Leonardo Hector Paez und Ramona Forchini sind die neuen Weltmeister auf der Langstrecke. In der türkische Provinz Sakarya sicherten sich der Kolumbianer und die Schweizerin das Regenbogentrikot in spannenden Rennen über eine Distanz von 110 Kilometer bei den Herren und 81 Kilometer bei den Frauen.

Die Welttitelkämpfe in der Türkei sorgten im Vorfeld insbesondere im Zuge der Corona-Pandemie für Kontroversen: Da eine sichere An- und Abreise nicht gewährleistet werden konnte, verzichtete ein Großteil der deutschen Marathon-Asse auf einen Start in der Türkei und standen stattdessen in größerer Zahl bei den nationalen Meisterschaften in der Cross-Country-Disziplin an der Startlinie.

Stefanie Dohrn und Adelheid Morath waren die einzigen deutsche Fahrer*innen, die mit Ambitionen auf ein Resultat unter den besten zehn Fahrer*innen die Reise in die Türkei antraten. Ungeachtet der aktuellen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie war dennoch ein Großteil der Weltelite der Marathon-Disziplin in Sakarya am Start, sodass es sowohl in der Damen- als auch in der Herrenkonkurrenz zu spannenden Rennen kam, die teilweise erst auf den letzten Metern entschieden wurden.

Inhalt

Herren

Der Kolumbianer Leonarde Hector Paez scheint in der Marathon-Disziplin weiterhin eine Klasse für sich zu sein: In eindrucksvoller Art und Weise sicherte sich der Titelverteidiger erneut das Regenbogentrikot vor dem Portugiesen Tiago Ferreira und dem Tschechen Martin Stosek.

Die wellige Strecke in Sakarya bot wenig Raum für frühzeitige Selektionen im Feld der Herren. Drei Runden à 29,1 Kilometer plus eine Transferstrecke vom Start zum Rundkurs und am Schluss wieder ins Ziel galt es für die Fahrer der Männerkonkurrenz zu bewältigen. Mehrere kurze Anstiege mit einer maximalen Höhendifferenz von 250 Höhenmetern und deutlich weniger Höhenmeter in Summe als vor einem Jahr bei den Welttitelkämpfen im schweizerischen Grächen sorgten dafür, dass über weite Strecken ein großes Fahrerfeld an der Spitze zusammenblieb.

Erst in der zweiten der drei zu fahrenden Runden kam es zu einer ersten ernsthaften Zersplitterung des Fahrerfeldes: An der Spitze blieben die späteren Medaillengewinner Paez, Ferreira, Stosek, der Italiener Juri Ragnoli, der Spanier David Valero und der Tscheche Kristian Hynek zusammen. Mitfavoriten wie der Österreicher Daniel Geismayr, sein Landsmann Alban Lakata und der Schweizer Urs Huber waren zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in der Lage der Spitze zu folgen. Insbesondere Huber und Lakata waren bereits am Anfang des Rennens zwei der wenigen Fahrer, die in der ersten der drei Runden den Anschluss an die Spitze verloren.

An jener Spitze war es in der abschließenden dritten Runde schließlich der Titelverteidiger Leonardo Hector Paez, der im längsten Anstieg am Anfang der 29,1 Kilometer langen Runde die Initiative ergriff und die Konkurrenten unter Druck setzte. Einzig die beiden späteren Silber- und Bronzemedaillengewinner Tiago Ferreira und Martin Stosek waren zunächst in der Lage noch zu folgen. Doch bereits in einer der folgenden Bergaufpassagen konnte als erstes Ferreira und wenig später auch Stosek dem Kolumbianer nicht mehr Paroli bieten, sodass Paez an der Spitze davonzog. Die Führungsposition behauptete Paez auf den letzten verbliebenen Kilometern bis ins Ziel und baute Stück für Stück seinen Vorsprung aus. Er brachte schließlich 2:20 Minuten zwischen sich und den Zweitplatzierten Tiago Ferreira, der sich auf den letzten Metern von Martin Stosek absetzen und diesen um 15 Sekunden distanzieren konnte. Mit größeren Abständen folgten der Italiener Juri Ragnoli und der Spanier David Valero auf den Positionen vier und fünf.

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Damen

Überraschungserfolg für die Schweiz in der Damenkonkurrenz: Ramona Forchini sicherte sich über 81 Kilometer in einem packenden Sprint-Finish den Weltmeistertitel vor der Polin Maja Wloszczwoska und ihrer eidgenössischen Landsfrau Ariane Lüthi.

Die zwei Runden über je 29,1 Kilometer und zwei Transferstrecken vom Start zum Rundkurs und wieder zurück wurden zu einem regelrechten Ausscheidungsfahren im Damenfeld. Nach 40 Kilometern waren lediglich sechs Fahrerinnen noch an der Spitze vertreten: Die drei Medaillengewinnerinnen Forchini, Wloszczowska, Lüthi, die Ukrainerin Yana Belomoina und mit geringem Rückstand die Südafrikanerin Robyn de Groot und Ilsa Short aus Großbritannien kämpften zur Rennhälfte noch um die Medaillen.

Wie bereits bei den Männern kam es jedoch im Laufe des längsten Anstiegs der Strecke im Hinblick auf die Medaillenvergabe zu einer Vorentscheidung: Ramona Forchini, Maja Wloszczowska und Yana Belomoina konnten sich absetzen. Während Belomoina im letzten Renndrittel den Anschluss verlor und bis auf den fünften Rang zurückfiel, blieben Forchini und Wloszczowska bis zum Ziel gemeinsam an der Spitze. In einem langgezogenen Sprint setzte sich Forchini auf den letzten Metern auf einer Wiese mit verschiedenen angelegten Hindernissen an die Spitze. Wloszczowska verlor etwas den Anschluss und konnte die Lücke bis ins Ziel nicht mehr schließen. Völlig überraschend sicherte sich somit die Schweizerin Ramona Forchini den Sieg vor Wloszczowska. Im Kampf um die Bronzemedaille setzte sich Ariane Lüthi durch, die zunächst auf Position vier liegend die zurückfallende Yana Belomoina überholen konnte und sich so WM-Edelmetall sicherte.

Die beiden deutschen Marathon-Asse Stefanie Dohrn und Adelheid Morath konnten mit den Plätzen sechs und zehn überzeugen. Dohrn konnte sich frühzeitig als erste Verfolgerin hinter der Spitzengruppe festsetzen und insbesondere in der zweiten Rennhälfte ihre Erfahrung auf der Langstrecke unter Beweis stellen. Sie überholte mit Isla Short und Blaza Pintaric zwei der ehemaligen Mitglieder der Spitzengruppe und sicherte sich mit 7:33 Minuten Rückstand auf die Siegerin Forchini den sechsten Rang. Adelheid Morath lag bereits nach der ersten der zwei zu fahrenden Runden mehr als fünf Minuten hinter der Spitze und konnte am Ende des Rennens noch einige Plätze gut machen. Sie überquerte 13:18 Minuten hinter der Siegerin den Zielstrich.

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  1. benutzerbild

    JohSch

    dabei seit 08/2013

    Ah davon redet ihr smilie

    ->


    Der BDR "schickt" nie jemanden zur Marathon WM.
    Lies dir die Kommentare unter dem Facebookbeitrag des Bike-Magazines zum Thema durch.



    Hab durchgezappt - ist das wirklich nur Doubletrack/Forstautobahn-Getrete? smilie
  2. benutzerbild

    ghostmuc

    dabei seit 10/2013

    In der Türkei war ich noch nicht, aber in anderen orientalischen Ländern. Und irgendwie ist der Kommentar so wie der Versuch etwas auf einem orientalischen Bazar in Ruhe anzusehen....unmöglich, weil dir alles mögliche andere "angepriesen" wird und man keine Chance hat das was man eigentlich sehen möchte anzuschauen
  3. benutzerbild

    illuminato

    dabei seit 06/2006

    • Strecke: langweilig aber sehr schwer und schnell - fahrt das mal im Renntempo in den offenen Anstiegen...das ist kein Spass für die Athleten (im Vergleich zum letzten Jahr)
    • Bildmaterial: fand ich in Ordnung und auf ordentlichem Niveau wenn man bedenkt wo man da rumgeeiert ist
    • Regie und OnScreen Info: mangelhaft
    • Kommentar: ungenügend - siehe Kommentare hier im Feed
    Ich würde den oben genannten Vergleich zur Straße mal heranziehen.
    Zuerst muss man betrachten dass wir hier von Offroad sprechen und keine Mopeds oÄ da mit ballern können. Das mit den eBikes ist schon Top. Würde man mehr Zeitmessungen machen, wäre das OnScreen Info auch besser. So hätte die Moderatorin halt einfach mal aufpassen müssen...
    Zudem haben wir im MTB Bereich andere Regeln was Technischen Support angeht. "Begleitwagen" gibt es schlichtweg nicht. Könnte man aber mal drüber nachdenken weil ein defekt im Normalfall den Verlust des Rennens bedeutet - wenn ich sehe dass Julian Alaphilippe bei einem Klassiker 7 (!!!) Platte fährt und fast noch gewinnt, ist das schon etwas anders als bei uns im MTB Bereich. Da haste max. einen Ersatzschlauch/Tubelessflicken/Sahmurai/Maxalami oÄ und wenn danach noch was passiert ist das Rennen durch.
    Auch anders als bei der Straße ist das "Teamverhalten". Auf dem MTB gibt es keinen Kaptain, sondern da fährt jeder für sich bei der WM. Das liegt auch an der Bezahlung und den Team/Verbandsstrukturen.
    Ansonsten sollte man sich bei UCI auch übverlegen, ob man solche Strecken haben will. Also mit einem gravelbike wäre man da auch durch gekommen - Mountainbikerennen auf dem Niveau sollten zwingend auch technische Herausforderungen bieten neben den konditionellen Ansprüchen. Das hat mir um ehrlich zu sein komplett gefehlt. Das war ein reines Ausscheidungsfahren - einzige mögliche Spannungsbögen waren Materialfehler.

    Insgesamt wünsche ich mir für diese Disziplin mehr Professionalität und Anspruch, wenn man sie größer rausbringen oder ein breiteres Publikum (nicht alle fahren Rad...aber ich laufe auch keine 110m Hürden und kucke es mir trotzdem an) ansprechen will. So gelingt das nicht und die TOP-Leistung und das aufopfernde Training der Athleten bleibt weitestgehend ungewürdigt (finanziell und öffentlich wirksam).
  4. benutzerbild

    Geplagter

    dabei seit 09/2008

    Ich würde den oben genannten Vergleich zur Straße mal heranziehen.
    Zuerst muss man betrachten dass wir hier von Offroad sprechen und keine Mopeds oÄ da mit ballern können. Das mit den eBikes ist schon Top. Würde man mehr Zeitmessungen machen, wäre das OnScreen Info auch besser. So hätte die Moderatorin halt einfach mal aufpassen müssen...
    Zudem haben wir im MTB Bereich andere Regeln was Technischen Support angeht. "Begleitwagen" gibt es schlichtweg nicht. Könnte man aber mal drüber nachdenken weil ein defekt im Normalfall den Verlust des Rennens bedeutet - wenn ich sehe dass Julian Alaphilippe bei einem Klassiker 7 (!!!) Platte fährt und fast noch gewinnt, ist das schon etwas anders als bei uns im MTB Bereich. Da haste max. einen Ersatzschlauch/Tubelessflicken/Sahmurai/Maxalami oÄ und wenn danach noch was passiert ist das Rennen durch.
    Auch anders als bei der Straße ist das "Teamverhalten". Auf dem MTB gibt es keinen Kaptain, sondern da fährt jeder für sich bei der WM. Das liegt auch an der Bezahlung und den Team/Verbandsstrukturen.
    Ansonsten sollte man sich bei UCI auch übverlegen, ob man solche Strecken haben will. Also mit einem gravelbike wäre man da auch durch gekommen - Mountainbikerennen auf dem Niveau sollten zwingend auch technische Herausforderungen bieten neben den konditionellen Ansprüchen. Das hat mir um ehrlich zu sein komplett gefehlt. Das war ein reines Ausscheidungsfahren - einzige mögliche Spannungsbögen waren Materialfehler.
    Und genau diese Aspekte gefallen mir beim MTB-Marathon, bzw. bei den Rennen die im 2er Team gefahren werden. Da muss man sich halt überlegen, ob man zum super leicht laufenden Reifen mit hoher Plattengarantie greift, oder etwas benutzt, was zwar etwas langsamer ist, dafür aber auch hält. Die ganze Begleitkaravane auf der Straße ist doch mittlerweile nur noch lächerlich und verleiht den Rennen einen völlig anderen, in meinen Augen überzüchteten Charakter. MTB-Marathon zeigt doch eindrucksvoll, dass es auch ohne Team-Radio und Strategieexperten im Wagen des DS geht. Hier wird einfach Mann gegen Mann, bzw. Frau gegen Frau gefahren, sonst nichts. Die Taktik machen die Fahrenden weitgehend selbst und wer sich seine Kräfte und Fähigkeiten am besten einteilt, ist am Ende oft vorne. Im übrigen ist es vorteilhaft, wenn die Fahrenden ihre Bikes dann an den Depots selbst reparieren können, weil fremde Hilfe verboten ist. Das ist ein mitunter völlig anderes Anforderungsprofil als man es auf der Straße hat, aber es macht die Rennen aus meiner Sicht realistischer und spannender. Es ist halt einfach anders.
    Was den technischen Anspruch der Strecke angeht, stimme ich grundsätzlich zu. Das sah eher langweilig aus. Wobei wir aber sicher auch nicht alle Abschnitte im Live-Stream gesehen haben. Evtl. waren da ja doch noch ein paar Wurzeln und Steine irgendwo dabei.

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