Ein allerletztes Mal starteten heute morgen etwa 90 Racer in die zehnte Ausgabe der Trans-Provence. Mit 1800 Höhenmetern und über 50 km stand zum Einstieg direkt einer der härtesten Tage des Rennens an. Zusammen mit der unbarmherzig brennenden Sonne brachte das einige Teilnehmer direkt ans persönliche Limit – hier der Bericht von Tag 1!

Für mich, meinen Race-Begleiter Wolfgang Eysholdt und das gesamte Pro-Feld ging es heute morgen relativ entspannt um 8:15 Uhr los. Grund war, dass das Feld in zwei Shuttle-Wellen morgens auf den Berg gefahren wird – die meisten Amateure oder Besitzer höherer Startnummern hingegen mussten hingegen zur unchristlichen Zeit von 7 Uhr bereit stehen. Gemeinsam mit Max Schumann, Tanja Naber und dem mehr oder weniger verstreuten restlichen Feld ging es dann über einen teils zu fahrenden, teils zu schiebenden in der Morgensonne noch recht entspannten Trail-Transfer zum Start der ersten Stage.

Es ist das wohl legendärste Mehrtages-Enduro-Rennen der Welt
# Es ist das wohl legendärste Mehrtages-Enduro-Rennen der Welt - und gleichzeitig auch das härteste: In diesem Jahr findet zum letzten Mal die Trans-Provence statt. Unser Redakteur Gregor ist am Start. Doch vor dem Bier-Vergnügen steht jede Menge Arbeit auf dem Programm … Foto: Sven Martin

Stage 1

Das Trans-Provence-Team ist wirklich unbarmherzig. So war nicht nur der erste Tag im Ganzen eine harte Nuss – Stage 1 wurde uns auch als XC-lastigste und eine der längsten des Rennens angekündigt. Von einem absolut epischen und extrem hoch gelegenen Grat ging es in einen schmalen und natürlichen Singletrail. Dabei war die Aussicht auf die umliegenden Gipfel so grandios, dass es gar nicht so leicht war, sich davon abzuwenden und in den Rennmodus zu schalten. Der Trail startete mit einigen wirklich rutschigen ersten Kurven, wurde dann aber immer enger und nach mehreren steilen Serpentinen immer flacher. Dabei war man wie angekündigt oft am Sprinten – irgendwie kam ich gar nicht rein und war noch so wackelig auf dem Rad, dass ich die meisten der ich glaube drei unvermittelt auftauchenden Murgänge komplett versemmelte und absteigen musste. Insgesamt war der Trail tatsächlich eher flach und verlangte nach etwas Gedemmel – harte Uphills waren zum Glück jedoch Fehlanzeige. Wie geplant startete ich eher locker ins Rennen und war bis auf die Steher im oberen Teil ganz zufrieden.

Die Aussichten könnten epischer kaum sein
# Die Aussichten könnten epischer kaum sein - doch dafür hat man zumindest bergab kaum Zeit. Die Trails sind vielseitig und abwechslungsreich, vor allem aber sehr fordernd. Foto: Sam Needham
Zusammen mit Gregor ist auch unser Lieblings-Münchner Wolfgang Eysholdt am Start
# Zusammen mit Gregor ist auch unser Lieblings-Münchner Wolfgang Eysholdt am Start - ob er es bereut hat, bei brütender Hitze in langer Hose zu fahren? Foto: Max Schumann
SN TransProvence2019 DayOne  080
# SN TransProvence2019 DayOne 080
Transprovence19 DP Day1-04555
# Transprovence19 DP Day1-04555

Stage 2

Nach Stage 1 ging es über einen längeren Transfer inklusive Straßen, viel Schieberei und Fahrerei auf Trails und einigen Downhills, die auch ehemals mal Trans-Provence-Stages gewesen waren, zum Start der zweiten Stage. Diese fiel deutlich kürzer als der Einstiegs-Brecher aus, wollte am Anfang jedoch nur zäh laufen, was vor allem am fehlenden Gefälle lag. Mittlerweile stand die Sonne hoch im Himmel und brannte gut auf uns herab – es war jedoch halbwegs aushaltbar und ich fühlte mich nach dem Transfer noch so frisch, dass ich motiviert in die Stage reinpedalierte. Das Gefälle ließ nicht lange auf sich warten, brachte leider aber auch extrem enge Serpentinen-Kurven, die in der Regel durch lange und sehr schnelle Geraden verbunden waren, mit sich. Das führte nicht nur bei mir zu massenhaft Verbremsern und Tripod-Einlagen – im Ziel waren entsprechend rege Diskussionen angesagt. Gegen Ende wurde der Trail immer enger, nasser und Serpentinen-reicher und meine Hände langsam von der vielen Anbremserei entsprechend müde … das Ziel konnte schließlich kaum früh genug kommen!

Da geht's runter!
# Da geht's runter! - Nach der zweiten Stage des Tages stand die erste und leider einzige Verpflegungsstation auf dem Programm. Foto: Max Schumann
SN TransProvence2019 DayOne  085
# SN TransProvence2019 DayOne 085
SN TransProvence2019 DayOne  000
# SN TransProvence2019 DayOne 000

Zum Glück stand nach der Stage die erste und einzige Verpflegungsstation des Tages auf dem Programm. Am Rande einer der epischsten Altstädte, die ich je gesehen habe, servierte uns das Trans Provence-Team frisch aufgebrühten Kaffee, Nudel- und reguläre Salate, Trailmix, frisches Quellwasser … eben alles, was das Herz begehrt.

Stage 3

Zum Start der dritte Stage ging es zunächst mit dem Shuttlebus von der Verpflegungsstation einige hundert Höhenmeter hoch und von dort nochmals ein gutes Stück zunächst auf einer frischen Teerstraße, später auf einem Wanderweg nach oben. Es folgte ein natürlicher, enger und ungezeiteter Trail in ein verwildertes und dicht bewaldetes Tal – nach einem weiteren kurzen, teils schiebend zurückzulegenden Trail-Transfer standen wir dann endlich am Stage-Start. Diesmal ging es eng und steinig los, wurde dann jedoch erstmal ordentlich schnell. Der Speed und Waldboden waren viel mehr mein Ding und ich hatte endlich das Gefühl, etwas die Bremsen auflassen zu können, ohne Sturz-Angst haben zu müssen. Stürze möchte ich aktuell tunlichst vermeiden – mein Arm fühlt sich noch nicht so an, als ob er das gut wegstecken würde. Entsprechend vorsichtig wurde ich dann im unteren, extrem steinigen und engen Teil. Diesmal waren die Switchbacks aber größtenteils noch smooth fahrbar und erforderten keine Umsetz-Technik, die mir auch nicht gerade in die Wiege gelegt wurde. Ganz drumherum kam man jedoch nicht – statt umzusetzen versuchte ich mich diesmal lieber an der bewährte und äußerst eleganten Tripod-Technik. Meist noch gefolgt von einem nicht weniger eleganten Ausruf der Frustration. Ich kam insgesamt jedoch ganz solide durch, Wolfi hatte allerdings einen unglücklichen Sturz und knallte mit der Hüfte auf einen Stein – zum Glück ist jedoch nichts schlimmeres passiert.

Unser rasender Redakteur Gregor hatte in der Vergangenheit mit einigen Verletzungen zu kämpfen
# Unser rasender Redakteur Gregor hatte in der Vergangenheit mit einigen Verletzungen zu kämpfen - er will die erste Hälfte des Rennens eher vorsichtig angehen und dann schauen, was noch so geht. Foto: Max Schumann
Diesen jungen Mann sollte man auf dem Schirm haben
# Diesen jungen Mann sollte man auf dem Schirm haben - er heißt Steve Peat und Gerüchten zufolge ist er ein sehr guter Radfahrer. Foto: Sam Needham

Stage 4

Nach der letzten Stage landeten wir wieder in der epischen Altstadt, füllten unsere Trinkblasen und -flaschen ein weiteres Mal am Brunnen auf und starteten gemeinsam mit Max Schumann recht zügig in den letzten Aufstieg des Tages. Max war sich sicher, dass es lediglich zirka 500 hm werden würden – einfach also. Bereits nach 10 Minuten auf einer von der brachialen Sonne ungeschützten Schotterstraße fühlte ich mich nicht mehr ganz koscher und musste etwas abreißen lassen. So ging das ganze leider weiter: Viele kleine Trink- und Snack-Stopps und die Hoffnung, bald am Start zu stehen, hielten mich zum Glück am Laufen. Als ich jedoch nach einer gefühlten Ewigkeit und dem Gefühl, bald einen Hitzestich zu bekommen, ins Tal blickte, kam mir die Aussicht etwas spanisch vor … sie war sehr gut und ging sehr weit. Das vermittelte das Gefühl, wir wären schon sehr hoch. Leider brachte auch die Abbiegung auf einen deutlich gröberen und steileren Waldweg nicht den ersehnten Stage-Start in Sicht. Ich erspare euch die Details, aber der Weg wurde immer natürlicher, enger und steiler und bei jeder Kuppe waren wir uns in unseren verbrannten Köpfen sicher, gleich käme der Start. Nach einer ewigen Tort(o)ur und einigen ungezeiteten Tiefenmetern waren wir dann wirklich endlich da … und stellten bei einer weiteren Sichtung des Höhenprofils fest, dass es wirklich bedeutend mehr als 500 Höhenmeter gewesen waren … ups!

Der Anstieg zur letzten Stage des Tages ist besonders hart
# Der Anstieg zur letzten Stage des Tages ist besonders hart - die Hitze macht Gregor sehr zu schaffen. Dieses Foto ist offensichtlich nicht auf dem Anstieg zu Stage 4 entstanden, doch Eiscreme ist das genaue Gegenteil der französischen Mittagshitze. Foto: Sam Needham
Sieht immer episch aus: Bilder von Mountainbikern, die auf Karten schauen. Foto: Sam Needham
# Sieht immer episch aus: Bilder von Mountainbikern, die auf Karten schauen. Foto: Sam Needham
Tracy Moseley führt derzeit die Wertung bei den Frauen an. Foto: Sam Needham
# Tracy Moseley führt derzeit die Wertung bei den Frauen an. Foto: Sam Needham

Wir gaben uns genug Zeit, um etwas trinken und ausruhen zu können, ohne jedoch zu sehr herunterzukühlen. Die Stage selbst war dann wirklich cool und die Tortur durchaus wert. Mit ordentlich Geschwindigkeit auf genialem Nadelboden ging es zunächst in einige zwar enge, aber gut geshapte Kurven, aus denen sich viel Geschwindigkeit mitnehmen ließ. Das war genau mein Ding und ich hatte das erste Mal das Gefühl, wieder ordentlich auf dem Rad zu sitzen. Der Trail wurde nach einiger Zeit immer steiniger und rutschiger, was aber immer noch Spaß machte. Der Übergang war ziemlich smooth und bevor man es wusste, war man in extrem steinigem Terrain unterwegs. Das überraschte mich etwas und ich verlor leider vor dem einzigen kleinen Uphill das Vorderrad, musste abspringen und schnell hochrennen … das kostete leider ordentlich Zeit. Weniger Zeit als Wolfi aber sein zweiter Sturz des Tages kostete … Danach wurde der Trail ordentlich flach und richtig, richtig schnell, ohne Anlieger, einfach nur natürlicher aber weiter Fichten-Slalom. Trotz des Fehlers hatte ich ein ganz ordentliches Gefühl – die Zeit im Ziel zeigte jedoch leider etwas anderes an.

Nach Tag 1 liegt unser gefährlicher Gregor auf einem sehr respektablen 33. Platz
# Nach Tag 1 liegt unser gefährlicher Gregor auf einem sehr respektablen 33. Platz - da kann man mal den Helm abnehmen und in die Kamera strahlen. Doch die kommenden Tage werden alles andere als ein Kinderspiel! Foto: Max Schumann

Fazit nach Tag 1

Erstmal Eingrooven gibt's hier nicht – Tag 1 der Trans-Provence 2019 war absolut knallhart. Mir hat leider die Hitze etwas zu schaffen gemacht, am Ende liefs dann aber eigentlich wieder ganz gut und ein ausführliches Bad im neben dem Camp gelegenen Berg-Fluss hat die müden Glieder wieder ordentlich erfrischt. Ich hatte mir vorgenommen, vorsichtig zu bleiben und keine Stürze zu riskieren, und habe mich erstaunlicherweise bisher auch sehr dran gehalten. Der nächste Tag wird auch nicht ganz leicht und musste aufgrund einer unpassierbaren Furt leider noch weiter verlängert werden … ich denke also, ich werde erstmal bei dieser Taktik bleiben und dann nach der Hälfte der Woche gucken, was so geht.

Eine Brat …
# Eine Brat … - … Wurst! Abends im Camp wurde fleißig gegrillt. Foto: Duncan Philpott
SN TransProvence2019 DayOne  106
# SN TransProvence2019 DayOne 106

Ergebnisse

Stage Results for Trans-Provence Day 1-...iles to Villars-Colmars on 16-Jun-2019
Marco Osborne führt derzeit die Gesamtwertung an
# Marco Osborne führt derzeit die Gesamtwertung an - doch an den kommenden Tagen lauern noch zahlreiche Herausforderungen auf das Starterfeld. Wir sind gespannt, wer sich bei der finalen Trans-Provence zum strahlenden Sieger küren wird! Foto: Sven Martin

Hier findet ihr alle Artikel zur Trans-Provence 2019:

  1. benutzerbild

    pat

    dabei seit 01/2002

    Schöner Bericht! Etwa, was ich erwartet hatte. Zäh und heiss bergauf war's "dort unten" vor 2 Wochen schon.
    Vernünftige Taktik, sechs Tage sind lang. Weiterhin gutes Gelingen!
  2. benutzerbild

    Sadem

    dabei seit 02/2013

    Warum egtl. das letzte Mal?
  3. Anzeige

  4. benutzerbild

    RobG301

    dabei seit 08/2012

    Respekt Gregor! Wünsch dir immer genug Grip und ganz viel Spass!
  5. benutzerbild

    RobG301

    dabei seit 08/2012

    Sadem schrieb:
    Warum egtl. das letzte Mal?


    Meine gehört zu haben das die Veranstalter nach den ganzen Jahren sich anderen Projekten widmen wollen, weil es doch ein sehr großer finanzieller, logistischer, aber auch zeitlicher Aufwand auch schon vor dem Rennen an sich ist!
  6. benutzerbild

    kordesh

    dabei seit 06/2012

    Mega gut! Danke für den Bericht.

    Bin mal gespannt, was unterwegs noch so für „epische“ Sachen passieren. Ist das möglichst häufige Einbauen dieses Wortes in den Text ein Running-Gag, den ich nicht raffe?

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