Die 24h Finale Ligure – ich muss zugeben: Ich bin Wiederholungstäter. Mit zwei Ausnahmen bin ich seit 2009 jedes Jahr beim Ausdauerklassiker an der ligurischen Küste am Start gewesen. Nicht, weil ich besonders gerne Cross Country fahre, sondern weil die Kombination aus Strecke, Dolce Vita und Party einfach einmalig ist. Und: weil es sich gemeinsam einfach besser leidet als alleine. Viel Spaß mit diesem Rennbericht vom wohl schönsten und verrücktesten 24h-Rennen der Welt!

Unser Team nach dem Rennen: Geschafft und zufrieden
# Unser Team nach dem Rennen: Geschafft und zufrieden - das Bike im Bild ist nur noch Demo, gefahren wurde es nach Defekt am frühen Morgen nicht mehr

24h Finale Ligure: Rennbericht

Mit einem Krachen rutscht meine Kette durch. Ich verfluche meinen letzten Schaltvorgang, springe vom Rad und will gerade die Kette hinter dem größten Ritzel hervorfummeln, als ich realisiere, was ich da sehe. „Was ist los!?” ruft Conny von hinten, mit der ich gemeinsam diese Runde drehe. Es ist kurz vor sechs Uhr morgens bei den 24h von Finale Ligure. Wir haben bereits über 15 Stunden erfolgreich hinter uns gebracht. Und jetzt das: Meine Kette ist genau dort, wo sie sein sollte. Dennoch ist sie doch gerade unsanft durchgerutscht. Ich verstehe nicht, was eigentlich offensichtlich ist, schiebe das Rad an und schwinge mich wieder in den Sattel. Mit der Kette passt ja alles. An diesem steilsten und technischstem Uphill zum Ende der Runde habe ich nun wirklich kleine Lust auf Schaltungsprobleme. Ratsch: bereits der zweite Tritt geht ins Leere. Als ich hastig weiterschiebe dämmert es mir: der Freilauf ist hinüber! Zwei Mal noch versuche ich in kleineren Gängen – niedrigeres Drehmoment ruft mir irgendeine Synapse zu – wieder in Schwung zu kommen, doch die Lage ist vergebens. Hier greift nichts mehr.

Mit einem Krachen rutscht der Freilauf durch.

Ich klicke den rechten Fuß links ein und verwende den XC-Rennboliden als Tretroller. Nur wenige Stunden zuvor hatte ich die montierte neue Shimano XTR 12fach-Gruppe als bislang beste Kettenschaltung, die ich je gefahren bin, gelobt. Wie mir dieser Gedanke durch den Kopf geht realisiere ich, dass die Gruppe ja nach wie vor funktioniert, nur eben der Zahnscheibenfreilauf der leichten DT Swiss XRC 1200 Carbon-Laufräder nicht mehr einrastet. Freilaufdefekte kenne ich, nur nicht von DT Swiss. Aber irgendwann ist immer das erste Mal und fest steht: dieses Rad ist raus. Ersatzteile habe ich hierfür nämlich nicht dabei.

Als ich mich endlich rennend und rollend der Toboga nähere, springe ich wieder normal aufs Rad und pumpe, was Arme und Beine hergeben. An sich war der Plan, direkt zwei Runden zu fahren, um das Team länger schlafen zu lassen. Conny wartet im Ziel auf mich und bietet mir ihr Bike an – doch ein direkter Wechsel kommt technisch nicht in Frage. Ich rollere die Runde weiter und steuere unseren gemeinsamen Campingplatz an. In aller Eile werden Startnummer, Trinkflasche und Pedale getauscht. In Richtung des schlafenden Tobi, der das Rad nach mir fahren wollen würde, rufe ich etwas von „Freilauf kaputt” und „nimm das Merida“. Mit gut sieben Minuten Zeitverlust mache ich mich auf in die zweite Runde. Nach der plötzlichen Hektik kehrt in meinem Kopf langsam wieder Ruhe ein und während mein Puls an den Schläfen hämmert, genieße ich auf der Haut die warme Morgensonne. Was sind schon sieben Minuten im Verlauf des Rennens über einen ganzen Tag? Dumm nur, dass wir im Team jetzt nur noch ein funktionierendes Fahrrad haben …

Perfekter Sonnenaufgang um kurz vor sechs
# Perfekter Sonnenaufgang um kurz vor sechs - die Zeit für das schnelle Handyfoto muss sein!

Es sind Momente wie dieser, die jedes 24h-Rennen so besonders machen. Die uns als Team zusammenschweißen im gemeinsamen Ziel, innerhalb eines ganzen Tages so weit zu fahren wie möglich. Wir geben unterwegs alles, ohne am Ende ernsthaft auf die Gesamtwertung zu schauen. Dabei geht es eben nicht um die tatsächliche Platzierung, als viel mehr das Erlebte. Strecke, Bikes, Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Strecke, Landschaft, Party. Die 24h von Finale Ligure.

Wie in den vergangenen beiden Jahren sind wir – das bedeutet Julia, Flo, Tobi und ich – als Vierer-Team an den Start gegangen. Für mich ist es die neunte Teilnahme. Und auch wenn wir nur den inneren Schweinehund als Gegner ansehen, treten wir in der Agonisti-Kategorie an. Das sind diejenigen, denen es vom Reglement her nicht nur um den Spaß gehen sollte. Konkret aber sind es diejenigen, die auf der Strandpromenade in Finale Ligure gemeinsam starten und nach kurzer (auf 50 km/h begrenzter) Fahrt die Küste entlang ab Varigotti steil hinauf zur Rennstrecke klettern.

Die perfekte Rennstrecke? Zumindest für ein 24h Rennen!
# Die perfekte Rennstrecke? Zumindest für ein 24h Rennen! - © Sportograf.com
Für die Aussicht hat man leider im Rahmen des Rennens viel zu wenig Zeit, doch Fotos wie dieses geben einen guten Eindruck von der Schönheit der ligurischen Hügel
# Für die Aussicht hat man leider im Rahmen des Rennens viel zu wenig Zeit, doch Fotos wie dieses geben einen guten Eindruck von der Schönheit der ligurischen Hügel - © Sportograf.com
Einer der schönsten Anstiege da flach verlaufend und mit der besten Aussicht gesegnet
# Einer der schönsten Anstiege da flach verlaufend und mit der besten Aussicht gesegnet
Eine letzte Runde um die Bergspitze, bevor es in die Toboga geht
# Eine letzte Runde um die Bergspitze, bevor es in die Toboga geht - für die beeindruckende Aussicht hat man leider nicht wirklich Zeit, denn dieser Streckenabschnitt ist besonders steinig
Technische Uphills kennzeichnen die Strecke in Finale Ligure
# Technische Uphills kennzeichnen die Strecke in Finale Ligure - dabei sind die meisten so kurz, dass man sich willenlos verbrennen kann

Wie in den vergangenen Jahren auch präsentiert sich die Strecke. Sie schlängelt sich auf dem Plateau La Manie über gut 12,5 km und 335 Höhenmeter. Dabei besteht der Großteil aus feinen Singletrails, die teils relativ technisch, aber immer schnell fahrbar und mit beeindruckenden Aussichten dafür sorgen, dass diese Strecke unumstritten die beste 24h-Rennstrecke der Welt ist. So sagen es zumindest erfahrenere Piloten. Ich kenne nur dieses 24h-Rennen. In jedem Fall tun die Veranstalter gut daran, hier nichts zu verändern. So finden sich von Jahr zu Jahr lediglich minimale Veränderungen an einzelnen Schikanen und der Routenführung über den Campingplatz. Gravierende Anpassungen bleiben aber zum Glück aus.

In der Toboga steppt der Bär: DJ und Party-Crowd heizen sich gegenseitig und den Fahrerinnen und Fahrern im Besonderen ein
# In der Toboga steppt der Bär: DJ und Party-Crowd heizen sich gegenseitig und den Fahrerinnen und Fahrern im Besonderen ein - © Sportograf.com

Das gilt insbesondere auch für die nächtlichen Parties, die in der berühmten Toboga gefeiert werden. Toboga nennt sich der letzte Streckenabschnitt voller schöner Kurven durch dichten Wald. Und während zwei neue und denkbar unflowige Schikanen das von mir immer geliebte Steinfeld umfahren und die Geschwindigkeit senken, kann man sich auf die Party verlassen. Ab 23 Uhr rastet die Toboga aus und frenetisch werden die Fahrerinnen und Fahrer, die mitten durch die Meute sausen, gefeiert.

Style for Miles? Tobi gibt den Fans in der Toboga, was sie wollen!?
# Style for Miles? Tobi gibt den Fans in der Toboga, was sie wollen!? - © Sportograf.com
Camping auf dem Hochplateau über dem Meer: anders als in anderen Jahren müssen wir vor der Sonne flüchten, denn unser neuer Platz hatte keinerlei Schatten zu bieten
# Camping auf dem Hochplateau über dem Meer: anders als in anderen Jahren müssen wir vor der Sonne flüchten, denn unser neuer Platz hatte keinerlei Schatten zu bieten - © Sportograf.com

Wie in den vergangenen Jahren haben wir auch aus diesem Grund unser Camp in Ranch B angemeldet. Zwischen Bühne und Toboga wird es hier zwar nie ruhig und Tobi kann nicht schlafen, doch näher dran am Gefühl der 24h Finale Ligure geht nicht. Und es ist neben der Strecke vor allem das Drumherum, das Finale so einmalig macht. Wenn ich im Vorfeld Freunden von dieser Veranstaltung erzähle, dreht sich zumindest die Hälfte des Berichtes auch um das Gesamterlebnis Finale. Um die Party, die nackten Flitzer in der Toboga (Grüße an Chris!) oder diejenigen, die sich und ihre Bikes in aufwendige Kostüme entsprechend der jeweiligen Themen (in diesem Jahr: Indiana Jones) stecken.

Als Julia, die schon einen Tag zuvor in das Camp gezogen ist, uns unseren Campingplatz zeigt, verfliegt all diese Euphorie jedoch schnell: Anders als in allen Jahren zuvor sind wir nicht in Mitten der kleinen Baumgruppe auf Ranch B untergebracht, sondern befinden uns auf der Wiese daneben – und damit in der prallen Sonne. Schon jetzt, am frühen Samstagmorgen, ist das eigentlich zu viel des Guten. Schlimmer noch: selbst dieser Platz wird uns von einem italienischen Team streitig gemacht. Und während wir noch mit den Veranstaltern klären, dass wir als rechtschaffene Deutsche natürlich im Recht sind, überlegen wir ernsthaft, was wir tun können. Wir haben keine Sonnenzelte dabei. Ein Sonnensegel lässt sich in dieser Position nicht spannen. Was tun? Wenn wir die nächsten 24 Stunden überleben wollen, müssen wir uns Schatten schaffen.

Die Lösung kommt wie immer überraschend. Mit Karen Eller hatte ich im vergangenen Jahr mehrfach über die 24h in Finale gesprochen. In diesem Jahr hat sie sich mit einem Scott Contessa Damen-4er-Team angemeldet – und mit Daniela Storch, Conny Bucher und Carina Mohr schlagkräftige Mitstreiterinnen gefunden. Wichtiger ist für uns jedoch: das Team ist auf Ranch S untergebracht und alle schlafen in Bus und Auto. So bleiben ihre ebenfalls vorhandenen Zeltplätze frei. Im Schweiße unseres Angesichtes tragen wir unser Hab und Gut quer über das Renngelände und schlagen erleichtert im Schatten und in direkter Nähe der Strecke unsere Zelte auf. Jetzt kann die Mittagshitze ruhig kommen!

Zwei Testbikes haben wir im Gepäck: Ein Merida One 20 und ein Orbea Oiz.

Selbstverständlich sind die 24h Finale Ligure kein reiner Spaß, sondern auch harter Testalltag. Zumindest für das Material. So bin ich in diesem Jahr mit zwei Testbikes unterwegs: einem privat beschafften Orbea Oiz XC-Racer und einem Merida One 20 Trailbike, das für das Rennen ein paar leichte Maxxis-Reifen montiert bekommen hat. Selbstverständlich tubeless, die Steine von Finale haben einen Ruf zu verlieren. Die Testeindrücke aus Finale sind für mich besonders wertvoll, da verschiedene Fahrer unter identischen Bedingungen auf derselben Strecke ihre Runden drehen und wir uns nach jeder Runde kurzschließen, kleinere Anpassungen besprechen und vornehmen können. Und da meine Team-Mitglieder sich an die Redaktionsrenner gewöhnt zu haben scheinen, gehen wir mit den zwei Bikes sowie Flos altem Focus an den Start. Flo ist einfach zu groß, um auf meinen Rädern irgendwie vernünftig fahren zu können. Denke ich zumindest …

Renngerät Nummer 1: Orbea Oiz in leicht gepimpter Ausstattung
# Renngerät Nummer 1: Orbea Oiz in leicht gepimpter Ausstattung - die DT Swiss XRC 1200-Laufräder und schlauchlos montierte Schwalbe Racing Ray / Racing Ralph sollen für den nötigen Speed sorgen
Renngerät Nummer 2: Merida One Twenty 8000 mit ebenfalls angepassten Reifen
# Renngerät Nummer 2: Merida One Twenty 8000 mit ebenfalls angepassten Reifen - so wird aus dem Trailbike eine veritable Maschine für den fordernden Kurs der 24h von Finale Ligure
Das dritte Bike für mich an diesem Tag: je länger das Rennen, umso länger der Federweg
# Das dritte Bike für mich an diesem Tag: je länger das Rennen, umso länger der Federweg - © Sportograf.com

Zurück zum Rennen: Für mich geht es erstmal und zum ersten Mal hinab nach Finale Ligure, um selbst den Startfahrer in unserem Team zu machen. Konkret bedeutet das, dass zusätzlich zur ersten Runde noch der Anstieg von Varigotti hinauf zur Rennstrecke gemeistert werden muss. Ich rolle gemeinsam mit Dani zum Start und während wir im Schatten der Palmen auf den Start warten, wächst die Vorfreude. Selfie, Toilette. Dann geht es los. Punkt 14 Uhr passieren wir die Matte und der Tross setzt sich in Bewegung. Da wir uns unter den Agonisti befinden, zieht das Tempo nach ersten kurzen Rückstaubildungen zügig an. Mit über 40 km/h geht es die Küste entlang, dann biegt das Führungsfahrzeug ab und das Rennen ist offiziell freigegeben.

Strahlemann vor dem Start
# Strahlemann vor dem Start - Dani ist das erste Mal in Finale am Start, für mich ist es die neunte Teilnahme. Trotzdem ist mir das Lachen schon nach der ersten Doppelrunde vergangen, als ich vollkommen schwarz an Julia übergebe

Obwohl ich versuche, meinen Übermut zu zügeln, gehe ich die steile Asphaltrampe zügig an. Mein Tacho blinkt rot, der Puls liegt bei 192 Schlägen. Gleichzeitig zeigt das Thermometer 35° C, denn in der engen Schlucht steht die Hitze. Wo war noch mal das Limit? Irgendwann bemerke ich, dass ich Dani hinter mir gelassen habe und entwickle leichte Zweifel, ob das denn ein gutes Zeichen ist. Sie ist früher XC World Cups gefahren und kennt sich mit professionellem Rennsport aus. Ich nicht. Aber ich habe Bock und kenne mich am Schreibtisch aus. Nach 350 Höhenmetern treffen wir auf die Rennstrecke und ich bin in meinem Element. Doch der Verkehr ist intensiv und die vielen kleinen Überholmanöver kosten Kraft. Ausgehend von Danis Empfehlung gehe ich nach der ersten Runde direkt in eine zweite über.

Das schreibt sich leichter, als es tatsächlich ist. Inzwischen ist die Trinkflasche leer und mit zunehmender Strecke zeigt sich, dass meinen Magen wohl das selbe Schicksal ereilt. Die hohe Geschwindigkeit und die für mich ungewohnte Taktik, zwei Runden am Stück zu fahren, rächen sich jetzt. Mein Puls fällt ungewollt immer weiter ab und ich werde zunehmend langsamer. Mein Körper scheint die Notbremse zu ziehen und setzt sich gegen meinen Willen durch. Als ich um kurz vor 16 Uhr endlich in die Wechselzone komme und an Julia übergebe, bin ich vollkommen am Ende. Ein gelungener Auftakt für ein 24h-Rennen, das bekanntermaßen über die Zeit und nicht im ersten Sprint entschieden wird. Ich scheine nichts aus den letzten acht Teilnahmen gelernt zu haben. Tobi ist mit Doping-Pulvern am Start, um zu retten, was zu retten ist. Dazu gibt es Weißbrot, Nutella und Cola. Nach Plan werde ich um ca. 18:30 Uhr wieder auf die Strecke gehen.

Schon nach der ersten Runde bringt mich der Staub zum Husten, im Laufe des Rennens wird es nicht besser. Aber den Spaß kann das nicht trüben.
# Schon nach der ersten Runde bringt mich der Staub zum Husten, im Laufe des Rennens wird es nicht besser. Aber den Spaß kann das nicht trüben. - © Sportograf.com
Vogelperspektive auf die Wechselzone - das Layout mit Check-In und Check-Out ist in diesem Jahr perfektioniert, nach 21 Jahren ;)
# Vogelperspektive auf die Wechselzone - das Layout mit Check-In und Check-Out ist in diesem Jahr perfektioniert, nach 21 Jahren ;) - © Sportograf.com

Nur wenige Minuten nach mir kommt Dani für die Scott Contessa Damen ins Ziel. Anders als sie, die zumindest äußerlich weitestgehend unbelastet scheint, bin ich auch eine halbe Stunde später noch vollkommen am Ende. Mir ist kalt und auf dem Weg zum Pasta-Stand engt sich mein Blickfeld trotz Kriechtempo schwarz ein. Irgendwie schaffe ich die Pasta und schleppe mich zurück ins Camp, wo inzwischen Tobi auf der Runde ist und Flo sich bereit macht. Julia wird zweimal von vorbeipreschenden Alpha-Männchen abgeräumt. Ihre Arme und Schienbeine sind tief zerkratzt, das Schaltwerk am Merida ist krumm. Ein Bremshebel verdreht. Nichts, was sich nicht einstellen lassen oder heilen würde. Aber es zeigt, wie groß die Tempounterschiede dort draußen sind. Und wie wenig Rücksicht teilweise genommen wird. Klar reden wir hier von ein paar wenigen schwarzen Schafen … doch wir überlegen, in Zukunft Julia einfach ein „S“ für Solo unter dem Sattel zu montieren, um wenigstens etwas mehr Rücksicht entgegengebracht zu bekommen.

Wer kann, teilt sich seine Kräfte besser ein
# Wer kann, teilt sich seine Kräfte besser ein - Dani aus dem Scott Contessa-Team nutzt ihre Erfahrung, während ich mich verbrenne
Auf den steinigen Streckenabschnitten ist mit leichten Carbon-Laufrädern und entsprechenden Reifen eine saubere Linienwahl gefordert
# Auf den steinigen Streckenabschnitten ist mit leichten Carbon-Laufrädern und entsprechenden Reifen eine saubere Linienwahl gefordert - © Sportograf.com
Nach dem Rennen sind die Bäume, Büsche und Sträucher am Rande der Strecke bis gut zwei Meter Höhe mit einer dicken Staubschicht überzogen
# Nach dem Rennen sind die Bäume, Büsche und Sträucher am Rande der Strecke bis gut zwei Meter Höhe mit einer dicken Staubschicht überzogen
Sonnig, staubig, schnell: die Bedingungen in Finale waren dieses Jahr perfekt
# Sonnig, staubig, schnell: die Bedingungen in Finale waren dieses Jahr perfekt - © Sportograf.com
Immer am Lachen, auch wenn die Beine brennen!
# Immer am Lachen, auch wenn die Beine brennen! - © Sportograf.com

Abgesehen von diesen Zwischenfällen absolvieren alle ihre Runden routiniert und mit etwas Respekt, aber mehr Kraft rolle auch ich wieder in die Wechselzone – dieses Mal für nur eine Runde. Ich gehe es langsam an, achte darauf, fleißig zu schalten und nicht zu pressen. Dabei lädt die Strecke mit ihren vielen kurzen Anstiegen nur so dazu ein. Der Puls muss unten bleiben, sage ich mir. Und siehe da: Auch wenn ich noch eine Ewigkeit von der Startform entfernt zu sein scheine, gelingt mir eine akzeptable Runde. Das Wichtigste jedoch: Nach der Belastung geht es mir besser als davor. Ich stopfe mich weiter mit allerlei Essen voll. Pasta. Banane. Irgendwie den Körper bereit für die Nacht bekommen lautet die Devise.

Und dann kommt die Dämmerung – von nun an muss mit zwei Leuchten nach vorne und Rücklicht gestartet werden. Wie im Vorjahr auch haben zumindest wir Männer uns vorgenommen, in der Nacht jeweils zwei Runden am Stück zu fahren. So ergeben sich wertvolle Schlafpausen für den Rest des Teams. Ich stelle meinen Wecker auf 23:00 Uhr, um 23:20 Uhr übernehme ich wie geplant den Transponder von Flo. Er sagt mir, dass er an seinem Bike die Kettenblattaufnahme abgebrochen habe und nun gemeinsam mit Julia das Merida fährt. Tobi und ich teilen uns ohnehin schon wie geplant das Orbea. Damit sind wir bei nur noch zwei Bikes für das gesamte Team. Wichtiger aber noch: Flo ist bestimmt 20 kg schwerer als ich und ebensoviele Zentimeter größer. Ich grüble etwas, wie er ernsthaft auf diesem Rad fahren können will – aber ich habe andere Probleme.

Mittlerweile haben sich unsere Rundenzeiten stabilisiert und ich achte penibel darauf, dass mein Puls unten und ich halbwegs langsam bleibe. Wir haben die Weckzeiten auf die erwarteten Rundenzeiten angepasst. Schneller fahren würde also nur meine Kollegen in Bedrängnis bringen. Jetzt rächt sich etwas, dass wir ganz ohne Betreuungsperson am Start sind. Normalerweise konnte immer eine der Freundinnen oder einer der Freunde mitkommen, doch in diesem Jahr sind wir auf uns alleine gestellt.

Im Schein der Leuchten geht es durch die Nacht. Das ist meine Lieblingszeit, denn wie im Tunnel fühle ich mich schneller. Die gefallenen Temperaturen kommen mir zusätzlich entgegen. Und alles fühlt sich intensiver an – insbesondere dann, wenn die Blitze der Sportografen durch die Nacht zucken. Das Team ist wieder mit vollem Einsatz rund um die Strecke platziert und lässt die Speicherkarten glühen. So ermöglichen sie maßgeblich diesen Artikel und sorgen mit tollen Aufnahmen für bleibende Erinnerungen. Bleibend ist jedoch auch die Erinnerung, als sich meine Lupine Betty an der Front plötzlich verabschiedet. Zwar lässt sie sich wieder starten, doch an der nächsten ruppigen Sektion herrscht erneut Dunkelheit. Gut, dass wir zwei Leuchten an der Front haben müssen und ärgerlich, dass wir uns gerade erst zu Beginn der Nacht befinden. Tobi berichtet, dass die Leuchte sich nicht mehr wirklich starten und stoppen lässt und einfach von selbst an und aus geht. Party-Mode auf dem Trail. Ursache, so stellt sich später beim Lupine-Service heraus, ist ein Wackelkontakt am Akku. Doch die echte Party findet ohnehin in der Toboga statt und ich habe das Vergnügen, in meinen beiden Runden den Höhepunkt erleben zu dürfen. Konfetti und Glitzerstreifen fliegen durch die Luft, die Musik pumpt und die Meute feuert lautstark an. Das ist Finale!

Warum ist nur die Helmleuchte an? Um das Chaos komplett zu machen entscheidet unsere Lenkerleuchte irgendwann, einen Wackelkontakt zu bekommen
# Warum ist nur die Helmleuchte an? Um das Chaos komplett zu machen entscheidet unsere Lenkerleuchte irgendwann, einen Wackelkontakt zu bekommen - © Sportograf.com
Wie im Tunnel geht es mit voller Beleuchtung durch die Nacht
# Wie im Tunnel geht es mit voller Beleuchtung durch die Nacht - © Sportograf.com
Die Toboga zeigt sich gegenüber den Vorjahren leicht verändert, doch die spaßigen Kurven hinunter in den Start-Ziel-Bereich sind immer eine Freude
# Die Toboga zeigt sich gegenüber den Vorjahren leicht verändert, doch die spaßigen Kurven hinunter in den Start-Ziel-Bereich sind immer eine Freude - © Sportograf.com

Die nächsten Stunden der Nacht verlaufen dann weitestgehend ereignislos. Alle im Team kommen gut voran und wir verlieren abseits von unserem Tempo nicht zusätzlich Zeit durch weitere Defekte oder andere Probleme. Um 5:00 Uhr klingelt mein Wecker wieder, doch ich bin mir nicht sicher, ob ich dazwischen geschlafen haben. Dank Noise Cancelling-Kopfhörern hatte ich es angenehm ruhig, doch mein Körper wollte einfach nicht runterkommen. Ich gehe eine Minute nach Conny aus dem Damen-Team auf die Strecke und hole sie schnell ein. Die gemeinsame Runde läuft perfekt – bis der Freilauf dem morgendlichen Erwachen ein abruptes Ende setzt. Nachdem ich meine zweite Runde auf ihrem Rad beendet habe, gilt es, eine Lösung zu finden. Unmöglich können wir alles auf eine Karte setzen und nur das Merida fahren. Schon jetzt müssen wir bei den Fahrerwechseln die Sattelhöhe anpassen und verlieren unnötige – weil stehende – Zeit. Gleichzeitig kann immer noch irgendein Defekt auch dieses Rad dahinraffen. Noch sind gut sieben Stunden auf der Uhr.

Also wende ich mich erneut an die Scott-Damen, die knapp vor uns im Rennen liegen und ohne technische Probleme ihre Runden drehen. Profis halt. Echte XC-Racer haben sie wie zu erwarten keine übrig, doch Carina hat ein passendes Enduro in Größe M parat. Ich baue das nächste Bike für mich um und kümmere mich erst mal um ein Frühstück. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle!

Flo kämpft durch die letzte Runde. Bis jetzt frage ich mich, wie er auf dem zu kleinen und weich abgestimmten Merida so schnell sein konnte
# Flo kämpft durch die letzte Runde. Bis jetzt frage ich mich, wie er auf dem zu kleinen und weich abgestimmten Merida so schnell sein konnte - © Sportograf.com
Tobi ist bei diesem Rennen unser schnellster Fahrer. Ob es daran lag, dass er kein Visier am Helm hatte?
# Tobi ist bei diesem Rennen unser schnellster Fahrer. Ob es daran lag, dass er kein Visier am Helm hatte? - © Sportograf.com
Julia fährt der Mittagssonne entgegen. In der Sonne heizen die engen Uphills schnell auf
# Julia fährt der Mittagssonne entgegen. In der Sonne heizen die engen Uphills schnell auf - © Sportograf.com

So geht dann bis zum Ende alles gut: Das geliehene und auch das verbliebene Bike halten durch und wir vergessen bei den Bike-Übergaben nicht, auch den Transponder zu übergeben. Routiniert fahren wir die letzten Stunden nach Hause und ich bin nicht undankbar, als sich herausstellt, dass ich wohl nicht mehr zum Zuge kommen werde. Neun Runden sind zu diesem Zeitpunkt genug für mich und mit einer Gesamtzahl von 27 Runden landen wir auf Platz 16 von 41 unter den 4er-Teams. Zusammen sind wir über 330 km gefahren und haben über 9.000 Höhenmeter überwunden! Und wir hatten Spaß, das steht fest. Fest steht auch schon jetzt: Nächstes Jahr sind wir wieder am Start, wenn in Finale Ligure die wilden Mountainbiker unter dem Motto Piraten einen Tag und eine Nacht um die Wette fahren. Die Scott-Damen haben ihre Kategorie übrigens gewonnen – herzlichen Glückwunsch zu diesem beeindruckenden Erstlingswerk! Auch wir werden uns in Finale wieder sehen, so viel scheint sicher.

Das siegreiche Damenteam: Vielen Dank für die Unterstützung und die Leihbikes ;)
# Das siegreiche Damenteam: Vielen Dank für die Unterstützung und die Leihbikes ;)
Geschaffter Held: Nach dem Rennen heißt es erst mal runterkommen, denn während des Rennens gelingt es einfach nicht, zu schlafen
# Geschaffter Held: Nach dem Rennen heißt es erst mal runterkommen, denn während des Rennens gelingt es einfach nicht, zu schlafen
Geschundene Heldin: Zwei Stürze durch rücksichtslose Überholer reichen noch lange nicht aus, um Julia das Lachen zu nehmen
# Geschundene Heldin: Zwei Stürze durch rücksichtslose Überholer reichen noch lange nicht aus, um Julia das Lachen zu nehmen - etwas mehr Rücksicht auf langsamere Fahrerinnen und Fahrer wäre aber definitiv angebracht
Staubig? Staubig!
# Staubig? Staubig!

Wer von euch ist in diesem Jahr bei den 24h von Finale Ligure mit am Start gewesen und welche Erlebnisse habt ihr gemacht?

24h Finale Ligure 2019: Ergebnisse

Ergebnisse Solo

24h Finale Ligure 2019: Solo by on Scribd

Ergebnisse 2er Teams

24h Finale Ligure 2019: Tea… by on Scribd

Ergebnisse 4er Teams

24h Finale Ligure 2019: Tea… by on Scribd

Ergebnisse 8er Teams

24h Finale Ligure 2019: Tea… by on Scribd

Ergebnisse 12er Teams

24h Finale Ligure 2019: Tea… by on Scribd

Ergebnisse Fun-Kategorie

24h Finale Ligure 2019: Fun… by on Scribd

🔽 Inhalte ausklappen 🔽🔼 Inhalte einklappen 🔼
  1. benutzerbild

    Schriftschnitte

    dabei seit 09/2013

    Hey Tobi,
    super cooler Bericht und ich kann das beurteilen – du hast ja an meinem Hinterrad geklemmt
    (Okay, ich war auch oft hinter dir). Sei es drum, es war ein mega Event und mit euch war es doppelt so lustig. Hart, aber auch unvergesslich. Und wir wurden dann ja schließlich auch mit dem Treppchen belohnt!
    Ganz liebe Grüße und fühl dich gedrückt, Conny
  2. benutzerbild

    GrazerTourer

    dabei seit 10/2003

    Tobias schrieb:

    Danke für das Feedback @og.echnaton und @Pete04 - das motiviert zusätzlich sich auch das nächste Jahr wieder alles abzuverlangen!

    @nopain-nogain Das solltest Du

    @GrazerTourer Es ging in diesem Jahr primär um die Erholung, ja. Schneller ist sicherlich das stetige Wechseln... lass uns mal sehen, wie nächstes Jahr das Team aussieht und die entsprechende Taktik! Eine gern genutzte Alternative - unter Anderem auch von den German Technology Racing Jungs, die den Gesamtsieg eingefahren haben - ist ja auch das ABAB, CDCD - so schafft man immerhin etwas längere Lücken.

    Alternativ empfiehlt es sich natürlich auch einfach, fit zu sein. Leider kollidiert das immer wieder mit meinem Bürostuhl-Job

    hehe - wie wahr!

    ABAB CDCD wäre mir einfach viel zu langweilig als Team. Ich finde so ein ABCD Rad viel viel lustiger. da hat man ständig was zu erzählen und es sind alle immer in der gleichen Situation. DAs hat schon was
  3. Anzeige

  4. benutzerbild

    Tobias

    dabei seit 08/2001

    GrazerTourer schrieb:
    ABAB CDCD wäre mir einfach viel zu langweilig als Team


    Na, tagsüber natürlich nicht. Da wird ABCD gefahren sonst nix. Aber nachts finde ich es schon vernünftig / clever etwas anzupassen.

    @Schriftschnitte 100% - war halt schon genial das wir zufällig genau die Sonnenaufgangsrunde zusammen gefetzt sind!
  5. benutzerbild

    jimmiderknopf

    dabei seit 11/2009

    GrazerTourer schrieb:

    @Tobias
    Warum tut ihr euch das mit den Doppelrunden eigentlich an? ich war noch nie in Finale, aber 3x in München. Wir sind immer nur eine Runde auf Tempo gefahren. Klar, schlafen geht so nicht, aber die Rundenzeiten sind durch die Bank top und in der Nacht haben wir immer Plätze gut gemacht. geht es euch nur um die Schlafpausen? nachdem man ohnehin nicht richtig runter kommt, bezweifle ich irgendwie dass das viel bringt, oder?

    Der Bericht ist übrigens echt gut! da bekommt man richtig Lust...


    @GrazerTourer ich habe mal meine Rundenzeiten ausgewertet: die Durchschnittszeit aller Einzelrunden war bei mir 43:50min und die der Doppelrunden in der Nacht und am frühen morgen 47:20min. Wie @Tobias schon gemeint hat war es eine Taktische Entscheidung aufgrund der längeren Ruhephase. schneller wäre wahrscheinlich eine andere Taktik. Ich habe auch tatsächlich versucht etwas Ruhe in den Zwischenzeiten zu bekommen, nur als ich im Halbschlaf irgendetwas von Fahrrad kaputt mitbekommen habe was es Schluss mit der Schlafenszeit o_O. Alles in allem war es wieder ein gelungenes Fahrradfest mit bester Stimmung.
    Viele Grüße
    Tobi
  6. benutzerbild

    Tobias

    dabei seit 08/2001

    Das wollte ich eigentlich noch in die Story eingebaut haben: Strava-Aufzeichnung vom Start und der ersten anschließenden Runde

    [ATTACH type="full"]878134[/ATTACH]

Was meinst du?

Wir laden dich ein, jeden Artikel bei uns im Forum zu kommentieren und diskutieren. Schau dir die bisherige Diskussion an oder kommentiere einfach im folgenden Formular:

Verpasse keine Neuheit. Trag dich für den MTB-News-Newsletter ein!