Nach einem Sabbat-Jahr meldet sich die beschauliche Lenzerheide zurück im MTB World Cup. 2024 hat der kleine Ort in Graubünden zwar eine Pause eingelegt, doch mittlerweile zählt die Strecke in der Schweiz zum festen Inventar des World Cups. Zwar erfreut sich die recht Bike Park-lastige Abfahrt nicht allergrößter Beliebtheit im Fahrerfeld, doch üblicherweise sind die Zeitabstände im Finale extrem knapp – das garantiert jedes Mal packende Entscheidungen, umrahmt von malerischer Kulisse.
Im Vergleich zur WM-Strecke in Champéry wirkt die STRAIGHTline – so die offizielle Bike Park-Bezeichnung der World Cup-Abfahrt – deutlich zahmer und flacher, was allerdings auch keine Überraschung sein dürfte. Mit etwa 400 Tiefenmetern und einer Länge von lediglich 1,7 Kilometern zählt die Abfahrt in der Schweiz zu den kürzesten und eher flachen Strecken im World Cup-Zirkus. Allein schon die Tatsache, dass Lenzerheide nun ein Jahr Pause eingelegt hat, dürfte dem Rennen – und der Strecke – jedoch die nötige Würze verleihen, zumal viele Sektionen eingefahren und ruppig sind. Dabei ähnelt der Streckenverlauf grundsätzlich dem aus 2023, bei dem es einen sehr gelungenen Mix aus eingefahrenen Bike Park-Sektionen, aber auch loamigen Abschnitten auf frischem Waldboden gab.
Eine nicht unerhebliche Rolle dürfte außerdem mal wieder das Wetter spielen. Grundsätzlich kann man sich auf ein sehr sonniges Wochenende mit warmen Temperaturen freuen. So spät im Jahr war allerdings noch nie ein World Cup in der Lenzerheide. Nachts dürfte es also ordentlich abkühlen und anders als in den Vorjahren wird es wohl nicht staubtrocken. Während die Final-Runs bei den vergangenen World Cups aufgrund der rutschigen Verhältnisse immer einem Ritt auf der Rasierklinge glichen, dürften die Bedingungen zum Finale in diesem Jahr – zumindest stand jetzt – ziemlich perfekt sein.
Der Fokus am Samstag wird aber ganz eindeutig auf den spannenden Duellen im Kampf um die Gesamtwertung liegen. Durch ihren Sieg in Les Gets ist Gracey Hemstreet in der World Cup-Wertung wieder gefährlich nah an Vali Höll rangerückt. Die Österreicherin wartet inzwischen seit nunmehr 15 Monaten auf einen World Cup-Sieg. Dass sie es aber noch immer ganz schön drauf hat, hat die YT-Fahrerin bei der WM in Champéry bewiesen: 4 WM-Titel hintereinander sind zuletzt einer gewissen Anne-Caroline Chausson gelungen und mit inzwischen 6 Gold-Medaillen bei Weltmeisterschaften ist die noch immer junge Österreicherin mal eben mit ihrem großen Idol Rachel Atherton gleichgezogen. Ein Sieg in der Lenzerheide wäre nicht nur Balsam für ihre World Cup-Seele, sondern würde auch Gracey Hemstreet etwas weiter distanzieren. Die Kanadierin hat das World Cup-Momentum jedoch auf ihrer Seite und konnte 2025 bereits 3 Rennen für sich entscheiden.
Noch knapper geht es bei den Herren der Schöpfung zu: Lediglich 25 Pünktchen trennen derzeit Jackson Goldstone von Loïc Bruni. An einem guten Tag scheint der Kanadier derzeit unschlagbar zu sein, wenn man seine 4 World Cup-Siege und seinen WM-Titel in Champéry als Maßstab nimmt. Die größere Konstanz in dieser Saison zeigt jedoch Loïc Bruni – und Meisterschaften werden ja oft nicht an guten, sondern an schlechten Tagen entschieden. Andererseits wird man in der Lenzerheide sicher nicht taktieren können, denn ein zu verhaltener Run kann hier bei den sehr knappen Abständen schnell dazu führen, dass man im Finale weit abgeschlagen zurückliegt oder dieses noch schlimmer womöglich sogar verpasst.
So oder so ist alles angerichtet für einen spannenden Endspurt der Saison – und auch am Sonntag wird es sicherlich sehr emotional, wenn die XC-Legende Nino Schurter bei seinem Heimat-Rennen zum letzten Mal überhaupt an den Start geht. Vorher liegt der Fokus aber voll auf der Abfahrt – gut möglich, dass der World Cup in der Schweiz mal wieder ein Spektakel liefert.
Wer sind deine Favoriten auf den Sieg am Samstag?
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4 Kommentare
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Wer sind deine Favoriten auf den Sieg am Samstag?
#2: Gruyere "rezent" ☝️😉
Die Strecke sieht für mich spannend aus, weil abwechslungsreich
Kommt das auf dem Bild nur so rüber oder war das Steinfeld vor einigen Jahren nicht deutlich heftiger. Also nicht nur 10cm Steine die aus der Erde ragen sondern wirkliche brocken? Ist zwar bestimmt schon bald 10 Jahre her das ich mir das damals angeguckt habe aber mit einfach drüber rollen war damals nichts.
Insgesamt aber recht gemischte Strecke mit eigentlich von jedem was:
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