Ein neuer N3W-Freilauf-Standard der Rennrad-Spezialisten von Campagnolo lässt Raum für Spekulationen. Er schafft Platz für kleinere Ritzel und könnte auf ein neues Gravel-Schaltwerk hindeuten. Wir haben uns die offiziellen Infos zum Freilauf, der mit den neuen Shamal Allroad-Laufrädern Premiere feierte, genauer angeschaut und äußern unsere Gedanken.

Campagnolo ordnet die Premiere des neuen Shamal Carbon DB-Laufradsatzes selbst als Meilenstein in seiner Laufradhistorie ein. Nun sind Marketingabteilungen nicht zögerlich mit der Vergabe von Meilensteinen. In dem Fall könnte aber mehr dran sein. An den Laufrädern kommt der neue N3W-Freilauf-Standard der Italiener zum Einsatz. N3W steht dabei für „Next 3 Ways“. Campagnolo weicht damit vom bestehenden Freilaufkörper ab, der zuletzt noch für den Wechsel zu 12-fach-Schaltungen gut war. Immerhin: 11- und 12-fach-Kassetten können mittels Adapter weiterhin montiert werden.

Der neue Campagnolo N3W-Freilaufkörper ist abwärtskompatibel bis hin zu den 11-fach-Kassetten
# Der neue Campagnolo N3W-Freilaufkörper ist abwärtskompatibel bis hin zu den 11-fach-Kassetten - Voraussetzung ist, dass man den optionalen Adapter vor den schmaleren Freilaufkörper setzt – im Bild ganz rechts.

Die wichtigsten Eckdaten zum neuen N3W-Freilauf, den Campagnolo auch zur Fertigung in Lizenz anbietet:

  • baut kürzer als der alte Standard
  • ist dadurch etwas leichter
  • über Adapter abwärtskompatibel mit alten 11- und 12-fach-Kassetten
  • neue Kassetten haben Ritzel, die vor dem Freilaufkörper sitzen

Das lässt sich aus den offiziellen technischen Zeichnungen zur Lizenzerteilung ablesen. In der Zeichnung werden drei Ritzel vor dem eigentlichen Freilaufkörper positioniert. Warum? Das Prinzip kennt man von SRAM XD, wo der geringere Durchmesser für ein kleineres 10er-Ritzel genutzt wird, oder auch Shimano Micro Spline sowie e*thirteen mit einem 9er-Ritzel. Es liegt nahe, dass demnächst auch Campagnolo mindestens mit einem 10er-Ritzel als kleinste Abstufung kommen wird.

Aus der technischen Zeichnung, die zum Download für potenzielle Lizenznehmer frei verfügbar ist, wird mehr erkenntlich. Hier ein Ausschnitt
# Aus der technischen Zeichnung, die zum Download für potenzielle Lizenznehmer frei verfügbar ist, wird mehr erkenntlich. Hier ein Ausschnitt - drei Ritzel werden vor dem eigentlichen Freilaufkörper platziert, einen Lockring gibt es aber nach wie vor.

Bedenkt man nun, dass die Italiener mit der aktuellen Campagnolo Chorus 2×12-Gruppe schon eine potente Allroad-Gruppe im Programm haben, drängt sich der Verdacht auf, dass Campagnolo den Einsatzbereich seiner Schaltungen stark Richtung Allroad und Gravel erweitern will. Interessant wäre zum Beispiel die 12-fach-Kombination mit 10er-Ritzel und der existenten 48–32 Chorus-Kurbel mit einem Übersetzungsumfang von 511 %. Zum Vergleich: Die gerade vorgestellte SRAM Force eTap AXS Wide-Option bietet 516 %. Allerdings bietet Campagnolo aktuell nur mechanische Schaltwerke an, die maximal 34 Zähne bedienen dürfen und maximal eine Kapazität von 37 Zähnen aufweisen. Damit ließe sich diese Allroad-Kombi mit leichter Untersetzung schon nicht mehr fahren. Und mit den elektronischen EPS-Gruppen schon gar nicht.

Könnte gut sein, dass wir demnächst ein Schaltwerk mit ganz langem Käfig von Campagnolo sehen.

Ergo: Es müsste ein neues Schaltwerk her. Und schließlich sind bis jetzt erst zwei Nutzungswege von Next 3 Ways abgehakt: klassisch mit 11- oder 12-fach-Kassetten oder Allroad mit kleinerem Ritzel. Nach oben sind der Ritzelgröße bekanntlich ebenfalls kaum Grenzen gesetzt. Könnte gut sein, dass wir demnächst ein Schaltwerk mit ganz langem Käfig von Campagnolo sehen, das auch mehr als die bisher möglichen 34 Zähne schafft, und entsprechend auch Kassetten mit größeren Ritzeln. Das zusammen ergibt mindestens eine graveltaugliche Gruppe, vielleicht auch 1-fach-Systeme? Oder gar MTB-Gruppen?

Könnte der neue Freilauf auch auf eine kommende 13-fach Schaltung hindeuten? Wenn Campagnolo die Schaltschritte seiner existierenden Gruppen nutzen will, eher nicht. Denn die Breite des Kassettenkörpers ist in den technischen Zeichnungen bereits schmaler angegeben als die des aktuellen 12-fach-Freilaufs. Aber, wer weiß.

Was denkt ihr über die Entwicklung von Campagnolo?

Text: Jan Gathmann / Fotos: Campagnolo
  1. benutzerbild

    vanbov

    dabei seit 06/2011

    Wenn man bei Campa vernünftige Funktion haben will, muss es mindestens eine Chorus sein. Und selbst dann kostet vergleichbare Performance bei Campa wesentlich mehr.
    Vernünftige Funktion erhält man schon für „wenig“ Taler mit der Potenza. Aber der habenwilleffekt ist ab Chorus ungleich größer
  2. benutzerbild

    kleinerblaumann

    dabei seit 11/2014

    Warum nicht? Die haben mit Abstand die ergonomischten Huds am Markt!
    Geschmackssache. Ich bin selbst über 10 Jahre Campa gefahren, erst 9fach, dann 10fach, dann 11fach, auch EPS. Aber in Sachen Ergonomie gefallen mir Shimanos di2 STI besser. Und wenn dann kommen für mich eher die 9/10fach Ergopower da heran. Wie gesagt, Geschmackssache.
  3. benutzerbild

    basti_h

    dabei seit 06/2012

    Wieso ist der andere Artikel verschwunden? Sowohl hier als auch bei Rennrad News.
  4. benutzerbild

    kleinerblaumann

    dabei seit 11/2014

    Wieso ist der andere Artikel verschwunden? Sowohl hier als auch bei Rennrad News.
    Ich habe mal bei @Thomas nachgefragt und warte auf Antwort. Ich vermute, dass die Infos noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Wieso man allerdings den thread auch entfernt hat, verstehe ich auch nicht. Nur der Artikel hätte auch gereicht, wenn das denn der Grund ist.
  5. benutzerbild

    dopero

    dabei seit 07/2001

    Vernünftige Funktion erhält man schon für „wenig“ Taler mit der Potenza. Aber der habenwilleffekt ist ab Chorus ungleich größer
    Potenza gibt es anscheinend nicht mehr und es muss mindestens Chorus sein, wegen Scheibenbremse und 12-fach. Was anderes würde ich mir aktuell nicht mehr ans Rad schrauben.

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