Was lange währt, wird endlich gut: Dieses Sprichwort trifft auch für den Bike-Park Allmend zu, der am vergangenen Samstag in Zürich offiziell eröffnet wurde. Trotz tiefer Temperaturen und gelegentlicher Regenschauer war die Eröffnung gut besucht: Groß und Klein sorgten für viel Betrieb auf der Anlage und auch Prominenz aus der Bike-Szene war vor Ort.

Pumptrack Zürich Eröffnung von Thomas – mehr Mountainbike-Videos

Video mit Statements von
0:20 Claudio Caluori (seine Firma hat die Anlage mitgebaut)
0:59 Pete Stutz (Organisator)
2:06 Roger Rinderknecht (war an Planung des BMX Tracks beteiligt)
3:00 Timo Pritzel (ist begeistert)
4:13 Ramon Hunziker – (“… diese Anlage ist huregeil…”)
4:40 Frank Wadenpohl – Präsident vom Verein “Züritrails”

Danke an Sebastian Doerk für Video und Fotos!

Wenn die Stadt Zürich etwas anpackt, dann richtig. Das zeigt sich auch in unmittelbarer Nachbarschaft zum Shopping-Center Sihlcity und zur Saalsport-Halle: Auf der einen Seite der Bahngleise ist in Zusammenarbeit mit dem Verein Freestyle-Park ein richtig fetter Skatepark erstellt worden. Dieser ist durch eine Unterführung mit dem neuen “Bike-Park Allmend” verbunden. Doch immer schön der Reihe nach: Im Zuge der Neugestaltung der Allmend Brunau [was ist eine Allmend?], einer Grünzone im Schatten des Üetlibergs am Stadtrand von Zürich, konnten die lokalen Biker 2003 erstmals ihre Wünsche und Ideen einbringen.

Der erste Vorschlag eines Übungsparcours mit Technik-Elementen und Singletrails konnte nicht umgesetzt werden, weil er sich nicht mit den Zonen vor Ort vertrug. Stattdessen bot die Stadt den Mountainbikern ein Areal zur Nutzung an, das zwischen der Sihl, dem Parkhaus des Shopping-Centers Sihlcity und den Gleisen der SZU-Bahn liegt und kein Gefälle aufweist. Dieses Gelände war jahrelang von Schrebergärtnern benutzt worden – und musste darum zuerst einmal aufwändig saniert (die Rückstände von Pestiziden, Herbiziden und Düngern lassen grüßen) und mit einer Drainage versehen werden.

Gesucht: Ideen für 5500 Quadratmeter Fläche

Zudem stellte die Stadt Zürich als Bauherrin einige Vorbedingungen: In Frage kam nur eine öffentliche Anlage, die allen Könnerstufen etwas bieten und zudem auch im Hinblick auf eine Erholungsnutzung einen Mehrwert bringen sollte. Die eigentliche Projektphase begann im Jahr 2008, und bald war klar, dass sich das flache Gelände mit einer Fläche von rund 5500 Quadratmetern gut für einen großen Pumptrack mit verschiedenen Sprungelementen eignen würde. In der Folge entwickelte die Firma Pumptracks zusammen mit Claudio Caluoris Trailbau-Firma Velosolutions das Konzept der drei Welten.


# 5500 Quadratmeter Fläche sinnvoll aufgeteilt und perfekt ausgenutzt

Dieses sah vor, dass die Anlage neben verschieden anspruchsvollen Pumptracks und Sprungelementen auch eine kleine BMX-Anlage mit Startgatter, zwei Geraden und einer Steilwandkurve bieten sollte. Für die Stadt Zürich wurde aber bald klar: Wenn sie nicht nur den Bau, sondern auch den Betrieb der Anlage verantworten sollte, kamen echte Dirtjumps nicht in Frage. Denn bei diesen wurde die Verletzungsgefahr als zu groß erachtet. In der Folge wurde die Anlage gemäß den Empfehlungen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) so angepasst, dass alle Sprünge problemlos rollbar sind. Richtige Dirtjumps mit getrenntem Absprung und Landehügel sollen auf dem angrenzenden Vereinsgelände von ZüriTrails entstehen, das nicht öffentlich zugänglich ist.

Spass für Einsteiger auf dem kleinen Pumptrack
# Sicherer Spass für Einsteiger auf dem kleinen Pumptrack
Nachwuchsförderung: Auch an die Kleinsten wurde gedacht
# Nachwuchsförderung: Auch an die Kleinsten wurde gedacht
erste Pumptrackversuche im grünen Bereich
# erste Pumptrackversuche im grünen Bereich
Steilere Kurven bringen auch dem aktuellen 4X Weltmeister Spaß
# Steilere Kurven für die Fortgeschrittenen


# Rennen auf der Urban BMX Strecke – der 4-Weltmeister führt

Deckmaterial als Gretchen- oder Glaubensfrage

Zu denken gab auch das Deckmaterial der Anlage: Während Puristen auf Lehm und Erde pochten, kam dies für die Stadt Zürich nie in Frage: Erstens wäre der Aufwand für den Unterhalt einer solchen Anlage zu groß, und zweitens ließe sich eine solche Anlage auch ohne Einwilligung der Stadt baulich sehr einfach verändern. Gefragt war aus Sicht der Stadt stattdessen ein Belag, der so flexibel wie möglich und so hart wie nötig war. Pete Stutz und Fabian Vollrath von der Firma Pumptracks setzten sich darauf mit Vertretern der technischen Hochschule ETH, des Baustoffkonzerns Holcim und mehrerer Kieswerke zusammen. Auf verschiedenen Versuchsanlagen wurde experimentiert, bis ein geheim gehaltenes Mischverhältnis gefunden war, das den Ansprüchen gerecht wurde.


# Gut gemischt: Pete Stutz und Claudio Caluori

Das Material, dem ein Anteil Zement zugemischt ist, stellte beim Bau der Anlage eine Herausforderung dar, verrät Claudio Caluori: «Weil es sich rasch verfestigt, musste es rasch ausgebracht und in Form gebracht werden. Wegen der organischen Formen war die Berechnung der benötigten Mengen knifflig, und auch die Radien und Distanzen mussten auf Anhieb passen.» Die Reaktionen der zahllosen Fahrer am Eröffnungstag zeigen, dass dies den Erbauern des Parks gut gelungen ist. Klagen über den Untergrund waren nur sehr vereinzelt und leise zu hören, die Begeisterung überwog bei weitem. Für Aussenstehende wies am Tag der Eröffnung jedenfalls nichts darauf hin, dass die Planungsphase zeitweise von schrillen Misstönen begleitet gewesen war, die aus der Bikeszene selbst kamen.

Viel Prominenz am Start

Ich habe heute auf jeden Fall viel Spaß auf der Anlage gehabt.Timo PritzelAuch Timo Pritzel störte sich nicht am Untergrund: «Klar wären Lehm und Erde nochmals schöner, aber für eine intensiv genutzte Anlage der öffentlichen Hand macht diese Lösung eine Menge Sinn, um den Unterhalt schultern zu können. Ich habe heute auf jeden Fall viel Spaß auf der Anlage gehabt.» Pritzel war übrigens nicht das einzige bekannte Gesicht bei der Eröffnung: Auch Roger Rinderknecht, David Graf, Jerôme Hunziker, René Wildhaber und die Profis vom Gstaad-Scott-Team waren zugegen und zeigten in Show-Blöcken, was auf dieser Anlage alles möglich ist. Dabei wurde der eine oder andere Transfer gesprungen, an den beim Bau niemand auch nur im Traum gedacht hatte.


# Timo Pritzel lässt es fliegen

Weil für die Stadt Zürich auch die Optik des «Bike-Park Allmend» ein wichtiges Kriterium war, wurden dem Deckbelag Eisenoxid-Partikel beigemischt. Diese geben der Anlage ihren gelbbeigen Farbton, zu dem sich im Laufe der Zeit auch rostrote Töne gesellen werden. Schließlich gibt es rund um den «Bike-Park Allmend» mit der Sihl-Hochstraße und dem Parkhaus des Shopping-Centers schon mehr als genug grauen Beton. Dagegen dürfte es noch einige Monate dauern, bis das Bepflanzungskonzept der Anlage voll zur Geltung kommt. Der «Bike-Park Allmend» ist ab sofort öffentlich zugänglich und kann gemäß Betriebsreglement von 8 bis 21 Uhr genutzt werden. Das Tragen eines Helms und weiterer Schutzausrüstung wie Handschuhen und Knieprotektoren wird dringend empfohlen.

Beeindruckende Zahlen und Dimensionen

Anders als die Bepflanzung stechen die schieren Dimensionen der Anlage sofort ins Auge. Sie sorgten schon während des Baus für staunende Gesichter und setzen europaweit Maßstäbe, zumindest für Anlagen der öffentlichen Hand: Von den insgesamt 5500 Quadratmetern entfallen 4000 Quadratmeter auf die Anlage selbst und 1500 auf die Umgebung. Während die beiden Geraden der BMX-Anlage 1100 Quadratmeter belegen, sind dies für die Sprungsektion 1600 Quadratmeter und weitere 800 Quadratmeter für die beiden Pumptracks. Dazu kommen 200 Quadratmeter für drei Bowls und 300 Quadratmeter für zwei Mini-Pumptracks, auf denen sich die kleinsten Bikebegeisterten mit Kinderrädern, Laufrädern und Kickboards austoben können.


# Die verschiedenen Zonen des Parks

Insgesamt erstreckt sich die gebaute Fahrbahn über 1000 Meter, während des Baus wurden 3500 Kubikmeter Material eingebracht. Das gesamte Investitionsvolumen für den «Bike-Park Allmend» beträgt 2.9 Millionen Franken, wobei zwei Drittel dieses Betrages für den Abtrag des belasteten Bodens, die Drainage und weitere Tiefbau-Arbeiten anfielen und nicht für den eigentlichen Bau des Parks. Mit der zeitgleichen Eröffnung eines richtig fetten Skateparks und eines Bikeparks, der neue Maßstäbe setzt, legt sich die Stadt Zürich jedenfalls mächtig für junge Sportarten ins Zeug, die bei der städtischen Infrastruktur bisher immer zu kurz gekommen waren. Dieses Bekenntnis zu den Freestyle-Sportarten unterstrich auch die Tatsache, dass mit Ruth Genner und Gerold Lauber gleich zwei Mitglieder der Stadtregierung bei der Eröffnung zugegen waren.

Signalwirkung für Europa?

Mit dem «Bike-Park Allmend» hat die Stadt Zürich einen Pflock in die europäische Landkarte geschlagen. Man darf gespannt sein, wie die Anlage auf Dauer bei den einheimischen Bikern ankommt – und welche Kommunen in Europa sich vom Beispiel Zürichs inspirieren lassen und ähnliche Anlagen erstellen werden. Diese dürfen ruhig auch etwas kleiner ausfallen – die Biker vor Ort werden auch dann noch dankbar sein.

Text von Laurens van Rooijen
Fotos und Video von Sebastian Doerk

Weitere Fotos vom Eröffnungswochenende Pumptrack Zürich

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  1. benutzerbild

    Telem

    dabei seit 01/2011

    Simpel. schrieb:
    War gestern Nachmittag da, macht extrem viel Spass die Anlage! Nur mit einem Kurvenübergang kam ich noch nicht klar, bei so vielen möglichen Lines aber nicht weiter tragisch.



    ja, "dieser" Kurvenübergang ist ein wenig falsch geplant... ansonsten: hamma!

    nur zur Klarstellung. 99.5 % hammer, ein komischer übergang...
  2. benutzerbild

    soil

    dabei seit 11/2003

    Was will man anderes erwarten von einer Stadt, in der selbst die Toilettenhäuschen perfekt sind: es gibt sogar einen Abwurf für benutzte Heroin-Spritzen.

    Bitte einen Riesen-Silikonabdruck vom Park, damit man ihn nach überall hin klonen kann! Nur die Umgebung könnte etwas schöner sein, nicht eingekeilt zwischen Autobahn und Eisenbahn. Aber die gepflanzten Bäume werden ja auch mal irgendwann größer sein...
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  4. benutzerbild

    PaRu

    dabei seit 07/2003

    schnitzel-pritzel soll mal sein bekanntheitsgrad bei den offiziellen in D nutzen, um uns auch so ein teil an land zu ziehen. ich will auch so einen...
  5. benutzerbild

    Laidt

    dabei seit 01/1970

    Für so ne Aktion sind wir deutschen halt wohl zu verbohrt ... ^^
    Wie so oft ... ^^
  6. benutzerbild

    ridingGiants

    dabei seit 01/2011

    Die müssen dringend Sik Mik einladen und ein Video drehen!

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