Es war der Skandal des letzten Winters – im bisher von vielen als sauber betrachteten Enduro-Sport gab es die ersten prominenten Doping-Fälle. Mit Richie Rude und Jared Graves stehen gleich zwei der bekanntesten Charaktere des Sports unter Verdacht. Wenige Tage vor dem Saisonstart in Rotorua hat Chris Ball, der Chef der Enduro World Series, nun ein offizielles Statement verfasst.

Darf man nach einem positiven Doping-Test noch an Rennen der EWS teilnehmen? Jein! Solange keine endgültige Entscheidung der zuständigen Anti-Doping-Organe erfolgt, gilt den Organisatoren zufolge die Unschuldsvermutung. Theoretisch dürften damit alle bisher im Verdacht stehenden Fahrer zum Saisonstart in Neuseeland antreten. Praktisch hingegen wird Jared Graves weiterhin seine Krebserkrankung auskurieren – Richie Rude wiederum hat gegenüber Pinkbike geäußert, dass er auf einen Start freiwillig verzichtet. Neben den beiden Stars hatten allem Anschein nach weitere Fahrer auffällige Werte – von ihnen ist jedoch nichts bekannt. Von 2019 an wird sich zudem die UCI um Doping-Kontrollen während EWS-Rennen kümmern, was einige Unklarheiten beseitigen dürfte!

Der folgende Text wurde per E-Mail an alle EWS-Mitglieder und Teammanager der aktuellen offiziellen EWS-Teams 2019 geschickt:

Ich schreibe euch, da ihr Mitglieder der Enduro World Series (EWS) oder Teammanager eines offiziellen EWS-Teams seid.

Da wir die letzten Tage vor Beginn der Saison 2019 erreichen, bin ich mir sehr wohl bewusst, dass der Anti-Doping-Fall, der 2018 in die Schlagzeilen kam, immer noch einige Fragen für euch alle offen lässt. Ich denke daher, dass ihr einige Informationen über die Position des EWS in dieser Angelegenheit verdient.

Ich bin mir bewusst, dass es unter den Fahrern Wut und Verärgerung darüber gibt, dass die Situation nicht gelöst ist. Obwohl ich ihre Frustration und auch ihre Gefühle verstehe, ändert dies nichts an der Position des EWS, die an Anti-Doping-Bestimmungen, rechtliche Verfahren und die Rechte der Athleten gebunden ist.

Der wichtigste Aspekt dieser Situation ist, dass die EWS zukünftig zu 100 % aus allen Anti-Doping-Fällen entfernt wird. So wie es sein sollte. Wir haben in Orlagues mit der französischen Anti-Doping-Agentur (AFLD) kooperiert, die dort 2018 ihre eigenen Tests durchgeführt hat, und wir werden mit den Ergebnissen arbeiten, die sie nach diesen Tests formell erzielen werden. Aber die Details aller offenen Fälle bleiben völlig vertraulich und nur zwischen zwei Parteien: den Fahrern, die getestet wurden, und der Doping-Agentur, die sie getestet hat. Deshalb haben wir genauso wenig Einblick und Einfluss auf den Fall wie ihr. Das mag seltsam erscheinen, aber es ist ethisch und rechtlich korrekt und muss so sein, um bei allen Anti-Doping-Untersuchungen in allen Sportarten, von den Olympischen Spielen bis hin zur EWS, absolute Unparteilichkeit und Neutralität zu wahren. Wir warten ebenso wie ihr auf eine formelle Entscheidung. Und wir werden keine Schritte festlegen können, bis diese Entscheidung getroffen ist – in diesem Fall durch die AFLD.

Wir werden zunehmend gefragt, ob die betroffenen Fahrer an unserer Serie teilnehmen dürfen, und die Antwort lautet ja! Warum? Unabhängig von eurer oder unserer persönlichen Meinung trifft die EWS alle Entscheidungen auf der Grundlage von Fakten und Beweisen. In diesem Fall haben wir bis zur formellen Entscheidung der Anti-Doping-Behörde keine offiziellen Informationen, denen wir folgen können. Durch die Einhaltung eines ordentlichen Verfahrens und die Gleichbehandlung aller Fälle erhalten wir die Legitimität des Sports langfristig aufrecht. Wir werden nie einen Fall anders behandeln als einen anderen. Dies zeigt keine Sympathie für die Betroffenen, sondern dient lediglich der Aufrechterhaltung der Rechte der Athleten und der hohen ethischen Standards, die wir für unseren Sport für angemessen halten und die jeder von euch erwarten würde, wenn er/sie sich in einer ähnlichen Situation befinden würde.

Während ein Fall offen ist und wir keine Benachrichtigungen über obligatorische Suspendierungen von Rennfahrern erhalten, ist die einzige Möglichkeit für einen Fahrer, nicht bei einem EWS-Rennen an den Start zu gehen, sich selbst ein freiwilliges Verbot aufzuerlegen. Die EWS respektiert alle Entscheidungen der betroffenen Parteien, bis die Agentur, die die Tests durchgeführt hat, eine offizielle Entscheidung getroffen hat.

Wir verstehen eure Aufregung wirklich und verstehen, dass dies ein emotionales Thema für uns alle ist, aber in diesen Zeiten bitte ich nur darum, dass sowohl die untersuchten Fahrer als auch alle anderen Fahrer in unserem Sport einander respektieren und, wie die EWS, die bestehenden formalen Prozesse respektieren.

Mit sportlichen Grüßen,
Chris Ball

Was sagt ihr zur Entscheidung der EWS? Sollten Fahrer unter Doping-Verdacht bis zur Urteilsverkündung weiter an Rennen teilnehmen dürfen?

Infos und Bilder: Pressemitteilung Enduro World Series
  1. benutzerbild

    seven21

    dabei seit 01/2012

    Das Problem, dass die Entscheidungsfindung immer ewig dauert. Klar, es geht um die Zukunft eines Sportlers, da sollte sorgfältig gearbeitet werden. Aber auf der anderen Seite hast du halt im Zweifel Rennergebnisse, die ein Jahr später wieder geändert werden müssen. Auch nicht besonders berauschend.
  2. benutzerbild

    Arcbound

    dabei seit 03/2009

    Würde die Sperre dann eigentlich rückwirkend ab Datum der Kontrolle gelten?
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  4. benutzerbild

    Nurmi92

    dabei seit 11/2015

    Tyrolens
    Es wurde doch erwähnt, dass die gefundenen Substanzen für eine Suspendierung nicht ausreichen.
    Also ich bin mir sicher man kann einen Sportler für weit weniger von seiner Veranstaltung als Veranstalter ausschließen. Chris Ball hat ja auch keine balls und eiert nur rum. ;-)
  5. benutzerbild

    arno¹

    dabei seit 12/2007

    Arcbound
    Würde die Sperre dann eigentlich rückwirkend ab Datum der Kontrolle gelten?
    das macht ja keinen sinn, sperren heißt -> sperre

    ich finde das trotzdem gut, wie ihr euch hier mit dem neuen thema auseinandersetzt!

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