Wenn Enduro eine eigene Disziplin beim Mountainbiken ist, wie sieht dann ein Enduro-spezifischer Sattel aus? Beim Enduro-fahren geht es gemütlich bergauf und mit Schmackes bergab, so dass der Sattel insbesondere auf Grund der langen Gesamtfahrzeit einen guten Fahrkomfort bieten und robust sein sollte. Mit dem Ergon SME3 Pro hat Ergon genau einen solchen Sattel neu vorgestellt, den wir seit der Eurobike ausgiebig getestet haben. Wichtig ist dabei: der von uns getestete Sattel ist noch ein Vorserienmodell, das beim Gewicht etwas höher liegt als die Serienversion. Weitere Veränderungen sollen auch den Komfort gegenüber der hier getesteten Version nochmals positiv beeinflussen.


# Das ist er also, der Enduro-Sattel von Ergon. Wir haben den SME3 Pro getestet.

Technische Daten

Hersteller: Ergon
Modell: SME3 Pro
Modelljahr: 2014
Kategorie: Sattel
Einsatzbereich: All-Mountain, Enduro, Freeride, DH
Länge: 275mm
Breite: 135mm
Verstellbereich: 65mm
Material Gestell: TiNox
Material Bezug: Microfaser
Material Schale: Carbon Fiver – Ultradünne Y-Flex Konstruktion
Gewicht: 239g (IBC-Gewicht, Größe S – Gewicht soll in Serie niedriger ausfallen)
Größen: S (9 – 11cm Sitzknochenabstand), M (11 – 13cm Sitzknochenabstand)
Farben: weiß, schwarz/blau, schwarz
Preis: 119,95€ (UVP)

Modellvarianten: SME–3, SME–3 Pro, SME–3 Pro Carbon


# Im Vergleich zum bekannten SM3 Sattel ist der SME3 etwas kürzer und flacher gestaltet.

In der Hand

Anfang der Saison haben wir die Möglichkeit gehabt, den Ergon SM3 Pro Sattel auf Herz und Nieren zu testen. Nach den guten Erfahrungen sind wir auf der Eurobike direkt daran interessiert gewesen, dem neu vorgestellten Ergon SME3 Pro Sattel auf den Zahn zu fühlen. Er soll für den Einsatzbereich optimiert sein, in dem wir bereits den kleinen Bruder SM3 getestet haben: Enduro.

Zu den einsatzbereichspezifischen Anpassungen gehört, dass der Sattel etwas kürzer und runder geworden sein soll, um bei aktiver Fahrweise weniger im Weg zu sein. Im Gegensatz dazu soll der Komfort unverändert gut geblieben sein, so dass der Sattel auch bei langen Uphills nicht zu Schmerzen führt. Wie sich das anfühlt, haben wir im Test für euch auf die Probe gestellt.

Aufbau

Im Vergleich zum SM3 ist der Ergon SME3 Sattel kürzer und flacher.

Der Ergon SME3 Pro ist ein klassischer Ergon-Sattel: Optisch entspricht er von der Formsprache her ziemlich exakt dem bekannten SM3 Sattel und ist wahlweise in schlichtem Schwarz oder aber mit blauen oder weißen Akzenten erhältlich. Bei so viel äußerlicher Ähnlichkeit verwundert es wenig, dass der SME3 sich den gesamten Aufbau mit dem SM3 Sattel teilt. Ob bei der dämpfungstechnisch optimierten Auslegung der Sitzschale oder der mehrlagigen Sitzpolsterung mit an die Sattelgröße angepasster Härte – der Technologietransfer ist zum Ergon SME3 ungebrochen gewesen. So soll der Sattel einen sehr guten Fahrkomfort bieten und auch auf langen Strecken ein bequemes Sitzen ermöglichen. Im Vergleich zum bekannten SM3 gibt es jedoch trotz der Gemeinsamkeiten kleine Unterschiede. So ist der SME3 ein wenig kürzer und flacher, wodurch Positionswechsel und Bewegungen relativ zum Sattel bei aktiver Fahrweise vereinfacht werden sollen. Das Heck ist ebenfalls etwas flacher gestaltet, doch anders als beim SM3 fehlt dem SME3 der am Heck umlaufende Bezug mit einem robusten, Diamantino genannten Stoff. Grund dafür soll laut Ergon sein, dass es bei aktiver Fahrweise vorkommen konnte, dass der Fahrer mit der Hose am Sattel hängen bleibt und so in eine ungünstige Fahrsituation gelangen kann.


# Die Nase ist runder und kürzer, so dass der Sattel in technischem Terrain weniger im Weg sein soll.


# Die Form entspricht bei diesem Vorserienmodell noch nicht der Serie, doch die Änderungen sollen minimal sein und vor allem die Polsterung betreffen.


# Ebenfalls für guten Komfort ausgelegt ist die Vertiefung zur Entlastung des Dammbereichs

Größen & Modellauswahl

Ergon bietet den neuen SME3 Sattel in drei Qualitäten und zwei Breiten an. So gibt es insgesamt sechs Optionen, den individuell passenden Sattel aus dem Produktangebot auszuwählen. Die erste Entscheidung – die Qualität – definiert dabei der Geldbeutel: Wer Gewicht sparen will, der kann zum teuren Pro Carbon Modell greifen, das gegenüber den günstigeren Brüdern mit reduziertem Gewicht aufwartet (Herstellerangabe: 190g). Im Gegensatz dazu bietet der SME3 in der Basisversion den niedrigsten Preis bei an sich gleicher Funktion (Herstellerangabe: 260g). Weniger vom Kopf und dafür mehr vom Körper wird die Größe des Sattels entschieden. Ergon bietet die zwei Größen S und M für den SME3 an, die jeweils passend auf einen bestimmten Hüftknochenabstand ausgelegt sind. So empfiehlt der Hersteller Größe S bei einem Sitzknochenabstand zwischen 9 und 11cm, während für Maße zwischen 11 und 13cm Größe M empfohlen wird. Wer einfach selbst seinen Sitzknochenabstand ermitteln will, der kann sich auf ein Stück Wellpappe setzen und von Mitte zu Mitte des entstandenen Abdrucks messen.

Montage

Da Ergon beim SME3 Sattel auf ein Gestell mit konventionellen Streben setzt, ist die Montage wie bei jedem anderen Sattel denkbar einfach. Im Test haben wir den SME3 mit einer Rock Shox Reverb Sattelstütze kombiniert, was problemlos funktioniert hat. Die Streben erlauben einen Verstellbereich von ca. 65mm, so dass leichte Korrekturen über die Position des Sattels vorgenommen werden können.

Auf dem Trail

Im Sitzen – Komfort

Wie komfortabel sitzt es sich auf dem Ergon SME3 Pro Sattel? Um das herauszufinden, haben wir unser Testexemplar auf ein Carver ICB Testrad montiert und fünf Monate bei Wind und Wetter über die Trails gescheucht. Beim ersten Aufsitzen wird klar, dass Ergon den SME3 wie schon den SM3 straff gepolstert hat. Die Sitzknochen finden gute Unterstützung, der Dammbereich sinkt nicht ein und die verkürzte Sattelnase ist dick genug gepolstert, um beim Steuern über die Oberschenkel nicht zu schmerzen. Auf längeren Touren mit langen Anstiegen zeigt sich jedoch, dass der Komfort unter dieser Auslegung in keiner Weise leidet.


# Auf dem Trail überzeugt der Ergon SME3 Pro Sattel mit sehr gutem Komfort auch auf langen Etappen wie hier im Nahetal.

Persönlich bin ich ein Fan von harten Sätteln und der Ergon SME3 Pro sorgt auch ohne Radhose mit Polster für ein dauerhaft gutes Sitzgefühl ohne punktuelle Schmerzen oder Druckstellen. Der für unseren Test in Größe S georderte Sattel überzeugt so mit sehr gutem Komfort, auch wenn der erste Eindruck recht straff gewesen ist. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass der Sattel in der richtigen Breite bestellt wird. Insbesondere ein zu schmaler Sattel führt zu einem stark eingeschränkten Fahrkomfort.

Wer bei seinem Sattel auf etwas mehr Polsterung und Weichheit setzt, der sollte den Sattel dringend vor dem Kauf probesitzen. Dies sei jedoch auch allen anderen Kunden empfohlen, die sich einen neuen Sattel kaufen. Nichts stört mehr als ein unpassender Sattel auf einer langen Tour.


# Bei steilen Anstiegen ist die kürzere Nase ein kleiner Negativpunkt, doch die Kletterperformance wird ohnehin maßgeblich vom Bike bestimmt.

Im Stehen

Enduro hin oder her – dieser Sattel überzeugt beim Komfort

Sind diese Eigenschaften spezifisch für einen Enduro-Sattel? Unserer Meinung nach nicht. So beschreibt Enduro in erster Linie ein Rennformat und die Anforderungen an einen Sattel decken sich dabei im Großen und Ganzen mit dem, was jeder Einsatzbereich mit aktiver Fahrweise erfordert, bei dem man nicht zu jeder Zeit im Sattel sitzt oder besonderen Wert auf die Langstrecke legt. Somit ist die Klassifizierung des Sattels als Enduro-Modell letzten Endes eine Marketingmaßnahme, die jedoch der Eignung des Sattels für den vorgesehenen Einsatzbereich keinen Abbruch tut.


# Spielwiese für das ICB – auf North Shore Rampen wie hier ist es wichtig, das Rad flexibel hin und her bewegen zu können. Dabei hilft ein kompakter Sattel.

Was jedoch nicht von der Hand zu weisen ist, dass die gegenüber dem SM3 etwas reduzierte Länge der Nase und flachere Gestaltung des Sattels positiv dazu beitragen, dass der Sattel im Gelände nicht im Weg ist. Gerade zwischen Wechselkurven und im Übergang in steile Geländeabschnitte kann das von Vorteil sein und in Anbetracht des guten Komforts im Sitzen ist der SME3 Pro im Stehen erfreulich wenig im Weg. Dennoch ist die Sattelnase lang genug, um genügend Platz zum Anlegen der Oberschenkel zu bieten – der Kompromiss macht einen gelungenen Eindruck.


# Kleiner und flacher – so ist der Sattel weniger im Weg, wenn der Fahrer am Gashahn dreht.

Haltbarkeit

Was beeinflusst die Haltbarkeit eines Sattels negativ? Da wären einerseits reguläre Abnutzungserscheinungen wie das Reiben der Beine beim Pedalieren und die Belastung durch eingeriebenen Matsch und Sand auf der Satteldecke. Und da wären die unvorhersehbaren, ungewollten Belastungen wie Stürze, verpatzte Landungen und ein umkippendes Bike. All diese gewollten und ungewollten Belastungstests hat der Ergon SME3 Pro Sattel über sich ergehen lassen müssen und soviel vorneweg – er hat sich gut geschlagen.

Der Bezug des Sattels ist – insbesondere mit den helleren Seitenteilen in weiß oder blau wie bei unserem Testmodell – nicht ganz unauffällig gegen Verfärbungen und einen Look der schnell etwas gebraucht aussieht. Mit etwas Liebe bei der Reinigung lässt sich der Sattel jedoch auch nach einer langen Matschsaison im Winter noch gut wieder auf Glanz bringen. Hierbei zeigt sich, dass das Obermaterial sich durch den Praxiseinsatz nicht beeindrucken lassen hat. Sowohl die Sitzfläche als auch die reibarm beschichteten Seiten der Nase machen einen sehr guten Eindruck. Alle Schriftzüge sind nach wie vor vorhanden und die Nähte machen einen guten Eindruck.


# Der einzige echte Schwachpunkt: Die Seiten- und Hinterkanten sind nicht mit einem besonders robusten Material überzogen…


# … so zeigt der SME3 Pro bereits nach wenigen Monaten im Einsatz deutliche Abnutzungsspuren.

Weniger gut ist der Sattel mit den unvorhersehbaren Belastungen zurecht gekommen. So haben zwar harte Landungen und so mancher Sturz dem robusten Gestell an sich nichts anhaben können, doch an der linken Kante die ein mal über den Boden rutschte als das Bike ungewollt umkippte ist deutlich zu erkennen, dass hier im Dauereinsatz der Bezug leiden kann. In Anbetracht des angedachten Einsatzbereiches des SME3 – Enduro – verwundert es hier ein wenig, dass nicht wie beim weniger spezifisch gestalteten Bruder SM3 kein zusätzlicher Kantenschutz aus einem langlebigeren Material vernäht wird. Während beim SM3 die Hinter- und Seitenkanten mit einem gummierten, „Diamantino“-genannten Material bezogen sind, zieht sich beim SME3 das Material der Sitzfläche um den Sattel herum. Hier würden wir es sich anbieten, dem Sattel für den harten Einsatz etwas mehr Robustheit mit auf den Weg zu geben. Laut Ergon ist die Verstärkung jedoch beim SM3 ein Grund gewesen, weswegen sich die Hose am Sattel verhaken konnte – was man auf Grund des Einsatzbereiches dringend zu verhindern gesucht hat. Hier ist demnach ein Kompromiss gemacht worden.


# Gesamteindruck: Empfehlenswert. Ob für Enduro-Fahrer oder nicht sollte jeder nach eine Probefahrt selbst entscheiden

Fazit

Nein: Einen speziellen Enduro-Sattel gibt es nicht. Der Ergon SME3 Pro ist mit seinem abgerundeten Profil, gutem Sitzkomfort und anatomischer Anpassung über verschiedene Breiten ein sehr guter Sattel für alle Einsatzbereiche, bei denen es mit aktiver Fahrweise bergauf und bergab geht.

Stärken

  • guter Sitzkomfort
  • kompakte Bauweise für verbesserte Bewegungsfreiheit
  • Angebot in verschiedenen Breiten zur individuellen Anpassung

Schwächen

  • hoher Preis
  • Haltbarkeit beim Vorserienmodell noch eingeschränkt


# Neben dem hier gezeigten SME3 Pro in Größe S gibt es noch zwei weitere Modellvarianten und eine zweite Breite – M.

Weitere Informationen

Ergon Homepage
Fotos: Tobias Stahl, Johannes Herden, Stefanus Stahl
Text / Redaktion: Tobias Stahl | MTB-News.de

  1. benutzerbild

    LIDDL

    dabei seit 08/2006

    nachtrag: hab mir den Ergon SM3 geholt, bin den Sattel ca 5-6x gefahren, bequem ist er, aber robust? nee. beim ersten, nicht sonderlich heftigen Sturz hats den Sattel in seine einzelteile zerlegt (auf dem Enduro)! haltbar ist was anderes! meinen SLR Carbonio (127g!) hab ich fast 3 jahre auf meinem Downhiller gehabt, mir zT echt heftigen abflügen und der lebt immer noch. OK, sowas kann passieren. also flux mal ergon angeschrieben wie die dazu stehen, das Ding war ja so gut wie neu. und, keine Reaktion! nix. nada!
    Da steht bei Ergon wohl der Kundenservice so richtig im Vordergrund!
    Nie wieder wird Ergon gekauft!!
  2. benutzerbild

    LIDDL

    dabei seit 08/2006

    Nachtrag: hab wegen dem defekten Sattel ERGON angeschrieben. super netter kontakt! laut aussage des Projektmanagers gabs soetwas noch nie.
    ERGON schickt mir jetzt kostenlos nen neuen! smilie
  3. benutzerbild

    Andi_85

    dabei seit 04/2009

    Hab heute den Ergon SME3 Pro in Größe S erhalten. So richtig gut fühlt er sich unter meinem Arsch nicht an. Gut bin auch nur ca. 20km gefahren. Kann also auch sein das er noch besser wird.

    Hatte bei mir einen Sitzknochenabstand von 11cm gemessen.
    Der S geht ja von 9 - 11 und der M von 11 - 13.

    Ich bin als bei beiden genau mittendrin. Meint ihr der M würde besser passen?

    Hat eventuell jemand einen Sattel in Größe M und braucht einen in Größe S ? smilie
  4. benutzerbild

    Velo-X

    dabei seit 04/2014

    Bei 11cm ist M definitiv besser geeignet!
  5. benutzerbild

    vice-president

    dabei seit 09/2013

    Hab heute den Ergon SME3 Pro in Größe S erhalten. So richtig gut fühlt er sich unter meinem Arsch nicht an. Gut bin auch nur ca. 20km gefahren. Kann also auch sein das er noch besser wird.

    Hatte bei mir einen Sitzknochenabstand von 11cm gemessen.
    Der S geht ja von 9 - 11 und der M von 11 - 13.

    Ich bin als bei beiden genau mittendrin. Meint ihr der M würde besser passen?

    Hat eventuell jemand einen Sattel in Größe M und braucht einen in Größe S ? smilie
    Ich habe je einen SM3 in S und M - ich merke da keinen Unterschied.

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