Mit dem RAAW Madonna hat die neu gegründete Firma aus dem Allgäu einen 29er mit viel Federweg und einigen interessanten Ansätzen vorgestellt. Doch wie kommt man überhaupt drauf, eine eigene Bike-Firma zu gründen? Und was sind die Ziele von RAAW? Wir haben Firmengründer Ruben Torenbeek zum Interview getroffen. 

Nach seinem Studium und einigen Jahren in der Fahrrad-Industrie hat sich Ruben Torenbeek nun dazu entschieden, eine eigene Firma zu gründen. Das erste Ergebnis ist nun das RAAW Madonna, das mit 29″-Laufrädern, 160 mm Federweg am Heck und einigen spannenden Details und Ansätzen aufwartet. Einige Tage vor der Weltpremiere des Rades haben wir Ruben zum Interview getroffen und ihn zu seinem persönlichen Hintergrund, seinen Gedanken zum Madonna und seinen Zielen für die 1-Mann-Firma befragt.

MTB-News.de: Hey Ruben! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag deiner neuen Firma RAAW und dem Madonna. Erzähl uns doch bitte, wie es zu deiner Entscheidung kam, eine eigene Bike-Firma ins Leben zu rufen.

Ruben Torenbeek, RAAW: Ich habe in den Niederlanden Maschinenbau und Produktdesign studiert und wusste zum Ende meines Studiums, dass ich irgendwann mal eigene Produkte machen möchte. Das ist nun 7 Jahre her. Mir war aber auch bewusst, dass ich erst Mal Erfahrungen sammeln sollte. Nach meinem Studium habe ich zunächst drei Jahre bei Ghost gearbeitet, dann bei Scott. Da habe ich gemeinsam mit zwei Kollegen am Spark-Projekt gearbeitet, das im vergangenen Jahr präsentiert wurde. Außerdem habe ich die einteilige Lenker-Vorbau-Kombination, die am neuen Genius zum Einsatz kommt, initiiert und entwickelt. Zuvor war ich bei Ghost als Bike-Engineer tätig und war dort in meinem letzten Jahr auch im Marketing tätig.

Ruben Torenbeek ist der Gründer und Chef von RAAW
# Ruben Torenbeek ist der Gründer und Chef von RAAW - mit seiner eigenen Firma hat sich der Niederländer selbstständig gemacht und bietet ab März 2018 ein Vollgas-Enduro mit 29"-Laufrädern an. Davor war Ruben unter anderem bei Ghost und Scott tätig.

Vor etwa eineinhalb Jahren habe ich mich dann selbstständig gemacht und zunächst noch an einigen Freelance-Projekten gearbeitet. Einen konkreten Tag, an dem ich “Jetzt möchte ich RAAW starten!” gab’s nicht. Stattdessen habe ich die ganze Zeit Ideen aufgeschrieben, ausgearbeitet und bin irgendwann an den Punkt gekommen, dass ich mir nun Zeit nehme, einen Business-Plan mache und schaue, ob das was werden kann mit einer eigenen Firma. Seit ungefähr einem Jahr war mir klar, dass RAAW genau das ist, was ich machen möchte. Seitdem habe ich Vollzeit dran gearbeitet.

Was ist dein Ansatz mit RAAW und dem Madonna? 

Das Madonna ist ein 29er mit 160 mm Federweg. Es ist ein sehr laufruhiges, stabiles Bike, das richtig zur Geltung kommt, wenn die Strecken hart und das Tempo hoch ist. Ganz klar: Es ist ein Bike für den Vollgas-Einsatz. Wieso ich mich für dieses Rad als erstes RAAW-Modell entschieden habe? Die Ideen, die ich gerne ins Design integrieren wollte, zielen stark auf Haltbarkeit und Funktionalität ab. Es war von Anfang an nicht mein Ziel, das Rad komplett neu zu erfinden. Ich bin zum Beispiel sehr überzeugt von klassischen Viergelenker-Hinterbauten. Stattdessen wollte ich alles bis ins kleinste Detail richtig und nach meinen Vorstellungen ausführen. Von Anfang an hatte ich eine richtig lange Liste mit Dingen, die ich gerne beim Madonna umsetzen will. Die Entwicklungsphase war dann im Prinzip die Integration von allen Details, die ich auf meiner Liste hatte.

Und dazu muss man seine eigene Firma gründen?

Ich habe natürlich auch einige Ideen bei meinen vorherigen Arbeitgebern geäußert, teilweise wurden die Ideen dann auch umgesetzt. Aber jede Firma hat eigene Ziele und setzt eigene Prioritäten. Meiner Meinung nach wird das Thema Haltbarkeit beispielsweise komplett unterschätzt. Das soll nicht heißen, dass Haltbarkeit der einzige interessante Aspekt am RAAW Madonna ist – viele Details am Rad gehen natürlich auch in Richtung Performance: Aber das kombiniert mit Haltbarkeit heißt eben auch Performance auf Dauer. Viele der Ideen, die ich am Madonna umgesetzt habe, schaffen es aus Kostengründen bei anderen Firmen nicht in die Produktion. Nichtsdestotrotz denke ich, dass es eine Zielgruppe gibt, die solche Lösungen zu schätzen weiß. Vielleicht nimmt die breite Masse die Details am Madonna nicht sofort wahr. Aber: Es gibt auch genug Leute, die sich freuen, wenn Kugellager länger als eine halbe Saison halten.

Ich habe nichts gegen Carbon, finde es aber schade, dass Aluminium oft als die Billig-Variante von Carbon angesehen wird. Wenn man die ganzen Details am Madonna entdeckt, wird man sehen, wie viel man mit Aluminium eigentlich machen kann.

Sprich: Das Madonna richtet sich an Biker, die viel Erfahrung haben und genau wissen was sie wollen? 

Genau! Als neue, kleine Marke kann man nur klein anfangen. Ich mache das nicht mit Investoren und erstmal wird’s auch nur kleine Stückzahlen geben: Die erste Lieferung im März wird 100 Rahmen umfassen. Von daher kann ich auch gar nicht die breite Masse erreichen. Aber meine eigene Leidenschaft für Mountainbikes sorgt auch einfach dafür, dass ich die Zielgruppe bedienen möchte, die die ganzen Details am Madonna zu schätzen weiß und sich auskennt.

Wie groß ist deine Firma aktuell? 

Gute Frage … Grundsätzlich bin ich’s alleine. Ich finde es aber ein bisschen unfair zu sagen, dass ich RAAW alleine mache, weil ich sehr viele Freunde haben, die mich bei allem unterstützen – das geht vom Grafikdesign über die Entwicklung bis hin zum Businessplan. Es gibt extrem viele Leute, die mir geholfen haben, wofür ich sehr dankbar bin. An sich mache ich es alleine, aber ganz alleine wäre ich bis hierhin definitiv nicht gekommen!

Ruben ist seit vielen Jahren selbst aktiv auf dem Bike unterwegs
# Ruben ist seit vielen Jahren selbst aktiv auf dem Bike unterwegs - zunächst ist er viel Cross Country und Trial gefahren. Nun trifft man ihn aber vor allem auf Trail- und Enduro-Ausfahrten.
Die Produktion des RAAW Madonna findet in Taiwan statt.
# Die Produktion des RAAW Madonna findet in Taiwan statt.
Haltbarkeit ist ein wichtiger Aspekt des RAAW Madonna – dafür wird ordentlich getestet.
# Haltbarkeit ist ein wichtiger Aspekt des RAAW Madonna – dafür wird ordentlich getestet.

Viele Firmen behaupten, dass ihr neues Modell das beste Bike überhaupt ist, für jeden Einsatzzweck geeignet ist und alles besser als der Vorgänger und die Konkurrenz kann … 

Ich glaube grundsätzlich nicht daran, dass es ein Fahrrad für alle und alles gibt. Das stört mich an der Mountainbike-Industrie auch etwas: Es gibt ein neues Modell und plötzlich heißt es, dass es nun das beste Bike für alles ist. Und alles andere ist plötzlich doof. Es gibt einfach sehr viele verschiedene Fahrer, sehr viele verschiedene Trails und dementsprechend viele verschiedene Zielgruppen. Und für diese Zielgruppen gibt es dann jeweils ziemlich ideal geeignete Fahrrad oder Modell. Das RAAW Madonna ist ein richtiges Baller-Bike für den Enduro-Einsatz. Es ist perfekt geeignet für diejenigen, die beispielsweise gerne ins Vinschgau oder an den Reschenpass fahren und mit ihren Kumpels Vollgas geben. Wenn man aber eher Touren fährt und lieber ein agiles Bike hat, das bei niedrigen Geschwindigkeiten gut um die Ecken geht, dann wird man mit dem Madonna nicht richtig bedient sein. Das ist aber auch okay so.

In den vergangenen Monaten sind einige 29er mit relativ viel Federweg auf den Markt gekommen – oft standen nordamerikanische Marken dahinter. Bis auf ein paar Ausnahmen zeigen sich die deutschen Fahrradfirmen noch etwas zurückhaltender. Weshalb? 

Diese Art von Mountainbikes – 29er mit viel Federweg und Enduro-lastigen Geometrien – gibt es eigentlich erst seit knapp 2 Jahren. Von daher denke ich, dass es eher eine Frage von Zeit ist. Es gibt ganz generell Marken, die in der Entwicklung vorne mit dabei sind, sehr viel testen und deshalb auch schnell solche Produkte auf den Markt bringen können. Und es gibt Marken, die erst mal zuschauen und zu einem späteren Zeitpunkt ein vergleichbares Produkt auf den Markt bringen. Ich selbst habe mich im letzten Jahr aber häufig gefreut: Das Konzept des Madonna steht schon länger – dass es nun immer mehr Long Travel-29er gibt, bestätigt meine Meinung und Annahme über diese Art von Rad. Für diesen Einsatzbereich ist es einfach das Geilste!

Obwohl Carbon im Trend liegt und immer mehr Firmen auf den Kohlefaser-Zug aufspringen, besteht das RAAW Madonna komplett aus Aluminium. Wie kam es zu dieser Entscheidung? 

Ich habe nichts gegen Carbon, finde es aber schade, dass Aluminium oft als die Billig-Variante von Carbon angesehen wird. Es gibt natürlich ein paar Ausnahmen, die zeigen, was sich mit Aluminium alles anstellen lässt. Ich glaube, wenn man die ganzen Details am Madonna entdeckt, wird man sehen, wie viel man mit Aluminium eigentlich machen kann. Außerdem finde ich, dass ein zu leichtes Bike dieser Art nicht zwangsweise gut ist. Auch deshalb hat Aluminium meiner Meinung nach einfach seine Berechtigung.

Du sprichst die Details an. Auf welches der Details am Madonna bist du besonders stolz? 

Was ich persönlich ziemlich cool finde ist, wie die Kettenstreben im Tretlagerbereich miteinander verbunden sind: Es ist eine Sandwich-Konstruktion, bei der zwei geschmiedete Teile zusammengeschweißt sind. Dadurch bekommt man eine sehr organische Form hin, die Kräfte gut weiterleitet und die außerdem von außen komplett geschlossen ist. Eine Sache, die ich unbedingt umsetzen wollte, war, dass es keine Aussparungen gibt, in denen sich Schmutz und Matsch sammeln können. Diese Art der Konstruktion ist allerdings auch sehr aufwendig: Man benötigt teure Moulds, der Aufwand ist groß und die Kosten sind hoch. Viele Firmen würden an dieser Stelle auf Carbon springen – ich sehe das anders.

"Ich habe nichts gegen Carbon, finde es aber schade, dass Aluminium oft als die Billig-Variante von Carbon angesehen wird."
# "Ich habe nichts gegen Carbon, finde es aber schade, dass Aluminium oft als die Billig-Variante von Carbon angesehen wird." - mit dem RAAW Madonna möchten Ruben zeigen, was mit dem Werkstoff Aluminium alles möglich ist.
Viele Details am RAAW Madonna sieht man wenn überhaupt erst bei ganz genauem Hingucken
# Viele Details am RAAW Madonna sieht man wenn überhaupt erst bei ganz genauem Hingucken - so hat der Rahmen beispielsweise keine Aussparungen von außen, in denen sich Dreck oder Matsch sammeln könnte.
Zunächst wird es das RAAW Madonna nur als Rahmenkit geben
# Zunächst wird es das RAAW Madonna nur als Rahmenkit geben - ab März 2018 werden die Rahmen verfügbar sein. Komplettbikes will RAAW mit Sicherheit irgendwann mal anbieten. Doch aktuell ist die Firma ein Ein-Mann-Unternehmen.

Eine geschmiedete Sandwich-Konstruktion ist von außen und bei grober Betrachtung nicht gerade auffällig … 

Auf den ersten Blick wird man’s bestimmt nicht sehen. Ich habe aber das Ziel, dass die Leute nach und nach Details entdecken. Sei es beim Schrauben oder nach ein paar Ausfahrten, wenn man das Rad mal von unten betrachtet. Die Leute sollen sich nicht nur vor der ersten Ausfahrt freuen, sondern auch noch nach einem Jahr, wenn man neue Details entdeckt, die das Rad ausmachen.

Ich glaube grundsätzlich nicht daran, dass es ein Fahrrad für alle und alles gibt.

Ein weiteres spannendes Detail ist das Werkzeug, das im Oberrohr des Madonna-Rahmens integriert ist – ähnlich wie das SWAT-Konzept von Specialized. Stand das auch weit oben auf deiner Liste? 

Genau! Ich bin ein sehr großer Fan der SWAT-Produkte von Specialized – nicht nur die Rahmen, sondern auch die Accessoires. Ich fahre zumindest auf kleineren Runden sehr gerne ohne Rucksack. Wenn ich zwei, drei Stunden Biken gehe, dann will ich einen Schlauch, eine CO2-Kartusche, ein Werkzeug und eine Trinkflasche dabeihaben, das Handy kommt in die Hosentasche. Genau hierfür gibt es auch Lösungen am Rahmen: Auf der Oberseite des Unterrohrs hat ein kleiner Schlauch und eine Kartusche Platz. Im Oberrohr ist eine Tasche mit magnetischer Halterung integriert, in die ein Tool, ein Aufsatz für die Kartusche und ein paar Kabelbinder reinpassen.

Das RAAW Madonna wird ab März 2018 als Rahmenkit erhältlich sein. Hast du vor, zukünftig auch Komplettbikes anzubieten?

Das Thema Komplettbikes steht definitiv auf der Liste für die Zukunft. 2018 wird es aber nur Rahmenkits von RAAW geben – einfach aus dem Grund, weil die Marke noch klein ist und wir lieber das, was wir tun, richtig tun. Kompletträder anbieten geht vom Einkauf bis zur Montage und Versand mit sehr viel Aufwand einher.

Abgesehen von Komplettbikes: Was werden wir in Zukunft sonst noch von RAAW sehen? 

Gute Frage! Mein großes Ziel ist es nun erstmal, die Marke und das Madonna zu etablieren und am Markt anzukommen. Für alles andere ist es noch ein bisschen zu früh. Aber klar: Es soll definitiv nicht nur bei einem Rad bleiben – Ideen sind mehr als genug da!

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Zukunft!

  1. benutzerbild

    paburk

    dabei seit 08/2013

    Der Preis und das Gewicht gehen doch in Ordnung? :
    Und endlich mal eine korrekte Dimensionierung des Sitzrohrs!
  2. benutzerbild

    Dagnarus

    dabei seit 04/2016

    Finde den Preis für die Stückzahl i.O. vor allem weil er von vornherein kommuniziert wird. Hier werden ja nicht alle mit dem geilen Produkt angefixt und dann kommt: uupsi, kostet halt der Rahmen mal 2,7k.
    Imo fair.

    Den einzigen Einspruch den ich habe: ich hab' noch nie mit einer Kartusche ein 29" vollbekommen
  3. benutzerbild

    decay

    dabei seit 04/2003

  4. benutzerbild

    carliO

    dabei seit 09/2014

    Ich finde das Konzept durchaus interessant aber konsequenterweise fände ich das Ganze in der 170-180mm Federwegs-klasse noch besser...aber gibt es schon 29er Freerider oder muss ich noch 2 Saisons warten ??? Gibt glaube nur 29 er Downhiller...schon komisch
  5. benutzerbild

    anfreund

    dabei seit 11/2007

    hardtail rider schrieb:

    ... Das ist nämlich als Sandwich aufgebaut.


    Ich seh hier kein Sandwich. Kann mir das mal jemand bitte erklären?

Was meinst du?

Wir laden dich ein, jeden Artikel bei uns im Forum zu kommentieren und diskutieren. Schau dir die bisherige Diskussion an oder kommentiere einfach im folgenden Formular:

Verpasse keine Neuheit. Trag dich für den MTB-News-Newsletter ein!