Der Live-Blog vom Media-Launch des Direktversenders Canyon fand bei vielen von euch großen Anklang. Leider erlaubte es die Zeit nicht, weiter ins Detail zu gehen. Nun ist es an der Zeit, dies nachzuholen. Wie dem ersten Artikel bereits zu entnehmen gewesen ist, präsentierte Canyon Bikes in Garmisch-Partenkirchen zwei brandneue Modelle für das kommende Jahr. Besonders hervorstechend war das Carbon-Fully Nerve CF, welches mit flexenden Sitzstreben, den sogenannten “Flex Pivot Seatstays”, auftrumpft. Die zweite Neuerscheinung gliedert sich in die beliebte Produktlinie des Grand Caynon ein, dabei handelt es sich um ein 29″-Carbon-Hardtail – nähere Infos hier.

Der Direktversender aus Koblenz setzt ab kommendem Jahr auf den Werkstoff Carbon. Mit zwei brandneuen Modellen, basierend auf dem Kohlefaserwerkstoff, möchte Canyon mit der Zeit gehen und zeigen, dass man sich in Sachen Carbon-Kow-How nicht hinter den Größen der Fahrradbranche zu verstecken habe. Allen voran Canyon-Chef-Desginer Lutz Scheffer schwört auf den Werkstoff, welchen die MTB-Industrie zunehmend für sich entdeckt. Laut Lutz sei der größte Vorteil dieses “Wunderwerkstoffs” die deutlich längere Lebenserwartung verglichen mit einem herkömmlichen Aluminium-Rahmen. Bedenken, Carbon wäre anfällig auf Verletzung durch äußere Einflüsse, weist Scheffer entschieden zurück. Carbon sei ein hochstabiler Faserwerkstoff, der den rauen äußeren Einflüssen eines Mountainbikes leicht gewachsen sei. Schäden, die sich bei Carbon-Teilen finden lassen würden, seien meist schon auf Fehler bei der Produktion zurückzuführen, so Scheffer.

Um zu gewährleisten, dass die Kohlefaserbauteile, wie beispielsweise Rahmen, aus dem Hause Canyon nicht durch produktionsbedingte Fehler zu Schaden kommen, investierten die Koblenzer in einen teuren Computertomografen, der die Bauteile auf feine Verletzungen untersucht. Je nach Bauteil leistet sich Canyon sogar eine 100-%-Kontrolle – nur so könne man dem Kunden höchste Sicherheit sowie ein langlebiges und unempfindliches Produkt bieten.


Lutz Scheffer und das neue Canyon Nerve CF

Was mit Carbon so alles möglich ist, zeigt vor allem das neue Nerve CF, welches auf flexenden Carbon-Sitzstreben aufbaut – und das bei 120 mm Federweg. Auf einen Drehpunkt am Hinterbau im Bereich der Ketten- oder Sitzstrebe zu verzichten ist dabei keine ganz neue Idee: Das Cannondale Scalpel oder auch einige Räder aus dem Hause Yeti (z.B. das ASR 5 Carbon) setzen schon seit einigen Jahren auf eine derartige Konstruktion. Gegenüber dem Cannondale Scalpel gibt es jedoch einen klaren Unterschied – beim Cannondale flext die Kettenstrebe und übernimmt somit die Funktion von zwei Lagerstellen. Beim Nerve CF bleibt der Hinterbau im Bereich des Innenlagers weiterhin an einem Lagerpunkt aufgehängt und die Kettenstrebengabel ist bausteif, so dass hier keine elastische Biegung stattfindet. Das Nerv CF ergänzt die bisher erfolgreichste Produktlinie aus dem Hause Canyon und soll eine breite Masse an Nutzern ansprechen. Mit seinen 120mm Federweg gliedert sich das Bike ebenso im Bereich des XC-/Marathon-Fullies ein wie auch im Segment der Touren- und Allround-Fullies. Wie unser Ersteindruck zeigte, braucht sich das kleine Schwarze ebenfalls nicht vor der All Mountain-Klasse fürchten.


Canyon Nerve CF 2013

Das neue Nerve CF baut auf einem Voll-Carbon-Rahmen auf, dessen Herzstück ein vermeintlicher Eingelenk-Hinterbau mit mehrgelenkiger Abstützung ist – dieser wurde zur Gewichtsersparnis durch abgeflachte, flexende Sitzstreben ersetzt. Diese sogenannten “Flex Pivot Seatstays” lassen sich von der einwirkenden Kraft um wenige Grad durchbiegen und gewährleisten somit die typische Funktion eines echten Eingelenkers mit mehrgelenkiger Abstützung. Die Biegung der Sitzstreben ist dabei selbst in volleingefedertem Zustand mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen. Die Belastung, die auf das Material wirkt, sei minimal und wäre mit mehreren 100.000 vollausgereizten Lastwechseln überprüft worden, so Canyon. Der systembedingte Vorteil läge laut Canyon klar auf der Hand – mehr seitliche Steifigkeit im Kettenstrebenbereich, erzielt durch den fehlenden Schwachpunkt Lager. Seine lineare Federkennlinie bekommt der Hinterbau durch den schwimmend aufgehängten Dämpfer – dieser wird im oberen Bereich von einem Monocoque-Carbon-Link angesteuert.


Nerve CF Flex Pivot Seatstays

Nicht nur der Hinterbau des Nerve CF ist interessant, auch der Hauptrahmen ist es. Da man bei Canyon der Auffassung ist, dass ein Bike dieser Klasse für fast jeden Spaß zu haben sein sollte, wurde dem Nerve CF kurzerhand eine Rock Shox Reverb Stealth Variostütze verpasst. Das innen verlegte Kabel der Reverb Stealth wird im von einem Kabelschlauch geführt, dieser sorgt für nahezu widerstandsloses Gleiten des Rverb-kabels. Drei Modelle werden mit FOX CDT Federelementen, einer Reverb Stealth und einer dreifach Kurbelganitur komplettiert – sie sollen den Trail-Modelle des Nerve CF darstellen. Ein viertes Modell zielt ganz klar auf den Marathon-Einsatz ab. Es kommt mit Rock Shox XX Federelementen, einer SRAM X.O Schaltgruppe und einer SRAM XO Zweifachkurbel – das sogenannte Nerve CF 9.0 Sl stellt somit auch das leichteste Modell dieser Serie dar und bring nur knappe 10 Kilo auf die Waage. Preislich liegen die Nerve CF Modelle zwischen 2.999 und 4.499 Euro.


Canyon Nerve CF 2013 – Hinterbau

Nerve CF – die Fakten:

  • Rahmenmaterial: Carbon
  • Ramengewicht: 1.900 Gramm
  • Gewichtsersparnis: 480 Gramm gegenüber dem Nerve XC Alu-Rahmen
  • System: Flex Pivot Seatstays [ersetzen das herkömmliche Horst-Link System]
  • Federweg: 120 mm
  • 125 Gramm leichter “Rocker Arm [Wippe] aus Carbon
  • tapered Steuerrohr mit vollintegriertem Steuersatz
  • innenverlegte Zugführung
  • innenverlegte Zugführung für Reverb Stealth Vario-Stütze
  • Pressfit Innenlager
  • Aluminium Protektoren gegen Chain Suck sowie gegen Kettenschlag
  • schwimmend aufgehängter Dämpfer – linieare Federkennlinie

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Diese Fotos im Fotoalbum anschauen

Nerve CF – die Geometrie:


Canyon Nerve CF Geometrie

Nerve CF – die Ausstattungsvarianten:


Canyon Nerve CF Ausstattungen

Der Ersteindruck: Zugeben, anfangs ließ sich meine Skepsis gegenüber einem 120-mm-Bike mit flexenden Sitzstreben kaum verbergen. Meine Bedenken, die Performance würde unter dem undefinierten Einfluss einer blattfederartigen Carbon-Sitzstrebe leiden, konnten jedoch schnell ausgeräumt werden. Das Nerve CF erwies sich bereits in der Ebene als gut durchdacht und konnte mit einem vortriebsstarken Hinterbau überzeugen. Auch bergauf zeigte das Bike keine Schwächen und so erklomm das 120-mm-Fully jede noch so steile Steigung ohne ein nötiges Zutun von Absenkung oder Plattform der Federelemente. So richtig begann der Spaß jedoch auf dem Trail, vor allem wenn es mit einem leichten Gefällte dahin ging. Das Bike ließ sich spielerisch durch jede Fahrsituation zirkeln und bewies echte All-Mountain-Gene.

Besonders überzeugend war der Hinterbau, welcher sich auf dem Trail nach deutlich mehr Federweg anfühlte als dem Datenblatt zu entnehmen ist. Auch die Performance konnte überzeugen, zwar lässt sich das Fahrwerk des Nerve CF als durchaus sportlich beschreiben, doch tat das der Feinfühligkeit keinen Abbruch. Selbst bei hohen Geschwindigkeiten und rauen Untergründen ließ sich der Hinterbau nicht aus der Ruhe bringen. Das sich das Nerve CF jedoch nicht hauptsächlich an die All-Mountain Gruppe, sondern vielmehr an den Marathon-Racer und Touren-/Trail-Biker richtet, merkte man spätestens, wenn man sich in steileren Passagen einen flacheren Lenkwinkel wünschte. Alles in allem hat das neue Nerve CF mächtig viel Potenzial und dürfte wohl eine breite Kundengruppe ansprechen.


Canyon Media Launch – by Markus Greber

Zu guter Letzt noch ein kurzes Video von Canyon Bikes, dass die Entstehung des Nerve CF veranschaulichen soll. Weitere Bilder zum Thema findet ihr in diesem Album – hier klicken, um zum Canyon 2013 Album zu gelangen! 


Canyon Nerve CF – the creative process von Maxi auf MTB-News.de

Wer den “Live-Blog”-Artikel vom Canyon Media-Launch in Garmisch-Partenkirschen bisher noch nicht gesehen hat, der findet diesen hier – bitte hier klicken!

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Quelle: Infos – Canyon Media Launch / Bilder – Maxi Dickerhoff und Markus Greber

  1. benutzerbild

    manino8

    dabei seit 04/2013

    Bei der Online-Bestellung konnte ich das Schaltauge nicht auswählen, weil es für das CF nicht gelistet war, bei anderen Bikes schon. Deshalb die Nachbestellung.

    Auf FB stehen noch zig andere Beschwerden von enttäuschten Kunden, nicht nur zum Speedmax CF. Aber egal, wieso nehmen sie es nicht von der Website, wenn sie es nicht liefern können?

    Du bist anscheinend unfähig zu lesen, dann würdest du wissen, dass es nicht 3 Tage sind. Und "täglich" ist nur eine Unterstellung von Dir. Ich hab es in den letzten 4 Wochen ein paar mal versucht.

    Ich kenne genug Leute mit Canyon Bikes. Sind zum größten Teil mit der Quali und Preis/Leistung zufrieden. Aber die Lieferprobleme kennen sie alle! Man braucht auch nur mal Google anwerfen und findet genug Leute mit ähnlichen Erfahrungen. :cool:
  2. benutzerbild

    dj_holgie

    dabei seit 03/2008

    OK,OK, dann hatte ich wohl auch ein wenig Glück gehabt. Aber ein bisschen Glück gehört im Leben halt dazu .

    Aber um mal zurück zum Bike zu kommen. Ich finde das Fahrwerk erste Sahne und 120mm FW ist für mich auch ein guter Kompromiss, da kann ich selbst mit auf Marathons gehen (wenns nicht auf die letzte Sekunde ankommt), aber auch mit in den Urlaub nehmen. Also das warten lohnt sich.

    Was ist es denn jetzt für ein Specialized geworden? Ist ja dann wahrscheinlich ein 29er oder?
  3. Anzeige

  4. benutzerbild

    manino8

    dabei seit 04/2013

    Hi,

    es ist dieses in Größe "M" geworden und soll Anfang nächster Woche kommen

    STUMPJUMPER FSR EXPERT CARBON EVO 26



    29er hab ich getestet und ist wie ich finde gut für Rennen / Touren aber im Downhill macht das 26er doch mehr Spaß. Auch wenn Speci so gerne die 29er verkaufen möchte.

    Das Nerve CF ist vom Preis/Leistungsverhältnis ganz klar besser - wie bei so ziemlich allen Canyons verglichen mit Specialized - das Stumpjumper Evo allerdings auch eine ganz andere Bike-Kategorie. Es kann also durchaus sein, dass ich mir in ein paar Jahren noch so ein Nerve CF hole, dann aber mit 27,5

    Grüße aus der (verregneten) Wachau
  5. benutzerbild

    kurt1

    dabei seit 10/2002

    dj_holgie schrieb:

    Aber um mal zurück zum Bike zu kommen. Ich finde das Fahrwerk erste Sahne und 120mm FW ist für mich auch ein guter Kompromiss, da kann ich selbst mit auf Marathons gehen (wenns nicht auf die letzte Sekunde ankommt), aber auch mit in den Urlaub nehmen. Also das warten lohnt sich.


    Hi Holgie,

    was für Größe hast du beim Nerve CF genommen? Und was für eine Schrittlänge hast Du?
    Bei der Probefahrt waren die Dämpfer so hart aufgepumt, dass ich beim hupsen nur bischen mehr als 50% Federweg ausnutzen konnte?
    Hast Du Erfahrungen ob man beim Bestellen die Vorbaulänge wählen kann?
    Kurt
  6. benutzerbild

    dj_holgie

    dabei seit 03/2008

    kurt1 schrieb:
    Hi Holgie,

    was für Größe hast du beim Nerve CF genommen? Und was für eine Schrittlänge hast Du?
    Bei der Probefahrt waren die Dämpfer so hart aufgepumt, dass ich beim hupsen nur bischen mehr als 50% Federweg ausnutzen konnte?
    Hast Du Erfahrungen ob man beim Bestellen die Vorbaulänge wählen kann?
    Kurt


    Hi Kurt,

    ich fahre den M Rahmen, mit einer 82 SL und komme gut zurecht. Wenn ich NUR Trails fahren würde würde ich über S evtl nachdenken, aber da ich auch viel treten muss passt so schon gut, ist immer noch wendig genug.

    Um die Dämpfer einzustellen war ich mit Pumpe beim Flowtrail Stromberg und es ist eigentlich kein Poblem das Fahrwerk so einzustellen das es den kompletten Federweg freigibt. Bei Marathons kann man es sich ja dann etwas härter einstellen, je nach Vorliebe.

    Vorbaulänge kann man bei der Bestellung ändern (bei Kommentaren mit angeben), allerdings wurde mir dreisterweise eine Umbaugebühr dafür berechnet (welcher Umbau, es ist doch ein Aufbau!), worüber ich immer noch nicht weg bin. Habe mich beschwert vor Ort, da hieß es sie könnten es wieder streichen, aber die Rechnung ist nun schon fertig..

    Fahre zur Zeit mit einem 70er Vorbau, teste da aber noch verschiedene Längen. Glaube 1-2 cm Länger wäre nicht schlecht.

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