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Cesar Rojo, Gründer und Mastermind bei Unno, hat ein Fahrrad-Getriebe zum Patent angemeldet
Cesar Rojo, Gründer und Mastermind bei Unno, hat ein Fahrrad-Getriebe zum Patent angemeldet - im Inneren versteckt sich jedoch eine stark modifizierte Kettenschaltung. Das System, hier in einem Downhillbike abgebildet, soll gegenüber einer Kettenschaltung oder einem Planetengetriebe einige Vorteile besitzen.
Das Patent umfasst zwei Versionen. In der ersten Version lässt sich die Kassette (20) axial auf der Abtriebswelle verschieben.
Das Patent umfasst zwei Versionen. In der ersten Version lässt sich die Kassette (20) axial auf der Abtriebswelle verschieben. - Dadurch, dass der Kettenspanner und das Kettenblatt nicht mitbewegt werden, wandert die Kette rüber auf das nächste, in Flucht liegende Ritzel. So lässt sich Effizienz-mindernder Schräglauf vermeiden.
Screenshot 2019-01-07 at 14.30
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Honda Bike
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Getriebe sind in der Mountainbike-Welt bei weitem nichts Neues, jedoch nach wie vor echte Exoten. Als besonders exotisch gilt die Lösung, mit der Honda vor Jahren im Downhill World Cup an den Start gegangen ist – schließlich handelte es sich dabei im Prinzip um eine im Rahmen verstecke Kettenschaltung. Ein ganz ähnliches Prinzip hat die spanische Firma Unno von Mastermind Cesar Rojo inzwischen zum Patent angemeldet. Dieses spart nicht nur an der ungefederten Masse, sondern gestattet auch einen geraden Kettenlauf und Schaltvorgänge beim Rollen – wir haben uns die Sache genauer angeschaut!

Getriebe leben im Fahrrad-Bereich ein Nischendasein. Die Entwicklung hat in den vergangenen Jahren zwar ohne Frage große Schritte zurückgelegt, dennoch schrecken das höhere Gewicht, die geringere Effizienz und die Beschränkung auf einige wenige Modelle nach wie vor die meisten Kunden ab. Auf der Haben-Seite stehen zwar die geringere ungefederte Masse am Hinterbau, ein sehr zentral und tief liegender Schwerpunkt des Bikes und die Möglichkeit, auch ohne treten zu schalten. Summa summarum sind Getriebe-Bikes wie das von uns getestete Deviate Guide jedoch nach wie vor die Ausnahme! Die Lösung, die sich der Ex-World-Cup-Racer und Unno-Chef Cesar Rojo nun ausgedacht hat, soll einige dieser Probleme lösen. Statt eines Planetengetriebes befinden sich dem angemeldeten Patent zufolge im Inneren Bauteile, die man von einer regulären Kettenschaltung kennt. Unno geht jedoch einen Schritt weiter als das Legendäre Honda RN01, mit dem Greg Minaar Anfang der 2000er auf die Sekundenjagd gegangen ist. Dieses Rad setzte nämlich tatsächlich auf ein Schaltwerk im Inneren des Rahmens.

Cesar Rojo, Gründer und Mastermind bei Unno, hat ein Fahrrad-Getriebe zum Patent angemeldet
# Cesar Rojo, Gründer und Mastermind bei Unno, hat ein Fahrrad-Getriebe zum Patent angemeldet - im Inneren versteckt sich jedoch eine stark modifizierte Kettenschaltung. Das System, hier in einem Downhillbike abgebildet, soll gegenüber einer Kettenschaltung oder einem Planetengetriebe einige Vorteile besitzen.
Diashow: Innenliegende Kettenschaltung - Unno hat Patent für Fahrrad-Getriebe angemeldet
Cesar Rojo, Gründer und Mastermind bei Unno, hat ein Fahrrad-Getriebe zum Patent angemeldet
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Das Patent umfasst zwei Versionen. In der ersten Version lässt sich die Kassette (20) axial auf der Abtriebswelle verschieben.
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So sitzt bei Unno in einer Box im Rahmen eine Kassette mit 2 bis 15 (sogar max. 35) Ritzeln auf einer Nabe und ein Kettenspanner, den die Kette S-förmig umschlingt, sorgt für eine variable Kettenlänge. Innerhalb der Box ist ein Kettenblatt auf der Kurbelwelle so nah wie möglich an der Kassette platziert. Geschaltet wird hier nicht, indem der Kettenspanner seitlich ausgelenkt wird – was dem klassischen Schaltwerk entspricht –, sondern indem die Kassette auf ihrer Welle axial verschoben wird, was sowohl mechanisch als auch elektrisch erfolgen kann. Dadurch, dass die freie Länge der Kette zwischen den Zahnrädern sehr gering ist, möchte sie in Flucht zum Kettenblatt bleiben und springt auf das entsprechende Ritzel über. Eine weitere, außerhalb des Gehäuses liegende Kette überträgt die Kraft an die Hinterrad-Nabe. Da diese laut Unnos Plänen auf einen Freilauf verzichtet – dieser befindet sich stattdessen auf der Kurbelwelle –, ist das ganze System beim Rollen immer in Bewegung und man kann ab einer gewissen Geschwindigkeit schalten, ohne in die Pedale zu treten. In einer alternativen Version werden das Kettenblatt und der Kettenspanner axial über einen Kabelzug und eine Schaltgabel bewegt und führen damit die Kette auf die verschiedenen Ritzel.

Das Patent umfasst zwei Versionen. In der ersten Version lässt sich die Kassette (20) axial auf der Abtriebswelle verschieben.
# Das Patent umfasst zwei Versionen. In der ersten Version lässt sich die Kassette (20) axial auf der Abtriebswelle verschieben. - Dadurch, dass der Kettenspanner und das Kettenblatt nicht mitbewegt werden, wandert die Kette rüber auf das nächste, in Flucht liegende Ritzel. So lässt sich Effizienz-mindernder Schräglauf vermeiden.
Screenshot 2019-01-07 at 14.30
# Screenshot 2019-01-07 at 14.30

Das System bietet gegenüber einem regulären Getriebe zumindest theoretisch einige Vorteile. Dazu zählt der vermutlich deutlich bessere Wirkungsgrad, der selbst den einer Kettenschaltung übertreffen dürfte – schließlich weist die Kette bei Unnos Lösung keinen Schräglauf auf. Das Gewicht dürfte nicht deutlich über dem einer Kettenschaltung liegen und das System ist im Inneren vor Umwelteinflüssen geschützt und vermutlich relativ verschleißarm. Zudem spart man sich eine Menge ungefederte Masse am Hinterrad und kann den Hinterbau, je nach Platzierung der Box im Rahmen, weitestgehend von Antriebseinflüssen entkoppeln – beispielsweise indem man die Abtriebswelle in den Drehpunkt legt, wie es bei manchen Getriebebikes bereits der Fall ist. Doch wie steht es um die Nachteile? Im Rollen schalten zu können klingt ziemlich gut – allerdings bewegt sich das System nicht reibungslos und bremst dadurch quasi nonstop leicht. Beim Honda RN01-Prototyp verhielt sich die Sache ähnlich und dort soll der Drag ehemaligen Teamfahrern zufolge durchaus spürbar gewesen sein. Derartige Systeme lassen sich im Übrigen auch mit konventionellen Kettenschaltungen realisieren, wie die französische Firma HxR Components gezeigt hat. Zudem benötigt man für die Version mit axial bewegter Kassette ziemlich viel seitlichen Bauraum, was die Anzahl der Ritzel einschränken dürfte – auch wenn das Patent hier ein sehr hoch gegriffenes Limit von 35 Ritzeln vorsieht. Insgesamt dürfte das Design sich von daher am ehesten an Downhill- und Enduro-Biker richten.

Hier nochmal als Erinnerung – das legendäre Honda RN01-Downhillbike:

Honda Bike
# Honda Bike

Hier findet ihr das vollständige Getriebe-Patent von Unno

Hier findet ihr das vollständige Getriebe Patent von Honda

Meinung @MTB-News.de

Das von Unno zum Patent angemeldete System klingt nach einer sehr interessanten Lösung für abfahrtsorientierte Biker! Wir sind sehr gespannt, ob es jemals in Produktion gehen wird. Es erinnert stark an das immer noch legendäre System von Honda, scheint jedoch einige entscheidende Unterschiede aufzuweisen – wir sind allerdings keine Patentingenieure. Was denkt ihr?

Was haltet ihr von den Systemen von Unno oder Honda? Seht ihr noch weitere wichtige Unterschiede? Schreibt es in die Kommentare!

Quelle und Bilder: Patent von Cesar Rojo
  1. benutzerbild

    rd_nly

    dabei seit 10/2018

    codit
    Dein Leistungsmesser ändert nichts an der Subjektivität Deiner Gefühlsenschätzung, Du misst ja nur an einem Ende des Antriebsstrangs den Input.
    Nicht ganz. Ich habe natürlich ein vergleichbares Rad mit Kettenschaltung zum Vergleich und kann dann aus dem Zeitunterschied auf einer Referenzstrecke (konstanter Anstieg, gleiche Leistung) auf den Unterschied im Wirkungsgrad schließen.
  2. benutzerbild

    umtreiber

    dabei seit 06/2003

    hier stand unsinn
  3. Anzeige

  4. benutzerbild

    rd_nly

    dabei seit 10/2018

    ExcelBiker
    Das ist halt auch so eine Geschichte. Probiert mal bei einer Kettenschaltung mit veränderbarem Kettenspanner (Shimano XT 11-fach etc.) einfach mit der Hand rückwärts zu drehen, einmal mit dem starken Kennenspanner, und einmal mit dem schwachen. Alleine da spürt man ganz gewaltig den Unterschied im Wirkungsgrad..
    Das ist nicht sinnvoll. Im lastfreien Fall spürt man natürlich die Widerstände aufgrund von Lagerdichtungen etc. sehr deutlich, aber diese sind absolut gesehen sehr klein und bei 200W Leistung praktisch vernachlässigbar. Man sollte sich also von seinem Gefühl beim Rückwärtstreten nicht täuschen lassen, der Wirkungsgrad ist hier immer viel geringer, als unter Last.
  5. benutzerbild

    böser_wolf

    dabei seit 02/2007

    rd_nly
    Nicht ganz. Ich habe natürlich ein vergleichbares Rad mit Kettenschaltung zum Vergleich und kann dann aus dem Zeitunterschied auf einer Referenzstrecke (konstanter Anstieg, gleiche Leistung) auf den Unterschied im Wirkungsgrad schließen.
    Das geht eigentlich nur mit einem genau gleichen Rad
    Federung Reifen beeinflussen das schon auch

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