Am vergangenen Mittwoch erfuhren wir in der Redaktion, dass unser Kolumnist und Freund Mario “Muschi” Peters bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen war. Sein Tod ging uns in der Redaktion sehr nahe und auch wir benötigten Zeit, diese Nachricht zu verarbeiten.

Nun ist wieder Mittwoch. Muschis Mittwoch. Mit diesem Nachruf möchten wir einige Stimmen aus der Redaktion zu Wort kommen lassen, die mit ihm gelacht, gefachsimpelt und die simple Freude am Radfahren mit ihm geteilt haben – und wollen einmal kurz erklären, wie es überhaupt zu seiner legendären “Muschi am Mittwoch”-Kolumne kam. Ride in pink, lieber Muschi.

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Der berühmte Wickelrock
Der berühmte Wickelrock - und ausnahmsweise mal mit Shirt bekleidet
Muschi und Fabian
Muschi und Fabian
Unser erster Eindruck des zukünftigen Herrn Kolumnisten
Unser erster Eindruck des zukünftigen Herrn Kolumnisten
Muschi vorn, Moritz mit im Display
Muschi vorn, Moritz mit im Display - später folgte die Besiegelung des 24h-Rennens
Muschi und, naja, Muschi
Muschi und, naja, Muschi
Gabi Sindlinger (vorne), Sandy, Muschi. Thomas, Stefanus, Moritz mit ziemlich guter Laune am Abend. Muschi hatte einen größeren Anteil daran
Gabi Sindlinger (vorne), Sandy, Muschi. Thomas, Stefanus, Moritz mit ziemlich guter Laune am Abend. Muschi hatte einen größeren Anteil daran
Sandy, Muschi. Spaß
Sandy, Muschi. Spaß
Teamtreffen. Der Herr in pink ist nicht zu übersehen
Teamtreffen. Der Herr in pink ist nicht zu übersehen
Eins der Dinge, die mir immer peinlich waren (und sind): Selfies. Aber mit Muschi im Rücken war auch das kein Problem mehr.
Eins der Dinge, die mir immer peinlich waren (und sind): Selfies. Aber mit Muschi im Rücken war auch das kein Problem mehr.
Marcus und Muschi
Marcus und Muschi
Die Nordwest-Crew mit Muschi und Hannes erreichte das Teamtreffen im Osten als letzte Gruppe. Gefahren wurde trotzdem noch eine schnelle Runde. Und schnell hieß mit Muschi: Schnell
Die Nordwest-Crew mit Muschi und Hannes erreichte das Teamtreffen im Osten als letzte Gruppe. Gefahren wurde trotzdem noch eine schnelle Runde. Und schnell hieß mit Muschi: Schnell
Im tschechischen Wald
Im tschechischen Wald
5 Grad? Klitschnass? Egal
5 Grad? Klitschnass? Egal
Muschi: Einer der Menschen, die sich auf der Eurobike wirklich einen dieser China-Hüte andrehen ließen
Muschi: Einer der Menschen, die sich auf der Eurobike wirklich einen dieser China-Hüte andrehen ließen
Auf dem Weg zur Eurobike mit der Dampflok
Auf dem Weg zur Eurobike mit der Dampflok
Im Wald gut erkennbar: Muschi
Im Wald gut erkennbar: Muschi - das Foto: Jens Staudt
Pumptrack in Tschechien mit der ganzen Crew
Pumptrack in Tschechien mit der ganzen Crew
Im Wald für einen Dauertestbericht
Im Wald für einen Dauertestbericht
Fuhrpark: Teil 1
Fuhrpark: Teil 1 - Foto: Tobbi H.
Abstecher zum Snow-Downhill
Abstecher zum Snow-Downhill
Auf dem Crosser
Auf dem Crosser
Erst vor Kurzem hatte Muschi einen Leistungscheck absolviert - siehe auch seine Kolumne dazu
Erst vor Kurzem hatte Muschi einen Leistungscheck absolviert - siehe auch seine Kolumne dazu
Zigarre? Nur eine zerbrochene Sattelstütze!
Zigarre? Nur eine zerbrochene Sattelstütze!
In der Fischteichhölle
In der Fischteichhölle
Auch das Rad bekommt einen netten Liegeplatz
Auch das Rad bekommt einen netten Liegeplatz
Fuhrpark: Teil 2
Fuhrpark: Teil 2
Beim Bremsentest für MTB-News.de
Beim Bremsentest für MTB-News.de

Tobias

Mario Peters ist tot. Diese Nachricht traf mich letzte Woche härter als ich es je erwartet hätte. Unser „Muschi“, der gerne mal über 400 km am Stück fährt oder ein 24h Rennen alleine auf dem Singlespeeder in Angriff nimmt? Der an sich auch von den fiesesten Trollen und Kritikern unbesiegbar schien? Mit Mario verlässt uns nicht nur ein hoch geschätzter (wenn auch zuweilen anstrengender) Kollege, sondern auch der größte mir bekannte Botschafter unseres Sports hierzulande. Fern ab von glänzenden Cover-Shots und Pro-Gehabe lebte Muschi ganz für das Bike und die Themen, die sich in diesem Zusammenhang ergeben. Seine extrovertierte – ja schillernde – Persönlichkeit war für ihn der Hebel, um die Menschen zu erreichen. So auch in seiner Kolumne für MTB-News.de, „Muschi am Mittwoch“.

Wie kam es eigentlich zu Muschi am Mittwoch auf MTB-News.de? Genau diese Frage habe ich in den letzten Tagen nochmal intensiv rekapituliert, alte Mails und Nachrichten gelesen und so versucht, den Verlust irgendwie erträglicher zu machen. Seit 2011 war Muschi – damals noch als malario (ein Spitzname aus Tagebauzeiten in Afrika) – als User auf MTB-News.de aktiv und bewarb sich 2014 mit seinem 2SoulsCycles Quarterhorse Ti für das Bike der Woche. Zwei Bikes in einem und eine unterhaltsame Story, soweit so gut. Doch es waren die Fotos, die das Thema direkt explodieren ließen. Der Typ präsentierte sich kurzerhand in Boxershorts

Unser erster Eindruck des zukünftigen Herrn Kolumnisten
# Unser erster Eindruck des zukünftigen Herrn Kolumnisten

Gut zwei Wochen nach dem BdW-Artikel eine neue Nachricht von Muschi. Es ging um seinen Blog bei den Vennbikern, um Themen, die Mountainbiker umtreiben. Die Nachricht endete wie folgt: „Wenn ich jetzt ganz vermessen wäre würde ich fragen, ob ihr einen Kolumnisten braucht. Oder bin ich da bei dir an der falschen Adresse?“

Und ich war quasi die richtige Adresse. Nach einem langen Telefonat mit Muschi und interner Abstimmung mit Thomas lautete die schriftliche Antwort meinerseits: „Du verkörperst in sehr authentischer und keineswegs konventioneller Art und Weise eine wichtige Facette des Mountainbikens: das Leben für das Bike. Die Rückmeldungen Deiner letzten Beiträge auf Vennbike haben dich angefixt – wir würden Dir gerne die Chance geben, für uns zu schreiben und einen ungleich größeren Interessentenkreis zu erreichen. Und vermutlich auch sehr kontroverse Diskussionen loszutreten.“

Seine Antwort folgte umgehend: „Ich hyperventiliere gerade“. Nur zwei Wochen nach dieser Absprache ging es dann auch schon los mit Muschi am Mittwoch und wir alle wissen, wohin sich das Thema in den drei Jahren seither entwickelt hat. Auch wenn sich viele (auch in der Redaktion) zunächst an Schreibstil, Themenauswahl oder auch einfach nur der „Marke“ Muschi erregten – er hat uns alle berührt, uns Themen vor Augen geführt, die (zumindest ich) nie bedacht hätte. Und er wusste, was er tut. So schrieb er unter seinem Text zur Kolumne „Über Stutenbeißerei und anderes Gezänk“: „Guck mal. Und ja, ich weiß was ich mir damit antue. Aber einer muss es ja mal machen.“ Genau aus diesem Grund hinterlässt er eine riesige Lücke bei allen, die ihn kannten und schätzten (oder auch nur alle zwei Wochen ertragen mussten).

Der Mittwoch wird in Zukunft ein anderer sein, du wirst fehlen. R.I.Pink mein bekloppter Freund!

Hannes

“Hömmah, Hannes, folgendes…” In breitestem Eifler Dialekt begannen so grundsätzlich unsere typischen Telefongespräche, in denen du mir meist wilde Aufbau- und Rennprojekte für die Zukunft vorschlugst. Das mit der Zukunft wird nun nichts mehr. Realisiert habe ich das noch nicht richtig und ich hätte nie gedacht, dass mich dein Tod so trifft. Noch in der Nacht auf den Mittwoch schrieb mir Fabian vom Gerücht, welches sich am kommenden Morgen als schockierende Gewissheit herausstellen sollte.

Auf dem Weg zur Eurobike mit der Dampflok
# Auf dem Weg zur Eurobike mit der Dampflok

Mario Peters:
“du hast die links vergessen”
“da waren einige”
Hannes Herden:
“?! da sind doch alle drin?”
Mario Peters:
“ich bin der depp”
“habe keine Brille an”

Typischer SMS-Verlauf zu einer MuaMi-Folge

Du warst auf dem Rad wie eine Diesellok. Kompakt gebaut, kein Sprinter, aber wenn der Motor nach einer kleinen Aufwärmphase richtig lief, dann lief er. Es war fast unmöglich, an dir dranzubleiben. Sei es auf unseren täglichen gemeinsamen Biketouren zum Eurobike-Messegelände oder unseren Teamtreffen, du zogst durch.

Ganz anders deine Präsenz, wenn du nicht im Sattel saßt: Die brauchte keine Aufwärmphase, die war groß und sofort da. Trotz kleiner körperlicher Statur. Wo du reinkamst, kippte die Stimmung ins Positive. Dein einnehmend herzliches, bisweilen ins Dreckige abdriftende Lachen bedurfte keiner weiteren Worte: Der Kerl ist bekloppt, aber schwer in Ordnung.

Und wie du bekloppt warst: Ob 22 Stunden am Stück rund um den Westerwald oder Singlespeeder Solo-Overnighter, deine Projekte waren grundsätzlich immer ein bisschen drüber. Und dann alle Klamotten in pink, keine Chance, dich in einem Rennen nicht sofort zu erkennen. Für 2018 hattest du dir die Strava Festive 500 in einem Rutsch vorgenommen.

Die Nordwest-Crew mit Muschi und Hannes erreichte das Teamtreffen im Osten als letzte Gruppe. Gefahren wurde trotzdem noch eine schnelle Runde. Und schnell hieß mit Muschi: Schnell
# Die Nordwest-Crew mit Muschi und Hannes erreichte das Teamtreffen im Osten als letzte Gruppe. Gefahren wurde trotzdem noch eine schnelle Runde. Und schnell hieß mit Muschi: Schnell

Du wolltest mich immer auf deine Trails in die Eifel mitnehmen, das haben wir nicht geschafft. Trotzdem haben wir es mehrfach hinbekommen, überhaupt zusammen Rad zu fahren, haben stundenlange Gespräche auf zwei langen Autofahrten geführt und nicht zuletzt zu fast jeder Muschi am Mittwoch-Folge geschrieben und telefoniert, bevor ich sie gegenlas und als provokantes Textgeschoss, bei dem wir oft schon vorab wussten, dass es gleich wieder explodieren wird, in die Welt rausjagte. Kommasetzung war nie dein Ding. Scheißegal war mir das, ich habe die Texte gerne korrigiert. “Muschi am Mittwoch” war eine besondere Kolumne, die oft aneckte, aber noch öfter einfach wichtig war. Sie hat polarisiert, gelehrt und unterhalten. Nur wenige können sowas, und vor allem über so eine lange Zeit.

Mountainbike-Deutschland verliert ein Original, MTB-News verliert einen Kollegen, wir verlieren einen Freund. Einen von den Guten auf der Welt. Rest in pink, Muschi.

Tieftraurig,
Hannes

Thomas

Oh Mario,

auch eine Woche nach deinem Tod ist es schwer für mich, diesen zu akzeptieren. Ich hätte nie gedacht, dass es mir so fehlen würde, nie mehr mit einem „Hömma Thomas, du bist ja schwerer zu erreichen als der Papst“ begrüßt zu werden – und es tut weh.

Tobias hatte Mario mit den Worten „Der Typ mit dem durchgeknallten 2Soulscycles Hardtail würde sich als Kolumnenschreiber anbieten“ vorgestellt – und nachdem seine ersten Kolumnen auf dem Vennbiker-Blog bereits sehr gut angekommen waren, wurde Mario mit “Muschi am Mittwoch” bei uns einer großen Leserschaft bekannt. Den etwas komischen Titel hatten wir gemeinsam festgelegt. Folge war, dass erstmal keine Werbung mehr bei uns mehr ausgespielt werden würde – Google hatte nicht direkt verstanden, dass es bei “Muschi am Mittwoch“ um heiße Themen rund um unseren Mountainbikesport ging – und nicht um bebilderte Anatomie-Darstellungen.

Gabi Sindlinger (vorne), Sandy, Muschi. Thomas, Stefanus, Moritz mit ziemlich guter Laune am Abend. Muschi hatte einen größeren Anteil daran
# Gabi Sindlinger (vorne), Sandy, Muschi. Thomas, Stefanus, Moritz mit ziemlich guter Laune am Abend. Muschi hatte einen größeren Anteil daran

Apropos heiße Themen: zu heiß und auch zu verrückt gab es nicht für Muschi – auf der einen Seite gab er mit politischen Themen Denk- und Diskussionsanstöße, ohne Rücksicht darauf, selbst wegen seiner Meinung angefeindet zu werden – einfach nur weil er für die Themen brannte. Auf der anderen Seite verschafften ihm Extrem-Aktionen auf und mit dem Rad Respekt, Glaubwürdigkeit und Fans – egal ob er ein 24 Stunden-Event mit dem Singlespeeder bestritt, bei Nacht auf 400 km den Westerwald umrundete und darüber schrieb oder sich ein Rad selbst aufbaute, das auch weit von dem entfernt war, was man als normal bezeichnen würde.

Der berühmte Wickelrock
# Der berühmte Wickelrock - und ausnahmsweise mal mit Shirt bekleidet

“Hast du das letzte ‘Muschi am Mittwoch’ gelesen – echt völlig irre“ war ein Satz, den ich öfters hörte. Mario war verrückt, und das im absolut positiven Sinne – wer sonst könnte auf die Idee kommen, nur mit Wickelrock bekleidet die Abende in unserer Eurobike-Redaktion zu verbringen, als wär es das normalste der Welt. Positiv, laut und schrill war auch dein mitreißender Eindruck auf Andere – man musste dich einfach mögen.

Durch deinen plötzlichen Tod wirst du eine große Lücke bei allen Menschen hinterlassen, mit denen du zu tun hattest – auch bei mir.

Positiv, laut und schrill wirst du auch in meinem Kopf bleiben.
Thomas

Moritz

Knapp eine Woche ist es nun her, dass ich von deinem Tod erfahren habe, und noch immer schwanken meine Gedanken zwischen vergeblichem Nicht-wahrhaben-wollen, irrationalem Ärger über diese Ungerechtigkeit und vor allem tiefer Trauer.

Kennengelernt haben wir uns leider nur einmal während unserer kurzen Klassenfahrt nach Pod Smrkem. Nach einer ziemlich langen, nasskalten Tour war (natürlich!) ein feuchtfröhlicher Abend geplant, und im Verlauf dieses Abends hast du mich davon überzeugt, gemeinsam mit dir bei den 24 Stunden von Finale Ligure an den Start zu gehen. Ich habe mich nach Kräften gewehrt, weil ich erstens überhaupt keinen Plan hatte, um was es sich bei den 24 Stunden von Finale Ligure handelt, ich zweitens überhaupt kein Typ für Langstrecken-Cross-Country-Rennen bin und du drittens unseren Deal, der trotzdem irgendwie zustande gekommen ist, mit einem innigen Kuss besiegeln wolltest. Auf den Mund. Im Wickelrock bekleidet. Zur großen Freude aller anwesenden Personen hat dein großes Herz über meinen Tatratea-getränkten Verstand gesiegt.

Hier war ich noch skeptisch, ob mich Muschi überzeugen könnte, die 24 Stunden von Finale Ligure gemeinsam mit ihm zu fahren.
# Hier war ich noch skeptisch, ob mich Muschi überzeugen könnte, die 24 Stunden von Finale Ligure gemeinsam mit ihm zu fahren.
Etwa 3,7 Sekunden später hatte er's dann geschafft. Im Gegensatz zu meiner Trunkenheit nicht im Bild zu sehen: Muschis legendärer Wickelrock.
# Etwa 3,7 Sekunden später hatte er's dann geschafft. Im Gegensatz zu meiner Trunkenheit nicht im Bild zu sehen: Muschis legendärer Wickelrock.

Am Morgen danach waren alle ziemlich verkatert, aber deine gute Laune und deine Aufgeschlossenheit haben die Trail-Runde am Morgen deutlich erträglicher gemacht – jedenfalls so lange, wie ich mit dir mithalten konnte. Nach wenigen Kilometern war der Spaß vorbei und du bist als pinker Punkt am Trail-Horizont davongezogen.

Die Reaktionen auf deinen Tod zeigen, was für ein toller Typ du warst. Du hast das Hobby Mountainbiken wie kein anderer Mensch verkörpert, warst stets engagiert, hast dich nie zu wichtig genommen, hast die Leute bewegt und warst einer dieser ganz, ganz seltenen Menschen, deren Art sofort in Erinnerung bleibt. Du hast kein Blatt vor den Mund genommen und Themen offen angesprochen. Auch von kritischen Gegnern hast du dich nicht klein kriegen lassen und gleichermaßen konsequent wie überzeugt dein Ding durchgezogen. Ich war nicht immer zu 100 % deiner Meinung, aber du warst ein Farbklecks in dieser manchmal viel zu tristen Welt. Dein Tod reißt ein riesiges Loch in die deutsche Mountainbike-Community und auch in die MTB-News-Community, der du in den letzten Jahren deinen pinken Stempel aufgedrückt hast. Vor allem aber reißt er ein Loch ins Leben deiner Familie, Freunde und Angehörigen.

Teamtreffen. Der Herr in pink ist nicht zu übersehen
# Teamtreffen. Der Herr in pink ist nicht zu übersehen

Trotz Kuss-Besiegelung sind wir übrigens nicht bei den 24 Stunden von Finale Ligure an den Start gegangen. Ich meine mich zu erinnern, dass du für das Wochenende Konzertkarten zum Geburtstag geschenkt bekommen hast, und damit war das Thema erledigt. Ich war ehrlich gesagt ziemlich froh drüber. Jetzt bin ich’s nicht mehr. Das holen wir im Himmel nach. Mach’s gut, Mario!

Jens

Wie heftig der plötzliche und vor allem unerwartete Tod manchmal in unser Leben tritt, wird immer schwer verständlich bleiben, selbst wenn man im eigenen Umfeld diese Erfahrung schon machen musste. Mit Mario hatte ich vor allem lange Telefonate über unsere gemeinsame Leidenschaft in punkto Geometrieanalyse und Bikefitting. Uns beide trieb die Neugier, die Grenzen des Möglichen in unterschiedlichen Einsatzbereichen und Anwendungen auszuloten. “Guck dir mal das Foto an! Ich bin da ein Mensch ohne Hals!” – solche Aussagen von Mario in seiner typischen, emotionalen Art machten diese Diskussionen immer wieder extrem spaßig.

Im Wald gut erkennbar: Muschi
# Im Wald gut erkennbar: Muschi - das Foto: Jens Staudt

Mit unendlicher Neugier fuchste er sich in die Grenzbereiche von Bikes, auf denen man (sehr, sehr…) lange im Sattel leiden konnte. Seine Vorliebe für Hardtails und Starrgabeln weckte auch in mir erneut das Interesse an diesem Bereich, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Wenn ich meinen ungefederten Kilometerfresser auf eine große Runde mitnehme, denke ich an ihn und bin inspiriert, in den Anstiegen wenigstens halb so viel Druck auf die Pedale zu bekommen wie er. Du wirst auf diesen Fahrten immer mit dabei sein, Mario. Als johlender Motivator alles zu geben und noch mehr.

Fabian (Gastautor und IBC-User Fabeymer)

Wir hatten uns das Jahr zuvor auf der Eurobike 2016 persönlich kennengelernt und sofort diese besondere Chemie, die stets da war, wenn wir miteinander zu tun hatten, was im Nachhinein betrachtet leider viel zu selten der Fall gewesen ist. Wenn wir telefoniert haben, dauerte das Gespräch immer viel länger als geplant, wenn wir gefrotzelt und uns gegenseitig Sprüche reingedrückt haben, wusste der andere stets, wie er das einzuordnen hat und wenn wir uns einander anderen Leuten vorgestellt hatten, fühlte sich das an, als würde man einen langjährigen guten Freund vorstellen, obwohl wir im Grunde genommen nur sehr wenig voneinander wussten.

Muschi und Fabian
# Muschi und Fabian

Beim Schlaflos im Sattel-Rennen hat Muschi mich zur Begrüßung – mit einem Handtuch um die Hüften, seiner pinken Mütze auf dem Kopf und einem Glas Whisky in der Hand – so fest und herzlich umarmt, wie ich das nur selten erlebt habe. Er war mir einerseits irgendwie fremd, aber andererseits auch ein Freund. Das ist es, was es mir zunächst so schwer gemacht hat, seinen Tod für mich persönlich zu verorten. Aber mit einer Woche Abstand habe ich eine Erklärung für mich gefunden.

Über Menschen, die so voller Herzlichkeit und positiver Energie sind, wie es Muschi gewesen ist, muss man gar nicht allzu viel wissen. Alter, Beruf, Wohnort, der Standarddatensatz eben…das sind alles Dinge, die überhaupt gar keine Rolle dafür spielen, um jemanden in sein Herz zu schließen. Dafür sind andere Dinge wichtig und die hat Muschi verkörpert.

So sehr, dass sogar ein Duckface-Selfie mit ihm nicht peinlich, sondern grandios-authentisch ist.

Rest in Pink und fühl dich gedrückt!

Chris

Mit Mario verlässt uns nicht nur ein Freund und Kollege, sondern ein sehr positiver und starker Charakter. Selten habe ich jemanden getroffen, der so stark in seiner Meinung war, dabei aber immer diskussionsbereit blieb und bereit war seine Meinung nach einem angeregten Gespräch zu hinterfragen und zu überdenken. Jemand, der laut und provokant war, gleichzeitig aber immer ein offenes Ohr hatte, neugierig zuhört hat und einen unglaublich offenen und freundlichen Umgang mit seinen Mitmenschen pflegte. Jemand, der mich mit seinen Texten immer wieder bewegen und inspirieren konnte: Mutig zu sein, seinen Charakter nicht zu verstecken, seine Meinung zu vertreten und dabei stets offen zu bleiben.

In Angedenken an Mario und unser erstes Treffen auf der Eurobike 2016, werde ich dieses Jahr in pinken Socken antreten. Danke für die gute Zeit und die Inspiration. #thinkpink

Jana

Zwar waren es hauptsächlich deine Kolumnen, die unser regelmäßiger Berührungspunkt waren und unsere persönlichen Treffen beschränkten sich auf unser jährliches Redaktionstreffen und die Eurobike. Doch in den kurzen Momenten, die wir zusammen verbrachten, hattest du einen nachhaltigen Eindruck auf mich, wie wohl auf jeden, der dich schonmal getroffen hat. Ich habe immer ein besonderes Maß an Bewunderung für Menschen übrig, die sich im Leben von nichts und niemandem verbiegen lassen und keine Scheu davor haben, mit Stolz hinter ihrem Wort zu stehen.

Eins der Dinge, die mir immer peinlich waren (und sind): Selfies. Aber mit Muschi im Rücken war auch das kein Problem mehr.
# Eins der Dinge, die mir immer peinlich waren (und sind): Selfies. Aber mit Muschi im Rücken war auch das kein Problem mehr.

Das zeugt von großer Charakterstärke und du warst wohl das glänzendste Beispiel dafür. Du nahmst nie ein Blatt vor den Mund, sprachst jeden mit einem herzlichen “Hömma” an, bevor du entweder eine deiner Anekdoten vom Stapel gabst oder irgendwas ansprachst, was jeder andere niemals zu fragen oder sagen wagte. Und ich habe mir oft gewünscht, mir eine kleine Scheibe davon abschneiden zu können. Jetzt braucht die Welt noch mehr Menschen wie dich.

Rico

Muschi, du alter Haudegen!
Persönlich habe ich dich nur zwei Mal getroffen. Auf der Eurobike und ein knappes Jahr früher in Pod Smrkem, bei unserer Klassenfahrt. Ich erinnere mich gut an dich, den durchgedrehten, witzigen, lauten und offenen Kerl, der du gewesen bist. Kein Moment der Scheu oder der falschen Scham, du warst von Beginn an der witzige Typ, mit dem ich gut lachen und diskutieren konnte. Weißt du noch, in der kommenden Saison wollten wir gemeinsam etwas mit dem E-Bike machen? Dass du von uns gegangen bist, lässt meine Augen noch immer glasig und feucht werden. Dein Tod hat mich am anderen Ende der Welt erreicht, in Kolumbien. Als ich zum Fenster hinaussah, war der Himmel ein bisschen pink!

Mach’s gut, du Pirat, Rennfahrer, Freak, Witzbold und Kumpel. Muschi, du fehlst uns! #rideinpink


Mario “Muschi” Peters war fleißig, was seine Texte anging. So fleißig, dass noch dutzende fertige Texte in seiner Schublade liegen. Wie Leser Maitre-B in den Kommentaren schrieb: “Aber seine Umtriebigkeit, seine Leidenschaft und seine pathologische Bike-Beklopptheit, gepaart mit seiner Präsenz ergeben dieses Gefühl, dass er auf dieser Seite noch nicht fertig war.” Und das stimmt. Mario hat sich gewünscht, dass es im Falle eines Falles mit seinen restlichen Kolumnen posthum weitergehen soll – und das wird es. Irgendwie. 


Mario wird Mitte April in der Nähe seiner Heimat unter einem Baum, den er sich ausgesucht hat, beigesetzt. Um ihm seinen Wunsch, unter diesem Baum beigesetzt zu werden, zu ermöglichen, besteht die Möglichkeit, einen Geldbetrag zu spenden. Dafür wurde eine Bankverbindung eingerichtet, um den Betrag direkt mit dem Forstamt abzuwickeln. 

Bankverbindung:
Andrea Kabil
DE85 5001 0517 5519 271 796
Verwendungszweck: Baum statt Kranz

 

  1. benutzerbild

    ufp

    dabei seit 12/2003

    Auch mir hat die Kolummne nicht sonderlich gefallen und Muschi war halt ein Mensch, der unbedingt auffallen und polarisieren mußte. Der zwar austeilen, aber weniger einstecken konnte.

    Seine Tests waren dafür gut und ausführlich.

    Ich finde es natürlich auch schade und traurig, wenn jemand wegen eines (Arbeits-)Unfalles stirbt.

    Doch wie bei vielen Todesfällen, wird zwar (kurz) darüber berichtet und anschließen ergießen sich seitenlange Beileids- und Kondolenzwünsche, aber über die Ursachen wird eigentlich nie berichtet. Warum eigentlich?

    Interessiert sich niemand dafür? Kann man keine Erkenntnisse, Vorkehrungen, etc daraus ziehen?
    Oder wie man so etwas eventuell verhindern oder Vorsorge tragen oder als Beispiel aufzeigen, was alles passieren könnte?
  2. benutzerbild

    Anzeige

  3. benutzerbild

    Pete04

    dabei seit 12/2008

    Dear ufp! Mal kurz aufarbeiten...
    -aber weniger einstecken konnte. Kuck mal die Reflektion des Mtb-Redaktions-Teams; sagen alle das Mario stranges Statement
    vertreten konnte, aber jeder kontrovers geführten Diskussion offen gegenüber stand und bereit war wenn schlüssig zu folgen...
    -Seine Tests waren gut und ausführlich. Gut, Haken dran, seine Aspekte haben teils Hersteller überfordert,
    aber datt macht Individum aus...
    -Ich finde es natürlich auch schade und traurig, wenn jemand wegen eines (Arbeits-)Unfalles stirbt.
    ...macht dich menschlich...

    Doch wie bei vielen Todesfällen, wird zwar (kurz) darüber berichtet und anschließen ergießen sich seitenlange Beileids- und Kondolenzwünsche, aber über die Ursachen wird eigentlich nie berichtet. Warum eigentlich?

    Interessiert sich niemand dafür? Kann man keine Erkenntnisse, Vorkehrungen, etc daraus ziehen?
    Oder wie man so etwas eventuell verhindern oder Vorsorge tragen oder als Beispiel aufzeigen, was alles passieren könnte?
    ...
    Hä? Mario arbeitete als Elektriker im Tagebau, und die Größe der Maschinen bedingt Kilovoltbereich -
    da ist leider jeder Fehler jenseits des Überlebbaren... Ursachenforschung ist da einer kleinen Zahl Menschen
    vorbehalten. Wenn dich die "seitenlangen Beileids- und Kondolenzwünsche" stören, sei gewiss, die muss man sich erarbeiten!
    Somit geben diese Seiten eine Wertschätzung gen Mario Peters wieder, nicht mehr aber auch nicht weniger!
    Also eher mehr... Zur Prävention in Sachen Vorkehrungen ziehen: Ich kann ja aus ufp (Ultra-fidel-pedalierend?) keine Rückschlüsse
    ziehen aber Tagebau iss jenseits von Märklin-HO! Da sind Stromstärken im Einsatz die wir Normalos auffe Straße
    nicht kennen und entsprechend tückisch gehts zu. Jedoch: Wer vor so 'nemm Bagger steht versteht eigentlich direkt
    ohne "How-to" das man von dem Ding die Finger weglässt...

    Bleib auch gerne dem Forum gendernah erhalten, der Pete.
  4. benutzerbild

    Pete04

    dabei seit 12/2008

    ...ich streiche "gendernah" weil unbegründet... hier iss ja begründet Emotion im Koffer...
  5. benutzerbild

    ufp

    dabei seit 12/2003

    Pete04
    Dear ufp! Mal kurz aufarbeiten...
    -aber weniger einstecken konnte. Kuck mal die Reflektion des Mtb-Redaktions-Teams; sagen alle das Mario stranges Statement
    vertreten konnte, aber jeder kontrovers geführten Diskussion offen gegenüber stand und bereit war wenn schlüssig zu folgen...
    Also ich hab da etwas anderes in meinem privat Postkasten ;). Und die Diskussionen haben mich auch anderes wahrnehmen lassen.


    Doch wie bei vielen Todesfällen, wird zwar (kurz) darüber berichtet und anschließen ergießen sich seitenlange Beileids- und Kondolenzwünsche, aber über die Ursachen wird eigentlich nie berichtet. Warum eigentlich?

    Interessiert sich niemand dafür? Kann man keine Erkenntnisse, Vorkehrungen, etc daraus ziehen?
    Oder wie man so etwas eventuell verhindern oder Vorsorge tragen oder als Beispiel aufzeigen, was alles passieren könnte?
    ...
    Hä? Mario arbeitete als Elektriker im Tagebau, und die Größe der Maschinen bedingt Kilovoltbereich -
    da ist leider jeder Fehler jenseits des Überlebbaren... Ursachenforschung ist da einer kleinen Zahl Menschen
    vorbehalten.
    Wußte ich nicht (Tagebau).

    Allerdings, schau dir die Radforen an. Da betrifft es uns. Da passieren leider immer wieder, sowohl Arbeits-, Sport- als auch Freizeit Unfälle. Gerade die Sportunfälle von berühmten Persöhnlichkeiten werden hier für Beileidskundgebung und Gewinnspielen präsentiert.
    An manchen dieser Unfälle sind die Radfahrer selbst schuld, bei anderen wieder nicht (so wie der Unfall gerade auf Malorca). Und selbst bei den unverschuldeten kann man seine Schlüsse, und teilweise Lehren ziehen.

    Auch sonst kann man Vorkehrungen treffen. So banale Dinge, die wir wahrscheinlich ohnehin machen, wie zB einen Helm tragen; oder sich einen Vollvisierhelm anschaffen (bzw einen mit abnehmbaren Kinnteil). Oder darauf Achten, dass einem der LKW im toten Winkel nicht sieht. Bei gewissen Arbeiten Schutzkleidung tragen, keine leitenden Materialien in Bezug auf Strom verwenden, keine wegstehende Kleidung (wie Schals, oder Schlaufen einer Tasche/Rucksacks) die in sich drehende Teile geraten könnten (Speichen, Motor etc).

    Es gibt einen großen Bereich in der Arbeits-, Unfall-, Verkehrs-, Flugunfallforschung etc. Und sehr viele dieser Forschungen und Ergebnisse habe etwas gebracht. Nämlich ein mehr an Sicherheit und somit Überleben.

    Das man sich nicht gegen alles und jedes Elementarereignis und geistig nicht mehr fitten Menschen (Alkohol, Drogen, übernachtig, Abgelenkt, etc) schützen kann, ist leider eine traurige Tatsache.
  6. benutzerbild

    RaceFace67

    dabei seit 12/2006

    hab' ihn auf der Eurobike vor Jahren kennen gelernt als einer der vielen Standbesucher bei uns und kann mich dennoch an diese schillernde Person so erinnern, dass es mich berührt. was eine Frohnatur, alles Gute Muschi.

Was meinst du?

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