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In Freiburg verfügen wir dank dem Mountainbike Freiburg e.V. mittlerweile über ein ansehnliches Streckennetz
In Freiburg verfügen wir dank dem Mountainbike Freiburg e.V. mittlerweile über ein ansehnliches Streckennetz - doch nicht alle Strecken sind für Kinder auf Grund der örtlichen Distanz oder des Schwierigkeitsgrades geeignet (c) Daniel Eiermann
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Besuch beim Bürgermeister von Gundelfingen - bei solch geballter Kompetenz verpackt in putzigem Aussehen kann niemand nein sagen!
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Beim Bau von manchen Trails werden Ausgleichsmaßnahmen notwendig - dies kann wie hier etwa Müll sammeln mit dem Städtischen Forstamt Freiburg sein oder auch das Anlegen von einem Feuchtbiotop
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Dies erlaubt das Gestalten von wahren Kunstwerken mit Hand und Schaufel - der Sommer 2019 machte es mit seiner extremen Trockenheit allerdings nicht besonders leicht und statt Anliegern entstanden erst einmal Staubhaufen
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Dieser Mann hier in der Mitte ist Philip und einer unserer beiden Angestellten Trailbauer vom Verein - allein in Gundelfingen fließen 150 Stunden Arbeitszeit nur von ihm mit ein
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Es ist soweit, die offizielle Eröffnung des "Flying Gufi"! - die unzähligen Arbeitsstunden sind sofort vergessen

Unser Sport leidet auch im Jahre 2020 noch unter teilweise veralteten Gesetzgebungen – so werden wir Mountainbiker des Öfteren in die Illegalität gedrängt. Mehr legale Streckenangebote tun also sicherlich Not. Doch wie geht man eigentlich vor, um einen offiziellen Trail zu legalisieren? Anhand eines Fallbeispiels wollen wir dir dies hier aufzeigen!

Prolog: Mountainbiker brauchen geeignete Strecken

Es ist nicht zu bestreiten, dass man als Mountainbiker explizite Wege braucht, um sein Hobby ausüben zu können. Quer durch den Wald zu fahren ist nicht nur verboten, sondern wäre auch schlichtweg Spaß-befreit. Der Mountainbike-Sport besteht zwar aus unzähligen Unterarten und Geschmäcker sind bekanntlich verschieden – dennoch geht vermutlich eine recht große Mehrheit damit d’accord, dass Mountainbiken am meisten Spaß auf kleinen Pfädchen macht.

Das kann allerdings schnell zu Konflikten führen. Denn zum einen variieren die Betretungs- bzw. Befahrungsrechte von Wegen stark von Region zu Region. Zum anderen existieren mehrere verschiedene Nutzergruppen, die ebenso gerne völlig zu Recht auf solchen Wegen unterwegs sind. Um diese Problematik zu lösen, gibt es verschiedene Ansätze – wobei natürlich auch immer Mischformen bestehen und hier mal einige Mögliche genannt werden:

  • “Laissez-faire” Jeder darf alle Wege benutzen, wie er möchte (eher unrealistisch im stark bevölkerten Deutschland)
  • Generelle Verbote Bestimmten Nutzergruppen wird die Nutzung grundsätzlich untersagt (z. B. Biken in französischen Nationalparks)
  • Teilweise Verbote zeitliche und/oder räumliche Verbote (Bsp. Goldseetrail im Vinschgau, Naturschutzgebiete)
  • Kanalisierung Durch Ausschilderung offizieller Wege wird versucht, die Nutzer zu leiten und zu kanalisieren (Bsp. Baden-Württemberg, Österreich)
  • “Share the Trail” Wege-Nutzer unterschiedlicher Couleur nehmen Rücksicht und teilen sich die Wege (Bsp. Kanton Graubünden, CH)

Im Folgenden wird anhand eines Fallbeispiels die Entstehung einer legalen Mountainbike-Strecke in einem Gemeindewald in Baden-Württemberg beschrieben, um die angestrebte Kanalisierung im Wald zu erreichen. Dabei werden alle notwendigen Schritte beispielhaft skizziert und kurz erläutert.

Bewusst sein muss einem, dass es sich dabei um einen spezifischen Fall handelt, der sehr positiv verlief – was natürlich nicht immer der Fall ist. Dennoch lassen sich mehrere Aspekte und Vorgehensweisen festhalten und vielleicht sogar verallgemeinern. Im Idealfall bietet das Fallbeispiel also Anregungen, um selber aktiv zu werden und so letztendlich das legale Angebot für uns Mountainbiker ausbauen zu können.

Ausgangssituation

Freiburg und sein Umland unterliegt dank des Baden-Württembergischen Waldgesetzes der “Zwei-Meter-Regel”. Die Ausübung des Radsports wird damit häufig in die Illegalität gedrängt. Mit dem Mountainbike Freiburg e.V. wurde 2011 ein Verein gegründet, der eben dieses Missverhältnis korrigieren möchte. Infolgedessen sind rund um die Stadt mehrere legale Trails gebaut worden, die vom Verein gepflegt und versichert werden.

In Freiburg verfügen wir dank dem Mountainbike Freiburg e.V. mittlerweile über ein ansehnliches Streckennetz
# In Freiburg verfügen wir dank dem Mountainbike Freiburg e.V. mittlerweile über ein ansehnliches Streckennetz - doch nicht alle Strecken sind für Kinder auf Grund der örtlichen Distanz oder des Schwierigkeitsgrades geeignet (c) Daniel Eiermann
Diashow: Fallbeispiel Trail legalisieren: Wie kommt man zu offiziellen Strecken?
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In Freiburg verfügen wir dank dem Mountainbike Freiburg e.V. mittlerweile über ein ansehnliches Streckennetz
Bauen macht Spaß und ist eine sehr befriedigende Arbeit
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Als begeisterter Radsportler und Lehrer ist es mir ein Anliegen, diese Begeisterung insbesondere auch an Kinder und Jugendliche weiterzugeben. Deshalb habe ich im Frühjahr 2018 eine Mountainbike-AG an meiner Grundschule gegründet. Das große Problem dabei war allerdings, dass direkt vor Ort keine legalen Streckenangebote für Kinder zu finden waren. Der auch für den Nachwuchs erreichbare Wald war zwar von wild geschaufelten Trails durchsetzt. Deren Befahren war aber illegal – durch die jahrzehntelange Nutzung immerhin aber geduldet. Diese rechtliche Unsicherheit ist als Verantwortlicher von Gruppenausfahrten mit Kindern allerdings nicht tragbar und verhindert vielerorts sicherlich letztendlich die Durchführung von solchen Aktivitäten.

Klar war also, dass legale Alternativen direkt vor Ort hermüssen. Sonst müsste das Projekt MTB-AG gleich wieder eingestampft werden.

Nach etwas Recherche ließ sich recht schnell herausfinden, dass unser gewünschtes Gebiet komplett im Gemeindewald liegt, dort allerdings auch uralte Eichen stehen – samt mehrerer Bechsteinfledermaus-Kolonien. Auch sind mehrere Gruppen von Waldkindergärten in diesem Areal unterwegs, samt Erholungsuchenden wie Spaziergänger, Jogger und ReiterInnen. Das Projekt Legalisierung kann also losgehen!

Beispielhaftes Vorgehen zur Trail-Legalisierung

Im Folgenden wird beschrieben, wie wir dabei vorgegangen sind.

Als erster und vermutlich wichtigster Aspekt sollte hier stehen: Gründe einen Verein! Als Einzelperson wird man bei den Behörden nicht viel erreichen. Als offizieller Vertreter eines Vereins allerdings schon eher, wie es bei mir glücklicherweise der Fall war.

1. Sich Gehör verschaffen, Interesse bekunden

Als erster Schritt wurde in Zusammenarbeit mit der Mutter eines Kindes aus der Schul-AG ein Termin mit dem Bürgermeister vereinbart, welcher dann natürlich tatkräftig vorbereitet wurde. Neben Plakaten, die die Forderung der Kinder auf legale Strecken visualisierten, wurden Vorträge geübt, die den Bürgermeister über die Beweggründe der Kinder unterrichten sollten – viel mehr Demokratie erleben lässt sich als Kind vermutlich wenig.

In voller Montur stiefelte die Mountainbike-AG also in das Rathaus und hielt ihren Vortrag. Kleine Kinder in Radmontur sehen eh immer schon putzig aus und man möchte ihnen alle Wünsche erfüllen – kleine Kinder in Radmontur, die eine Tiptop-Show abliefern und mit guten Gründen eloquent für die Ausübung ihres Sports argumentieren, sind hinsichtlich dessen natürlich unschlagbar. Zumal der Bürgermeister selbst ein sehr aktiver Sportler ist und der ganzen Idee direkt sehr angetan gegenüber stand. Als Folge dessen wurden wir gefragt, ob wir die Jugendsprechstunde im Gemeinderat nutzen könnten, um auch dort unser Anliegen vorzutragen.

Besuch beim Bürgermeister von Gundelfingen
# Besuch beim Bürgermeister von Gundelfingen - bei solch geballter Kompetenz verpackt in putzigem Aussehen kann niemand nein sagen!

Dank der Jugendgruppe des Vereins waren auch hierfür schnell zwei passende Kandidaten gefunden, die sich vor den Gemeinderat stellten und ihr Vorhaben (mehr oder weniger) professionell vortrugen. Auf jeden Fall konnten wir anscheinend überzeugen und die Idee einer neuen, legalen Sportstätte im Wald kam hervorragend an. Dass letztendlich der Verein Bau, Versicherung und Pflege in die Hand nimmt und auf die Gemeinde quasi keine Kosten zukommen, vereinfachte hier sicherlich auch noch.

Nun war also klar, dass die Gemeinde hinter der Sache steht und dass sich unser gewünschtes Grundstück tatsächlich komplett im Gemeindewald befindet. Dies ist ein entscheidender Faktor. Denn: möchte man einen Trail legalisieren, der über Stadt-, Gemeinde-, Land- und evtl. sogar noch Privatwald geht, ist dies aufgrund der unterschiedlichen Eigentümer viel schwerer zu realisieren.

Beim Bau von manchen Trails werden Ausgleichsmaßnahmen notwendig
# Beim Bau von manchen Trails werden Ausgleichsmaßnahmen notwendig - dies kann wie hier etwa Müll sammeln mit dem Städtischen Forstamt Freiburg sein oder auch das Anlegen von einem Feuchtbiotop

2. Vorort-Begehung mit allen beteiligten Parteien

Hat man also von offizieller Seite eine erste theoretische Zusage zu vermelden, geht es um das konkrete Gebiet. Bei uns war klar, dass der Trail unbedingt in direkter Haustür-Nähe liegen muss. Unsere Hauptzielgruppe sind Kinder und Jugendliche von 5 bis 18 Jahren. Gerade die Jüngeren können nicht selbstständig quer durch die Stadt radeln, sondern brauchen wirklich vor Ort eine angemessene Strecke. Das Wunschgebiet liegt folglich in direkter Wohnungsnähe. Im nächsten Schritt stand dementsprechend eine Besichtigung vor Ort an, bei der alle betroffenen Parteien mit teilnahmen.

Dies waren:

  • der Bürgermeister samt Bauamtchef als Vertreter der Gemeinde
  • der Forst
  • der Vorstand und Jugendwart des  Mountainbike Freiburg e.V. als Vertreter der Mountainbiker
  • die Leitung des ansässigen Waldkindergartens als Vertreter der anderen Nutzergruppen

Bei der Besichtigung wurde schnell klar, dass die aktuelle Lage als problematisch gelten darf: Der komplette Gemeindewald war über Jahrzehnte von Kindern und Jugendlichen mit Strecken durchwühlt worden. Auf der einen Seite zeigte dies den großen Bedarf an einem offiziellen Angebot. Auf der anderen Seite führte dies zu etlichen Konflikten mit anderen Nutzern. Oberstes Gebot war folglich eine klare Kanalisierung. In Absprache mit allen Parteien konnte recht schnell eine erste geeignete Streckenführung gefunden werden. Als vorübergehender Kompromiss erklärten wir vom Verein uns bereit, die meisten der illegalen Strecken abzubauen und als Übergangslösung nur noch eine einzige Linie offenzulassen.

Da die neue Strecke durch ein Gebiet führen sollte, in dem mehrere Kolonien der eigentlich seltenen und geschützten Bechsteinfledermäuse heimisch sind, vereinbarten wir, dass wir ein Gutachten vom Naturschutz erstellen lassen würden.

3. Naturschutzgutachten

Für dieses benötigte Naturschutzgutachten wurde das Freiburger Institut für angewandte Tierökologie GmbH (FrInaT) beauftragt. Dem Experten war der Wald und quasi jede Fledermaus einzeln schon gut bekannt. Vor Ort zeigte ich ihm die neue Streckenführung und klärte über den Plan auf. Schon die erste Aussage des Biologen ließ hoffen: laut ihm würde eine Kanalisierung der Nutzer zu deutlich weniger Stress für die Tiere sorgen. Zudem seien die Fledermäuse ohnehin schon an die Menschen adaptiert: der Waldspielplatz, das Fußballstadion und alle anderen Waldbesucher in direkter Nähe machten ihnen bisher anscheinend auch nichts aus. So war der Plan, aus mehreren Strecken, die kreuz und quer durch den Wald führen, eine einzige zu machen, aus Augen des Instituts eine sehr gute Lösung. Da die neue Streckenführung in ausreichend Abstand zu den alten Eichen liegt, stellt auch dies aus Sicht des Naturschutzes kein Problem dar.

Schon nach kurzer Zeit bekamen wir diese Tatsachen schriftlich und ein weiterer großer Stein war aus dem Weg: Aus Sicht des Naturschutzes spricht nicht nur nichts gegen die Strecke, nein, es ist sogar wünschenswert!

4. Begehung mit Forst

Als nächster Schritt stand nun die exakte Planung der Streckenführung an. Hierfür begingen wir mit der Revierförsterei den Wald und steckten genau ab, wo die Strecke entlanggehen soll. Dem Forst ist es für gewöhnlich sehr daran gelegen, dass keine sensiblen Bereiche wie etwa frisch gesetzte Bäume tangiert werden. Diese Problematik lässt sich aber bei guter Kommunikation schnell aus der Welt schaffen.

Hierbei ist aus unserer Erfahrung insgesamt zu sagen, dass der Forst für gewöhnlich sehr kooperativ ist, sich um die Interessen der Mountainbiker kümmert und diese nach bestem Willen versucht zu ermöglichen. So auch in unserem Fall – mit der zuständigen Revierförsterin konnte schnell eine für alle passende Linienführung gefunden werden. Dass sie auch schon für das Revier verantwortlich ist, in welchem eine andere unserer Strecken verläuft, war sicherlich hilfreich. So wissen beide Parteien um die Wünsche des anderen Bescheid, respektieren diese und man versucht, sich in der Mitte zu treffen.

5. Antrag der Gemeinde beim Regierungspräsidium

Somit waren alle Parteien vor Ort überzeugt und nun stand der wichtigste Schritt an: die Genehmigung des Regierungspräsidiums. Hier stellte die Gemeinde den Antrag. Wichtig hierbei ist, dass es sich beim Trail um eine linienhafte Streckenführung handelt und um keine flächige Sportanlage. Denn diese würde unter das Baurecht fallen, was in einem deutlich längeren Prozess resultieren würde.

In unserem Fall kümmerte sich der Bürgermeister dankenswerterweise um eine rasche Weiterleitung und so bekamen wir nach wenigen Wochen die offizielle Erlaubnis, mit dem eigentlichen Streckenbau loszulegen. Vom ersten Besuch im Rathaus bis dahin war noch kein ganzes Jahr verstrichen – und das, so sei euch versichert, ist im Bürokratieland Deutschland wahnsinnig schnell!

6. Streckenbau

Nun kommen wir zu den spannenden Sachen: Endlich Handschuhe anziehen und losbuddeln! Dank der langjährigen Aktivitäten in den Freiburger Wäldern haben wir mittlerweile einen großen Erfahrungsschatz an Streckenbau und Organisation von Streckenbau-Tagen. Unser Verein verfügt über eine Trailcrew, welche aus erfahrenen Trailbauern besteht. Diese wiederum übernehmen immer kleinere Gruppen und leiten diese an. So macht man schnell Meter um Meter an Strecke.

Dabei wird erst mit dem Freischneider, einer Machete und einem Rechen der gewünschte Weg freigelegt. Dann wird dieser mit Hacken, Wiedehopfen und Schaufeln bearbeitet und geformt, je nachdem, welches Hindernis gebaut werden soll. Alles, was mit Erde gebaut werden kann, wird mit Erde gebaut. Dies hat nicht nur versicherungstechnische Gründe (siehe unten), sondern ist im Normfall auch langlebiger. Tote Stämme und/oder Steine vor Ort können zuweilen als Füllmaterial oder Begrenzungen verwendet werden.

Wie man Leute zum Bauen animiert?
# Wie man Leute zum Bauen animiert?
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# Dank Internet und Meme-Generator geht das recht simpel

Buddeln ist eine körperlich höchst fordernde Arbeit – dies merkt man als Neuling spätestens nach den ersten paar Schaufelhüben. Wer das nicht gewohnt ist, muss schon nach wenigen Minuten mit Blasen an den Händen und Rückenschmerzen aufgeben. Passende Arbeitshaltung und Schutzausrüstung sind also Pflicht.

Neben dem Bau der Strecke ist ein wichtiger Aspekt auch deren Ausschilderung. Wegkreuzungen, größere Sprünge und andere Gefahrenstellen müssen mit Warnhinweisen markiert werden. An Trailstart und -ende kommen jeweils große Infotafeln mit allem Wissenswerten über die Strecke.

54ae94e 71107 IMG 7639 von opossumMehr Mountainbike-Videos

Bauen macht Spaß und ist eine sehr befriedigende Arbeit
# Bauen macht Spaß und ist eine sehr befriedigende Arbeit - jedoch auch fürchterlich anstrengend
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# Der Boden hier ist allerdings ganz ausgezeichnet - sehr lehmig und quasi ohne Wurzeln
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# Dies erlaubt das Gestalten von wahren Kunstwerken mit Hand und Schaufel - der Sommer 2019 machte es mit seiner extremen Trockenheit allerdings nicht besonders leicht und statt Anliegern entstanden erst einmal Staubhaufen

Unser Obertrailbauer Philip hat alleine in Gundelfingen mehr als 150 Stunden gegraben. Oft wurden wir von den Kindern und Jugendlichen vor Ort unterstützt, deren Eltern uns als Dankeschön Speis und Trank vorbeibrachten. Nach etwa vier Monaten war das Grundgerüst der Strecke fertig, wenige Wochen später konnte auch der Feinschliff abgeschlossen werden. Aufgrund des Einsatzes von Philip durfte er sich den Namen des Trails aussuchen: “Flying Gufi”. Seine Freundin bastelte gleich noch ein passendes Eingangsschild.

Dieser Mann hier in der Mitte ist Philip und einer unserer beiden Angestellten Trailbauer vom Verein
# Dieser Mann hier in der Mitte ist Philip und einer unserer beiden Angestellten Trailbauer vom Verein - allein in Gundelfingen fließen 150 Stunden Arbeitszeit nur von ihm mit ein

7. Vertrag mit der Gemeinde

Ist die Strecke fertig, wird das Gelände, auf dem sich der Trail befindet, per Gestattungsvertrag von der Gemeinde an den Verein abgetreten. Durch diesen wird dem Verein gestattet, in den entsprechenden Flurstücken eine Strecke anzulegen und zu betreiben.

8. Versicherung

Um Strecken zu versichern, arbeiten wir schon länger mit der ARAG zusammen, die mit dieser Thematik schon viel Erfahrung hat und einem mit Rat und Tat zur Seite steht. Der Verein schließt dabei eine Haftpflichtversicherung für jede der Strecken ab. So auch im Fall des Flying Gufi.

Gut zu wissen hierbei ist, dass gebuddelte Anlieger und kleinere Sprünge ohne die Verwendung von Fremdmaterial nicht als künstliche Hindernisse zählen und somit den Preis nicht nach oben schießen lassen. Wird allerdings Fremdmaterial verwendet – etwa Holz für einen Wallride oder stählerne Rampen – muss jedes einzelne Feature zusätzlich versichert werden, was dementsprechend den jährlichen Beitrag erhöht.

9. Eröffnung

Sind nun also all diese Punkte erledigt, steht der offiziellen Eröffnung nichts mehr im Wege. Hierfür lädt man alle beteiligten Parteien samt Presse ein.

Es ist soweit, die offizielle Eröffnung des "Flying Gufi"!
# Es ist soweit, die offizielle Eröffnung des "Flying Gufi"! - die unzähligen Arbeitsstunden sind sofort vergessen

10. Pflege

Ist man mit dem Bauen einer Strecke unten angekommen, kann man quasi oben schon wieder anfangen zu reparieren. Insbesondere, wenn die Strecke so häufig frequentiert wird, wie es der Flying Gufi – zum Glück! – wird. Hierfür hat unser Verein zwei als Minijobber angestellter Trailbauer samt der Trailcrew, die gegen eine Ehrenamtspauschale im Wald stehen, die Trails pflegen und Bautage organisieren.

Fazit: Wie kommt man zu legalen Strecken?

Das Legalisieren von Strecken ist ein mühsamer und langwieriger Prozess, bei dem ein langer Atem Voraussetzung ist. Im hier beschriebenen Beispiel lief quasi alles wie am Schnürchen: die Gemeinde sah den Bedarf an der Strecke und unterstützte, es spielte sich alles im Gemeindewald ab. Zudem konnte auf das gesamte Netzwerk des Mountainbike Freiburg e.V.s zugegriffen werden, welches sich seit 2011 entwickelt und stetig ausgebaut hat. Da dort bisher alles sehr erfolgreich verläuft, hat sich dies schon herumgesprochen und man kann stets auf den Erfolg in Freiburg verweisen.

Dass das Konzept der Kanalisierung greift, zeigt auch das Beispiel Flying Gufi direkt: Die Probleme vor Ort sind gegen Null gesunken, die Waldkindergärten zeigen sich sehr zufrieden und das Feedback sowie die Nutzeranzahl sind sehr gut. Wichtig dabei aber ist, dass die offiziellen Strecken vielfältig und wirklich attraktiv sind und zudem die FahrerInnen vor Ort mit in den Bau und die Pflege eingebunden werden. Ansonsten wird schnell wieder wild gebaut und gefahren. Halbherzige Lösungsversuche kann man von vornherein als gescheitert betrachten.

Insofern kann nur ermutigt werden, diesen mühsamen Prozess auf sich zu nehmen, mehr passende offizielle Angebote zu erschaffen und so letztendlich für mehr Akzeptanz unseres schönen Sports zu sorgen.

Ein großes Dankeschön geht hier an alle HelferInnen (insbesondere Heike und Philip), die Gemeinde Gundelfingen, die Johann-Peter-Hebel Grundschule Gundelfingen, den Forst, das FrInaT und den Mountainbike Freiburg e.V.!

Film: Maximilian Schwan; Fotos: privat, Daniel Eiermann, Maximilian Schwan
  1. benutzerbild

    Blue Rabbit

    dabei seit 08/2002

    @moerk Das war Urwald - sicher nicht aus der Römerzeit, aber das war Altbestand und Schutzwald wie es ihn nur sehr selten gibt - soweit ich weiss ca. 400 Jahre alt z.T. waren auch noch ältere Bäume dabei. Jetzt sind es Paletten in irgendeinem Hafen in Fernost.
    Das Verfahren ist soweit ich weiss im CSU Sumpf stecken geblieben - habe zumindest seit ein paar Jahren nichts mehr davon gehört. Der Weg ist halt nicht zuletzt wegen Erosion lange gesperrt gewesen:
    https://www.augsburger-allgemeine.de/landsberg/Weiterer-Unfall-in-der-Paehler-Schlucht-bringt-Wende-id54616291.html
  2. benutzerbild

    Blue Rabbit

    dabei seit 08/2002

    @moerk
    Im Nutzwald haben MTBler keinen meßbaren, negativen Einfluss. In NSG's muss man keine Trails bauen. Ich bin mir sicher dafür haben die meisten Biker Verständnis.
  3. benutzerbild

    ---

    dabei seit 07/2011

    Die meisten Biker wissen nicht was ein NSG ist und können auch keine Schilder "lesen". Ihre größte Sorge ist das sie da draußen kein Wlan haben.
  4. benutzerbild

    Das-Licht

    dabei seit 01/2006

    moerk schrieb:

    Nochmal zu den Schäden....Die Schäden, die wir verursachen sind nicht die Spuren im Boden - die sind natürlich zu vernachlässigen, besonders im vergleich zu einer Rückegasse z.B..
    Die Schäden, die wir verursachen sind wilbiologischer Natur und für den Laien gar nicht unbedingt sichtbar- Gehen wir z.B. von einem neuen Trail aus, wo sich zuvor noch kein Trail befand. Das Wild wird dann aus diesem Gebiet vertrieben (im schlimmsten Fall) und sucht sich neue Ecken in die es sich zurückziehen kann und verursacht dann dort Schäden (Verbiss/Fegen usw.) wo vorher keine waren.
    Wir erhöhen also den Druck auf das Wild aus angestammten Gebieten wegzuziehen und das wiederum schadet dem Wald bzw. den wirtschaftlichen Zielen des Forsts.



    ...ist das so? Das mit dem Wild? Welches Wild? Wildschweine, die täglich bald 30 Kilometer wandern, beigefüttert werden und teilweise zur "Plage" geworden sind? Rehe, die selbst an Straßen bei vorbei fahrenden Autos weiter äsen, und ebenfalls beigefüttert werden?

    Deine Aussage ist mir zu pauschal. Sicherlich haben Trails in besonderen Habitaten und Wildruhebereichen nichts verloren. Auch sind "Nightrides" in der Hinsicht eher schlecht. Auch Trails in unmittelbarer Nähe zu Kanzeln und Kirrungen verlaufen zu lassen, ist eher suboptimal, doch das war es auch schon, in Bezug auf das Wild.

    Ein "neuer Trail" durch einen "Spargelwald" (lebloser Fichtenforst) oder auf dem Nordhang eines beforsteten Laubmischwaldes stört im Allgemeinen kein Wild (und auch keinen Forst). Das Bauen eines Trails durch Schonungen, Naturdenkmäler, Bannwälder, dichte Unterholzsüdhanglagen, und sonstige schützenswerte Bereiche, wird natürlich Unmut auf sich ziehen.

    Wer dann noch zwecks "Show" einen Monstergap mit Landung direkt in einen Hauptwanderweg baut, muss sich über Ärger nicht wundern.

    Leider kennen die oft jugendlichen "illegalen Trailbauer" selten diese "Regeln", da es ja illegal ist und man das so nicht kommunizieren kann.
  5. benutzerbild

    Felger

    dabei seit 05/2007

    moerk schrieb:

    Nochmal zu den Schäden....Die Schäden, die wir verursachen sind nicht die Spuren im Boden - die sind natürlich zu vernachlässigen, besonders im vergleich zu einer Rückegasse z.B..
    Die Schäden, die wir verursachen sind wilbiologischer Natur und für den Laien gar nicht unbedingt sichtbar- Gehen wir z.B. von einem neuen Trail aus, wo sich zuvor noch kein Trail befand. Das Wild wird dann aus diesem Gebiet vertrieben (im schlimmsten Fall) und sucht sich neue Ecken in die es sich zurückziehen kann und verursacht dann dort Schäden (Verbiss/Fegen usw.) wo vorher keine waren.
    Wir erhöhen also den Druck auf das Wild aus angestammten Gebieten wegzuziehen und das wiederum schadet dem Wald bzw. den wirtschaftlichen Zielen des Forsts.

    Hör mir auf mit dem wild. Es ist oft genug nachgewiesen dass sich das Wild an uns gewöhnt. Es flieht vor den Jägern. Die sind nicht dumm. Such mal Studien

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