Nathalie Schneitter war eine Woche lang mit Tracy Moseley im Camper unterwegs und konnte so das EWS-Renngeschehen in Wicklow hautnah mitverfolgen. Viel Spaß bei ihrem Bericht von einer actionreichen und nassen Woche!

Eine Woche im Renngelände der Enduro World Series im Wohnmobil von Tracy Moseley (3fache Gesamtsiegerin der EWS) campieren, dazu ihr Bike fahren und ihren Mann als Mechaniker zu Hand haben: Tönt wie ein 6er im Lotto, richtig? Richtig! Und ich war die glückliche Gewinnerin.

Throwback zu einem Abenteuertrip in den Schweizer Alpen und eine der Erklärungen, warum gerade ich diesen 6er im Lotto geknackt habe
# Throwback zu einem Abenteuertrip in den Schweizer Alpen und eine der Erklärungen, warum gerade ich diesen 6er im Lotto geknackt habe - Gemeinsame Abenteuer schweißen zusammen! (Tracy links, ich rechts)

Kennengelernt habe ich Tracy im Jahr 2011 beim Cape Epic. Damals war sie amtierende Downhill-Weltmeisterin und auf der Suche nach neuen Herausforderungen und ich eine der Top Cross Country-Raketen. Unsere Geschichte und Herkunft im Bikesport könnte also anders nicht sein, aber die Liebe zum Sport und zum Abenteuer verbindet. Bei der ersten gemeinsamen Ausfahrt im Wallis (Schweizer Alpen) erwischte ich einen guten Tag und heizte Tracy 200 Switchback-Kurven hinterher, auch wenn ich mir zwischenzeitlich fast in die Hose machte. Damals habe ich mir den Respekt verdient, auch in Zukunft auf Tour mitgenommen zu werden und dabei auch gerade die Cross Country Fraktion von vielen Vorurteilen befreit. Ja, auch Anhänger von Lycra und hoher Sattelstütze können es richtig sausen lassen.

Achtung! Achtung! Ehemalige Cross Country-Pilotin hat in die Enduro-Fraktion gewechselt & übt sich im Draufgängertum!
# Achtung! Achtung! Ehemalige Cross Country-Pilotin hat in die Enduro-Fraktion gewechselt & übt sich im Draufgängertum!

Auf jeden Fall konnte ich mir den Spaß nicht entgehen lassen, ohne Bike zur EWS in Irland zu fliegen und mich auf Tracys Rennmaschine, die ich im Training ganze drei Mal gefahren bin, an den Start zu stellen. Wirklich erfolgversprechend ist eine solche Rennvorbereitung nicht gerade, aber eine echte Herausforderung und Spass pur! ☺

James Richards, Tracy’s bessere Hälfte, bei der Pflege meines ausgeliehenen Rennpferdes. Ein Traum auf 29 Zoll Rädern: Das Trek Slash!
# James Richards, Tracy’s bessere Hälfte, bei der Pflege meines ausgeliehenen Rennpferdes. Ein Traum auf 29 Zoll Rädern: Das Trek Slash!

Tracy selbst war die ganze Woche hindurch ziemlich beschäftigt. Sie fährt bei den EWS-Rennen zwar nicht mehr aktiv mit, ist aber bei einigen der Rennen neu als Kommentatorin unterwegs. Von den Tipps & Tricks des Profis habe ich natürlich aber trotzdem profitiert!

Abendessen Camper Style
# Abendessen Camper Style

Pro-Tipp 1: Gesund essen. Ein ausgewogen genährter Körper bringt eher die Leistung, die man von ihm verlangt. Hier gerade israelisches Shashuka, zubereitet von meiner israelischen Kollegin und „Mitcamperin“ Noga Korem.
Pro Tipp 2: Viel Schlaf, damit sich Kopf & Körper von den vielen neuen Eindrücken erholen können! Dies ist mein Lieblingstipp. ☺

Wir schreiben also Mittwochmorgen in Irland und ich hatte mich schon auf einen gemütlichen Morgen mit zu viel Kaffee eingestellt.

James und ich beim morgendlichen Ritual des Mahlens von Kaffeebohnen.
# James und ich beim morgendlichen Ritual des Mahlens von Kaffeebohnen. - Ich bringe immer meine eigenen Bohnen von Vertical Coffee Rosters mit. Nichts geht über einen guten Kaffee, um gestärkt in den Tag zu starten.

Doch anstatt gemütlich Kaffee zu schlürfen hatte Tracy die Idee, dass ich ein paar Stages des Rennens zu Fuß besichtigen könnte. Ich und Track-walk? Herrje! Dass die meisten der FahrerInnen die vergangenen drei Jahre schon auf den selben Trails Rennen gefahren sind und dies für mich ein echter Nachteil ist, hatte ich mir bis dahin noch nicht überlegt. Also mache ich mich bereit um wandern zu gehen… Dann die Rettung: Ich treffe die Kanadier Andréanne Lanthier Nadeau (2. EWS La Thuile 2016) und Antoine Caron, beide wie ich ehemalige Cross Country Fahrer – zusammen stiefeln wir also los.

Irland begrüsste uns die ersten Tage mit traumhaftem Sonnenschein. Im Wald war es (im Training zumindest noch) trocken und schnell.
# Irland begrüsste uns die ersten Tage mit traumhaftem Sonnenschein. Im Wald war es (im Training zumindest noch) trocken und schnell.
Der Track Walk brachte uns auch ziemlich in Schwitzen. Fazit: Trails wandern ist ja toll, Trails mit dem Bike flitzen aber definitiv noch viel toller!
# Der Track Walk brachte uns auch ziemlich in Schwitzen. Fazit: Trails wandern ist ja toll, Trails mit dem Bike flitzen aber definitiv noch viel toller!
Bergschuhe oder Laufschuhe habe ich natürlich keine dabei
# Bergschuhe oder Laufschuhe habe ich natürlich keine dabei - Dafür eine Banane als Zwischenverpflegung, auf welche Antoine & Andréanne ziemlich neidisch sind, bis wir sie uns im Wald zu dritt teilen.

Nach dem Wandern fühle ich mich dann wie ein kleines Hündchen, das spielen will. Ich will das Bike jetzt endlich fahren und nicht nur angucken. Mountainbikes sind auch hübsch zum Anschauen, keine Frage. Aber ob man sich in ein Bike verlieben kann, merkt man erst, wenn man darauf fährt. Da die Tracks in Wicklow alle bis zum offiziellen Trainingsstart geschlossen sind, quetschen wir vier Fahrräder und vier Personen in ein Mietauto und fahren zum nächstgelegenen Trail Center. Zum Glück bemerken wir noch vor der Abfahrt, dass wir Festlandeuropäer die Bremsen andersrum fahren als die Engländer. Das wäre auf dem Trail wohl echt interessant geworden. Für mich heißt das: Hinterradbremse rechts, Vorderradbremse links! Ein wichtiges Detail! Phuuu, nochmals Glück gehabt.

Ist es Liebe?
# Ist es Liebe? - Ich glaube JA! Nach nur einer Ausfahrt auf dem 29er Trek Slash habe ich mich bereits in das Bike verguckt. Ich glaube zwar, dass ich das Potential des Stahlrosses noch nicht ganz abrufen kann, aber taste mich langsam ran.

Ich bin relativ neu in dieser Endurowelt. Ich fahre mein Enduro Bike noch wie Cross Country Rad: Um Hindernisse rum statt drüber und die Gewichtsverlagerung so, dass ich der hohen Sattelstütze ausweichen kann, die ich ja gar nicht mehr am Rad hab. Pedalieren ist mit Sicherheit meine große Stärke, dafür sind meine Arme so schwach, dass ich jeweils den Lenker kaum bis Ende der Stage halten kann. Natürlich muss ich mir deshalb öfter mal Sprüche anhören. Stören tut mich das aber gar nicht – ich bin stolz auf meine XC-Herkunft. Und solche XC-Deserteure wie mich gibt es einige. Deshalb hatte Noga Korem (3. EWS Medaira 2017) die Idee, die „XC Mafia“ zu gründen.

4 Mitglieder der XC Mafia beim gemeinsamen Training in Wicklow. 
Von links: Nathalie Schneitter, Noga Korem, Andréanne Lanthier Nadeau, Antoine Caron.
# 4 Mitglieder der XC Mafia beim gemeinsamen Training in Wicklow. 
Von links: Nathalie Schneitter, Noga Korem, Andréanne Lanthier Nadeau, Antoine Caron.

Natürlich ist die XC Mafia keine ernsthafte Organisation. Mehr ein emotionaler Zusammenschluss von ehemaligen XC-FahrerInnen, die ihren Weg zum Enduro gefunden haben. Wir alle sind uns einig: Radfahren macht glücklich, Rennen fahren ist toll, aber der Spaß steht im Vordergrund!

Bisherige Mitglieder der XC Mafia: Noga Korem , Katy Winton, Ines Thoma, Andréanne Lanthier Nadeau, Cedric & Cecile Ravanel, Kevin Miquel, Francois Bailly-Maitre, Antoine Caron, Paul van der Ploeg, ich… und der Club wächst stetig!

Noga und ich versuchen gute Gäste zu sein und uns für die Gastfreundschaft im Camper erkenntlich zu zeigen!
# Noga und ich versuchen gute Gäste zu sein und uns für die Gastfreundschaft im Camper erkenntlich zu zeigen!

Das Camper-Leben läuft unterdessen hervorragend. Noga und ich übernehmen die Kocherei und haben es mittlerweile auch im Griff, Tracy am zum Frühstück ihren Porridge genau so zuzubereiten, wie sie ihn gerne mag. Vier Personen, die in einem Raum zusammenleben, das ist eine echte Herausforderung. Aber es zeigt sich einmal mehr: Gleich und gleich gesellt sich gerne!

Volle Konzentration beim Training. Ich fühle mich zwar nicht unbedingt schnell, aber die rutschigen Trails machen richtig Bock!
# Volle Konzentration beim Training. Ich fühle mich zwar nicht unbedingt schnell, aber die rutschigen Trails machen richtig Bock!

Am Freitag ist es dann endlich soweit und das Training geht los. In Wicklow muss auch im Training alles aus eigener Muskelkraft gestrampelt werden, Shuttles sind verboten. Ich freu mich darüber, weil Enduro Trainingstage gleichzeitig auch coole Biketage mit Freunden sind. Den ersten Trainingstag verbringe ich mit Andréanne und Noga, der zweite Trainingstag fällt zunächst mal ins Wasser, weil es wirklich wie aus Kübeln runterschifft.


Meine Motivationsspritze für den zweiten Trainingstag
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Meine Motivationsspritze für den zweiten Trainingstag - die gute Laune und Motivation der Gehrig Twins. Zusammen haben wir vor dem zweiten Trainingstag noch die Tracks auf Video angeschaut und diskutiert.

Etwas später als ursprünglich geplant geht’s dann in den zweiten Trainingstag. Heute in Begleitung der Schweizer Enduro-Raketen, der Gehrig Twins. Die gute Laune haben wir dabei und legen im strömenden Regen sogar noch eine Kaffeepause ein, durch und durch nass sind wir sowieso schon.

Schlammig und nass von unten, aber trocken von oben ist es dann auch am Renntag. Ich komme in allen Stages ohne Sturz durch (was wohl heißt, dass ich meine Komfortzone nicht wirklich verlassen habe) und liefere eine solide Vorstellung. Es resultiert Rang 12 und die Gewissheit, dass das Bike mehr kann, als ich ihm abverlange. Ich freue mich über das tolle Resultat und Tracy freut sich mit mir. Wahrscheinlich freut sie sich auch, dass ihr Bike den Renntag unbeschadet mit mir überlebt hat.

Der 29er läuft auf den nassen Steinen & Wurzeln wie ein Traum
# Der 29er läuft auf den nassen Steinen & Wurzeln wie ein Traum - Ich fühle mich sicher und möchte das Ding am liebsten mit nach Hause nehmen. Von einer neuen Liebe fällt der Abschied immer besonders schwer.
Rutschige Kurven
# Rutschige Kurven

Freuen tu ich mich auch, dass das gesamte Ladies Podium von Vertreterinnen der XC Mafia belegt ist und meine Trainingspartner Andréanne und die Twins die Ränge 3 bis 5 belegen.

Direkt nach der Ziellinie geben wir weiter Gas
# Direkt nach der Ziellinie geben wir weiter Gas - Noga und Caro Gehrig stoßen mit mir an auf einen tollen Tag an, den wir alle unbeschadet überstanden haben. Schlussendlich ist das noch immer das Wichtigste.
Zusammen mit den Kernmitgliedern der XCMafia lassen wir den Abend ausklingen
# Zusammen mit den Kernmitgliedern der XCMafia lassen wir den Abend ausklingen - da wir nach Bike putzen und dem Packen spät dran sind, hat nur noch die Burgerbude offen

Die Gastfreundschaft von Tracy und James haut mich aus den Socken. So viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft habe ich noch selten erlebt. Ich bin glücklich und genieße diesen 6er im Lotto in vollen Zügen. Auch die Kollegialität unter den Enduromädels hat meine Woche unvergesslich gemacht. Das Schönste am Enduro ist für mich, dass alle Rennfahrer im Rennen gegen sich selber und den Track kämpfen und ich meinen Kolleginnen im Wettkampf nicht wie bei einem Cross Country-Start die Ellenbogen in die Rippen rammen muss.

Ich freue mich bereits auf das nächste Enduro-Abenteuer und wenn jemand von euch auch mal mit James auf Tour gehen möchte, dann checkt doch seine Website www.mtbsprocket.co.uk. Seine geguideten Touren in England sind jedem Mountainbike-Enthusiasten wärmstens zu empfahlen.

Mein Bike Setup für die EWS in Wicklow

  • Bike: Trek Slash (29er)
  • Schaltung: Shimano XTR Di2 / 30er Kettenblatt in Kombination mit einer Shimano 11/46 XT Kassette
  • Reifen: Maxxis Shorty 2.3 Vorne / Bontrager SE4 2.4 Hinten
  • Bremse: Shimano Saint
  • Federelemente: Fox Factory 36 Talas 150mm/ Fox Factory Float X2 150mm
  • Komponenten: Deity Components
  • Laufräder: Bontrager Line Elite 30, 29er mit Boost Standard (110/148)

Über unsere Gast-Bloggerin

Nathalie Schneitter startete ihre internationale Mountainbike-Karriere im Jahr 2004 mit dem Gewinn des Cross-Country-Weltmeistertitels bei den Juniorinnen. Seither ist sie Vollgas auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Jahr 2008 qualifizierte sie sich für die Olympischen Spiele in Peking und 2010 sicherte sie sich den Heimsieg beim Cross-Country-Weltcup in Champéry. Vollgas gibt Nathalie auch neben der Rennstrecke: Sie lacht viel und tanzt in jeder möglichen Situation. Seit Herbst 2016 ist sie Messeverantwortliche der Bike Days in Solothurn und des Urban Bike Festival in Zürich.

20170526 194102
# 20170526 194102
Beer 'o' clock
# Beer 'o' clock
Kaffee mit Ines
# Kaffee mit Ines
Action Fotos: Ross Bell | Text: Nathalie Schneitter




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