Test: Specialized Camber Elite Carbon 2016. Im vergangenen Sommer hat Specialized das brandneue Camber vorgestellt: Die Neuauflage des Marathon- und Tourenfullies, das sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit erfreut, ist zwischen Epic und Stumpjumper positioniert. Wir konnten das Specialized Camber Elite Carbon 29 testen und dabei auch direkt mit der 2014er-Version des S-Works Cambers vergleichen. Wir tauchten in die Geschichte dieser Plattform ein und testeten ausgiebig, wie sehr sich vermeintliche Kleinigkeiten in Geometriezahlen und Ausstattungen auf den Charakter eines Fahrrads auswirken können.

Specialized Camber Elite Carbon 2016 – Kurz und bündig

Das Camber vereint laut Specialized die Klettereigenschaften eines XC-Bikes mit den Bergab-Fähigkeiten und Reserven eines Trailbikes. Mit 120 mm Federweg vorne und hinten liegt das Camber tatsächlich auf halbem Weg zwischen Epic (100 / 95 mm) und Stumpjumper (150 / 135 mm). Das Camber steht in Deutschland auf 29″-Laufrädern, wird in diversen anderen Regionen allerdings auch als 650b-Variante angeboten. Interessant: Specialized verwendet für das Camber und den großen Bruder Stumpjumper den gleichen Hauptrahmen. Die Unterschiede zwischen beiden Modellen hinsichtlich Geometrie und Federweg werden alleine durch die verschiedenen Hinterbauten und Umlenkhebel erzeugt. Das von uns im Rahmen dieses Tests gefahrene Camber Elite Carbon 29 kostet 5799 Euro. Neben dieser Variante bietet Specialized insgesamt vier verschiedene Carbon-Versionen des Cambers sowie zwei Aluminium-Modelle.

Das Specialized Camber Elite Carbon liegt genau zwischen Epic und Stumpjumper
# Das Specialized Camber Elite Carbon liegt genau zwischen Epic und Stumpjumper - 120 mm Federweg hat es vorne und hinten und rollt in Deutschland ausschließlich auf 29"-Laufrädern.

Auf dem Papier klingt das Camber nach einer recht klaren Angelegenheit: Mit 120 mm Federweg vorne und hinten liegt es genau zwischen dem XC-Renngeschoss Epic und dem bergaborientierten Trailbike Stumpjumper. Je nach Modelljahr hat das Camber jedoch einen unterschiedlichen Charakter: So wurden ältere Versionen des Cambers auch durchaus für diverse Marathon-Rennen verwendet, war es doch mehr als spritzig und bot etwas mehr Reserven und Komfort im Vergleich zum Epic. Der Charakter des Epics hat sich allerdings in den vergangenen Modellgenerationen gewandelt. Für unseren Test konnten wir das 2016er Specialized Camber Carbon Elite 29 unter die Lupe nehmen und direkt mit dem 2014er S-Works Camber vergleichen, das wir ausfürlich auf den gleichen Trails fuhren. Zusätzlich hatte unser Tester Stefanus noch die Gelegenheit, das 2016er S-Works Camber kurz zu fahren und zumindest einen ersten Eindruck zu gewinnen – aber dazu später mehr. Um das Camber überhaupt sinnvoll einer Kategorie zuordnen zu können, lohnt sich zunächst ein Blick in die Historie des Trailbikes.

Die von uns getestete Version des Cambers
# Die von uns getestete Version des Cambers - das 2016er Specialized Camber Elite Carbon 29 kommt in mattschwarzem Finish daher.
Das Camber gibt es 2016 in sechs verschiedenen Ausstattungsvarianten
# Das Camber gibt es 2016 in sechs verschiedenen Ausstattungsvarianten - zwei Mal Aluminium, vier Mal Carbon.
Eine Besonderheit ist das Trail Brain, das am Heck des Cambers zum Einsatz kommt
# Eine Besonderheit ist das Trail Brain, das am Heck des Cambers zum Einsatz kommt - dieses soll für ein deutliches Plus an Effizienz sorgen, ohne die Bergab-Eigenschaften zu beeinträchtigen.
11-fach-Ausstattung von Sram, Federelemente von Fox und dazu eine Menge Anbauteile aus dem Hause Specialized
# 11-fach-Ausstattung von Sram, Federelemente von Fox und dazu eine Menge Anbauteile aus dem Hause Specialized - in Anbetracht des hohen Preises werden sich einige Personen womöglich an den Komponenten des Cambers stören.

Die Geschichte des Specialized Camber

2010 war bei Specialized das letzte Modelljahr der FSR XC-Plattform. Von Specialized damals beworben als „günstiges XC-Trailbike“ mit 120 mm Federweg sollte es „Singletrack-Liebhaber auf ihren Traumtrails mit Effizienz, Langlebigkeit und gutem Handling“ überzeugen. Klingt vertraut? Dieser PR-Text könnte eins zu eins auf nahezu jedes Trailbike des Modelljahrs 2016 angewendet werden. Man sieht: Die Kategorie gab es bereits vor fünf Jahren und auch damals wurde die Trailbikes schon als solche bezeichnet.

Kurze Zeit später wurde der Name von FSR XC in „Camber“ geändert. Damit passte das Modell nun hinsichtlich der Namensgebung besser zu den Geschwistern Epic und Stumpjumper. Federweg und Geometrie blieben in der 26″-Variante jedoch im Vergleich zum Vorgänger quasi identisch. Neu war allerdings eine 29er-Version mit auf 100 mm gekürztem Federweg und einer steileren Geometrie.

FSR XC 2010 – Camber 26 und 29 2011

FSR XC 2010 – Camber 26 Zoll 2011 – Camber 29 Zoll 2011
# FSR XC 2010 – Camber 26 Zoll 2011 – Camber 29 Zoll 2011

Specialized begann mit dem Camber, 29 Zoll gezielt für den Traileinsatz auszubauen – und setzte damit retrospektiv betrachtet in dieser Kategorie auf das richtige Pferd. In der 29″-Variante war (und blieb bis 2015) die Geometrie des Cambers zwar nicht vergleichbar mit modernen „New School“-Geometrien, bei denen die Rahmen immer länger und die Winkel immer flacher wurden. Nichtsdestotrotz fand das Camber weiterhin Anklang bei einer breiten Zielgruppe, die nicht zwangsläufig der sehr schnellen und harten Fahrweise frönten.

FSR XC 2010 – Camber 26 und 29 2011
# FSR XC 2010 – Camber 26 und 29 2011

Camber 2011 – Camber 2015 – Camber Evo 2015

29er Camber 2011 – 29er Camber 2015 – 29er Camber Evo 2015
# 29er Camber 2011 – 29er Camber 2015 – 29er Camber Evo 2015
29er Camber 2015 – 29er Camber Evo 2015
# 29er Camber 2015 – 29er Camber Evo 2015

An dieser Stelle machen wir einen kleinen Sprung in der Historie des Cambers bis ins Jahr 2014. Dieses stand uns für einen Dauertest zur Verfügung, sodass wir viele Fahreindrücke gewinnen konnten. Specialized erkannte nach längerer Enthaltsamkeit nicht nur das Potential von 650b-Laufrädern, sondern auch die Bedürfnisse von Fahrern, die es mit kurzhubigen Bikes gerne mal laufen lassen. Ein relativ steiler Lenkwinkel von 70° machte das reguläre Camber für diese Zielgruppe allerdings auf dem Papier nicht sonderlich attraktiv. Also bot Specialized 2015 neben anderen Modellen auch das Camber als „Evo“-Ausstattungsvariante mit einer flacheren Geometrie (Lenkwinkel 68,8°) und robusteren Komponenten an.

Camber  2011 – Camber 2015 – Camber Evo 2015
# Camber 2011 – Camber 2015 – Camber Evo 2015

Camber Evo 2015 – Camber 2016

2015 29er Camber Evo 2015 – 29er Stumpjumper 2016
# 2015 29er Camber Evo 2015 – 29er Stumpjumper 2016

Das Evo-Prinzip überzeugte zahlreiche Kunden, sodass sich Specialized kurzerhand von der Namensgebung verabschiedete und ab 2016 alle regulären Ausstattungen und Geometrien der ursprünglichen Evo-Ausstattung angepasst hat. Das ehemals „reguläre“ Camber ist fortan nicht mehr erhältlich.

Camber Evo 2015 – Camber 2016
# Camber Evo 2015 – Camber 2016

Camber 2016 – Stumpjumper 2016

29er Camber 2016 –  29er Stumpjumper 2016
# 29er Camber 2016 – 29er Stumpjumper 2016

Aus den ersten Blick sind sich das Camber und dessen großer Bruder Stumpjumper durchaus ähnlich. Das liegt nicht zuletzt an der Tatsache, dass sich die beiden Bikes denselben Hauptrahmen teilen: die Unterschiede zwischen den beiden Modellen hinsichtlich Geometrie und Federweg werden alleine durch verschiedene Hinterbauten erzeugt. Im Vergleich zu den vorherigen Modellen rückt das Camber 2016 durch die flachere Geometrie und die softere Abstimmung näher an das Fahrverhalten des Stumpjumpers ran: Ein Bike zum Draufsetzen und Wohlfühlen. Das Trail-Brain am Heck zusammen mit dem hauseigenen Autosag des Cambers unterstreicht dieses Vereinfachungsprinzip und soll dem Camber gleichzeitig helfen, mehr Effizienz im Vergleich zum Stumpjumper zu entlocken.

Camber 2016 – Stumpjumper 2016
# Camber 2016 – Stumpjumper 2016

Obwohl der Name seit 2011 also unverändert geblieben ist, hat sich der Charakter des Cambers durchaus verändert. Während man in der Vergangenheit das Camber sogar hin und wieder an den Startlinien diverser Marathonrennen entdecken konnte, schlägt spätestens die 2016er-Version des Cambers eine andere Richtung ein. Das neue Camber soll potenter in der Abfahrt sein – doch ist man dadurch auch zwangsweise schneller und wie groß sind im Umkehrschluss die Abstriche bergauf?

Erster Eindruck des Specialized Camber Elite Carbon 2016

Specialized präsentiert sich mit der S-Works-Linie als stolze und laute Marke. Groß prangt der Herstellerschriftzug in rot am Oberrohr. Das Unterrohr des schwarzen Carbonrahmens ziert ein großer S-Works-Schriftzug. Linienführung und Farbgebung kommen einem Rennwagen gleich. Dieses Design und vor allem die hochwertige Ausstattung lassen den Preis auch in ähnliche Höhen schnellen: Zwar bekommt man für 9999 Euro keinen vierrädrigen Rennwagen, aber durchaus einen neuen Kleinwagen. Hier ist nicht nur eine gewisse Leidenschaft, sondern auch ein entsprechender Geldbeutel gefragt. Dafür lässt die Ausstattung kaum zu wünschen übrig, obwohl sich einige sicher an den Specialized-eigenen Anbauteilen wie Lenker oder Laufrädern stören dürften.

Wenige Wünsche bleiben hier offen
# Wenige Wünsche bleiben hier offen
Die von uns getestete Version des Cambers
# Die von uns getestete Version des Cambers - das 2016er Specialized Camber Elite Carbon 29 kommt in mattschwarzem Finish daher.

Diese finden sich ebenfalls und in etwas größerer Menge am 2016er Elite-Modell. Dieses kostet zwar lange nicht so viel wie die S-Works-Variante, schlägt aber dennoch immerhin mit knapp 6000 Euro zu Buche. Dafür bekommt man zwar die neuesten Gadgets wie zum Beispiel den „Kofferraum“ im Unterrohr, ein integriertes SWAT-Minitool unter dem Oberrohr und natürlich einen sehr schön gefertigten Carbonrahmen. Aber an der Ausstattung wurde dann doch ziemlich gespart: Am unangenehmsten stechen die Shimano SLX-Bremsen ins Auge. Diese bieten zwar eine absolut zuverlässige und gute Bremsleistung – dennoch sollte sich Specialized umschauen, was in dieser Preisklasse bei den Mitbewerbern angeboten wird.

SWAT

Als 2016er-Modell kommt das Specialized Camber Elite Carbon 2016 beinahe selbstverständlich mit dem neuesten Merkmal der Mountainbikes von Specialized: Das SWAT-Konzept. Das Akronym steht für Storage, Water, Air und Tools – und wird beim Camber konsequent umgesetzt. Unter dem Oberrohr befindet sich ein Multitool, im Steuerrohr ist ein Kettennieter integriert und im Unterrohr ist dank einer Öffnung, die unter dem Flaschenhalter liegt, jede Menge Platz für Zubehör, Proviant und eine leichte Regenjacke. In der Praxis lässt sich dank dieses Systems oft auf einen Rucksack verzichten, zumal das Gewicht besser positioniert ist als auf dem Rücken des Fahrers.

Wie auch von den anderen aktuellen Specialized-Modellen bekannt, befindet sich im Unterrohr des Cambers ein „Kofferraum“
# Wie auch von den anderen aktuellen Specialized-Modellen bekannt, befindet sich im Unterrohr des Cambers ein „Kofferraum“ - hier lassen sich allerlei praktische Gegenstände verstauen.

Pumpe und Ersatzschlauch ...
# Pumpe und Ersatzschlauch ...
... lassen sich problemlos und sauber im Rahmen verstauen.
# ... lassen sich problemlos und sauber im Rahmen verstauen.

Außerdem befindet sich an der Dämpferaufnahme ein integriertes Multitool ...
# Außerdem befindet sich an der Dämpferaufnahme ein integriertes Multitool ...
... so hat man (fast) alles dabei, was man benötigt!
# ... so hat man (fast) alles dabei, was man benötigt!

Trail-Brain

Ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal des Specialized Camber Elite Carbon 2016 ist jedoch die als „Trail-Brain“ getaufte Einheit am Hinterbau. Wie beim klassischen Brain, das bereits vom Epic bekannt ist, befindet sich an der Sitzstrebe des Rahmens ein Massenträgheits-Ventil. Dieses ist über eine Hydraulik-Leitung mit dem Dämpfer verbunden und wird nur dann aktiviert, wenn ein Schlag auf das Hinterrad trifft. Durch den Fahrer in den Hinterbau eingeleitete Kräfte, etwa durch einen starken Wiegetritt, aktivieren den Hinterbau nicht. Das Trail-Brain soll bergauf für ein deutliches Plus an Effizienz sorgen, ohne die Bergab-Eigenschaften des Bikes zu beeinträchtigen.

„Trail-Brain“ nennt sich die Einheit, die an der Innenseite der Sitzstrebe verbunden ist
# „Trail-Brain“ nennt sich die Einheit, die an der Innenseite der Sitzstrebe verbunden ist - hierbei handelt es sich um ein Massenträgheits-Ventil, das über eine Hydraulik-Leitung mit dem Dämpfer verbunden ist.

Das Trail-Brain soll dafür sorgen, dass der Dämpfer nur bei Schlägen, die vom Untergrund kommen, aktiv wird
# Das Trail-Brain soll dafür sorgen, dass der Dämpfer nur bei Schlägen, die vom Untergrund kommen, aktiv wird - und somit die Reserven des Rades in ruppigen Sektionen freigeben, gleichzeitig aber eine sehr hohe Effizienz garantieren.
Der Support des Trail-Brains lässt sich direkt an diesem verstellen.
# Der Support des Trail-Brains lässt sich direkt an diesem verstellen.

Im Unterschied zum Epic mit dem klassischen Brain ist der Hinterbau des Cambers im Fahrzustand ohne Schläge jedoch nicht vollständig deaktiviert. Stattdessen ist der Negativfederweg immer aktiv. Erst ab der Sag-Position blockiert und öffnet das Trail-Brain die Federung, das soll Traktion und Komfort im Vergleich zum Epic erhöhen. Das Trail-Brain bleibt den teureren Camber-Modellen S-Works, Expert Carbon und Elite Carbon vorenthalten.

Geometrie

Auch hinsichtlich der Geometrie ist das Specialized Camber Elite Carbon 2016 fast genau zwischen Epic und Stumpjumper positioniert. Der Lenkwinkel liegt bei 68,5°, der Reach ist als gemäßigt lang zu bezeichnen und liegt in Größe M bei 427 mm. Der auf dem Papier sehr steile Lenkwinkel von 75° wird durch die Sattelstütze mit Setback leicht kompensiert. Das Motto lautet: Draufsitzen und Losfahren. Die Geometrie ist insgesamt relativ entspannt und vermittelt Sicherheit. Im Vergleich zum Vorgänger sind die Kettenstreben des 2016er Cambers kürzer – das wirkt sich vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten positiv auf’s Handling aus. Das Specialized Camber ist in vier Größen von S bis XL erhältlich.

Geometrie Specialized Camber
SizeSMLXL
Stack609mm609mm627mm655mm
Reichweite (Reach)399mm427mm445mm471mm
Steuerrohrlänge95mm95mm115mm145mm
Steuerrohrwinkel68.5°68.5°68.5°68.5°
Tretlagerhöhe330mm330mm330mm330mm
Tretlagerabsenkung42mm42mm42mm42mm
Kettenstreben (mm)437mm437mm437mm437mm
Radstand1107mm1135mm1160mm1197mm
Oberrohrlänge (horizontal)562mm590mm613mm647mm
Bike-Überstandshöhe732mm735mm752mm766mm
Sitzrohrlänge396mm430mm468mm523mm
Sitzrohrwinkel75°75°75°75°
Die Geometrie des Cambers liegt zwischen Epic und Stumpjumper
# Die Geometrie des Cambers liegt zwischen Epic und Stumpjumper - dadurch vermittelt das Rad insgesamt ein entspanntes und sicheres Gefühl.

Ausstattungsvarianten

Die verschiedenen Camber-Modelle sind mit den derzeit typischen Specialized-Komponenten ausgestattet: Roval-Laufräder (je nach Preislevel entweder aus Carbon oder aus Aluminium), Shimano-Bremsen, SRAM-Antrieb sowie Federelemente von Rock Shox und Fox. Beim von uns kurz getesteten S-Works Top-Modell wurde zudem die Dämpfung der Rock Shox RS-1 modifiziert: Das Specialized-eigene „Spike Valve“ soll den Ölfluss optimieren.

Ausstattungsvarianten Specialized Camber
 Camber S-WorksCamber Expert CarbonCamber Elite CarbonCamber Comp CarbonCamber CompCamber 29
RahmenCamber Carbon, 120 mmCamber Carbon, 120 mmCamber Carbon, 120 mmCamber Carbon, 120 mmCamber Alu, 120 mmCamber Alu, 120 mm
DämpferFOX mit Trail-BrainFOX mit Trail-BrainFOX mit Trail-BrainFOX Float Performance DPSFOX Float Performance DPSCustom X-Fusion 02 Pro RL
GabelRockShox RS-1 29, Solo Air spring, 120 mm travelFOX 34 Performance 29, 120mm travelFOX 34 Performance 29, 120mm travelRockShox Revelation RC3 29, Solo Air, 120mmRockShox Revelation RC3 29, Solo Air, 120mmRockShox Recon Silver 29, Solo Air 120 mm
VorbauSyntace F109, 6-degree riseSpecialized Stout XCSpecialized XC, 3D forged alloySpecialized XC, 3D forged alloySpecialized XC, 3D forged alloySpecialized Trail, forged alloy, 4 Bolt, 8°
LenkerSpecialized FACT carbon, 750 mmSpecialized, 7050 alloySpecialized, 7050 alloySpecialized, butted 6000 alloySpecialized, butted 6000 alloySpecialized, butted 6000 alloy
BremsenShimano XTRShimano Deore XTShimano SLXShimano Deore BR-M506Shimano Deore BR-M506Tektro Gemini Comp
Umwerfer----SRAM GX X Horizon, 11-speed, alloy cageSRAM X7, mid direct mount
SchaltwerkSRAM XX1, 11-speedSRAM X01, 11-speed, carbon cageSRAM X1, 11-speed, alloy cageSRAM GX X Horizon, 11-speed, alloy cageSRAM GX Type 2.1,10-speed, mid cageShimano Deore Shadow, 9-speed, long cage
SchalthebelSRAM XX1, 11-speed, triggerSRAM X1, 11-speed, triggerSRAM X1, 11-speed, triggerSRAM GX, 11-speed, triggerSRAM X7, 10-speed, w/ Matchmaker clampShimano Alivio, 9-speed
KassetteSRAM XX1, 11-speed, 10-42tSRAM XG-1180, 11-speed, 10-42tSRAM XG-1175, 11-speed, 10-42tSRAM XG-1150, 11-speed, 10-42tSRAM PG-1030, 10-speed, 11-36tSRAM PG-920, 9-speed, 11-34t
KetteSRAM PC-XX1, 11-speed, w/ PowerLinkSRAM PC-X1, 11-speedKMC X11L, 11-speedKMC X11L, 11-speedSRAM PC-1031, 10-speedSRAM PC-1031
KurbelSRAM XX1, carbon, PF30, X-Sync 28T direct mountCustom SRAM S-2200, carbon, 28T direct mount ringSRAM GX-1000, 11-speed,28 ZähneSRAM GX-1000, 11-speed, PF30, 28 ZähneCustom SRAM S-1250, 7050 alloy arms, 34/22TCustom SRAM S-1255, 36/22T
LaufräderRoval Traverse SL 29, carbon, disc, 30mm BreiteRoval Traverse 29, alloy, disc, 29 InnenbreiteRoval Traverse 29, alloy, disc, 29mm InnenbreiteRoval 29, alloy, 29 InnenbreiteRoval 29, alloy, 29mm inner width, 24/28hAlex XD, 650b, 24/28h
VorderreifenSpecialized Purgatory Control 29x2.3"Specialized Purgatory Control 29x2.3"Specialized Purgatory Control 29x2.3"Specialized Purgatory Control 29x2.3"Specialized Purgatory Control 29x2.3"Specialized Purgatory Control 29x2.3"
HinterreifenSpecialized Ground Control 29x2.3"Specialized Ground Control 29x2.3"Specialized Ground Control 29x2.3"Specialized Ground Control 29x2.3"Specialized Ground Control 29x2.3"Specialized Ground Control 29x2.3"
SattelBody Geometry Henge ExpertBody Geometry Henge CompBody Geometry Henge CompBody Geometry Henge CompBody Geometry Henge CompBody Geometry mountain
SattelstützeCommand Post Ircc 125Command Post Ircc 125Command Post Ircc 125Command Post Ircc 125Specialized, alloy, single bolt, 30.9mmAlloy, 2-bolt, 12.5mm offset, 30.9mm

An der von uns getesteten Elite-Version des Cambers kommen zahlreiche Specialized-eigenen Anbauteile zum Einsatz
# An der von uns getesteten Elite-Version des Cambers kommen zahlreiche Specialized-eigenen Anbauteile zum Einsatz - Das Prinzip der "Hausmarke" kennt man aus der Automobilbranche aber bei Mountainbikern hinterlässt diese konsequente Handhabung immer faden Nachgeschmack und man fühlt sich etwas abgespeist.

Specialized Command Dropper-Sattelstütze und ...
# Specialized Command Dropper-Sattelstütze und ...
... die entsprechende Fernbedienung am Lenker.
# ... die entsprechende Fernbedienung am Lenker.

Foto Jens Staudt Specialized Camber Elite Carbon 29 Test-0840
# Foto Jens Staudt Specialized Camber Elite Carbon 29 Test-0840

Specialized hauseigene Reifen Ground Control...
# Specialized hauseigene Reifen Ground Control...
...und Purgatory sorgen für eine sichere Verzahnung zum Untergrund.
# ...und Purgatory sorgen für eine sichere Verzahnung zum Untergrund.

Ebenfalls ausführlich von uns getestet: Die 2014er-Variante des S-Works Cambers
# Ebenfalls ausführlich von uns getestet: Die 2014er-Variante des S-Works Cambers - hier zu sehen mit der Rock Shox RS-1.

Der berüchtigte Parkplatztest

Schmaler Lenker, langer Vorbau: Bis auf das Zugeständnis der Remote-Sattelstütze sind alle Anbauteile des 2014er S-Works Cambers gewichtsoptimiert. Das macht sich bereits auf den ersten Metern auf dem Trail bemerkbar. Es ist zwar gewiss keine Cross Country-Rennmaschine, legt aber nicht nur gegenüber größeren Enduro-Modellen mehr Spritzigkeit an den Tag. Viele Trailbikes können von dem geringen Gewicht und dem Vortrieb des Cambers nur träumen.

Draufsetzen und Wohlfühlen lautet das Motto beim 2016er Camber
# Draufsetzen und Wohlfühlen lautet das Motto beim 2016er Camber - die Geometrie ist deutlich entspannter und vermittelt mehr Sicherheit.

Einen deutlich anderen Ansatz findet man jedoch am 2016er Camber. Das Gewicht lassen wir in unserer Betrachtung außen vor, da wir nicht die S-Works-Ausstattung testen konnten. Aber auch so ist durch die deutlich entspanntere und aufrechtere Sitzposition ein gemäßigteres Fahrverhalten sofort spürbar. Das erste Gefühl auf dem aktuellen Camber erinnert sehr an das alte Stumpjumper – später mehr dazu.

Auf dem Trail

Specialized Camber 2014

Specialized Camber 2014
# Specialized Camber 2014 - Carbon, wohin das Auge blickt. Das macht sich natürlich auch im Preis bemerkbar ...

Es liegt nicht nur an den Klickpedalen, dass dieses Rad wie ein Pfeil nach vorne geht. Das Fahrwerk ist stramm abgestimmt und beide Federelemente bieten die Option, entweder eine mittelfeste Position zu wählen oder sich direkt für den Lock Out zu entscheiden. Auf der ersten Fahrt geht es direkt 400 Höhenmeter hoch zum Albtrauf. Während meine Beine erstaunlich frisch bleiben, merke ich kaum, wie schnell ich den Traileinstieg erreiche. Je nach Region hat man es in der schwäbischen Alb mit kontinuierlichen Anstiegen zu tun, die gerne auch mal in steile Rampen übergehen. Nicht selten weinen untrainierte Fahrer hier einem Antrieb mit zwei Kettenblättern nach.

Vortrieb pur
# Vortrieb pur - fast wie von alleine zieht das 2014er Camber nach vorne, egal ob bergauf oder bergab.

Profis mögen an 29ern auch locker ein 34er oder 36er-Kettenblatt treten, doch Hobbyfahrer treiben selbst 32 Zähne bei bestimmten Gelegenheiten die Schweißperlen auf die Stirn. Nicht so beim Camber, bei dem man bergauf keinerlei Probleme hat. Der 450 mm lange Hinterbau klebt förmlich am Boden und versetzt mich und meinen Schwerpunkt weit nach vorne. Der Dämpfer sackt fast nicht weg und dadurch trete ich nicht unangenehm von hinten in die Pedale oder muss weit über den Vorbau lehnen, um ein Abkippen nach hinten zu verhindern. Der 70 mm lange Syntace F109-Vorbau in Verbindung mit dem hauseigenen, 720 mm schmalen Specialized XC-Lenker mit gerade einmal 10 mm Rise sind fast nicht notwendig und vermitteln das Gefühl, dass man auch eine senkrechte Wand hochfahren könnte.

Nach dem hinter mir liegenden Anstieg fühle ich mich unweigerlich an ein E-Bike erinnert: Fast so entspannt wie mit elektrischer Unterstützung haben sich die hinter mir liegenden Höhenmeter angefühlt. Entsprechend frisch lege ich die Gabel und den Dämpfer in den offenen Modus und biege auf die erste Abfahrt ein. Ein kurzer Druck auf die Fernbedienung der Sattelstütze sorgt dafür, dass mein Hintern 125 mm mehr Bewegungsfreiheit hat.

An Board des Cambers fliegt man förmlich über die Trails
# An Board des Cambers fliegt man förmlich über die Trails - dank der Geometrie lädt das Rad auch zu kleineren Spielereien ein.

Solange man nicht in wirklich ernsthafte, verblockte Endurotrails einbiegt, ist man mit dem Camber in keinster Weise benachteiligt – was sehr überrascht. Auf dem Papier und gemessen steht hier ein 70°-Lenkwinkel, der nach aktuellen „Goldstandards“ an Trailbikes eigentlich unfahrbar sein müsste. Ein genauerer Blick in die Spezifikation von Specialized und den 4-stelligen Identcode auf der Rückseite der Fox 32 zeigte den Grund: Anders als viele Hersteller versucht man am 29er Camber nicht, das Lenkverhalten eines 26″-Bikes zu imitieren, indem man den Offset verlängert, um mit dem daraus resultierenden kürzeren Nachlauf ein auf Lenkbewegungen reaktionsfreudigeres Fahrrad zu schaffen. 44 mm anstatt 51 mm bedeuten, dass der „eigentliche“ Lenkwinkel nicht unbedingt mit den 70° auf dem Papier zu beurteilen ist.

Im Zusammenspiel mit den sehr kletterfreundlichen 450 mm langen Kettenstreben erzielt das Camber dann doch eine erstaunliche Bergab-Leistung. Hier zeigt sich wieder einmal, dass man sich nicht im Vorfeld schon ein via Geometrietabelle definiertes Bild vom Charakter eines Bikes einbilden sollte.

Bergauf pfeilschnell, bergab ebenso
# Bergauf pfeilschnell, bergab ebenso - solang der Trail nicht zu verblockt ist, ist das 2014er S-Works Camber ein wahres Geschoss.

Die Balance zwischen Hauptrahmen, 450 mm-Hinterbau und den 29″-Laufrädern schafften es hier noch eine gute Laufruhe zu erzeugen. Als Fahrer steht man sehr zentral über dem Rad und hat nie das Gefühl, sich nach hinten verkriechen zu müssen. Das war umso erfreulicher, wenn es mal steil wird und sich an der Specialized Command-Stütze nur 125 mm Verstellbereich finden.

Rein auf den nächsten Trail: Schnell kommen die ersten Wurzelfelder und Kurvenkombinationen – Trailfeeling, wie es im Buche steht. Aber irgendwas scheint nicht zu stimmen. Das Rad fühlt sich unpräzise an, mein Input wird nur verzögert umgesetzt. Beim nächsten kurzen Anstieg und einem Sprint im Stehen wird das Problem offensichtlich. Als Bindeglied zwischen Cross Country und Trail entstammen am S-Works Camber viele Teile aus Gewichtsgründen der leichteren Kategorie. Für einen 60 kg leichten Rennfloh mag das in Ordnung gehen, bei schwereren Fahrern treten durchaus andere Kräfte auf. So tritt bei entsprechendem Fahrerinput an den Lenkerenden ein deutlich spürbares Flexen auf – das sieht nicht nur seltsam aus, sondern führt auch zu dem undefinierten Gefühl auf dem Trail. Zwar schafft es Specialized, bei größeren Rahmen auch größere Bremsscheiben zu verbauen. Um dem Mehrgewicht größerer Fahrer gerecht zu werden, wäre ein entsprechend steiferes Cockpit allerdings wünschenswert.

Der breitere – und vor allem – steifere Lenker bot ...
# Der breitere – und vor allem – steifere Lenker bot ...
... zusammen mit einem Vorbau fast ohne Flex ein sehr viel präziseres Lenkverhalten.
# ... zusammen mit einem Vorbau fast ohne Flex ein sehr viel präziseres Lenkverhalten.

Auf dem Rest der Abfahrt halte ich mich dann eher zurück, da mir dieses indirekte Gefühl nicht wirklich angenehm ist. Zu Hause angekommen tausche ich das Cockpit gegen einen 50 mm kurzen Thomson-Vorbau und einen fast 60 mm breiteren Lenker aus. Dieser sorgt dafür, dass ich über eine breitere Abstützung meiner Arme meine Fahrposition nach vorne verlagere, um den kürzeren Vorbau auszugleichen. Zusätzlich passt das neue Cockpit deutlich besser zu meiner Schulterbreite.

Klaglos absolvierte das 2014er S-Works Camber dann jede Be- und Misshandlung auf Wurzelfeldern im harten Traileinsatz. Einzig nach 400 km war es notwendig die Schrauben des Hinterbaus festzuziehen, die sich danach nicht noch einmal lösten. Wer wie ich vom Gewicht eher auf der etwas schwereren Seite liegt, wird ein Lied davon singen können… Wurzelfelder und sonstige ruppige Passagen hören sich auf manchen Rädern einfach nicht sonderlich gesund an. So hinterfragte das Camber teilweise lautstark scheppernd und unter den Kräften verwindend, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte, nur mit Halbschale derart losgelassen durch Enduro-Geläuf zu hacken. Meine Antwort: Weil es geht. Es zeigt aber auch, dass hier die Grenzen von diesem Renngeschoss liegen und das diese Belastung kein Dauerzustand sein sollte. Zur Verteidigung des Cambers muss man allerdings auch anführen, dass in diesen Passagen auf dem GPS knapp 70 Stundenkilometer standen – definitiv ein Bereich, in dem man ernsthaft darüber nachdenken sollte, nicht doch lieber auf ein Bike mit etwas mehr Reserven zu wechseln.

Nicht zu Hause nachmachen!
# Nicht zu Hause nachmachen! - Das Camber bietet dem fähigen Fahrer berechenbares Flugverhalten auch bei größeren Sprüngen. Man sollte es aber nicht übertreiben. Bei dieser Aktion provozierten wir nicht einmal einen Durchschlag.

Specialized Camber Elite Carbon 2016

Draufsetzen und losfahren: Specialized fühlt sich seit jeher vertraut an für mich. Die Geometrie und die Fahrposition auf dem 2016er Camber sind entspannt und aufrechter als in den vorherigen Jahren. Weniger sportlich und Cross Country-esk als die Geometrie des „un-Evo“-Vorgängers, dafür aber mit einem trotz Trail-Brain deutlich plüschigeren Fahrwerk vermittelt das 2016er Camber dem Piloten vor allem eins: Sicherheit. Der kürzere Hinterbau wirkt sich bei niedrigen Geschwindigkeiten positiv auf das Handling aus und der flache Lenkwinkel lässt auch bei passivem „Draufhalten“ über Hindernisse keinen Stress entstehen.

Auch mit dem 2016er Specialized Camber kann man zumindest ein wenig den Luftraum erobern.
# Auch mit dem 2016er Specialized Camber kann man zumindest ein wenig den Luftraum erobern.

Beim ersten Uphill staune ich nicht schlecht. Trotz 28er Kettenblatt tat ich mir wirklich schwer. Meine Körperposition musste ich stark nach vorne verlagern, um nicht nach hinten umzukippen. Zugegeben ist meine Standard-Rampe hinterm Haus nicht gerade von der entspannten Sorte. Die Sitzposition auf dem alten Modell war jedoch trotz des getauschten, kürzeren Vorbaus sehr viel kletterfreundlicher. Um diesen Nachteil auszugleichen drehte ich den 70 mm langen Specialized-Vorbau am 2016er Modell nach unten – das schonte nicht nur den Rücken, sondern sorgte auch dafür, dass weniger Kraft für kurze Anstiege aufgebracht werden muss. Wer eine Vorliebe für hohe Lenker oder kurze Vorbauten hat sollte in jedem Fall bei einer Testfahrt überprüfen, ob er nicht eine größere Rahmennummer wählen sollte.

Bereits in der Ebene und beim Uphill hat sich angekündigt, dass die 2016er-Version des Cambers eine deutlich aufrechtere Sitzposition hat und die Geometrie eher bergaborientiert ist. Aber ist man damit jedoch auch zwangsweise schneller? Das Gefühl von Sicherheit erlaubte es mir zwar häufiger, den Finger von der sehr starken Bremse zu nehmen. Wiederholte Vergleichsfahrten auf verschiedenen Trails lassen das 2016er Camber jedoch gegenüber der 2015er-Version zurückfallen. Da halfen auch kein sportlich abgestimmtes Brain und der mittlere Modus der Fox 34.

Wie bei den meisten Specialized-Rädern ist auch das 2016er Camber sehr einfach zu handhaben
# Wie bei den meisten Specialized-Rädern ist auch das 2016er Camber sehr einfach zu handhaben - man setzt sich drauf und fühlt sich sofort sehr wohl.
Allerdings ist die Abstimmung sehr weich gewählt
# Allerdings ist die Abstimmung sehr weich gewählt - ...und so nutz man oft sehr viel Federweg auch bei 15% Sag Grundabstimmung.
Kleine Kante? Nehme ich gerne mit.
# Kleine Kante? Nehme ich gerne mit.

Im Vergleich zum Vorjahresmodell fallen Ausstattung und vor allem Geometrie und Abstimmung des 2016er Cambers komplett anders aus. Konnte man mit dem 2014er Camber noch getrost kontinuierlich im mittleren Modus von Gabel und Dämpfer bleiben und dabei weder zu viel, noch zu wenig Federweg nutzen, versinkt das 2016er Camber bei den gleichen Schlägen sehr viel tiefer im Federweg. Das kostet Energie und bremst das Rad ebenso wie die grobstolligen Reifen. Dadurch vermittelt das 2016er Camber zwar mehr Sicherheit und ermöglicht eine entspanntere Fahrweise, ist jedoch faktisch langsamer als die Vorjahresversion. Kümmerte mich das? Solange ich nicht in den „Rennmodus“ verfiel: Überhaupt nicht. Ich ließ mich über den Trail tragen und das Fahrwerk erledigte die Arbeit. Es hielt trotz Brain effektiv die meisten Schläge auf dem Singletrail von mir fern – egal ob im Sitzen oder im Stehen.

Trotzdem schieden sich am Brain im Heck die Meinungen unserer Tester. Auf der einen Seite half der “Autolock” auf flachen Tretpassagen, mehr Vortrieb zu generieren ohne gleich an Dämpfer greifen zu müssen. Manche Fahrer hingegen fühlten sich nicht nur bevormundet, sondern hatten auch Probleme auf typischen Flowtrail-Situationen. Fuhr man in eine Kurve, welche in sich keine Schläge hatte, hieß das häufiger für das für das Brain: “Alles klar – ich lass dicht hier hinten!” Am Elite-Modell befindet sich dieser Automodus aber nur am Heck – das bedeutet wiederum, dass sich die Front mit ihrer recht soften Abstimmung der Zentrifugalkraft beugt und entsprechend einsackt. Hierdurch wird der Lenkwinkel steiler und der Pilot wird nach vorne gezogen. Dieser Tendenz muss man fahrerisch entgegenwirken was nicht immer einfach ist, da das Brain eben manchmal doch den Federweg des Hecks freigibt.

In Anliegern ist Vorsicht geboten, wenn das Trail-Brain zu sehr mitdenkt.
# In Anliegern ist Vorsicht geboten, wenn das Trail-Brain zu sehr mitdenkt.

Mehr Spritzigkeit gegenüber dem großen Bruder Stumpjumper hat das 2016er Camber mit Brain sicherlich nicht. Fans des alten Cambers, welche damit vielleicht sogar an den Start von Marathon-Rennen gegangen sind, werden enttäuscht sein. Es ist merklich langsamer am Berg und neigt mit kurzen Vorbauten an steilen Rampen zum Steigen des Vorderrades. Im Umkehrschluss ist das neue Camber aber näher an das (alte) Stumpjumper herangerückt, mit dem es sich den (neuen) Hauptrahmen teilt.

Hat man sich wieder an den langen Vorbau und die tiefe Front gewöhnt, kann man auch steilere Abfahrten hinter sich bringen
# Hat man sich wieder an den langen Vorbau und die tiefe Front gewöhnt, kann man auch steilere Abfahrten hinter sich bringen - trotzdem überzeugt die 2016er-Version nicht so sehr wie der Vorgänger.

Schattenseiten

Carbon-Laufräder gehören mittlerweile schon zum guten Ton in den hochpreisigen Klassen. Dennoch haften dem Material einige unschöne Eigenschaften an. So ist eine Beschädigung beispielsweise trotz eingehender optischer Prüfung nicht immer von außen erkennbar. Das kann trotz regelmäßiger Kontrolle zu außerordentlich unangenehmen Überraschungen führen: Direkt vor einer Ausfahrt wurde der Reifen getauscht, die Felge auf Beschädigung überprüft und ein neuer Reifen tubeless montiert, ohne den Maximaldruck der Felge zu überschreiten.

Wer ein Allwetter-Fahrer ist wird...
# Wer ein Allwetter-Fahrer ist wird...
...unter Umständen Probleme mit Matschpackungen bekommen
# ...unter Umständen Probleme mit Matschpackungen bekommen

Allerdings war – wie wir später anhand einer Videoaufnahme feststellen konnten – einige Tage vorher an der Felge des Vorderrades ein Durchschlag (ohne Platten) aufgetreten. Ein zu kurz erwischter Sprung ließ das Vorderrad dann komplett kollabieren – Überschlag.

Einer der fünf aufgetretenen Brüche des Vorderrads befand sich an der Stelle, wo wenige Tage zuvor der Durchschlag aufgetreten ist. Trotz vorheriger Überprüfung auf Beschädigung konnte man den Vorschaden nicht sehen. Hier stellt sich nun die Frage, ob man es schlichtweg mit zwei unglücklichen Worst Case-Szenarien zu tun hatte. Da aber trotz gründlicher Prüfung keine Beschädigung kurz vor dem Kollabieren des Laufrades erkennbar war, sollte man doch zwei Mal überlegen, ob man an kritischen Bauteilen wie den Laufrädern bei schneller und harter Fahrweise nicht lieber ein geringes Mehrgewicht zugunsten der Stabilität in Kauf nehmen will.

Fazit: Specialized Camber 2016

In der Summe ist die 2016er-Version des Cambers ein Rad ohne große Überraschungen und in nahezu jeder Lebenslage ein treuer Begleiter für weniger ambitionierte Fahrer. Wer es gerne sportlicher mag, sollte eher zur sehr viel teureren S-Works-Variante greifen, die mit einem zusätzlichen Brain in der Federgabel und einem geringeren Gesamtgewicht mehr Spritzigkeit ins Haus bringt. Im Vergleich zum großen Bruder Stumpjumper ist das neue Camber nicht agiler. So ist das Fazit zum 2016er Camber abhängig von den Ambitionen und der Erwartungshaltung: Ist es Fisch? Ist es Fleisch? Auf jeden Fall ist das neue Camber ein guter Mittelweg zwischen Epic und Stumpjumper, punktet mit cleveren Details wie dem schön integrierten SWAT-System und ist durch das intelligente Trail-Brain ein stressfreies Fahrrad.

Stärken

  • Sehr simpel einzustellen: Das Trail-Brain übernimmt die Kontrolle über das Heck, an der Front stehen lediglich drei einfache Modi zur Auswahl
  • SWAT-Werkzeuge und Kofferraum bieten cleveren Stauraum für Fahrer, die ungern mit Rucksack fahren
  • Verbesserte Steifigkeit des Rahmens, was sich in berechenbarem Fahrverhalten äußert

Schwächen

  • Ambitionierte Fahrer mit XC-Hintergrund werden Spritzigkeit vermissen
  • Kurzer Hinterbau sorgt bei steilen Rampen für ein sehr schnell steigendes Vorderrad
  • Unbalanciertes Fahrverhalten bei unstetem “Braineingriff”
  • Wenig Reifen- und Matschfreiheit am Hinterbau

Im Vergleich: S-Works Specialized Camber 2016

Zusätzlich zum ausführlichen Test des 2016er Specialized Camber Elite hatte unser Tester Stefanus die Möglichkeit, die edle S-Works-Variante des Cambers näher unter die Lupe zu nehmen. Das S-Works-Modell unterscheidet sich hinsichtlich Preis und Ausstattung deutlich von der Elite-Version – zusätzlich kommt an der Front eine Rock Shox RS-1 zum Einsatz, die ebenfalls mit einem Brain ausgestattet ist.

Das gibt's für fast 10000 Euro am S-Works Camber
# Das gibt's für fast 10000 Euro am S-Works Camber - CFK-Rahmen aus hochsteifen Fasern, Specialized-getuntes Fox / RockShox-Fahrwerk, Sram XX1, Specialized Roval CFK-Laufräder und Shimano XTR-Bremsen.
Formschönes Oberrohr mit Dämpferaufnahme
# Formschönes Oberrohr mit Dämpferaufnahme - über eine Hydraulikleitung ist der Fox-Dämpfer mit dem Trail-Brain am Hinterbau verbunden.
Konzentrischer Drehpunkt
# Konzentrischer Drehpunkt - er erhöht die Steifigkeit und verringert das Gewicht.

Auf einfachen Strecken und bergauf macht das Camber S-Works wahr, was Specialized verspricht: Es geht nach vorne wie ein XC-Bike und steht dem Epic kaum nach. Auch dank der leichten Laufräder und steifen Kurbeln der noblen S-Works-Ausstattung überträgt das Camber die Energie von Sprints sofort auf den Untergrund. Das Trail-Brain hält den Hinterbau dabei absolut ruhig, bietet aber gleichzeitig ein wenig mehr Komfort und ein gutes Stück mehr Traktion als das klassische Brain. Dennoch vermittelt es nicht ganz die Traktion und Sicherheit, die man sich von einem Mini-Stumpjumper wünschen würde. Wer sein Handwerk jedoch versteht, kann es mit der S-Works-Variante bergab ordentlich stehen lassen. Das S-Works Camber fordert den Fahrer jedoch und auch die modifizierte Rock Shox RS-1 gibt viele Schläge an die Handgelenke weiter. Auch hier gilt: Die Luxus-Variante des Cambers ist äußerst effizient, aber eben nicht ganz so effizient wie das Epic – und bergab durchaus leistungsfähig, aber nicht ganz so potent wie der große Bruder Stumpjumper.

Sobald Schläge auftauchen, macht das Fahrwerk auf
# Sobald Schläge auftauchen, macht das Fahrwerk auf - die Feinfühligkeit bleibt aber weiterhin geringer als die von komplett offenen Fahrwerken, die aber im Gegenzug auch nicht das direkte Brain-Verhalten bei Sprints aufweisen.
Erstklassiger Kletterer
# Erstklassiger Kletterer - das Specialized Camber gibt sich bergauf äußerst direkt und effizient.
Das Handling des Bikes passt auf Anhieb
# Das Handling des Bikes passt auf Anhieb - tatsächlich teilt sich das neue Camber den Hauptrahmen mit dem Stumpy und weist deshalb ähnliche Längenverhältnisse auf.
Sobald Schläge auftauchen, macht das Fahrwerk auf
# Sobald Schläge auftauchen, macht das Fahrwerk auf - die Feinfühligkeit bleibt aber weiterhin geringer als die von komplett offenen Fahrwerken, die aber im Gegenzug auch nicht das direkte Brain-Verhalten bei Sprints aufweisen.

Weitere Informationen

Fahrerprofil Jens

Testredakteur Jens Staudt

  • Körpergröße: 190 cm
  • Gewicht (mit Kleidung und Ausrüstung): 92 kg
  • Schrittlänge: 91 cm
  • Armlänge: 58 cm
  • Oberkörperlänge: 56 cm
  • Fahrstil: Schnellste Linie, auch wenn es mal ruppig ist
  • Fährt hauptsächlich: Singletrails, sprunglastiger Localspot, Freeride, DH
  • Besondere Vorlieben bzgl. Fahrwerk: Straff, gutes Feedback vom Untergrund, viel Druckstufe, progressive Kennlinie
  • Besondere Vorlieben bzgl. Rahmen: Kettenstreben nicht zu kurz (mind. 435 mm), Lenkwinkel eher flacher

Testerprofil Stefanus

Testerprofil Stefanus Stahl

Körpergröße: 177 cm
Gewicht (mit Riding-Gear): 70 kg
Schrittlänge: 82 cm
Armlänge: 65 cm
Oberkörperlänge: 63 cm

Beschreibe deinen Fahrstil kurz und knackig: Verspielt, sauber und mit vielen Drifts
Was fährst zu hauptsächlich (Trail, Enduro ect.): Trail, Enduro
Besondere Vorlieben bzgl. Fahrwerk: Die richtige Mischung aus Komfort und Popp macht’s
Besondere Vorlieben bzgl. Rahmen: Relativ niedrig, relativ lang


Website: www.specialized.com
Testbikes zur Verfügung gestellt von: www.specialized.com und www.stenger-bike.de
Text & Redaktion: Jens Staudt | Stefanus Stahl | MTB-News.de 2016
Bilder: Jens Staudt | Bärbel Dangel | Stefanus Stahl | Moritz Schmid

  1. benutzerbild

    Grinsekater

    dabei seit 08/2002

    hoschik
    z.B. schon mal Lust auf einen neuen Dhler,einfach wegen der Lust auf etwas neues,Plan wurde schnell verworfen,iwie hat sich da in letzter Zeit kaum etwas getan, mal abwarten was da noch so kommt, aktuell kann man problemlos 2 Generationen auslassen ohne groß was zu verpassen.
    Gerade bei Downhillern finde ich, dass sich da bei einigen Herstellern einiges getan hat. Endlich gibt es ernsthafte Racegeometrien (Canyon Sender, Pivot Phoenix...). Diese Bikes machen vermutlich in den meisten Bikeparks (Wildbad vielleicht ausgenommen) noch nicht wirklich Spaß aber wenn man damit in echtes DH-Gelände geht dann ist das eine komplett andere Welt!

    dr.juggles
    @Grinsekater
    Jens ich meinte wenn du zwischen dem 5010 und bronson für dich selber wählen müsstest?
    ging das 5010 wirklich soo viel besser bergauf? wird ja überall hoch gelobt das teil.
    das camber käme für mich nie in frage. hatte das letzte 26" stumpy evo carbon welches turbo verspielt und spassig zu fahren war, aber im raueren gelände mir einfach zu flatterig war. der rahmen war mir als 0,1 tonner einfach nicht steif genug. die santas sind da ja gefühlt weitaus steifer.
    Ich würde eher zum 5010 greifen. In meiner Gegend macht das mehr Sinn. Wobei ich eigentlich den Hightower lieber mag. Aber das hängt auch eher mit meiner Vorliebe für 29 Zoll in diesem Einsatzbereich zusammen. Diese Laufradgröße hat sich auch endlich mal gemausert! Die Geometrien passen und es man kann es unglaublich laufen lassen damit ohne großartig Abstriche machen zu müssen was Sprungfreudigkeit und Agilität angeht (wenn man sich mal drauf eingelassen hat).
  2. benutzerbild

    hoschik

    dabei seit 08/2004

    Grinsekater
    Gerade bei Downhillern finde ich, dass sich da bei einigen Herstellern einiges getan hat. Endlich gibt es ernsthafte Racegeometrien (Canyon Sender, Pivot Phoenix...). Diese Bikes machen vermutlich in den meisten Bikeparks (Wildbad vielleicht ausgenommen) noch nicht wirklich Spaß aber wenn man damit in echtes DH-Gelände geht dann ist das eine komplett andere Welt!
    das einige Hersteller aufholen mussten bzw. ihre Bikes etwas veraltet waren ist ja bekannnt, Canyon hat da ja lange quasi nix neues gebracht, meinst du bei Pivot die Einführung des Carbon Phoenix oder die überarbeitete Version von diesem Jahr ? Also meiner Meinung nach sind bei DH Rädern die Rahmengrößen einfach eine Größe nach unten gerutscht,aus M wurde S usw. Ist doch nichts neues dass man für DH-Race früher einfach eine Nummer größer genommen hat, die Sitzrohre waren ja eh oft bei allen Größen gleichlang,für große Fahrer war es halt problematisch,weil das Größte immernoch zu klein war.Aber wie du auch schon angemerkt hast,hat sich einfach alles mehr Richtung Race verschoben,mit Nachteilen im normalen Bikeparkbetrieb. Ich glaub ich muss mal eins der 2016er Bikes probefahren, aufm Papier nehmen die sich nicht viel zu meinem Tues 2.0 was die Geometrie betrifft. Mit meinen 1,80m hätte ich da auch schon 2013 ein Bike mit nahezu identischen Geometriewerten haben können wie das aktuelle Canyon Sender. 63er LW, Tretlager 345-350mm ,Reach 440-450, Kettenstrebe 430-445, progressiver Hinterbau,langer Radstand,das gab es doch alles schon,wenn auch nicht von allen Herstellern. Bin die letzten 2 Jahre auch immer wieder aktuelle Bikes probegefahren, von "andere Welt" war das aber recht weit entfernt.

    Ist dieses "andere Welt" Erlebnis nicht vielleicht einfach deiner Körpergröße geschuldet das du jetzt endlich ein Bike in der richtigen Größe für dich bekommst in Kombination mit der neuesten Generation an Gabeln und Dämpfern ? Vor allem letzteres sorgte bei mir eher für dieses "Aha" Erlebnis. Ich bin hauptsächlich in Bikeparks in den Alpen unterwegs,richtiges DH Gelände gibt es da zu Genüge.

    Noch mehr Offtopic: Generell gefallen mir eure aktuellen Tests wieder richtig gut,weiter so :daumen:,auch das du dich nach dem Test noch stark an der Disskussion beteiligst befürworten hier sicher einige Leute,kann gerne so weiter gehen.
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  4. benutzerbild

    freigeist

    dabei seit 05/2004

    hoschik
    ,auch das du dich nach dem Test noch stark an der Disskussion beteiligst befürworten hier sicher einige Leute,kann gerne so weiter gehen.
    Volle zustimmung :daumen:

    Das fand ich im letzten Ghost-Thread so geil, das -MAXI- rede und Antwort stand und so präsent war. Good Old Times ;-)
    Der Bengel fehlt hier und es gehört sich einfach (finde -ich persönlich-) das sich der Schreiberling noch an den anstehenden Disskusionen beteiligt und nicht nur einfach nen Artikel Online stellt.

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