Schweizer Festspiele beim olympischen Cross-Country-Rennen der Damen in Tokio: Jolanda Neff, Sina Frei und Linda Indergand feierten nach einem denkwürdigen Wettkampf auf der Mountainbikestrecke in Izu, rund 140 Kilometer südwestlich von Tokio, einen historischen Dreifacherfolg für die Schweiz. Heftige Regenfälle in der Nacht und unmittelbar vor dem Rennen sorgten für komplett veränderte Rahmenbedingungen im Vergleich zur Herrenkonkurrenz am Tag zuvor und bewirkten einen völlig unerwarteten Rennverlauf. Ronja Eibl landete als beste deutsche Fahrerin auf dem 19. Rang.

Der Sport schreibt die schönsten Geschichten! Seit vielen Jahren ist die Schweizerin Jolanda Neff eine der bestimmenden Fahrerinnen an der Weltspitze in der XC-Disziplin und sicherte sich unter anderem 2017 den Weltmeistertitel. Als große Favoritin startete sie 2016 in Rio zu den letzten olympischen Spielen und scheiterte als Sechste daran, die so ersehnte Medaille zu gewinnen. 2020 sollte es schließlich in Tokio klappen, doch ein heftiger Trainingssturz im Frühjahr 2020 ließ kurzzeitig alle Gedanken an den Mountainbikesport in den Hintergrund rücken. Mit einem Rippenbruch, einer Milzruptur und einer teilweise kollabierten Lunge stand kurzzeitig sogar das Leben der jungen Schweizerin auf dem Spiel.

Was für eine Geschichte!
# Was für eine Geschichte! - Jolanda Neff stürzte in der Vorbereitung auf die Rennsaison 2020 schwer und es schien so, als würden alle Hoffnungen auf ein gutes Resultat bei dem olympischen Spiele zunichte sein. Dann kam die Corona-Pandemie und die Schweizerin war pünktlich zu den nun um ein Jahr verschobenen Olympischen Spielen topfit und sicherte sich den Olympiasieg

Neff arbeitete sich zurück in das Renngeschehen und stand Ende des Jahres sogar bereits wieder an der Startlinie. Doch bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte Neff nicht mehr ganz an ihre alte Stärke anknüpfen und galt für das olympische Rennen in Tokio lediglich aus Außenseiterin im Kampf um die Medaillen. Als exzellente Fahrtechnikerin bekannt, bewahrte Jolanda Neff in der ersten Rennhälfte des Damenrennens in Izu als einzige Fahrerin vollständig kühlen Kopf. Sie arbeitete sich nach heftigen Regenfällen und einem deutlich rutschigeren Kurs im Vergleich zum Vortag einen enorm großen Vorsprung heraus und blieb im weiteren Verlauf des Rennens ohne Fehler, sodass sie letztlich ungefährdet zum Olympiasieg fuhr.

Doch der Reihe nach: Durch die Veränderungen der Strecke zog sich das Fahrerinnenfeld im olympischen Mountainbikerennen bereits auf den ersten Metern des Rennes weit auseinander. Die großen Favoritinnen um die beiden Französinnen Loana Lecomte und Pauline Ferrand-Prévot hielten sich zunächst schadlos, sodass rund zehn Fahrerinnen nach der Startrunde noch relativ eng beisammen waren.

Silber für Sina Frei
# Silber für Sina Frei - Die Schweizerin war in dieser Saison konstant in der Weltspitze vertreten und galt allemal als Anwärterin auf eine Medaille in Tokio
Linda Indergand komplettiert den Schweizer Medaillensatz im Cross-Country-Rennen der Damen
# Linda Indergand komplettiert den Schweizer Medaillensatz im Cross-Country-Rennen der Damen - Auf den letzten Metern hatte sie gegenüber ihrer Landsfrau Sina Frei das Nachsehen, freute sich dennoch überschwänglich über die gewonnene Bronzemedaille

Doch bereits auf den ersten Metern auf dem regulären Rundkurs, der insgesamt fünf zu fahrenden Runden, konnte sich die spätere Siegerin Neff an die Spitze setzen. Zunächst war lediglich die amtierende Weltmeisterin Pauline Ferrand-Prévot in der Lage zu folgen, doch die Zweisamkeit an der Spitze fand ein jähes Ende: Ferrand-Prévot rutschte nach einer Abfahrt in einem darauffolgenden, mit Steinen bestückten Gegenanstieg weg und musste zunächst wieder auf der Strecke bergab klettern, um ihr heruntergefallenes Rad einzusammeln. Der Weg war damit frei für die souveräne Soloflucht von Neff, die einmal mehr beweisen konnte, dass sie die wohl fahrtechnisch stärkste Fahrerin im Damenfeld ist. Mit zwanzig Sekunden Vorsprung auf eine vierköpfige Verfolgergruppe jagte Neff in die nächste Runde und baute von nun an den Vorsprung konstant aus.

Dahinter entbrannte ein packender Kampf um die verbliebenen Medaillen mit einem fantastischen Ende für die Schweizer Nation und einer bitteren Niederlage für die favorisierten Fahrerinnen aus Frankreich. Top-Favoritin Loana Lecomte, die bisher alle vier Weltcuprennen der Saison für sich entscheiden konnte, schaffte es nicht ganz an ihre Stärke der vergangenen Rennen anzuknüpfen und fiel im Laufe des Rennens aus der Verfolgergruppe bis auf den sechsten Rang zurück. Auch die Weltmeisterin Pauline Ferrand-Prévot, die sich zwischenzeitlich wieder in die Verfolgergruppe zurückkämpfte, leistete sich zu viele kleine Fehler und war letztlich nicht in der Lage in den Medaillenkampf einzugreifen. Und so blieben die beiden Schweizerinnen Sina Frei und Linda Indergand zurück, die sich ihre Kräfte gut einteilten und im Teamwork die beiden verbliebenen Medaillen absicherten. Auf der letzten Runde schaffte es schließlich Frei eine kleine Lücke gegenüber Indergand herauszufahren und sich somit die Silbermedaille zu sichern – der Schweizer Dreifacherfolg war perfekt! Eine ebenso große Überraschung gelang der Ungarin Kata Blanka Vas: Die erst 19-Jährige fuhr bereits am Start aus den hinteren Startreihen nach vorne, arbeitete sich in den letzten Runden bis auf den vierten Rang vor.

Überraschung auf dem vierten Platz
# Überraschung auf dem vierten Platz - Die jüngste Teilnehmerin im Damenfeld, die Ungarin Kata Blanka Vas, fuhr ein starkes Rennen

Die beiden deutschen Fahrerinnen konnten unterdessen ihren eigens gesteckten Erwartungen nicht gänzlich gerecht werden: Ronja Eibl, zuletzt noch beim Weltcuprennen in Les Gets unter die besten Zehn gefahren, wurde bereits am Start durch einen Stau aufgehalten und hatte im Folgenden sichtlich Mühe die Lücke zu den vor ihr fahrenden Kontrahentinnen zu schließen. Rund um Platz zwanzig reihte sich die junge Deutsche zunächst ein und arbeitete sich zwischenzeitlich in die Nähe der Top 15 vor. Gegen Ende des Rennes verließen sie jedoch etwas die Körner, sodass für Eibl der 19. Rang bei ihrer Olympia-Premiere zu Buche steht. Elisabeth Brandau konnte wie bereits in den vergangenen Rennen der Weltcupsaison nicht an die Leistungsstärke vergangener Jahre anknüpfen: Sie landete auf dem 32. Rang.

Top 20 für Ronja Eibl
# Top 20 für Ronja Eibl - Die junge Deutsche konnte bei ihrer Olympiapremiere nicht ganz an die Leistung des vergangenen Weltcuprennens in Les Gets anknüpfen und verpasste damit ihr angestrebtes Ziel unter die besten 15 zu fahren

Ergebnisse Damen

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Alle Artikel zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio:

  1. benutzerbild

    HW-RIDER

    dabei seit 12/2020

    Andererseits ist es auch Quatsch zu behaupten, dass Jolanda ihr den Weg abgeschnitten hat auf der Steinrampe wo Pauline gestürzt ist. Da war schon noch ordentlich Platz. Vielleicht hatte sie das Gefühl, dass das passieren könnte. Aber das hat sie dann halt falsch eingeschätzt. Passiert halt in der Hitze des Gefechts. 🤷‍♂️

    Ich habe ja unter #56 auch geschrieben, dass diese Aussage von PFP nach Sichtung der verfügbaren Aufnahmen nicht wirklich haltbar ist. Sehe es auch so wie du, JN ist ihre Linie weiter gefahren. Somit war alles i. O..

    Mein von dir zitierter Kommentar bezog sich ja auch nicht auf PFP oder JN, sondern auf einen anderen Userkommentar. Ich kenne jedenfalls keine Person die Rennen fährt und Verständnis für unfaire, rücksichtslose etc. Gegner hat. Das trotzdem mal etwas schief - auch ohne Absicht - läuft, liegt leider auch in der Natur der Sache, XCO-Rennen fährt man in der roten Zone bzw. am Limit.
  2. benutzerbild

    pseudosportler

    dabei seit 04/2004

    Muss jeder selbst wissen wie agressiv man fährt, aber an so Schlüsselstellen kann zu wenig Abstand den Unterschied zwischen Zielankunft und Aufgabe bedeuten, oder auch eine wesentlich schlechtere Platzierung, weniger ist manchmal mehr.
    Aber jeder so wie er mag.

    MfG pseudosportler
  3. benutzerbild

    ralphi911

    dabei seit 06/2005

    Muss jeder selbst wissen wie agressiv man fährt, aber an so Schlüsselstellen kann zu wenig Abstand den Unterschied zwischen Zielankunft und Aufgabe bedeuten, oder auch eine wesentlich schlechtere Platzierung, weniger ist manchmal mehr.
    Aber jeder so wie er mag.

    MfG pseudosportler
    Wir wissen ja jetzt alle, wie es ausgegangen ist. Diesmal war war mehr auch mehr!
  4. benutzerbild

    pseudosportler

    dabei seit 04/2004

    Wir wissen ja jetzt alle, wie es ausgegangen ist. Diesmal war war mehr auch mehr!
    Ja ist im dem Fall noch mal gut gegangen, dank ihrer exilenten Fahrtechnick.
    Da ist sie echt ganz weit vorne, immer schön zu anzusehen wen sie freie Fahrt hat, sieht einfach nur gut aus wie sie fährt.
    Aber sich in der Situation über PFP zu beschweren empfinde ich als Frechheit.

    MfG pseudosportler
  5. benutzerbild

    Burnhard

    dabei seit 08/2007

    Das stimmt nicht. Claude Jaggi und Thomas Frischknecht waren / sind im Zielraum vor Ort (und mussten - warum auch immer - draussen kommentieren, ohne Dach und nur mit einem kleinen Screen als Hilfe)

    Gruss
    Wenn die wüssten was wir in der Schweiz Rundfunkgebühren zahlen wäre das Gejammer noch grösser 😀

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