Welchen Einfluss hat der Brexit auf die Fahrrad-Industrie? Seit Anfang des Jahres ist das Vereinigte Königreich kein Teil des EU-Binnenmarkts und der Europäischen Zollunion mehr. Die ersten Auswirkungen sind schon jetzt zu spüren. Aber wieso steigen nun die Preise? Wir erklären euch, was es mit den Zöllen auf sich hat!

Brexit: Das ist der aktuelle Stand

Am 31.01.2020 ist das Vereinigte Königreich aus der EU ausgetreten. Nach einer fast einjährigen Übergangsphase sind Großbritannien und Nordirland nun kein Teil des EU-Binnenmarkts und der Europäischen Zollunion mehr. Zuvor haben die Europäische Union und das Vereinigte Königreich rund vier Jahre lang über ein Freihandelsabkommen, das zukünftig die wirtschaftlichen Beziehungen regelt, verhandelt. Dieses Freihandelsabkommen wurde am 24.12.2020 verabschiedet und ist seit dem 01.01.2021 in Kraft – ausführliche Hintergründe dazu findet ihr hier.

Seit dem 01.01. sind zahlreiche Bikes und Produkte aus dem Vereinigten Königreich spürbar teurer geworden
# Seit dem 01.01. sind zahlreiche Bikes und Produkte aus dem Vereinigten Königreich spürbar teurer geworden - das liegt am Brexit und dem Freihandelsabkommen, das regelt, in welchem Fall zusätzliche Zollgebühren fällig werden. Der entscheidende Faktor ist hierbei der Warenursprung.

Unklar ist, wie sich dieses Freihandelsabkommen langfristig auf die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und der Vereinigten Königreich auswirkt. Erste Tendenzen auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die Fahrrad-Industrie sind aber schon jetzt abzusehen: Preise von britischen Produkten werden größtenteils deutlich steigen, die Verfügbarkeit dürfte erschwert werden. Wir geben euch einen Überblick über die ersten Erkenntnisse.

Anmerkung: Das Vereinigte Königreich umfasst die Länder England, Schottland, Nordirland und Wales. Zum besseren Textverständnis werden die Begriffe Großbritannien bzw. britisch hier synonym verwendet. Dafür möchten wir uns vorab bei allen Englisch-Lehrer/innen, die diesen Unterschied mühevoll im Unterricht vermitteln müssen, entschuldigen. 

Höhere Preise – trotz Freihandelsabkommen!?

Im Freihandelsabkommen ist unter anderem ein zollfreier Warenverkehr zwischen Produkten aus Europa und Produkten aus dem Vereinigten Königreich geregelt. So soll man beispielsweise in Deutschland auch weiterhin Produkte, die aus England kommen, ohne Probleme oder zusätzliche Zollgebühren kaufen können. Der Knackpunkt an der Sache: Wann gilt ein Produkt als eines, das aus Europa oder aus dem Vereinigten Königreich stammt? Die Antwort auf diese Frage dürfte zukünftig eine entscheidende Rolle spielen und maßgeblich über mögliche Preiserhöhungen entscheiden.

Entscheidend ist: Wo wird das Produkt hergestellt? Wenn dies im Vereinigten Königreich passiert und in die EU verkauft wird (oder umgekehrt), dann werden auch nach dem Brexit keine zusätzlichen Zollgebühren fällig
# Entscheidend ist: Wo wird das Produkt hergestellt? Wenn dies im Vereinigten Königreich passiert und in die EU verkauft wird (oder umgekehrt), dann werden auch nach dem Brexit keine zusätzlichen Zollgebühren fällig - Hope produziert beispielsweise praktisch alle Produkte in England. Die Frage nach dem Warenursprung ist hier klar zu beantworten.

Beispiel 1: Ein Vorbau von einer britischen Firma wird vor Ort in UK gefräst und anschließend nach Deutschland verkauft. 

Dieses Beispiel ist relativ simpel: Das Produkt wird im Vereinigten Königreich produziert. Der zollfreie Warenverkehr ist in diesem Fall durch das Freihandelsabkommen geregelt. Es gibt keine Preiserhöhung. 

Beispiel 2: Ein Fully-Rahmen, der in Deutschland produziert wird, wird mit einem Dämpfer, der nicht in der EU hergestellt wird, ausgestattet und anschließend nach England verkauft. 

Hier wird es schon etwas komplizierter, da der Rahmen, nicht jedoch der Dämpfer aus der EU stammt. Da jedoch ein erheblicher Teil des Produkts aus der EU stammt, fallen auch hier keine zusätzlichen Zölle an. Es gibt keine Preiserhöhung.

Beispiel 3: Ein Komplettbike einer britischen Firma soll nach Deutschland verkauft werden. Die Endmontage des Komplettrads findet in Großbritannien statt. Nahezu alle Komponenten und auch der Rahmen werden jedoch in Asien produziert.

Dadurch liegt der Warenursprung des Komplettbikes nicht im Vereinigten Königreich – dadurch fallen zusätzliche Zollgebühren an. Es gibt eine Preiserhöhung. 📈

Relevant für die Beantwortung der Frage, ob sich die Preise verändern oder nicht, ist also der Ursprung der Ware. Liegt dieser zumindest überwiegend im Vereinigten Königreich oder in der EU, dann ist ein zollfreier Handel möglich. Oftmals werden die Produkte aber nicht lokal, sondern in Asien hergestellt – häufig liegt also eine Konstellation wie in Beispiel 3 vor. In diesem Fall wird eine zusätzliche Zollgebühr in Höhe von etwa 15 % fällig. Man kann also davon ausgehen, dass viele Produkte von britischen Firmen entweder schon deutlich teurer geworden sind oder in den kommenden Wochen im Preis erhöht werden – und zwar unabhängig von etwaigen Preiserhöhungen durch die Corona-Pandemie.

Die Bikes von Nukeproof werden in Nordirland designt und entwickelt. Die Produktion findet aber in Asien statt.
# Die Bikes von Nukeproof werden in Nordirland designt und entwickelt. Die Produktion findet aber in Asien statt. - Der Warenursprung liegt somit nicht mehr in UK. Wird das Rad nun in ein Land der Europäischen Union verkauft, wird bei Komplettbikes eine zusätzliche Zollgebühr in Höhe von 14 % fällig.

Wie reagieren die Bike-Firmen? Wer erhöht die Preise?

Nukeproof: Preiserhöhung ab 01.01.2021

Die nordirische Firma Nukeproof hat via Facebook eine generelle Preiserhöhung verkündet und dies mit den Zollgebühren begründet. Ein Blick auf die Preise des kürzlich vorgestellten Nukeproof Giga macht es deutlich: Die edel ausgestattete Factory-Variante hat in Europa eine unverbindliche Preisempfehlung von 6.999 €. In Großbritannien liegt diese bei 5.499 £, was umgerechnet etwa 6.200 € entspricht. In Deutschland ist das neue Giga also etwa 13 % teurer als in Großbritannien. Zusätzlich hat Nukeproof generell die Preise erhöhen müssen:

Ab dem 01.01.2021 müssen wir die unverbindlichen Preisempfehlungen unserer Produkte durch den Brexit erhöhen.

Ein Großteil der Nukeproof Bikes wird in europäischen Fabriken montiert. Unsere Hoffnung war, dass durch ein Handelsabkommen keine Zölle anfallen. Leider erlaubt das nun gültige Freihandelsabkommen nur einen zollfreien Verkehr von Waren, die ihren Ursprung entweder in der EU oder im Vereinigten Königreich haben. Um einen EU-Warenursprung zu erreichen, muss mindestens 55 % des Produktwerts in der EU oder im Vereinigten Königreich produziert worden sein.

Weil ein Großteil des Produktwerts bei Nukeproof in Asien entsteht, gelten unsere Komplettbikes also nicht als Produkte mit Warenursprung in der EU, obwohl sie dort zusammengebaut werden. Auf unsere Bikes fallen also zusätzliche Zoll-Gebühren zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich an. Dazu kommen Preiserhöhungen bei den Rohmaterialien, Löhnen und aktuellen Wechselkursen, sodass wir insgesamt unsere Preise erhöhen müssen.

In der Vergangenheit haben wir versucht, während der Saison Anpassungen oder Preiserhöhungen zu vermeiden. Aktuell haben wir jedoch keine andere Wahl und sehen uns zu diesem Schritt gezwungen. Uns ist klar, dass für viele unserer Fahrer die Zeiten gerade nicht leicht sind und bedanken uns für euren Support und euer Verständnis!

As from the 1st January 2021 we have had to increase our SRP’s to reflect the change of position of the UK in Europe.

A large proportion of Nukeproof bikes are assembled in European factories and our hope was that a trade deal would allow these bikes to pass between the EU and our UK warehouse tariff free. Unfortunately, the new UK-European trade deal only allows tariff free trade on products that have either an EU or UK origin. To achieve an EU origin at least 55% of the value of the complete product must be manufactured in either the UK or the EU.

In the case of Nukeproof because most of the bikes value, e.g. frame and components, are manufactured in Asia, the complete bike is not classified as a European product (even if the bike is assembled in Europe). Our bikes therefore attract additional import duties between Europe and our UK warehouse. Combining this with price increases with rising raw materials, labour and current exchange rates we have already seen, it leaves us with little option but to increase our SRP’s.

Whilst we have always tried to fend off unnecessary/ unwanted in-season pricing restructures in the past, these are unavoidable costs in unprecedented times, and we are forced to reflect the update with immediate effect.

We understand these are difficult times for many of our riders and we truly appreciate your support and understanding,

Kind Regards,

The Nukeproof Team

Last produziert das im letzten Jahr vorgestellte Tarvo in Deutschland
# Last produziert das im letzten Jahr vorgestellte Tarvo in Deutschland - der Dämpfer stammt sehr wahrscheinlich hingegen aus einem Nicht-EU-Land. Da aber mehr als 55 % des Warenwerts in der EU produziert werden, liegt somit auch der Warenursprung in der EU. Folglich wird keine zusätzliche Zollgebühr fällig, wenn Last einen Rahmen ins Vereinigte Königreich verkauft.

Cotic: Neue Regeln für den EU-Export

Auch Cotic hat die Auswirkungen des Brexits und des neuen Freihandelsabkommens zu spüren bekommen. Die kleine Marke aus Sheffield bietet verschiedene Rahmen und Komplettbikes an. Zum 01.01.2021 hat Cotic zeitweise den Verkauf in die EU komplett gestoppt, mittlerweile aber wieder aufgenommen. Für Cotic war die Situation zunächst sehr unklar: Die Rahmen werden in Großbritannien designt und produziert; Kleinteile stammen jedoch auch aus Taiwan. Anschließend werden die Rahmen in Großbritannien zusammengebaut. Der Warenursprung war zunächst also nicht klar, sodass Cotic zeitweise den Verkauf in die EU gestoppt hat.

Mittlerweile hat Cotic ein aktualisiertes Statement veröffentlicht. Cotic weist darauf hin, dass diese Regeln nur für die eigenen Produkte gelten und nicht zwangsläufig auch auf andere Bike-Hersteller aus Großbritannien übertragen werden können. Die wichtigsten Änderungen sind:

  • weil die Dämpfer, die nicht im Vereinigten Königreich produziert werden, sehr teuer sind, ist eine klare Regelung kompliziert
  • auf Rahmen, die Cotic in Großbritannien produziert, fallen keine zusätzlichen Zollgebühren an, wenn sie in die EU verkauft werden – unabhängig vom Dämpfer und kleineren Teilen wie dem Steuersatz, auch wenn diese aus Asien stammen
  • auf Rahmen, die Cotic in Taiwan produziert, fallen ein Einfuhrzoll von rund 5 % sowie Bearbeitungsgebühren an. Cotic geht davon aus, dass ein BFeMax-Rahmen, der bislang rund 600 € gekostet hat, rund 40 bis 50 € teurer wird. Das entspricht einer Preiserhöhung von insgesamt knapp 10 %.
  • auf alle Komplettbikes fällt eine zusätzliche Zollgebühr von 14 % an. Dadurch werden die Komplettbikes von Cotic in Deutschland rund 350 bis 600 € teurer. Kunden aus der EU, die direkt bei Cotic bestellen, zahlen zunächst den Preis ohne Steuer. Die lokale Steuer, in Deutschland also die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 %, sowie die Zollgebühren werden dann bei der Auslieferung fällig.
Hey Hi,

Well, it took a few days of digging to get there, but we finally have our new working practices in place for our EU customers. We contacted all our customers with orders already placed with deposits individually last week, as we wanted to make sure they understood their situation specifically rather than seeing a general mailshot like this.

EU Export – New Rules

Before I get into this in detail, please remember that this is Cotic specific. We have a particular implementation because of our UK made frames and also because we sell predominantly mountain bikes. This means our bikes generally have very high value suspension bolted to them (the same, if not more than the frame cost sometimes) which is what stops us qualifying for tariff free trade on bicycles in all cases regardless of the origin of the base frame. Some other companies will have different tariff applications, because of their supply and bike spec situation. So, without further ado, this is what you can now expect from Cotic:

UK Made Frames

UK made frame only orders (so that is currently RocketMAX and Rocket) attract Zero duty when shipped to the EU. This is regardless of the damper specified, and can also stretch to include headset and BB and certain other items usually associated with „frame only“ orders, mainly because in the vast majority of cases it involves UK made Hope parts.

Taiwan Made Frames

All Taiwan made frame only orders will attract 4.7% import duty, and the associated handling fees for customs. As an example, we have calculated that a customer in the EU with a BFeMAX frame ordered will pay EUR40-50 more now.

Complete Bikes

All Cotic bicycles attract 14% import duty. This means that with handling fees our bikes have become EUR350-600 more expensive depending on specification.

The flip side of this in our home market is that this also works the other way, and our European based competitors bikes have increased in price by 20% or more, which means we are now more price competitive in our home market. Silver linings and all that…..

All purchases made by EU customers are now charged without 20% UK VAT. This means the price you pay Cotic will be much lower initially, but you will have VAT and the import duty and fees applied in transit, which will be payable by the customer to the courier when the frame or bike arrives.

Shipping

If you live in the EU and already have an order on with us for a frame or bike, then shipping is still included in the price and we will honour that regardless of what happens in the next few weeks.

We aim to continue with that with new orders, but we are keeping an eye on pricing. At the moment the prices remain similar to pre-Brexit, but some services such as DPD Road is currently suspended whilst they figure out their new border operating procedures, and the other services available are currently giving out 11-14 day transit times. Again, I suspect this is due to needing new and more involved operating procedures at borders. It will improve over time as the new rules settle in, but we reserve the right to increase shipping fees if we see major increases on our usual services.

So that’s it. Thanks for your patience, and as always, we’re on the end of an email or the phone if you’re unsure about anything. We’re happy to talk things through.

Cheers,

Cy
Founder and Director

Bei Cotic wird es schon komplizierter: Die britische Firma produziert manche Rahmen vor Ort (-> keine Preiserhöhung), andere hingegen in Taiwan (-> 4,7 % Zoll). Außerdem wird auf Rahmen ein anderer Zollsatz angewendet als auf Komplettbikes (-> 14 %).
# Bei Cotic wird es schon komplizierter: Die britische Firma produziert manche Rahmen vor Ort (-> keine Preiserhöhung), andere hingegen in Taiwan (-> 4,7 % Zoll). Außerdem wird auf Rahmen ein anderer Zollsatz angewendet als auf Komplettbikes (-> 14 %).

Vitus Bikes und Superstar Components: Aktuell kein Verkauf in die EU

In den vergangenen Jahren hat die britische Marke Vitus mit Preis-Leistungs-Krachern wie dem Escarpe oder dem Mythique für Furore gesorgt. Die günstigen Komplettbikes sind direkt über die Online-Shops Wiggle oder Chain Reaction erhältlich. Beziehungsweise: Für Kunden aus Deutschland waren sie das bis zum 31.12.2020 – aktuell kann man die Räder aus Deutschland und anderen EU-Ländern schlichtweg nicht bestellen. Ein €-Preis wird auf den Websites ebenfalls nicht angezeigt. Wenn die Bikes von Vitus wieder nach Deutschland verkauft werden, muss man jedoch mit einer saftigen Preiserhöhung rechnen. Auch hier gilt wieder: Der Warenursprung liegt außerhalb des Vereinigten Königreichs, sodass zusätzliche Einfuhrgebühren beim Verkauf in die EU fällig werden.

Vitus bietet schicke Bikes mit einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis an
# Vitus bietet schicke Bikes mit einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis an - in der Vergangenheit haben sich die Modelle problemlos über Wiggle oder Chain Reaction Cycles aus Deutschland bestellen lassen. Aktuell ist der Verkauf in die EU allerdings gestoppt.

Doch wann wird Vitus überhaupt wieder in die EU verkaufen? Ein offizielles Statement dazu gibt es bislang nicht. Auf den sozialen Kanälen kam diese Frage schon mehrmals auf. Die Antwort von Vitus dazu:

We will provide an update very soon when our retail partners will be selling back into the EU.

Vitus Bikes

Seit dieser Ankündigung vor knapp zwei Wochen hat sich bislang noch nichts getan. Wie genau es weitergeht, ist aktuell also ungewiss.

Ähnlich sieht es bei Superstar Components aus: Der Anbieter von günstigen Komponenten hat alle Verkäufe in die EU aktuell gestoppt. Die Firma mit Sitz in Lincoln hofft, dass sich die Situation demnächst klärt und der Verkauf in die EU wieder aufgenommen werden kann.

Due to the complications of the Brexit deal we are unable to ship items to Europe. We are hoping the situation will be clarified over the next few weeks and will update as we know more.

Superstar Components

Ähnlich sieht es bei Superstar Components aus: Die Teile des britischen Versenders werden in Asien produziert
# Ähnlich sieht es bei Superstar Components aus: Die Teile des britischen Versenders werden in Asien produziert - es würden also beim Verkauf in die EU zusätzliche Zollgebühren fällig werden. Außerdem muss die Abwicklung der Zollgebühren geklärt werden. Deshalb hat Superstar den Verkauf in die EU vorübergehend gestoppt.

Privateer: Saftige Preiserhöhung für EU-Kunden

Ähnlich wie Vitus hat auch Privateer im vergangenen Jahr dank spannender Bikes mit überragendem Preis-Leistungs-Verhältnis viel Aufmerksamkeit bekommen. In unserem ersten Test konnte das Trailbike 141 mehr als überzeugen – unter anderem das starke Preis-Leistungs-Verhältnis wurde als einer der dicken Pluspunkte erwähnt.

Generell ist die Nachfrage nach den Bikes von Privateer riesig. Möchte man derzeit ein 141 bestellen, dann muss man mit einer Lieferung im Oktober 2021 rechnen. Ähnlich schmerzhaft ist allerdings auch die Preiserhöhung: Das Modell, das im vergangenen Jahr noch für 3.489 € erhältlich war, kostet mittlerweile für Kunden aus Europa stolze 3.979 €. Das ist eine Preiserhöhung von fast 500 € – also rund 15 %.

Zwar hat Privateer kein offizielles Statement zu den Preisveränderungen durch den Brexit veröffentlicht. Allerdings ist davon auszugehen, dass die zusätzliche Zollgebühr in Höhe von 14 % an die europäischen Kunden weitergegeben wird. Immerhin: Auf eine zusätzliche Preiserhöhung hat Privateer bislang verzichtet. Anders als Cotic werden die Zollgebühren hier übrigens nicht bei der Auslieferung fällig, sondern direkt beim Bezahlvorgang an Privateer entrichtet.

Will man als deutscher Kunde ein Komplettbike von Privateer kaufen, muss man mit einer langen Lieferzeit rechnen.
# Will man als deutscher Kunde ein Komplettbike von Privateer kaufen, muss man mit einer langen Lieferzeit rechnen. - Zusätzlich kommt eine deutliche Preiserhöhung hinzu: Rund 500 € teurer als noch im vergangenen Jahr ist ein 141 oder ein 161.

Rose, Bike-Discount.de & Co.: Kein Verkauf nach Großbritannien

Wie sieht es in die entgegengesetzte Richtung aus? Auch hier ist die Situation kompliziert. Diverse Online-Shops und Fahrrad-Hersteller mit Sitz in Europa haben bereits angekündigt, zukünftig nicht mehr ins Vereinigte Königreich zu verkaufen. So sind Bestellungen aus UK beispielsweise bei den deutschen Online-Versendern bike-discount.de oder bike-components.de derzeit nicht möglich.

Canyon hat den Verkauf ins Vereinigte Königreich temporär unterbrochen
# Canyon hat den Verkauf ins Vereinigte Königreich temporär unterbrochen - mittlerweile kann man auch als UK-Kunde die Bikes der Koblenzer wieder bestellen. Andere Online-Shops aus der EU verkaufen derzeit noch immer nicht nach England.

Ähnliches gilt für Rose Bikes: Seit dem 20.12.2020 werden keine Bestellungen aus dem Vereinigten Königreich mehr bearbeitet. Man hoffe allerdings, dass die Situation zukünftig gelöst werden könne. Auch Canyon hat zeitweise keine Bestellungen aus dem Vereinigten Königreich zugelassen. Seit dem 16.01.2021 kann man jedoch wieder als Kunde aus dem Vereinigten Königreich ganz regulär über die Website von Canyon bestellen.

Die Abwicklung der Zollgebühren läuft dabei direkt über Canyon, sodass man als britischer Kunde keinen zusätzlichen Stress mit den Zollgebühren hat. Eine Ausnahme bilden jedoch E-Bikes: Weil die Batterie als Gefahrgut gilt, können die Koblenzer aktuell keine E-Mountainbikes nach Großbritannien versenden. Außerdem ist noch keine Lösung für den Verkauf nach Nordirland gefunden worden. Das vollständige Statement findet ihr hier.

Die Downhill-Legende Steve Peat hat sich mit seiner Firma Peaty's selbstständig gemacht
# Die Downhill-Legende Steve Peat hat sich mit seiner Firma Peaty's selbstständig gemacht - eigentlich werden die Produkte weltweit geliefert. Momentan ist allerdings keine Lieferung in die EU möglich. Als Begründung dafür wird die Corona-Pandemie aufgeführt.

Bestellungen aus UK: Das müsst ihr beachten!

Bislang war es problemlos möglich, neue Bikes, Komponenten, Klamotten und Zubehör aus britischen Online-Shops zu bestellen. Die Preise waren oft günstig, der Versand hat nur wenige Tage gedauert und die Produkte wurden wie praktisch jedes andere Paket direkt an die Haustür geliefert – ohne nervige Zoll-Abwicklung oder ähnliches.

Ganz anders sah es bei Bestellungen beispielsweise aus den USA oder aus: Allein schon aufgrund der anfallenden Einfuhr-Gebühren hat sich finanziell eine Bestellung aus Nordamerika kaum gelohnt. Dazu wurden die Pakete oft nicht bis nach Hause geliefert. Stattdessen musste man auf eine Info vom Zoll warten, dass man die Pakete dort abholen kann – aber erst nach einer Inspektion durch den Zoll-Beamten. Das hat den ganzen Prozess deutlich verlangsamt.

Produkte aus dem Vereinigten Königreich bestellen dürfte zukünftig deutlich komplizierter und nerviger sein
# Produkte aus dem Vereinigten Königreich bestellen dürfte zukünftig deutlich komplizierter und nerviger sein - das dürfte den Anreiz, bei einem lokalen Unternehmen zu shoppen, erhöhen.

Verhält es sich ab sofort mit Bestellungen aus dem Vereinigten Königreich also genauso wie bei Bestellungen aus den USA? Das ist aktuell schwer zu sagen. Generell gilt: Wer Produkte aus UK bestellen will, sollte vorher am besten dieses Dokument studieren, um herauszufinden, welche Regeln relevant sind. Ein Spoiler vorneweg: Der Import ist in mehrere Stufen unterteilt, das gesamte Dokument hat über 300 Seiten … von einer unkomplizierten Regelung kann hier also kaum die Rede sein.

Wie sieht es nun aus, wenn man von bekannten Shops wie Chain Reaction Cycles oder Wiggle bestellen möchte? Das ist aktuell noch unklar. Generell gilt: Die meisten Produkte lassen sich nach wie vor noch bestellen. Chain Reaction gibt beispielsweise direkt alle Preise inklusive deutscher Mehrwertsteuer an. Das suggeriert, dass man sich nicht selbst um die Verzollung kümmern muss und die Pakete bis zur Haustüre geliefert werden. Allerdings weist der Webshop auch darauf hin, dass durchaus lokale Steuern und Zollabgaben anfallen können – und man sich doch bitte vorher an das örtliche Zollamt wenden soll, wenn man weitere Informationen benötigt …

Bitte beachten Sie, dass lokale Steuern- und Zollabgaben anfallen können. Für genaue Information würden wir Sie bitten mit Ihrem örtlichen Zollamt Kontakt aufzunehmen. Wenn sie eine Währung oder ein Lieferland außerhalb der EU auswählen, werden Preise steuerfrei angezeigt.

Chain Reaction Cycles

Wie geht es weiter?

Bedeutet das Freihandelsabkommen in der jetzigen Form also, dass man bald gar keine Produkte von Firmen aus dem Vereinigten Königreich in Deutschland kaufen kann? Davon ist eher nicht auszugehen – allerdings muss man mit deutlichen Preiserhöhungen rechnen. Und zwar unabhängig von Preiserhöhungen durch die Corona-Pandemie, die bereits von diversen Herstellern angekündigt wurden. Bestellungen aus England, Schottland und Co. werden zukünftig also ein deutlich teureres Vergnügen.

Klar ist auch, dass derzeit sehr viel Unklarheit herrscht. Auch rechtlich und betriebswirtschaftlich ist die Situation für Firmen aus dem Vereinigten Königreich, die in die EU verkaufen (und umgekehrt) teilweise noch sehr undurchsichtig. Bis sich die Abläufe hier eingependelt haben, dürfte noch einige Zeit vergehen. Die Beispiele Canyon und Cotic zeigen jedoch, dass sich mit der Zeit durchaus Lösungen finden lassen.

boxengasse-atherton-1442
# boxengasse-atherton-1442 - Firmen, die lokal produzieren, werden also im direkten Vergleich belohnt. Generell ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass die Preise sinken.

Ob solche Lösungen auch finanziell sinnvoll sind, ist jedoch eine andere Frage. Durch zusätzliche Einfuhrgebühren in Höhe von 15 % wird aus einem Preis-Leistungs-Kracher schnell ein Bike, das preislich gar nicht mehr so wahnsinnig attraktiv ist. Auch Aspekte wie Service und Garantie dürften potenzielle Kunden zukünftig abschrecken.

Lange wurde er angekündigt, inzwischen ist der Brexit da – und denjenigen, die das für eine gute Idee hielten, dürfte inzwischen immer klarer werden, dass die Auswirkungen nicht besonders positiv sind. Produkte von den meisten britischen Bike-Firmen dürften für Kunden aus der EU deutlich uninteressanter, weil signifikant teurer werden. Auch auf europäische Hersteller und Shops, die bisher viel nach Großbritannien verkauft haben, wird sich die Situation auswirken. Aber immerhin: In der Krise liegt bekanntlich die Chance. Man darf gespannt sein, welche Bike-Firmen von der veränderten Ausgangslage profitieren.


Der Brexit und die Fahrrad-Industrie: Haben sich die Regelungen schon auf euer Kaufverhalten ausgewirkt? Wie seht ihr die Situation?

  1. benutzerbild

    isartrails

    dabei seit 01/2004

    Scheint ja leider nicht so zu sein.
    Irgendwie nahegliegend, oder? Von einer kleinen Klitsche kann man halt nicht erwarten, dass die ihre ausländischen Kunden buchhalterisch anders verwalten als die inländischen. Die sind doch alle mit den geänderten Bestimmungen heillos überfordert. Bevor die ihre Prozesse ändern, verzichten sie lieber auf Verkäufe ins EU-Ausland.
    Das sieht bei den "Großen" schon ganz anders aus: die machen mehr Umsatz mit den EU-Kunden, so dass sich die geänderten Abläufe lohnen können, die haben mehr Personal, um andere Prozesse zu implementieren und die finden möglicherweise auch andere Lösungen im Zusammenspiel mit den Versanddienstleistern.
  2. benutzerbild

    tomdoe

    dabei seit 07/2013

    Irgendwie nahegliegend, oder? Von einer kleinen Klitsche kann man halt nicht erwarten, dass die ihre ausländischen Kunden buchhalterisch anders verwalten als die inländischen.
    Wenn sich die kleine Klitsche damit rühmt jeden Kunden einzeln und individual zu beraten mit custom Geometrien etc. und sich somit Zeit nimmt für jeden Kunden, könnte man halt erwarten das es damit nicht aufhört und man sich auch für den Verkauf/Versand etwas mehr Zeit nimmt bzw. Arbeit macht.
  3. benutzerbild

    Tifftoff

    dabei seit 01/2005

    Hat von Euch jemand in letzter Zeit bei wiggle eingekauft?
    Jetzt bereits die zweite Bestellung ( mit DPD versandt ), die wieder zurück an wiggle geht.

    International Gateway:
    Parcel reconsigned for onward journey (Return To Consignor)
    International Gateway:
    Delayed at Hub

    Macht wiggle überhaupt noch Sinn? Geld wurde zurücküberwiesen.

    3. Bestellung per Hermes sitzt auch gerade beim Zoll

    Ist das bei chainreactioncycles besser ( ich weiss, dass die zu wiggle gehören )
  4. benutzerbild

    Tifftoff

    dabei seit 01/2005

    Tip für alle, die bei wiggle bestellen:

    Artikel möglichst einzeln bestellen,
    mit DHL Express und Hermes sollte es klappen.
    Mit DPD ging jede Bestellung wieder zurück,
    ( technische Problem mit einer sogenannten "EORI" Nummer )
  5. benutzerbild

    Schwarzer_Petz

    dabei seit 01/2020

    Kann ich bestätigen: DPD bekommt den Versand von CRC-Bestellungen nicht hin. Hermes und DHL gehen problemlos durch.

    Gruß

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