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Neutralisierter Start
Neutralisierter Start - 0002 km
Kammweg durch das Moor Stengelhaide
Kammweg durch das Moor Stengelhaide - 0868 km
Finish
Finish - 1652 km
Warten auf das Finisher-Bier
Warten auf das Finisher-Bier - 1652 km

Die beiden Gewinner Christian Beyer und Ben Steurbaut waren so nett, sich für ein Skype-Interview zur Verfügung zu stellen und unsere Fragen rund ihre Rekordfahrt bei der diesjährigen Bikepacking Trans Germany zu beantworten.

MTB-News: Hallo Ben, hallo Christian, zuerst einmal allerherzlichsten Glückwunsch zu eurem gemeinsamen Rekord und vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, um mit uns zu sprechen. Vielleicht beginnen wir mit euren Rädern, worauf wart ihr unterwegs?

Ben Steurbaut: Mein Bike war ein Divider 29“ von Chiru. Der Rahmen besteht aus Titan und aufgebaut war das Rad mit Carbonfelgen, einer Lauf Gabel und einem 1*11 Shimano XT Antrieb.

Christian Beyer: Ich war auf einem Cube Reaction 29 unterwegs, ausgestattet mit einer 100 mm Federgabel und angetrieben einem 2*10 Shimano XT Setup.

MTB-News: Worin habt ihr eure Ausrüstungen untergebracht?

Christian: Der Großteil meiner Ausrüstung befand ich in einem Ortlieb Seatpack. Vorne am Lenker hatte ich noch eine Egress Pocket von Revelate Designs und im Rahmen eine Tasche von SKS. Für Proviant hatte ich noch einen leichten Rucksack dabei.

Ben: Am Lenker hatte ich einen selbstgemachten Harness, in dem ein Seat to Summit Drybag Platz fand. Als Satteltasche kam eine Viscacha von Revelate Designs zum Einsatz. Wie Christian auch habe ich Proviant in einem leichten Rucksack verstaut.

MTB-News: In Anbetracht der kurzen Zeit, die ihr für die Strecke gebraucht habt, habt ihr sicherlich eher wenig Zeit mit Schlafen verbracht?

Ben: So wenig geschlafen haben wir gar nicht, im Schnitt etwa gut vier Stunden pro Nacht. Das war möglich, weil wir untertags nur sehr wenige Pausen gemacht haben. Die Strecke war super gescoutet und mögliche Unterkünfte auf dem Track vermerkt, es war also kein wirkliches Problem, ein gemütliches Plätzchen zu finden. Ich habe mir daher auch vor dem Rennen relativ wenig Gedanken zu diesem Thema gemacht und wollte einfach nur fahren, bis nichts mehr geht und mich dann irgendwo hinlegen. Das hat auch immer gut geklappt, nur in der dritten Nacht ging es in Grüntal im Vogtland in ein Hotel, weil die Temperaturen stark gefallen waren.

Christian: Ich habe das ähnlich wie Ben gehalten und kannte den Track von Erlangen (meiner Heimatstadt) bis hoch zur Elbe sehr gut, da ich diesen Teil gescoutet hatte.

Neutralisierter Start
# Neutralisierter Start - 0002 km

MTB-News: Neben der Erholung ist auch das Auffüllen der Energiespeicher sicher mit das Wichtigste in so einem Rennen. Was habt ihr unterwegs gegessen?

Ben: Am ersten Tag war es so heiß, dass ich fast keinen Bissen herunterbekommen habe. Sobald ich versucht habe, etwas zu essen, hat sich mein Magen bemerkbar gemacht. Dennoch mussten natürlich irgendwie Energie zugeführt werden und ich habe mich auf Gels und Regel beschränkt. Abgesehen davon hatte ich relativ wenig Proviant dabei und habe mich von Supermarkt zu Supermarkt bzw. von einer Bäckerei zur nächsten immer wieder versorgt.

Christian: Das kann ich genau so unterschreiben. Bei den Einkäufen habe ich dann vor allem darauf geachtet, dass die Lebensmittel möglichst gehaltvoll waren und viel Energie lieferten. Daher standen Dinge wie Donuts, Bagels oder auch Bananen ganz oben auf der Einkaufsliste.

MTB-News: Bei der Vorbereitung auf die Bikepacking Trans Germany wart ihr aber sicher nicht so spontan wie bei der Verpflegung unterwegs, oder?

Christian: Nein, hier war schon deutlich mehr Struktur gefragt. Ich habe meine Trainingszeiten so gut es ging an meinen Dienstplan angepasst und mich bei der Vorbereitung ein wenig an der von Josh Kato, dem Gewinner Tour Divide 2015, orientiert. Das bedeutete: Viel Zeit auf dem Rad verbringen, Intervalle fahren, aber – vor allem im Winter – auch lange Spaziergänge. Zudem habe ich auch das Draußen-Übernachten trainiert. Ab Ostern habe ich außerdem regelmäßig Overnighter gemacht und bin Dreitagestouren mit dem Rennsetup gefahren, bei denen ich versucht habe, so weit wie möglich zu kommen.

Ben: Ich gehe seit vier Jahren bei solchen Rennen an den Start und meiner Meinung nach ist das Wichtigste, einfach viel zu fahren. Natürlich habe ich aber auch einen Trainingsplan: Im Winter kümmere mich um die Grundausdauer, wenn es dann langsam auf das Rennen zugeht, fahre ich Intervalle und lange Strecken mit der Geschwindigkeit, die ich auch im Rennen anpeile.

Kammweg durch das Moor Stengelhaide
# Kammweg durch das Moor Stengelhaide - 0868 km

MTB-News: Konntet ihr euch unterwegs denn auch ein bisschen für diese Mühen belohnen und etwas von der Strecke genießen?

Ben: Auf jeden Fall! Die große landschaftliche Abwechslung und auch die verschiedenartige Streckenbeschaffenheit haben mich definitiv beeindruckt, denn – offen gesagt – dachte ich, dass ich die meiste Zeit auf Gravel unterwegs sein würde.

Christian: Ja, die Abwechslung war definitiv ein Highlight! Mir hat zudem gut gefallen, dass der Track recht häufig durch Wälder verlief, was die Hitze deutlich erträglicher gemacht hat.

MTB-News: Gibt es auch etwas, was euch nicht ganz so gut gefallen hat?

Christian: Ganz ehrlich? Abgesehen von der Fähre bei Wittow, auf die man angewiesen ist und die einem mit ihrem Fahrplan durchaus die Gesamtzeit ruinieren kann, fällt mir nichts Negatives ein. Die Route an sich wie auch das Scouting waren fantastisch!

Ben: Für mich als Belgier war die Rückfahrt vom Kap Arkona eine ziemliche Tortur…insgesamt war ich von sieben Uhr morgens bis drei Uhr nachts unterwegs und musste dabei neunmal umsteigen. Das war schon sehr anstrengend, da ich wegen der vielen Zugwechsel nicht wirklich schlafen konnte.

MTB-News: Da Ben gerade die Strapazen seiner Heimfahrt erwähnt hat: Was war die größte Herausforderung unterwegs und gab es einen Punkt, an dem ihr vielleicht sogar ans Aufgeben gedacht habt?

Ben: Ans Aufgaben habe ich nie gedacht, aber ich muss schon sagen, dass mir die Hitze an den ersten beiden Tagen sehr zu schaffen gemacht und sich auf meinen Magen niedergeschlagen hat. Richtig anstrengend fand ich die Abschnitte des 66-Seen-Wegs in Brandenburg mit seinen zahlreichen Anstiegen. Hier habe ich definitiv gespürt, dass ich bereits über 1000 km in den Beinen hatte.

Christian: Mir hat mein Sattel ab dem dritten Tag Probleme und teils auch recht starke Schmerzen bereitet, die sich durch den Wechsel der Position oder durch Aufstehen einigermaßen in den Griff bekommen ließen. Allerdings wurden sie ab dem vierten Tag schlimmer und wenn das so weiter gegangen wäre, hätte ich eventuell aufgeben müssen. Davon abgesehen empfand ich die langen Sandpassagen in Brandenburg als sehr anstrengend und in der letzten Nacht war ich zudem ziemlich unterzuckert.

Finish
# Finish - 1652 km

MTB-News: Das Durchhalten hat sich aber gelohnt, immerhin dürft ihr beide euch nun die neuen Rekordhalter der BTG nennen. Habt ihr das irgendwie gefeiert oder was war das Erste, was ihr nach der Zieldurchfahrt gemacht habt?

Ben: Natürlich das obligatorische Zielfoto und dann eine Thüringer Bratwurst mit einem kühlen Bier. Fies war nur, dass wir noch eine Stunde warten mussten, bis die Würstchenbude am Kap endlich aufmachte …

Christian (lachend): Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

MTB-News: Wie kam es eigentlich dazu, dass ihr gemeinsam gefahren seid und war es eine Option für euch, den ersten Platz in einem Sprint auszufahren statt gemeinsam über die Ziellinie zu rollen?

Ben: Bis zum dritten Tag ging es zwischen uns hin und her und wir wechselten uns mit der Führungsposition immer wieder ab. In Erlangen haben wir uns dann – wieder einmal – getroffen und sind von da an gemeinsam gefahren. Was die gemeinsame Zieleinfahrt angeht: Die hatte ich eigentlich schon abgehakt, denn anders als Christian ist es mir nicht gelungen, die letzte Nacht komplett durchzufahren und ich musste mich zweimal kurz für insgesamt 45 Minuten hinlegen. So hatte Christian 20 km Vorsprung, den ich aber gerade noch reinfahren konnte, bevor die Wittower Fähre ablegte.

Christian: Mir ist es bei einem Rennen noch nie passiert, dass ich jemanden getroffen habe, der sich nicht nur die gleiche Strategie wie ich zurechtgelegt hatte, sondern auch mein Tempo fuhr. Was Ben in der letzten Nacht geleistet hat, davor muss man absolut den Hut ziehen. 45 Minuten innerhalb von fünf oder sechs Stunden wieder reinzufahren, das verdient den allergrößten Respekt. Wir haben uns irgendwann quasi per Gentlemen’s Agreement darauf verständigt, gemeinsam ins Ziel zu fahren und haben das dann auch getan, obwohl wir zwischendurch noch einmal scherzhaft über ein 25-Meter-Sprintduell diskutiert hatten. Bei dieser Gelegenheit fällt mir noch eine kleine Anekdote ein: Laut GPS hatten wir während des Rennens eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 17 – 19 km/h…auf der etwas 40 km langen Fahrt von Bergen zum Bahnhof in Rügen gelang es uns, diesen Schnitt zu halbieren. Offenbar hatten wir nach den gut 1600 km und 20000 hm dann doch etwas schwere Beine…

MTB-News: Vielen Dank, dass ihr uns so ausführlich Rede und Antwort gestanden habt!

Warten auf das Finisher-Bier
# Warten auf das Finisher-Bier - 1652 km
  1. benutzerbild

    Anzeige

  2. benutzerbild

    TitusLE

    dabei seit 07/2010

    Hut ab vor der Leistung :anbet:
    Doch am besten finde ich, dass die beiden gemeinsam über die Ziellinie gerollt sind. Nach dem, was beide abgeliefert haben, das einzig Richtige :daumen:
  3. benutzerbild

    Ringmaul

    dabei seit 01/2014

    in der Artikelvorschau kleiner Typo: gentlemen's agreement muss es heissen ;)

    Cooler Bericht, danke!
  4. benutzerbild

    freetourer

    dabei seit 03/2006

    :anbet:

    Starke Leistung mit einem perfekten gemeinsamen Ende.
  5. benutzerbild

    EDA

    dabei seit 08/2010

    Tolle Leistung!
    Eine Frage zur schlafstrategie:
    James Hayden schläft ja immer im Hotel. Habt ihr das auch in Erwägung gezogen. Dann hätte man deutlich weniger Gepäck/ Gewicht dabei.

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