Das Naumburger Oberlandesgericht hat entschieden, dass einem Mann, der während einer Wanderung nahe der für ihre Downhill-Strecke bekannten Stadt Thale von einem umstürzenden Baum schwer verletzt wurde, kein Schadenersatz zusteht. Bei dem Baum handelt es sich um eine waldtypische Gefahr, die zum allgemeinen Lebensrisiko zählt.

Das Urteil handelt zwar von einem Wanderunfall, ist allerdings auch für Biker spannend: Der klagende Wanderer soll im Juli 2018 auf dem touristisch beworbenen Harzer-Hexen-Stieg unterwegs gewesen sein – unweit der vom iXS Cup bekannten Downhill-Strecke. Dort wurde er von einem herabstürzenden Baum erfasst und schwer verletzt. Eigenen Angaben zufolge soll dieser eindeutig als morsch erkennbar gewesen sein und wäre bei einer Begutachtung als Gefahrbaum entfernt worden.

Das Naumburger Oberlandesgericht folgte dieser Darstellung nun nicht und klassifizierte den Baum als waldtypische Gefahr:

[…] Der Waldbesucher, der auf eigene Gefahr Waldwege betritt, kann grundsätzlich nicht erwarten, dass der Waldbesitzer Sicherungsmaßnahmen gegen waldtypische Gefahren ergreift. Mit waldtypischen Gefahren muss der Waldbesucher auch auf Wegen rechnen. Er ist primär selbst für seine Sicherheit verantwortlich. Risiken, die ein freies Bewegen in der Natur mit sich bringt, gehören grundsätzlich zum entschädigungslos hinzunehmenden allgemeinen Lebensrisiko. Dementsprechend können und müssen auf Wanderwegen nicht sämtliche Gefahren ausgeschlossen werden. […]

Haftungsfragen sind auch für Mountainbiker immer wieder ein Thema – vor allem bei angelegten Strecken im Wald. Selbstgebaute Hindernisse wie Sprünge und Drops dürften allerdings eher nicht als waldtypische Gefahren klassiert werden.

Was sagt ihr zu den möglichen Risiken im Wald – sollte der Grundbesitzer haften oder nicht?

Infos: Pressemitteilung Deutscher Wanderverband
  1. benutzerbild

    ufp

    dabei seit 12/2003

    Weder mit Kleingedrucktem noch schriftlichen Nutzungsvereinbarungen kommt jemand, der einen öffentlich zugänglichen Weg/Trail/Bikepark hat, aus seiner Haftung raus.
    Es ist eigentlich schon ziemlich absurd und besorgniserregend.
    Man kann sich natürlich über die bösen Amerikaner bzw deren Rechtssystem (case law, verklagen bis der Arzt kommt bzw auf extrem hohe Summen etc) aufregen, aber das Thema Selbstverantwortung scheint immer kürzer zu kommen.

    Abgesehen davon, dass, wenn man vor die eigenen Füße schaut, sprich, wohin man tritt, dann wäre schon mal viel gewonnen. Und wenn man ein Schild aufstellt, dass es dort gefährlich ist, dann sollte man meinen, dass dem gesunden Menschenverstand gedient sei.

    Aber heutzutage muss anscheinend viel mehr gewarnt bzw hingewiesen werden; und wie man sieht, ist selbst das nicht immer ausreichend.
    Ich finde das pervers.
  2. benutzerbild

    Rajesh

    dabei seit 07/2014

    Abgesehen davon, dass, wenn man vor die eigenen Füße schaut, sprich, wohin man tritt, dann wäre schon mal viel gewonnen. Und wenn man ein Schild aufstellt, dass es dort gefährlich ist, dann sollte man meinen, dass dem gesunden Menschenverstand gedient sei.
    Das setzt aber voraus, dass eine Gefahr auch durch ein Laie erkennbar sein muss. Wenn aber zB bei einem Northshore der Unterbau morsch ist, dies aber nicht von oben nicht erkennbar ist, hilft dir der Menschenverstand nicht viel weiter.
  3. benutzerbild

    Sun on Tour

    dabei seit 05/2003

    Abgesehen davon, dass, wenn man vor die eigenen Füße schaut, sprich, wohin man tritt, dann wäre schon mal viel gewonnen. Und wenn man ein Schild aufstellt, dass es dort gefährlich ist, dann sollte man meinen, dass dem gesunden Menschenverstand gedient sei.
    Das entspricht der ständigen Rechtsprechung deutscher Gerichte.

    Das setzt aber voraus, dass eine Gefahr auch durch ein Laie erkennbar sein muss. Wenn aber zB bei einem Northshore der Unterbau morsch ist, dies aber nicht von oben nicht erkennbar ist, hilft dir der Menschenverstand nicht viel weiter.
    Der Menschenverstand hätte einem gesagt, dass man so eine "Konstruktion" vorher näher begutachten muss, bevor man sie nutzt.
  4. benutzerbild

    mw.dd

    dabei seit 07/2006

    Es ist eigentlich schon ziemlich absurd und besorgniserregend.
    Besorgniserregend ist vor allem Dein Beitrag, sofern Du nicht wenigstens ein Beispiel bringst wo einem Grundbesitzer tatsächlich ein Haftungsproblem und ein Schaden entstanden ist durch ein Bauwerk, welches mehr oder weniger fachmännisch zum Zwecke des Radfahrens im Wald errichtet wurde.

    Ohne ein solches Beispiel ist Dein Beitrag ziemlich dumme Polemik, die vor allem dafür sorgt die Mär vom Haftungsproblem durch Mountainbiker zu nähren.
  5. benutzerbild

    stegsens_team

    dabei seit 07/2014

    ...Servus Lars, sind Schilder "Benutzung auf eigene Gefahr" aufgestellt/angebracht? Hinweise auf "Privatgrundstück"?

    Ich denke, dass wird ein "heisses Eisen" sein. Aber wie immer in solchen Fragestellungen, nicht 100% eindeutig zu beantworten. Von Fall zu Fall wird es anders bewertet werden. Falls sich doch einer Verletzt, wie war er drauf vorbereitet, war er Alleine unterwegs, war die Strecke mit "Hinweisschildern ausreichend gesichert", etc...
    Was sagt deine Haftpflicht?
    Hi,

    es stehen auf jeden Fall dort, die Kennzeichnen dass dort nicht gefahren werden soll.
    Was meine Haftpflicht selbst sagt, weiß ich aber nicht😅

Was meinst du?

Wir laden dich ein, jeden Artikel bei uns im Forum zu kommentieren und diskutieren. Schau dir die bisherige Diskussion an oder kommentiere einfach im folgenden Formular:

Verpasse keine Neuheit. Trag dich für den MTB-News-Newsletter ein!