Wussten aber natürlich nicht, dass es nicht korrekt ist. Vielen Dank nochmal für den Hinweis.

    Drohne hatten wir keine dabei. Leider etwas teuer für unseren Geldbeutel und auch schwierig zu transportieren, wenn alles in kleine Bikerucksäcke und Lenkertaschen passen soll. Unser Fotograf stand einfach nur auf einem gegenüberliegenden Berg.

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