Am Stand von Schwalbe beim diesjährigen Bike Festival in Riva habe ich mich nur kurz aufgehalten, denn neben DT Swiss [Bericht über die 2010/2011er Produkte] ist auch Schwalbe Gastgeber beim Ride Camp an der Costa Brava Anfang März 2010 gewesen. Und die Reifen sind dort nicht nur an den Testrändern montiert gewesen – es hat auch handfeste Neuigkeiten aus dem Hause Schwalbe gegeben, die ich jetzt endlich nachreichen möchte:

Nach wie vor wird es Schwalbe Reifen auf drei Preis- und Qualitätsniveaus geben: Evolution, Performance und Active. Die Evolution Linie richtet sich dabei an den ambitionierten Bike, Racer oder Gewichtsfetischist und liefert neuste Technik und die hochwertigsten Materialien, während die Performance Modelle eher auf die bestmögliche Balance zwischen Preis und Leistung aus sind. Wer „einfach nur einen Reifen“ haben will, der findet in der Active Line günstige Modelle für den verschleißenden Alltag. Allen Reifen gemein ist, dass es bei Schwalbe in Zukunft keine Karkassen mit weniger als 50 EPI geben wird – auch nicht bei der Active Line. Hier der Vergleich zwischen 24 und 50 EPI:

Bei den Performance und Evolution Modellen wird in der Regel eine Karkasse mit 67 Fäden pro Inch verwendet; bei einzelnen Modellen wie dem Rocket Ron, dem Furious Fred oder dem Dirty Dan in 2,0“ sogar 127. Grundsätzlich gilt: Je feiner die Karkasse aufgebaut ist, desto leichter ist der Reifen und desto besser kann er sich an den Untergrund anpassen und desto geringer ist folglich der Rollwiderstand. Ebenso steigt die Durchstichsicherheit des Reifens.

Was gibt es also an Neuigkeiten? Passend zur nun wieder mit Vollgas beginnenden Bikesaison baut Schwalbe die Produktpalette im 29“ Sektor aus. Wenn ich schreibe, dass 29er noch immer ein hauptsächlich in den USA gepushter Trend sind,… nein – mittlerweile scheinen auch immer mehr Mountainbiker im alten Europa Gefallen an den großen Rädern zu finden und diesen wachsenden Markt will sich Schwalbe nicht entgehen lassen. Schon gar nicht in den USA. Neben den bekannten Racing Ralph 29er Reifen gibt es aus diesem Grund nun auch einen Nobby Nic (2,25“, SnakeSkin, 645g) und einen Rocket Ron (2,25“, 520g) im trendigen Übermaß. Die 29er Reifen kosten nach wie vor 49,90€.

Für die 26“ Fraktion gibt es vorerst weniger Neues, was jedoch manchen auch sehr interessieren dürfte. Letztes Jahr gab es bei den High End Modellen von Scott weiße Schwalbe Reifen. Für 2010 wird es nun den weißen Rocket Ron in einer limitierten Serie geben. Das Gewicht soll bei 465g liegen, während der Preis auf 59,90€ klettert. Brandheiß vom Festival habe ich an einem Bike am Stand der Hayes Bicycle Group einen grauen Rocket Ron gesehen… die Seitenwand zierte ein unauffälliges aber unverkennbares Cube-Logo… mal sehen, wann dieser Reifen erst exklusiv und dann in Sonderserie verfügbar sein wird.

Aber es gibt noch mehr; das jedoch später. Für die Saison 2011 kümmert sich Schwalbe um eine weitere, immer wichtiger werdende Entwicklung: Tubeless Reifen. In letzter Zeit sind zunehmend tubelessfähige Felgen auf dem Markt erschienen und für 2011 sollen alle Schwalbe Reifen direkt von Werk aus tubelessfähig sein. Erreicht wird diese Veränderung durch eine Veränderung des Sitzes des Reifens auf der Felge, wodurch der schlauchlose Reifen ohne Kompressor aufgepumpt werden kann. Wir haben das Vorgehen live auf einer DT Tricon Felge gesehen und es hat einwandfrei funktioniert. Nicht ganz so schnell wie bei einem normalen Reifen aber der Reifen ließ sich problemlos montieren und aufpumpen. Die Schwalbe Modelle mit dem SnakeSkin genannten Seitenwandschutz werden dann von sich aus komplett dicht sein, bei den anderen Modellen muss der Reifen mit etwas Milch vollständig abgedichtet werden (von Schwalbe wird empfohlen, die SnakeSkin Reifen trotz der gummierten Seitenwand ebenfalls mit etwas Milch abzudichten).

Dass das noch nicht ganz alles für das nächste Jahr gewesen sein kann, ist jedoch irgendwie an den Gesichtern der Mitarbeiter und zwischen den Zeilen abzulesen gewesen. Einige der Reifen an den Rädern der Mitarbeiter trugen auf der Seitenwand nur ein S und schienen Teil eines Prototypen-Programms zu sein… außerdem sind wir für den Abend vor der Eurobike auf eine Präsentation auf dem Bodensee eingeladen worden… es weist alles darauf hin, dass Schwalbe uns im Herbst noch mehr Neues für die Saison 2011 präsentieren wird. Da Furious Fred und Rocket Ron ebenso wie der Fat Albert und Nobby Nic gerade erst aufgefrischt worden sind, könnte es sein, dass es sich um Veränderungen bei den Freeride- und Downhillreifen handelt. Vielleicht Veränderungen am wichtigsten Teil des Reifens, nämlich in der Gummimischung?

DT Swiss Ride Camp 2010 – Ride Video: im IBC TV ansehen

Viel wichtiger als die Gerüchte und mögliche zukünftige Modelle ist jedoch ein anderes Thema: Wie schlagen sich die Schwalbe Reifen in der Praxis? Von den Neuerungen für 2010 gab es den weißen Rocket Ron zu fahren, der sich jedoch nicht von seinen schwarzen Brüdern unterscheiden dürfte. Kurz gefahren bin ich die 29er Reifen auf einem Scott 29er Hardtail in Größe S – selten so ein ungewöhnlich wirkendes Rad gesehen. Bei meiner Körpergröße fühlen sich die großen Räder aber nicht sonderlich gut an, weshalb ich lieber bei 26“ bleibe:

Selbstverständlich haben wir nicht erst in Spanien einige der leichten Schwalbe Reifen mit auf den Trail genommen. Parallel zum DH-Reifen-Test vor einigen Wochen [Bericht + Video] haben wir auch die Modelle Fat Albert (2,4“ und 2,25“), Nobby Nic, Racing Ralph und Rocket Ron (jeweils 2,25“) gefahren. Vom Profil ist einiges auf der Strecke geblieben und die Zeit reif für unsere Eindrücke.

Rocket Ron.

Wenn es darum geht, schnell vorwärts zu kommen, wenig Rollwiderstand zu haben und dennoch mit gutem Grip versorgt zu werden; dann hat uns der Rocket Ron am meisten überzeugt. Der leichte Race Reifen hat sich sowohl auf CC Touren, als auch auf glatten 4x-Strecken sehr gut geschlagen. Hier ist er durchaus vergleichbar mit dem beliebten Maxxis Larssen, auch wenn der ein noch feineres Profil und damit besseren Grip auf perfekt glatten Strecken bietet. Beim 24h Rennen in Finale Ligure hingegen ist er jedoch nicht die erste Wahl gewesen. Die Schnelligkeit des Reifens mussten wir uns mit zwei Platten erkaufen und haben nach einigen Stunden auf die Kombination aus Nobby Nic und Racing Ralph umgerüstet.

Racing Ralph.

Der Racing Ralph hat ein flaches, enges Profil mit feineren Blöcken als Nobby Nic und Rocket Ron. Hiermit eignet sich der Reifen am Besten für glatte Oberflächen oder das Hinterrad, wo er mit wenig Rollwiderstand begeistern kann. Unter anderem vertraut Jared Graves bei seinen 4x Starts auf diesen Reifen und auch wir haben am Hinterrad sehr gute Erfahrungen mit dem schnellen Ralph gemacht. Am Vorderrad hat der Grip jedoch nicht überzeugen können, weshalb die von Schwalbe selbst empfohlene Kombination mit dem Nobby Nic als empfehlenswert beurteilt werden kann.

Wie auch den Nobby Nic gibt es den Racing Ralph in 26 und 29“ sowie in Breiten zwischen 2,1 und 2,4“ und in Versionen mit Double Defense oder Snakeskin.

Nobby Nic.

Von Schwalbe wird er als „Allgrounder“ beworben und in der Tat dürfte der Nobby Nic mittlerweile einer der meistgefahrenen Reifen bei den Alltagsradlern sein. Er ist in Breiten zwischen 2,1 und 2,4“ und auch als 29er erhältlich und befriedigt mit gutem Grip in fast allen Lebenslagen ein sehr breites Fahrerfeld. Zusätzlich gibt es mit den Snakeskin und Double Defense Versionen auch den zusätzlichen Pannenschutz, den wir beim Rocket Ron vermisst haben. Hierfür transportiert er jedoch auch mehr Gewicht mit sich herum (Wer einen leichten Nobby Nic haben will, sollte den Reifen beim Händler des Vertrauens auswiegen. Die Serienstreuung kann groß ausfallen!). Wer einen leichten, souveränen Reifen für den normalen Mountainbike Alltag sucht, der wird mit dem Nobby Nic eine gute Wahl treffen… wer etwas mehr Leistung will, für den könnte der Fat Albert interessant sein.

Fat Albert.

Letztes Jahr ist mit dem Fat Albert ein Klassiker wieder neu aufgefrischt worden und die Arbeit scheint sich gelohnt zu haben. In 2,25“ ist der Reifen an einem Yeti ASR5-C Testrad montiert und überzeugt mit unauffälligem Rollwiderstand, vor allem aber mit hervorragendem Grip und einem sehr gut kontrollierbarem Verhalten im Grenzbereich. Ähnlich hat sich der Reifen auch in 2,4“ verhalten. An meinen Ironhorse 6Point habe ich die Maxxis Minions (2,35“, Single Ply, 60a) gegen den 2,4“ Fat Albert getauscht. Der Fat Albert ist etwas dicker, schwerer und höher als der Maxxis Reifen und bietet doch bei besserem Grip einen spürbar besseren Rollwiderstand. Beim Fahren merkt man zwar nach wie vor einen nicht zu verachtenden Unterschied zu den Downhillreifen von Schwalbe, doch werden diese Unterschiede erst bei steilen und oder widrigen Bedingungen richtig deutlich. Unser einziger Wunsch nach einigen Touren mit dem Fat Albert: Alle Eigenschaften so lassen wie bisher aber bitte noch etwas mehr Bremsgrip am Vorderreifen. Die Gesamtperformance ist sehr gut und wer die wenigen zusätzlichen Gramm im Vergleich zum Nobby Nic investieren kann (will), der bekommt den in meinen Augen deutlich besseren Reifen für’s richtige Gelände.

Alle weiteren Informationen findet ihr auf Schwalbe.de

Eine traurige Nachricht ganz zum Schluss: Ralf Bohle, der Gründer der Ralf Bohle GmbH und der Reifenmarke Schwalbe, ist am Sonntag, 25. April 2010, im Alter von 75 Jahren nach langer schwerer Krankheit in Bergneustadt gestorben. Wir möchten allen Angehörigen an dieser Stelle unser Beileid ausdrücken.

  1. benutzerbild

    bernd e

    dabei seit 08/2001

    theworldburns schrieb:
    kurios ist es immerwieder wie ein paar reifen für 60€ im vergleich zu nem ganzen fahrrad für zigtausend euro die gemüter aufkochen lässt.
    wenn man nun weiß, dass der reifenverschleiß aufgrund von vielen, vielen kilometern die man fährt recht hoch ist, wieso kauft man dann nicht einfach einen anderen, härteren reifen?
    es läuft auf einen kompromiss hinaus. ob der nun geld oder fahrspaß kostet liegt in der entscheidung eines jeden selbst.


    Und genau die Angabe: das der Fahrspaß nach evtl. kurzer Zeit weg ist oder sich Leute abwaffeln nur weil sie den Reifen vor 1000 km auf nassen Wurzeln ganz anders in Erinnerung hatten, das sagt kein Tester oder Hersteller.

    Ich habe mein Fazit gezogen und fahr daher keine TNC oder sonstigen "Wunderwaffen" mehr. Bei mir gibt es nur noch 60er Mischung des Herstellers M.....

    Die angesprochenen Langzeittest sind, so weit mir bekannt, in der jungen Vergangenheit nicht mehr aufgetaucht. Klar, kostet ja auch Zeit und somit Geld einen Reifen abzufahren um ihn dann zu untersuchen.

    Kann ja jeder machen wir er will, ich finde es nur unfair gegenüber dem Verbraucher das meist nicht die ganze Wahrheit geschrieben wird. So, jetzt hab ich mich weitgenug aus dem Fenster gelehnt .... ihr dürft mich jetzt alle Zerfleischen
  2. benutzerbild

    gurkenfolie

    dabei seit 04/2003

    die "guten" maxxis reifen haben mehr als die doppelte Fadendichte, kosten die hälfte und müssen nach 500km nicht entsorgt werden.
  3. Anzeige

  4. benutzerbild

    F.O.B.

    dabei seit 01/1970

    Die TNC-Mischung ist weniger Spagat, sondern eher Marketing. Wenn ich beim biken kein Spaß habe, zu langsam bin oder Stürze, suche ich die Ursache nicht bei den Pellen.

    Bei den Qualitäts- und Gewichtsschwankungen von Schwalbe-Reifen ist eh es müßig, das "Material der Profis" fahren zu wollen.
  5. benutzerbild

    Haborym666

    dabei seit 07/2008

    Sicher das die weißen Reifen den gleichen Grip haben?
    Irgendwo hab ich mal gelesen das die weiße Farbe durch Verzicht auf
    Ruß oder Rußmittel erreicht wird und dadurch die Fahreigenschaften der Gummimischung
    negativ beeinflusst werden.
    Desweiteren finde ich weiße Reifen an einem Gerät das durch Schlamm bewegt werden soll Sinnfrei...
  6. benutzerbild

    gurkenfolie

    dabei seit 04/2003

    Haborym666 schrieb:

    Desweiteren finde ich weiße Reifen an einem Gerät das durch Schlamm bewegt werden soll Sinnfrei...


    naja schwarze reifen zu fahren, macht eigentlich auch nur sinn an stränden alabamas.

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