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Wer im Rennen schnell fahren will, muss im Training auch langsam fahren!
Wer im Rennen schnell fahren will, muss im Training auch langsam fahren! - Max absolviert ca. 2/3 seines Trainings im GA-Bereich.
Start in der Elite oder in der U23?
Start in der Elite oder in der U23? - In der Nachwuchsklasse wäre Max der klare Favorit, in der Elite gibt es etliche Sieganwärter. Keine leichte Entscheidung ...
Das Rennen in Gedern lief für Max trotz harter Vorbereitung gut
Das Rennen in Gedern lief für Max trotz harter Vorbereitung gut - Also los und bei der Elite-DM an den Start!
Um explosiv und schnell in der ersten Runde unterwegs zu sein, absolvierte Max ein äußerst hartes Vorbereitungsprogramm auf die DM
Um explosiv und schnell in der ersten Runde unterwegs zu sein, absolvierte Max ein äußerst hartes Vorbereitungsprogramm auf die DM
Die Party ist in vollem Gange!
Die Party ist in vollem Gange! - Max wurde vor dem Rennen als Mitfavorit auf dem Titel gehandelt, doch einige andere Fahrer hätte ebenso ganz oben auf dem Podium stehen können.
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Ab nach Les Gets!
Ab nach Les Gets! - Der Weltcup in den Pyrenäen liegt schon hinter uns! Wir freuen uns auf den Blog von Max nach dem Rennen in Frankreich.

Max Brandl ist neuer deutscher Elite-Meister – und das als etatmäßiger U23-Fahrer. Der Lexware-Pilot hat uns während seines Trips nach Andorra einige interessante Einblicke aus seiner Vorbereitung auf die DM und die World Cup-Rennen dagelassen, die wir Euch selbstverständlich nicht vorenthalten wollen! Viel Spaß mit dem Blog von Max Brandl!

Anmerkung der Redaktion: Der Blog wurde vor dem World Cup-Rennen in Andorra verfasst. Max belegte im U23-Rennen einen starken 5. Platz.

Hallo zusammen! Ich melde mich zurück aus dem Team- und BDR-Hotel in La Massana, Andorra, wo ich gerade angekommen bin. Der letzte World Cup liegt knapp sechs Wochen zurück und der dazugehörige Blogbeitrag endete sinngemäß damit, dass ich mit dem Ergebnis von Nove Mesto arbeiten kann und darum soll es hier gehen – um Arbeit. Denn die zweite Saisonhälfte steht dicht gepackt mit fünf World Cups, der EM und der WM in nur neun Wochenenden an. Dafür muss man sich sehr gut vorbereiten, überlegen welche Kompromisse man eingeht, wo man versucht top fit zu sein und wann man noch gute Trainingsreize setzen kann. Zudem standen ja noch die Bundesliga in Gedern und die Deutsche Meisterschaft in meiner Heimatstadt Lohr an. Jetzt aber der Reihe nach.

Nach Nove Mesto habe ich, wie schon geschrieben, erstmal ein paar Tage Ruhe gemacht und bin dann mit ein paar lockeren bis langen Grundlageneinheiten wiedereingestiegen. Für mich gilt dabei: wenn Grundlage, dann richtig Grundlage. Damit meine ich, dass ich wirklich ruhig im unteren GA1-Bereich bei Puls 115 bis 130 bpm lange, gleichmäßig, fast schon stupide meine Stunden kurble. Das klingt auch logisch, ist aber in der Praxis vor allem in Gruppen mit motivierten Sportlern oft schwer umsetzbar, weil wir als Rennfahrer einfach gerne schnell fahren. Im Grundlagentraining sollte man meiner Meinung nach aber wirklich die Beine stillhalten und gewissenhaft den Trainingsplan absolvieren. Das gilt natürlich auch für Intensitäten, aber mein Training läuft zu ca. 70 % im GA1-Bereich ab, man kann da also auch viel kaputt machen.

Wer im Rennen schnell fahren will, muss im Training auch langsam fahren!
# Wer im Rennen schnell fahren will, muss im Training auch langsam fahren! - Max absolviert ca. 2/3 seines Trainings im GA-Bereich.

Eine Woche war vorbei, da stand schon wieder ein Rennen auf dem Plan und zudem eine wichtige Entscheidung. In welcher Klasse soll ich bei der Deutschen Meisterschaft starten? Der Meldeschluss ist bei der DM nämlich anders als bei den meisten Rennen, wo man noch eine bis zwei Stunden vor Start nachmelden kann, zwei Wochen vorher. Das war eine echt schwierige Entscheidung für mich.

Wenn ich bei der DM in der Elite starte, will ich das mit optimaler Vorbereitung und Fitness. Das Elite-Rennen wird mich in jedem Fall mehr fordern, die Erschöpfung wird größer sein. Beeinträchtigt das die Vorbereitung auf die World Cups? Muss ich vielleicht schon in der Vorbereitung auf die Elite-DM etwas rausnehmen, um überhaupt Medaillenchancen zu haben oder kann ich in der U23 etwas pokern und schon mehr für die World Cups trainieren? Ist es mit meinem aktuellen Leistungszustand überhaupt sinnvoll, es in der Elite zu versuchen? Allerdings wird mir in der U23 auch nichts geschenkt.

Start in der Elite oder in der U23?
# Start in der Elite oder in der U23? - In der Nachwuchsklasse wäre Max der klare Favorit, in der Elite gibt es etliche Sieganwärter. Keine leichte Entscheidung ...

In jedem Fall musste das Rennen in Gedern aus dem vollen Training herausgefahren werden. In einer normalen Wettkampfwoche steht bei mir nur noch eine halbwegs intensive Einheit auf dem Programm, nichts völlig Erschöpfendes. Vor Gedern allerdings hieß es wirklich draufdrücken, das sowohl am Mittwoch als auch am Donnerstag und mit Intervallen, die auf die Weltcups ausgerichtet waren und nicht auf die individuellen Anforderungen des Vulkan-Race. Vor diesem Hintergrund war der Plan zur Entscheidungsfindung folgender: Wenn ich in Gedern mit Biegen und Brechen nur irgendwie Top 5 fahre, bleibe ich bei der DM in der U23. Wenn es gut läuft, melde ich hoch.

Am Samstag bei der Vorbelastung und am Sonntagvormittag beim lockeren Rollen fühlten sich die Beine noch unterirdisch schlecht an, dass ich wirklich nicht mit einem guten Gefühl ins Rennen ging. Zudem kamen ab der ersten Runde Schaltprobleme und Rückenschmerzen dazu, sodass ich versuchen musste extrem gefühlvoll zu treten und das auf einem unrhythmischen Kurs wie in Gedern. Am Ende sprang dann trotz der Umstände Platz drei für mich heraus. Nach einigen letzten Gesprächen und Telefonaten – es blieb ja immer noch eine große und riskante Entscheidung – stand dann drei Stunden vor Meldeschluss der Entschluss fest: Elite.

Das Rennen in Gedern lief für Max trotz harter Vorbereitung gut
# Das Rennen in Gedern lief für Max trotz harter Vorbereitung gut - Also los und bei der Elite-DM an den Start!

Dann waren es noch 2 Wochen, wovon die erste nochmal ziemlich heftig werden sollte. Dienstags war es zwar noch locker – ein bisschen muss man sich dann doch vom Rennen erholen – aber mittwochs standen eine KLD und am Donnerstag wieder Intervalle bis zum Umfallen auf dem Programm. Für die nicht Eingeweihten: KLD steht für Komplexe-Leistungs-Diagnostik. Dabei sitzt man auf einem Ergometer, absolviert einen Stufentest zur Bestimmung der Trainingsbereiche und nach 45 min Pause einen Rampentest zur Bestimmung der Sauerstoffaufnahme (VO2max). Beim Stufentest wird der Widerstand nach BDR-Standardprotokoll bei 100 W gestartet und steigert sich alle drei Minuten um 20 W. Bei mir dauert das dann in der Regel über 50 min. Der Rampentest ist deutlich schneller zu Ende. Bei 150 W fährt man sich sechs Minuten ein und tritt dann alle zehn Sekunden gegen zehn Watt mehr. Bei beiden Tests muss ich mich meistens fast übergeben (übrigens auch oft bei Intervallen, aber nur fast) und es ist wirklich eine Tortur, trotz Ventilator. Das Ergebnis war im Hinblick auf die DM beruhigend, denn ich hatte in quasi allen Kategorien neue Bestwerte erzielt. Ich dachte mir: Jetzt noch eine harte Einheit und dann hast du die DM-Vorbereitung hinter dir.

Um explosiv und schnell in der ersten Runde unterwegs zu sein, absolvierte Max ein äußerst hartes Vorbereitungsprogramm auf die DM
# Um explosiv und schnell in der ersten Runde unterwegs zu sein, absolvierte Max ein äußerst hartes Vorbereitungsprogramm auf die DM

Diese Einheit am nächsten Tag war dann aber nicht nur körperlich zäh. Ich glaube es war eines der längsten und härtesten Wiederholungsprogramme, die ich je gefahren bin. Nach den ersten zwei Wiederholungen, die ich noch recht motiviert anging, ohne es zu übertreiben, ging mir ein wenig der Mut verloren, dass ich das Programm so durchziehen könnte. Ich habe wirklich kurz überlegt, nach der ersten Hälfte aufzuhören. Dann habe ich mich aber doch entschlossen jede weitere Wiederholung so anzufahren als wäre es die Letzte, mich durchzuarbeiten, um solange wie möglich die vorgegebene Leistung zu halten. So hatte ich dann bald die Hälfte, dann fehlten nur noch vier, dann noch zwei und der letzte „all-out“ – Kreuzblick, aber geschafft. Natürlich habe ich dann bis zur DM nicht Nichts gemacht. Nach einem Ruhetag standen noch zwei Grundlageneinheiten am Wochenende auf dem Programm und dann mein übliches Wettkampfwochenprozedere. Wie die DM gelaufen ist, wissen vermutlich die meisten. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an meinen Heimatverein, den RV Viktoria Wombach und die Stadt Lohr für die super Veranstaltung, an meinen Trainer Marc Schäfer und das Lexware Mountainbike Team für die Unterstützung. Im Training in der Woche danach ist es mir noch einige Male vorgekommen, dass ich ohne weiteren Grund einfach grinsen musste. Das Gefühl vom Sieg in der Elite hält sicher noch eine Weile an.

Die Party ist in vollem Gange!
# Die Party ist in vollem Gange! - Max wurde vor dem Rennen als Mitfavorit auf dem Titel gehandelt, doch einige andere Fahrer hätte ebenso ganz oben auf dem Podium stehen können.
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Jetzt wird es aber wieder ernst. Elite-Meister schön und gut, aber irgendein Deutscher wird eben Deutscher Meister. International gesehen bedeutet das noch nicht wirklich viel, da zählt der Weltcup. Und mit Andorra steht jetzt einer der logistisch aufwändigsten Weltcups an und dann auch noch auf 1900 m über Normalnull. Da gibt es im Großen und Ganzen zwei Vorbereitungsmöglichkeiten. Entweder man bereitet sich drei Wochen in der Höhe zum Beispiel in Livigno vor oder man bleibt unten und reist so spät wie möglich an. Ersteres ist mit großem Aufwand und Risiko verbunden und es ist stinklangweilig dort oben. Deshalb blieb ich bei der Methode, die sich bei mir schon 2016 und 2017 bewährt hat, freitags anreisen und samstags das erste Mal auf die Strecke gehen. Da ich den Kurs aus den letzten 4 Jahren ziemlich auswendig kenne, ist das trotz des hohen technischen Anspruchs hier denke ich kein Problem. Und schließlich konnte ich dieses Jahr endlich eine Frage beantworten, die mich schon länger beschäftigt: Wie sieht man mehr von den schönen Orten, an denen man als Radprofi so vorbeifährt, ohne die unmittelbare Vorbereitung zu stören? In dem Fall wollte ich sogar etwas Urlaub mit meiner Freundin machen, was noch schwieriger mit dem Radsport vereinbar ist. Die Antwort lautet: mit dem richtigen Maß an Planung und Lockerheit.

Auf dem Weg nach Andorra liegen einige schöne Flecken Erde: Lyon, das Rhonetal, die Provence, der Mont Ventoux, das Mittelmeer ist nicht weit und kurz vor den Pyrenäen liegt noch Carcassonne, die berühmte Festungsstadt. Alles ging natürlich nicht und bei den Temperaturen noch stundenlang am Meer liegen oder in der Stadt herumlaufen fiel leider wegen meiner Vorbereitung aus. Der Mont Ventoux ist zwar wirklich sehenswert, aber ich bin auch schon zwei Mal mit dem Rad oben gewesen und es wäre auch über eine Stunde Umweg. Bei zwei Übernachtungsstopps, die wir einlegen wollten, entschieden wir uns dann für Condrieu bei Vienne im Rhonetal und Carcassonne. In Condrieu konnte ich am Donnerstagmorgen noch super trainieren und Carcassonne war dann perfekt für einen Abendspaziergang zur Festung. Mit 4,5 h nach Condrieu, 4 h nach Carcassonne und 3,5 h nach Andorra waren die Etappen auch nicht zu lange und ich denke, dass die Erholung vor dem Weltcup ausreichend sein sollte.

Für mein Rennen am Sonntag steht nur noch das Streckentraining am Samstag an. Wie es gelaufen sein wird, erfahrt ihr spätestens im nächsten Blog nach Les Gets. Jetzt startet gleich der Short Track Weltcup der Frauen und ich bin gespannt, wie es um 18:15 Uhr bei meinem Zimmerkollegen Georg Egger laufen wird. Ich hoffe, ihr drückt ihm auch die Daumen!

Ab nach Les Gets!
# Ab nach Les Gets! - Der Weltcup in den Pyrenäen liegt schon hinter uns! Wir freuen uns auf den Blog von Max nach dem Rennen in Frankreich.

Interessante Einblicke in die Weltcup-Vorbereitung! Habt ihr Fragen an den deutschen U23-Meister?


Alle Blog-Artikel von Max Brandl findest du hier:

  1. benutzerbild

    Roedler

    dabei seit 06/2013

    Ja danke, wieder interssante Einblicke.
    Viel Erfolg!
  2. benutzerbild

    SlowTwitch

    dabei seit 08/2018

    Kann mich dem nur anschließen, super interessant, weiter so!
  3. Anzeige

  4. benutzerbild

    punky

    dabei seit 04/2003

    Sehr schön
  5. benutzerbild

    hardt-bikerin

    dabei seit 03/2012

    Top, dass du auf diesem Weg so viele Einblicke in die kleinen Details gibst und Glückwunsch zum Elite-Titel. Trainierst du eigentlich während der Saison auch abseits vom Rad?

    Wie schaffst du es denn mit der veganen Ernährung deinen Protein-Bedarf zu decken? Hast du eine Literaturempfehlung zum Thema vegan/Basische Ernährung?
  6. benutzerbild

    cd-surfer

    dabei seit 12/2008

    Super interessant! Dankeschön und weiter so!

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