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Im Gegensatz zu den anderen Stopps des iXS Downhill Cups haben es sich die lokalen Streckenbauer in Ilmenau zum Ziel gesetzt, jedes Jahr eine zu großen Teilen überarbeitete Strecke auf die Beine zu stellen …
Im Gegensatz zu den anderen Stopps des iXS Downhill Cups haben es sich die lokalen Streckenbauer in Ilmenau zum Ziel gesetzt, jedes Jahr eine zu großen Teilen überarbeitete Strecke auf die Beine zu stellen … - Foto: © ILRC
… in Handarbeit versteht sich.
… in Handarbeit versteht sich. - Aufgrund der großen Trockenheit musste die Strecke dieses Jahr sogar gewässert werden. | Foto: © ILRC
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Zudem galt trotz der abendlichen Regenfälle eine erhöhte Waldbrandstufe
Zudem galt trotz der abendlichen Regenfälle eine erhöhte Waldbrandstufe - ein Brand hätte das sichere Ende der Veranstaltung bedeuten könnne … | Foto: © ILRC
Zu zweit oder zu dritt fahren war am Freitag gar keine gute Idee
Zu zweit oder zu dritt fahren war am Freitag gar keine gute Idee - bereits die erste frische Sektion nur wenige Meter nach dem Start war derart lose, dass der Hintermann nur blind in eine Staubwolke fahren konnte.
Hier war es noch die in Fahrtrichtung linke Linie
Hier war es noch die in Fahrtrichtung linke Linie - später entschied ich mich allerdings für die geradere und ruppigere Alternative auf der rechten Seite.
… die letzten Meter müssen allerdings geschoben werden
… die letzten Meter müssen allerdings geschoben werden - leider fehlt oben einfach der Platz, um die Shuttles zu wenden.
Der Zielsprung in Ilmenau ist schon längst legedär und wird seit letztem Jahr sogar wieder von oben angefahren
Der Zielsprung in Ilmenau ist schon längst legedär und wird seit letztem Jahr sogar wieder von oben angefahren - vorher ging es seitlich in den steilen Hang, um den Leuten eine besser Chance zu geben, unten zum Stehen zu kommen.
Rechtzeitig zum Finale war nicht nur das Ziel, sondern die komplette Strecke gesäumt mit Zuschauern
Rechtzeitig zum Finale war nicht nur das Ziel, sondern die komplette Strecke gesäumt mit Zuschauern - selbst beim World Cup werden die Fahrer nicht so intensiv angefeuert wie in Ilmenau!
Im Training am Sonntag war die Strecke derart gut eingefahren, dass ich am liebsten noch einen vierten Lauf gemacht hätte
Im Training am Sonntag war die Strecke derart gut eingefahren, dass ich am liebsten noch einen vierten Lauf gemacht hätte - stattdessen hätte ich mir allerdings besser nochmal eine Linie oder zwei angeschaut …
Wieder einmal fiel meine Wahl ohne viele Zweifel auf das Cube Two15 29"-Bike
Wieder einmal fiel meine Wahl ohne viele Zweifel auf das Cube Two15 29"-Bike - ob es mich schneller gemacht hat, lässt sich ohne einen (bereits geplanten) direkten Zeitvergleich schwer sagen. Dadurch dass das Rad ruhiger und kontrollierter bleibt, hat man jedoch das Gefühl, mehr Gas gegen zu können.
Selbst während der Podiumszeremonie glich das Ziel einem Hexenkessel!
Selbst während der Podiumszeremonie glich das Ziel einem Hexenkessel!

Ohne Pause ging es direkt nach dem iXS EDC im tschechischen Spicak weiter mit dem iXS Downhill Cup in meiner Wahlheimat Ilmenau. Wie jedes Jahr war das Streckenbauteam im Vorfeld extrem fleißig, sodass die Teilnehmer wieder eine zu großen Teilen überarbeitete und mit neuen Features gespickte Strecke erwartete. Die Wettervorhersage im Vorfeld war extrem trocken und heiß, was in Ilmenau nur eins heißen kann: Tiefer Staub und viele lose Steine! Hier der Rennbericht aus Ilmenau.

Das Rennen in Ilmenau beginnt für mich immer einige Tage früher, da ich, wie viele Mitglieder des veranstaltenden Vereins, dem Ilmenauer Radsport Club, im Vorfeld versuche, die Vorbereitung des Rennens nach Kräften zu unterstützen. So blieb nur der Montag, um mein Auto nach dem Rennen in Spicak auszuräumen, die Testbikes auf Vordermann zu bringen und die Klamotten für das kommende Wochenende in die Waschmaschine zu schmeißen. Ab Dienstag hieß es dann bereits Wegweiser in der Stadt anbringen, Sturzmatten an die Bäume hängen, Pflöcke einschlagen und verschiedene Schilder und Banner bauen und aufstellen. Dazu kamen natürlich noch unzählige weitere Aufgaben, in deren Durchführung ich nicht weiter involviert war, die es jedoch braucht, um eine Veranstaltung dieses Kalibers durchzuführen. An dieser Stelle nochmals großen Dank an die über 100 freiwilligen Helfer, die wieder einmal mobilisiert werden konnten!

Im Gegensatz zu den anderen Stopps des iXS Downhill Cups haben es sich die lokalen Streckenbauer in Ilmenau zum Ziel gesetzt, jedes Jahr eine zu großen Teilen überarbeitete Strecke auf die Beine zu stellen …
# Im Gegensatz zu den anderen Stopps des iXS Downhill Cups haben es sich die lokalen Streckenbauer in Ilmenau zum Ziel gesetzt, jedes Jahr eine zu großen Teilen überarbeitete Strecke auf die Beine zu stellen … - Foto: © ILRC
… in Handarbeit versteht sich.
# … in Handarbeit versteht sich. - Aufgrund der großen Trockenheit musste die Strecke dieses Jahr sogar gewässert werden. | Foto: © ILRC
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Zudem galt trotz der abendlichen Regenfälle eine erhöhte Waldbrandstufe
# Zudem galt trotz der abendlichen Regenfälle eine erhöhte Waldbrandstufe - ein Brand hätte das sichere Ende der Veranstaltung bedeuten könnne … | Foto: © ILRC
Diashow: Gregor in Gefahr beim iXS DH Cup in Ilmenau - Himmel blau & Strecke loose!
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Selbst während der Podiumszeremonie glich das Ziel einem Hexenkessel!
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Rechtzeitig zum Finale war nicht nur das Ziel, sondern die komplette Strecke gesäumt mit Zuschauern
Der Zielsprung in Ilmenau ist schon längst legedär und wird seit letztem Jahr sogar wieder von oben angefahren
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Freitag – Training

Da ich die Strecke im Vorfeld bereits während der Präparation zig mal abgelaufen war, war ein Trackwalk diesmal nicht notwendig. Der Start lag wie immer auf dem Lindenberg, neben dem Lokal “Bobhütte”. Am klassischen Startsprung ging es diesmal nach rechts weg. Ein komplett neuer, bereits vor dem Rennen mit faustgroßen Steinen übersäter Abschnitt, führte dann auf die alte Bobbahn zu, nach deren Überquerung der aus dem letzten Jahr bekannte Filsenshuck wartete – ein Anlieger mit abschließendem Absprung ohne Landung. Danach folgte die aus dem letzten Jahr bekannte Linie mit der Rad-Art-Jumpline – hier wurden lediglich einige Kurven leicht verändert abgesteckt. Nach der Whoop-Sektion folgte ein neues kleines Gap aus einer extrem rutschigen Kurve in eine lose, von Dschungel-artigem Gewächs eingeschlossene S-Kurve mit folgender Anfahrt auf das dieses Jahr besonders hakelige Steinfeld. Durch die wie immer ohrenbetäubend laute Fankurve auf der Ilmenauer Skipiste ging es über ein Gap zurück in den Wald und auf das neue Roadgap zu, das den im letzten Jahr so gefürchteten Holzkreuz-Sprung ersetzte. Eine neue, stark hängende S-Kurve führte zurück auf die alte Linie, die nach einer weiteren Schikane von oben in den berühmten Zielhang leitete – den alten Landehügel einer Skisprungschanze.

Trackcheck iXS Downhill Cup Ilmenau 2018 von GregorMehr Mountainbike-Videos

Nach einigen Last-Minute-Reparationen an der Strecke ging es gegen 14 Uhr dann endlich los mit Training. Im Übrigen trainieren die Locals keinesfalls vorher exzessiv auf der Strecke, wie gerne behauptet wird. Der Streckenbau wird in Ilmenau sehr ernst genommen und geht meistens bis zur letzten Sekunde. In diesem Jahr beschränkte sich das Training auf eine Handvoll Testläufe in der Dämmerung, kurz bevor die ersten Teilnehmer anreisten. Entsprechend gespannt war ich, wie die komplett ausgetrocknete Strecke sich nach zwei Stunden Training präsentieren würde … rutschig und äußerst lose, war die Antwort! Sich in diesem Zustand viele Gedanken über die Linienwahl zu machen, schien relativ sinnlos, da es in den neuen Sektionen kaum eine erkennbare Linie gab – erfahrungsgemäß bilden sich jedoch früher oder später festgefahrene Spuren, die auch weitestgehend frei vom faustgroßen ilmenauer Gestein sind. Ansonsten schienen alle neuen Sprünge vom ersten Lauf an problemlos zu funktionieren, auch wenn man die Kurve nach den Whoops sehr kontrolliert treffen musste und die Anfahrt zum Roadgap immer aufgelöster und langsamer zu werden schien. Wer richtig weit vorne mitmischen wollte, konnte hier eine große Senke überspringen. Im Vorfeld schien mir das noch eine leichte und saubere Angelegenheit zu sein – doch bereits nach wenigen Stunden Training waren Absprung und Landung so aufgewühlt und zerfahren, dass ich die Sache mit schlotternden Knien auf den nächsten Tag verlegte.

Zu zweit oder zu dritt fahren war am Freitag gar keine gute Idee
# Zu zweit oder zu dritt fahren war am Freitag gar keine gute Idee - bereits die erste frische Sektion nur wenige Meter nach dem Start war derart lose, dass der Hintermann nur blind in eine Staubwolke fahren konnte.

Nach dem Training hieß es für mich und die anderen Streckenbau-Helfer schnell umziehen, essen und mit Werkzeugen wieder auf die Strecke. Bereits in den Wochen vor dem Rennen wurden alle Sprünge und Anlieger aufgrund der großen Trockenheit unter großem Aufwand regelmäßig gewässert. Ansonsten wären alle Bauten vermutlich schon nach wenigen Läufen in Sandkästen verwandelt gewesen. So beschränkten sich die Reparaturen zum Glück auf das arg zerbremste Roadgap. Da ich mir einige Sektionen ohnehin nochmal ansehen wollte, erklärte ich mich bereit, die Strecke von oben abzulaufen und das Tape überall zu reparieren – zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen!

Samstag – Seeding

Beim iXS Downhill Cup hat man als Lizenzfahrer den Luxus, bis 13 Uhr trainieren zu können. Das sollte man gerade in Ilmenau auch ausnutzen, denn die neue Strecke verändert sich während des Trainings und Rennens ständig. Mittlerweile führte, wie von mir erhofft, tatsächlich eine frei gefahrene Rinne durch die frischen, natürlichen Sektionen. Hier fiel die Linienwahl somit auch ziemlich flach, denn außerhalb der Linie hatte man kaum eine Chance, sauber und schnell durch die Sektion zu gelangen. Wie am Vortag schon stand eine ständige Traube Fahrer am Steinfeld – hier gab es im Großen und Ganzen zwei Linien: Gerade aber mit viel Gerumpel am rechten Rand entlang oder auf sanfterem Untergrund nach links traversieren und eine schwer zu treffende Kurve in Kauf nehmen. Da mir letzteres nicht zuverlässig gelingen wollte, entschied ich mich für das unsaubere Gerumpel auf der rechten Seite, was insbesondere mit dem 29″ Cube-Testbike allerdings ab einer gewissen Geschwindigkeit erstaunlich ruhig und sauber vonstattenging. Auch auf das natürliche Gap vorm Roadgap warf ich nochmal einen Blick – nachdem der dritte Fahrer mit niedriger Startnummer unkontrolliert von meinen Augen eingeschlagen war, verwarf ich die Sache jedoch meiner Knochen zuliebe wieder.

Hier war es noch die in Fahrtrichtung linke Linie
# Hier war es noch die in Fahrtrichtung linke Linie - später entschied ich mich allerdings für die geradere und ruppigere Alternative auf der rechten Seite.
Statt mit dem Lift geht es in Sprintern oder Pritschen von der Stadt Ilmenau nach oben …
# Statt mit dem Lift geht es in Sprintern oder Pritschen von der Stadt Ilmenau nach oben … - Foto: © 7-Twenty Media
… die letzten Meter müssen allerdings geschoben werden
# … die letzten Meter müssen allerdings geschoben werden - leider fehlt oben einfach der Platz, um die Shuttles zu wenden.

Mit Startnummer 49 am Rad und einem Feld von 450 Teilnehmern hieß es nach dem Training vor allem eins: Warten! Die Strecke hatte das Training gut überstanden und das Orga-Team lief auf Hochtouren, weshalb es für mich nichts zu tun gab, außer einen WOLKE-Check am Rad durchzuführen (ich entschied mich erwartungsgemäß wieder für 29″) und alte und neue Bekannte im Fahrerlager vollzuquatschen. 40 Minuten vor dem Rennen ging es dann im Shuttle nach oben – die letzten Meter bis zum Start galt es wie immer sogar zu Fuß zurückzulegen, da der Shuttle dort nicht wenden kann. Da die Strecke mit einem kurzen Sprint eröffnet wird und so kurz ist, dass man die ganze Zeit Vollgas gibt, sollte man sich auch ordentlich warm machen. Wer wie ich keine Rennrad-Rolle zur Verfügung hat, macht das am besten auf dem Wiesenweg hinter dem Lokal. Der Lauf war dann an sich ganz ok, wenn auch wenig spektakulär. Ich vermied es zwar Fahrfehler zu machen, war jedoch insgesamt eher etwas auf der vorsichtigen Seite. Mit Platz 49 in der Elite-Klasse konnte ich aber nicht unzufrieden sein – die Startnummer hatte ich jedenfalls gehalten! Direkt nach dem Rennen hieß es wieder bei einsetzendem Nieselregen hoch marschieren, die Strecke kontrollieren und den großen Anlieger im Wald reparieren, in dessen Mitte ein Vorderräder verschluckendes Loch gähnte.

Bereits zum Seeding-Lauf war in der Fankurve so einiges los!
# Bereits zum Seeding-Lauf war in der Fankurve so einiges los! - Foto: © 7-Twenty Media
Der Zielsprung in Ilmenau ist schon längst legedär und wird seit letztem Jahr sogar wieder von oben angefahren
# Der Zielsprung in Ilmenau ist schon längst legedär und wird seit letztem Jahr sogar wieder von oben angefahren - vorher ging es seitlich in den steilen Hang, um den Leuten eine besser Chance zu geben, unten zum Stehen zu kommen.

Sonntag – Finale

Der Regen am Vorabend hielt bis in die Nacht hinein an und half deutlich, den vielen vorhanden Staub zu binden. Das machte sich in den frischen Sektionen bemerkbar, in denen die eingefahrenen Ruts deutlich verdichtet waren und mehr Gegenhalt boten. Auch wenn die Temperaturen bereits morgens wieder steil nach oben kletterten, war nach der ersten Trainingsfahrt klar, dass die Zeiten im Finale nochmal deutlich nach unten korrigiert werden würden. Mittlerweile konnte man in beinahe alle Sektionen derart hereinhalten, dass aus zwei geplanten Fahrten spaßeshalber schnell drei wurden, bevor das Training zu meiner Enttäuschung auch schon vorbei war.

Rechtzeitig zum Finale war nicht nur das Ziel, sondern die komplette Strecke gesäumt mit Zuschauern
# Rechtzeitig zum Finale war nicht nur das Ziel, sondern die komplette Strecke gesäumt mit Zuschauern - selbst beim World Cup werden die Fahrer nicht so intensiv angefeuert wie in Ilmenau!

Wie am Vortag auch, hieß es wieder das Rad auf Vordermann bringen und dann warten, warten, warten! Statt wieder Hinz und Kunz im Fahrerlager an die Wand zu reden, beschloss ich – langsam nervös werdend – lieber bis zum Roadgap hoch zulaufen und mir die Hobby-Klassen im Finale anzugucken. Auch keine so grandiose Idee, wie ich schnell merkte. Denn ein müder und abgekämpfter Fahrer nach dem anderen kam unkontrolliert in die letzten, hängenden Kurven gefahren und fuhr 10 cm links oder 10 cm rechts, aber Hauptsache nicht in der Rinne, wodurch diese immer breiter, aufgewühlter und loser wurde. Im Gegensatz zu einigen weiter voraus denkenden Elite-Fahrern hatte ich die alternative Innenlinie nie getestet, weshalb ich nur hoffen konnte, die vor mir startenden Fahrer würden die Kurve wieder glatt fahren. Wie am Vortag hieß die Routine dann 40 Minuten vor dem Lauf hoch und zirka 15 Minuten warm fahren. Da ich immer eine minimalistische, 10 € Casio-Uhr am Lenker und somit die Uhrzeit im Blick habe, stand ich wenige Minuten vor meinem Lauf komplett relaxed am Start … zu relaxed wie sich herausstellte. Tief im Gespräch mit einigen anderen Fahrern überhörte ich wie mehrfach laut mein Name und meine Nummer nur wenige Meter entfernt aufgerufen wurde. Als ich in der Menge entdeckt wurde, hatte ich gerade noch Zeit, meine Handschuhe und Brille anzuziehen und schon gings los!

Im Training am Sonntag war die Strecke derart gut eingefahren, dass ich am liebsten noch einen vierten Lauf gemacht hätte
# Im Training am Sonntag war die Strecke derart gut eingefahren, dass ich am liebsten noch einen vierten Lauf gemacht hätte - stattdessen hätte ich mir allerdings besser nochmal eine Linie oder zwei angeschaut …

Ein genialer Schachzug, wie ich kurz später feststellen konnte. Durch die Hektik hatte ich komplett vergessen, dass es ein Rennlauf war und konnte mit leerem Kopf voll drauflos fahren. Der obere Teil lief entsprechend absolut genial, ohne Fehler und so schnell wie ich nur konnte. Leider meldete sich dann der Kopf zurück und eine kleine Stimme sagte: ”Das ist aber ein super Lauf … wäre blöd, wenn du den jetzt vermasselst!” Ganz vermasselt habe ich ihn nicht, aber mit steigender Aufregung und bei wieder einmal extrem begeistert schreienden und lärmenden Fans in der Fankurve verschaltete ich mich erst, versteuerte mich dann in der Kurve, fuhr zu schnell in die Senke vorm Roadgap, wodurch ich ziemlich am Lenker reißen musste, um in die Landung zu kommen, und rutschte wie befürchtet in der vorher noch von mir beobachteten hängenden Sektion weg. Wirkliche Steher oder schwerwiegende Fehler waren jedoch nicht dabei und mit Platz 48 konnte ich mich sogar marginal zum Vortag verbessern. Zudem wurde ich von den genialen Fans von oben bis unten die Strecke heruntergeschrien und war unten so stoked, dass ich am liebsten direkt hoch für einen zweiten Rennlauf wäre!

Testeindrücke – Cube Two15 29″ vs 27,5″

Wie bei jedem Downhill-Rennen dieses Jahr hatte ich wieder meine Cube Two 15-Testbikes im Gepäck: Zwei identisch aufgebaute Räder – bis auf die Laufradgröße. Während des Trainings habe ich wieder die Bikes getauscht und sowohl mit der regulären 27,5″-Version als auch mit dem 29″-Prototyp mehrere Abfahrten gemacht. Wie bei den Rennen zuvor stand für mich schnell fest, dass ich für den Seeding- und Rennlauf auf das 29″-Bike setzen würde. Im Vergleich zur Highspeed-Piste in Bozi Dar oder der extrem steinigen, technischen Strecke in Spicak ähnelt die Rennstrecke in Ilmenau am ehesten den regulären Hometrails der meisten Downhill-Fahrer. Sie bietet einen guten Mix aus gebauten und natürlichen Segmenten, ist jedoch weder extrem steil, noch extrem schwer zu fahren. Durch den losen Untergrund und einige anspruchsvollere Missionen ist man auch mit einem potenten Enduro jedoch fehl am Platz – 200 mm Federweg sind definitiv angesagt!

Wieder einmal fiel meine Wahl ohne viele Zweifel auf das Cube Two15 29"-Bike
# Wieder einmal fiel meine Wahl ohne viele Zweifel auf das Cube Two15 29"-Bike - ob es mich schneller gemacht hat, lässt sich ohne einen (bereits geplanten) direkten Zeitvergleich schwer sagen. Dadurch dass das Rad ruhiger und kontrollierter bleibt, hat man jedoch das Gefühl, mehr Gas gegen zu können.

Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, je nach Strecke deutlich stärkere Unterschiede zu spüren. Allerdings wiederholte sich in Ilmenau, was bisher auf jeder Strecke der Fall war: Das Cube Two 15 29″ war spürbar ruhiger und vermittelte in losen Kurven durch die größere Auflagefläche und das sattere Aufliegen im Allgemeinen mehr Kontrolle. Im Gegensatz zu Spicak musste ich auch keine weit ausholende Linie nehmen oder Kraft investieren, um das Rad auf Linie zu halten. Erstaunlich war auch, dass es mich auf dem Filsens-Huck – einem stumpfen Sprung aus einem Anlieger hinaus – mit dem 650b-Bike Fahrt für Fahrt viel mehr in der Luft verdrehte, als mit dem 29er. Dieses bleibt in der Luft durch das höhere stabilisierende Moment der Laufräder deutlich stabiler. Da ich auf der kurzen 2 Minuten-Strecke auch keine Kraftprobleme hatte, klebte auch das Heck mit dem Fox Float X2-Luftdämpfer zuverlässig am Boden und nutzte den Federweg gut aus, ohne durchzuschlagen. Neben der Laufradgröße fiel mir allerdings auch das etwas progressivere Heck sowie der um 1 cm höhere Lenker des 29ers positiv auf. Mittlerweile merke ich auch, dass ich die Räder ziemlich gut kenne, was den Umstieg im Training allerdings schwerer macht, da solche kleinen Unterschiede stark auffallen.

Fazit

Wenn jemand in seinem Leben nur ein einziges Downhill-Rennen fahren möchte, dann sollte er dafür nach Ilmenau kommen! Selbst auf einem World Cup erlebt man kaum so derartig begeisterte und ausgelassene Fans, die die Fahrer die komplette Strecke lang anfeuern. Da ich in den letzten Wochen und Monaten mehr verreist als zu Hause war, konnte ich nur einen sehr minimalen Beitrag zur Durchführung meines Heimrennens leisten – deshalb auch mein riesiger Dank an die vielen freiwilligen Helfer vom ILRC, die eine Veranstaltung der Extra-Klasse auf die Beine gestellt haben!

Was den 29″ Downhilltest angeht, kann ich hier ein wenig dem finalen Test vorgreifen: Man benötigt trotz häufig zu lesender Kommentare offensichtlich keine übermenschlichen Fähigkeiten auf dem Bike und eine an Anspruch kaum zu überbietende Strecke, um mit einem 29″-Downhiller Spaß zu haben. Auch mit eher mittelmäßigem Talent, einer durch die vielen Reisen und Verletzungen mäßigen körperlichen Verfassung und auf einer deutschen Mittelgebirgs-Strecke war das Cube Two15 29″ nicht nur das Racebike meiner Wahl, sondern auch die deutlich spaßigere Alternative.

Selbst während der Podiumszeremonie glich das Ziel einem Hexenkessel!
# Selbst während der Podiumszeremonie glich das Ziel einem Hexenkessel!
Harriet Rücknagel wird vom lokalen Fahrradladen Rad-Art gesponsert und entsprechend frenetisch von den Fans gefeiert
# Harriet Rücknagel wird vom lokalen Fahrradladen Rad-Art gesponsert und entsprechend frenetisch von den Fans gefeiert - Stagediving gibt es wohl sonst bei kaum einem Downhill-Rennen … | Foto: © 7-Twenty Media

Wer von euch war schonmal in Ilmenau zum Rennen?


Alle Artikel zum 27,5″ vs. 29″ Downhiller-Vergleichstest

  1. benutzerbild

    von_Grau

    dabei seit 04/2015

    Schöner Bericht!Ich war auch am Start und kann das Geschriebene nur bestätigen! Super Stimmung und wieder eine geile Strecke! Freitag noch mega sketchy, vor allem als es kurz vor Trainingsende anfing mit schütten, da lag überall wer im Dreck. Samstagvormittag, als dann deutlich Rinnen in die Strecke gefahren waren, mit denen man auch arbeiten konnte, hat's klick gemacht und es lief nur noch Sahne. Ich spring eigentlich gern Roadgaps, gern auch bisschen größer, aber die Anfahrt von dem Teil hat es mir diesmal echt versaut, nachdem ich ein paar ordentliche Abflüge dort miterleben durfte, habe ich meinen Frieden mit dem Ding gemacht und es gelassen.
  2. benutzerbild

    MikeyBaloooooza

    dabei seit 04/2003

    Geilon!

    Kommt beim lesen sehr gut rüber.
    Allein die Fankurve und der Zielsprung - stimmt, wenn man ein Rennen fahren will, sollte man definitiv nach Ill-Me-Now!
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  4. benutzerbild

    3rdNERD

    dabei seit 10/2015

    Mittlerweile sind 'Gregor in Gefahr'-Artikel echte Highlights für mich. Sehr unterhaltsam geschrieben. Durch die guten Strecken- und Stimmungsbeschreibungen hat man ein wenig das Gefühl, dabei gewesen zu sein. Und sehr wohltuend, wenn jemand so viel Selbstironie besitzt, dass er mit kleinen Macken so souverän umgehen kann. Ganz bestimmt hat sich der eine oder andere Leser bei gelegentlich etwas verpeilten Aktionen oder Vorbereitungen wiedererkannt. Zumindest trifft das auf mich zu ...
  5. benutzerbild

    xMARTINx

    dabei seit 12/2006

    Der Laufradgrößenvergleich scheint schon fast vergessen, das 27,5 wird nur rausgeholt damit es mal bewegt wird. Womit sich am Ende das 29“ wohl bewährt hat wenn nicht mal mehr die Frage aufkommt welches Rad den Vorzug bekommen könnte.
  6. benutzerbild

    Gregor

    dabei seit 02/2017

    xMARTINx schrieb:
    Der Laufradgrößenvergleich scheint schon fast vergessen, das 27,5 wird nur rausgeholt damit es mal bewegt wird. Womit sich am Ende das 29“ wohl bewährt hat wenn nicht mal mehr die Frage aufkommt welches Rad den Vorzug bekommen könnte.


    Hallo,
    da kann ich dir nur insoweit zustimmen, dass das 29" Bike sich für mich bisher ohne Diskussion als das schnellere Racebike auf den typischen deutschen und europäischen Rennstrecken herausgestellt hat.
    Allerdings bin ich im Artikel selbstverständlich wieder auf beide Räder eingegangen:
    Während des Trainings habe ich wieder die Bikes getauscht und sowohl mit der regulären 27,5″-Version als auch mit dem 29″-Prototyp mehrere Abfahrten gemacht. Wie bei den Rennen zuvor stand für mich schnell fest, dass ich für den Seeding- und Rennlauf auf das 29″-Bike setzen würde. […] Das Cube Two 15 29″ war spürbar ruhiger und vermittelte in losen Kurven durch die größere Auflagefläche und das sattere Aufliegen im Allgemeinen mehr Kontrolle. Im Gegensatz zu Spicak musste ich auch keine weit ausholende Linie nehmen oder Kraft investieren, um das Rad auf Linie zu halten. Erstaunlich war auch, dass es mich auf dem Filsens-Huck – einem stumpfen Sprung aus einem Anlieger hinaus – mit dem 650b-Bike Fahrt für Fahrt viel mehr in der Luft verdrehte, als mit dem 29er. Dieses bleibt in der Luft durch das höhere stabilisierende Moment der Laufräder deutlich stabiler.

    Mit dem 27,5" Bikes wurden auf der Strecke 6 Fahrten unternommen, mit den 29er etwas mehr. Das ständige Tauschen ist allerdings tatsächlich nicht mehr ganz so leicht, weil ich wirklich ziemlich an das 29er gewöhnt bin. Das ist cool, weil ich definitiv schneller unterwegs bin als noch beim Rennen in Bozi Dar, aber macht das Wechseln nicht leichter, weil die Körperposition auf den Rädern etwas unterschiedlich ist. Deshalb tausche ich nicht zwischen Seeding und Rennlauf, sondern beschränke das Ganze aufs Training und versuche einfach zügige Abfahrten zu machen, während der ich mich gut auf die Unterschiede konzentrieren kann … und versuche eben auch noch mein Rennen zu fahren und die Strecke zu trainieren.
    Ich wollte gestern in Bozi Dar einige gezeitete Läufe auf der DH- und Wurzel-Strecke mit beiden Rädern haben, habe mich aber Morgens schon am Handgelenk verletzt, weshalb ich das Ganze leider etwas verschieben muss. Im abschließenden Testartikel werde ich aber definitiv noch mehr darauf eingehen.

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