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Das Lukasczyk Duralräder v2 von IBC-User Flugzeugradler
Das Lukasczyk Duralräder v2 von IBC-User Flugzeugradler
An der Front ist eine SID Word Cup Federgabel mit 100 mm Federweg verbaut
An der Front ist eine SID Word Cup Federgabel mit 100 mm Federweg verbaut
Verzögert wird mit einer  Formula R1 Racing Bremsanlage
Verzögert wird mit einer Formula R1 Racing Bremsanlage
Der extrem leichte 27,5" Laufradsatz von Radsport-Müller in Alzenau kommt mit Carbon-Ti Naben
Der extrem leichte 27,5" Laufradsatz von Radsport-Müller in Alzenau kommt mit Carbon-Ti Naben
Highlight ist natürlich der einzigartige, selbstgebaute Rahmen aus hochfestem Aluminium
Highlight ist natürlich der einzigartige, selbstgebaute Rahmen aus hochfestem Aluminium
Die schlichte schwarz-rot-silber Farbgebung ist schick
Die schlichte schwarz-rot-silber Farbgebung ist schick
Die genietete Bauweise bringt eine ganz besondere Optik mit sich
Die genietete Bauweise bringt eine ganz besondere Optik mit sich
Hommage an das „Hellraiser“ Filmplakat
Hommage an das „Hellraiser“ Filmplakat
König Artus zieht das berühmte Schwert aus dem Fels
König Artus zieht das berühmte Schwert aus dem Fels - oder ist es doch IBC-User Flugzeugradler mit seinem frisch fertig gestellten Rahmen?
Wir wünschen noch viel Spaß, schnelle Zeiten und lange Touren mit dem schicken Rad!
Wir wünschen noch viel Spaß, schnelle Zeiten und lange Touren mit dem schicken Rad!

Mit dem Lukasczyk Duralräder v2 stellen wir das zweite selbstgebaute Bike aus hochfestem Aluminium von IBC-User Flugzeugradler vor. Nach umfangreichen Praxistests der ersten Version des Bikes stand vor allem Gewichtsoptimierung im Lastenheft. Am Ende begeistert das Ergebnis mit dem selbstgebauten Rahmen, der mit edlen Anbauteilen und einer schlichten Optik abgerundet wird. Viel Spaß mit diesem Bike der Woche.

Bike der Woche

Lukasczyk Duralräder Version 2, Flugzeugradler

Das Lukasczyk Duralräder v2 von IBC-User Flugzeugradler
# Das Lukasczyk Duralräder v2 von IBC-User Flugzeugradler
Diashow: Bike der Woche: Lukasczyk Duralräder v2 von IBC-User Flugzeugradler
Die schlichte schwarz-rot-silber Farbgebung ist schick
König Artus zieht das berühmte Schwert aus dem Fels
Highlight ist natürlich der einzigartige, selbstgebaute Rahmen aus hochfestem Aluminium
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MTB-News.de: Hallo Flugzeugradler, dein Bike hat es direkt unter die beliebtesten Fotos der Woche im Fotoalbum geschafft. Wie ist es zu deinem Bike gekommen, das wir heute als Bike der Woche vorstellen?

Bei dem Rad handelt es sich um eine Weiterentwicklung des Prototyps, der bereits im August 2019 hier vorgestellt wurde. Seinerzeit wollte ich den Einsatz von hochfestem Aluminium im Fahrrad-Rahmenbau erproben. Die Legierungen, die hier zum Einsatz kommen, besitzen deutlich höhere Fertigkeiten als jene, die die Fahrrad-Industrie bislang verwendet. Leider sind diese nicht schweißbar und müssen, wie Flugzeuge, vernietet werden.

Hier möchte ich anknüpfen und berichten, wie die „Version 2“ entstand. Mittlerweile bin ich den ersten Prototypen ausgiebig gefahren und habe praktisch keine Gelegenheit ausgelassen im Sattel zu sitzen. Wenn mich jemand fragen würde, ob ich meinen Selbstbau eher „schone“ oder „prügle“, dann müsste ich mir eine Antwort überlegen. „Maximal materialverachtende Malträtierung“ würde es wohl treffend beschreiben. Das lässt sich auch mit Fakten beschreiben: 20.000 km, 500.000 hm, 2 Hinterradfelgen, 8 Satz Reifen, 4 Kassetten, 4 Ketten, 2 Kettenblätter, 2 Lenkkopflagersätze und natürlich einige Bremsbeläge.

Nun, warum das alles? Ganz klar, mich hat es eben gepackt und meine Leidenschaft fürs Mountainbiking nahm mit dem Teil richtig Fahrt auf. Ich fuhr lange MTB-Touren, nahm an Wettkämpfen teil und jagte mit vollem Einsatz meinen eigenen Bestzeiten hinterher. Außerdem schloss ich mich einer lustigen Radlergemeinschaft an, mit der ich mindestens einmal die Woche recht knackig unterwegs bin.

Diesen Stress auf den Rahmen loszulassen, liefert selbstverständlich einige Erkenntnisse, denn als kleiner Feierabend-Selbstbauer befinden sich aufwendige Ermüdungs- und Belastungstests außerhalb meiner Reichweite. Daher nahm ich die Belastungsprüfung einfach selbst in die Hand, bzw. auf den Fuß. Die Struktur hat nun neben der beachtlichen Laufleistung mehrere große Steinschläge und insgesamt 6 Stürze hinter sich. Letztere sind glücklicherweise durchweg glimpflich abgelaufen und haben nur Beulen hinterlassen.

Schuld an dem Ganzen ist dabei meine eigene Doofheit. Als Anfänger bringe ich es einfach noch nicht fertig, mich schnell und automatisch aus den Pedalen auszuklinken. Stumpf und aus dem Stand kippte ich mehrfach vor der Ampel auf den Asphalt. Einmal mehr hatte ich dabei sogar noch beide Pedale eingeklinkt. Das alles machte die Kiste aber mit und inzwischen hat der Rahmen ordentlich Patina bekommen.

Am schlimmsten waren die regelmäßigen Winterfahrten mit der „Schotterradbande“. Da flog der Dreck durchweg in großen Mengen und dank Grupetto auch im hohen Bogen aus allen Richtungen. Nach einer solchen Tortur waren das Bike und ich vollkommen mit Dreck zugeworfen. Oftmals kehrte ich erst im Dunkeln heim, duschte das Fahrrad und mich dann mit dem Gartenschlauch im Rinnstein, weil ich diese Schlammberge noch nicht mal unserem ungepflegten Vorgarten zumuten konnte. Das Bike machte das alles mit und daher traute ich mich, hier einen weiteren Schritt zu gehen.

„Aber was kann man den da noch groß verbessern?“ Nun ja „groß“ vielleicht nicht, aber so funktioniert diese Fahrradwelt nun mal nicht. Auch kleine Verbesserungen und Steigerungen sind nicht zu verachten und spielen eine Rolle. Die ganze Industrie rennt den „Gramms“ und „Watts“ hinterher, die sich dann in den „Sekunden“ und an den Stellen hinterm Komma zeigen.

Zunächst wollte ich mal mit dem Gewicht des Rahmens runter, denn hier hatte ich zunächst sehr großzügig und mit viel Sicherheit das Material eingesetzt. Wie soll das auch anders laufen, wenn man praktisch als Vorreiter mit einem exotischen Material und einer exotischen Verbindungstechnik ins Rennen geht? Dieses neue Konzept sollte nun zeigen, was es drauf hat und dabei bilden die „Gramms“ nun mal eine relevante Größe. Einen haltbaren Fahrradrahmen kann man auch aus Beton oder aus Eisenbahnschienen bauen, aber leicht würde der vermutlich nicht werden.

Die Bauweise mit vernietetem, hochfestem Aluminium sollte nun zeigen, dass ein konkurrenzfähiges Rahmengewicht möglich ist. Meine neue Konstruktion würde um die 1.400 g auf die Waage bringen. Eventuell ginge hier sogar noch weniger, aber alles hübsch der Reihe nach. Auch an der Geometrie sollte sich zunächst nicht ändern, da die gewonnenen Erkenntnisse so bestmöglich einfließen können. Hier und da erkannte ich, wo Materialeinsparungen möglich waren und auch wo konstruktive Lösungen mit weniger Gewicht umsetzbar erschienen. Die einzelnen Bauschritte beschrieb ich in einem Blog unter der Rubrik „Rahmenbau“, die hier im Forum veröffentlicht wurde.

Großen Spaß machte mir dabei die akribische Gewichtsoptimierung im Detail, selbst wenn es bisweilen nur um einige wenige Gramm ging. „Ach da kommt es doch nicht drauf an, fünf Schweißtropfen wiegen da schon mehr“. Das mag stimmen, aber wenn 10 kg einen Unterschied machen, dann machen auch 10 g einen Unterschied. Klar, die Tagesform und viele andere Einflüsse mögen größer sein, aber am Ende zählt einfach jedes Gramm.

Highlight ist natürlich der einzigartige, selbstgebaute Rahmen aus hochfestem Aluminium
# Highlight ist natürlich der einzigartige, selbstgebaute Rahmen aus hochfestem Aluminium

Besonders auf einem 30 Minuten Strava-Bergsegment, auf dem man alles gibt und am Ende geschissene 2 Sekunden zu lange gebraucht hat. Jetzt darf jeder den Taschenrechner rausholen und nachrechnen, wie viel Gramm da wohl zu viel unterwegs waren. Ganz klar, das neue Bike sollte hier rocken und eine spürbare Verbesserung liefern.

Wie, ist hier jetzt wirklich das Wort „Strava“ gefallen? Ich fürchte schon und ich möchte hier kurz beschreiben, welchen Einfluss dieses Portal auf mich und das Bike hatte. Zunächst fand ich das „Online-Vergleichstool“ ja albern und überflüssig. Ich möchte behaupten, in meinem Alter ist die Teilnahme sogar ansatzweise peinlich, schließlich wird „ja nur zum Spaß“ und „zur Entspannung“ gefahren. Leider verfüge ich nicht über die geistige Reife und auch nicht über die nötige innere Ruhe, um dieser Argumentation aufrichtig zu folgen.

Als ich zunächst nur die kostenlose Version nutzte, um die Fahrzeiten an meinem Hausberg regelmäßig zu überprüfen, wurde ich im Wald von wildfremden Leuten angesprochen. Die konnten mir nebenbei auch noch andere Zeiten und Leistungen meiner Fahrten nennen. Manche waren mir selbst bis dahin unbekannt. Plötzlich erhielt ich Nachrichten, die sich auf meine gefahrenen Segmente bezogen, bevor ich überhaupt fertig geduscht war.

Mehr und mehr stellte ich fest, dass sich die Außenwelt mit der Analyse meiner Radfahrerei besser auskannte als ich selbst. Das sollte sich ändern und ich stockte auf die Bezahlversion auf. Tatsächlich konnte ich mit einigen guten Sportlern mithalten und manchem 30-jährigen die Stirn bieten. Das motivierte mich und da fühlte ich mich jung und großartig. Dafür brauchte ich auch ein besseres Fahrrad, welches mich nachhaltiger vor den gefürchteten „Oh-Nein! Du bist ein Loser“ E-Mails schützen würde. Erst später fand ich heraus, wie man diese E-Mails einfach abschalten kann.

Eine weitere Leidenschaft machen die schon erwähnten langen Touren aus. Mich fasziniert es, mit dem Bike unter dem Hintern große Distanzen fahren zu können. Ich fühle mich unsterblich, wenn ich 100 km von daheim entfernt durch die Wälder rolle und am eigenen Körper spüre, was mein Fahrrad und ich zusammen vermögen. Hier gedenke ich mich noch zu steigern und träume von der 300 km MTB-Tagestour. Da macht das Gewicht, besonders wenn ordentlich Höhenmeter dabei sind, schon einen Unterschied. Also feilte und bohrte ich das Material heraus, wann immer dies möglich war.

Die genietete Bauweise macht es zudem möglich, den Rahmen praktisch fertig aufzubauen, ohne einen einzigen Niet setzen zu müssen. Mit den sogenannten „Heftnadeln“ oder „Clecos“ lassen sich die gebohrten Bleche wie ein Märklin-Baukasten temporär zusammenfügen. Das Konstrukt erhält dabei ein seltsam anmutendes „Pin-Head“ Aussehen, welches mich an diese Fratze aus „Hellraiser“ erinnerte. Das ist ein Horror-Kultfilm aus den 80er Jahren. Dabei kam mir die Idee mit einem Quatschfoto, wofür ich meine Frau als Fotografin schnell begeistern konnte. „Du, wir hängen den Rahmen an unseren Schneeketten auf, ich schneide mir die Haare ab, mache eine dämliche Grimasse und pudere mir die Visage kalkweiß“. Außer mir traut sich das sowieso keiner und dann erfährt jeder, wer die Idee mit dem genieteten Fahrradrahmen hatte, so quasi als Copyright. „Wir machen den Rolladen runter und dann färbst Du das im Photoshop schön blaustichig, wie auf dem Kinoplakat.“

Ich war allerdings kurz davor diese Idee noch zu verwerfen, nachdem ich mir den alten Filmstreifen der Vollständigkeit halber mal reinzogen hatte. Mann, was für ein mieser Vollschrott und gruselig oder spannend war es auch nicht. Das begann mit so einer Art Voldemort-Story, bei der der Bösewicht beim Aufstieg seinen Körper verloren hatte. Wie bei Harry Potters Gegenspieler war er jetzt bei der Wiedergeburt auf andere angewiesen und musste seine Missetaten outsourcen. Das fand ich noch halbwegs abgefahren. Nur was diese bescheuerten Angelhaken in den Latex-Lappen bedeuteten und welche die Rolle diese anderen mutierten Freaks hatten, das wollte sich mir nicht erschließen, gleichwohl ich den Film nüchtern ertrug.

Hommage an das „Hellraiser“ Filmplakat
# Hommage an das „Hellraiser“ Filmplakat

Ich eiferte also jenem Tag entgegen, an dem ich das Teil endlich aus der Helling (Rahmenlehre) nehmen würde, um mit dem Aufbau zu beginnen. Darauf freute ich mich tierisch, denn der Aufbau eines MTBs mach einfach wahnsinnig Spaß. Folglich wurde die Fertigstellung des Rahmens förmlich zelebriert. Dabei kam mir die Idee, den Rahmen wie König Artus sein Schwert „Excalibur“ aus einem Stein zu ziehen“. Also hatten wir wieder ein Quatschfoto am Start.

Wir benötigten dazu eine Krone und ein Kettenhemd. Im Netz fand sich eine solche Requisite recht schnell und beim Burger-King bekommt man so eine Pappkrone, auch ohne was von dem Mist zu bestellen zu müssen. Um nicht zu viel Aufsehen zu erregen und aufgrund der Lichtverhältnisse machten wir uns früh am Morgen auf zum Fotoshooting zur lokalen „Menhiranlage“, einer Kultstätte aus der Jungsteinzeit. Hier schauen schöne runde Granitbrocken aus der Erde und auch die Baumkulisse passte dazu.

Als wir den kleinen Spaziergang vom Parkplatz aus bewältigt hatten, hatten sich uns jedoch einige Neugierige angeschlossen, die wissen wollten, was der Typ im Kettenhemd mit der Burger-King Krone und dem komischen Blechding in der Hand wohl vorhatte. Eine Gruppe rüstiger Damen sprach mich sogleich auf das Gewicht des Hemdes an, weil ich mich darin recht schwerfällig bewegte. „14 kg“, antwortete ich, das entsprach etwa dem zehnfachen des Rahmengewichtes.

König Artus zieht das berühmte Schwert aus dem Fels
# König Artus zieht das berühmte Schwert aus dem Fels - oder ist es doch IBC-User Flugzeugradler mit seinem frisch fertig gestellten Rahmen?

Leichte Laufräder sollte das neue Bike ebenfalls bekommen und da surfte ich eine ganze Weile nach Lösungen. Zunächst sollte es ein 28er Laufradsatz mit Chris-King Naben werden, den hatte ich schließlich mit einiger Begeisterung auf dem Vorgänger schon ausprobiert. Mit den 50er G-One Speed Reifen flutschte der nur so über die Schotterwege und zischte über den Asphalt. Aber bei den Cross-Country Zeitrunden, die ich recht regelmäßig abfuhr, passte mir ein 2.25er x 27,5 Reifen einfach etwas besser. Ja, damit gehe ich einen anderen Weg, als ihn die MTB-Industrie vorschreibt. Dieses Fahrrad bekommt einen kleinen Laufradsatz ohne Boost.

Den ganzen Winter lang pflegte ich EXCEL-Tapeten mit Speichen, Naben und Felgen. Ich wollte unbedingt bei 1.000 g rauskommen, aber das wollte einfach nicht so recht hinhauen. Mit einer Menge Ideen im Gepäck meldete ich mich beim Radsport-Müller in Alzenau und wir besprachen beim Espresso meine Hirngespinste. Ein in der Radsport-Szene durchaus angenehmes Klischee.

Am Ende entschied ich mich für Carbon-Ti Naben, weil die vom Klang her an die Chris-King Naben erinnerten. Außerdem gab es die in einem herrlichen, dunklen glitzer-rot, was schön zu der geplanten schwarz-rot-silber Farbgebung passte. „Aber die tausend Gramm kannst Du vergessen“ wurde ich eines Besseren belehrt. „Rechne mal so mit 1.100“ musste ich mir anhören. In meinem Kopf flog ich über das imaginäre EXCEL-Sheet und ich überschlug das Gesamtgewicht des Fahrrades mit den übrigen Anbauteilen.

„Aber wehe, das Bike bleibt nicht unter 8 Kilo“, entgegnete ich. Nach einer gefühlt endlosen Wartezeit erhielt ich schließlich die ersehnte E-Mail. „Deine Laufräder sind fertig“. Die Lieferengpässe, unter welchen die Fahrradwelt inzwischen litt, hatten für gehörig Verzögerung gesorgt. Mit Reifen, Fahrrad und Waage im Gepäck fuhr ich nach Alzenau und wir arbeiteten zusammen, bis das Bike mit montierten Reifen endlich an der Waage hing: 7.835 g. Leider blieb es nicht ganz dabei.

An der Front ist eine SID Word Cup Federgabel mit 100 mm Federweg verbaut
# An der Front ist eine SID Word Cup Federgabel mit 100 mm Federweg verbaut
Verzögert wird mit einer  Formula R1 Racing Bremsanlage
# Verzögert wird mit einer Formula R1 Racing Bremsanlage
Der extrem leichte 27,5" Laufradsatz von Radsport-Müller in Alzenau kommt mit Carbon-Ti Naben
# Der extrem leichte 27,5" Laufradsatz von Radsport-Müller in Alzenau kommt mit Carbon-Ti Naben

Worauf hast du beim Aufbau deines Bikes besonders geachtet?

Auf das Gewicht, wobei ich hier und da auch Kompromisse einging. Zudem wählte ich mal einen anderen, unüblichen Ansatz, der der Industrie in dieser Form nicht offensteht. Ich baute das Rad zunächst an der unteren Grenze meiner Überlegungen und behielt mir Maßnahmen vor, die Festigkeit und Steifigkeit in Schritten erhöhen zu können. Leichtbau und Robustheit sind zwei Paar Schuhe und ich näherte mich dem Ideal von der schwachen Seite aus.

Dies betraf zunächst die Kettenstreben, die auf dem Bild noch das erste Stadium zeigen. Tatsächlich waren die etwas weich und im Wiegetritt fiel die Verformung nach meinem Dafürhalten grenzwertig aus. Auch die Hinterradbremse verformte (elastisch) die Sattelstrebe. Dies kam auch nicht überraschend, aber ich wollte eben genau wissen, was los ist und das geht nur im Test. Am Ende entschloss ich mich, hier mit Verstärkungen zu reagieren. Die hoben das Rahmengewicht am Ende nochmal um 80 g an, aber nun funktionierte alles, wie es soll.

Wie geht es mit deinem Bike weiter?

Die Pläne beschränken sich jetzt auf die Touren und auf das Auskosten der Leistung, die mir hier zur Verfügung steht. Daher sehe ich die nahe Zukunft erst einmal beim Sport, bei größeren Distanzen, neuen Bestzeiten. Es macht großen Spaß zu erleben, wie hier die Gedanken und der ganze Einsatz einen merklichen Einfluss auf die genannten Größen haben.

Auch existieren einige Ideen, das Tretlager und das Steuerrohr ebenfalls in Alu zu bauen. Derzeit bestehen die aus Stahl, was aber kein so großer Nachteil ist. Cool wäre ein Rahmengewicht von 999 g, aber da bin ich auch theoretisch noch nicht ganz angekommen. Hier muss die Erprobung nun Erkenntnisse liefern.

Welchen Einsatzbereich hat das Bike?

Cross-Country mit hohem Gravelanteil.

Was wiegt das Bike?

7.970 g

Was ist dein persönliches Highlight an deinem Bike der Woche?

Die Fotoserie, die kurz nach der Fertigstellung entstand. Als ich beim Bier vor der Trinkhalle in Darmstadt feuchtfröhlich in den Kreisen der Schotterradbande den Rollout meines neuen Boliden ankündigte, ja so läuft das hier bei uns, bot mir Viktor an, das Bike „mal richtig abzulichten“. Nun, die Fotos machte bislang immer meine Frau und wie ich meine auch wirklich gut. Dies wollte ich Ihr auch nicht aus der Hand nehmen. Also fragte ich schlicht, ob ich sie nicht mitbringen könne.

Damit war er sofort einverstanden und so machten wir eine Fotosession zu dritt. Eine derartige Bilderserie ist eine Menge Arbeit, auch wenn ein Profi wie Vik am Werk ist. Ich hatte die Rolle des Beleuchtungs-Assistenten und des Fusselsammlers und die beiden erfahrenen Fotografen bedienten unter Viktors Kommando die Kamera und die Software. Eine schöne Erfahrung und ein spitzenmäßiges Ergebnis, wie ich meine.

An dieser Stelle möchte ich allen, die an diesem Projekt mitgewirkt haben, meinen herzlichen Dank aussprechen. Danke an meine Frau, Vik Schwirkschlies, die Schlosserei Bornschlegel, Thomas von CNC-WorX und Andreas von Radsporttechnik Müller.

Die schlichte schwarz-rot-silber Farbgebung ist schick
# Die schlichte schwarz-rot-silber Farbgebung ist schick

Wie fährt sich das Rad?

Da sich die Geometrie kaum vom Vorgänger unterscheidet, bestehen hier Ähnlichkeiten. Es ist aber durch die Bank etwas flotter und es gibt tatsächlich Leistungszuwächse, die ich hier eindeutig der Technik zuschreibe. Das traue ich mir zu, da ich einige Strecken schon zigmal auf Zeit gefahren bin und hier über viel Vergleichsmaterial verfüge. Kurz gesagt: „Es rennt wie die Drecksau“ und ich kann es kaum erwarten, das Teil auf meine Segmente loszulassen. Und auf längere Touren freue ich mich auch schon.

Wie bist du zum Mountainbiken gekommen?

Wie schon gesagt, über meine Tochter, der ich das Radfahren beibrachte. Ich selbst fahre seit 2018.

Die genietete Bauweise bringt eine ganz besondere Optik mit sich
# Die genietete Bauweise bringt eine ganz besondere Optik mit sich

Mountainbiken als Lifestyle / die Industrie – deine Sicht.

Die Industrie befindet sich immer noch in einem anhaltenden Aufschwung. Meiner Ansicht nach ist es aber mehr die E-Bike-, sprich die Zweiradindustrie, die hier die größten Zuwächse und Erfolge verbucht. Motor-Fahrrad fahren ohne Helm ist praktisch überall legal und inklusive der passenden Technik höchst praktikabel. Wer die Füße im Kreis bewegen kann, der kann zusammen mit dem sportlichen Image im Gepäck seine Runden drehen.

Da greift der Kunde gerne zu, denn auch für ihn erschließen sich bislang unerreichbare Gipfel. Auf manchen MTB-Trails bilden die E-Biker inzwischen sogar in der Mehrzahl und Begriffe wie „Bio-Biker“ werden nötig. Das ist auch ok, ich gönne jedem seinen Spaß auf seinem Pedelec und ich bin der letzte, der sich hier anmaßt, auszusprechen, was cool ist und was nicht.

Nur mir geht es bei Radfahren um andere Dinge. Ich möchte nicht nur ankommen und dort gewesen sein, ich möchte die Strecke selbst, ja höchstselbst erfahren. Die Auseinandersetzung mit dem Berg, den Elementen, der Zeit, der Distanz, dem leichten Fahrrad und meinem ganz eigenen Watts stehen dabei im Mittelpunkt. Hier brauche ich nur eine Welt, hier fahre ich nicht auf kleinster Stufe und hier bin ich vollkommen ausreichend motiviert. Und ganz nebenbei läuft es verdammt gut, auch ohne Motor.

Wir wünschen noch viel Spaß, schnelle Zeiten und lange Touren mit dem schicken Rad!
# Wir wünschen noch viel Spaß, schnelle Zeiten und lange Touren mit dem schicken Rad!

Technische Daten: Lukasczyk Duralräder Version 2

Rahmen: Eigenbau
Gabel: RockShox SID Word Cup in 27,5, 100 mm
Steuersatz: Crane Creek Hellbender
Bremsen: Formula R1 Racing, 160 mm vorne, 140 mm hinten
Vorbau: Extralite Hyperstem 100 mm
Lenker: Extralite HyperBar, gekürzt auf 62 cm
Griffe: Extralite
Felgen: Geheimnis von Radsporttechnik Müller (Carbon unter 300 g), 27,5 Zoll, 25 mm
Naben: Nabe vorne: Carbon-TI X-HUB SP Disc QR15 28, Nabe hinten: Carbon-TI X-HUB SP Disc X-12 28
Reifen: Schwalbe Thunder Burt 2,25, 27,5
Kurbel + Innenlager: SRAM XX1, Pressfit 41 x 89,5-92 mm
Kettenblatt / Kettenblätter: Alugear 40T
Kettenführung / Umwerfer: bauartbedingt nicht vorhanden
Schalthebel: SRAM XX1 AXS Eagle 12-fach
Schaltwerk: SRAM XX1 AXS Eagle 12-fach
Pedale: XPEDO MForce 8 Ti
Zughüllen: bauartbedingt unvorhanden
Kette: SRAM XX1 Eagle 12-fach, Hollow Pin
Kassette: SRSRAM Eagle Kassette XG-1299 10–50 T, schwarz
Sattel: Becker
Sattelstütze: bauartbedingt nicht vorhanden
Sattelklemme: bauartbedingt nicht vorhanden

Über das Bike der Woche

Ihr habt auch ein Bike, das sich bestens in die ehrenhafte Riege der „Bikes der Woche“ einfügen kann? Dann lest euch die Regeln für folgendes Album durch und ladet ein Bild in selbiges hoch. Viel Erfolg! Hier zu den Regeln: fotos.mtb-news.de/p/1290006 / Das Album findet ihr hier: mtb-news.de/s/55943.

Die 20 letzten Bikes der Woche findet ihr hier: 

Alle Bikes der Woche? Hier klicken!

  1. benutzerbild

    guiba

    dabei seit 11/2004

    Respekt. Ein sehr gelungenes Projekt.
    Ich hoffe, dass ich es mal live auf dem Meli erleben kann.
    Und…es lebe der SVD. Die Sonne scheint…..
  2. benutzerbild

    Whip

    dabei seit 06/2008

    Auf den ersten Blick fand ich es hässlich... aber je länger ich es anschaue umso besser gefällt es mir. Und dann unter 8kg.... hätte ich bei der Optik auch nie gedacht. Mega cool.
    Wahnsinns-Projekt, höchsten Respekt und ein sehr sympatischer Typ!
  3. benutzerbild

    Robeuten

    dabei seit 10/2020

    +1
    Besser kann mans im Grunde nicht zusammenfassen! smilie
    Ich kann mich nur anschließen - bin ja mehr der XTR-Fahrer, aber der Rahmen - egal, wie gut der objektiv sein mag - ist der Hammer! Das Meiste, was hier so vorgestellt, ist für einen hardcore cross-country biker elendes Poserzeugs; gut, um an der Eisdiele zu protzen, aber zu viel bling bling, zu wenig Optimierung.
    Ich bin absolut positiv überrascht, wie leicht Thomas das gebaut hat - S/W ratio wäre spannend für die Fraktion wie mich (=über 80kg)...
    Wirklich, allerhöchsten Respekt für diese Leistung!
  4. benutzerbild

    ufp

    dabei seit 12/2003

    👍 👋

    Interessant, beeindruckend und lässig 8-).


    Einzig die zu vielen Aufkleber und das Grau auf der Sram Kurbel stört ein wenig smilie.

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