Jährlich grüßt das Murmeltier und so ging unsere Reise für die zweite Runde des World Cups 2018 natürlich ins spektakuläre Fort William. Zwar ist die Reise nach Fort William eine wirkliche Tortur und für uns in diesem Jahr doppelt so anstrengend, aber das prestigeträchtige Rennen entschädigt für alles. Hier gibt’s den Rennbericht der SRAM Young Guns aus Fort William.

FW18 AN3X8449
# FW18 AN3X8449

Stellt euch die Atmosphäre in Fort William ähnlich der in einem WM-Stadion vor, ausverkauftes Haus und total verrückte Fans. Und nun bist du auch noch Fahrer und darfst in deinem Rennlauf in dieses verrückte Stadion einfahren. Selbst wenn du völlig am Ende bist und kaum noch Kraft hast diese lange Strecke zu überstehen, mobilisierst du die allerletzten Reserven und gibst alles, um diesen Zielbereich zu erreichen. Das Beste in Fort William ist, dass wirklich jeder Fahrer von dem herausragendem Publikum ins Ziel gebrüllt wird.

Am ersten Tag stand die Anreise an. Mein Flieger landete gegen 12 Uhr in Edinburgh, das liegt circa drei Stunden von Fort William entfernt. Marc war bereits einen Tag früher angereist und wartete in Edinburgh auf meine Ankunft. Till und Simon landeten erst gegen 17:30 Uhr, deswegen hatten wir etwas Zeit totzuschlagen. Nach einer ausgiebigen Sightseeing-Tour durch die Hauptstadt Schottlands, begrüßten wir die Jungs am Flughafen. Danach mussten wir weitere fünf Stunden auf Paula warten, denn ihr Flug aus München sollte erst um 23:15 Uhr landen. Wie es dann natürlich kommen musste, klingelte das Telefon. „Unser Flieger hat voraussichtlich mindestens eine Stunde Verspätung“ erklärte Paula. Grauenvoll, noch eine Stunde länger warten und anschließend die dreistündige Fahrt durch die Highlands bei Nacht. Davor hatte ich den meisten Respekt, viele Tiere schlendern Nachts am Straßenrand durch die Highlands und oft genug sahen wir ihre Kadaver am Straßenrand liegen. Aber was blieb uns anderes übrig. Irgendwann konnten wir dann endlich Paula am Flughafen einsammeln und die Autofahrt in Angriff nehmen. Wie vorhergesehen wurde die Fahrt nach Fort William unglaublich anstrengend, die Müdigkeit holte mich irgendwann ein, und dann noch der ungewohnte Linksverkehr.

FW18 AN3X0454
# FW18 AN3X0454

Der erste Tag in Fort William sollte aufgrund der langen Anreise zu einem Kraftakt werden, die Müdigkeit kam immer wieder durch und die Koffeinzufuhr stieg beängstigend an. Wegen unseres geringen Budgets beschlossen wir, ohne unser SRAM Young Guns Setup anzureisen. Darum waren wir super dankbar, dass Erik Irmisch und seine Racing Dudes einiges an Equipment von uns in ihrem Transporter mitnahmen. Mittwoch stand dann wie üblich der Trackwalk auf dem Programm. Normalerweise würde man denken, dass dieser Tag sehr relaxed vonstattengehen würde. Leider ist dem nicht so, der Aufwand die Bikes wieder perfekt auf Vordermann zu bringen ist enorm, zumal wir gleich mit drei Fahrern anreisten.

Das erste Training verlief ohne nennenswerte Ereignisse, sodass die Spannung für die Qualifikation am Samstag enorm anstieg. Paula war unglaublich nervös und konnte ihre Anspannung nur schwer unterdrücken. Die Strecke in Fort William ist so unglaublich lang, hart und anspruchsvoll, dass Paula nicht mal wusste, ob sie die Power für diese lange Strecke besitzen würde. Dementsprechend verlief auch Paulas Qualifikation. Super langsam, unkontrolliert und voller Fehler. Sauer kam sie ins Ziel mit einer einzigen guten Nachricht: die Power reicht locker und morgen kann ich mehr Gas geben. Simon und Till kannten die Strecke bereits aus dem letzten Jahr und die Änderungen waren marginal. Bereits in der Qualifikation ging es um die Wurst, es musste sich für den Rennsonntag qualifiziert werden. Simon war gut unterwegs und sehr zuversichtlich unter die letzten 20 Fahrer zu kommen, zumal er auch mit Startnummer 10 unterwegs war. So lief auch sein Quali-Lauf gut und die Eintrittskarte für den Rennsonntag war gebucht.

Till hatte wieder mal eine Mammutaufgabe vor sich, die Qualifikation in der Elite ist extrem hart und nicht ansatzweise mit der der Junioren zu vergleichen. Er wollte und musste die Top 60 knacken und wenn man die Startlisten des World Cups betrachtet, tauchen nur bekannte Gesichter auf. Namen wie Phil Atwill oder Wyn Masters kämpfen in diesem Jahr um die letzten Plätze der Startliste. Leider gelang es Till nicht, er bekommt beim World Cup noch nicht die notwendige Konstanz in seine Rennläufe. Das Ziel dieses Jahr ist es, erstmal Erfahrung in der Elite-Klasse zu sammeln und das erste, wirklich harte Jahr zu überstehen, ohne danach völlig frustriert zu sein.

Kurz durchatmen ...
# Kurz durchatmen ...
... und raus auf die Strecke.
# ... und raus auf die Strecke.

So gingen wir mit zwei Fahrern der SRAM Young Guns in den Rennsonntag. Die erste Anspannung legte sich und alle freuten sich nun auf das Finale in den frühen Morgenstunden des Sonntags. Die Juniorinnen starten bereits um 9:30 Uhr und die Junioren anschließend um 10:30 Uhr. Paula war wieder nervös, aber Nervosität muss nicht schlechtes bedeuten, im Gegenteil. Ich war glücklich über Paulas Nervosität: das garantiert, dass Paula 100 % abrufen kann und einen guten Lauf ins Ziel bringen würde. Wir wärmten uns gemeinsam auf und ich ließ Paula erstmal völlig in Ruhe. Sie sollte die Zeit nutzen, um sich voll und ganz auf die Strecke zu konzentrieren. Musik an und auf der Rolle warm fahren, mehr nicht. Dann ging es los und Paulas Nervosität verflüchtigte sich in dem Moment, in dem sie in die Pedale trat.

Am Ende gelang Paula zwar kein perfekter Lauf, sie stürzte in der neuen Steinsektion und verlor dort wichtige Zeit. Da ihre Kontrahentinnen jedoch ebenfalls nicht ohne Sturz durchs Ziel kamen, reichte die Zeit für den zweiten Rang. Und das in Fort William, der wohl physisch härtesten Strecke in World Cup-Zirkus. Ich wusste in dem Moment gar nicht, wohin mit mir und meiner Freude. Ich war vor allem stolz auf Paula, dass sie ihre Nervosität so perfekt ummünzen konnte. Das erste World Cup Podium der SRAM Young Guns war geschafft.

Simon war ebenfalls gut drauf und er kann enorm gut mit solchen Druck-Situationen umgehen. Dennoch wuchs Simon über sich hinaus, er schaffte es erstmals in die Top 10 und landete auf dem 8. Platz. Seine beste Platzierung im World Cup bislang.
Jetzt konnten wir noch die Atmosphäre im Zielbereich genießen und dort eskalierte die Stimmung im Finale komplett. Der Schotte Reece Wilson, schaffte die Überraschung des Wochenendes und landete auf dem fünften Rang. Ausnahmezustand in Fort William. Am Montag stand dann unsere Heimreise auf dem Programm. Es blieben uns zwei Tage zum Regenerieren, dann ging es Richtung Leogang zum dritten World Cup des Jahres.

Paula Zibasa konnte das erste World Cup Podium für die SRAM Young Guns einfahren.
# Paula Zibasa konnte das erste World Cup Podium für die SRAM Young Guns einfahren.
  1. benutzerbild

    schildkroete58

    dabei seit 09/2008

    Glückwunsch ...... :daumen:
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